Cursed

GeschichteMystery, Angst / P16
OC (Own Character) Professor Eibe
09.12.2018
07.11.2019
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Ich freue mich, euch hiermit stolz ein Projekt vorstellen zu können, in das ich nun etwas weniger als ein Jahr mein Herzblut gesteckt habe und das nun vollständig vorgeschrieben auf meiner Festplatte darauf wartet, der Welt präsentiert zu werden. Im Grunde will ich hier auch niemanden mit einem langweiligen, langgezogenen a/n nerven, sondern euch nur viel Spaß wünschen und darauf hinweisen, dass konstruktive Kritik jeder Art gerne gesehen ist (wobei ich mich auch schon mehr als genug darüber freue, wenn Leute das hier überhaupt lesen) und ihr beim Lesen der Geschichte vielleicht vor allem bei den späteren Kapiteln mit einem offenen Auge lesen solltet, da sich durchaus einige Details und Hinweise in der Fanfiction verstecken könnten!
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Pokédex #093 Alpollo
Es lauert seiner Beute in der Dunkelheit auf und saugt dieser entweder die Seele aus oder leckt diese ab, was darin resultiert, dass sein Opfer von Tag zu Tag schwächer wird bis es schließlich dahinscheidet.
Weiterhin gilt es als extrem gefährlich und man sollte sich ihm keinesfalls nähern. Falls man seltsame Geräusche hört, sich beobachtet fühlt, friert oder ohne ersichtlichen Grund stolpert, ist häufig ein Exemplar dieser Spezies in der Nähe.
Ebenfalls kann es – vor allem in der Gruppe – starke Flüche aussprechen, von denen gesagt wird, dass diese das Opfer bis über den Tod hinaus quälen können.
Da es problemlos durch Wände hindurchschweben kann, wird ihm nachgesagt, dass es aus einer Paralleldimension kommen solle. Nach wie vor ist dieses Pokémon nicht vollständig erforscht.
*


Die Sterne standen hoch am Himmel während der Ewigwald schlafend und vom Licht des Halbmondes geküsst dalag: Die nachtaktiven Pokémon waren mittlerweile erwacht, während jene, die am Tage umherwandelten, nun zur Ruhe kamen. Die Stunde neigte sich langsam Mitternacht zu, und die meisten Menschen lagen mittlerweile wohl in ihren weichen Betten lagen – friedlich schlummernd und im Reich der Träume wandelnd. Die Äste der dicht beieinander stehenden Bäume wiegten sich raschelnd in der leichten Brise, die den Forst durchzog. Somit stellten sie, neben den raschen, leisen Fußschritten im Gras, die einzige Geräuschquelle weit und breit dar.
Lediglich Raissa und ihr Chaneira liefen orientierungslos und mit zunehmender Uhrzeit immer unruhiger umher. „Es wird langsam dunkel“, meinte die Grünhaarige in einem gedämpften, nervösen Tonfall und sah ihr Chaneira hilfesuchend an, welches ihr dasselbe, friedliche Lächeln wie sonst auch immer zuwarf. „Chaan!“
Diese - zugegebenermaßen außerordentlich putzige - Geste entlockte der jungen Frau ein Lächeln, ehe sie fortfuhr. „Das heißt wohl, wir müssen bald eine Unterkunft suchen.“
Auch wenn ihre Partnerin nicht mit Worten wie ein Mensch antworten konnte, so beruhigte es Raissa doch jedes mal, wenn sie mit dem Normal-Pokémon sprach und ihr dabei klar wurde, dass sie niemals alleine war. Raissa hatte schon als Kind nicht wirklich damit umgehen können, komplett alleine zu sein. Chaneira oder wenigstens dessen Pokéball bei sich zu haben half ihr daher schon ungemein.
Nachts war es in einem Wald außerdem auch nicht gerade ungefährlich, das wusste die Trainerin. Traunfugil und Kramurx trieben hier ihr Unwesen sobald die Sonne verschwand und wenn sie erstmal das Opfer von einem dieser Pokémon wurden, hatten sie nichts mehr zu lachen. Wenn sie endlich in Ewigenau ankamen, sollte Raissa sich wohl langsam mal darum kümmern, Chaneira die Attacke Spukball beizubringen, sodass sie nicht mehr ganz so wehrlos gegen Geister waren.
Vorsichtig liefen sie weiter durch den Wald hindurch – alles sah irgendwie gleich aus, also war es kein Wunder, dass sie sich verlaufen hatten. Zunehmend erschwerte die Dunkelheit es, sich irgendwie zu orientieren: Das Licht des Mondes erreichte den Boden durch die zahlreichen und üppigen Baumkronen nur kaum. Raissa ärgerte sich, dass sie keine Ersatzbatterien für ihre Taschenlampe mitgenommen hatte, da die alten schon vor einer halben Stunde den Geist aufgegeben hatte. Oder waren es gerade mal zehn Minuten her? Oder schon eine Stunde? Die Trainerin hatte ihr Zeitgefühl komplett verloren und auch keinen Blick auf ihr Pokétch geworfen.

So konnte Raissa schließlich auch nicht sagen, wie lange sie schon stur geradeaus gelaufen waren, bis schließlich in der Ferne eine große, beleuchtete Villa erkennbar wurde. Da Licht brannte, musste dort jemand sein.. egal wer, ihr war gerade eigentlich jeder recht. Hauptsache sie befand sich nicht mehr ganz alleine mit Chaneira in diesem dunklen Wald!
„Sieh mal, ein Landhaus“, entfuhr es Raissa erleichtert, woraufhin sich ihr Pokémon ebenfalls sichtlich begeistert zeigte. „Chaaaa!“
Die letzten Meter bis zu dem imposanten Haus brachten sie schnell hinter sich, wobei Raissa nicht umhin kam, staunend den Bau zu bewundern. Die Fassade wurde von zahlreichen, großen Fenstern geschmückt und schien zu einem großen Teil aus Holz zu bestehen. Auch der Vorgarten, der ebenfalls nicht klein war - im Vergleich zu dem Landhaus jedoch winzig wirkte - übte eine ungemeine Faszination auf Raissa aus. Zwei Springbrunnen in Form von einem Haspiror und einem Knospi flankierten das Grundstück und waren von zahlreichen, bunten Blumen umgeben, die im fahlen Mondlicht nahezu zu leuchten schienen. Das wiederum verlieh ihnen eine geheimnisvolle, geisterhafte Aura, in der sich Raissa für einige Sekunden verlor, ehe sie sich schließlich von dem Anblick losreißen konnte und zaghaft an der massiven Holztür klopfte. Sie beschlich plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden – war wohl aber auch kein Wunder, wenn wahrscheinlich unzählige nachtaktive Käfer-Pokémon in den Sträuchern lauerten. Gleich würden sie ja zum Glück ein Dach über dem Kopf haben! Naja, war zumindest zu hoffen.
Etwas schüchtern stand sie nun schließlich gemeinsam mit ihrem Chaneira dort und wartete darauf, dass jemand die Tür öffnete. Hoffentlich kam sie nicht ungelegen oder wirkte aufdringlich, das wäre ihr wirklich unangenehm – aber da die Alternative hierzu eine Nacht in einem dunklen Wald war, ging sie das Risiko doch gerne ein.
Eine kühle Brise strich an der jungen Frau vorbei, welche dieser einen leichten Schauer entlockte. Wahrscheinlich würde es heute eine verhältnismäßig kalte Nacht geben, da wollte sie erstrecht nicht unter freiem Himmel schlafen.

Nach kurzem Warten öffnete sich die Tür tatsächlich und ein etwas älterer Mann in der typischen Kleidung eines Butlers sah die junge Frau fragend an. Trotz seines scheinbaren Alters hatte er sich wohl gut gehalten – seine himmelblauen Augen schienen geradezu durch Raissa hindurch zu blicken und wirkten keinesfalls altersschwach oder senil, so wie sie es schon bei vielen älteren Leuten gesehen hatte. Trotz der weiß-gräulichen Haare und der Falten wirkte er noch ziemlich frisch, wozu wohl auch seine aufrechte Körperhaltung und die recht breite Brust beitrug.
„Ja?“, kam es fragend von dem alten Herr, woraufhin Raissa plötzlich bewusst wurde, dass sie ihr Gegenüber scheinbar für einige Sekunden nur still angestarrt hatte, anstatt irgendetwas Sinnvolles zu sagen. Oh Himmel, wie peinlich!
„Chaneira und ich haben uns verlaufen“, begann sie nun hastig. „Und finden nun nicht mehr aus dem Wald heraus, weshalb wir eine Unterkunft für die Nacht suchen.“
Sich beim Reden unter dem strengen Blick des Butlers nicht zu verhaspeln, war eine einzige Herausforderung. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, im Wald zu übernachten? Die Situation war ihr jetzt schon unangenehm.
Es vergingen weitere, peinliche Sekunden, in denen Raissa ein kalter Gänseschauer erfasste und sie von dem Blick des alten Mannes regelrecht durchbohrt wurde – zumindest fühlte es sich für sie so an –, ehe Chaneira mit einem enthusiastischen „Chaaan!“ das Eis brach. Die Gesichtszüge ihres Gegenübers lockerten sich, ja er schien sogar leicht zu lächeln, ehe er sprach: „Ich verstehe Ihre Situation und selbstverständlich können Sie gerne hier übernachten.“
Raissa fiel ein Georok vom Herzen, woraufhin sich auch nun ihre Mine erhellte und ihr ein freudiges „Aaah, ja wirklich, das meinen Sie?“ entfuhr. Der Alte schien doch ganz nett zu sein – zum Glück, immerhin hätte sie genauso an irgendwelche gruseligen Hinterwäldler geraten können.
„Was für ein Glück, Chaneira!“ „Chaaan!“
„Nun denn, folgen Sie mir bitte hinauf“, forderte sie der Butler freundlich auf und deutete tatsächlich mit einem leichten Lächeln zur Treppe. Die war Raissa tatsächlich – wie auch immer – noch gar nicht aufgefallen. Nun ja, sie hatte sich auch gerade viel zu sehr auf ihr Gegenüber fokussiert um sich das Haus von innen betrachten zu können.
Auch jetzt wollte sie lieber nicht unhöflich erscheinen indem sie alles begaffte, sodass sie ohne Umschweife „Gerne!“ antwortete und ihrem Gastgeber zügig folgte.
Sofort fiel ihr dabei ein großes Gemälde auf, das am Ende der Treppe die Wand schmückte und das Gesicht des alten Mannes zeigte. Tatsächlich schien das Bild erst vor Kurzem gemacht worden zu sein – der Butler sah nicht viel jünger aus als momentan. Oder... war er also vielleicht doch kein Butler, sondern der Besitzer des Hauses? Wer würde schon ein so großes Bild von einem Butler direkt in die Eingangshalle seines Hauses hängen?
Das Gemälde hatte dieselben, durchbohrenden Augen wie der alte Mann und schien Raissa geradezu anzustarren, was dieser irgendwie nicht ganz geheuer war, weshalb sie schnell den Blick abwendete. Sie würde hier nur eine einzige Nacht verbringen und dann nie wieder herkommen, das würde sie schon nicht umbringen.

Ihr Gastgeber bog nun nach rechts ab – am Ende der Treppe führte ein Gang entweder nach links oder rechts und nach diesem gab es wiederum weitere Verzweigungen an Korridoren, sodass man sich hier wohl ziemlich schnell verirren konnte. Da Raissa sich hier absolut nicht auskannte, hielt sie sich nun noch etwas dichter an den alten Herrn, der sie in eine Art Speisezimmer zu führen schien.
„Wow“, entfuhr es der Grünhaarigen staunend, als sie ihren Blick über den großzügig gedeckten Tisch schweifen ließ.
„Nehmen Sie Platz“, wies sie ihr Gastgeber nun in freundlichem Ton an und schenkte der jungen Frau sowie ihrem Pokémon ein warmherziges Lächeln, während er sich selbst auf einem der prunkvollen Stühle niederließ. Sie dachte nicht lange nach, weshalb der Tisch zufällig gerade jetzt so reich bestückt war – zu sehr zog der duftende Anblick sie in ihren Bann, sodass ihr das Wasser im Mund zusammenlief.
Die beiden ließen sich kein zweites mal auffordern und setzten sich ebenfalls mit sichtlicher Begeisterung an den Tisch. Eine Vielzahl an Suppen, Fleischgerichten, Beeren und sonstigen Süßigkeiten wie Torten und Wackelpudding löste ein wohliges Kribbeln in der Magengegend der beiden Besucher aus. Wenn man auf Reisen war, speiste man meist eher bescheiden, also war das hier endlich mal eine willkommene Abwechslung.
„Das aber extrem lecker aus“, entfuhr es der jungen Frau staunend und mit vorfreudig glänzenden Augen, während sie ihren Blick mit glänzenden Augen über den Tisch schweifen ließ. Durch ein enthusiastisches „Chaaaa!“ tat auch Chaneira seine Begeisterung kund und klopfte vorfreudig mit seinen Patschehändchen auf den Tisch.
„Greifen Sie lieber zu, solange es noch warm ist“, forderte sie der großzügige Gastgeber nun auf, woraufhin Raissa wie aus der Pistole geschossen „Gerne!“ antwortete.
„Guten Appetit!“
„Chaaan!“
Zuerst kostete die junge Frau von einem zarten Filetstück, ehe sie sich eine der Suppen vornahm, von der sie sich anschließend auch noch eine zweite Portion gönnte. Auch bei der großen Auswahl an Torten konnte sie sich kaum beherrschen. Chaneira schien ebenfalls große Freude zu haben, als es eine Vielzahl an Beeren und Pudding in sich hineinschlang.
Sie hätte vorhin, als sie noch durch den Ewigwald geirrt waren, nicht gedacht, dass sie nur wenig später solch ein Festmahl genießen durften!

„Ich bin pappsatt“,verkündete Raissa schließlich und hob sich zufrieden den vollen Bauch. „Das war wirklich sehr lecker, dankeschön!“
„Chaaan!“
Die Gastfreundlichkeit des alten Mannes schien wirklich grenzenlos, wenn er zwei Fremden einfach so ein solches Königsmahl darbot. Vielleicht war er sehr einsam, da er so alleine in dieser großen Villa lebte und deswegen so großzügig zu ihnen, weil er sich über Gesellschaft freute? Einsamkeit war etwas Schreckliches.
„Da Sie nun gegessen haben, werde ich Sie auf ihr Zimmer führen“, beschloss er und stand auf. Hatte er eigentlich selbst auch etwas gegessen? Raissa hatte gar nicht auf ihn geachtet, da sie zu sehr mit ihrem eigenen Essen beschäftigt war – aber bei all den leckeren Sachen hatte er sich sicherlich auch bedient. Wie könnte man sich da auch beherrschen?
„Ja, vielen, vielen Dank!“, antwortete die junge Frau fröhlich und erhob sich gemeinsam mit ihrem Chaneira.

