Die drei ??? und der Taylor-Burton

GeschichteDrama, Krimi / P16
Bob Inspektor Cotta Justus Peter
08.12.2018
07.07.2019
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Guten Abend meine Lieben,
nun sollt ihr endlich erfahren, warum meine Geschichte so heißt, wie sie heißt.
Ich bin sehr gespannt, was ihr davon haltet.
Viel Spaß

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Wenig später wimmelte das Gelände von Polizisten. Justus und Bob standen etwas abseits des Geschehens und sahen zu, wie die Mitarbeiter der Spurensicherung das Gebäude betraten, in dem sie Peters Hilferuf gefunden hatten. Denn sie hatten keine Sekunde gezweifelt, daß die Inschrift an der Wand von ihrem Kollegen stammte. Nur weitere Hinweise hatten sie nicht finden können, obwohl sie natürlich ihre Chance genutzt hatten, das Haus und die angrenzende Umgebung zu durchsuchen, bevor sie Inspektor Cotta informierten.

Es war mittlerweile stockdunkel und die beiden Jungs fröstelten, aber nicht nur von der kühlen Nachtluft. Peter hatte ihnen die Nachricht bereits vor zwei Tagen hinterlassen. Eine weitere Spur hatten sie nicht. Wie sollte es nun weitergehen? Da sahen sie Cotta auf sie zukommen. Erwartungsvoll schauten sie ihm entgegen. Doch ein Blick in sein Gesicht ließ auch das letzte Fünkchen Hoffnung schwinden, dass alles nur ein Irrtum war und Peter bestimmt schon in der Zentrale auf sie warten und dabei ihren Chipsvorrat dezimieren würde. Der Inspektor sah unendlich müde und erschöpft aus. Noch nicht einmal eine Standpauke hatte er ihnen gehalten, als er erfahren musste, daß sie ihm erneut Informationen vorenthalten hatten.

„So, nun erklärt mir doch noch mal genau, was es mit dieser Jacke und dem GPS-Anhänger auf sich hatte“, bat er die beiden. Justus fasste alles nochmal zusammen und sein Gegenüber machte sich einige Notizen. Nachdem er sich Jeffreys Namen und Adresse notiert hatte, stecke er seinen Block sorgsam in die Innentasche seiner Jacke und sah die beiden Detektive eindringlich an.

„Als ich euch gebeten habe, eure Nachforschungen in dieser Sache zu unterlassen, war das kein Spaß. Wir haben es hier mit gefährlichen Verbrechern zu tun, gewaltbereit und unberechenbar. Ob sie etwas mit Peters Verschwinden zu tun haben, kann ich noch nicht sagen, wir tappen in vielerlei Hinsicht leider noch im Dunkeln.“ Er seufzte und fuhr sich mit den Händen über die geröteten Augen. „Seine Eltern sind gerade in Europa, sagtet ihr? Wie kann ich sie denn erreichen? Hoffentlich hat es mit dem Hilferuf nichts auf sich, aber sie sollten zumindest darüber informiert werden, dass ihr Sohn sich seit 48 Stunden bei niemandem gemeldet hat.“

Seit 48 Stunden ist er verschwunden, da hast du ganz richtig gehört. Und was hat der Oberschlauberger Justus Jonas unternommen? Nichts, gar nichts! Weil er es nicht gemerkt hat.

Justus schüttelte den Kopf, um die anklagende Stimme in seinem Kopf zum Verstummen zu bringen. Selbstvorwürfe halfen im Moment niemanden, am allerwenigsten Peter. Er nannte dem Inspektor die Notfallnummer, die Peters Vater ihm gegeben hatte, und blickte zu Bob hinüber. Der dritte Detektiv hatte die Arme um den Körper geschlungen und fixierte einen Punkt an der Küste unter ihnen. Er sah aus, als könnte er nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. Wahrscheinlich machte er sich die gleichen Vorhaltungen.

„Inspektor Cotta, ich denke angesichts der geänderten Situation ist es sinnvoll, wenn Sie Ihre Informationen mit uns teilen. Sie wissen, dass wir von großem Nutzen sein können und...“, setzte Justus an.

