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Eine Schlange im Wolfspelz

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Fenrir Greyback James "Krone" Potter Kreacher Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Regulus Arcturus Black Severus Snape
09.12.2018
17.11.2019
55
218.816
72
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
15.12.2018 3.259
 
„Also, Mister Potter, was ist passiert?“ Dumbledore saß in seinem Büro hinter dem Schreibtisch. Er deutete auf den Stuhl vor dem Tisch, damit James sich setzen konnte. Ihm war bewusst, dass dieser Gryffindor nichts damit zu tun hatte, im Gegenteil. Durch sein beherztes und schnelles Eingreifen wurde das Leben von Severus Snape sicherlich gerettet. Ansonsten hätte der Werwolf, den die Freunde Moony nannten, den Slytherin sicherlich zerrissen.

„Darf … darf ich vorher noch etwas fragen?“, murmelte der dunkelhaarige Gryffindor.

„Mister Black steht derzeit unter Hausarrest.“, erriet der Schulleiter die Frage des Jugendlichen. „Während wir im Krankenflügel warteten, habe ich eine Hauselfe damit beauftragt, Mister Black in ein Einzelzimmer zu bringen, das er nicht verlassen kann, bis ich es ihm erlaube. Das wollten Sie doch wissen?“ James nickte beklommen. „Nun gut, und jetzt beantworten Sie bitte meine Frage.“

James sah sich um und atmete einige Male tief durch. Rund um den Platz des Direktors waren Portraits an der Wand aufgehängt, die die ehemaligen Schulleiter zeigten. Aufmerksam verfolgten diese das Gespräch, das gerade beginnen sollte. Auf einer Stange an der Seite saß der rot-goldene Phönix, der Dumbledore schon lange begleitete. James wusste nicht, wie lange genau, aber sein Vater erzählte ihm früher, dass er auch zu seiner Schulzeit bereits da gewesen war. Auch der Feuervogel musterte ihn aufmerksam, mit leicht schief gelegtem Kopf. Als er seinen Blick weiter schweifen ließ, fielen James die verschiedenen Instrumente auf, die auf den unterschiedlichsten Tischen und Regalen standen. Ein Spickoskop erkannte er, aber die meisten der filigranen Instrumente kannte er nicht. Doch irgendwann traf sein Blick wieder auf Dumbledore, der ihn abwartend ansah. James räusperte sich unbehaglich, dann begann er zu erzählen. „Ich denke, ich muss ein wenig ausholen.“, überlegte er. Der Direktor nickte ihm aufmunternd zu. „Bereits in der zweiten Klasse fanden wir Remus' Geheimnis heraus.“

„Wir?“, unterbrach Dumbledore. „Sie sprechen von Mister Black, Mister Pettigrew und sich selbst?“

„Richtig.“, nickte James. „Es war ziemlich auffällig, dass Remus immer wieder fehlte, und irgendwann erkannten wir ein Muster. Wir haben ihn angesprochen und er hat es, nach einer Weile, zugegeben. Naja, ihm gingen letztendlich die Ausreden aus, wir waren ziemlich … äh … hartnäckig.“ Rot geworden brach James ab, er wirkte unsicher.

„Das kann ich mir vorstellen.“, gluckste Dumbledore. Einen kurzen Moment wirkte er so wie sonst, seine blauen Augen blitzten amüsiert. Doch schnell wurde er wieder ernst. „Haben Sie bereits damals beschlossen, Animagi zu werden? Sie wissen, wie gefährlich das ist!“

„Ja, das wissen wir.“, nickte der Dunkelhaarige schuldbewusst. „Aber das war noch nicht sofort unser Plan. Ja, wir wollten Remus helfen, aber es begann anders. Anfangs haben wir ihm geholfen, Ausreden zu finden, die nicht auffielen, damit keiner sonst Verdacht schöpfte. Ja, wir haben nach Wegen gesucht, ihm beizustehen, aber Animagi wurden wir erst Anfang dieses Jahres. Seither sind wir in den Nächten mit Remus unterwegs und sorgen dafür, dass er laufen kann.“ Er blickte Dumbledore direkt in die Augen. „Sie müssen wissen, dass der Werwolf sich bewegen will. Wenn er eingesperrt ist, verletzt er sich selbst. Deshalb sind wir mit ihm in den verbotenen Wald gegangen, damit er laufen konnte. Seither ist er wesentlich weniger verletzt, wenn er sich zurück verwandelt.“

