Schneegeflüster

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Andrew John Carter Peter Newkirk
09.12.2018
09.12.2018
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Titel: Schneegeflüster
Autor: LadyCharena (März 2004)
Fandom: Hogan’s Heros / Ein Käfig voller Helden
Charaktere: Peter Newkirk, Andrew Carter, Colonel Hogan
Pairing: Newkirk/Carter
Rating: slash, ab18, first-time
Beta: T’Len
Worte: 3210


Summe: Carter und Newkirk übernachten gezwungenermaßen während eines Einsatzes außerhalb des Lagers und finden einen Weg, sich warm zu halten.


Anmerkung: Wer die Originalversion der Serie kennt, weiß sicher, dass Newkirk da nicht stottert. Teil von Newkirks Charakter ist sein britischer Akzent und seine britische Ausdrucksweise. In der deutschen Syncro hat man dies durch ein Stottern ersetzt, wohl auch – so meine Meinung, nachdem ich diesen Sommer die ersten drei Staffeln im Original sehen konnte – um die Serie „witziger“ zu machen. Der Humor im Original ist subtiler, in den Worten und Sprechweisen der Charaktere, nicht so hammerartig wie Klinks Sächseln (und ich konnte bisher auch nichts von seiner Haushälterin und ihrer Bürste hören – wer die deutsche Version kennt, weiß wie oft sie in Nebensätzen erwähnt wird, als hätten die Syncron-Autoren Sorgen gehabt, man könnte Klinks „Frauenprobleme“ auch anders interpretieren…;) ) oder Schulzes breites Bairisch. Als ich diese Story geschrieben habe, kannte ich nur die deutsche Fermsehfassung.


Disclaimer: Die Rechte an den verwendeten Figuren liegen beim jeweiligen Inhaber, nicht bei mir und ich will weder diese Rechte verletzten, noch Profit mit dieser Fanstory schlagen.
 
 


 
Schneegeflüster (März 2004)
 
 
„O-O-O-Okay, Jungs, hat er g-g-gesagt“, beklagte sich Newkirk bitter und betastete seine Nase, die inzwischen völlig taub war. „E-E-E-Ein Kinderspiel, hat er g-g-gesagt. Ihr seid im N-N-Nu, wieder da.“ Seine vor Kälte klappernden Zähne ließen ihn noch heftiger als sonst stottern.

Neben ihm stapfte Carter durch den kniehohen Schnee, den Rücken gebeugt, die Schultern angezogen, den Kopf gesenkt, um sich gegen den beißenden Wind zu stemmen, der immer wieder zwischen den hier ausgelichtet stehenden Bäumen durchkam. „Vielleicht sollten wir uns ein Iglu bauen“, schlug er vor. „Ich habe gelesen, dass man es da drin ganz schön warm hat.“

„Schn-Schn-Schnauze, Carter. Für so etwas ha-ha-haben wir keine Zeit.“ Newkirk nieste. „Na-Na-Na prima. Ein Schnupfen.”
 
„Vielleicht sollten wir ein Lied singen, um uns von der Kälte abzulenken“, meinte Carter.

Für diesen Vorschlag fing er sich einen weiteren bitterbösen Blick seines Begleiters ein. „Vi-Vi-Vielleicht hast du’s ja ver-ver-vergessen, aber wir sind hier nicht a-a-a-alleine im Wald. Willst du die Ge-Ge-Gestapo am Hals?“
 
„Ich dachte ja nur“, meinte Carter mit einem Schulterzucken. „Aber vermutlich würde das bei dem Wind eh nicht gut klingen.“ Er sah sich um und warf auch einen Blick zurück. Der dichtfallende Schnee verwischte ihre Spuren rasch. Das war auf jeden Fall schon einmal gut, so konnte keine der Patrouillen zufällig darauf stoßen. Aber das Wetter war wirklich echt mies. Seine Zehen waren schon ganz taub und seine Nase war der reinste Eiszapfen. „Ist es noch weit bis zum Treffpunkt?“

Newkirk warf einen Blick auf den Kompass, den er um den Hals gahängt hatte. „Ei-Ei-Ei-Eigentlich sind wir schon fa-fa-fast da.“

Die beiden Männer mühten sich weiter durch den Schnee. Die Bäume standen hier wieder enger und ihre Kronen spendeten zumindest etwas Schutz vor Wind und Gestöber. Allerdings sperrten sie auch einen Teil des Lichts aus und das dämmrige Zwielicht war nicht unbedingt angenehm.

