Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

An Deiner Seite

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Michael Jackson OC (Own Character)
09.12.2018
09.08.2020
100
114.534
5
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.12.2018 1.525
 
Michael sah genervt aus. Heute Abend sollten die lange angekündigte Show stattfinden und nun war seine Duettpartnerin für 'I just cant stop loving you' krank. Kehlkopfentzündung.

Michael ließ sich unentspannt in einen Sessel hinter der Bühne sinken. „Verdammt!“, fluchte er, ohne jemanden direkt anzusehen. „Was machen wir denn jetzt?“

Niemand seiner Leute sagte irgendetwas. Alle starrten ihn betreten an.

„Können wir den Song noch raus nehmen?“, erkundigte sich Michael.

„Sechs Stunden vor der Show?“, hakte sein Tontechniker nach. „Ich denke, das ist sehr kurzfristig. Vielleicht, ähm...“, er räusperte sich, weil seine Idee alles andere als glorreich war, „vielleicht singst du den Song einfach solo?“

„Was für eine bescheuerte Idee ist das denn? Es ist ein Duett, falls du das vergessen hast!“, schnauzte Michael los. „Wenn ihr nichts zu sagen habt, dann haltet besser gleich den Mund. Auf diese dummen Vorschläge kann ich verzichten!“

Jetzt schauten alle noch betretener. Michael wurde nicht oft wütend, aber die Show stand kurz bevor und alle waren nervös und überspannt.

Nach einigen Momenten seufzte der Sänger. „Sorry, ich wollte dich nicht anschnauzen“, erklärte er und stand auf. Er klopfte seinem Tontechniker auf die Schulter. „Weißt du, es ist nur... Verdammt!“ Er lief einige Male vor seiner Band und dem Rest seiner Crew auf und ab, grübelte, was jetzt am Besten zu tun wäre und sagte dann schließlich: „Schafft mir irgendeinen Ersatz herbei! Einfach irgendein Mädchen, von dem ihr glaubt, es kann den Text und auch ein paar Töne treffen. Die Fans haben sich den Song gewünscht und nun sollen ihn ihn auch bekommen. Los!“

Zwei Stunden später

„Okay... wollen wir dann?“ Michael drehte sich zu seiner Band, und schaute seine neue Partnerin Michelle an, eine junge Frau von 19 Jahren mit tiefschwarzem, sehr langem Haar. Sie war aus dem Roadie-Bereich geholt worden, weil sie fortwährend irgendetwas vor sich hin geträllert hatte und man hatte ihr den Vorschlag gemacht, heute Abend mit dem King of Pop auf der Bühne zu stehen. Nein, eigentlich war es kein Vorschlag, sondern eine Art verzweifeltes Anbetteln seitens Michaels Bassisten.

Nach etwa einer Stunde penetrantester Überredungsarbeit hatte sie schließlich mit weichen Knien zugestimmt, aber war davon ausgegangen, dass sie sowieso niemals akzeptiert werden würde und sicher nach der ersten Probe erneut auf die Suche nach einer Partnerin für Michael gegangen werden müsste.

Die ersten Takte von 'I just can't stop loving you' setzten ein. Michelle zitterte am ganzen Körper, sie war nervös und unsicher und obwohl Michael trotz seines Stress sehr freundlich zu ihr gewesen war, hatte sie das Gefühl, jeden Moment in Ohnmacht zu fallen. Und das hier war erst die Probe!

Michael sang seine Strophe, sah sie beim Performen immer wieder an, aber sie wich seinem Blick gekonnt aus. Als ihre Strophe dann an der Reihe war, brachte sie außer einem leisen Piepsen kaum etwas heraus.

Michael gab seiner Band ein Handzeichen. „Stop! Aufhören!“ Dann ging er zu Michelle herüber und blickte sie an. „Hey, ist alles okay?“

„Ähm... äh... ja“, stammelte sie, völlig außer Stande ihren prominenten Gesangspartner direkt anzusehen.

„Was ist los, kannst du den Text nicht?“, erkundigte er sich.

„Äh, doch... nur... ich... äh, ich kann das nicht“, meinte sie verunsichert und musterte den Boden vor ihren Füßen.

Michael seufzte auf, trat noch etwas näher an Michelle heran und sagte dann sehr sanft: „Ich weiß dass du furchtbar aufgeregt bist. Aber das musst du nicht sein, weißt du? Es gibt da einen Trick... schau mich mal an, bitte.“ Er hob ihr Kinn ein Stück an und erzwang mit dieser Geste, dass sie endlich zu ihm aufblickte. „Versuch mal, beim Singen irgendeinen Punkt anzustarren“, erklärte er weiter. „So mache ich das immer, wenn ich nervös bin. Man starrt auf einen kleinen Fleck oder auf einen Fixpunkt in der Halle, dann geht es schon irgendwie... Können wir es nicht wenigstens versuchen?“ Und nach einem Moment fügte er nochmal „Bitte“ hinzu.

Michelle war jetzt noch mehr verunsichert, Michael hatte mit seiner zarten Geste also genau das Gegenteil dessen erreicht, was er eigentlich wollte, aber sie konnte nichts dafür. Seit Jahren schon war sie ein großer Fan von ihm und es war ihr schon wie der Himmel auf Erden vorgekommen, als Kabelträgerin bei Michael Jackson einen Job zu bekommen. Aber nun mit ihm zusammen auf der Bühne zu stehen, das war fast zu viel des Guten.