„Das meinte Poppy also damit, dass sich etwas geändert hat.“, nickte der Schulleiter nachdenklich. „Sie sind ein Hirsch, Mister Potter. Ist Ihnen nie in den Sinn gekommen, dass Sie perfekt in das Beuteschema eines Wolfes passen könnten?“

„Ja, das weiß ich.“, erwiderte James. „Sirius wird zu einem großen, schwarzen Hund, er hat Moony, also Remus' Wolf, im Griff. Anfangs war ich sehr vorsichtig, aber wir haben festgestellt, dass Moony uns als sein Rudel akzeptiert. Selbst Peter, der zu einer Ratte wird, ist nicht in Gefahr. Normalerweise holen wir Moony kurz nach der Verwandlung ab und gehen mit ihm in den Wald, stellen dabei sicher, dass er nicht in Richtung der Schule läuft. Wobei er noch nie wirklich dahin wollte. Der Wald war immer spannender für ihn, darin jagt er. Damit ist Moony bislang immer zufrieden gewesen. Laufen, jagen, fressen und ein wenig spielen, mehr passierte nicht in diesen Nächten. Wir haben immer dafür gesorgt, dass Moony wenigstens in der Nähe der heulenden Hütte ist, wenn er sich zurück verwandelt. Meistens haben wir es sogar in die Hütte geschafft. Wir haben Remus geholfen, sich wieder anzuziehen und ins Bett zu legen, damit er sich ausschlafen kann. Nach diesen Nächten ist er ziemlich kaputt und meistens hat er so schlimmen Muskelkater, dass er sich kaum bewegen kann. Aber er ist froh, und wir auch, wenn er mehr oder weniger unverletzt ist.“

„Das ist eine großartige Leistung, Mister Potter, aber Sie wissen, dass wir Ihre Fähigkeit melden müssen.“, merkte Dumbledore an. „Sie werden als Animagi registriert. Aber weiter, wie kam es zu dem heutigen Vorfall?“

„Naja, schon seit einer Weile spioniert Sch… Snape hinter uns her.“, begann James unsicher, vorsichtig. Er wollte ehrlich sein, aber seine Freunde trotz allem schützen. „Sirius war sehr besorgt um Remus, wir alle waren das. Wir wollten verhindern, dass Snape herausfindet, welches Geheimnis Remus verbirgt. Sirius war heute in der Bibliothek, gemeinsam mit Peter. Er hat sich mit Peter darüber unterhalten, wie man in den Geheimgang kommt. Er hat mir später, kurz vor Mondaufgang, erzählt, was genau er sagte. ‚Hoffentlich findet niemand jemals heraus, wie Remus' Geheimnis versteckt wird. Wenn jemand dahinter kommt, dass er immer in Vollmondnächten verschwindet, und dann den Knoten am Wurzelgeflecht der peitschenden Weide drückt, dann könnte er in den Geheimgang gelangen und Remus' Geheimnis lüften.‘ Das hat Snape gehört. Daraufhin hat er wohl genau das gemacht, was er gehört hat.“

„Mister Potter, wussten Mister Pettigrew oder Mister Black, dass Mister Snape zuhört?“, wollte Dumbledore sehr ernst wissen.

„Ich bin nicht ganz sicher.“, wand sich James. Obwohl er ziemlich genau ahnte, was dahinter steckte.

Das schien auch der Schulleiter so zu sehen. „Mister Potter, ich wüsste gerne die Wahrheit.“, insistierte er.

