Schwarzer Panther

von Maxxi
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Basil Hawkins der Rote Shanks Eustass 'Captain" Kid Killer OC (Own Character) Trafalgar Law
11.12.2018
10.10.2019
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Ehrlichkeit


Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich am Hafen an. Mein ganzer Körper schmerzte und ich konnte es kaum erwarten, mich irgendwo hinzusetzen. Das Schiff war nicht mehr weit entfernt, man konnte es schon zwischen die Bäumen hindurch sehen, ehe wir den Wald verlassen hatten. Das war also die Hafenstadt dieser Insel? Sie war erstaunlich groß, ich hatte sie mir kleiner vorgestellt. Aufmerksam suchte ich die Umgebung ab, hielt Ausschau nach einer Uhr. Nachdem ich eine ausfindig machen konnte, stellte ich fest, dass es bereits nach zwölf war. Dieser Rothaarige hatte doch echt mehr meiner Zeit beansprucht wie ursprünglich geplant war. Souta musste also bereits hier sein, weshalb ich mich nach ihm umsah. Tatsächlich erblickte ich ihn und auch er erkannte mich, kam zügig auf die Piratengruppe zu, dachte sich nichts weiter dabei.
„Mizuki, da seid ihr ja!“, rief er und machte dadurch auf sich aufmerksam. „Hey, seht mal, das ist doch der Junge!“, erkannten auch die Piraten ihn wieder. „Was hat der denn hier zu suchen?“
„Er ist wegen mir hier.“, erklärte ich rein informativ, damit niemand auf dumme Ideen kam, ihn anzugreifen.
„Er erwartet seine Befehle.“, setzte Killer abfällig erklärend an die Crew meine Gedanken fort, woraufhin ich ihn aus den Augenwinkeln ansah, um aus ihm schlau zu werden. Aber wie sollte mir das auch erfolgreich gelingen bei diesem eintönigen Maskengesicht mit maskenhaften Maskenemotionen, die sich hinter einer weiß-blauen Maske vermaskierten?


Souta blieb vor mir stehen, als ich ihm ein paar Schritte entgegen kam und verbeugte sich leicht, erwies mir damit Respekt bezüglich meines höheren Ranges. „Es ändert sich nichts für dich. Du hast deine Befehle. Wenn du alles erledigt hast, gibst du mir per Brief Bescheid. Nenne keine Namen.“, wies ich ihn an und überreichte ihm eine kleine Pfeife, die ich aus einer meiner Taschen holte. „Benutze sie, wenn du soweit bist. Traue keiner Krähe, die auf deinen Ruf reagiert. Atmari wird kommen, du wirst sie erkennen. Es dauert eine Weile bis sie sich zeigt, aber hören wird sie dich. Hebe einen Finger in die Luft, warte bis sie landet und binde den Brief um ihren Fuß. Sieh ihr niemals in die Augen, das mag sie nicht. Hast du verstanden? Niemals in die Augen sehen.“ Souta nickte. „Ja, Meisterin. Pfeifen, warten, Finger in Luft, Brief um Fuß binden, nicht in Augen sehen... Aber wer ist Atmari, wenn keine Krähe?“ Ein schwaches Lächeln im Gesicht sagte ich: „Keine Sorge, du wirst sie erkennen. Und jetzt beeil dich. Revert ist nicht weit, die Distanz zwischen uns sollte ausreichen, sodass Atmari mich allein findet, wenn du sie Richtung Norden schickst. Lass dir nicht zu viel Zeit.“ „Ja, ich mache mich direkt auf den Weg.“, bestätigte er gehorsam und streckte mir im nächsten Augenblick eifrig beide Fäuste entgegen, die Daumen nach oben gerichtet und grinste mich so breit an als stünde er unter Grinse-Drogen oder etwas vergleichbaren, wobei seine Arme zu Zittern begonnen. „Geht voll klar! Ich schaffe das locker!“, meinte er lautstark, ließ jeglichen Respekt mir, seiner selbsternannten Meisterin, gegenüber fallen als wäre ich eine seiner engsten Freunde. Eine Augenbraue hochziehend, verschränkte ich erinnernd an seinen Stand die Arme vor der Brust und schwieg ihn geduldig an. Sich selbst dabei ertappend, was er getan hatte, stand er plötzlich stocksteif vor mir und wurde kurzzeitig kreidebleich im Gesicht. Meine letzte Standpauke war ihm noch sehr gut im Hinterkopf geblieben. „Oh... ehmm... Sorry, ich... Ich meine...! Ich bitte um Verzeihung, das... das war ein... ein inakzeptables Fehlverhalten... Ich...“ Kopfschüttelnd nahm ich es hin und deutete ihm ohne weiteres, zu verschwinden. „Geh jetzt und... halte besser etwas Fisch parat.“, riet ich ihm noch und verabschiedete mich, woraufhin er leicht lächelnd davon eilte, um seinen wichtigen Auftrag auszuführen. Mit einem mulmigen Gefühl sah ich ihm nach.
