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Wolfsmond

von Lupina36
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Isabella "Bella" Marie Swan Jacob Black OC (Own Character)
13.12.2018
18.10.2020
6
12.585
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18.10.2020 2.007
 
Die schmale Straße schien kein Ende zu mehmen.
Wütend stöckelte ich in meinen unbequemen Schuhen in Richtung Forks. „Wenn ich diese Brianna erwische, kann sie was erleben!“, fluchte ich vor mich hin.
In einiger Entfernung entdeckte ich ein Schild. Es zeigte an, dass mein Ziel noch fast drei Meilen entfernt lag. Meine Füße schmerzten schon jetzt. „Verdammt! Warum habe ich mich auch hinreißen lassen, diese Schuhe anzuziehen?“, machte ich meinem Unmut Luft. Ich öffnete die Riemchen und streifte die Sandaletten von meinen Füßen.
„Na, prima! Ich habe jetzt schon Blasen an den Füßen. Das kann ja heiter werden.“
Der raue Asphalt war auch nicht gerade angenehm, doch ich entschied, dass es so immer noch besser war, als mit den hohen Schuhen weiterzulaufen.
Barfuß, die Schuhe in der Hand, folgte ich der Straße. Weit und breit war kein Wagen zu sehen. Niemand, der mir helfen oder mich mitnehmen konnte. Wenn ich wenigstens meine Handtasche mit dem Handy drin hätte, fluchte ich innerlich. Doch Tasche und Jacke lagen immer noch in Briannas Wagen.
Ich war froh, dass das Licht des zunehmenden Mondes mir den Weg ein wenig erhellte und die Sterne zwischen den Baumwipfeln hindurchleuchteten. Die Straße schlängelte sich endlos und kurvenreich dahin. An den Stellen, wo die Straße näher bei der Küste verlief, mischte sich das Rauschen der Wellen immer wieder in die nächtlichen Geräusche des Waldes.
Es war eine warme Nacht, und es hätte sicherlich sehr romantisch sein können, wenn ich nicht allein durch die Dunkelheit gelaufen wäre. Unwillkürlich musste ich an den Indianerjungen von der Strandparty denken. Warum ich mir wünschte, das ausgerechnet er an meiner Seite wäre, verstand ich selbst nicht.
In diesem Moment ließ mich ein Geräusch aufschrecken. Ich wusste nicht genau, was es war, aber irgendwas stimmte nicht! Ich hatte plötzlich das Gefühl, nicht mehr allein zu sein. Kurz blieb ich stehen und lauschte. Nichts war zu hören. Dann knackte es direkt hinter mir im Unterholz. Wahrscheinlich nur ein Tier, versuchte ich mich zu beruhigen.
Doch ich hatte mich nicht getäuscht. Deutlich vernahm ich schleichende Schritte. Zweige knackten, und Blätter raschelten als würde sich etwas großes dort bewegen. Etwas sehr großes!
Panik stieg in mir auf. Ich hatte keine Lust zu meinem Glück heute Abend, auch noch von einem Bären angefallen zu werden.
Ich raffte mein Kleid und beschleunigte meine Schritte. Ich lief immer schneller, bis ich schließlich rannte. Ich war mir sicher, dass mir jemand oder etwas folgte. Ein dunkler Schatten, wie in meinem Alptraum. Ohne mich umzudrehen, rannte ich immer weiter. Kleine Steinchen bohrten sich in meine Fußsohlen und trieben mir die Tränen in die Augen.
Als die Straße eine weitere Kurze zu den Klippen hin machte, lichtete sich der Wald. Ich sah die ersten beleuchteten Häuser von Forks in der Ferne. Ich blieb stehen und atmete tief durch.
Dann drehte ich mich um und spähte in den dunklen Wald zurück. Niemand war zu sehen. „Langsam werde ich verrückt!“, flüsterte ich.
Meine Hand hatte sich so fest um meine Schuhe gekrampft, dass sie jetzt wieder schmerzte. Dieser Schmerz wurde nur vom Pochen meiner Füße übertroffen. Ich wollte gerade weitergehen, als ich eine auffällige Silhouette an einer Kiefer entdeckte. Dort stand jemand im Dunkeln des Baumes und beobachtete mich.
Ich überlegte noch, ob ich weiterlaufen oder schreien sollte, als eine fremde und zugleich wohlklingende Stimme mich ansprach, die mir einen wohligen Schauer über die Haut kriechen lies.
„Machst du das öfter?“ „was, bitte?“, fragte ich. Die Gestalt löste sich aus dem Schatten und trat auf die mondbeschienene Straße. Erst jetzt erkannte ich das es sich um den Indianerjungen von der Strandparty handelte und augenblicklich machte mein Herz einen Hüpfer. Warum freute ich mich nur so ihn zu sehen? Ich verstand mich in diesem Moment selbst nicht mehr.
„Nachts barfuß durch den Wald laufen. Das ist nicht gerade ungefährlich.“ sagte er und in seiner Stimme schwang ein seltsam warnender Unterton mit. Ich musste zugeben das er damit gar nicht mal so unrecht hatte. Schließlich gab es in solchen Wäldern auch allerhand wildes Getier vor dem man sich in Acht nehmen musste. Mein Onkel Charlie hatte mich auch schon ein oder zweimal ermahnt vorsichtig zu sein wenn ich raus zum joggen in den Wald ging.
Ich seufzte schwer. „Glaub mir, das ich heute hier bin ist nicht allein meine Schuld“, schnaubte ich und versuchte nicht an Briannas schadenfroh grinsendes Gesicht zu denken.
„Was meinst du damit?“, fragte er und musterte mich nun aufmerksam. „Nicht so wichtig“, nuschelte ich leise. „Sag mir lieber was du hier machst. Schleichst du öfter durch den Wald um Mädchen die einsam durch die Dunkelheit wandern, aufzulauern?“, fragte ich in mit einem schiefen Grinsen. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Ganz ehrlich“, sagte er und sein Ton klang aufrichtig.
„Schon gut“, murmelte ich und bemerkte erst als ich auf meine Füße sah, das mein linker Fuß leicht blutete. Ich humpelte neben dem Indianerjungen her der mich erneut intensiv musterte. „Bist du verletzt?“, fragte er plötzlich deutlich besorgt und begann sich zu meinen Füßen hinunter zu knien.
„Halb so wild“, winkte ich ab. „Ich schätze ich bin vorhin beim Laufen in einen spitzen Stein oder so was getreten“, gab ich verlegen zu. Es war mir etwas peinlich das ein Fremder sich so sehr um mich sorgte. Doch seltsamerweise kam er mir gerade überhaupt nicht wie ein Fremder vor, obwohl ich noch nicht einmal seinen Namen kannte.
„Das ist meine Schuld, weil ich dir Angst gemacht habe“, sagte er nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte und klang dabei so als sei er wirklich wütend auf sich selbst. „Ich werde es überleben“, versuchte ich ihn zu beruhigte und probierte ein Lächeln zustande zu bringen. „Wie heißt du eigentlich?“ fragte ich ihn um ihn etwas abzulenken. „Jacob Black“, antwortete er sofort.
„Freut mich Jacob, ich heiße Leonie. Leonie Swan.“
„Leonie“, er sprach meinen Namen mit solch einer Inbrunst aus, als wäre es sein absolutes Lieblingswort, was mir unwillkürlich die Röte auf die Wangen trieb. Verdammt, was war nur los mit mir heute. Warum nur kam es mir so vor als würde mein Körper fast wie von allein auf ihn reagieren? Dabei kannte ich diesen Jacob vielleicht gerade mal ein paar Minuten.