Plötzlich hob Carter den Kopf. „Hast du das gehört?“, fragte er angespannt.

„Wa-Was denn?“

„Das klang wie ein Heulen. Gibt es hier Wölfe, Newkirk?“

„Be-Be-Bestimmt, Rotkäppchen.“ Newkirk grinste. „I-I-I-Ich hab zum Bei-Bei-Beispiel einen im Bauch. Einen Wo-Wo-Wolfshunger.“

„Aber jetzt hör’ doch mal“, beharrte Carter. „Da ist doch was.“

Beide Männer blieben stehen und suchten mit Blicken die Gegend hinter sich ab.

Newkirk wollte es schon als Hirngespinst abtun, als er plötzlich auch etwas hörte. Eine Art Schnaufen oder Grunzen und das Geräusch eines… oder mehrere… Körper, die durch das Unterholz brachen. Er zog seine Waffe aus der Brusttasche seiner Jacke, obwohl er sich nicht sicher war, ob er mit seinen klammen Fingern und den groben Handschuhen, in denen sie steckten, überhaupt richtig zielen und feuern konnte. Außerdem hatte Hogan ihnen eingeschärft, nur im äußersten Notfall zu schießen, um ihren Standort nicht zu verraten.
 
Die Patrouillen rund um das Lager waren verdreifacht worden, seit zwei Tage zuvor im Wald ein britischer Flieger runtergegangen war. Die Piloten waren längst in Sicherheit im Stalag 13. Normalerweise vermieden sie es, in so einer Situation rauszugehen, aber einer der beiden Piloten hatte sich das Bein gebrochen und zeigte die ersten Symptome einer Infektion. Und deshalb waren Newkirk und Carter nun trotzdem auf dem Weg zu einem Agenten des Untergrunds, um Medikamente abzuholen. Aufgrund der vermehrten Überwachung konnte das HQ es nicht riskieren, das Penicillin in der Nähe des Lagers abwerfen zu lassen, wie in der Vergangenheit.

Links von ihnen raschelte und trampelte es im Unterholz und sie wandten sich in diese Richtung. Schnaufend und grunzend brach ein dickes, großes Wildschwein durch und blieb stehen, als es die beiden Männer erblickte. Es war wohl zu fragen, wer sich bei diesem unerwartete Zusammentreffen mehr erschreckt hatte.
 
Newkirk stieß ein erschöpftes, nervöses Lachen aus. „Ma-ma-mann, sieh dir die-die-diese Hauer an“, meinte er. „Das Bie-Bie-Biest hat bestimmt mehr A-A-Angst vor uns, als wir vor ihm.“
 
„Hoffentlich hast du recht“, meinte Carter und wich langsam ein paar Schritte zurück. „Das sieht nämlich verdammt gefährlich aus und wir dürfen wegen der Patrouillen doch nicht schießen.“
 
„Gu-Gut, dass du mich daran er-er-erinnerst“, meinte Newkirk ironisch und steckte die Waffe zurück. „Ver-ver-verschwinden wir von hier. Aber schön la-la-langsam, wenn ich bi-bi-bitten darf.“

Die beiden Männer hatten vielleicht fünf Schritte zurückgelegt, ohne dem Wildschwein den Rücken zuzudrehen, als das Tier plötzlich in Bewegung kam und auf sie zu rannte.
 
Newkirk sprang zur Seite und duckte sich hinter einen Baum und auch Carter ging in Deckung, doch das Tier plante offenbar keinen Angriff, denn es verschwand rasch im Dunkel zwischen den Bäumen.

Newkirk stand auf und klopfte sich den Schnee von der Hose. „So-So-So eine verdammte Schweinerei“, fluchte er und sah sich nach seinem Begleiter um. Doch keine Spur von Carter. „Ca-Ca-Carter?“, rief er etwas lauter. „Ka-ka-Kannst rauskommen, du A-A-Angsthase.“ Nichts, keine Antwort. „Carter?“ Langsam machte er sich doch Sorgen.

Da begann sich der Schnee rechts von ihm zu bewegen und eine Hand erschien, langsam gefolgt vom Rest Carters. „Ich bin in eine verdammte Schneewehe gefallen“, schimpfte er, als er sich hoch kämpfte. „Und darin versunken. Da ist irgendein Loch im Boden. Ich wollte mich an einem der tiefhängenden Äste festhalten und dann kam der ganze Schnee vom Baum auch noch auf mich runter.“

„A-A-Aber sonst geht es dir gut?“ So etwas konnte ja nur Carter passieren.

„Ja, danke.“ Carter bürstete sich den Schnee von der Jacke und wühlte nach seiner Mütze, die er verloren hatte. Ihm war die Ironie in Newkirks Stimme völlig entgangen. „Ist dieses dumme Schwein weg?“ Er klopfte den Schnee aus seiner Mütze und stülpte sie sich über den Kopf. „Mann, ist mir kalt.“

„D-D-Dann setz deinen lahmen Hi-Hi-Hintern in Bewegung. Wir müssen uns be-be-beeilen.“

Doch bevor es dazu kommen konnte, krachte und knirschte es erneut im Unterholz.

„Noch ein Wildschwein?“, fragte Carter.

Aber dieses Mal war es ein großer, nicht sehr freundlich aussehender Schäferhund. Das erklärte wohl auch, warum das Wildschwein so hastig die Flucht ergriffen hatte. Der Hund fletschte die Zähne und knurrte die beiden Männer an. Sie hörten jetzt auch Stimmen – noch fern, aber rasch näherkommend.

„V-V-Verdammt“, zischte Newkirk. „Je-Je-Jetzt haben sie uns.“

Der Hund begann zu bellen und jemand rief nach ihm. Nach einem letzten Knurren in Richtung der beiden Männer drehte sich das Tier um und trottete zurück.

Newkirk und Carter ergriffen die Chance und verschwanden. Es konnte sich nur um Minuten handeln, bevor jemand nachsehen kam, was der Hund entdeckt hatte und dann ihre Spuren finden würde. Pech für sie, wenn es eine Patrouille vom Lager war.

Und tatsächlich waren sie noch nicht weit gekommen, da fielen hinter ihnen Schüsse, Hunde kläfften aufgeregt und jemand schrie, dass sie stehen bleiben sollten. Es war das letzte, was einer der beiden im Moment tun wollte. Stattdessen liefen sie so rasch sie konnten – und der tiefe Schnee das zuließ – weiter. Unter diesen Umständen konnten sie natürlich nicht den Treffpunkt aufsuchen und damit womöglich ihre Verfolger auf die Spur des Untergrunds bringen. Also wandten sie sich in die entgegengesetzte Richtung und liefen, was das Zeug hielt.

Einige Zeit später hielt Newkirk erschöpft an und lauschte. Das Hundebellen war nur noch aus weiter Ferne zu vernehmen – vielleicht hatte die Spur des Wildschweins die Tiere von ihrer abgelenkt? Auf jeden Fall schienen sie für den Moment in Sicherheit.
 
Neben ihm sank Carter auf die Knie und hielt sich seine schmerzende Seite. „Mann, das war knapp“, keuchte er. „Was machen wir jetzt?“

Es wurde langsam dunkel. Die beiden lagen offiziell mit Grippe im Bett, weshalb man sie beim Abendappell nicht vermissen würde. (Schultz vermied es - aus Sorge, sich anzustecken - die beiden zu kontrollieren, denn sonst hätte er bemerkt, dass zwei Fremde in Newkirks und Carters Betten lagen.)

Auf ihrer Flucht hatte keiner der beiden so genau auf den Weg geachtete, so dass sie sich jetzt in einer ihnen fast völlig unbekannten Umgebung befanden. Der Schnee ließ alles gleich aussehen. Sie hatten nur eine Wahl – sich irgendwo bis zum Morgen zu verkriechen, um dann bei Tageslicht den Weg zurück ins Lager zu suchen. Irgendwo würden sie schon auf eine Straße stoßen und würden ihr dann einfach nach Hammelburg folgen. Alle Straßen hier in der Gegend führten nach Hammelburg.

„Au-Au-Auf jeden Fall nicht sitzen bleiben und wa-wa-warten, bis uns eine Patrouille findet“, erwiderte Newkirk. „Lo-Lo-Los, weiter.“

Es wurde jetzt ziemlich rasch so dunkel, dass sie einander kaum mehr erkennen konnten, obwohl sie dicht nebeneinander blieben, um sich nicht zu verlieren. Zwischen den hier sehr dicht stehenden Bäumen hatte der Mondschein kaum eine Chance, bis zum Boden zu dringen. Welche Schande, dass sie wegen der überall in der Gegend stationierten Peilwagen keine Möglichkeit hatten, mit Colonel Hogan Kontakt aufzunehmen.
 
„Da!“, rief Carter plötzlich aufgeregt. „Da vorne! Da ist doch was. Eine Hütte oder so.“ Er lief los.

„I-I-Ich hoffe du hast re-re-recht“, seufzte Newkirk und trottete hinterher. So kalt war ihm im ganzen Leben noch nicht gewesen und seine Beine waren schwer wie Blei.

Kurze Zeit später standen die beiden vor einer kleinen Schutzhütte, wie sie überall im Wald für Jäger und verirrte Wanderer errichtet worden waren. Es war ein fensterloses, niederes Viereck aus grobem Holz, doch da drinnen würde es wärmer sein und sie konnten die Nacht geschützt verbringen.

Carter stieß die Tür auf, Newkirk folgte ihm vorsichtig, die Waffe in der Hand – doch die Hütte war leer.

„Hey, sieh dir das an“, meinte Carter begeistert, als er seine Taschenlampe anknipste. „Hier gibt es sogar einen Ofen. Lass’ uns ein Feuer machen.“

„So-So-Soll ich nicht lieber eine Leu-Leu-Leuchtrakete abfeuern, damit sie uns noch lei-lei-leichter finden?“, fragte Newkirk ätzend. „K-K-Kein Feuer.“ Im matten Schein der Taschenlampe untersuchte er ein Regal an der Wand. „H-H-Hier, ein Schlafsack. Nur ei-ei-einer da.“

„Und hier sind ein paar Konserven“, meinte Carter, der sich zu einem niedrigen Schränkchen gebückt hatte um dessen Inhalt näher zu betrachten. „Und eine Flasche mit irgendetwas, das irgendwie komisch riecht.“


* * *


Mit seinem Taschenmesser schaffte Newkirk es, eine der Dosen zu öffnen. Die kalten Fleisch- und Gemüsestückchen in einer erstarrten Sauce waren sicherlich nicht sehr appetitlich, aber der Hunger ließ ihnen keine andere Wahl, als es zu essen.

Newkirk versicherte, es erinnere ihn an ein schottisches Stew, das er als Kind bei entfernten Verwandten seines Vaters gegessen hatte.

Carter ging nochmal nach draußen und brach Eiszapfen von der Kante des über dem Eingang vorspringenden Daches ab, die sie in Ermangelung von Trinkwasser lutschten. Schnee zu schmelzen ohne ein Feuer zu entfachen hätte zu lange gedauert.

Carter versuchte sich an der Flasche, deren Inhalt sie zusammen verkostete und grob als Alkohol klassifizierten. Aber es machte schön von innen warm. Und vor allem sehr müde. Besonders Carter hatte Mühe, die Augen offen zu halten, er vertrug einfach keinen Alkohol und war nach zwei Schlucken schon ein wenig mehr als leicht beschwipst.

Erschöpft beschlossen die beiden bald, sich schlafen zu legen. In der kleinen Hütte war es wärmer als draußen und wenn sie im Schlafsack ihre Wärme teilten, sollten sie die Nacht gut überstehen.

Sie hatten ihre Jacken und Hosen zum Trocknen aufgehängt und versuchten nun, sich gemeinsam in den Schlafsack zu zwängen.

Da tat sich das erste Problem auf – der Schlafsack war nicht besonders groß. Zumindest nicht für zwei ausgewachsene Männer.

Carter versuchte sich auf die Seite zu drehen und rammte Newkirk den Ellbogen dabei in die Seite, während der seine langen Beine ausstreckte und dabei Carter fast das Knie in die Nieren stieß. Schließlich schafften sie es in eine Position Rücken an Rücken, in der sich der Verschluss des Schlafsackes schließen ließ, wenn sich auch das Material ziemlich eng um sie schnürte und sie sich wie Presswürste fühlten.
 
Dann wurde es still in der Hütte bis auf die leisen, regelmäßigen Atemzüge der beiden Männer.