„... und ich dann auch euren Verwandten mitteilen darf, dass ihr flöten gegangen seid?“, unterbrach ihn Cotta scharf. „Denkst du, nur weil ihr schon zu oft eure Nasen in Dinge gesteckt habt, die euch nichts angehen, seid ihr besser als die Polizei von Kalifornien? Wie oft hattet ihr mehr Glück als Verstand? Reicht es nicht, dass euer Freund offensichtlich in großen Schwierigkeiten steckt? Ihr fahrt jetzt nach Hause und haltet die Füße still. Sobald euch etwas, egal was, einfällt, dass ihr uns noch nicht mitgeteilt habt, informiert ihr mich sofort. Weiter nichts, ist das klar?“ Eindringlich sah er den beiden Jungen in die Augen und wartete auf eine Antwort. „Ich höre?“, hakte er nach, als nichts kam.

Justus und Bob tauschten einen hilflosen Blick. So kannten sie den Inspektor nicht. Natürlich war er nie begeistert gewesen über ihre Alleingänge und es hatte auch schon den einen oder anderen Rüffel gegeben, aber sie so komplett im Dunkeln zu lassen, war schon sehr ungewöhnlich. Und es machte ihnen Angst. War er nun da? Der Zeitpunkt, der irgendwann kommen musste? An dem etwas schrecklich schief ging und sie nicht nach dem gelungenen Abschluss eines Falls zusammen in der Zentrale sitzen und stolz das letzte bestandene Abenteuer Revue passieren lassen würden?

Bob fand als erster die Sprache wieder. „Aber können Sie uns bitte auf dem Laufenden halten?“, bat er. „Wir werden auch nichts weiter unternehmen.“

„Ich melde mich, sobald sich etwas Neues ergibt“, versprach Cotta. Dann winkte er einen uniformierten Kollegen heran, der die beiden Detektive zu ihrem Auto brachte.

Auf der Rückfahrt überfuhr Bob fast eine rote Ampel, bei der nächsten verpasste er die Grünphase und erntete ein Hupkonzert von den Fahrern hinter ihm. Justus bekam von alledem nichts mit, er starrte gedankenversunken aus dem Fenster. Umso mehr erschrak er, als das Handy in seiner Hosentasche laut den Eingang einer neuen Nachricht verkündete. So schnell schon Neuigkeiten? Bob wollte schon zu einem Wendemanöver ansetzen, als er den ersten Detektiv neben sich enttäuscht seufzen hörte.

„Nun sag schon, was gibt?“, wollte er wissen.

„Es ist Jeffrey, er fragt, ob wir seine dämliche Jacke und seinen Schlüssel gefunden haben. Wir sollen die Sachen bitte für ihn aufbewahren, er ist nämlich jetzt mit seiner Familie im Urlaub.“ Justus schnaubte wütend. „Als ob wir nichts Besseres zu tun haben, als uns um seine verschwundenen Habseligkeiten zu kümmern. Ich informiere schnell Inspektor Cotta, damit er nicht unnötigerweise zu den Palmers fährt. Und vielleicht gibt es ja auch schon neue Hinweise.“

Der Inspektor bedankte sich bei Justus für die Information, legte aber sofort wieder auf, bevor der erste Detektiv auch nur zu einer Frage ansetzen konnte. Bedrückt steckte er sein Handy wieder ein.

Am Schrottplatz angekommen, liefen die beiden Detektive schnell in die Zentrale, aber es war kein Wunder geschehen. Peter war nicht da, auch keine Nachricht von ihm. Bob fiel erschöpft auf Couch und schloss die Augen. Vielleicht war das alles ja nur ein schlechter Traum. Gleich würde er die Augen wieder aufmachen und sich mit seinen beiden besten Freunden am Strand wiederfinden. Doch Justus riss ihn unsanft aus seinen Gedanken.

„Die Sitzung ist eröffnet, wenn auch erneut in unvollständiger Besetzung. Bob, vor unserem Ausflug in die Santa Monica Mountains lautete dein Auftrag, Informationen über mögliche Verdächtige zu sammeln. Warst du erfolgreich?“

Bob war fassungslos. „Ist das dein Ernst? Du willst tatsächlich weitermachen, als wäre nichts geschehen? Als wäre das hier ein Fall wie jeder andere? Hast du eben nicht zugehört?“

Und wie ich zugehört habe. Soweit wir wissen beziehungsweise vermuten, ist Peter skrupellosen Gangstern in die Quere gekommen und befindet sich nun in ihrer Gewalt. Wir müssen jetzt herausfinden, wer diese Verbrecher sind und was sie vorhaben. Nur so können wir unserem Zweiten helfen. Er verlässt sich auf uns und wird uns weitere Hinweise hinterlassen, so gut er kann. Davon bin ich überzeugt. Nur wird die Polizei diese eventuell übersehen, weil sie Peter nicht so gut kennt wie wir. Egal was Inspektor Cotta uns vorschreiben möchte, wir werden nicht tatenlos rumsitzen und warten, bis es vielleicht zu spät ist. Also, deine Ergebnisse bitte, ich bin mir sicher, dass deine Nachforschungen nicht ergebnislos verlaufen sind.“ Bei den letzten Worten hatte Justus sich nach vorne gelehnt und sah seinen Kollegen nun auffordernd an.

Der für Recherchen zuständige dritte Detektiv musste schlucken. Natürlich hatte Justus Recht, wie immer. Ihr Freund brauchte sie jetzt. Dann fielen ihm auch die Artikel wieder ein, die er ausgedruckt hatte. Davon hatte er ja noch gar nichts erzählt. Er zog die Kopien aus dem Rucksack und berichtete von seinen Nachforschungen. Der erste Detektiv hörte konzentriert zu und malträtierte wie gewohnt seine Unterlippe.

Ich denke, du könntest Recht haben“, kommentierte er nach einigen Minuten des Nachdenkens. „Nach allem was wir wissen, passt das Profil der Gesuchten auf diese Diamantendiebe. Allerdings ist mir immer noch unklar, welche lukrative Beute sie in unserer Shoppingmall vermuten.“ Er blickte auf die Broschüre mit dem Verzeichnis sämtlicher Geschäfte. „Wir müssen etwas übersehen haben. Vielleicht ist der Flyer nicht mehr aktuell. Ich schau mal auf der Internetseite.“


Die Homepage der Shoppingmall war auch ´renoviert´ worden und sah sehr ansprechend aus. Und tatsächlich enthielt sie neue Informationen. Quer über den Bildschirm verlief ein Banner, das die baldige Eröffnung eines Auktionshauses verkündete. Passend zur Nähe zu Hollywood würde es hauptsächlich Wertvolles und Kurioses aus der Welt des Films versteigern. Auf der feierlichen Eröffnungsveranstaltung - Eintritt frei für jedermann - würde man eine einmalige Kostbarkeit aus dem Bereich des Showbusiness zu sehen bekommen, verkündeten die Veranstalter.

„Sehr gut, Dritter. Jetzt wissen wir, vorauf sie aus sind“, verkündete Justus zufrieden.

„Ach ja? Tun wir das?“ Bob verstand nur Bahnhof.

Justus seufzte und rief eine weitere Internetseite auf. Dann drehte er den Monitor, so dass Bob mitlesen konnte. Es war ein Informationsportal über seltene Diamanten.

„Hier“, Justus wies auf auf einen Abschnitt im unteren Bereich des Bildschirms. „Der Taylor- Burton. Ein tropfenförmiger Diamant vor 75 Karat, der 1969 von Richard Burton für seine Ehefrau Elisabeth Taylor erworben wurde. Der genaue Kaufpreis wurde nie genannt, lag aber sicher bei über einer Million Dollar. Nach der Scheidung der beiden wurde der Stein weiterverkauft, aber der Name blieb. Der Taylor-Burton. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dies die angepriesene Kostbarkeit ist. Welche andere Rarität aus dem Bereich des Films würde professionelle Juwelendiebe nach Rocky Beach locken?“

„Dann müssen wir sofort Inspektor Cotta informieren“, rief Bob und griff zum Telefon.

„Mitnichten, da die Polizei darüber bereits im Bilde ist. Was sonst würde eine so aufwendige Überwachung der Shoppingmall rechtfertigen?“, gab Justus zurück. „Wir müssen jetzt,....“.

Da verstummte er. Auch Bob hatte das Geräusch gehört, das unverkennbare Quietschen des grünen Tores, einer der geheimen Zugängen zu ihrem Hauptquartier. Beide sahen sich an und grinsten. Peter kam. Endlich. Sie sprangen auf und öffneten die Tür, um ihren vermissten Kollege zu begrüßen. Doch vor der Tür stand nicht Peter.

„Rubbish George, was machst du denn hier?“ fragte Justus erstaunt und sah an dem mittlerweile sesshaft gewordenen Landstreicher vorbei, in der Hoffnung, ihren zweiten Detektiv zu sehen.
„Wo ist Peter?“


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