Breathe [Ghost x Soap]

von Min-Ya
GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P18 Slash
Captain John "Soap" MacTavish Captain John Price Lieutenant Simon "Ghost" Riley Private First Class Joseph Allen / Alexei Borodin Sergeant Gary "Roach" Sanderson
09.12.2018
18.07.2019
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Rückblick
24.Dezember 2009, Tommys Haus

Innerlich aufgewühlt, zerfressen von Wut und Trauer saß Simon Riley stumm und nach außen hin ausdruckslos auf dem blutverschmierten Holzdielen. Vor ihm lag der leblose Körper seines Bruders Tommy. Riley hatte noch nach Anzeichen von Lebendigkeit gesucht, doch der bloße Hautkontakt fühlte sich erkaltet an. Jegliche Wärme war dem einstigen lebendigen Körper entwichen. Ausgelöscht durch Kugeln, die sich in das Fleisch bohrten, welche das Blut aus dem Körper heraussprudeln ließ. Doch es war nicht nur Tommy, der leblos vor ihm lag. Dessen Frau lag unter ihm begraben. Sicherlich hatte er versucht sie zu schützen. So wie es ein Ehemann wahrscheinlich tat, wenn er wen wirklich liebte. Das Leben des geliebten Menschen wurde vor das eigene gestellt. Selbstlos. Instinkte. Doch sein Körper war kein Schild. Die Kugeln, die nicht in ihm stecken blieben, bohrten sich durch seinen Rücken in die weiche Haut seiner Frau. Ihre hellen Haare waren durch das Blut am Boden getränkt. Tommys und ihr Blut sammelte sich, vermischte sich, verteilte sich, färbte ihr am Boden liegendes Haar in ein dunkles Rot. 
Lange hatte Riley seinen Bruder und sie nicht mehr besucht. Er wusste nicht mal wie ihre Stimme mehr klang. Das erste was man wohl vergisst war der Klang einer Stimme. Das hatte Riley mal in einer Zeitschrift gelesen und genau das traf grade zu. War sie hoch? Tief? Wenn Riley so weiter dachte, hätte er sich nach der Geburt und dem einen Geburtstag Josephs ruhig öfter Blicken lassen können, grade jetzt, wo er eh vom Militär weiterhin als instabil und somit dienstuntauglich eingestuft wurde und zumal es Weihnachten war. An Weihnachten hingerichtet werden. Super Geschenk. 
Riley gab ein kurzes ironisches Lachen von sich, richtete sich auf, konnte den Körper seines Neffen nicht entdecken. Nirgendwo konnte er den kleinen jungen mit dunklen Haaren entdecken. Wenn er aber vom Eingangsbereich nach links in Richtung Esszimmer schaute, konnte er seine Mutter entdecken. Ihr Körper lag auf dem Bauch. Ihr Blut zog in den hellen Teppich auf dem sie lag. Sparks und Washington mussten erst auf Tommy und seine Frau geschossen haben, woraufhin Simons und Tommys Mutter instinktiv die Flucht ergriff. Von hinten erschossen, gestürzt und verblutet. Sie war jedoch nicht sofort tot. Riley erkannte Schleifspuren. Sie hat versucht weiter in das Esszimmer hineinzukriechen mit der Hoffnung doch noch irgendwie dem Tod zu entkommen. Ein Blick durch das Esszimmer um diese Erkenntnis zu erfassen, fiel sein Blick auf den Esstisch. Er war festlich eingedeckt. Eine rote Tischdecke, ein champagnerfarbener Läufer, Tannenzweige mit roten und goldenen Kugeln, mal matt, mal glänzend, geschmückt, eine Lichterkette, welche sich durch das Tannengrün zog, in der Mitte präsentierte sich eine Servierplatte mit einer Weihnachtsgans, daneben Schalen mit Kartoffeln, Gemüse und Soßen, goldig-glänzende Tischdeckchen an jedem Platz eines Stuhls, auf denen die Teller und das Besteck ordentlich platziert wurde. Es wäre sicher ein schönes Fest geworden. Es sah nach viel Mühe aus. Riley erblickte auf allen Tellern ein kleines Geschenk in rot mit goldener Schleife und Namenskärtchen, als ihm beim automatischen Durchzählen der Gedecke auffiel, dass es für einen zu viel gedeckt war. Tommy, ihre Mutter, Tommys Frau, Joseph und wer noch? Hatten die Beiden etwa noch ein Kind bekommen, von dem Riley nichts wusste? Langsam näherte sich Riley dem Tisch und ihm gefror der Atem, als er sich die Namen auf den Namensschildchen durchlas. "Simon" setzten sich die Lettern handgeschrieben in schwarz auf dem kleinen Stück Papier ab. Angespannt rieb sich der ehemalige S.A.S.