A Firefly's Glow

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
12.12.2018
12.02.2019
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Hallo zusammen.
Um mal ein Update zu dieser Story zu posten (eine andere, ein OS, ist gerade in Arbeit, genauso wie die nächsten Kapitel dieser Geschichte, aber das Semesterende ist leider immer hart) hab ich mich einfach mal entschieden, fürs Storybuilding und aus Zeitmangel ein kürzeres zweites Kapitel zu posten. Das dient aber auch als Setting für den gesamten weiteren Plot, insofern schadet es vielleicht nicht, es ein bisschen herauszustellen.
Für Rückmeldungen aller Art bin ich natürlich offen.
Jetzt aber erst mal viel Spaß mit dem verkürzten und trotzdem verspäteten zweiten Kapitel!
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*Sasuke’s PoV*

„Zu langsam! Viel zu langsam! Wenn du so weitermachst, hab ich dich an der nächsten Abbiegung voll abgehängt, du alte Schnecke!“ Narutos halb gebellter, halb gelachter Ruf tönt über das Geräusch der aufspritzenden, raschelnden Blätter unter seinen Füßen, die vom letzten Herbst noch auf dem Waldboden liegen und nun hoch unter die Wipfel der Bäume wirbeln, als der dämliche blonde Vollchaot noch einen Zahn zulegt und sich einen vermeintlich entscheidenden Vorsprung verschafft. Na, wenn er sich da mal nicht zu früh freut.
Ohne auf seine provokativen Sprüche einzugehen, gebe ich nur ein leises Zischen von mir und ziehe mühelos bei seiner Beschleunigung des Tempos mit.
Zwar sind wir schon gut anderthalb Stunden dabei, in einem – zugegebenermaßen – affigen Tempo Konoha zu umrunden, aber die Anstrengung scheint meinen Körper gar nicht weiter zu stören.
Im Gegenteil.
Momentan habe ich fast das abstruse, etwas lächerliche Gefühl, ewig so weitermachen zu können.
Und Naruto scheint dieses Runner’s High gerade mit mir zu teilen.
Eigentlich sollten wir vorsichtiger sein und ein bisschen Vernunft walten lassen. Zumindest wäre es das, was Sakura oder Kakashi uns bestimmt sagen würden, wenn sie jetzt hier wären. Denn irgendwann werden die Marathonendorphine verfliegen, und wenn dann der Moment des Absturzes kommt, werden wir vermutlich ebenso mit bleischweren Beinen und vollkommen dehydriert zu Boden stürzen.
Allerdings ist niemand sonst hier. Da sind nur Naruto, der dämliche Spinner, und ich.
Und wenn ich eins gelernt habe, in den letzten vier Jahren, dann ist es die Tatsache, dass Naruto sich niemals freiwillig geschlagen gibt. Genauso wenig wie ich mich von diesem tollpatschigen, aufgedrehten Nichtsnutz besiegen lassen möchte.
Von daher war es eigentlich von der Sekunde an klar, als wir vom Trainingsplatz aus losgelaufen sind – das hier wird so lange gehen, bis einer heult.
Oder eben am Boden liegt und blutet, und halb verdurstend nach einem Sani schreit.
Ob das so klug ist?
Wer weiß.
Sehe ich so aus, als würde mich das gerade einen Dreck interessieren?
Na eben. Das dachte ich doch.
Halb über meine eigenen Gedanken, halb über Narutos dümmlichen Gesichtsausdruck schmunzelnd, der total perplex darüber ist, dass ich bei seiner Sprinteinlage einfach so mitgezogen bin, jogge ich weiter, ziehe nun sogar selbst das Tempo noch zusätzlich an. Narutos blauäugige Überraschung weicht einem breiten Grinsen und er spurtet munter neben mir her.
„Das hättest du wohl gern, Bakasuke!“, keucht er, immer noch ein Lachen im Gesicht.
„Du redest zu viel, Usuratonkachi“, antworte ich, meinen eigenen flachen Atem niederkämpfend. „Oder weshalb sonst geht dir allmählich die Luft aus?“
„Pah, von wegen“, pöbelt Naruto sofort zurück, wobei nur umso deutlicher wird, wie schwer er inzwischen pumpt. „Ich könnt hier halbe Romane erzählen und ich würde dich immer noch spielend leicht abhängen können!“
„Was du nicht sagst“, erwidere ich, setze mich an die Spitze, kann inzwischen kaum mehr die Berührung meiner Sohlen auf dem Waldboden spüren, so schnell federn meine Füße mich Satz um Satz wieder in die Luft. Naruto hinter mir gibt einen erstickten Laut von sich, aber keine zwei Sekunden später sind wir erneut gleichauf.
