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Second Life as an Elemental.

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
13.12.2018
20.06.2020
21
124.349
10
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.02.2019 4.856
 
„Hah…“

Mit einem lauten Seufzer absorbiere ich eine weitere besiegte Kreatur. Allerdings keine Neue, sondern erneut eine Schwarze Spinne. Mittlerweile habe ich aufgehört die Anzahl der verschlungenen Monster zu zählen. Stehengeblieben bin ich bei 120 und das ist schon ein paar Tage her.
Gute 3 Wochen ist es schon her seit meiner Begegnung mit Bahamut. Dennoch konnte ich den Ausgang noch immer nicht finden. Ich frage mich wirklich wie jemand die Ausdauer für den Bau so einer riesigen Höhle haben kann.
Erstaunlicherweise kennt nicht einmal Libra den Bauplan dieser Höhle. Übrigens ist Libra der Name, den ich der Fähigkeit Gottes Bibliothek gegeben habe. Ich fand die Kurzform des englischen Begriffes für Bibliothek einfach passend.
Dennoch befindet sich keinerlei Wissen über diese Höhle in dessen Datenbank. Das hat mich zuerst ziemlich überrascht, denn immerhin soll ja das gesamte Wissen der Welt dort enthalten sein, aber wenn man bedenkt dass Bahamut ja weggesperrt werden sollte, ist es durchaus möglich dass jemand dieses Wissen entfernt hat. Dabei muss es sich um eine mächtige Person handeln. Ich hoffe unsere Wege kreuzen sich nicht.
Zumindest weiß ich dank Libra die genaue Zeit, die bisher vergangen ist.

Allerdings muss ich zugeben dass ich so langsam ungeduldig werde. Diese Höhle geht mir immer mehr auf die Nerven. Da hilft es auch nicht dass es mir wesentlich länger wie 3 Wochen vorkommt. Kein Wunder wenn man kein Schlaf braucht oder sonstige Bedürfnisse zu erfüllen hat.
Dennoch lege ich zwischendurch Pausen ein um meine Fähigkeiten zu verbessern. Und dass hat auch schon seine Wirkung gezeigt. Alleine im Gebrauch vom Klebe- und Stahlfaden habe ich mich extrem verbessert. Außerdem habe ich die Beiden zu einem Skill vereint. Den Klebe-Stahl-Faden.
Das war dank der Fähigkeit Erschaffer möglich. Und die hat es echt in sich. Im Grunde genommen kann ich alle gelernten Skills und Gegenstände in meinem Inventar ganz nach meinem Wunsch verändern. Ich brauche mir nur gedanklich vorstellen was ich erschaffen will und solange ich die Bausteine dazu habe, wird es nach meinem Wunsch erstellt.
Ein Beispiel dafür sind die hergestellten Heiltränke. Da habe ich die Fähigkeit Erschaffer unbewusst bereits genutzt indem ich die Pflanzen im Inventar zu den Tränken verarbeitet habe. Das heißt also dass ich alles herstellen kann, solange ich die nötigen Rohstoffe dafür habe.
Obendrauf kann ich auch noch Skills damit bearbeiten. Egal ob ich mit dem Wissen einer Fähigkeit andere Varianten davon erschaffe oder mehrere miteinander verbinde. Es ist einfach alles möglich. Wenn das mal nicht ein Cheat ist wie er im Lehrbuch steht.

Das ist auch der Grund warum ich weiterhin jede besiegte Kreatur verschlinge. Wer weiß was ich noch alles daraus machen kann. Außerdem sind ein paar Teile davon bestimmt auch etwas wert. Schließlich brauche ich ja auch Geld wenn ich erstmal hier raus bin. Zusätzlich sorgt es für ein wenig Abwechslung die Monster im Inventar zu zerlegen oder die Skills zu trainieren.

So setze ich also meine Suche nach einem Ausgang fort. Ein paar Tage darauf treffe ich auf zwei Monster, die gegeneinander kämpfen. Das ist zugegebenermaßen zwar nicht so gut wie den Ausgang zu finden, aber immerhin mal etwas anderes. Bisher bin ich nämlich immer nur einzelne Monster begegnet. Und eines der Kreaturen habe ich bisher noch gar nicht gesehen. Es sieht aus wie die Kombination des Bösen Tausendfüßer und der Schwarzen Schlange.
Dessen Gegner ist eine Schwarze Spinne, welche ihn bereits in ihrem Faden gefangen hat. Ich schätze mal der Sieg geht an die Spinne sobald sie den Gnadenstoß austeilt. Und da ich mir ohnehin beide einverleiben werde, kann ich den Ausgang des Kampfes auch ansehen.