* * *


Trotz des anstrengenden Tages der hinter ihnen lag, konnte Newkirk nicht sofort einschlafen. Die Enge und Carters unruhige Bewegungen störten ihn sehr. In seinem Magen revoltierte das kalte Dosenfutter und in einem geradezu masochistischen Anflug fragte er sich, welche Köstlichkeiten LeBeau wohl heute Abend für die anderen gezauberte hatte. Sie hatten erst am Tag vorher wieder eine Ladung Lebensmittel aus dem Offizierskasino abgezweigt.

Carter bewegte sich, offenbar versuchte er im Schlaf, sich umzudrehen, wurde aber von der engen Pelle des Schlafsackes daran gehindert. Allerdings hinderte ihn das nicht, Newkirk in die Kniekehlen zu treten. Der verfluchte ihn leise und dämmerte dann schließlich dem Schlaf entgegen.


* * *


Einige Zeit später - das war in der absoluten Finsternis in der Hütte schwer abzuschätzen - erwachte Newkirk. Sein Hals war trocken und sein Brustkorb fühlte sich völlig eingeschnürt an, so dass ihm das Atmen erschwert wurde. Mit viel Mühe konnte er einen Arm nach hinten schieben und nach Carter tasten. Unerwartet stießen seine suchenden Finger auf einen Hals und den Kragen eines Unterhemdes. Wieder fluchte er leise. Offenbar hatte Carter es doch noch geschafft, sich umzudrehen und lag jetzt in Löffelchenstellung hinter ihm. Aber irgendwie hatte er es wohl fertiggebracht, dabei einen Teil des Schlafsackes einzuklemmen und ihn somit noch enger um sie zu ziehen, als er ohnehin schon war.

Newkirk boxte ihn reichlich unsanft gegen das Knie und hörte Carter grunzen und ein paar schlaftrunkene Wörter murmeln, die er jedoch nicht verstand. „So-So-Sobald ich mich wieder be-be-bewegen kann, bringe ich dich um, Ca-Ca-Carter!“ Er ruderte mit den Beinen und schob und zog und zerrte, bis er schließlich auf dem Rücken landete.
 
Doch irgendwie verbesserte sich dadurch seine Situation nicht wesentlich. Zwar kam der zwischen ihnen eingeklemmte Stoff frei und der Schlafsack wurde dadurch ein wenig weiter, doch dafür sackte nun Carter auf ihn herab. Den störte das offenbar nicht sehr, er legte einfach den Kopf auf Newkirks Brust und schob ein Knie zwischen Newkirks Beine, um es sich bequemer zu machen und schlummerte weiter.

„Da-Da-Das ist doch wohl ni-ni-nicht zu fassen!“ Carter konnte was erleben, wenn sie erst wieder im Lager waren. Der reinste Schlafsack-Rüpel. Ein Einzelkind eben. Newkirk versuchte ihn von sich runter zu stoßen, aber das war bei der Enge nicht möglich.

Resignierend ergab er sich vorerst in die Situation. Doch Carters unruhige Bewegungen hinderten ihm am neuerlichen Einschlafen. Langsam zog Newkirk ein Übernachten im Freien doch ernsthaft als Alternative in Erwägung. Da würde er vielleicht erfrieren, aber Mann!, vorher würde er bestimmt prima schlafen!

Carter murmelte etwas und drückte sein Gesicht gegen Newkirks Brust. Der konnte deutlich durch den dünnen Stoff seines Unterhemds dessen Lippen ausmachen und hoffte inbrünstig, dass Carter im Schlaf nicht wie ein Baby sabberte. Das hätte gerade noch gefehlt.

Aber stattdessen schien Carter seine Wange an ihm zu reiben, wie eine überdimensionale, grobknochige Katze und murmelte etwas dabei.

Bestimmt träumt er was Hübsches, dachte Newkirk säuerlich.

Die Zeit verging und langsam sank auch Newkirk wieder dem Schlaf entgegen, als ihn plötzlich etwas anderes hellwach machte. Carters Hand hatte sich auf seinen Bauch verirrt! Nun, also das ging dann doch zu weit! Wusste der Teufel, mit wem Carter da im Schlaf schmuste, aber Newkirk war es bestimmt nicht.

Er versuchte sich unter Carter hervor zu winden, aber es war unmöglich. Er war festgepinnt wie ein Schmetterling in einem Schaukasten. Carter ließ sich nicht wecken, das lag bestimmt an diesem merkwürdigen Schnapps-Zeugs, das sie getrunken hatten.

