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Second Life as an Elemental.

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
13.12.2018
20.06.2020
21
124.349
9
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07.03.2019 5.047
 
Hmmmm….

Egal wie lange ich das Bild vor meinen Augen anschaue, es ist einfach nur merkwürdig. Ich habe vor kurzer Zeit eine Versammlung des gesamten Dorfes zusammen gerufen. Und genau das bringt mich zu dem gewöhnungsbedürftigen Anblick direkt vor mir.
Eine Mischung aus Goblins und den Dire-Wölfen sieht gespannt in meine Richtung und wartet auf meine Ansprache. Es wird ein paar Tage dauern dieses enge Zusammensein der beiden Klans als normal einzustufen. Vor allem weil sie letzte Nacht ja noch Feine waren.
Ehrlich gesagt macht mir diese extreme Zutraulichkeit der Goblins auch Sorgen. Immerhin ist es noch nicht einmal einen halben Tag her, da standen die Wölfe vor dem Dorf und wollten die Goblins vernichten. Dennoch haben die Goblins keinerlei Anzeichen von Zweifel oder Misstrauen gegenüber den Wölfen gezeigt, seitdem diese sich mir unterworfen haben. Ist das normal? Ich meine, Vertrauen ist ja schön und gut, aber sollte man gegenüber jemandem der einen vor ein paar Stunden noch umbringen wollte nicht wenigstens ein Bisschen Misstrauen haben?
Naja, vielleicht ist das aus Sicht eines Monsters eine andere Sache. Außerdem ist es für mich leichter wenn die zwei Klans sich sofort verstehen und keine Schwierigkeiten entstehen.

Da kann ich auch erneut dankbar sein, dass ich keinen Schlaf benötige. So konnte ich letzte Nacht zumindest über das Dorf wachen. Dies zwang mich jedoch im Dorf zu bleiben, da ich sicherheitshalber vor Ort sein wollte um im Falle eines Angriffs auch sofort eingreifen zu können. Eigentlich wollte ich mir die direkte Umgebung des Dorfes ansehen, aber der Schutz meiner neuen Basis geht schließlich vor.
Außerdem gab mir mein Wachdienst auch die Gelegenheit mich mit meiner neuen Fähigkeit Mental-Link vertraut zu machen. So simple wie dieser Skill ist, so genial ist er auch was die Kommunikation mit meinen Verbündeten angeht. Es erlaubt mir ein mentales Netzwerk zu erstellen und dadurch mit jeder in diesem Netzwerk registrierten Person in Kontakt zu treten. Zeit und Entfernung spielen dabei keine Rolle. Die verbrauchten Magicules sind anscheinend abhängig von der Distanz. Die genauen Kosten konnte ich natürlich noch nicht ermitteln, da ich ja bisher immer in der Nähe war.
Was allerdings etwas nervig und zeitaufwendig war, war die Bewohner des Dorfes zu registrieren. Dafür musste ich mich mental mit jedem Einzelnen verbinden. Und da ich die Namen meiner Gefolgsleute noch nicht kenne, musste ich sie zuerst anhand des Magie-Sinn anvisieren um die Verbindung herzustellen. Keine leichte Sache, wenn alle so nah beieinander sind. Es hat zwar etwas gedauert, aber immerhin habe ich die Angelegenheit damit erledigt.

Den Rest der Nacht nutzte ich um mir Gedanken darüber zu machen wie es jetzt weitergehen soll. Mein grundlegendes Ziel ein eigenes Reich zu erschaffen bleibt selbstverständlich weiterhin bestehen, aber so etwas schafft man ja nicht mal eben schnell in einer Nacht. Ich muss mich also Schritt für Schritt an das Ziel heranarbeiten.
Im Augenblick heißt das mein Dorf auszubauen und die Stärke meiner Armee zu erhöhen. Wenn man eine kleine Zahl Goblins und Dire-Wölfe als solche bezeichnen kann. Und eine Sache ist natürlich vor dem Ausbau zu erledigen: die Versorgung.
Ohne die entsprechende Versorgung kann man weder eine ordentliche Basis erschaffen, noch eine Streitmacht ausbauen. Zuerst muss ich mich also um Essen und Unterkünfte kümmern. Ach ja, Kleidung ist auch ziemlich wichtig, denn die Goblins brauchen dahingehend dringend ein Upgrade. Rüstungen und Waffen zähle ich einfach mal zur Kleidung hinzu.
Ich habe mir also einen Plan ausgedacht wie ich die Versorgungssache angehe. Genau dieser Plan bringt mich also zu der aktuell stattfindenden Versammlung.