Wie erwartet nähert sich die Spinne langsam an. Auf einmal werden an der Schnauze des unbekannten Monsters Blitze erzeugt. Gleich darauf feuert ein Blitz auf die Spinne und trifft diese am Kopf. Komplett von der Kraft des Blitzes zerstört, bleibt eine kopflose Spinne zurück und fällt zu Boden.

In diesem Augenblick habe ich nur ein einzigen Gedanken: Den Skill will ich haben! Eine Blitz-Fähigkeit, wie cool ist das denn!
Ohne zu zögern erhebe ich meine rechte Hand und schieße eine Wasserklinge auf das Monster. Mit einem sauberen Schnitt wird der Kopf vom Körper getrennt. Noch während sie zu Boden fällt gehe ich auf sie zu.

Absorption!“ rufe ich und verschlinge die beiden Monster.

[Fähigkeit Schwarzer Blitzschlag erlangt.]

Davon neue Skills zu erschaffen wird bestimmt ein Riesenspaß. Nebenbei habe ich erfahren dass diese Kreatur Mutanten-Schlange heißt. Schätze mal ihre Ähnlichkeit mit dem Tausendfüßer kommt von einer Mutation. Nicht das der Grund für ihr Aussehen wichtig ist.
Mit Freude über diesen neuen Skill setze ich meinen Weg fort.
Eine weitere Woche vergeht mit dem üblichen Ablauf. Ich erledige Monster, absorbiere sie und zerlege sie in ihre Einzelteile während meinen Pausen. Nebenbei erfinde ich neue Fähigkeiten auf Basis meiner bisher bekannten. Naja, die meisten davon haben etwas mit Blitze zu tun.

Dann ist es endlich soweit und mein ersehnter Moment ist gekommen. Ich stehe vor einem großen Tor. Es ist etwa 3 Meter in Höhe und Breite und besitzt eine Doppeltür. Vom Aussehen her zu urteilen besteht es aus Stein und ist recht einfach gehalten, da es keinerlei Verzierungen hat.
Natürlich versuche ich es auch direkt zu öffnen. Allerdings ohne Erfolg. Trotz des Einsatzes meiner ganzen Kraft bewegt es sich keinen Millimeter. Egal ob ich drücke, ziehe oder versuche es seitlich zu verschieben. Es rührt sich nichts.
War ja klar dass selbst am Ende es nicht einfacher wird. Allerdings habe ich ja auch noch ein paar Tricks im Ärmel. Mit einem Satz springe ich einige Meter zurück. Mit einem siegessicheren Grinsen erhebe ich meine rechte Hand und ziele auf die Mitte des Tores.

Wasser-Blast!

Kaum ausgesprochen wird ein Wasserball vor meiner Handfläche erzeugt und schießt gleich darauf auf mein Ziel. Mit einem entsprechend lauten Geräusch entsteht eine Explosion aus Wasser. Dadurch wird eine Staubwolke erzeugt und versperrt mir meine Sicht. Selbstverständlich könnte ich jetzt meine perfekte Sicht nutzen, aber ehrlich gesagt kenne ich das Ergebnis bereits. Daher warte ich ab bis sich die Wolke legt.
Als die Wolke endlich verschwindet kann ich mein bereits erwartetes Ergebnis betrachten. Ein Loch im Tor mit einem Durchmesser von ca. 2 Metern. Sogar etwas von dem Boden wurde zerstört. Hindurch strahlt Tageslicht.
Endlich ist es soweit und ich kann diese Höhle verlassen. Ohne Zögern gehe ich durch die Öffnung und betrete die weite Welt.

Wobei weite Welt übertrieben ist, da sich direkt vor meinen Augen ein Wald erstreckt. Die Bäume sehen denen aus meiner alten Welt sehr ähnlich. Es handelt sich anscheinend um einen Laubwald, allerdings sind die Bäume größer als ich es gewohnt bin. Die Kronen sind auch größer, wodurch die Baumstämme einen gewissen Abstand zueinander haben. Auf jeden Fall ist dieser Anblick schon gewaltig. Es wirkt einfach schön.
Nachdem ich mich einmal umsehe, stelle ich fest dass die Höhle im Inneren eines Berges ist. Dieser erstreckt sich hinter mir und scheint eine gewaltige Größe zu haben, da ich die Spitze nicht erkennen kann.
Ich hole einmal tief Luft und bemerke dabei, dass sie mir besser als in meiner Heimatwelt vorkommt. Bei so einem schönen Wald vermutlich aber auch nicht überraschend. Vielleicht auch weniger Smog in der Luft. Ich bin ja schon gespannt auf welchem Level die Technologie dieser Welt ist.