James zuckte zusammen. Der durchdringende Blick Dumbledores bohrte sich in seine Augen, er konnte sich nicht abwenden. „Sirius … er wusste, dass Snape dort war.“, hauchte er schließlich. „Er wollte doch nur Remus beschützen und Snape Angst machen!“

„Und Mister Pettigrew? Wusste er es auch?“

„Ich denke nicht.“, zuckte James unsicher die Schultern. „Er hat zumindest nichts gesagt. Ich weiß es nicht.“

„Was ist mit Mister Lupin?“

„Nein. Ganz sicher nicht.“, schüttelte James energisch den Kopf. „Er hätte das nie zugelassen! Außerdem war er zu der Zeit schon mit Madam Pomfrey in die Hütte gegangen. Er kann nichts dafür!“ Entsetzt blickte der Jugendliche auf, als ihm bewusst wurde, wirklich bewusst, was passiert war. „Was … was passiert nun mit Remus?“

„Das kann ich nicht sagen.“ Dumbledore wirkte plötzlich sehr alt. Er sank in sich zusammen. „Das wird eine Entscheidung des Ministeriums sein, aber ich bin ziemlich sicher, dass es Konsequenzen haben wird, die keinem von uns gefallen. Dadurch, dass Mister Snape ins St. Mungos eingeliefert wurde, wird das Ministerium auf jeden Fall erfahren, was passiert ist. Daran führt nun kein Weg mehr vorbei. Ich gehe davon aus, dass bereits in einigen Stunden jemand kommt. Dann werden wir erfahren, was genau nun passiert.“ Seufzend reichte er James eine Tasse Tee. „Trinken Sie, Mister Potter. Sie haben richtig gehandelt, auch wenn es nun eine schwere Zeit für Ihre Freunde werden wird. Aber hätte Mister Lupin Mister Snape getötet, wäre alles noch schlimmer geworden. Ihnen ist es zu verdanken, dass es keinen Todesfall gibt. Ich bin froh, dass Sie zu mir gekommen sind. Auch oder gerade weil es sehr schwer für Sie gewesen sein muss.“

„Professor, werden Sie Remus und Sirius helfen?“, hoffte der Schüler.

„Ich weiß nicht, ob das noch in meiner Macht liegt.“, seufzte der Weißhaarige niedergeschlagen. „Damals habe ich viel riskiert, als ich Mister Lupin an diese Schule holte. Ich habe dem Ministerium mein Wort gegeben, dafür zu sorgen, dass niemand seinetwegen in Gefahr sein wird.“

„Heißt das, auch Sie sind nun … in Gefahr?“, fragte sich James.

„Ich weiß nicht, was das Ministerium dazu sagen wird.“, zuckte Dumbledore die Schultern. „Aber es ist durchaus möglich, dass dies meine letzte Nacht als Schulleiter hier in Hogwarts ist.“

„Das … das tut mir leid.“, wisperte der Jugendliche. Auch wenn er sich viel mehr Sorgen um seine Freunde machte, so hatte er durchaus Mitleid mit dem Schulleiter. Er schwieg, wusste nicht, was er noch dazu sagen sollte. Auch Dumbledore verharrte schweigend, nachdenklich blickte er in den Kamin.

Unbewusst tranken Beide ihren Tee und hingen ihren Gedanken nach. Der Schulleiter versuchte, eine Idee von dem zu bekommen, was nun folgen würde, während James Potter an die letzten Jahre und die Erlebnisse mit seinen Freunden dachte. Würde sich nun alles ändern? Konnte er irgendetwas tun, um Remus und Sirius zu helfen? Was würde nun mit Snape passieren? Ja, selbst an den Slytherin verschwendete er einige Gedanken. Auch er konnte ihn nicht ausstehen, weil er ständig an Lily hing und ihm damit im Weg war, aber das hier hätte er nicht einmal ihm gewünscht. Dieses Schicksal war schlimmer als alles, was sich James vorstellen konnte. Remus machte jeden Monat diese Hölle durch und sie hätten alles getan, um es ihm zu ersparen. Was würde ihn jetzt erwarten? Remus' größte Angst war es, nach Askaban zu kommen, weil er einen Menschen verwandelte. Würde das nun passieren? Remus konnte doch nichts dafür! Er konnte den Wolf nicht steuern! Es war nicht seine Schuld! Wenn, dann war Snape selbst Schuld, er hätte doch einfach nur weglaufen müssen! Er war doch sonst so intelligent, warum hatte er nicht kapiert, was dort in der heulenden Hütte auf ihn wartete?

Eine grüne Flamme im Kamin riss sie aus ihren Gedanken. Ein Mann entstieg dem Kamin, der James mehr als bekannt vorkam. „Dad!“, begrüßte er ihn mit vor Staunen weiten Augen.