„In Ordnung, dann fangen wir mal an“ sage ich zu der Gruppe und mache darauf eine kurze Pause um die Reaktionen abzuwarten. Da ihre Blicke aber bereits auf mich fokussiert sind, ändert sich im Grunde nicht viel. Ich fahre somit fort.
„Der Grund für diese Versammlung ist der Weg den wir von nun an einschlagen werden. Mein Ziel ist es dieses Dorf zu erweitern und irgendwann unsere eigene Nation zu erschaffen, in der wir in Frieden leben können.“
Erneut warte ich auf eine Reaktion, aber auch diesmal passiert nicht viel. Ich mache also weiter.

„Um das zu erreichen haben wir aber noch viel zu tun. Worauf wir uns allerdings im Augenblick konzentrieren sollten, ist die Versorgung unserer neuen Familie. Wie ihr wisst ist unsere Zahl mit dem Zukommen der Wölfe stark gewachsen. Die Beschaffung von Essen und der Bau neuer Unterkünfte sind somit sehr wichtig und notwendig.
Ich habe vor verschiedene Gruppen zu erstellen für die Aufgaben wie Nahrungsbeschaffung, Hausbau und ein paar andere Sachen. Es ist allerdings etwas schwierig für mich, da ich eure Namen nicht kenne. Gibt es hier jemanden mit Namen?“

Mit meiner letzten Frage richte ich meinen Blick auf den Ältesten der Goblins. Dabei fällt mir wieder einmal seine extrem zittrige Körperhaltung auf. Es würde mich echt nicht wundern, wenn er jeden Augenblick tot umfällt.

„Von uns besitzt niemand einen Namen“ antwortet er mir.

Diese Antwort habe ich bereits erwartet. Bahamut sagte ja das Monster für gewöhnlich keine Namen besitzen. Ich hatte zwar gehofft dass zumindest ein paar von ihnen bereits Namen besitzen, aber es ist ja auch nicht zwingend notwendig dass sie bereits welche haben. Nach der erhaltenden Antwort schaue ich zum Sohn des verstorbenen Rudelführers der Wölfe.

„Wie sieht es bei euch Wölfen aus?“

„Auch von uns besitzt keiner einen Namen.“

Wie vorhergesehen die gleiche Antwort. Vermutlich wäre ein Wolf mit Namen ja auch der Anführer gewesen.

„Das ist echt unpraktisch. Zum Festlegen der Gruppen und auch für das normale Ansprechen wäre es besser wenn ihr Namen habt“ sage ich und fasse mir mit meiner rechten Hand an mein Kinn um nachdenklich zu wirken. Ehrlich gesagt ich das nur gespielt, da ich bereits letzte Nacht entschieden habe meinen Gefolgsleuten Namen zu geben. Ich will es nur nicht zu offensichtlich machen.

„Ok, dann werde ich euch eben benennen“ fahre ich nach einer kurzen Pause fort.

Nun zeigen sie auch endlich mal eine Reaktion, denn sämtliche Gesichter zeigen klare Überraschung. Wenn man bedenkt was das für Monster bedeutet, ist ihr Erstaunen aber auch normal.

„Sind sie sich da wirklich sicher?“ vergewissert sich der Älteste.

„Mit Namen ist es doch einfach praktischer. Oder wollt ihr etwa keinen haben?“

„Natürlich wären wir geehrt vom mächtigen Leo-sama Namen zu erhalten“ antwortet der zittrige Goblin.

„Dann ist es beschlossen. Ich gebe euch Namen.“

Kaum habe ich den letzten Satz ausgesprochen, beginnen alle ihre Freude lautstark und offen zu zeigen. Wie wild springen sie umher und schreien nervig laut. Einige umarmen sich gegenseitig und andere tanzen. Die Wölfe springen auf und ab und werden ebenso von den Goblins umarmt. Selbst der Älteste fuchtelt wie wild mit seinen Händen herum. Ich hoffe er bekommt keinen Herzinfarkt.
Ich lasse ihnen ihren Augenblick der Freude und warte bis sie sich langsam wieder beruhigen. Nach ein paar Minuten ist die Lautstärke weit genug gesunken damit ich wieder das Wort ergreifen kann.

„Na dann formt mal eine Reihe damit wir loslegen können. Ich fange mit den Goblins an.“

Wie angewiesen bilden die Monster eine Schlange. Der Erste ist der Goblin-Älteste, der nun wieder mit seiner üblichen zittrigen Haltung darauf wartet einen Namen zu bekommen.

„Wie war nochmal der Name deines Sohnes?“

„Sein Name war Rigur.“

„Dann ist dein Name von nun an Rigurd.“

Sofort beginnt der Körper des nun benannten Ältesten in einem gelben Licht zu erstrahlen. Nach ein paar Sekunden verschwindet das Licht wieder und die erste Namensgebung ist erledigt.

„Vielen Dank“ spricht er mit Tränen in den Augen. Danach geht er zur Seite um für den Nächsten Platz zu machen. Dabei handelt es sich um den Goblin, dem ich im Wald gerettet habe. Dank seines roten Kopftuches ist er leicht zu erkennen. Oh und er ist ebenso ein Sohn des Ältesten und somit der Bruder des gefallenen Schutzkriegers. Daher ist sein Name quasi bereits beschlossen.

„Du erbst den Namen deines Bruders. Dein Name ist Rigur“ sage ich zu ihm und somit erstrahlt auch er in dem Licht. Die beiden Familienmitglieder schmeißen sich vor mir auf den Boden und zeigen erneut ihre Dankbarkeit.

Nachdem die Zwei dann endlich aus dem Weg gehen, fahre ich mit der Prozedur fort. Einer nach dem Anderen bekommen die Goblins ihre Namen. Wobei ich zugeben muss, dass meine Kreativität dabei sehr schwach ist. Die meisten Namen haben etwas mit Goblins zu tun wie zum Beispiel Gobta, Gobzo, Gobchi, Gobte, Gobtsu oder Ähnliches. Also alles andere als einfallsreich.
Ich sehe auch nicht ein mir für jeden Einzelnen einen einzigartigen oder besonderen Namen auszudenken. Es sind immerhin mit den Wölfen über 150 davon. Das würde ewig dauern. Zumal ich mich vermutlich nie an alle erinnern werde. Erst recht nicht wenn die Zahl der Bewohner weiter steigt.
Ich hatte mir auch schon überlegt dass die Monster ihre eigenen Namen wählen und ich ihnen diese dann lediglich gebe, aber für die allererste Namensgebung ist das vermutlich keine gute Idee. Etwas Autorität sollte ich ja schon zeigen.
Allerdings gebe ich zu bei den stark wirkenden Männern oder gutaussehenden Frauen schon einen guten Namen zu wählen. Falls sie sich entwickeln kann es durchaus sein dass ich sie in wichtige Positionen einsetze. Und eine hübsche Frau sollte einen schönen Namen haben.

Nach einiger Zeit habe ich es dann endlich geschafft und sämtliche Goblins des Dorfes haben nun einen Namen. Damit sind jetzt die Dire-Wölfe an der Reihe.

„Sind sie sich sicher dass sie alle auf einmal benennen möchten?“ meldet sich auf einmal Rigurd mit besorgter Stimme.

„Wieso nicht? Ist das ein Problem für euch?“

„Natürlich sind wir uns über ihre enorme magische Stärke bewusst, aber sollten sie nicht trotzdem vorsichtig sein?“

„Nur keine Sorge, das geht schon klar“ antworte ich ihm. Ich verstehe zwar seine Sorge nicht wirklich, aber es freut mich dennoch dass ihm mein Wohlbefinden wichtig ist.
„Weiter geht’s“ meine ich dann und drehe mich wieder zur Schlange.

Der erste Wolf ist der Sohn des verstorbenen Rudelführers. Ich schätze mal als dessen Sohn hat er seine Rolle als Anführer übernommen.
Für ihn habe ich mir bereits einen Namen überlegt. Sein Ursprung stammt aus einem Computerspiel, das ich vor langer Zeit gespielt habe. Da konnte man Monster als Gefährten beschwören. Ich hatte immer eine Art Wolf mit einem gezackten Horn dabei, welcher Blitze nutzen konnte. Ich fand ihn total cool und da er wie der Sohn des Rudelführers ein Sternenmuster auf der Stirn hatte, habe ich beschlossen den gleichen Namen zu benutzen.

„Dein Name ist Raiga.“

„Raiga“ wiederholt er seinen Namen während er aufleuchtet. Das Wedeln seines Schwanzes zeigt mir dass er anscheinend damit zufrieden ist.

Dann tritt der nächste Wolf vor und wartet auf seinen Namen. Mir fällt sofort die Narbe über sein linkes Auge auf. Sie verläuft senkrecht und ist recht lang, aber sein Auge an sich ist unverletzt. Dank der Narbe und seines extrem scharfen Blickes wirkt er wie eine Art Wächter oder Beobachter. Es gibt mir das Gefühl er könnte ohne Probleme durch Verwandlungen sehen.
Dank dieses sehr auffallenden Merkmals fällt mir plötzlich ein Name ein. Ich weiß zwar nicht mehr woher ich den Namen habe, aber er soll wohl die Bedeutung von Wachsamkeit haben. Einfach passend für die Rolle, die mir für diesen Wolf vorstrebt.

„Du wirst der Anführer der Späher sein. Dein Name ist Jorn.“

Mit einer Verneigung seinerseits durchgeht auch er die Leuchtprozedur bevor er sich zu Raiga gesellt. Der nächste in der Reihe tritt vor und stellt sich vor mir. Ich habe keine Ahnung warum, aber bei seinem Anblick muss ich sofort an einem jagenden Tier denken. Es ist irgendetwas an seiner Haltung was diesen Gedanken in mir hervorruft. Als würde ich einem Raubtier kurz vor einem Angriff auf dessen Beute zusehen.
Mir ist durchaus bewusst dass es sich ja um ein Jagdtier handelt, aber dennoch hat dieses Tier einfach eine sehr eigene Körperhaltung. Daher beschließe ich auch direkt seine künftige Rolle und seinen Namen.

„Du wirst die Jäger anführen. Dein Name ist Bhadra.“

Wenn ich mich richtig erinnere war das der Name eines Jägergottes in einer Religion. Mir fällt allerdings nicht ein welche. Zumindest gefällt er mir.
Plötzlich habe ich ein seltsames Gefühl. Seltsam deswegen, weil ich eine Schwächung fühle. Meine Magicules haben abgenommen obwohl ich keinen Skill benutzt habe. Ich habe doch lediglich Namen vergeben.
Moment! Sag mir jetzt bloß nicht es liegt daran.

Hey Libra, kann es sein dass Namen vergeben Magicules verbraucht?

[Korrekt.]


Großartig, warum bekomme ich solche Informationen nicht vorher? Jetzt ist mir auch klar warum sich der Älteste Sorgen gemacht hat. Er hätte ja auch gleich mit dieser Tatsache rausrücken können. Aber was soll’s, rückgängig machen kann ich es ohnehin nicht mehr. Außerdem sollte es mit der verbleibenden Menge an Energie möglich sein den Rest der Wölfe zu benennen.
Da kommt mir aber ein Gedanke. Es ist vielleicht etwas verrückt, aber ein ganz spezielles Klischee kommt mir in den Sinn. Wie oft habe ich in meiner früheren Gamer-Zeit so eine Situation durchgemacht. Weil ich einfach viel davon hatte, habe ich Mana, Stamina und Items bei Kämpfen gegen Kleinvieh verbraucht. Oder in Aufbauspielen die Ressourcen. Und genau darauf wurde ich von Monstern besiegt, die ich eigentlich ohne Probleme erledigen hätte können, wenn ich meine Reserven vorher nicht verbraucht hätte.
Ich weiß dass es nur Games waren und die Wahrscheinlichkeit für so eine Situation gering ist, aber warum ein Risiko eingehen. So dringend ist die Namensgebung ja nun auch wieder nicht. Damit kann ich auch nach der Regeneration meiner magischen Kraft weiter machen.

Ich sollte diesen Gedanken jedoch nicht so einfach den restlichen Wölfen mitteilen. Schließlich möchte ich nicht dass jemand wegen Enttäuschung auf dumme Ideen kommt. Daher entscheide ich mich für etwas Schauspielerei.
Ich lasse mich auf die Knie fallen um Erschöpfung zu zeigen.

„Leo-sama, ist alles in Ordnung?“

Wie erhofft sprechen direkt einige Goblins ihre Sorgen aus.

„Sieht so aus als hätte ich den Verbrauch der Magicules doch unterschätzt. Ich glaube ich sollte mich etwas ausruhen um wieder zu Kräften zu kommen“ spreche ich und raffe mich wieder auf. Schwäche zu schauspielern ist gar nicht so leicht.

„Selbstverständlich. Rigur, bringe Leo-sama in mein Haus“ befiehlt der Älteste.

Während ich dorthin geführt werde, schaue ich immer wieder flüchtig zu den Wölfen. Es sieht nicht so aus als nehmen sie mir es übel. Im Gegenteil, sie wirken besorgt, was mich wiederum erleichtert.
Kurz darauf bin ich dann auch alleine im Haus. Da ich mich nicht wirklich ausruhen muss, werde ich die Zeit nutzen um an meinen Fähigkeiten herum zu spielen. Aber zuerst brennt in mir noch eine Frage.

Libra, gibt es einen Weg die Menge an Magicules in mir zu erhöhen?

[Die Menge der Magicules in einem Elementar ist abhängig von der Menge des eigenen Elements. Das Absorbieren des passenden Elements erhöht die Gesamtmenge an Magicules.]