Sicherheitshalber sehe ich mich noch einmal um. Dabei nutze ich auch den magischen Sinn. In meinem Umfeld ist keine Präsenz zu spüren, zumindest keine mit magischer Kraft. Vom Standpunkt der Sonne zu urteilen ist es so gegen Mittag. Mal sehen wie weit ich heute noch komme und was ich so alles in dieser Welt finden werde.
Ich betrete nun also den Wald. Gelassen laufe ich immer geradeaus. Es fühlt sich zwar immer noch etwas komisch an ohne Unterhose unterwegs zu sein, aber nach der ganzen Zeit habe ich mich mehr oder weniger daran gewöhnt. Die fehlenden Schuhe fallen auf dem weichen Moosboden auch kaum auf. Und obwohl mein Oberkörper bis auf den Mantel frei ist, ist mir auch nicht zu kalt oder warm. Das habe ich der Fähigkeit Thermalkontrolle zu verdanken, welche automatisch Hitze oder Kälte negiert. Da bin ich gespannt bis zu welchem Grad dies klappt. Es wäre echt genial wenn Feuer oder Eisangriffe ebenso negiert werden. Aber das werde ich bestimmt noch früh genug erfahren.

Die Zeit vergeht schnell. 4 Stunden wandere ich bereits durch den Wald. Erstaunlicherweise bin ich noch niemandem begegnet. Selbst Tiere habe ich keine getroffen. Also mal abgesehen von Vögeln, welche ich aber noch nie zuvor gesehen habe.
Da ich nun endlich im Freien bin, nutze ich die Gelegenheit um meine Körperkräfte zu testen. Meine Geschwindigkeit hat mich sofort überrascht. Kein Vergleich zu der Zeit als normaler Mensch. Auch meine Kraft ist deutlich größer. Es fällt mir zum Beispiel nicht schwer auf die Äste der Bäume zu springen. Und die Kontrolle über diesen Körper ist beachtend. Trotz schneller Bewegungen habe ich absolut keine Schwierigkeiten zu reagieren und meinen Körper wie gewünscht zu steuern. Die Reflexe sind eindeutig erhöht. Das ist vermutlich normal bei den verstärkten Sinnen.

Plötzlich bemerke ich mit dem Magie-Sinn mehrere schwache Auren. Sofort halte ich inne und springe vom Ast zum Boden hinunter. Der Ursprung ist ungefähr 200 Meter zu meiner Linken. Ich erhöhe meine Konzentration etwas und erkenne 7 Auren. Eine davon ist deutlich schwächer als der Rest. Vielleicht gibt es einen Verletzten. Ich beschließe der Sache auf den Grund zu gehen und sprinte in die entsprechende Richtung.

„Aaaaaaaaarrrghhhhhh!“

Nach der Hälfte der Strecke ertönt dieser laute Schrei. Es ist ohne Zweifel ein Schmerzensschrei. Jedoch habe ich nicht das Gefühl das es sich dabei um einen einfachen Verletzten handelt.
Wenige Sekunden später komme ich auch bereits am Zielort an. Vorsichtshalber bin ich jedoch hinter einem Busch stehen geblieben um zuerst einmal die Situation zu erkennen. Was ich erblicke ist allerdings kein schöner Anblick.
6 Wölfe, wovon 5 dabei sind ein Leichnam zu zerreißen und ihn zu fressen. Der letzte der Dire-Wölfe, das ist der Name dieser Tiere laut Gottes Bibliothek, steht knapp 2 Meter vom Rest der Gruppe entfernt und schaut bedrohlich zu einem Baum. Dort angelehnt sitzt eine kleine grüne Kreatur auf dem Boden. Ein Goblin mit starker Ähnlichkeit zu denen in Spielen. Obwohl die menschlichen Züge im Gesicht und allgemeinen Körperbau gut zu erkennen sind.
Zitternd vor Furcht kann der Goblin nur zusehen wie sein Jäger sich nähert. Nun weiß ich auch was der Schrei von eben auf sich hatte. Dem Goblin fehlt sein gesamter rechter Unterarm. Es ist leicht zu erkennen, dass dieser abgebissen wurde. Das andere Opfer der Wölfe ist wohl auch ein Goblin, wovon man jedoch nicht mehr sehr viel erkennen kann. Allerdings ist dessen Körper größer als der des noch lebenden grünen Monsters.
Es ist zwar nicht gerade wie ich mir meine erste Begegnung mit anderen Lebewesen vorgestellt habe, aber ich beschließe mich einzumischen und den Schwachen der Gruppe zu helfen. Ich komme also aus meinem Versteck heraus und ziele auf den einzelnen Wolf.