Der alte Mann – wie lautete sein Name eigentlich? - führte sie nun durch ein einziges Labyrinth an Gängen, die irgendwie alle gleich aussahen. Oh je, würde sich Raissa hier zurecht finden wenn sie nachts auf die Toilette musste?
An einem kleinen Tisch mit einer Blumenvase vorbei, die Treppe hinauf, dann ein Gang mit einem kleinen, abstrakten Gemälde und schließlich wieder die Treppe hinunter. Wie fand er sich hier bloß zurecht?
Naja, er hauste hier sicher schon eine ganze Weile.
Links, rechts, dann in einen sehr leeren, kahl wirkenden Gang, dessen Wände teilweise geflickt zu sein schienen – nanu, wo war denn plötzlich ihr großzügiger Gastgeber? Es war sowieso irgendwie zunehmend schwieriger geworden, mit ihm Schritt halten zu können; Raissa schob es darauf, dass sie sich absolut überfressen hatte.
Die junge Frau sah sich verwirrt um, konnte ihn jedoch nirgendwo entdecken. War er in eines der Zimmer eingetreten, ohne dass sie es bemerkt hatte? Oder war er schon in den nächsten Gang abgebogen ohne sich nach ihr umzusehen?

Raissa beschloss, dass sie am besten warten sollte. Hoffentlich würde der alte Mann bemerken, dass sie nicht mehr hinter ihm liefen und umkehren – jetzt ohne jegliche Orientierung irgendwelche Gänge entlangzulaufen würde sowieso nur dazu führen, dass sie sich verirrte.
Sie schien die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Gerade als sie sich umsah, ob sie vielleicht ihren Gastgeber doch noch irgendwo entdeckte, kam er aus dem Gang hinter Raissa hervor.
Einerseits erleichtert, aber auch verwundert, wie er jetzt plötzlich aus einer ganz anderen Richtung kommen konnte, starrte die Trainerin ihn einfach nur an. Was war das für eine seltsame Aktion gewesen? Vielleicht war er ja im Kreis gelaufen um sie zu suchen, nachdem er bemerkt hatte, dass sie nicht mehr da war. Ja, das ergab Sinn!
„Bitte. Folgen Sie mir doch“, forderte er sie nun auf, woraufhin Raissa mit einem verblüfften „Ja, wir kommen“ antwortete.
„Bitte.“
Der alte Mann klang nicht mehr derart freundlich wie noch zuvor.. war das ein Anlass zur Sorge? Vielleicht war er auch ein wenig genervt, weil sie ihn kurz verloren hatte? Die ganze Situation schien plötzlich so seltsam, sodass sich in Raissas Magengegend ein unagenehmer Klumpen bildete. Nicht nur fühlte sie sich jetzt wieder ziemlich unwohl, nein, entgegen aller Logik stieg in ihr nun ein leichtes Hungergefühl hoch. Sie hatte doch gerade eben erst etwas gegessen!

Was sie letztendlich alarmierte, war die Tatsache, dass ihr Gastgeber nach nur wenigen Schritten plötzlich zu... schmelzen schien? Nein, das konnte nicht sein.
Die junge Frau rieb sich die Augen und sah erneut hin – und tatsächlich: Der alte Mann schien sich zu violettem Schleim aufzulösen und gab dabei zischende Geräusche von sich. Was war das? Das war definitiv nicht normal!
Komplett überfordert sahen die Trainerin und ihr Pokémon schließlich die dampfende Pfütze an und regten sich nicht. Hatten sie etwas falsches gegessen und halluzinierten nun? Raissa war sich sicher, dass sie eigentlich mit keinen Allergien oder sonstigen Unverträglichkeiten zu kämpfen hatte.
Noch konnten sie die Situation nicht wirklich realisieren, bis schließlich ein geisterhaftes Lachen ertönte, das der Stimme des Alten sehr ähnlich klang. Träumte Raissa oder waren sie vielleicht doch im Wald in eine der Illusionen der Traunfugil geraten? Irritiert sahen die beiden sich um.
Das bösartige Lachen im Hintergrund wurde zunehmends lauter, bis plötzlich ein violetter Nebel aus den Korridoren hinter den beiden strömte und zuerst Ähnlichkeit mit einer Gewitterwolke annahm, ehe es wie aus dem Nichts einen Blitz auf die beiden Besucher schoss. Sofort weg hier!
Mit einem erschrockenen Schrei konnten Trainer so wie Pokémon im letzten Moment ausweichen, doch damit war es noch lange nicht getan. Die Situation war jetzt mehr als alarmierend! Was zur Hölle geschah hier?
Während sie panisch davonrannten, nahm die Wolke schließlich die Verfolgung auf und schoss weitere Blitze auf die beiden zu, die ihr Ziel nur haarscharf verfehlten. Wie war das nochmal mit 'Eine Nacht in dieser Villa würde sie schon nicht umbringen'?
Raissa vernahm einen lauten Knall und sah sich dabei flüchtig über die Schulter – woraufhin sie schockiert feststellte, dass sich der geisterhafte Nebel in ein übergroßes Alpollo verwandelt hatte.
Erneut entwich ihrer Kehle ein lauter, schockierter Schrei, als das Gespenst sie immer weiter einholte.
Es gab kein Entrinnen; Trainerin samt Pokémon wurden plötzlich in den gelblich leuchtenden Schlund des Geistes gesogen und dort von einer kalten, unangenehmen Schwärze empfangen sobald sie langsam ihr Bewusstsein verloren.

Raissa konnte nicht sagen, wie viel Zeit schließlich vergangen war, als sie und Chaneira wieder zu sich kamen. Noch immer etwas benommen blinzelte die Grünhaarige, ehe ihre Erinnerungen schlagartig zurückkamen. Erschrocken riss sie die Augen auf und sah ihr treues Pokémon, das noch immer benommen neben ihr saß, an. Ihr stieg ein leichter, aber dennoch widerlicher Geruch in die Nase, doch das war gerade nur zweitrangig.
„Wach auf! Hörst du, Chaneira?“, startete die junge Frau einen Versuch, ihre Freundin wieder zu Bewusstsein zu bringen.
Tatsächlich zeigte dies auch seinen Erfolg – mit einem unsicheren, unbeholfenen Laut öffnete das rosa Ei langsam seine Augen, ehe es japsend aufschreckte,
„Bist du etwa verletzt?“, erkundigte sich Raissa besorgt, doch zu ihrer Erleichterung schüttelte ihre Partnerin den Kopf.
Als die beiden sich nun umsahen – sie saßen auf einem heruntergekommenen, recht unbequemen Sofa und es roch modrig nach altem Papier und noch irgendetwas, das die junge Frau nicht benennen konnte – erkannte Raissa, dass sie wohl in einer alten Bibliothek gelandet waren. Ringsum standen Bücherregale, am roten Teppichboden lagen Glasscherben, Papierfetzen und undefinierbarer Abfall. Auch ein kleiner Tisch befand sich hier, auf dem eine alte, heruntergekommene Lampe positioniert war, die jedoch wie durch ein Wunder noch immer leuchtete und damit als einzige Lichtquelle in dem dunklen Raum diente. In einer Ecke stand ein riesiger Holzschrank, der trotz seiner Größe eher unauffällig anmutete. Eine große Doppeltür aus Holz, die scheinbar schlecht gealtert war, stellte den einzigen erkennbaren Ausgang dar. In einer Ecke befanden sich etwas abseits weiterhin auch ein von Spinnenweben überzogenes Grammophon mit einer verstaubten Schallplatte und ein kleiner Spiegel.
„Was ist bloß los hier..“, murmelte die junge Frau fragend. „Was war das bloß?“

Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fielen plötzlich wie von Geisterhand einige Bücher aus einem Regal hinter ihrem Sofa, was das Duo veranlasste, erschrocken aufzuschreien und sich gegenseitig schutzsuchend in die Arme zu nehmen. „Oh nein!“, rief Raissa erschrocken und kniff ängstlich die Augen zusammen. Dieser Ort war ihr wirklich nicht geheuer!
Weitere Bücher fielen zu Boden, doch als einige Sekunden danach nichts mehr geschah, öffnete sie langsam wieder ihre Augen und sah einen kleinen Zettel, der langsam direkt vor ihrer Nase zu Boden glitt. Aus einem Impuls heraus handelnd, schnappte Raissa sich den Zettel vorsichtig und versuchte zu entziffern, was darauf stand.
Etw... Wund...lic...es ...st mit ...em Mot... gesche...n...!“, stotterte sie unsicher. „Das kann man ja kaum lesen.“
Die ersten paar Worte könnten 'Etwas Wunderliches ist mit dem' bedeuten, aber was hatte es mit 'Mot' auf sich? Motte, Motel, Motivation.. nein, das ergab alles keinen Sinn.
Letztendlich wurde die junge Frau durch ein Kichern in ihrem Gedankengang unterbrochen und sah sich erschrocken um, wobei sie ein junges Mädchen entdeckte, das direkt hinter ihr... schwebte? Seine Füße schienen wie von Geisterhand auf der Luft zu stehen – was zur Hölle war das? Erschrocken fiepsend klammerte sie sich nun wieder an ihr Chaneira, das diese Geste seinerseits erwiderte.

Das Mädchen besaß lange, schwarze Haare, trug ein knielanges Kleid und hielt eine Haspiror-Plüschfigur im Arm. Außerdem wirkte ihr Körper irgendwie durchsichtig und schien gleichzeitig ein wenig zu leuchten... oh Arceus, was auch immer das war, es war definitiv nicht normal! Rein gar nichts in diesem Haus war normal!
„Wirklich sehr dumm von dir“, tadelte sie in einer unnatürlichen, widerhallenden Stimme und beugte sich zu den beiden vor. „Du hast die Nachricht gelesen.“
Die geisterhafte Erscheinung legte eine kurze Sprechpause ein, in der Raissa diese atemlos anstarrte und wie gelähmt dasaß während sie nicht wusste, wie sie reagieren oder sich verhalten sollte. Gleichzeitig schossen auch gefühlt tausende Fragen durch den Kopf der Trainerin. Was ging hier vor sich? Hatte das Alpollo-Butler-Irgendwas-Dingens sie zu diesem Mädchen gebracht? Was wollten diese Geister von ihr? Wollten sie ihr etwas antun? Was hatte es mit dieser verwitterten Nachricht auf sich?
„Willst du diese verfluchte Villa jemals wieder verlassen“, donnerte das Wesen plötzlich mit einer Stimme weiter, die Raissa Gäsenhaut am ganzen Körper bescherte, „musst du den Fluch brechen, der durch das Betreten dieser Villa nun auch dich heimsuchen wird! Was du gerade gelesen hast, war die Einladung zu einer Enthüllungsfeier, die unser Schicksal damals besiegelte!“
Raissa verstand gar nichts davon, was dieses unheimliche Wesen von sich gab und sie war vor Panik gerade auch nicht in der Lage, klar zu denken, sodass sie sich nur schreiend weiter an ihr Chaneira klammerte. Sie wollte hier weg, weg von diesen ganzen bösen Geistern!
„Falls du dir jedoch einen Fehltritt erlaubst, wirst du für immer untot in diesen verfluchten Gemäuern umherwandeln und keinen Seelenfrieden finden, genauso wie wir!“
Der Boden schien unter dieser mächtigen Stimme geradezu zu beben, sodass Raissa bereits fürchtete, das Gebäude könne zusammenstürzen - doch auch das Gesagte an sich bescherte ihr eine mächtige Portion Unwohlsein. Was für ein Fluch? Und wieso wurde ausgerechnet sie jetzt mit hineingezogen?

Dann wurde für einige Momente plötzlich alles dunkel und Raissa wagte kaum zu atmen, als schließlich ein schriller Mädchenschrei ertönte: „Lasst mich hier raus! Bitte!“
Ein lautes, verzweifeltes Wimmern folgte, ehe kurz zwei goldgelbe Augenpaare in der Dunkelheit aufblitzten und auf einmal wieder alles still wurde. Bildete sich Raissa das nur ein, oder war es mit einem Schlag plötzlich kälter geworden?


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