-Soldat über seine Lippen uns seinen Kinn. Sie hatten tatsächlich gehofft, dass er vielleicht doch noch kommt und nun war er nur gekommen, aufgrund einer Bemerkung von Sparks und Washington. Er hätte dem Bastard einfach die Kehle durchschneiden sollen, diesem elendigen Verräter, korrupten Mistkerl und verfickten Familienmörder. Simon Riley, vom Militär ausgeschlossen aufgrund seiner Psyche, aber solche Psychopathen konnten in der Karriereleiter einfach weiter aufsteigen. Wütend griff Riley nach dem Geschenk mit seinem Namen, zerdrückte es mit seiner bloßen Hand, wobei es kaum nachgab, sondern nur das rote Geschenkpapier zerknitterte. Er biss sich hart auf die Zähne, während sein Körper sich nach und nach der Emotion hingab. Die Trauer übernahm seinen Körper. Sein Griff um das Weihnachtspäckchen lockerte sich, während sein Körper langsam zu Boden sank. Er konnte sich grade eben noch an dem eingedeckten Tisch halten, lehnte sich mit seinem Kopf gegen die Tischkante, als ihm ein erstes Schluchzen entwich. Er schluckte daraufhin hart, versuchte es zu unterdrücken, doch er war machtlos. Seine Augen begannen zu brennen, erröteten leicht, als ihm die angesammelte Flüssigkeit überdruss wurde und sich eine Träne über jedes seiner Augenlider hinauswagte. Sie rannen parallel zu seinem Nasenbein, eine schneller als die andere. Sie trafen sich unterhalb seiner Nasenlöcher wieder, wurden eins, ehe sie als eine verschmolzene Träne zu Boden tropfte. Verbitterte Laute entwichen dem Dunkelhaarigen, ehe weitere Tränen sich ihren Weg über seine Haut bahnten und sich ebenfalls auf dem Boden verteilten. Er wollte am Liebsten schreien, doch seine Stimmbänder ließen bloß das Schluchzen zu. Er verblieb eine kurze Weile so, ehe sich seine Emotionen wieder einigermaßen kontrollieren ließen. Vertränt starrte er auf das rote knitterige Paket vor sich. Was sie wohl für ihn vorbereitet hatten? Vorsichtig griffen seine Finger nach dem goldenen Schleifenband, lösten es mit einem leichten Zug, ehe er das rote Papier entfernen konnte. Obwohl er es schon dermaßen demoliert hatte, mit seinem vorherigen Wutausbruch, entfernte er das Papier vorsichtig, ohne es weiter zu zerstören, als wenn er das seiner Familie schuldig gewesen wäre. Es kam ein kleiner Karton zum Vorschein. Riley entfernte den Klebestreifen, welcher ihn vor dem Einblick ins Innere trennte. Er klappte erst die linke, dann die rechte Hälfte auf, als sich ihm ein silberner Anhänger auf einem Kissen präsentierte. Mit Daumen und Zeigefinger fischte er das kleine glänzende Etwas aus der Schachtel und ließ es vor seinen Augen in der Luft baumeln. "für Simon Riley" präsentierte sich die Lettern-Gravur auf der Rückseite in einer leichten kursiven Schriftart. Vorsichtig öffnete Riley den Anhänger und lächelte schwach, mehr traurig, als froh, bei der zu erblickenden Aufmachung, welche sich seinen Augen nun zeigte. Es war ein Foto von noch bevor er nach Iran musste. Zaragoza-Drogen-Kartell. Manuel Roba. Vernon. Sparks. Washington. Dieser Einsatz hat alles kaputt gemacht. Rileys Karriere, seine Kollegen und nun auch noch seine Familie.