Wasserklinge!

Meine Attacke schießt auf den Wolf zu, welcher es lediglich noch schaffte in meine Richtung zu sehen bevor sein Kopf abgetrennt wird. Gleich darauf werden die Blicke aller anderen Anwesenden auf mich fixiert. Der Goblin hat dabei einen mehr als überraschten Gesichtsausdruck. Die Dire-Wölfe hingegen schauen kurz zu ihren gefallenen Artgenossen, bevor sie wieder bedrohlich zu mir sehen. Ihr lautes Knurren verstärkt deren aggressives Aussehen nur noch weiter. Aber ehrlich gesagt wirken sie im Vergleich zu den Monstern aus der Höhle eher wie kleine Welpen.
Unbeeindruckt von ihrer drohenden Haltung mache ich einen Schritt auf sie zu und lächle dabei leicht. Auf einmal stürmen sie auf mich zu. Fast angekommen machen sie einen Sprung um über mich herzufallen. Dabei wird mein Lächeln nur größer.
Plötzlich kommen sie mitten in der Luft zum Stillstand und können sich nicht mehr bewegen.

„Pech für euch, ich habe längst meinen Klebe-Stahl-Faden als Falle ausgelegt“ sage ich und bewege dabei meine Hände leicht, wodurch die Fäden durch Lichtreflektionen sichtbar werden. Sie versuchen sich zu bewegen und irgendwie zu befreien, aber ich habe nicht vor ihnen eine Chance zu lassen. Obwohl ich weiß dass ihre Stärke ohnehin nicht ausreicht um meinen Faden zu zerstören.

„Bye“ spreche ich gelassen und balle meine Hände zu Fäusten. Diese Bewegung aktiviert die Fäden, welche sich daraufhin zusammen ziehen. In einem einzigen Augenblick werden die Wölfe in Einzelteile zerlegt. Ein Regen aus Blut und den Fleischteilen fällt direkt vor meinen Augen auf den Boden. Dann deaktiviere ich meinen Skill und lasse somit die Fäden verschwinden.
Ich knie mich vor den Haufen an Wolfteilen hin um sie mir einzuverleiben. Dabei passe ich natürlich auf nicht in dessen Blutlache zu treten, da ich ja nach wie vor barfuß bin. Gleich darauf aktiviere ich meine Fähigkeit und umschlinge die Einzelteile mit meinem Blut. Zusammen mit dem Blut auf dem Boden absorbiere ich die Wölfe. Immerhin muss man so einen schönen Wald nicht mit einem großen Blutfleck verschmutzen.

[Fähigkeiten Bedrohung und Mental-Link erlernt]

Nach der Benachrichtigung von Libra über die neu erhaltenden Fähigkeiten gehe ich zum verbleibenden Wolfskörper und absorbiere diesen ebenfalls. Der überlebende Goblin schaut mir dabei nur hinterher. Kein Wunder dass er sich nicht rührt. Mal abgesehen von seiner Wunde und der Tatsache dass er gerade dem Tod knapp entkommen ist, hat er es nun mit einem Wesen zu tun, der die Dire-Wölfe ohne Probleme erledigt hat.

„Alles in Ordnung?“ frage ich das noch immer zitternde Monster. Ob Goblins überhaupt sprechen können? Der Schrei vorhin war vermutlich von ihm. Er schaut mich nur erstaunt an. Ich schaue mir währenddessen seine Verletzung genauer an. Es fließt noch immer etwas Blut heraus. Außerdem hat der Goblin noch andere Wunden, welche aber eher geringfügig im Vergleich zu einem verlorenen Arm sind.
„In Ordnung kann man das wohl nicht nennen“ sage ich mit einem erneuten Blick auf seinen rechten Arm.

„Vielen Dank, oh mächtiger Mensch!“ schreit er auf einmal und verbeugt sich direkt vor meine Füße.

„Nicht der Rede wert“ antworte ich ihn. Ich sollte meine wahre Identität vermutlich nicht zu schnell verraten. Bahamut meinte ja Elementare sind selten, aber er hat mir nicht erklärt ob sie als gute oder böse Wesen angesehen werden. Obwohl es mich ein bisschen überrascht dass der Goblin mich noch als Mensch sieht. Mal abgesehen vom Äußeren habe ich gerade andere Monster in einer Blutmasse absorbiert. Ich denke nicht dass dies so üblich ist, aber egal.
Dann fällt mir etwas ein. Ich gehe gedanklich kurz mein Inventar durch und erzeuge dann einen bestimmten Gegenstand aus meiner Hand.

