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Eine Schlange im Wolfspelz

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Fenrir Greyback James "Krone" Potter Kreacher Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Regulus Arcturus Black Severus Snape
09.12.2018
17.11.2019
55
218.816
71
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Dieses Kapitel
11 Reviews
 
 
09.12.2018 2.288
 
Ein neuer Ausflug in die Zeit der Rumtreiber. Ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn Severus eben nicht von James gerettet, sondern von Remus gebissen wird. Wie geht sein Leben weiter? Was passiert mit Remus und den Rumtreibern? Welche Folgen hat dieses Ereignis? Was ändert sich dadurch an den uns bekannten Tatsachen? Ich hoffe, Euch gefällt es!
Wie immer gilt auch hier: Die Charaktere und die Zauberwelt ist von JKR - ich habe sie nur ausgeliehen! Am Ende gebe ich sie wieder zurück.
Okay, und jetzt viel Spaß mit dem ersten Kapitel!
Liebe Grüße
Eure Rotfuchs


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Das Grollen kam ziemlich überraschend. Mehr als das. Was nochmal erwartete er hier eigentlich? Er war nicht mehr sicher, aber das hier sicherlich nicht. Hinter das Geheimnis des Anderen wollte er kommen, aber nie hätte er mit dieser Gefahr gerechnet. Severus Snape merkte nicht einmal, wie er den Atem anhielt. Alles in ihm schrie danach, die Beine in die Hand zu nehmen und zu fliehen, so lange er noch konnte. Doch seine Beine schienen festgewachsen, er konnte sich nicht bewegen. Die Angst lähmte ihn geradezu. Nur eine Handbreit Holz trennte ihn von der Bestie.

In Gedanken schalt er sich einen Idioten. Natürlich, jetzt war alles logisch. Wenn er genauer hingesehen hätte, wäre er niemals in Versuchung gekommen, hierher zu schleichen. Da hätte Black sagen können, was er wollte. Natürlich wusste der Andere, dass er zuhörte. Das wäre ja auch zu schön gewesen, wäre er einmal unentdeckt geblieben. Das war kein Zufall gewesen, merkte Severus nun. Nein, Black wusste offenbar, dass er hinter dem Regal in der Bibliothek stand und lauschte. Er lockte ihn bewusst in die Falle. Hinter der hölzernen Falltür knurrte es erneut. Bedrohlich, Angst einflößend. Dahinter steckte ein Werwolf. Anders konnte es nicht sein, die Anzeichen erlaubten nur diese eine Schlussfolgerung.

Severus' Hirn arbeitete auf Hochtouren, doch sein Körper machte nicht mit. Er wusste, er musste fliehen, das bisschen Holz würde den Wolf nicht von seiner Beute abhalten, aber er konnte sich nicht bewegen. In seinen Kniegelenken sammelte sich Pudding an, sie wackelten wie verrückt. Krampfhaft klammerte sich Severus an eine Wurzel, um nicht zusammen zu sacken. Er merkte nicht, wie ihm der Schweiß ausbrach und die restliche Farbe sein Gesicht verließ. Seine ganze Wahrnehmung konzentrierte sich auf das bedrohliche Knurren auf der anderen Seite dieser Falltür, die genau vor seiner Nase war.

Irrte er sich oder klang das gerade nach dem Splittern von Holz? Da, das waren eindeutig Kratzlaute! Die Krallen dieser Bestie schabten über das Holz. Der Werwolf bahnte sich seinen Weg durch das Holz! Erschrocken schrie Severus auf, als das erste kleine Loch entstand. Endlich kam Bewegung in ihn, sein Fluchtreflex setzte ein. Er drehte sich um, rannte so schnell er konnte durch den schmalen Gang. Er musste sich bücken, konnte nicht aufrecht bleiben, so eng und niedrig war der Geheimgang. Innerlich fluchte Severus, aber er sah sich nicht um. Immer wieder hörte er hinter sich, wie Holz splitterte, die Laute des Werwolfes wurden deutlicher. Das Kratzen der Krallen auf dem Holz, das Knurren, ja selbst das Geräusch, wenn der Wolf sich über die Lefzen leckte und schnüffelte.