Souta war extrem nervös. Es war sein erster richtiger Auftrag, da war es ihm nicht zu verübeln. Selbst, wenn er nur einen Brief überbringen sollte, so war es für ihn eine große Ehre und machte ihm viel zu schaffen, das merkte ich. Denn sonst hätte er eben nicht so mit mir geredet, er hatte versucht seine Nervosität vor mir zu verbergen, aber das klappte bei einem Panther nicht. Wir waren Spezialisten darin, die Wahrheit in unserem Gegenüber zu erkennen. Mal ganz davon abgesehen, dass es selbst für ungeschulte Augen deutlich wurde, dass er nervös war. Vielleicht war die Panthereinheit doch nicht so optimal für ihn. Souta hatte noch viel zu lernen, aber wer weiß, ob ich selbst überhaupt Zeit dafür finden würde, ihn zu trainieren... Fürs erste stand jedenfalls der Termin bei meinem Vater an, den ich um alles in der Welt einzuhalten hatte. Und diese Piraten würden mich dorthin fahren.
„Also dann... Wollen wir los?“, wandte ich mich an die Männer, welche das Gespräch kritisch beobachtet hatten. „Wer ist Atmari?“, hakte einer der mir noch nicht namentlich bekannten Männer neugierig nach. „Meine Freundin.“, antwortete ich knapp und folgte den ersten auf´s Schiff.



Nachdem ich meine Verletzungen bestmöglich versorgt hatte, ging ich aufmerksam die Gänge des Schiffs entlang, um mir auch die Wege und Räume einzuprägen, die ich zuvor noch nicht ganz auf dem Schirm hatte. Ich fühlte mich viel besser und sicherer, wenn ich meine Umgebung in und auswendig kannte. Missmutig folgte mir Gin, der dazu verdonnert wurde, ein Auge auf mich zu werfen.
„Wie sichert ihr das Schiff?“, erkundigte ich mich als meine Runde an Deck weiter ging. Zielstrebig ging ich die Reling ab, betrachtete an einigen Stellen den Zustand der Schiffsaußenseite, indem ich mich über sie beugte und hinab sah. Der Capt´n hatte sein Geld effizient in ein robustes Schiff gesetzt. Es gab kaum relevante Mängel festzustellen, soweit ich das als Laie beurteilen konnte. Zu meiner eigenen Überraschung war ich zufrieden mit dem Kauf eines Schiffs wie dieses. Sein Zustand war mehr als nur zufriedenstellend für eine lange Reise auf der Grandline.
„Es gibt Wachschichten, rund um die Uhr. Irgendwer passt immer auf.“
Auch das war zufriedenstellend. „Wie viele Wachen sind in einer Schicht wo positioniert?“ Er seufzte genervt. „Zwei an Deck, einer im Nest.“, deutete er nach oben. Mein Blick folgte ihm, gleich darauf kletterte ich die Takelage hoch und fand einen schlafenden Mann vor, drei leere Flaschen lagen neben ihm, eine vierte halbvolle in seiner Hand. Aufmerksam sah ich mich in alle Richtungen um. Zum Glück war kein fremdes Schiff zu sehen. Ehe ich wieder hinab kletterte, schnappte ich mir die halbvolle Flasche und kippte sie ihm übers Gesicht, woraufhin die schläfrige Wache aufschreckte.
„Was verdammt nochmal soll das?!“, knurrte er sauer und wischte sich mit der Hand übers Gesicht. Wortlos verschwand ich, sagte nichts zu seinem verantwortungslosen Verhalten. „Dämliche Schnepfe...“, fluchte er vor sich her und warf eine der leeren Flaschen nach mir, die jedoch nicht einmal ansatzweise traf. Unbeeindruckt kletterte ich weiter, die Flasche zerbrach auf den Planken. „Was verdammt nochmal soll das werden?!“, fluchte Gin sauer nach oben. Im Gegensatz zu mir hatte das Flugobjekt ihn nur um ein Haar verfehlt. Ohne seinen Worten großartig Gehör oder gar eine verbale Reaktion zu schenken, kam ich am Boden an und wandte mich ab.
„Und im Falle eines Angriffs? Wie schützt ihr euren Capt´n?“, wollte ich wissen, beachtete die Scherben nicht und lief weiter. Sich zusammenreißend, verstummten Gin´s Flüche und er folgte mir, erklärte dabei: „Äh... er kämpft immer selbst mit. Der Capt´n muss nicht beschützt werden. Für wen hältst du ihn?“ Schweigend nahm ich diese Absurdität hin und behielt meine Gedanken für mich. Ich würde sie schon früh genug mit dem Kopf dieser Bande teilen...
„Wo habt ihr Geheimlager?“ „Geheimlager?“ „Na, Waffenverstecke oder etwas in der Art. Für etwaige Notfälle.“ „Gibt´s hier nicht. Nur die Waffenkammer. Ansonsten ist jeder selbst für seine Sachen zuständig.“ „Ihr seid nicht gerade gut auf einen Überfall vorbereitet.“, meinte ich und verstummte einige Sekunden. Gin fing aus einem mir nicht ersichtlichem Grund an zu lachen. „Überfallen? Wir? Du verstehst anscheinend nicht, dass wir Piraten sind, was? Wir sind diejenigen, die andere Schiffe überfallen.“ Ach? War das so? Scheinbar hatte er absolut keine Ahnung, welche neuen Feinde auch er nun hatte, allein durch meine Anwesenheit hier. Mein Rundgang war nun beendet. Ohne auf ihn einzugehen, erkundigte ich mich: „Wenn ich mit dem Capt´n sprechen will, wann und wo kann ich das anmelden?“
Gin dachte wohl ich mache Scherze, da er sich erneut über mich lustig machte und sich vor lauter Lachen kaum mehr einkriegte. „Anmelden? Das hab ich ja noch nie gehört!“ „Was ist daran so lustig?“, wurde ich todernst, woraufhin er rasch wieder verstummte. Er wurde sogar nahezu zickig und erwiderte genervt: „Man, Mädchen, passe ihn einfach ab oder klopf an seine Tür. Was weiß ich...! Er mag der Capt´n sein, aber kein König, bei dem man um eine Audienz bitten muss.“ Wortlos nahm ich das hin.