„Unterschätz mich lieber nicht“, knurrt er.
„Überschätz du dich besser nicht“, gebe ich bloß zurück.
„Sasukeee“, knurrt Naruto weiter, mit einem bedrohlicher werdenden Unterton in der Stimme. Unser affig schneller Lauf ist zu inzwischen zu einem irrsinnigen Sprint geworden, und die Laubbäume der Wälder Konohas wischen nur noch als dünne Linien aus Grün und Braun an uns vorbei.
„Naruto?“, frage ich, betont desinteressiert, weil ich weiß, dass ihn das am allermeisten auf die Palme treibt – und tatsächlich – im einen Moment preschen wir noch wie die Berserker dahin – im nächsten hat Naruto mich schon aus der vollen Bewegung heraus mit einem gewaltigen Karacho gerammt und uns beide zu Boden geworfen, wo wir sofort als ineinander verkeiltes Knäuel über den Waldboden kullern. Ich versuche dabei, mich nach oben zu kämpfen, die Oberhand zu gewinnen, genauso wie Naruto es tut, aber unsere Rotationsgeschwindigkeit und die Schwerkraft entscheiden die Balgerei dann leider schließlich zugunsten des blonden Idioten; etwa zwanzig Meter rollen wir seitwärts, südlich, um- und übereinander herum, ehe Naruto mich an den Schultern packt und mit einem entschlossenen Rumms! auf dem halb vergammelten Herbstlaub festnagelt.
Fast hätte ich einen angewiderten Laut von mir gegeben; wehe, der Idiot hat mir jetzt meine guten Klamotten eingesaut; dann merke ich wieder, dass die ja eh schon klatschnass geschwitzt sind und gewaschen werden müssen, und es ist mir egal. Meine Hände schnellen vor und umfassen Narutos Handgelenke, versuchen, den verflucht schweren Mistsack von mir hinunter zu befördern, doch er hält eisern dagegen und gackert wie ein betrunkenes Huhn. Durch einen halb gezielten Tritt meines Knies gegen sein Steißbein bringe ich ihn allerdings dazu, aufzujaulen und mich in einem Moment der Unachtsamkeit loszulassen, was ich herrlich ungeniert ausnutze, um ihn von mir runter zu schubsen und unsere Position umzukehren. Allerdings geben meine Beine wegen unseres wahnwitzigen Dauerlaufs im Schnellstraßentempo ausgerechnet in diesem Moment nach, weshalb ich ausrutsche und mehr oder weniger unsanft direkt auf Naruto plumpse, der deswegen nur umso lauter lacht.
„Was zur Hölle“, kichert er, legt eine Hand an meine Stirn, die unfreiwillig an seiner Halsbeuge gelandet ist, und schiebt mich von sich. „Nimm deine Haare da weg, das kitzelt!“
So schnell ich kann, folge ich seiner Aufforderung, erstens, weil Narutos Körper ganz schön warm, verschwitzt und stinkig ist, zweitens, weil diese unangebrachte Nähe einfach nicht sein muss.
„Tse“, überspiele ich meinen Fauxpas halbwegs gekonnt, als ich von Naruto runter robbe. „Selbst schuld, wenn du mich provozierst.“
„Schon klar“, grinst Naruto daraufhin nur.
Ich rappele mich hoch und strecke dann, ohne richtig hinzusehen, dennoch einigermaßen kameradschaftlich die linke Hand nach Naruto aus und ziehe ihn wieder auf die Füße. Wegen seiner Endorphine, oder aus welchem Idiotengrund auch immer, kommt er allerdings mit etwas zu viel Schwung zurück in die Senkrechte und taumelt wiederum gegen mich, was dem Schwachkopf nur ein weiteres Kichern entlockt. Er hört gar nicht mehr damit auf, dieser elende Lachsack.
„Sorry, sorry!“, giggelt er, löst sich von mir und mustert mich kurz. Die Finger seiner rechten Hand ruhen immer noch an meiner Schulter, und unter ihnen breitet sich die fiebrige Wärme aus, die Narutos Körper ständig versprüht. Ob das am Chakra des Neunschwänzigen liegt?, frage ich mich, bin ganz vertieft in diese plötzliche Überlegung, delirierend und weggekickt von unserem Dauerlauf, sodass ich gar nicht richtig merke, wie Narutos Lippen sich mir nähern, bis es quasi schon zu spät ist, ich aufsehe, und urplötzlich spüre, wie Naruto seinen Mund weich auf meinen drückt.