Auf dem Foto stand Tommy mit seiner Frau zusammen, Arme hinter ihrem Rücken um die Tallien geschlungen, daneben war Riley mit seinem Neffen Joseph vor sich und neben sich seine Mutter, welche ihre Arme ebenfalls umeinander gelegt hatten. Alle lächelten auf dem Foto. Riley erinnerte sich wage an den Tag. Es war Josephs Geburtstag und er wollte unbedingt Onkel Simon dabei haben. Das war auch das letzte Mal, dass Riley dort gewesen war. Er hatte Tommy geholfen sein Drogenproblem in den Griff zu kriegen, danach ging es mit seinem kleinen Bruder wieder bergauf: Arbeit, Frau, Kind, Haus. 
Riley starrte noch eine Weile auf das schwarz-weiße Foto, als er schließlich den Anhänger zuklappte und in seine innere Jackentasche steckte. Langsam richtete sich der nun Waise auf, ging ohne einen Blick auf die am bodenliegenden Körper zu achten nach oben. Die Treppe knarrte immer noch bei jedem Schritt. "Joseph?", flüsterte Riley vorsichtig. "Ich bin's Onkel Simon.",  seine Stimme war immer noch leise. "Du kannst ruhig rauskommen. Hab keine Angst!", flüsternd tastete er sich weiter durch die obere Etage, als er vor einer halb geöffneten weißen Tür stand. An ihr hafteten bunt verzierte Holzbuchstaben "JOSEPH". Langsam schob Simon die Tür nach innen auf, als er erschrocken zurücktaumelte bis ihn die Wand daran hinderte dies weiter zu tun. Sie hatten auch seinen Neffen erwischt. Er hatte sich bei den Schreien und Schüssen wahrscheinlich im Kleiderschrank versteckt, doch Sparks und Washington waren nicht dumm. Es war klar, dass sie unter Betten, in Kleiderschränken und größeren Kommoden nachschauen würden. Zumal die Beiden wussten, dass Riley Onkel war und somit ein Kind in diesem Haus sein musste. Josephs Körper saß in dem geöffneten Kleiderschrank. Ein einfacher Kopfschuss hatte für das Kind gereicht. Kein wilder Kugelhagel, wie bei Josephs Eltern und seiner Oma. 
Riley wandelte wie in Trance, seinen Blick nirgendwo in die Ferne gerichtet, durch die oberen Flure, als er an Tommys Schlafzimmer ankam. Die Tür war geschlossen. Riley wusste, dass sein kleiner Bruder eine Waffe im oberen Lagerbereich des Kleiderschranks aufbewahrte. Grob und desinteressiert, ob etwas kaputt gehen könnte, sperrte Riley die Tür auf, marschierte direkt zu dem besagten Kleiderschrank und griff nach der Waffe. Eine M9 Kaliber 9x19mm, welche Riley seinem kleinen Bruder irgendwann in der Vergangenheit besorgt hatte. Kurz wog Riley das Gewicht der schwarzen Handfeuerwaffe mit seiner Hand ab, begutachtete es, ehe er die Ladung kontrollierte. Das Magazin war voll. Entrüstet, selbstlos ließ der Braunhaarige sich auf das Bett seines Bruders zurückfallen. Es war so weich, dass Riley hätte fast drin versinken können. 
Der verzweifelte junge Exsoldat, senkte seinen betrübten Blick, starrte das schwarze tödliche Etwas in seinen Händen an. Seine Gedanken überschlugen sich, so dass er keinen klaren Gedanken fassen und halten konnte. Alles war am Arsch. Er war am Arsch. Was gab es denn jetzt noch? 