Diese Organisation an Bord schien mir äußerst willkürlich und unstrukturiert zu sein, nichts schien geregelt zu sein und jeder machte, was er wollte... Wie schaffte dieser Haufen es dennoch, alles am Laufen zu halten? Und mit solchen Chaoten sollte ich die kommenden Wochen zurecht kommen?!

Hungergefühl ließ mich die Kombüse aufsuchen. Doch außer der Information, Essen gäbe es in etwa einer Stunde, war ich eher weniger erfolgreich damit, etwas abzustauben.
Ziellos lief ich die Gänge entlang. Nur eine Stunde wäre zu wenig um mit Kid zu sprechen. Es gab viele Dinge, die ich ansprechen musste und einige Fragen hatte ich auch noch an ihn. Ich musste wohl bis nach dem Essen warten. Mir war das einerlei, ich hatte genug Zeit und Geduld. Solange das Schiff in Bewegung blieb und in die richtige Richtung fuhr...


Während des Essens war es ungewöhnlich still. Selbst Zuhause im Orden war es laut und jeder redete mit jedem, selbst wenn es quer über den Tisch war. Es glich einem wilden Durcheinander, solange der Meister nicht einschritt, hier jedoch... herrschte Totenstille. Ich vermisste den Orden augenblicklich mehr denn je, selbst wenn es nur die Mahlzeiten betraf, denn hier war lediglich hin und wieder das Klirren von Geschirr zu hören. Es war bedrückend und zudem lag eine undefinierbare Spannung in der Luft, die mich mehr und mehr dazu drängte, etwas dagegen zu tun.
„Ist es immer so ruhig bei euch oder liegt das an mir?“, fragte ich irritiert in die Runde. Keine Antwort, keine Reaktion. Starr richteten sich sämtliche Blicke auf die Teller vor sich. „Wie sieht´s aus? Jemand Interesse an einem Gespräch mit mir?“ Keine Antwort, keine Reaktion. „Halt die Schnauze und iss!“, knurrte Kid mich an, zumindest einer, der mich wahrnahm. „Wie ihr meint, Herr.“, sagte ich und verstummte. Fragend musterte er mich. „Warum nennst du mich so?“ „Wie?“ „Herr.“ „Es dient der Höflichkeit euch gegenüber. Ganz wie wir ausgemacht hatten, ein respektvoller Umgang.“, erinnerte ich ihn.  
Irritierte Blicke aller Anwesenden lagen sogleich auf mir. „Sie hat Humor.“, schmunzelte Wire schließlich, der laut dem von mir belauschten Gespräch zwischen Kid und Killer nicht gerade der beste Koch sein sollte. Beinahe alle Augenpaare waren auf mich gerichtet, doch keiner der anderen Crewmitglieder sagte etwas, sie starrten mich lediglich an. Meines Wissens nach erhielten sie bloß die grobe Information, ich würde eine Zeit lang mitfahren. Was intern unter den Mitgliedern für Geschichten über mich umhergingen, wusste ich nicht und interessierte mich auch nicht. Das große Misstrauen und die Abneigung meiner Anwesenheit hier an Bord war jedoch jedem einzelnen von ihnen direkt anzusehen. Sie wollten mich hier nicht haben, aber konnten auch nichts daran ändern. Es war nicht ihre Entscheidung, ob ich hier sein durfte oder nicht.
„Sollen wir dich ab jetzt auch so nennen, Capt´n?“, fragte John lachend, um die schlechte Laune seiner Kameraden zu heben. Er war gemeinsam mit Killer, Heat, Wire und Gin anwesend gewesen, als diese Kid und mich im Wald aufgefunden haben. Er stand auf, nahm seinen Hut ab, drückte diesen an seine Brust und verbeugte sich elegant. „Verzeiht... Ich meinte, mein Herr?“ Alle fingen an zu lachen, selbst Kid fand die Aktion lustig. Unbeeindruckt aß ich weiter, sollte ja die 'Schnauze halten' und hatte sicherlich anderes im Sinn wie unnötige Streitigkeiten. Nachdem es leiser wurde richtete Kid sich amüsiert an mich: „Du warst doch bisher immer so vorlaut und frech. Warum auf einmal diese nette, formelle Tour?“ „Wir trafen eine Abmachung und zu dieser gehört, euch und den Menschen hier an Bord ein gewisses Maß an Höflichkeit entgegenzubringen. Wenn es euch unangenehm oder gar fremd ist, müsst ihr das nur sagen. Ich kann euch auch beleidigen, wenn ihr es wünscht, Herr.“, antwortete ich extrem höflich und warf ihm gegensätzlich dazu einen provokanten Blick zu. Schief grinsend erwiderte er ihn. „'Kid' oder 'Capt´n' reicht vollkommen. Niemand verbietet dir das zu sagen was du willst.“ Nickend nahm ich dies zur Kenntnis. Die Stimmung schien nun etwas gelockert zu sein, einige der Piraten fingen an, sich normal zu unterhalten. Also war die Stille eben doch kein Normalverhalten. Was für ein Glück...

