In vino veritas

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Ai Haibara / Shiho Miyano Gin und Wodka "Männer in Schwarz" OC (Own Character)
10.12.2018
02.08.2019
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Ich hatte schon kein gutes Gefühl, als ich die große gläserne Fassade des Hauses in der Ferne immer größer werden sah, aber ich schob es darauf, dass niemand beim Anblick dieses Gebäudes ein gutes Gefühl haben sollte, der wusste was darin vor sich ging. Es war die Brutstätte des Bösen, wenn man so wollte. Ich dachte mir bei diesem unheilsvollen Gefühl also nicht viel, und hielt mir stattdessen dem vom Zusammenprall mit dem Auto immer noch schmerzenden Kopf. Allerdings wirkte Gin auch nicht unbedingt beruhigt, und das machte mir viel mehr Sorgen. Ein viel schlechteres Zeichen als einen unruhigen Gin konnte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen.

“Machst du dir Sorgen?”, fragte ich schließlich, mit zusammengezogenen Augenbrauen obwohl ich mir bereits in dem Moment in dem ich die Frage aussprach sicher war, dass es eine dumme Idee gewesen war sie auch nur zu denken.

“Worum sollte ich mir denn Sorgen machen, hm?”,  meine Worte hatten ihn nur noch unruhiger gemacht, und ich merkte es, auch wenn er sein bestes tat es sich nicht anmerken zu lassen. Wobei, eigentlich tat er es nicht. Hätte er wirklich gewollt, dass ich es nicht mitbekomme hätte ich nichts gemerkt. Er wollte es mir zeigen.

“Dass er wütend ist. Weil sie entkommen ist.”, ich biss meine Zähne zusammen, kaum  dass ich das ausgesprochen hatte. Eigentlich wollte ich nicht mal daran denken, aber es blieb mir wohl nichts anderes übrig.

“Natürlich ist er wütend. Und ich werde für meinen Fehler bezahlen. Das war mir von Anfang an bewusst.”, gab er ruhig zurück, und fuhr auch schon auf den Parkplatz auf. “Das ist aber nichts worum ich mir Sorgen mache.”, und ich nickte. Ich würde sowieso nichts aus ihm heraus bekommen. Dachte ich jedenfalls.

“Ich mache mir eher Sorgen um sie.”, falsch gedacht. Und erst riss ich meine Augen weiter auf, aber ich hatte keine Zeit weitere fragen zu stellen, denn Gin stieg aus seinem Wagen aus und ließ mich allein sitzen. “Du bleibst hier.”, erklärte er, und schlug die Tür hinter sich zu. Mit einem Schulterzucken lehnte ich mich im Sitz zurück und schloss die Augen. Ich konnte noch ein wenig Ruhe gebrauchen.

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Veritas war nicht der einzige, mit einem schlechten Gefühl was dieses Treffen anging. In Gin sah es nicht anders aus. Seine Gedanken drehten sich. Um Sherry - um die Frage wer dieser Typ war, der ihr zur Flucht verholfen hatte, und der ihm die Nadel in den Arm schoss. Darum, wie es ihr ging. Er hatte sie ziemlich übel getroffen. Veritas hatte mit jedem Gedanken und jedem Wort recht. Natürlich - hätte Gin wirklich gewollt, dass Sherry starb, dann wäre sie gestorben. Sofort. Aber irgendwas hatte ihn abgehalten. Ein Mensch mit klarem Verstand und weniger Wirren Gefühlen hätte dieses etwas als Liebe bezeichnet, aber er weigerte sich diesem Gedanken nachzugeben.

Aber Sherry war nicht die einzige, um die er sich Sorgte. Er hatte versagt. Der Boss würde nicht begeistert sein. Und seine letzten Worte in dieser Hinsicht waren klar und eindeutig gewesen. Gin dachte an seine Eltern. Seine Mutter, seinen Vater und deren Adoptivtochter. Seine kleine Schwester. Die Familie die er außerhalb der Organisation hatte, und die letztlich der Grund war, aus dem er der Organisation diente. Auf der einen Seite um sie zu schützen. Das stimmte zumindest für seine Mutter und seine kleine Schwester - nicht jedoch für seinen Vater. Der Bastard hatte seinen Sohn vor vielen Jahren in die Hände der Organisation übergeben, ihn beinahe schon verkauft. Weil er selbst zu Feige gewesen war, sich ihnen anzuschließen. Und damals hatte der Boss den noch jungen und Formbaren Ryuu gerne in seine Reihen aufgenommen.

Hiroki hatte seinen Sohn verkauft. Seinen einzigen...nein. Nicht seinen einzigen leiblichen. Er hatte noch einen. Gin teilte mit ihm nicht viel - nur das Giftgrün ihrer Seelenspiegel.