Severus schauderte und versuchte, sein Tempo zu steigern, doch er kam kaum vom Fleck. Mit einem lauten Krachen explodierte das Holz hinter ihm förmlich, als sich der Wolf mit seinem ganzen Körper dagegen warf. Plötzlich war er frei! Freudig heulte der Wolf kurz auf, dann jagte er seiner Beute hinterher. Es schien ihm Spaß zu machen, er spürte, dass seine Beute keine Chance hatte, ihm zu entkommen. Der Werwolf kannte diesen Gang und wusste, der Mensch vor ihm konnte nicht so schnell laufen, dass er ihm entkommen konnte.

Severus rannte und keuchte bereits, aber ihm wurde immer stärker bewusst, dass der Werwolf mit ihm spielte. Ein verzweifelter Laut, beinahe ein Schluchzen, entkam ihm, aber er drängte es zurück, brauchte all seine Energie, um zu entkommen. Oder wenigstens für den Versuch. Dieser Gang war noch so lang, konnte er es schaffen? Seine Gedanken rasten, er wollte eine Möglichkeit finden, den Wolf aufzuhalten. Seinen Zauberstab hielt er in der Hand, aber es gab kaum einen Zauber, der gegen diese Wesen hilfreich war. Er kannte ein paar wenige Sprüche, die das schaffen konnten, wenn sie stark genug waren. Allerdings konnte er derzeit keinen wirken, denn die Luft für einen Zauber fehlte ihm. Sein Atem ging keuchend und er merkte, dass er noch nicht einmal die Hälfte des Ganges hinter sich gebracht hatte. Der Wolf trabte entspannt hinter ihm her, holte immer weiter auf, ohne sich anzustrengen. Severus konnte bereits den heißen Atem in seinem Nacken fühlen, wobei er sich nicht sicher war, ob er sich das gerade einbildete.

Als ihn unverhofft ein Schlag an der Schulter traf, schrie er auf. Angst und Schmerz mischten sich, die Krallen schnitten ihm die Schulter und einen Teil des Oberarms auf. Er spürte die Feuchtigkeit und die Wärme, als das Blut aus ihm strömte. Mit seinen Füßen trat er gegen den Kopf des Werwolfes. Jaulend wich der sandfarbene Wolf ein wenig zurück und rieb sich mit der Pfote über die Schnauze. Knurrend und mit angelegten Ohren bleckte er die Zähne, kam langsam auf Severus zu. Mit seinen Klauen schlug er tiefe Wunden in Severus‘ Beine. Der Jugendliche wich panisch zurück, stieß aber schnell an die Wand. Hektisch sah er sich um, aber er fand keinen Ausweg. Der Wolf knurrte leise und näherte sich vorsichtig seiner Beute. Severus' Gegenwehr erlahmte, als er erkannte, dass ihm keine Chance mehr blieb. Seine Beine brannten vor Schmerz. Auch der Blutverlust machte ihm zu schaffen, ihm war schwindelig und das Sichtfeld wurde immer enger. Er spürte nicht einmal, wie Tränen über seine Wangen rannen, er wimmerte leise. Mit geschlossenen Augen ergab er sich seinem Schicksal.

Wie in Zeitlupe näherte sich die Schnauze des Wolfes. Es wirkte, als wollte er sehen, wo er am besten zubiss. Der Jugendliche riss seine Augen erneut auf, als er die Berührung spürte. Schnüffelnd bewegte sich die Nase des Wolfes über Severus' Oberkörper. Ergeben schloss der Jugendliche nun endgültig die Augen, er wollte es nicht sehen. Hoffentlich ging es schnell, das war alles, woran er noch denken konnte. Er spürte den heißen Atem auf seinem Gesicht, die tastende Zunge auf seiner Wange, an seinem Hals. Ein erneutes Wimmern entkam ihm, als der Wolf über seinen Hals leckte.

„Bitte!“, wisperte er unwillkürlich. Es klang ziemlich hysterisch. Natürlich reagierte der Wolf nicht darauf. Ein weiteres Mal leckte er über die Stelle an Severus' Hals, dort, wo er in die Schulter überging. Er schien das Blut abzulecken, das dort aus der Wunde quoll. Plötzlich schrie Severus schrill, bäumte sich auf, als er den heißen Schmerz spürte. Die Zähne bohrten sich tief in sein Fleisch, diesen Schmerz hätte sich Severus nie vorstellen können. Alles verschwamm, nur noch Schmerz und Hitze existierten. Die Schreie steigerten sich weiter, als der Wolf erneut zubiss, diesmal am Brustkorb. Gnädige Schwärze erlöste Severus nun endlich.

Er bekam nicht mehr mit, wie ein Hirsch auftauchte, der den Wolf von seinem Körper abdrängte, ihn in Schach hielt. Hinter ihm tauchte ein Mann auf, dessen Gesicht besorgt aussah. Die hellen, blauen Augen wirkten angespannt, funkelten nicht amüsiert wie sonst immer.

„Mister Potter, gehen Sie bitte einen Schritt beiseite.“, bat er, als er seinen Zauberstab in der Hand hielt. „Ich muss Mister Lupin betäuben, denn ich brauche Ihre Hilfe, um Mister Snape in den Krankenflügel zu bringen.“

Der Hirsch drängte den Werwolf weiter gegen die Wand, sodass Dumbledore ihn mit einem Zauber betäuben konnte. Er brauchte zwei Versuche, dann lag der sandfarbene Werwolf bewusstlos auf dem Boden. Der Hirsch trat nach einem Moment zurück und verwandelte sich in James Potter. „Professor, was ist mit ihm?“, wollte er direkt nach der Rückverwandlung wissen.

„Bringen wir ihn schnell in den Krankenflügel, er verliert zu viel Blut.“, winkte Dumbledore den Schüler zu sich. „Wir müssen ihn zwischen uns tragen, anders passen wir nicht durch diesen Gang. Mister Potter, Sie gehen voraus. Nehmen Sie Mister Snapes Beine, ich übernehme den Kopf.“ Schnell schuf er eine Trage und levitierte den Schwerverletzten vorsichtig, aber schnell darauf.

James griff nach der Trage und hob sie auf ein Signal Dumbledores gleichzeitig mit ihm hoch, dann ging er voran durch den schmalen Gang. „Was wird mit Moony? Ich meine Remus?“

„Er wird bewusstlos bleiben bis er sich zurückverwandelt hat. Dann werde ich ihn abholen.“, antwortete der Schulleiter knapp. James konnte hören, dass er unglaublich wütend war, wenn auch nicht auf ihn. Nein, wütend war es nicht alleine. Vor allem enttäuscht.

James wurde blass, als er darüber nachdachte, was nun passieren würde. Ihnen war immer klar gewesen, dass sie Moony davon abhalten mussten, jemanden zu beißen. Nicht umsonst war damals die heulende Hütte erbaut worden. Von Anfang an verbrachte Remus die Vollmondnächte darin. Alleine. Eingesperrt. Das war die Voraussetzung gewesen, dass er überhaupt nach Hogwarts gehen durfte. Remus selbst erzählte es ihnen damals, als sie herausfanden, warum es ihm immer wieder so schlecht ging und warum er regelmäßig verschwand. Dumbledore war zu den Lupins nach Hause gekommen, kurz vor Remus' 11. Geburtstag. Da das Ministerium von seinem Wesen wusste, waren die Eltern des Jungen damals davon ausgegangen, dass er nicht nach Hogwarts gehen konnte. Doch Dumbledore gab nicht auf, sondern schaffte alle Hindernisse beiseite. Er überredete Remus' Eltern dazu, ihren Sohn in die Schule zu schicken. Dafür ließ er die heulende Hütte schaffen und die peitschende Weide pflanzen.

Madam Pomfrey versorgte ihn schon seit dem ersten Vollmond, und Dumbledore selbst verpflichtete sich damals, sicher zu stellen, dass Remus jede Vollmondnacht dort verbrachte. In der sogenannten heulenden Hütte. Das Ministerium verlangte seither, dass sichergestellt wurde, niemand konnte gebissen, infiziert werden. Aber Schniefelus war gebissen worden. Was würde jetzt mit Remus passieren? James machte sich Sorgen. Vor allem um Remus, aber ein wenig schlich sich sogar der Slytherin in seine Gedanken. Sie alle wussten seit der dritten Klasse, dass dessen größte Angst Werwölfe waren. Der Irrwicht damals verriet es ihnen.

Hastig, aber so sanft wie möglich, trugen sie die Trage mit dem bewusstlosen Schüler durch die Schule. Es war still, so still, wie es nur mitten in der Nacht sein konnte, wenn beinahe jeder Bewohner des Schlosses schlief. Selbst die Portraits reagierten nicht, hielten die Augen geschlossen. Auf dem Weg in den Krankenflügel schwiegen sie, um die Luft für ihre Aufgabe zu sparen. Mit dem Fuß stieß James schließlich die Tür zum Krankenflügel auf, dann endlich legten sie den inzwischen schweißgebadeten Verletzten in eines der Betten, die alle leer standen. Die Medihexe kam sofort aus ihrem Büro, offensichtlich durch einen Zauber alarmiert. James spürte, dass Snape Fieber haben musste, sein Körper glühte und die Hitze strahlte bis zu ihm. Schnell trat er einen Schritt beiseite, aber ein Blick des Schulleiters ließ ihn verharren. Ganz klar wollte der Weißhaarige noch genauer wissen, was da passiert war und wie es dazu gekommen war. Doch zunächst schien es ihm wichtiger, die Medihexe bei ihrer Arbeit zu beobachten. „Wird er es schaffen?“, fragte er nach einer Weile leise.

Poppy hielt nicht inne in ihrer Tätigkeit, doch im Moment verband sie die tiefen Wunden mit den Händen, ohne ihren Zauberstab. „Er hat viel Blut verloren und das Fieber ist sehr hoch. Ich weiß nicht, ob er es überlebt, direkt nach dem Biss eines Werwolfes helfen Zauber und Tränke zum Heilen nur sehr bedingt. Die Verletzungen müssen auf natürlichem Weg heilen. Mister Snape muss ins St. Mungos, ich kann ihm hier nicht richtig helfen. Erst nach der ersten Verwandlung in einen Werwolf heilen sie leichter und schneller, bis dahin müssen wir abwarten.“, erklärte sie.

Dumbledore nickte betrübt und begab sich zum Kamin, um das magische Krankenhaus zu verständigen. Nur wenige Minuten später traten zwei grün gekleidete Heiler aus dem Feuer und wandten sich sofort dem Patienten zu. Routiniert wirkten sie einige Zauber, während Poppy herunter ratterte, was sie bisher machte. Zufrieden nickte einer der beiden Heiler. „Wir werden ihn mitnehmen, er braucht dringend spezielle Tränke und zusätzlich Bluttransfusionen. Sind irgendwelche Unverträglichkeiten oder Allergien bekannt?“

„Keine Allergien, aber er hat eine etwas instabile Knochenstruktur, bedingt durch jahrelange Fehlernährung.“, informierte Poppy. „Er ist auch immer wieder anämisch, aber das haben wir in den letzten Jahren durch Tränke ganz gut in den Griff bekommen.“ Sie reichte den Medizauberern aus dem St. Mungos eine Akte, auf der vorne ‚Severus Snape‘ stand. „Hier sind alle Informationen und die Untersuchungsergebnisse vermerkt.“

„Vielen Dank, Kollegin!“, lächelte der ältere Heiler. Er schuf eine spezielle Trage, worauf sie Severus legten und festschnallten, dann richtete sich die Trage auf. Der jüngere Heiler ging ohne ein weiteres Wort durch den Kamin, dann folgte die Trage mit Severus darauf. Der ältere Heiler machte den Abschluss. Nun war es an ihnen. Poppy war bereits dabei, alles wieder sauber zu machen. Jederzeit konnte ein anderer Patient kommen. In einer Schule bestand diese Gefahr immer. Manche Schüler verdarben sich den Magen, indem sie statt dem normalen Essen immer wieder Süßigkeiten in rauen Mengen in sich stopften. Die jüngeren Mädchen suchten sie­ häufiger auf, wenn sie zum ersten Mal ihre Periode bekamen. Andere kamen, weil sie bei Streitigkeiten den Kürzeren zogen. Oder weil es bei Zaubern im Unterricht zu Unfällen kam. Hier gab es immer etwas zu tun, daher war es ihr sehr wichtig, immer Ordnung zu haben.

Dumbledore sah noch einige Momente nachdenklich in den Kamin, dann erst wandte er sich James zu. „Und nun, Mister Potter, wüsste ich gerne, was genau da heute passiert ist. Aus Ihren kurzen Informationen vor einigen Stunden wurde ich nicht ganz schlau. Gehen wir in mein Büro, dort können wir in Ruhe reden. Wir haben Zeit, bis der Vollmond untergeht, also noch etwa vier Stunden.“ Er ging voran, sah sich nicht um.

James folgte ihm, er sah gar keine andere Möglichkeit. Jetzt war die Zeit der Wahrheit gekommen.
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