„James.“, nickte der Auror, als er aus dem Kamin heraus war. Mit ernstem Blick musterte er seinen Sohn. „Ich bin sehr enttäuscht von euch, wenn das, was ich gehört habe, stimmt.“, setzte er an. „Ich bin in offiziellem Auftrag hier. Das Ministerium wurde informiert, dass hier in Hogwarts ein Schüler von einem Werwolf gebissen wurde. Gerüchte besagen, dass dieser Unglücksfall nicht zufällig stattfand. Deshalb bin ich hier. Direktor Dumbledore, was können Sie mir dazu sagen?“

Albus Dumbledore wiederholte in kurzen Worten, was er wusste. Leise schüttelte der Auror den Kopf. „Wo ist Sirius nun? Ich muss ihn mitnehmen, wir werden ihn im Ministerium verhören, dann wird entschieden, wie es weiter geht. Auch du, James, wirst befragt werden, ebenso Remus Lupin, Peter Pettigrew, Professor Dumbledore und Madam Pomfrey. Es wird auf jeden Fall eine Verhandlung mit allen Beteiligten geben, sobald Mister Snape verhandlungsfähig ist, das wurde bereits festgelegt. Dort werden dann alle Beteiligten öffentlich gehört. Professor, ich hoffe, Sie haben Sirius nicht geholfen, sich der Befragung zu entziehen, sondern ihn hier im Schloss belassen.“

Der Weißhaarige wirkte ziemlich müde, als er eine Elfe rief und ihr den Auftrag gab, Fleamont Potter, James' Vater, zu Sirius Black zu bringen. Mit einem langen Blick musterte der Auror seinen Sohn, zeigte aber nicht, was in ihm vorging. James sah deutlich, vor ihm stand nicht sein Vater, sondern Auror Potter. Sirius musste sich wirklich in Acht nehmen, Fleamont Potter war ein richtig guter Auror, einer der besten, und er war absolut ehrlich, fair und unbestechlich.

Dumbledore hielt James zurück, als er mitgehen wollte. „Wir sollten nun zu Mister Lupin gehen.“

„Er wird sich Vorwürfe machen.“, war James sicher. „Wenn er wach wird und den Geschmack von Blut im Mund hat. Das war immer seine Angst.“

„Wir werden bei ihm sein, aber ich fürchte, es gibt nichts, was wir tun können, sobald das Ministerium seine Mitarbeiter hierher schickt.“, murmelte der Schulleiter. Er stand auf. „Gehen wir.“

Wortlos folgte ihm James, der von Minute zu Minute besorgter wurde. Erneut liefen sie durch die leere, stille Schule. Zum dritten Mal in dieser Nacht gemeinsam. Die Dämmerung war gerade dabei, eine gewisse Helligkeit zu schaffen, die die absolute Dunkelheit nach dem Untergang des Mondes vertrieb. Am Horizont im Osten verfärbte sich der Himmel leicht rosé, kündigte einen schönen Tag an. Ganz im Gegensatz zu dem, was Dumbledore und James Potter erwarteten. In der Nähe der peitschenden Weide trafen sie auf Madam Pomfrey, die gerade auf dem Weg zu ihrem Schützling war. Sie wirkte ebenso besorgt, wie James sich fühlte. Ihre Lippen waren ein einziger Strich, so fest presste sie sie zusammen, unter ihren Augen zeigten sich dunkle Ringe, die von der durchwachten und teilweise arbeitsintensiven Nacht sprachen.

„Gibt es Neuigkeiten aus London?“, erkundigte sich Dumbledore leise bei ihr.

„Bisher nicht.“, schüttelte sie den Kopf. „Aber das wird sicherlich einige Zeit dauern. Er war schwer verletzt, sie werden wahrscheinlich immer noch behandeln.“ Ein Zauber von ihr stoppte die Bewegung der peitschenden Weide. „Sehen wir nach Mister Lupin, er wird möglicherweise auch Behandlung brauchen.“ Auch wenn die Behandlung bei ihm sicher anders aussah. Körperlich dürfte er unverletzt sein, oder wenigstens nicht sonderlich schwer. Aber sobald er erfuhr, was passiert war – und daran führte kein Weg vorbei – würde er vermutlich zusammenbrechen. Da war sich die Medihexe sicher. Sie kannte ihren Schützling nun seit gut fünf Jahren und wusste, wie sensibel er war.

Sie traten nacheinander in den Gang unter der Weide. Weit mussten sie nicht gehen, bis sie Remus Lupin fanden, der nackt und in menschlicher Form vor ihnen saß. Offenbar war er gerade eben aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, denn er rieb sich verwundert die Augen. Als er den metallischen Geschmack in seinem Mund bemerkte, spuckte er aus und erkannte entsetzt das Blut, das sich mit seinem Speichel mischte. Mit weit aufgerissenen Augen blickte er auf, als die Drei auf ihn zugingen. „Was …? James? Professor Dumbledore?“, flüsterte er ängstlich. Seine Gedanken rasten und ihm war bewusst, dass etwas passiert sein musste, wenn der Schulleiter und James gemeinsam mit Madam Pomfrey zu ihm kamen. Dazu der Blutgeschmack und das Blut, das er ausgespuckt hatte … Remus wurde blass. „Nein!“, hauchte er, als er realisierte, dass es eigentlich nur Eines bedeuten konnte. „Bitte nicht!“

„Mister Lupin, es tut mir leid, aber es ist etwas Schreckliches passiert.“, begann Dumbledore. Er setzte sich zu Remus und legte ihm die Hand auf die Schulter, ignorierte die Nacktheit des Schülers. „Mister Snape ist heute Nacht in diesen Gang eingedrungen. Er traf auf Ihre Wolfsform.“

„Nein!“, entfuhr es Remus entsetzt. „Ist er … ist er tot?“

Der Schulleiter schüttelte den Kopf. „Nicht tot. Schwer verletzt. Wir mussten ihn ins St. Mungos bringen lassen, damit er eine Chance hat. Aber er wurde infiziert.“

„Er … er ist auch ein … Werwolf?“ Man konnte Remus den Schock deutlich ansehen. Poppy erbarmte sich und rief die Kleidung des Dunkelblonden auf, die in der heulenden Hütte lag, hexte sie ihm an. „Was … was passiert jetzt?“ Die ersten Tränen lösten sich aus seinen Augen.

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Dumbledore ehrlich. „Mister Potter hat sich an mich gewandt, als er hörte, dass Mister Snape in den Geheimgang kommen wollte. Leider kamen wir zu spät, um die Attacke zu verhindern. Wir konnten nur verhindern, dass er getötet wurde.“

„Nein! Nein! Nein!“, schüttelte Remus ungläubig und vollkommen außer sich den Kopf. „James, wie konnte das passieren? Ihr … ihr wolltet doch immer … Bitte nicht, bitte nicht!“ Er schniefte und wischte sich die Tränen mit dem Ärmel ab.

„Remus, es tut mir leid!“, umarmte ihn James. „Ich bin da, ich helfe dir, egal was kommt.“ Er atmete tief durch, dann erzählte er die Geschichte, die auch Dumbledore bereits kannte.

„Warum?“, wisperte Remus am Ende. „Wie konnte Sirius das nur tun?“

„Ich weiß es nicht.“, war James' leise Antwort. „Ich denke, er wollte ihm Angst machen und dich beschützen, aber das lief komplett aus dem Ruder.“

„Dieser Vollidiot!“, fauchte Remus mit einem Mal. „Mich beschützen? Was wollte er erreichen? Sollte Moony Snape umbringen? Sirius kann das doch nicht ernsthaft geplant haben! Sie … sie werden mich nach … nach Askaban bringen!“ Seine Stimme war nur noch ein Hauch, als er das sagte.

„Kommen Sie, Mister Lupin, gehen wir erst einmal in den Krankenflügel, damit ich Sie untersuchen kann.“, mischte sich Poppy nun ein. „Außerdem brauchen Sie Ihre Tränke und ein Bett, später dann etwas zu essen.“ Sie half ihm hoch und führte ihn resolut mit sich. James und Dumbledore folgten ihnen. Ziemlich besorgt.