Unruhig wie gefühlt schon Jahre nicht mehr, war er in den Aufzug gestiegen und fuhr nun ebenso unruhig in den obersten Stock, dort wo das Büro des Bosses lag.Er klopfte gegen die Tür, und wurde bald von einer verzerrten Stimme hinein gebeten. Wie immer hatte der Mann der dort in dem Stuh saßl ihm seinen Rücken zugedreht. Er hatte das Gesicht schon gesehen, es spiegelte sich auch in der Fensterscheibe. Aber Gin bezweifelte, dass je jemand von Ihnen das echte Gesicht erblickt hatte.

“Ihr habt mich rufen lassen?”, demütig hatte er den Kopf gesenkt, wissend dass eine Kamera dem Boss ein Bild von ihm zeigte.

“Das habe ich in der tat, mein Sohn.”, Gin hatte früher gefallen daran empfunden, dass der Boss ihn Sohn nannte. Er war stolz darauf gewesen, aber spätestens seit der Mann der dort saß auch Veritas in diese Reihen eingebracht hatte, ihn von dem wenigen Rest normalen Lebens weggeriss, dass der Junge je besessen hatte, hatte Gins Einstellung in dieser Hinsicht sich verändert.

“Sie ist dir entkommen.”, der Boss kam zum Thema, so wie Gin es erwartet habe.

“Das ist sie.”, es brachte nichts, es zu leugnen. Hätte ihn nur weiter in eine Unheilvolle Schlucht getreten.

“Du bist dir im klaren darüber, was das bedeutet?”,

“Auf Fehler, folgt Strafe.”, erwiderte Gin kühl. Ein Mantra, dass ihm sein vielen Jahren eingeschärft wurde.

“Das mag deine Folge sein. Aber bist du dir im klaren, was es für uns bedeutet? Für unsere Sicherheit? Die Sicherheit der Organisation? Mit dem Beweis, dass sie noch lebt?”, die verzerrte Stimme schmerzte in Gins Ohren, schlug Töne an die sich wie Messerstiche in seinem Trommelfell anfühlten.

“Die Sicherheit ist in Gefahr.”

“Exakt. Und du weißt, dass ich das nicht dulden kann. Du wirst sie finden. Und du wirst sie auslöschen. Sie, und alle denen sie etwas verraten haben könnte.”,

“Selbstverständlich.”, das war doch die ganze Zeit der Plan gewesen.

“Gut. Und was deine Strafe angeht…”, Gin schloss die Augen, verkrampfte die Hände.

“Der Junge…”, er öffnete die Augen. Seine Verwunderung musste ihm ins Gesicht geschrieben stehen, denn der Boss gab ein beinahe mechanisch klingendes Lachen von sich.

“Er hat ihr geholfen. Er hat uns verraten.”, ein Schmerz wie ein Pfeil aus Eis direkt in den verkümmerten Muskel, den Gin sein Herz nannte. Woher...wusste er das?

“Vodka hat es mir erzählt. Er hat sich wirklich verdient gemacht, in letzter Zeit.”, er würde diesen verdammten Dummkopf filitieren, wenn er ihn in die Finger bekam.

“Was werden sie mit ihm tun? Dem Jungen, meine ich.”, er fragte, und wollte die Antwort nicht kennen. Gin hatte sein Leben dem Schutz seiner Familie verschrieben, viel mehr als dem Dienen der Organisation - nun stand beides leider in direktem Zusammenhang.

“ICH werde ihm nichts tun. Du. Du wirst ihn zu deinem nächsten Auftrag mitnehmen. Du wirst ihn töten lassen. Und wenn er sich weigert, wird du seinen Willen brechen.”, in seinen Adern gefrohr das Blut. Es war leicht, den Plan des Bosses zu durchblicken. Der Boss hatte schon lang hinter die Fassade Gin’s geblickt. Er kannte seine Schwäche. Den Knackpunkt in ihm. Den Willen seine Familie, und damit auch den Jungen zu beschützen. Und er wollte einen Keil zwischen ihn, und Vincent treiben. Die Brüder, die zumindest einander hatten, auseinander treiben. Und sie damit beide völlig in der Hand haben. Er würde versuchen Veritas abzufangen, wenn er am Boden lag, seinen Bruder als den Bösen dazustellen, und ihn so formbar machen.

“So sei es.”, erwiderte er, ohne einen Muskel zu verziehen, und ohne mit der Wimper zu zucken.

“Gut. Nun geh.”, und Gin ging. Verließ das Büro, stieg wieder in den Aufzug. Nach dem die Tür sich geschlossen hatte, lehnte er einen Augenblick seinen Kopf gegen die kühle Aufzugwand.

“Auf das die Bande zwischen uns stark genug sein mögen, diesem Plan nicht nachzugeben.”,

Gin und Veritas verband nach außen nicht viel. Sie unterschieden sich wie Tag und Nacht. Gin, der silberblonde Hüne, und Veritas, der dunkelhaarige Winzling.  Doch ihre Bande waren stärker als Drahtseile. Im Herzen waren sie oftmals so ähnlich, dass sie beinahe gleich waren.

Doch nach außen hin, verband sie nicht viel.

Nur das Giftgrün ihrer Seelenspiegel.
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