Das bedeutet also dass meine magischen Energien steigen umso mehr Blut ich verschlinge. Na das ist doch ein recht einfacher Weg. Jetzt bin ich echt froh, die ganzen Monster in der Höhle verschlungen zu haben.
Und wenn ich so darüber nachdenke, habe ich dann nicht einen Riesen Vorteil gegenüber anderen Elementaren? Wenn es so wie in Spielen ist, dann nutzen Elementare üblicherweise ihr eigenes Element für Angriffe. Was wiederum deren Gesamtmenge an magischer Kraft reduziert. Ich hingegen absorbiere zwar Blut von getöteten Monstern, aber ich nutze es nicht für Angriffe. Meine Stärke steigt somit beständig an.
Das ist doch mal eine geile Sache. Bisher dachte ich dass ich das kurze Ende gezogen habe, aber diese Tatsache dreht es komplett herum.
Wieviel sich meine Kräfte wohl erhöhen würden, wenn ich alle Monster aus dem Dorf verschlinge? Natürlich werde ich das nicht tun und mir ist klar dass allein der Gedanke daran mich schon zu einem schlechten Menschen macht, aber ein kleiner Reiz ist schon irgendwie da.
Mit dem freudigen Gedanken an die eben gelernte Stärkungsmethode beginne ich nun an meinen Skills zu basteln.

Die Zeit vergeht dabei erstaunlich schnell und so verbringe ich ca. 5 Stunden mit der Beschäftigung. Da meine Energien ebenso fast aufgefüllt sind wird es wohl Zeit die Namensgebung fortzusetzen. Ich verlasse also die Hütte um alle zusammen zu rufen. Als ich jedoch herauskomme, erblicke ich etwas was mich vor Schock erstarren lässt.
Ich kann nämlich nicht einen Goblin erkennen. Genauer gesagt laufen überall grüne Wesen umher, die fast wie Menschen aussehen. Es ist schwer zu glauben, aber die kleinen Monster haben sich anscheinend alle in eine bessere Form entwickelt. Ich hatte ja mit einer Stärkung gerechnet und vermutet das um die 1/3 von ihnen eine Evolution vollzieht, aber alle? Das kommt dann doch sehr überraschend.

„Leo-sama, ich sehe ihr habt euch erholt“ ertönt eine Stimme zu meiner Rechten. Ich drehe mich in die Richtung und sehe einen grünen Muskelprotz neben mir stehen.

„Wer bist du?“ frage ich mit einem leeren Gesichtsausdruck.

„Rigurd“ antwortet er und macht dabei eine Pose um seine Muskel noch deutlicher zu demonstrieren.

Erneut erstarre ich. Dieser Typ soll der halbtot wirkende Älteste sein? Ich meine mal ganz abgesehen von der körperlichen Veränderung sieht er sogar Jahre jünger aus als vorher. Hätte ich ihn noch nie gesehen, würde ich niemals auf den Gedanken kommen dass dies der Älteste ist. Er ist nun auch größer als ich. Schätzungsweise um die 1,90m.

„Was ist passiert?“ frage ich um auf Nummer sicher zu gehen.

„Weil ihr uns benannt habt. Einen Namen zu besitzen erhöht den Rang eines Monsters und erlaubt es eine Evolution zu entgehen. Dank ihnen haben sich alle Goblins des Dorfes entwickelt“ entgegnet er und macht weiterhin verschiedene Posen um seine Muskeln spielen zu lassen.

In diesem Moment bin ich wirklich froh nicht schlafen zu müssen, denn dieses Bild würde mich bestimmt in meinen Träumen verfolgen.
Es stimmt also was ich gesehen habe und tatsächlich alle Goblins haben sich entwickelt. An sich ist das natürlich positiv, aber es bedeutet auch wir brauchen noch mehr Platz als vorher.

„Meister, erlaubt mir meine Freude über eure Erholung auszudrücken.“

Die gerade ertönte Stimme erkenne ich sofort. Das muss Raiga sein. Es kam von meiner linken Seite her, also drehe ich mich um……….

Heilige Scheiße!

Was zur Hölle ist das für ein Monster? Und Monster meine ich dabei buchstäblich. Vor mir steht ein gut 2 Meter großer Wolf. Auf dessen Stirn ist ein Sternenmuster und in der Mitte des Sterns befindet sich ein ca. 40 Zentimeter langes Horn. Das soll Raiga sein?

„Raiga?“ frage ich etwas verunsichert.

„Jawohl“ antwortet er und wedelt dabei mit seinem Schwanz.

Ok, es ist Raiga. Und ich dachte die Entwicklung der Goblins hinsichtlich ihrer Größe war überraschend. Aber dieser Wolf sprengt die Grenzen. Und nicht nur sein Körper ist gewachsen, denn auch die Anzahl seiner Magicules hat sich locker verzehnfacht.
Die Evolution der Monster ist echt beeindruckend. Ob das auch mit den anderen Wölfen passiert wenn ich sie benenne? Mit diesem Gedanke schaue ich zu den Artgenossen hinter Raiga.

Hmmm?

Moment mal! Die haben sich ja auch entwickelt! Sie sind definitiv größer als vorher, aber an Raiga kommen sie nicht heran. Obwohl sie bestimmt auch ungefähr 1,50m groß sind. Und zwar jeder von ihnen.

„Wieso haben sich alle Wölfe entwickelt?“ frage ich den Wolf vor mir und zeige dabei auf den Rest.

„Mein Meister, wir Dire-Wölfe sind alle miteinander verbunden und da ich als der Rudelführer angesehen werde, wurde mein Name zwischen uns geteilt.“

Mich als Meister zu bezeichnen ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber zumindest habe ich die gewünschte Information bekommen. Die Wölfe haben also einen geteilten Namen untereinander und haben sich so alle entwickelt. Daher sind sie vermutlich auch nicht so groß geworden wie ihr Anführer. Zum Glück, denn 100 solcher Exemplare wie Raiga zu haben würde echt für Platzmangel sorgen. Ganz zu schweigen von der Nahrungsversorgung.
Da fällt mir plötzlich ein dass ich doch noch zwei weitere Wölfe benannt habe. Was ist also mit Jorn und Bhadra?
Ich sehe mich also kurz um und erblicke auch schnell einen speziellen Wolf. Er ist etwas größer als der Rest seines Klans und seine Fellfarbe ist komplett anders. Verschiedene Grau- und Schwarztöne machen ihn deutlich dunkler als den Rest. Außerdem ist es eine optimale Tarnung im Schatten. Er hat eine Narbe über seinem linken Auge, aber was ganz besonders auffällt sind seine Augen. Sie sind in einem tiefen Orange und wirken als würden sie leuchten.
Sein Blick ist einfach einzigartig. Ohne Zweifel handelt es sich dabei um Jorn.

Ein weiteres Mal sehe ich mich um und entdecke auch schnell den dritten Wolf mit Namen. Auch er ist ein bisschen größer als seine namenlosen Artgenossen. Seine Fellfärbung ist auch deutlich verändert mit einer Kombination aus weiß und braun. Allerdings fallen auch seine Augen stark auf, denn sie sind unterschiedlich gefärbt. Sein rechtes Auge hat ein helles blau und sein linkes ein helles violett. Er erinnert mich zwar nicht gerade an einem Jäger, aber bei ihm kann es sich nur noch um Bhadra handeln.
Ich bin schon sehr gespannt auf ihre Fähigkeiten, aber dafür ist noch früh genug Zeit. Im Augenblick ist eine andere Sache wesentlich wichtiger. Daher wende ich mich wieder zu Rigurd.

„Es gibt noch etwas zu besprechen. Ruf alle zusammen.“

„Sehr wohl“ antwortet er und macht sich an die Arbeit.

Ein paar Minuten später haben sich auch schon alle zusammen gefunden. Es ist ein komplett anderer Anblick als vor ihrer Evolution. Rigurd steht links neben mir und Raiga hat sich hinter uns gelegt.

„Ok, dann fahren wir mal mit der vorherigen Versammlung fort. Aber vorweg will ich euch zu eurer Entwicklung gratulieren.“

Die Anwesenden beginnen zu jubeln. Die Wölfe heulen lautstark. Der Jubel hält einen Moment an bevor die Masse sich wieder langsam beruhigt.

„Wie schon vorher erwähnt sind wir nun eine große Familie. Jetzt sogar noch größer, da ihr alle körperlich gewachsen seid. Das heißt aber auch es gibt nun noch mehr zu tun. Mehr Platz ist notwendig um jeden unterzubringen. Die Menge an Nahrung und Wasser hat sich ebenso erhöht. Um das alles zu erreichen ist es äußerst wichtig, dass wir zusammen arbeiten. Und damit es keine Probleme gibt brauchen wir Regeln.“

Nach dem letzten Satz sehen sich die Bewohner gegenseitig fragend an. Nicht wirklich verwunderlich, da sie bisher vermutlich nur nach dem Gesetz der Natur gelebt haben. Trotzdem ist die Einführung von Regeln zwingend erforderlich. Ich habe schließlich vor meine Untertanen auszubauen, da kann ich es nicht gebrauchen wenn sie für Schwierigkeiten sorgen weil es keine Ordnung gibt.

„Ich werde also ein paar Grundregeln einführen und ich will dass ihr sie auch befolgt. Verstanden?“

„Ja!“ rufen die Monster synchron.

„Gut. Dann zähle ich die neuen Regeln mal auf. Regel Nummer 1!“ rufe ich und zeige dabei mit meiner Hand einen Finger um die Zahl zu verdeutlichen.

„Keine Gewalt untereinander!“ spreche ich die Erste aus. Ich lege eine kurze Pause ein um diese Aussage sinken zu lassen. Aber ich kann sofort anhand ihrer Gesichtsausdrücke erkennen, dass sie nicht wirklich wissen was genau ich damit meine.

„Ich erkläre euch was ich damit meine. In einer großen Familie wie unserer und vor allem mit unterschiedlichen Arten kann es durchaus dazu kommen, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt. Das ist absolut normal und auch nichts Schlimmes. Was ich aber nicht erlaube ist solche Situationen mit Gewalt zu lösen. Wenn ihr mal anderer Meinung seid, dann versucht es mit Worten zu lösen. Und wenn ihr trotzdem nicht zu einer Lösung kommt, dann holt euch jemanden zur Hilfe. Egal ob ihr Rigurd, Raiga oder mich dazu holt, versucht es ohne Gewalt zu klären. Ich will keine Kämpfe zwischen meiner Familie sehen.“

Ich kann erkennen dass sie meine Erklärung verstanden haben.

„Klar soweit?“ frage ich sicherheitshalber nochmal nach.

„Ja!“ kommt es wieder zur gleichen Zeit von den Anwesenden.

„In Ordnung. Dann machen wir mal weiter mit Regel Nummer 2!“ sage ich und deute dabei die entsprechende Zahl mit meinen Fingern an.

„Keine Angriffe gegen Menschen!“

Wieder warte ich einen Augenblick, aber diesmal haben sie wohl die Regel verstanden. Wenn man bedenkt dass sie mich für einen Menschen halten, ist es aber kein Wunder dass sie diese Regel nicht hinterfragen. Dennoch habe ich etwas klar zu stellen.

„Auch hier gebe ich eine Erklärung. Der Grund für diese Regel ist das Menschen üblicherweise in großen Gruppen leben und leicht zu provozieren sind. Wenn sie uns also aufgrund eines Angriffs unsererseits attackieren, könnten wir uns vermutlich nicht wehren. Solange es geht will ich Kämpfe vermeiden, daher will ich nicht dass jemand Menschen angreift. Selbstverständlich könnt ihr euch verteidigen wenn euer Leben oder das eurer Kameraden in Gefahr ist. Versucht dann aber den Gegner nicht zu töten, sondern ihn nur bewusstlos zu machen.
Also, Menschen werden nicht angegriffen außer zur Selbstverteidigung oder wenn es ein klarer Befehl von mir ist. Verstanden?“

Wieder antworten sie positiv.

„Regel Nummer 3!“

Wie zuvor zeige ich die Nummer an.

„Zeigt Respekt gegenüber anderen, auch wenn sie schwächer sind. Macht nie den Fehler und haltet euch für etwas Besseres nur weil ihr stärker seid. Wie ihr kann sich ein schwaches Monster entwickeln und versuchen sich zu rächen. Solche unnötigen Probleme brauchen wir nicht. Also, kein herabschauen gegenüber schwächere Monster!“

„Ja!“

„Perfekt. Das waren die Grundregeln fürs Erste. Es kommen bestimmt irgendwann neue Regeln dazu, aber ich möchte dass ihr diese Drei auf jeden Fall befolgt.“

Nachdem ich nun die ersten Richtlinien gesetzt habe, komme ich zu der Verteilung von Aufgaben. Da ich mir vorweg bereits Gedanken gemacht habe, fällt die Einteilung nicht schwer. Wie angekündigt ernenne ich Jorn zum Anführer der Späher. Seine Aufgabe wird hauptsächlich das Erkunden sein. Selbstverständlich auch die Überwachung der Landschaft um mein Dorf. Ich überlasse ihm die Wahl der Wölfe für seinen Trupp.
Bhadra bekommt ebenso seine bei der Namensgebung genannte Position als Führer der Jäger. Er soll drei bis vier kleine Gruppen bilden und sich um die Jagd nach Fleisch kümmern.
Raiga gebe ich das Kommando der gesamten Wölfe. Außerdem bekommt er die Aufgabe sich um die Verteidigung des Dorfes zu kümmern. Dafür soll er seine Artgenossen um das Dorf herum positionieren, damit im Falle eines Angriffs entsprechend reagiert werden kann.
Die restlichen Wölfe sollen vorerst den Goblins helfen soweit es geht und auf Abruf bereit stehen.

Rigurd ernenne ich als Chef der Goblins, was ihn sichtlich glücklich macht, da er anfängt zu weinen. Außerdem mache ich ihn zu meiner rechten Hand wenn es um Entscheidungen im  Dorf geht. Seine Erfahrungen als Ältester werden dabei sehr hilfreich sein und ehrlich gesagt habe ich einfach keine Lust mich um jede Kleinigkeit zu kümmern. Natürlich werde ich ihm diesen letzten Teil nicht verraten.
Ich gebe ihm auch direkt die Aufgabe einige der Goblins für Nahrungsbeschaffung zu organisieren. Dabei soll die Priorität bei Obst, Gemüse und sonstiger Nahrung liegen. Wasser selbstverständlich auch.
Weiterhin soll er einige Krieger auswählen, die zusammen mit den übrig gebliebenen Wölfen trainieren. Das soll später mal so eine Art Kavallerie werden. Ich muss schließlich auch an militärische Macht denken.
Zu guter Letzt soll er so viele Goblins wie möglich für den Bau neuer Unterkünfte nutzen. Und da wir ohnehin mehr Platz brauchen, gebe ich ihm den Auftrag die umliegenden Bäume zu fällen und als Material zu benutzen.
Doch als ich ihm diesen Auftrag gebe, schaut er mich etwas komisch an. Ich habe eine schlechte Vorahnung dabei.

„Ähm…Leo-sama…“ spricht er mit einer eher schwachen Stimme.

„Ja?“

„So peinlich es auch ist, wir haben leider niemanden der solche Talente besitzt.“

Verstehe, daher also seine eigenartige Haltung.

„Hmmm… Dann vermute ich mal, dass auch niemand etwas über die Herstellung von Kleidung und der gleichen weiß.“

„Das ist leider richtig. Ich bitte vielmals um Vergebung“ spricht er und verbeugt sich entschuldigend.

„Schon gut, schon gut. Es ist ja nicht eure Schuld dieses Wissen nicht zu besitzen. Allerdings stellt uns das vor eine Herausforderung. Wir brauchen auf jeden Fall Leute mit diesen Fähigkeiten für die Zukunft. Gibt es denn in der Nähe einen Ort an dem ich jemanden mit solchen Talenten finden kann?“

„Außerhalb des Waldes gibt es eine 5-Tages-Marsch entfernte Handelsstadt. Wir haben ein paar Mal versucht dort Handel zu betreiben. Dort leben Menschen mit den gewünschten Fähigkeiten.“

„Verstehe. Ohne die nötigen Fähigkeiten kommen wir nicht wirklich voran. Ich sollte wohl besser selbst dort hingehen und sehen ob ich jemanden für unser Dorf gewinnen kann oder zumindest das Wissen mit uns teilt. Kann mich jemand dorthin führen?“

„Jawohl, Rigur kennt den Weg. Er war jedes Mal dabei.“

„Dann sollten wir auch keine Zeit verlieren. Rigur, packe das Notwendigste für die Reise ein und treffe mich am Dorfeingang.“

„Zu Befehl“ antwortet er und salutiert kurz bevor er seine Vorbereitung beginnt. Wo er wohl salutieren gelernt hat?

Ich gebe Raiga die Anweisung einen weiteren Wolf heranzuholen damit ich und Rigur auf den Beiden reiten können. Das wird die Reise etwas verkürzen.
Dann gebe ich den Ältesten den Befehl zumindest ein paar Unterstände zu bauen. Auch wenn den Goblins das nötige Wissen fehlt, sollten sie zumindest dazu in der Lage sein. Und ein leichter Schutz vor Sonne und Regen ist besser als gar keiner.
Zusätzlich weihe ich ihn in meinen Skill Mental-Link ein und erkläre ihm wie er mich in Notfällen kontaktieren kann.

Eine halbe Stunde später sind wir dann bereit zur Abreise. Ehrlich gesagt habe ich mir das Reiten auf Raiga aufgrund seiner Größe schwer vorgestellt, aber es stellte sich heraus, dass er seine Größe selbst anpassen kann. Er hat sich daher etwas verkleinert damit ich problemlos auf ihm reiten kann.

„Dann werden wir mal losziehen. Kümmere dich gut um das Dorf während ich weg bin“ spreche ich zu Rigurd.

„Sehr wohl, ich werde sie nicht enttäuschen“ antwortet er mit einer Verneigung. Das nimmt langsam überhand. Ich komme mir ja schon fast wie ein König vor.
„Habt eine sichere Reise“ fügt er noch hinzu.

„Bereit?“ richte ich mich an meinen Reisegefährten. Er nickt nur bestätigend. „Na dann los Raiga!“ rufe ich.

Auf der Stelle sprinten die beiden Wölfe los und in Windeseile sind wir außer Sichtweite des Dorfes. Ich muss schon sagen dass alles recht schnell passiert. Gestern war ich noch in der Höhle und habe einen Ausgang gesucht. Kaum einen Tag später habe ich bereits ein eigenes Dorf, diese ganzen Gefolgsleute und mein erstes Abenteuer außerhalb des Waldes steht auch schon bevor.
Ich bin schon sehr gespannt was ich auf dieser Reise erleben werde und vor allem was ich für Leute treffen werde. Ich kann es kaum erwarten die Welt außerhalb des Waldes kennenzulernen.

Mit einem klaren Ziel vor Augen reitet unsere kleine Gruppe einem neuen Abenteuer entgegen.
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