Bevor ich noch länger darüber nachdenken konnte blendeten mich plötzlich zwei Autoscheinwerfer.
Ein Wagen kam knapp vor mir und Jacob zum stehen. Die Fahrertür flog auf und Onkel Charlie stieg aus. Wortlos legte er mir seine Jacke um die Schultern und führte mich zum Polizeiwagen ohne Jacob auch nur eines Blickes zu würdigen. Mich beschlich schlagartig ein ungutes Gefühl.
Kaum startete er den Wagen, begann er auch schon loszumeckern. „Kannst du mir erklären, was das für eine Aktion war, Leonie Swan?“
Ich war geschockt von dem scharfen Ton in seiner Stimme. Ich versuchte gerade noch, die Ereignisse dieser Nacht für mich selbst zu ordnen, und wollte meinen Onkel eben fragen, wieso er mir entgegengefahren ist und wie er mich überhaupt gefunden hatte. Doch ich kam gar nicht erst zu Wort.
„ Ich bin für dich verantwortlich solange mein Bruder in der Kur ist und du hast nichts besseres zu tun als so ein Ding abzuziehen. Brianna hat mich ganz aufgeregt angerufen und mir erzählt, sie würde sich große Sorgen um dich machen, weil du einfach mit einem wildfremden Typen abgehauen bist! Dabei wollte sie dich doch nach Hause fahren. Sie war völlig aufgelöst. Ich musste sie erst einmal beruhigen. Sie fühlte sich für dich verantwortlich, weil ich sie gebeten hatte, dafür zu sorgen, dass du wieder heil nach Hause kommst. Und dann so etwas! Ich bin sehr enttäuscht von dir. Ich hab dich nämlich bisher immer für ein vernünftiges Mädchen gehalten!“
Mir blieb bei der Schimpftirade meines Onkels der Mund offen stehen. Das war ja der Gipfel der Dreistigkeit!
„Aber das stimmt doch gar nicht!“, versuchte ich zu erklären. „Brianna lügt! Da war überhaupt kein Typ, sondern...“ „Natürlich!“ Charlie schnaubte wütend. „Dann hab ich mir also gerade nur eingebildet das du mit Jacob Black unterwegs warst?“ „Wir haben uns nur zufällig im Wald getroffen.“ Selbst in meinen Ohren klang diese Erklärung reichlich fadenscheinig.
„Was sollte denn Jacob dort mitten in der Nacht verloren haben?“, fragte Charlie und in diesem Moment klang es fast so als sei Jacob ein unschuldiger Engel und ich das kleine fiese Teufelchen das versuchte ihn auf den Pfad der Sünde zu führen.
„Das weiß ich auch nicht“, gab ich leise zu. Unter Tränen fuhr ich fort: „Ich musste ganz allein durch die Nacht laufen, weil Brianna mich sitzen gelassen hat. Und jetzt schreist du mich auch noch an. Das ist nicht fair!“ Charlie sog scharf die Luft ein. „Jetzt soll auch noch Brianna schuld an deinem unmöglichen Verhalten sein!“
Mein Gesicht brannte. Ich fühlte mich von aller Welt gedemütigt. Als Charlie den Wagen vor seinem Haus parkte, riss ich die Tür auf und lief ohne ein weiteres Wort in mein Zimmer.
Ich warf mich auf mein Bett und trommelte mit den Fäusten auf meine Matratze ein. Hatte sich denn die ganze Welt gegen mich verschworen? Nicht nur, das Brianna mich so böse vorgeführt und dann auch noch meinem Onkel diese Geschichte aufgetischt hatte. Zu allem Überfluss bestätigte Jacobs überraschendes Auftauchen auch noch Briannas Lügenmärchen.
Ich boxte verzweifelt in die Kissen. Und wenn es gar kein Zufall war? Wenn Jacob mit Brianna unter einer Decke steckte?
Ein kalter Schauer jagte mir über den Rücken. Das durfte nicht wahr sein. Nein, das wollte ich einfach nicht glauben! Ich weinte bittere Tränen über diesen Verdacht. Kaum hatte ich mich wieder etwas beruhigt schlief ich auch schon erschöpft ein.