Carter gab in einem fort unverständliche Laute von sich und rutschte dabei unruhig auf und ab, hin und her. Newkirk bemerkte plötzlich die Erektion des anderen Mannes, die gegen seinen Oberschenkel presste. Er verdrehte die Augen und seufzte. Diese Art von Traum! Das hatte ihm gerade noch gefehlt!

Das ganze wäre vielleicht ja noch erträglich gewesen – doch plötzlich glitt Carters Hand von Newkirks Bauch in dessen Schritt. Der Brite fuhr hoch, als die langen Finger kräftig zugriffen, so eine lange Unterhose bot ja nun wirklich nicht viel Barriere. „He-He-Hey, spinnst du?“, fuhr Newkirk ihn an, doch Carter hörte nichts und seine eifrigen Finger...

„Sch-Sch-Scheißkrieg“, murmelte er, wie er unter der Berührung ziemlich rasch hart wurde. „Wa-Wa-Was soll nen Ma-Ma-Mann denn da ma-ma-machen – ohne Frauen.“ Und wie verdammt lange her… „I-I-Ich ka-kann’s mir ja nicht durch die Ri-Ri-Rippen schwitzen.“ Sei’s drum, dachte er. Man stirbt nicht daran, da hatten sie während seiner hormongeplagten Schulzeit in einem Militärinternat noch ganz andere Sachen gemacht. Also spreizte er die Beine weiter auseinander – zumindest so weit das der enge Schlafsack zuließ – und zog gleichzeitig Carter auf sich hoch. Der wachte zwar noch immer nicht richtig auf, zeigte sich aber durchaus willig.

Nur durch die zwei dünnen Stoffbahnen der langen Unterhosen getrennt, rieben ihre harten Glieder aneinander. Die Enge ließ nicht viel Bewegungsfreiheit, doch es war schnell vorbei. Ein kehliges Aufstöhnen von Newkirk und ein hastiges Keuchen von Carter und zwischen ihnen breitete sich warme Feuchtigkeit auf.

Carter rutschte endlich von Newkirk, schmiegte sich seitlich an ihn und schlief weiter.

Verdammte Schweinerei, wenigstens die Unterhosen hätten wir ausziehen können!, dachte Newkirk noch schlaftrunken, dann fiel auch er zurück in Schlummer.


* * *


Newkirk erwachte, weil ihm ein kalter Luftzug ins Gesicht blies. Durch die offene Hüttentür konnte er sehen, dass es draußen Tag war – wenn auch noch nicht sehr lange. Carter kniete im Eingang und rieb sich das Gesicht mit Schnee ab.

Newkirk rappelte sich auf, schlüpfte aus dem Schlafsack und hastig in seine Klamotten, denn es war eiskalt. Einen Moment lang fragte er sich, ob sich Carter an die Ereignisse der vergangenen Nacht erinnerte – dann schob er das beiseite. Vermutlich hatten sie beide eine leichte Alkoholvergiftung davongetragen. Carter war immer noch blass und klagte über Kopfschmerzen, als sie die Hütte verließen.


* * *


Nach einem etwa zweistündigen Marsch trafen sie auf eine Straße und folgten ihr nach Hammelburg, fanden den Weg zurück zum Lager, um dann am frühen Nachmittag durch einen der hohlen Baumstümpfe in das Tunnelsystem unter den Barracken zu klettern.

Colonel Hogan empfing sie sichtlich erleichtert. Inzwischen hatte der Untergrund ihnen ein paar Medikamente im Hundetransporter des Tierarztes eingeschmuggelt und dem verletzten Flieger ging es schon besser.

Er ließ sich von der gescheiterten Mission der beiden Pechvögeln berichten. „Gibt’s sonst irgendetwas, dass ich wissen sollte? Habt ihr euch gestritten?“, fragte Hogan, als ihm auffiel, dass die üblichen Frotzeleien zwischen Carter und Newkirk unterblieben.

„K-K-Keine besonderen Vorkommnisse, Co-Co-Colonel Hogan“, meinte Newkirk und warf Carter einen Blick von der Seite zu. „A-A-Alles in bester Ordnung. Nur ne un-un-unruhige Nacht.“


Ende
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