Als ich fertig mit essen war, der Rest am Tisch aber noch lange nicht wie es schien, wandte ich mich an den Rothaarigen: „Ich muss mit euch sprechen, Capt´n. Habt ihr gleich Zeit?“ Neugierig sah er zu mir rüber. „Worüber?“, wollte er wissen. „Sicherheit des Schiffes und Verteidigungsmaßnahmen.“ „Was gibt es da zu besprechen?“, fragte er und schien das Thema damit abschließen zu wollen, ehe ich überhaupt auf die Unterpunkte eingegangen war. „Möchtet ihr das vor der Crew besprechen oder sollen meine Bedenken unter uns bleiben?“, fragte ich nach, woraufhin er aufhörte zu essen und mich scharf ansah. Ja, was sollte er nun antworten? Die Schwachstellen auf seinem Schiff vor der gesamten Crew kund geben lassen oder ein Geheimnis vor seinen Männern haben? Ein kaltes Lächeln auf den Lippen wartete ich ab.
Wann wird er wohl einsehen, dass ich auf diesem Schiff absolut fehl am Platz war und er mich dennoch gezwungen war zu ertragen? „Es gab noch nie große Probleme, was unsere Verteidigung angeht.“, drehte er sich die Worte so zurecht, dass es sich anhörte, als würde die Mannschaft gute Arbeit leisten. „Aber kleine Probleme?“, hakte ich sogleich gezielt nach. „Darf ich fragen, inwiefern diese kleinen Probleme aussahen?“ „Halt´s Maul und lass mich essen! Du solltest dich besser anpassen und nicht so viele überflüssige Sachen von dir geben! Hast du das verstanden?!“ „Ja, Capt´n. Ich dachte nur eben gehört zu haben, dass mir niemand meine Worte verbieten kann.“, nickte ich grinsend und war durchaus zufrieden mit der Entwicklung.
Das Thema wurde umgelenkt. „Wann sind wir an der Windinsel? Habt ihr schon was von Tarik gehört?“ „Nein, er hat sich noch nicht gemeldet. Wir werden in etwa zwei Tagen da sein. Morgen Abend erreichen wir die Feuerinsel, aber da wir sie umfahren, sollten wir recht schnell am Ziel ankommen.“
Wir umfahren die Feuerinsel? Schade, ich hätte mir gern das brennende Land angesehen oder wie auch immer es dort aussah. Auf der anderen Seite war das zügige Vorankommen vorteilhaft für mein persönliches Endziel. Was haben sie wohl auf der Windinsel vor? Wir könnten mit den Vorräten, die sicher gerade erst aufgefüllt wurden, locker gleich weiter durchfahren. Oder? Halten sie nur wegen Tarik nochmal an? Um ihn zu verabschieden? Doch ich hielt mich raus, nahm die Dinge so hin wie sie waren und hoffte auf ein pünktliches Ankommen an der Redline. Nur musste ich dem Capt´n noch von meinem Zeitdruck berichten und ihn irgendwie dazu kriegen, mir dabei zu helfen, rechtzeitig anzukommen...

„Ihr segelt Richtung Redline, richtig?“, meldete ich mich zu Wort, als eine Weile Stille herrschte. Das tat heutzutage jeder Pirat, der auf der ersten Hälfte der Grandline unterwegs war. „Ja. Wieso?“, wollte der Rotschopf wissen und auch die anderen am Tisch wandten neugierig die Köpfe in meine Richtung. „Ich habe einen Termin einzuhalten. Ich muss in sieben Wochen dort sein. Schafft ihr das?“ „Was für einen Termin?“, mischte sich sein Vize augenblicklich höchst misstrauisch ein. „Einen Termin, den ich einhalten muss.“, betonte ich und ging nicht näher drauf ein. „Und wo genau?“, fragte der Capt´n neugierig.
„Redline. Sagte ich doch schon.“ „Du meinst die Fischmenscheninsel?“, erkundigte Heat sich verwirrt. Seufzend wiederholte ich mich: „Nein, ich meine die Redline. R-E-D-L-I-N-E. Der einzige Kontinent auf dieser Welt. Sollte eigentlich bekannt sein, besonders unter Piraten.“
„In sieben Wochen? Zur Redline? Das ist unmöglich!“, behauptete jemand aus der Crew, lachte kopfschüttelnd über meine Worte, dem sich viele andere anschlossen. „Allein die Zeit, die die Log Ports zum Aufladen brauchen...“ Nachdenklich wandte ich mich an ihn: „Wenn wir die Log Ports sämtlicher Inseln hätten, wäre es möglich?“ Hatte mein Vater mich etwa schon von vorne herein vor eine unmögliche Aufgabe gestellt? War es rein theoretisch überhaupt möglich pünktlich anzukommen? Es würde mich keineswegs wundern, wenn die Antwort auf diese Frage 'nein' lautete.
„Selbst, wenn das der Fall wäre, wird die Zeit sehr knapp.“ Sehr knapp. Aber sehr knapp hieß, es war zu schaffen oder? „Ist es möglich?!“, betonte ich den wesentlichen Teil meiner Frage lauter, woraufhin jedoch nichts mehr von ihm zu hören war. Fuck! Nicht nur diese vorübergehende Situation mit den Piraten machte mir zu schaffen. Erneut musste ich an Shiba denken, der eventuell noch lebte. Dann der Termin mit meinem Vater, zu dem ich keinesfalls zu spät kommen durfte. Außerdem mein Status als Abtrünnige, der sich nicht mehr rückgängig machen ließ, insofern mein Vater kein Wunder wirken konnte. Und Souta, ein Schüler, der nicht einmal mein Schüler sein sollte und durfte.
Meine deutlich unzufriedene, beinahe zornige Tonlage schien alle Anwesenden überrascht zu haben. Und diese Überraschung vermischt mit ihrer eigenen Erfahrung, zu was ich ihm Stande war, wenn ich ernst machte, brachte die meisten von ihnen dazu, die Hände an ihre Waffen zu legen, jederzeit bereit sie zu ziehen, sollte ich eine falsche Bewegung machen.

Ich wusste nicht, wen mein Vater bei sich hatte, aber wenn auch nur die geringste Wahrscheinlichkeit bestand, dass es sich um Shiba handeln könnte, so würde ich nichts dem Zufall überlassen. Ich musste um jeden Preis in sieben Wochen im Hauptquartier erscheinen! Koste es, was es wolle! Und wenn diese Bande zu langsam dorthin segeln würde, musste ich mir auf Dauer eben ein anderes Schiff suchen. Es gab immerhin keine zeitlich festgelegte Begrenzung was den Handel zwischen Kid und mir betraf.
„Wir haben den selben Weg.“, lenkte der Capt´n meine Aufmerksamkeit auf sich, woraufhin ich schlagartig wieder in die Realität zurück fand, die Gedanken drängten sich vorerst zurück. „Lasst gefälligst eure Waffen los.“, wies er seine Crew an, ehe er sich wieder mir zuwandte. Missmutig gingen die Männer dem Befehl nach und warfen sich untereinander verständnislose Blicke zu. Aufmerksam sah ich Kid an, als er fortfuhr: „Und wir werden in sieben Wochen die Redline erreichen.“
„Na schön...“, meinte ich einigermaßen zufrieden und wandte mich von ihm ab. Es war mir nicht wichtig, ob er log oder die Wahrheit sprach. Er hatte es ausgesprochen und ebenso würde ich es weiterverwenden.

Sollte er gelogen haben, wird es ihm den Tod bringen, der ihn ohnehin durch meine Hand ereilen werden wird, irgendwann. Wenn er aber tatsächlich die Wahrheit sprach, nun...
„Wenn das so ist... habe ich unserer Abmachung einen Bonus hinzuzufügen.“, verkündete ich und schnitt mir mit einem Messer die Handfläche auf, ließ mein Blut auf den Tisch tropfen als ich die Hand zur Faust ballte. An Kid gerichtet schwor ich: „Mein Versprechen euch zu töten ist für die Zeit meines Aufenthalts hier an Bord vorerst aufgeschoben und wird dauerhaft aufgehoben, insofern ich pünktlich am Ziel ankomme. Das schwöre ich bei meinem Blut. Ich hoffe ihr wisst diese Geste zu schätzen, Capt´n.“
Dieses Schiff war aktuell der schnellste und einfachste Weg, um so pünktlich wie möglich zur Redline zu gelangen. Vielleicht war es töricht, einzig und allein darauf zu vertrauen, dass der Rothaarige dieses Versprechen ernst nahm, aber ich wollte es zumindest versucht haben.
Wortlos stand er auf und funkelte mich aus einem mir nicht ersichtlichen Grund böse an. Dann deutete er auf den Tisch und verlangte doch allen ernstes ohne meinen Schwur auch nur geringfügig zu beachten: „Du wirst das auf der Stelle wieder sauber machen, Miststück! Selbst, wenn du deine Tage hast, wirst du ganz sicher nicht mein Schiff voll bluten! Hast du mich verstanden?!“ „Klar und deutlich, Capt´n.“, bestätigte ich schief grinsend, nahm meinen Teller, stellte ihn in der Küche ab und wandte mich meiner neuen Aufgabe zu.



Meine Laufbegleitung trottete lustlos hinter mir her, bis uns auf dem Gang der Maskenträger entgegenkam. „Gin. Verschwinde.“, forderte er diesen auf, was mich misstrauisch werden ließ. „Aber, der Capt´n hat gesagt–“ „Ich weiß, was der Capt´n gesagt hat.“, unterbrach er ihn, woraufhin Gin noch kurz zögerte und schwer schluckend zwischen uns beiden hin und her sah, ehe er kehrt machte und um die nächste Ecke verschwand.
Kaum war er fort, trat Killer mit großen, zügigen Schritten auf mich zu, packte mich am Hals und presste mich grob mit dem Rücken an die Wand. Schweigend starrte ich ihn mit festem Blick an, würde ganz sicher keine Schwäche vor ihm zeigen. „Was erhoffst du dir von deinem Blutschwur?“, fragte er mich. „Eine pünktliche Ankunft an der Redline.“, lautete meine ehrliche Antwort, die er jedoch hinterfragte. „War das etwa schon alles? Es ist nicht zufällig eine falsche Sicherheit, die du Kid vermitteln willst, damit er denkt, du seist keine Gefahr mehr für ihn? Verarschen kann ich mich allein!“ „Glaub meinetwegen was du willst, aber ich würde niemals einen Blutschwur brechen!“, erklärte ich ihm unter Schmerzen, da er begleitend zu seinen gereizten Worten angefangen hatte, mich zu würgen. Nun ließ er leicht von mir ab, um mir eine bessere Gelegenheit zum Sprechen zu geben. „Ich bin Assassine und ein Blutschwur ist mir heilig. Ein Bruch gleicht einem Regelbruch des Kodex.“, hing ich an um ihn von meinen guten Absichten zu überzeugen. Ein abfälliges Schnauben entkam ihm. „Der Kodex... Sicher... Der heilige Kodex, der eure Leben regelt und euch führt und leitet bis in den Tod hinein... Absoluter Scheißdreck, der da drin steht. Eine simple Lebensanleitung für Leute, die keine Menschen mehr sind... Hast du je die Dinge hinterfragt, die dir beigebracht wurden?“ Die Dinge hinterfragt? Warum sollte man so etwas überhaupt in Erwägung ziehen? Der Orden brachte mir unzählige Dinge bei für die ich sehr dankbar war und garantiert würde ich das nicht einfach alles über den Haufen werfen. „Das, was mich der Orden lehrte, machte mich stark und zu dem was ich heute bin. Meine reine Dankbarkeit verbietet es mir bereits einen solch schwachsinnigen Gedanken überhaupt zu haben. Ich bin dem Orden gegenüber stets loyal, egal was du hier versuchst zu erreichen.“, knurrte ich ihn an. Er verspottete den Orden, er musste ein Abtrünniger sein, aber dennoch... fehlten mir ausschlaggebende Beweise. Wer war er? „Loyalität also? Ich dachte, du seist eine Abtrünnige. Wie passt das mit deiner Loyalität zusammen?“, fragte er mich nun. „Ich bin eine Assassine. Und mehr habe ich dir nicht zu sagen.“, erklärte ich und verstummte daraufhin. Ehe ich ihm meine Lebensgeschichte erzählte, würde er sich mir ohne Maske vorstellen. Schweigend harrte ich die Situation aus bis er anscheinend auch keine Lust mehr hatte. Er ließ langsam von mir ab, wandte sich in die selbe Richtung aus der er gekommen war und forderte mich auf ihm zu folgen. „Kid will dich sprechen. Komm mit.“


Vor der Kapitänskajüte angekommen, verließ Wire diese soeben und warf Killer und mir einen nachdenklichen Blick zu. Nachdem er die Augen von mir nahm, setzte er sich in Bewegung. „Viel Glück.“, wünschte er, doch ich war mir nicht sicher an wen von uns das gerichtet sein sollte.
Kaum hatte ich den Raum betreten, flog mir schon die wesentliche Frage um die Ohren: „Was ist das für ein Termin in sieben Wochen? Warum musst du dann dort sein?“ Was erhoffte Kid sich für eine Antwort mit dieser Frage? Dachte er wirklich, ich würde ihm näheres über meine Privatangelegenheiten berichten? Dazu noch Dinge, die den Orden betrafen, wenn auch nur extrem oberflächlich? Nein, den Gefallen würde ich ihm sicher nicht tun, daher beließ ich es bei: „Mein Leben gehört in sieben Wochen nicht mehr mir. Es ist mir nicht gestattet, von da an selbst über mich zu bestimmen. Das ist der Grund.“ Im Gegensatz zu Killer, der schweigend meine Worte für sich interpretierte, wollte der Capt´n wissen: „Was zur Hölle soll das nun wieder bedeuten? Rede gefälligst Klartext, Miststück!“ Einen neuen Versuch startend, erklärte ich: „In sieben Wochen werde ich von meinem Vorgesetzten erwartet. Meine Zukunft ist ungewiss. Ich habe keinerlei Recht, selbst darüber zu bestimmen.“ Abfällig schnaubend meinte er: „So einen Quatsch habe ich ja noch nie gehört!“ Ach, echt? Das wunderte mich kein bisschen. Er war ja auch Pirat und kein Assassine. Warum sollte er mich und meine Lebensweise also verstehen? Sie war ihm genauso fremd wie mir die seine. Erklärend fuhr ich fort: „Als abtrünnige Assassine werde ich entweder den Tod finden oder dem direkten Befehl einer ranghöheren Autorität unterstehen. Mein eigenständiges Leben wird dort enden.“
„Also bist du doch abtrünnig.“, stellte Killer beiläufig fest, woraufhin ich ihm einen reglosen Blick zuwarf, ehe ich mich wieder auf den Capt´n konzentrierte.
Mit einem total verständnislosen Ausdruck im Gesicht musterte dieser mich von oben bis unten, ich sah ihm richtig an wie unverständlich meine Worte und deren Sinn für ihn waren. Und obwohl er das alles nicht verstand, ließ er es sich nicht nehmen, mich weiter damit zu nerven. „Warum gehst du dann dorthin? Das macht keinen Sinn. Was soll schon passieren, wenn du den Termin schwänzt?“, schnaubte er abfällig und schüttelte verständnislos den Kopf. Er war also neugierig? Warum sonst sollte er mir so eine Frage stellen, wo ich doch eigentlich als Feind anzusehen war, mit dem vorübergehend Waffenruhe herrschte?
„Kid!“, mischte sich sein Vize mahnend ein, um zu verdeutlichen, dass er die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Na zumindest was dieses Thema betrifft sind wir derselben Meinung. Ich hielt es für angebracht, dieses absurde Thema unverzüglich zu beenden, weshalb ich direkten Augenkontakt mit dem Rothaarigen suchte. Todernst warnte ich ihn: „Überschätzt euch nicht. Ihr habt euch gegen mich, einen einzelnen Elite-Assassinen, geradeso behaupten können. Und dazu musste ich noch nicht einmal Haki anwenden oder Seestein einsetzen. Gegen eine ganze Eliteeinheit zu kämpfen ist etwas ganz anderes. Werdet ihr mich nicht rechtzeitig am vereinbarten Zielpunkt gehen lassen, werdet ihr alle sterben...“ „Hältst du es für eine gute Idee mir zu drohen?“ „Das war keine Drohung, sondern eine Tatsache... Tut mir Leid, wenn es falsch herüber kam, Capt´n. Aber ich schlage dennoch vor, dass wir dieses Gespräch ganz schnell wieder vergessen.“
Eine ganze Weile herrschte angespannte Stille im Raum, dann bekam ich jedoch die Erlaubnis mich zu entfernen. Unzufrieden knurrend, aber meine Antwort akzeptierend, was mich zumindest etwas überraschte, sagte der Capt´n: „Verschwinde, Miststück.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Schwach lächelnd schritt ich an ihm vorbei, steuerte die Tür an. Wortlos setzte sich auch der Maskenträger in Bewegung, wollte mich wohl zur Vorsicht begleiten, damit ich nicht allein umherlief und Dummheiten anstellte. Jedoch hielt Kid ihn auf. „Du bleibst hier... Ich muss mit dir sprechen.“ Mir einen letzten Blick über die Schulter zuwerfend befahl der Rothaarige: „Du gehst auf direkten Weg an Deck, haben wir uns verstanden?“ „Aber selbstverständlich, Capt´n.“, bestätigte ich höflich und schloss die Tür hinter mir. Immerhin diesen gefährlichen Weg mutete er mir ohne Aufsicht zu, das war zumindest ein Anfang. Allerdings... hatte er mir kein Zeitlimit gesetzt, also setzte ich auch keinen Fuß vor den anderen, nachdem ich allein auf dem Flur stand. Es dauerte nicht lange, da hielten die Piraten hinter der Tür mich für abgereist. Jetzt war ich mal gespannt, ob ich was neues aufschnappen konnte.

„Was willst du?“, eröffnete Killer das Wort an seinen Freund. Dieser stellte stumpf fest: „Mit dir stimmt was nicht.“ „Mit mir? Ach wirklich?“ Schon während diesem kurzen Austausch nahm das Gespräch der zwei dieselbe Gelassenheit und Vertrautheit an, wie kurz vor meiner letzten Flucht vom Schiff, als ich sie belauscht hatte. Sie fühlten sich ungestört und unter sich, ganz wie damals. Der Maskenträger wurde nicht einmal richtig wütend, als ich rasch zum Thema wurde, wusste wohl dass es nicht nötig war, seine Abneigung mir gegenüber ein weiteres mal deutlich zu machen, immerhin wusste der Rothaarige von Anfang an genau wie er dazu stand.
„Ich verstehe deine Zweifel, aber wir brauchen sie.“, setzte Kid ruhig an. „Sie hat Wege und Mittel um an Informationen zu gelangen, vergiss das nicht.“ Beherrscht ruhig meinte sein Vize daraufhin: „Du hättest trotzdem nicht so weit gehen müssen, sie mitzunehmen. Sie gehört nicht auf ein Schiff und schon gar nicht auf dieses. Wenn sie Informationen beschaffen kann, dann auch an Land und auf eigene Faust.“ „Und wie lange würden wir in diesem Fall auf die Ergebnisse ihrer Untersuchung warten?“, stellte der Rothaarige seinem Freund eine Gegenfrage. „Klar, wir könnten auf ihr Wort vertrauen, wenn sie uns per Teleschnecke Bericht erstattet, aber wie sollen wir wissen, ob sie uns die Wahrheit sagt und uns nicht in eine Falle lockt? Wenn sie hier auf dem Schiff ist, habe ich zumindest etwas mehr die Kontrolle über ihre Aktivitäten und zudem trafen wir eine Vereinbarung, von der ich hoffe, dass sie ihr Wort hält.“ Ungern gab der Maskierte nach und meinte: „Na schön... Vielleicht hast du recht, was das betrifft, aber... es gibt da noch eine andere Sache, die mich beschäftigt... Was ist dort im Wald zwischen dir und ihr vorgefallen? Du warst morgens plötzlich nicht mehr auf dem Schiff, hast keine Nachricht zurückgelassen und dich nicht einmal von Tarik verabschiedet. Hat sie dich etwa wieder in der Dunkelheit angegriffen und du bist ihr anschließend nachgerannt oder was ist passiert?“ Trotz der Ruhe in seiner Stimme hörte man heraus, dass er wusste, dass eben dies nicht so geschehen war. „Tarik und ich haben uns schon am Vorabend verabschiedet, wir wussten, dass wir morgens keine Zeit mehr dafür hätten.“, antwortete Kid und fuhr fort, ehe sein Freund sich einmischen konnte. „Ich habe sie zum Kampf herausgefordert.“, offenbarte er ihm unverblümt, woraufhin sich im Zimmer hinter mir eine bedrückende Stille ausbreitete. Irgendwann fand der Maskenträger seine Sprache wieder. „Du hast... was getan?“, fragte er entsetzt und wurde rapide lauter. „Sag mal hast du sie noch alle?! Erinnerst du dich etwa nicht daran, was ich dir gesagt habe?! Denkst du, ich habe dich aus purem Spaß vor einem Duell mit ihr gewarnt?! Du hast es mir versprochen!“ Ein entschuldigendes Seufzen war zu hören, ehe Kid meinte: „Ich war betrunken als ich sie herausgefordert habe... Aber ich konnte ja schlecht den Schwanz einziehen. Wie hätte ich dann dagestanden?!“ Wow, das war ja mal eine richtig schlechte Ausrede. Das gleiche schien sich Killer auch zu denken. „Was soll diese scheiß Ausrede denn jetzt?!“, wollte er wissen und wurde laut. „Du hast es mir versprochen, verdammt!“ „Scheiße, Killer, ich weiß! Denkst du etwa ich habe das gern gemacht?! Es tut mir Leid, verdammt, aber ich gab dir bereits ein anderes Versprechen, dass mir deutlich wichtiger ist wie es dieses je hätte sein können und das weißt du genau!“ Ein anderes Versprechen? Was das wohl war?
„Dann sag mir... Warum hast du sie herausgefordert?“, erkundigte Killer sich und musste keine Sekunde auf eine Antwort warten. „Für dich.“, hieß es, was mich verwirrt die Stirn runzeln ließ. Vielleicht waren sie ja tatsächlich schwul und das war so ein schräges Liebesdings... Er hatte mich für seinen besten Freund herausgefordert, der ihm davon abgeraten hatte eben dies zu tun? Warum? Der Grund für unser Duell schwieg daraufhin, war absolut verstummt, während Kid weiter sprach: „Mit ihrer Hilfe können wir Zitro finden. Deswegen habe ich es getan. Ist mir egal, ob du das akzeptierst oder nicht, aber ich gab dir vor langer Zeit ein viel wichtigeres Versprechen und das werde ich einhalten. Wie wir Zitro finden ist mir dabei egal, versuche dich auf das Ergebnis zu konzentrieren, überlasse den Rest mir. Und ich verspreche es dir hiermit erneut. Wir werden Zitro finden, Killer! Seit langer Zeit haben wir endlich eine Möglichkeit gefunden wie wir mehr über ihn und seinen Aufenthaltsort herausfinden können! Du weißt selbst am besten, dass es einem Wunder gleicht, dass wir das Miststück gefunden haben, also reiß dich endlich zusammen und sieh es ein. Und außerdem... als ich sie herausgefordert habe...“ Die lautstarken Worte des Capt´n verblassten schlagartig, als er ruhig zum Ende kam und seine Ausrede von zuvor wiederholte: „...war ich betrunken.“
Ein Schlag war zu hören und meine Wahrnehmung verriet mir, dass Kid nach hinten taumelte. Schmunzelnd stellte ich fest, dass sein Freund ihm eine reingehauen haben musste. Ein zweiter Treffer wurde hörbar, dem ein lautes Krachen folgte. Nanu? Zerstören sie nun munter die Möbel im Raum? Interessiert lauschte ich weiter. „Bist du jetzt zufrieden?“, erkundigte der Capt´n sich tonlos. „Ja...jetzt sind wir quitt.“, bestätigte sein Freund ihm. „Aber eine Frage hab ich trotzdem noch.“ „Welche?“
„Und...? Wer hat gewonnen?“, fragte der Stehende den Liegenden und gleichzeitig schien sich die Spannung zwischen ihnen zu legen, es hörte sich an als wäre sie wie weggeblasen und für immer vergessen, ihre Stimmlagen klangen keineswegs mehr wie zuvor. „Obwohl du noch am Leben bist... So wie du im Vergleich zu ihr aussahst als wir euch fanden, hast du ver–“ „Wir haben uns auf ein unentschieden geeinigt.“, unterbrach der Capt´n seinen Freund, ehe er noch etwas aussprach, das Kid nicht hören wollte. „Unentschieden?“, wiederholte er verblüfft, konnte das nicht glauben. „Ein Assassine kennt kein unentschieden. Es gibt nur den Sieg oder den Tod für sie. Wie zur Hölle hast du das geschafft?“ „Nun... Wir endeten in einer für uns beide ungünstigen Situation und haben daraufhin verhandelt.“ „Verhandelt? Sag mal spinnst du, Kid? Mit einem Assassinen verhandelt man nicht! Ich fasse es einfach nicht...“ Nur kurz wurde er laut, war aber nicht länger wütend auf ihn, das hätte sich anders angehört. Dem Capt´n aufhelfend, der dankend die helfende Hand annahm, wollte er wissen: „Auf was habt ihr euch geeinigt?“
„Sie findet alles über Zitro raus, was sie findet, wir nehmen sie auf dem Schiff mit. Ach und... kümmere dich besser darum, dass jeder an Bord den Unterschied zwischen Messern und Dolchen kennt, nur für den Fall...“
Schmunzelnd wandte ich mich nun ab, hatte genug gehört. Lautlos lief ich den Flur entlang und verschwand um die nächste Ecke, begab mich auf direktem Weg an Deck. Die absolute Ehrlichkeit des Rothaarigen war bemerkenswert, er zog es nicht einmal in Erwägung seinen besten Freund anzulügen und kassierte dafür sorglos ein blaues Auge. Ehrlichkeit war gut, aber Loyalität war besser. Jedoch... sollte ich einem Piraten ein derartiges Maß an Ehrlichkeit wohl hoch anrechnen, das... hätte ich nicht erwartet. Erneut hatte der Capt´n mich überrascht und zugleich stieg meine Hoffnung, er würde auch mein Versprechen an ihn genug würdigen, um mir bei der pünktlichen Ankunft an der Redline behilflich zu sein. Draußen angekommen lief ich ziellos übers Deck und stellte mich an die Reling, während überall um mich herum die Männer ihren Arbeiten nachgingen...
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