Für eine Sekunde bleibt die Welt stehen.
Und das meine ich nicht im positiven Sinne.
Es ist nur so; in diesem Moment setzt bei mir alles aus.
Ich registriere bloß, dass Narutos Lippen salzig und trocken, sogar ein klein wenig verkrustet und rissig sind. Dass er seine Augen geschlossen hat und einen zufriedenen Laut von sich gibt. Dass seine Zunge federleicht über meinen Mund streicht und er offensichtlich, warum zum Teufel auch immer, erwartet, dass ich diesen nun öffne.
Das ist der Augenblick, in dem mein Gehirn endlich wieder die Kontrolle über meinen Körper zurückerlangt und ich Naruto, so fest ich kann, von mir stoße.
„Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?!“, brülle ich ihn an. Der Vollidiot liegt nun wieder rücklings am Waldboden, hat sich gerade noch so mit den Ellbogen abgefangen und starrt jetzt mit ungläubig dreinglubschenden Augen zu mir hoch. Am liebsten würde ich auf dieses dümmliche Gesicht einschlagen. Ich wische mir mit dem Ärmel meines dünnen Sweatshirts über den Mund, nur, um gleich darauf wutentbrannt auszuspucken. „Was zum Teufel sollte das denn bitte werden, hä?!“
Naruto antwortet nicht, er stottert nur irgendwas Wirres, aber noch bevor dabei irgendetwas ansatzweise Kohärentes herauskommen könnte (und weiß Gott, bei Naruto kann das schließlich einige Äonen von Jahren dauern!), habe ich mich bereits abgewandt und laufe davon, erst langsam, dann immer schneller. Ich peitsche meine bleischwer gewordenen, völlig übersäuerten Beine dazu voran, die letzten drei Meilen bis nach Konoha in einem abermals irrwitzigen Sprint zurückzulegen, weg von diesem Ort, weg von diesem Ereignis, und vor allen Dingen weg von Naruto und seinem unsäglichen Hundeblick, der für einen Moment vollkommen erstaunt und beinahe verletzt gewirkt hat, weil ich bei dieser Aktion von ihm nicht mitgemacht habe.
Als hätte er eine andere Reaktion erwartet.
Ist der Kerl denn noch zu retten?
Ich beiße die Zähne zusammen, laufe schneller. Meine Lungen pfeifen, mein Atem geht in wilden, unregelmäßigen Stößen. Meine Beine brennen, genauso wie mein Kopf, aber vor allen Dingen meine Lippen, auf denen ich den leichten Druck von Narutos noch immer allzu überdeutlich spüren kann.
Vergiss es.
Vergiss es.
Vergiss es.
Das bete ich mir vor, während ich renne, obwohl ich jetzt schon weiß, dass mir das nicht gelingen wird, aus welchem Grund auch immer.
Was zur Hölle?
Was hat dieser Idiot sich nur dabei gedacht?
Wie, zum Jashin, sollen wir uns morgen denn noch beim Training begegnen und uns in die Augen sehen, als wäre alles total normal, nach dem, was eben war?
Hat er auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ehe er den schwachsinnigen Anweisungen seines Spatzenhirns gefolgt ist?
Vermutlich nicht.
Höchstwahrscheinlich nicht.
Mit absoluter Sicherheit und unter Garantie hat er das nicht.
Dieser Schwachmat denkt doch nie, und wenn überhaupt, dann bloß mit seinem Magen.
Gott, manchmal treibt er mich echt zur Weißglut.
Ja, genau, Wut ist gut. Wut ist jetzt das richtige. Wut, um den Ekel zu vertreiben. Und das Unverständnis. Und dieses undefinierbare Andere, das auch noch in meiner Brust vor sich hin schwelt und noch mehr verboten gehört als Rock Lees grüner Spandexanzug.
Als ich das Stadttor von Konoha erreiche, schaffe ich es nur mit Mühe und Not, nicht direkt am Schlagbaum zu kollabieren. Stattdessen schleppe ich mich bei nur halbem Bewusstsein bis zu Kakashi nach Hause, wo ich zwei Liter Wasser auf Ex trinke, mich bis zu meinem Bett quäle und kurz darauf, Gott sei Dank, in einen tiefen, blackoutmäßigen Schlaf verfalle.
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