Am nächsten Tag sprach ich beim Frühstück kein Wort.
Doch meinem Onkel schien dies nicht weiter zu stören. Als er schließlich zur Arbeit aufbrach drehte er sich noch einmal im Türrahmen zu mir um. „Ich möchte, dass du beim Haus bleibst. Ich will nicht das du alleine im Wald rumläufst und womöglich mit fremden Jungs rumlungerst.“
Als sich die Haustür hinter meinem Onkel schloss, hätte ich am liebsten die Teller an die Wand geworfen. Warum lief in diesem Sommer alles nur so schrecklich schief? Alles hätte so wundervoll sein können. Doch ich fühlte mich einfach nur einsam und unverstanden. Mein Bedürfnis mit jemanden über die Vorfälle der letzten Tage zu sprechen, wurde übermächtig.
Ich dachte an Jackie. Die müsste doch inzwischen angekommen sein. Rasch lief ich in mein Zimmer und holte mein Handy. Jackie ging gleich beim zweiten Klingeln ran. „Huhu, Jackie, wie geht es dir? Wie ist es bei dir so?“, fragte ich sie betont fröhlich.
„Es ist herrlich! Wir machen eine Strandparty nach der anderen! Ich habe richtig nette Leute kennengelernt“, sprudelte es aus Jackie heraus. „Hier sind total viele College–Studenten. Einer davon ist super süß! Er heißt Andrew und....warte mal kurz.“ Ich hörte im Hintergrund Stimmen, die durcheinandersprachen, und laute Musik. Jetzt lachte Jackie. „Ja, ich komme gleich. Hey, lass das, Andrew....ich bin kitzelig!“ Jackie kicherte aufgedreht. „Hör auf....ich telefoniere.“ Dann sprach sie wieder mit mir.
„ Sag mal, kann ich dich später zurückrufen? Wir wollen jetzt zum Beachvolleyball-Tunier. Ist das okay?“ „Hm, klar. Viel Spass!“ ich legte auf. Wirklich, ein super Sommer!
Als kurz darauf mein Telefon erneut klingelte, fragte ich hoffnungsvoll: „Jackie?“
„Nein, ich bin es“, informierte mich Onkel Charlie. „Gerade hat mich Brianna angerufen. Sie will nachher beim Revier vorbeikommen und deine Sachen abgeben. Ich möchte, das du ebenfalls hier bist und dich für dein Verhalten gestern bei ihr entschuldigst.“ „ Das werde ich auf keinen Fall tun!“, protestierte ich.
„Keine Diskussionen. Du entschuldigst dich!“, entschied Charlie. „Wenn du schon so ein unvernünftiges Verhalten an den Tag legst, möchte ich mich wenigstens dafür bedanken, dass sie deine Sachen herbringt. Ich weiß, das Brianna und ihre Freunde für Morgen eine Segeltour planen, und ich möchte das du dabei bist. In der Gruppe kommst du vielleicht nicht auf irgendwelche dummen Gedanken.“
Mit diesen Worten legte er auf. Nach diesem Gespräch starrte ich noch minutenlang auf mein Handy. Ein Segeltörn mit Brianna. Was für ein Traum!







Huhu! Nach langer Zeit melde ich mich hier auch mal wieder mit einem Kapitel zurück.
LG        Lupina
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