„Hier trink das“ sage ich und reiche dem grünen Monster den erzeugten Heiltrank. Die Kreatur nimmt die Flasche und schaut mich fragend an.
„Keine Sorge, das ist ein Heiltrank“ erkläre ich. Nach kurzem Zögern trinkt er dann die Flüssigkeit. Im folgenden Moment leuchtet sein Körper in einem leichten grün und seine Wunden verschwinden. Sogar sein Arm wird regeneriert, was mich ziemlich überrascht. Damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Auch der Goblin wirkt total erstaunt und begutachtet seinen geheilten Körper für einen Augenblick.

„Hab vielen Dank, mächtiger Mensch. Ich weiß nicht wie ich das wiedergutmachen kann“ spricht er und verbeugt sich mehrfach.

„Das ist nicht schwer. Ich brauche jemanden der mir den Weg aus dem Wald zeigt.“

„Selbstverständlich kann ich den Weg weisen.“

„Na dann lass uns gehen.“

„Ähm…darf ich den Namen des mächtigen Menschen erfahren?“ fragt das Monster mich als ich gerade losgehen will.

„Ich heiße Leo“ antworte ich und schaue dabei kurz zurück zu ihm. Dann drehe ich mich wieder um und will weitergehen.

„Leo-sama, ich habe eine Bitte!“ schreit er auf einmal und verbeugt sich erneut. Ich habe gerade einmal Zeit mich zu ihm zu drehen bevor er weiterspricht.
„Bitte rettet unser Dorf!“ ruft er in einer flehenden Stimme. Es klingt definitiv verzweifelt.

„Hmm? Euer Dorf retten?“

„Die Wahrheit ist, dass ein Angriff der Dire-Wölfe bevorsteht. Die Wölfe die ihr besiegt habt waren lediglich Späher. Wir haben sie entdeckt und wollten sie aufhalten, aber leider ohne Erfolg. Der Wolfs-Klan versucht die Herrschaft über dieses Gebiet einzunehmen. Sie haben vor heute Nacht unser Dorf zu überfallen.  Ohne Hilfe wird das unser Ende“ erklärt er die Lage.

Die Entwicklung der Ereignisse ist etwas schnell, aber es kommt mir auch entgegen. Ich habe vor mein eigenes Reich zu erstellen und dann ganz nach meinen Wünschen zu leben. Ich brauche also einen Startpunkt. Ein Goblin-Dorf ist vielleicht nicht der beste Anfang, aber irgendwo muss man ja schließlich beginnen. Und in Spielen sind Goblins gute Arbeiter, warum sollte es hier also anders sein?
„Ich verstehe die Situation. Aber bevor ich meine Entscheidung treffe, würde ich euer Dorf gerne sehen“ entgegne ich dem sich noch immer verbeugenden Monster.

„Ganz wie ihr wünscht“ antwortet er und steht endlich auf. „Bitte hier entlang“ meint er dann und zeigt mir den Weg.
Es dauert fast eine halbe Stunde bis wir das Dorf erreichen. Es befindet sich inmitten einer recht großen Lichtung. Dem Aussehen nach zu urteilen haben die Goblins ein paar Bäume gefällt um sich den nötigen Platz zu schaffen. Es gibt ein paar schlichte Häuser aus Holz, wobei lediglich die stützenden Balken aus Holz sind. Der Rest ist eine Kombination aus Fellen und Stroh. Zu meinem Erstaunen gibt es einen Torrahmen, allerdings sehe ich keinen Sinn darin, da ich nirgends einen Zaun erkennen kann.
Der von mir gerettete Goblin führt mich direkt zum Haus in der Mitte des Dorfes, welches gleichzeitig auch das Größte ist. Auf dem Weg dorthin werde ich von den anderen grünen Wesen regelrecht angestarrt. Inmitten den gerade mal bis zu meinen Becken kleinen Goblins komme ich mir schon fast riesig vor. Ich werde in das Haus hineingebracht und erkenne sofort das Monster in der Mitte. Ohne Zweifel auch ein Goblin, aber es scheint wesentlich älter zu sein. Neben dem Äußeren wird dies durch seinen Gehstock bestätigt, an dem er sich zitternd aufrecht hält. Es handelt sich ganz klar um den Ältesten von dem mir auf dem Weg ins Dorf erzählt wurde.
Der junge Goblin berichtet ihm anscheinend gerade von mir, da der Älteste mich plötzlich erstaunt begutachtet. Dann kommt er zu mir und erklärt die Situation genauer.