Eine halbe Stunde später lag Remus endlich schlafend im Bett, wobei er nur aufgrund eines Trankes überhaupt schlafen konnte. Noch immer waren seine Augen rot und geschwollen vom Weinen. Er war vollkommen verzweifelt an der Tatsache, dass er Snape verwandelt hatte. James konnte nicht viel tun, er hielt Remus noch immer im Arm, lag dafür sogar in einem Bett mit ihm. Er würde alles tun, um seinem Freund zu helfen, aber viel gab es gerade nicht. Dumbledore hingegen verabschiedete sich nach einiger Zeit, er wollte mit Peter reden, bevor das Ministerium kam. Dass noch jemand von dort kommen würde, stand unweigerlich fest. Sie wussten nur nicht, wie schnell.


Währenddessen kämpften die Heiler in London um das Leben des jungen Slytherin, der mit schweren Verletzungen bei ihnen eingeliefert wurde. Bereits im Krankenflügel in Hogwarts war klar gewesen, wodurch diese Verletzungen und vor allem das hohe Fieber hervorgerufen worden waren. Es gab keine Möglichkeit, die Infektion an sich zu bekämpfen, der Junge würde sich auf jeden Fall verwandeln, sollte er die Verletzungen überleben. Die Heiler fragten sich, was aus ihm werden würde. Aber zunächst einmal war es vorrangig, sein Leben zu retten, also nutzten sie magische und nicht-magische Methoden gleichermaßen. Verschiedene Tränke, die direkt in den Magen gezaubert wurden, kämpften gegen das Fieber und dämmten die Blutungen ein, reduzierten sicherlich auch die Schmerzen und sorgten dafür, dass die gebrochenen Rippen und das zertrümmerte Schulterblatt heilten, während eine Bluttransfusion in die Vene sickerte, um den Blutverlust wenigstens etwas auszugleichen. Ein junger, angehender Heiler, der in der Muggelwelt aufgewachsen war – zufälligerweise als Sohn eines Ärzte-Ehepaares – nähte die Fleischwunden fachkundig und mit viel Fingerspitzengefühl in mühevoller Kleinstarbeit wieder zusammen, da Magie bei frisch gebissenen Werwölfen kaum wirkte. Selbst die Heiltränke entfalteten nicht ihre volle Wirkung, selbst wenn sie deutlich stärker dosiert wurden.

„Mehr können wir nicht tun.“, stellte der Älteste schließlich fest, der die Leitung dieser Behandlung übernahm. „Jetzt ist es an dem Jungen. Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe, Kolleginnen und Kollegen, Sie haben sich Ihren Feierabend mehr als verdient. Gehen Sie nach Hause und schlafen Sie, ich werde den Bericht schreiben und dem Ministerium den neuen Werwolf offiziell melden.“ Er seufzte. Das hier machte keiner von ihnen gerne, weil es gegen ihre Schweigepflicht ging, aber die Gesetze wollten es so. Jeder neue Werwolf musste gemeldet werden und sich registrieren, sobald er gesundheitlich dazu in der Lage war. Hier würden wohl die ministerialen Beamten in das Krankenhaus kommen, um den Jugendlichen zu vernehmen, sobald er dazu in der Lage war, Fragen zu beantworten. Bereits bei der Meldung der Medihexe von Hogwarts war eine Information an die Aurorenzentrale gegeben worden, daher war wahrscheinlich bereits ein Auror vor Ort in Hogwarts.

„Was wird nun aus ihm, Heiler Smethwyk?“, wollte der junge Lernheiler wissen, der die Wunden genäht hatte.

„Er kann nur hoffen, dass seine Familie noch am Leben ist und ihn akzeptiert, so wie er ist.“, seufzte Smethwyk erneut. „Ohne Unterstützung wird er es sehr schwer haben. Wahrscheinlich wird er sich irgendwann dem Rudel um Greyback anschließen, weil ihm sonst keine Möglichkeit bleibt.“ Smethwyk fand diese Zustände mehr als schrecklich, aber es gab derzeit nichts, was er dagegen tun könnte. Der Einzige, der eine Veränderung versprach, war der selbsternannte dunkle Lord, aber dem wollte er sich ganz sicher nicht anschließen. Heute würde er den jungen Werwolf jedenfalls nicht alleine lassen, auch wenn der bewusstlos war. Dennoch spürten gerade magische Wesen sehr deutlich, ob sie alleine waren oder nicht.
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