Riley schloss die Augen, atmete einmal tief durch, als er sich den Lauf der M9 tief in seine Mundhöhle steckte. Seine Augen geschlossen, atmete er panisch, hastig ein und aus, will abdrücken, doch sein Finger machte keinen Anstand den Auslöser zu tätigen. Genervt zog Simon sich den Lauf aus den Mund, ließ die Waffe langsam zu Boden gleiten. "Nicht Mal dazu bist du im Stande, du verdammter Idiot!", beleidigte er sich selber.
Überlegend saß Riley noch eine Weile da. In dem Bett, in dem Tommy und dessen Frau geschlafen hatten, in der sie Joseph zeugten, in der sie sich gelegentlich liebten. Das Bett gehörte jetzt den Toten, verdammt für die Müllhalde.
Rileys Gedanken hatten sich mittlerweile wieder einigermaßen ordnen lassen. Er dachte darüber nach Major Hawkins anzurufen. Vielleicht konnte er zurück, wenn er Sparks und Washington melden würde? Ohne weiter zu überlegen griff Simon nach seinem Handy und wählte den Kontakt Major Hawkins aus. Er bestätigte den grünen Hörer auf dem Display, bis der Verbindungston ertönte. Es dauerte nicht lange bis jemand abnahm. "Guten Abend. Hier spricht Tara Vergil. Wie kann ich Ihnen helfen?", begrüßte ihn eine unbekannte fremde weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Verwirrt blickte Simon durch das Schlafzimmer, ehe er antwortete. "Ist das nicht die Telefonnummer von Major Hawkins?" Die Frau schwieg kurz. "Doch doch, aber...", fing sie erst an ehe sie fortsetzte. "Es tut mir Leid Ihnen sagen zu müssen, dass der Major nicht mehr unter uns weilt.", die Frau klang etwas berührt, aber auch distanziert. Sie wollte Trauer oder Bedauern ausdrücken, wo eigentlich keines für sie persönlich war. Sie kannte den Major wahrscheinlich nicht einmal. "Was?!", rief ich entsetzt in den Hörer. "Wer ist denn da? Vielleicht kann ich Sie ja weiterleiten." Genervt seufzte Riley. Alle Tod. Was zur Hölle ist hier los?! 
"Lieutenant Simon Riley 22nd SAS-Regiment.", sagte Riley und ließ das Detail, dass er suspendiert wurde einfach aus. Die Frau überlegte kurz. Schaute sie nach? "Lieutenant es tut mir wirklich Leid, dass sagen zu müssen, aber der Major wurde heute Morgen erschossen aufgefunden.", erklärte sie kurz, log wieder diese trauernde Betroffenheit vor. Riley rutschte das Handy aus der Hand, viel zu Boden und sprang in seine Einzelteile. Sparks. Washington. Roba. Sie hatten ihm alles genommen, auch fast ihn selber, doch nun sah Riley klarer denn je. Er musste sie töten, sie aufhalten. Sie würden nur noch mehr zerstören. Vielleicht andere Familien. Riley konnte und durfte das nicht zulassen.



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Irgendwie ist es kürzer geworden als gedacht und je öfter ich es lese, desto mehr find ich es nicht mehr so toll :/  Ich würde gerne mehr Ghost x Soap Geschichten lesen (ausführlich und mit einer Geschichte hinter den Beiden, nicht nur stumpfer Sex oder Liebes-Techtelmechtel). Leider bin ich bis jetzt nicht wirklich fündig geworden.  Eine fand ich sehr gut, aber ihre Geschichte war noch nicht fertig. (Unsteady von Stolzbleibt: https://www.fanfiktion.de/s/58b214610003ae6bf222241/1/Unsteady) Ich warte jetzt gespannt wie es dort weitergeht. Wegen ihrer FF bin ich auch auf die Idee gekommen selber eine zu schreiben. :)