Grundsätzlich ist es so wie mir bereits erklärt wurde. Die Dire-Wölfe versuchen dieses Gebiet einzunehmen und haben wohl schon ein paar Goblin-Dörfer zerstört. Die von mir erledigten Späher wurden von dem Schutzkrieger dieses Dorfes gesichtet, welcher mit Hilfe ein paar anderer Dorfbewohner den Trupp beseitigen wollte.
Bei dem Schutzkrieger, der übrigens der Sohn des Ältesten war, handelte es sich um den größeren Leichnam, der von den Wölfen zerfleischt und fast komplett gefressen wurde. Die Ursache für seine Größe war dass er von jemandem mit dem Namen Rigur gesegnet wurde und sich daher in eine bessere Form entwickelte. Das bestätigt somit auch was mir Bahamut über die Namensgebung und Entwicklung von Monster gesagt hatte.
Durch eine List der Wölfe wurden sie allerdings überwältigt und so kam es letztendlich zu der Szene, die ich durch mein Einschreiten beendet habe.
Zusätzlich bekomme ich die Information dass es mindestens 10 Goblins benötigt um überhaupt eine Chance gegen einen Dire-Wolf zu haben. Die Gegnerzahl liegt wohl bei ca. 80 Wölfen, wobei die Zahl der Kampffähigen des Dorfes bei gerade einmal 60 liegt. Und da sind die weiblichen Goblins bereits inbegriffen. Da kann ich die Verzweiflung der Goblins absolut verstehen. Ohne Hilfe schauen sie dem sicheren Tod ins Auge.

„Hmmm, verstehe. Das ist definitiv eine große Notlage“ sage ich nachdem der Älteste mit seiner Erklärung fertig ist.

„Daher können wir nur um eure Hilfe bitten, Leo-sama“ entgegnet der alte Goblin.

„An sich habe ich kein Problem damit euch zu helfen, aber ich bin kein Heiliger.“

Mit diesem Satz haben sie wohl nicht gerechnet, da die Beiden mich verwirrt ansehen.

„Was bietet ihr mir im Gegenzug für meine Hilfe an? Was könnt ihr mir geben?“

Ein Moment der Stille entsteht indem wir uns gegenseitig anschauen. Es ist nicht schwer zu erkennen dass der Älteste darüber nachdenkt was die Goblins mir geben können. Ehrlich gesagt weiß ich bereits was ich will. Mein aktuelles Ziel ist immerhin die Basis für meine eigene Region. Warum also nicht dieses Dorf? Es ist zwar eher schäbig und klein, aber jeder Anfang ist klein und es ist wahrscheinlich einfacher alles von Grund auf nach meinen Vorstellungen aufzubauen, als etwas Bestehendes komplett umzuändern.

„Wir bieten euch unsere Folgsamkeit an“ spricht er entschlossen und verneigt sich danach so tief dass er fast auf dem Boden liegt.
„Bitte gewährt uns euren Schutz! Dafür werden wir unsere Folgsamkeit schwören!“

Auch der junge Goblin kniet sich nieder und verbeugt sich vor mir. Bei dem Anblick bildet sich ein leichtes Lächeln auf meinen Lippen. Genau diese Antwort habe ich erhofft. Außerdem ist es schon zu wissen, dass diese Goblins ihren Platz kennen.

„In Ordnung, wir haben einen Deal“ antworte ich nach einer kurzen Pause. Kaum ausgesprochen, sehen die Beiden zu mir hinauf. Ihr Gesichtsausdruck ist voller Erwartung und Hoffnung.
„Von nun an steht ihr unter meinem Schutz“ füge ich dann noch hinzu um meine Aussage noch einmal  zu bekräftigen.

„Habt vielen Dank, Leo-sama!“ schreien die Zwei und verneigen sich erneut.

„Dann zeigen wir mal diesen Wölfen wer hier das Sagen hat“ spreche ich mit leichter Vorfreude auf einen Kampf und schlage dabei mit meiner rechten Faust in meine linke Handfläche.

Anschließend gehe ich mit ihnen nach draußen, woraufhin der Älteste dem Rest des Dorfes die Situation erklärt. Kaum dass sie von meinem Schutz und Stärke hören, kann man ihnen die Erleichterung im Gesicht ansehen. Der Anblick erinnert mich etwas an eine Klasse von Kindern, denen gerade Spielzeug oder Süßigkeiten versprochen wurde.
Da der Angriff der Wölfe heute Nacht geschehen soll, bleibt leider nicht mehr viel Zeit für Vorbereitungen. Daher beschließe ich mich für die Variante der Irreführung. Anstatt halb fertige Verteidigungen wie Zäune oder Ähnliches zu zeigen, belasse ich das Aussehen des Dorfes wie es ist. An sich könnte ich die umliegenden Bäume absorbieren, zu Pfählen verarbeiten und sie dann mit dem Klebefaden zu einer Barriere formen, aber bei dem Anblick eines ungeschützten Dorfes nehmen die Wölfe es hoffentlich auf die leichte Schulter.
Obwohl ich nicht glaube dass ich Probleme haben werde. Viel stärker als die vorherigen Exemplare werden sie auch nicht sein und ich bezweifle das ihre Anzahl mir mit meinen Fähigkeiten Probleme bereiten wird.

Selbstverständlich habe ich das gesamte Dorf mit Stahlfäden umbaut um sicher zu gehen dass kein Goblin zu Schaden kommt. Immerhin habe ich ihnen mein Schutz versprochen und das will ich auch halten.
Ich habe allen Anwohnern erklärt wie sie sich verhalten sollen. An sich sollen sie lediglich zusammen hinter meiner Fadenabsperrung stehen und sich nicht einmischen während ich mich um die Angreifer kümmere.

Nach Einbruch der Nacht ist es dann soweit. Ein lautes Heulen signalisiert die Ankunft der Dire-Wölfe. Ungefähr 50 Meter entfernt bleiben sie stehen. Ich stehe bereits vor meiner Absperrung und habe ihre Ankunft erwartet.
Nachdem ich sie mir nun noch einmal ansehen kann, fällt mir erst so richtig der Unterschied zu normalen Wölfen aus meiner alten Welt auf. Sie sind etwas größer und wirken definitiv gefährlicher. Ihre Augen sind schwarz mit gelben Pupillen. Wenn ich ehrlich bin sehen sie irgendwie cool aus.
An vorderster Stelle scheint dessen Anführer zu stehen. Seine Aura ist etwas größer als die der Anderen und sein rechtes Auge scheint in einem früheren Kampf eine Verletzung erlitten zu haben.

Ich sollte aber nicht nur ihr Aussehen betrachten und gehe daher ein paar Schritte nach vorne.

„Mein Name ist Leo Shuiro! Dieses Dorf steht unter meinem Schutz. Wenn ihr nicht sterben wollt, dann unterwerft euch!“

Mit dem letzten Satzteil aktiviere ich die Fähigkeit Bedrohung. Sofort wird eine kraftvolle mentale Druckwelle erzeugt. Sogar physisch ist sie spürbar. Bei den Wölfen angekommen zeigt der Skill auch augenblicklich seine Wirkung. Sie nehmen eine gesenkte Haltung an und wirken mehr als nur eingeschüchtert. Es ähnelt sehr der Haltung eines Hundes wenn er ausgeschimpft wird und sich vor Angst zusammen kauert.
Nur der Anführer wirkt recht unbeeindruckt, zumindest kann ich äußerlich keine Einschüchterung erkennen. Dennoch halte ich meinen Skill aufrecht und lasse die Druckwelle aktiv.

„Wir stolzen Dire-Wölfe werden uns doch keinem Menschen unterwerfen!“ schreit der Anführer plötzlich.

Es überrascht mich etwas dass er tatsächlich sprechen kann. Bei den Goblins und ihrem menschenähnlichen Aussehen kann ich es ja nachvollziehen, aber bei einem Wolf? Es kann natürlich sein dass er seine Gedanken mental übertragen hat, aber sein Maul hat sich bewegt und er hat schließlich meine gesprochenen Worte verstanden. Ich gehe also davon aus dass er sprechen kann.
Allerdings habe ich auch keine Zeit weiter darüber nachzudenken, da er auf einmal auf mich zu stürmt.

„Vater!“ ruft ein anderer Wolf kurz darauf als wollte er den Anführer aufhalten.

Ich erhebe meine rechte Hand während er sich schnell nähert.

„Dann stirb!“ sage ich als ich ihm als Ziel ins Visier genommen habe.

Noch einige Meter entfernt springt er in die Luft um mich aus dem Sprung heraus anzufallen.

Wasserklinge!“ rufe ich als er den höchsten Punkt erreicht und feuere eine senkrechte Klinge auf ihn. Keine Sekunde später schneidet sie genau in der Mitte durch ihn und fliegt weiter. Kaum dass die Klinge seinen Körper verlassen hat, beginnen sich die beiden Körperhälften auseinander zu teilen. Bei mir angekommen sind sie bereits so weit auseinander, dass sie an meinem Kopf und über meine Schultern vorbeifliegen. Durch den sauberen und schnellen Schnitt der Wasserklinge ist noch nicht einmal das Blut geflossen. Gerade einmal ein paar Tropfen sind durch die Flugkraft und Flugrichtung am hinteren Ende des Körpers entwichen. Aber auch diese treffen mich nicht.
Ein paar Meter hinter mir fallen die Körperhälften dann zu Boden und beginnen nun auch an den Schnittkanten extrem zu bluten.

„Das war lediglich eine Klinge“ spreche ich und erzeuge dann einen Ball aus wirbelndem Wasser vor meiner rechten Hand, welche noch immer in Zielhaltung ist. „Diesmal werde ich mich aber nicht zurückhalten“ fahre ich fort während der Ball auf einen Durchmesser von 30 Zentimeter ansteigt.
„Zur Ehrung eures mutigen Anführers werde ich euch jedoch eine weitere Chance geben. Unterwerft euch oder verschwindet und kommt nie wieder!“
Nachdem ich ihnen ihre Optionen genannt habe, deaktiviere ich nun auch die Bedrohung um zu sehen wie die Wölfe reagieren. Eigentlich wollte ich zuerst den toten Wolf absorbieren, aber ich glaube das ist nicht sehr passend für meine drohende und überlegene Haltung.

Und ganz nebenbei bin ich schon von mir selbst überrascht. Genau genommen von der Tatsache wie leicht es mir fällt zu töten. Ich hatte ja noch nie Probleme mit Blut, Verletzungen oder auch den Anblick von toten Körpern, aber selbst dafür zu sorgen ist ja doch etwas anderes. Auch wenn es bisher „nur“ Tiere waren, so fällt es mir echt leicht. Ich habe bisher nicht einmal den geringsten Gedanken daran verschwendet. Ganz zu schweigen von Zweifel oder Reue. Aber das ist vermutlich einfach nur der Einfluss einer anderen Welt nachdem man selbst gestorben ist.

Da die Dire-Wölfe nach meiner Ansage keine direkte Reaktion zeigen, entsteht ein Augenblick des Stillstandes. Doch dann rührt sich der vermeintliche Sohn des verstorbenen Anführers und beginnt langsam auf mich zu zugehen. Der Rest seiner Artgenossen folgt ihm daraufhin.
Um meine drohende Haltung bei zu behalten lasse ich den Wasserball noch etwas größer werden. Unbeeindruckt davon kommen sie mir weiter entgegen. Ich erhöhe daher die wirbelnde Bewegung des Wassers um sie kraftvoller wirken zu lassen. Doch auch das hilft nicht.

Mittlerweile sind die Tiere nur noch 10 Meter von mir entfernt. Mit etwas Bedauern mache ich mich also bereit meinen Angriff abzufeuern. Ich hätte sie schon gerne als Untergebene gehabt.
Plötzlich legen sich alle Wölfe in einer unterwerfenden Haltung auf den Boden.

„Unser Rudel unterwirft sich euch!“ rufen sie synchron.

„Eh?“

Den leisen Ausdruck meiner Verwunderung kann ich nicht ganz verbergen. Dass sie sich nun doch unterwerfen kommt schon etwas unerwartet. Es war zwar mein Ziel, aber in dieser Situation habe ich eher mit Flucht oder einem Racheangriff gerechnet.

„Ähm…haben wir gewonnen?“ fragt der Goblin-Älteste leicht überfordert bei dem Anblick der noch immer am Boden liegenden Wölfe.

„Sieht ganz so aus“ antworte ich und lasse meinen Wasserball verschwinden.

Sofort beginnen die Goblins über den Sieg zu feiern und umarmen sich gegenseitig. Nebenbei deaktiviere ich die Absperrung um das Dorf, es soll ja schließlich niemand zu Schaden kommen.

Alles in Allem ging der Kampf mit gerade einmal einem Todesopfer erstaunlich schnell und einfach zu Ende. Mir passt dies natürlich sehr gut, denn mit dem Sieg gehört mir nur an das Dorf und dessen Bewohner. Mit dieser Arbeitskraft kann ich mit dem Aufbau meiner Region beginnen. Und als Bonus habe ich auch noch den Klan der Dire-Wölfe. Allein für zukünftige Kämpfe sollten sie sich als nützlich erweisen.
Der erste Schritt ist somit überraschend schnell nach meinem Entkommen aus der Höhle gemacht.


Autor-Nachwort:
Wenn jemand für Leo´s neuen Nachnamen Shuiro andere Ideen hat, könnt ihr mir diese gerne nennen. Ich habe lediglich die Übersetzung für einem tiefen Rotton genommen, welcher einigermaßen nach einem Nachnamen klang. Ich bin aber offen für andere Varianten. Wäre nur schön wenn es mit einem tiefen rot zu tun hat (oder Blut) und in japanisch ist.

Und falls jemand gute Namen für die Dire-Wölfe hat, dann bin ich auch ganz Ohr ;-)
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