„Bitte, Michelle“, wiederholte er, „wir sind aufgeschmissen, wenn ich keine Duettpartnerin habe.“

Sie schluckte hart und quetschte sich dann doch ein „Okay“ raus, obwohl sie genau wusste, dass sie beim nächsten Probelauf sicher wieder nicht viel mehr als ein Krächzen herausbekommen würde.

Michael strahlte. „Okay, dann legen wir mal los!“ Er gab seiner Band wieder ein Zeichen und die ersten Takte des Songs erklangen.

„...This time it's forever
Love is the answeeeer...“

Jetzt oder nie, dachte Michelle. Sie stand da wie angewurzelt, aber wenigstens sang sie ihre Strophe trotz zittriger Stimme fehlerfrei, und genau wie Michael es vorgeschlagen hatte, starrte sie auf einen Punkt in der Halle, ohne ihn anzusehen. Dementsprechend wenig überzeugend klang ihre Darbietung auch.

Kurz bevor sie ihren nächsten Einsatz in dem Song hatte, winkte Michael seine Band wieder ab. Er kam erneut dicht an Michelle heran und erklärte: „Für den Anfang schon mal nicht übel. Aber ähm... na ja, weißt du...“ Er lächelte spitzbübisch und biss sich leicht auf die Unterlippe. „Na ja, es ist ein Liebeslied, weißt du? Könntest du versuchen, während deiner Strophe zu mir zu singen?“

„Mhm...“, war das Einzige, wozu ihre Stimme in der Lage war, als Antwort zu geben.

„Dich stören die ganzen Leute hier, oder?“, mutmaßte Michael. „Ich hab eine Idee... Wollen wir es hinter der Bühne mal versuchen, also nur du und ich? Vielleicht fällt es dir dann leichter?“

Leichter, klar. Mit Michael alleine zu sein, würde ihre Nervosität ja auch bestimmt nicht noch größer werden lassen, dachte sie. Doch ehe sie noch irgendetwas antworten konnte schob Michael sie schon sanft vor sich her, hinter die Bühne, wo kaum jemand war. Er postierte sich vor ihr und schnippte mit den Fingern den Takt. Dann sang er wieder seine Strophe und wartete auf ihren Einsatz.

„...I hear your voice now
...you are my choice nooooow“

„Super!“, lobte er mitten in ihrer Strophe und schnippte weiter.

„...the love you bring
...heavens's in my heart
...at your call I hear harps
...and aaaaangelss siiiiing!“

„Wow!“, meinte er erstaunt und hörte auf zu schnippen. „Das war wunderbar, Michelle. Meinst du, das kannst du auch so singen, wenn die Band uns begleitet?“

„Ich weiß nicht so recht...“, gab sie zurück. Innerlich dachte sie, 'Wow ich habe es endlich fertig gebracht einen vollständigen Satz zu Stande zu bringen!'. „Können wir den Rest des Songs auch nochmal versuchen?“

Michael grinste von einem Ohr zum anderen. „Klar können wir das. Nochmal auf Anfang?“

Michelle nickte. Zu ihrem großen Erstaunen und scheinbar auch zu Michaels Erstaunen klappte der Song wie am Schnürchen. Michelle sang zwar immer noch ziemlich verhalten aber man konnte jetzt schon von 'singen' sprechen und nicht mehr von 'piepsen'.

„Wollen wir es nochmal mit der Band versuchen?“, fragte er, als die beiden fertig waren.

Sie nickte erneut und die beiden machte sich zurück auf den Weg zur Bühne. Kurz bevor sie wieder bei der Band waren, hielt Michael sie auf.

„Ich wollte dir nochmal sagen, dass ich das sehr mutig von dir finde“, erklärte er mit einem anerkennenden Lächeln. „Danke, dass du das mitmachst, Michelle.“

Sie kaute einen Moment verlegen auf ihrer Unterlippe. „Ich muss dir auch etwas sagen...“, setzte sie an und versuchte, ihre Schamesröte so gut es ging zu unterdrücken, was natürlich keineswegs funktionierte. „Ich bin ein großer Fan von dir und das hier...“, sie machte eine erklärende Handbewegung, „übersteigt so ziemlich alle Träume, ich ich jemals hatte. Schon als ich letzte Woche als Roadie engagiert worden bin, konnte ich mein Glück kaum fassen.“

Michael legte ein extrem breites Lächeln auf. „Ich finde die Vorstellung etwas komisch, dass du Roadie hier bist. Nur in London?“

„Ja“, gab sie zurück und grinste nun ebenfalls.

Er schaute sie einen Augenblick lang an. „Vielleicht denkst du dass das alles hier für mich ganz easy ist“, setzte er an und kam ein paar Schritte näher an sie heran, sodass er ihr leise etwas ins Ohr sagen konnte, „aber so ist es ganz und gar nicht. Ich bin aufgeregt wie verrückt. Ich bin lange nicht aufgetreten und dass ich jetzt ein Duett mit dir singe, was wir gerade einmal seit einer Stunde üben...“ Er lächelte abermals und kicherte sogar ein wenig verlegen gegen ihr Ohr. „Du bist also nicht alleine mit deiner Nervosität“, gestand er und blickte sie an. Er nahm ihre Hand in seine und fügte hinzu: „Okay?!“

Michelle war baff. Mit so einer Rede hatte sie nicht gerechnet. „Okay“, gab sie zurück. Aus irgendeinem Grund kam Michael ihr auf einmal gar nicht mehr wie ein großer Star vor. Er hatte auch Angst, vielleicht nicht so viel wie sie, aber es machte ihn irgendwie noch sympathischer, als er ohnehin schon war.

„Lass uns jetzt zur Bühne gehen“, zwinkerte er und trat dann mit ihr gemeinsam vor seine Band.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast