Die drei ??? und der Taylor-Burton

GeschichteDrama, Krimi / P16
08.12.2018
08.03.2019
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Dieses Kapitel
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Guten Abend alle zusammen,
ich finde, ihr hattet genug Zeit zum Rätseln, wie es wohl weitergeht. Da will ich euch mal nicht länger auf die Folter spannen.
Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel.

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Sonntag Nachmittag

Das war ja mal wieder typisch Just. Kein Wort der Erklärung, um was für eine Neuigkeit es sich handelte. Oder wenigstens eine kurze Frage, ob er, Bob, schon etwas herausgefunden hatte. Nur ein Befehl. Trotzdem zögerte Bob keine Sekunde. Er fuhr den Rechner runter, steckte die Artikel in seinen Rucksack und eilte die Treppe hinunter. Für seine Eltern hinterließ er eine Nachricht auf dem Küchentisch, dass er bei Justus übernachten würde. Um Erlaubnis fragen musste er dafür schon lange nicht mehr.

Er fand seinen Kollegen wie erwartet in der Zentrale. Der erste Detektiv saß am Schreibtisch und starrte auf den Computermonitor vor ihm. Soweit Bob es erkennen konnte, hatte er eine Karte der Berge nördlich von Santa Monica aufgerufen.

Bob setzte sich neben ihn und blickte ebenfalls auf den Rechner. Eine rote Stecknadel markierte eine Stelle mitten im Nirgendwo.

„Das ist also unsere Spur?“,wollte er wissen.

„Was?“ Justus schreckte aus seinen Gedanken hoch. Anscheinend hatte er Bobs Ankunft gar nicht bemerkt. Doch diesen kleinen Moment der Schwäche überging er schnell und begann mit seinen Ausführungen.

„Die Lage ist folgendermaßen: Ich wollte gerade bei Kelly klingeln, als mich ein Anruf von Jeffrey ereilte. Er faselte wirres Zeug über seinen Autoschlüsselanhänger und gescheitertes Bauvorhaben. Es hat mich Einiges an Geduld und Zeit gekostet, bis ich schließlich die ganze Geschichte rekonstruiert hatte. Jeffrey hat seinen Autoschlüssel schon so oft beim Surfen am Strand verloren, dass seine Eltern ihm einen Schlüsselanhänger mit GPS-Funktion geschenkt haben. Das Gerät war wohl nicht billig, erfüllt aber seinen Zweck. Es kann bis auf einen Meter genau geortet werden und erleichtert die Suche erheblich. Gestern morgen hast du ja selbst mitbekommen, dass Jeffrey seinen Schlüssel suchte und ihn bei Peter vermutete. Leider ist ihm erst heute morgen diese Suchfunktion wieder eingefallen und er hat eine Abfrage gestartet. Die letzten Signale wurden von diesen Koordinaten gesendet.“ Justus wies auf die markierte Stelle. „Und zwar in der Nacht von Freitag auf Samstag.“ Er richtete seinen Blick wieder auf den Bildschirm und knetete konzentriert seine Unterlippe.

Bob sah ihn irritiert an. „Und was sagt uns das jetzt? Meinst du, Peter ist mal eben alleine in die Berge gefahren? Zum Zelten? Und was für ein Bauvorhaben meinte Jeffrey?“

„Genau an der markierten Stelle sollte ein Hotel entstehen. Vielmehr ein Yoga- und Wellness-Resort der Luxusklasse. Die Lage ist dafür prädestiniert: hoch in den Bergen, mit Blick auf das Meer und sehr abgeschieden. Es führt nur eine Straße hinauf und der nächste Nachbar ist ca. fünf Meilen entfernt. Der Bau wurde allerdings nicht fertiggestellt. Die starken Regenfälle im letzten Frühjahr haben zu Wassereinbrüchen geführt. Auch wurde ein Teil der schon fertigen Gebäude von einer Schlammlawine fast vollständig zerstört. Dies hat weitere Untersuchungen nach sich gezogen mit dem Ergebnis, dass das Gelände für ein Bauprojekt dieser Größenordnung gar nicht geeignet ist. Diverse bauliche Auflagen sind ebenfalls nicht beachtet worden, was wiederum einige Naturschützer auf den Plan rief, die....“.

„Das weiß ich auch“, unterbrach in Bob unwirsch. „Es wurde ja ausführlich in den Medien darüber berichtet. Aber wärst du jetzt so freundlich, mich aufzuklären, was das mit Peters Verschwinden zu tun hat? Auch wenn ein Streit mit Kelly ihn meistens ziemlich aus der Bahn wirft, in ein marodes Gebäude zu ziehen, ist schon ziemlich weit hergeholt.“

Justus sah ihn ungeduldig an. „Nun, Jeffreys Jacke ist, vermutlich mitsamt darin befindlichem Schlüssel und GPS-Gerät, von der Party verschwunden. Wenn seine Vermutung zutrifft, dass Peter bei seinem überhasteten Aufbruch die Jacken verwechselt hat, können uns diese Koordinaten möglicherweise einen weiteren Hinweis auf den Verbleib der Jacke und damit auch auf Peters Aufenthaltsort geben.“

„Bist du dir sicher?“ der dritte Detektiv war nicht überzeugt. „ Ich meine, schließlich hätte jeder Jeffreys Jacke mitnehmen können. Vielleicht wusste jemand von dem GPS-Anhänger und wollte ihm einen Streich spielen. Oder Jeffrey hat die Jacke verloren und jemand hat sie gefunden und behalten. Vielleicht ein Obdachloser. Ich könnte mir vorstellen, dass einige die ehemalige Hotelanlage als Unterschlupf nutzen.“

„Natürlich ist mir durchaus bewusst, das es zahlreiche weitere und deutlich plausiblere Erklärungen für diesen Vorfall gibt. Nur ist Peter seit fast 48 Stunden von der Bildfläche verwunden und das hier ist bislang unsere einzige Spur. Daher schlage ich vor, wir fahren hin und sehen und vor Ort um. Oder hast du eine bessere Idee?“ Justus erhob sich aus dem Bürosessel und griff nach seinem Rucksack, der schon fertig gepackt neben ihm stand.

Bob war irritiert. Justus Jonas, das unfehlbare Genie, fragte ihn nach seiner Meinung. Er musterte ihn genauer. Auf den ersten Blick machte der erste Detektiv wie üblich einen überlegenen Eindruck. Doch unter der selbstbewussten Maske verbarg sich etwas, das Bob bislang kaum an ihm gesehen hatte: Angst. Angst um ihren Detektivkollegen, der wirklich viel zu lange nichts von sich hatte hören lassen. Ohne ein weiteres Wort machten sich die beiden in Bobs Käfer auf den Weg in die Berge.

Fast hätten sie die Abzweigung zu ihrem Ziel verpasst. Nicht nur das Hotel war unvollendet geblieben, auch die zuführende Straße war kaum mehr als eine Schotterpiste. Halb hinter Büschen verborgen stand jedoch noch ein verbogenes Hinweisschild, das ihnen den Weg wies. Nach wenigen Kilometern vorbei an Büschen und Felsen erreichten sie das Gelände. Es war von einem Metallzaum umgeben. Auch die Straße war abgesperrt und Bob parkte sein Auto am Straßenrand. Er war froh, dass sie endlich ihr Ziel erreicht hatten. Während der Fahrt hatte eine bedrückende Stille geherrscht, aber nun würde sich bald alles aufgeklärt haben. Er war sehr gespannt, welche Geschichte Peter ihnen präsentieren würde. Dann würden sie ihm eine gehörige Standpauke halten, sich dann lachend vertragen und zum Stand fahren, um einen wohlverdienten Milchshake zu genießen. Oder nicht? Was wäre, wenn...

„Dort hinten auf dem sandigen Boden scheinen relativ frische Reifenspuren zu sein“, unterbrach Justus seine düsteren Gedanken. Der erste Detektiv war ausgestiegen, kaum dass der Wagen stand und hatte sich bereits umgesehen.

„Auch scheint jemand diesen Bauzaun kürzlich bewegt zu haben, hier sind Schleifspuren auf den Steinen zu sehen“, fuhr er fort.

Bob hatte inzwischen ebenfalls den Wagen verlassen und ließ seinen Blick über das Terrain schweifen. Im Westen, am Fuße der Berge, erstreckte sich der Pazifik, im Osten erhob sich hinter den Santa Monica Mountains das Küstengebirge mit seinen felsigen Hängen. Die untergehende Sonnte tauchte alles in ein rotgoldenes, fast überirdisches Licht. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde. Doch der Bereich direkt vor ihnen zerstörte diesen friedlichen, harmonischen Eindruck auf fast brutale Weise. Die Vegetation war zerstört worden durch die großen Baumaschinen, die hier zum Einsatz gekommen waren. Einige von ihnen erhoben sich wie metallene Gerippe aus dem Geröll, das die Schlammlawine mit sich gebracht hatte. Die Gebäude hätten sich gut in die Landschaft eingefügt, wenn sie fertiggestellt worden wären. So ragten sie nur als graue Betongerüste in den Abendhimmel.

Justus hatte sich inzwischen an der Umzäunung zu schaffen gemacht. Mit einem Seitenschneider hatte er die Verbindung von zwei Zaunelementen durchtrennt und sie auseinander geschoben. Das „Betreten verboten“-Schild direkt neben ihm ignorierte er geflissentlich. Es war seltsam, Justus bei dieser Tätigkeit zu beobachten, die normalerweise Peter übernommen hätte. Bob zwang sich, das ungute Gefühl, das ihn seit ihrem Aufbruch beschlichen hatte, zu unterdrücken und folgte seinem Kollegen auf das Gelände.

Die Auffahrt beschrieb eine leichte Kurve und führte auf das größte Gebäude zu. Justus blickte konzentriert auf einen Plan des Grundstücks, den er vor ihrer Abfahrt ausgedruckt haben musste. Es schien ein Werbeflyer mit einer computeranimierten Version der geplanten Hotelanlage und Außenbereiche zu sein, wie Bob sie schon von anderen Bauprojekten gesehen hatte. Viel Ähnlichkeit hatten Plan und Wirklichkeit nicht mehr. Doch was die Reifenspuren anging, hatte Justus Recht gehabt. Teile der Straße waren von Erde und Sand bedeckt und zeigten deutlich die Profilabdrücke eines Wagens. Bob ging in die Hocke und betrachtete die Spuren genau. Sie überlagerten sich zum Teil, schienen aber alle vom gleichen Wagen zu stammen. Ohne weiter nachzudenken holte er die Kamera aus seiner Tasche und machte ein paar Aufnahmen. Dieser Teil der Detektivarbeit war ihm mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen.

„Diese Reifenspuren sind noch nicht sehr alt“, kommentierte Justus. Auch er hatte sich hingekniet, um sie genauer zu betrachten. Dann richtete er sich auf und folgte ihrem Verlauf mit den Augen.

„Sie führen allerdings nicht zu dem Hauptgebäude, sondern biegen vorher nach rechts ab. Dem Bebauungsplan zufolge müsste sich dort die technische Zentrale befinden. Und auch Jeffreys Autoschlüssel, wenn die Angaben der letzten Ortung korrekt sind.“

Sie sahen sich an. Sollte es so einfach sein? Auf dem Weg dorthin sahen sie sich weiter um, konnten aber nichts Ungewöhnliches entdecken. Wenn man von den Reifenabdrücken absah deutete nichts darauf hin, dass sich hier in letzter Zeit jemand aufgehalten hatte.

Der Bungalow, welcher die Haustechnik beherbergen sollte, stand etwas abseits von der übrigen Anlage in einer kleinen Senke. Es war der einzige Teil der Anlage, der noch intakt schien. Die Fahrzeugspuren führten direkt darauf zu, doch ein Wagen war nirgends zu sehen.

Mittlerweile war die Dämmerung schon weit fortgeschritten und Justus und Bob schalteten ihre Taschenlampen ein, als sie das Gebäude durch die unverschlossene Eingangstür betraten. Peter hätte mit geübtem Blick erkannt, dass das Schloss nicht mit einem Schlüssel, sondern einem Dietrich geöffnet worden war, aber er war ja nicht bei ihnen.

Die beiden Detektive fanden sich in einem schmalen fensterlosen Flur wieder, von dem mehrere Türen abgingen. Es roch ziemlich muffig. Justus leuchtete die Wand neben der Tür ab und fand einen Lichtschalter. Er betätigte ihn und entgegen seinen Erwartungen gingen mehrere Deckenlampen an. Kalte, helles Neonlicht tauchte den Gang vor ihnen in ein unangenehm grelles Licht. Die Wände waren aus unverputztem Beton und bloßer Estrich bedeckte den Fußboden. Mehrere Rohre liefen an den Wänden entlang, wie in einem Versorgungstunnel.

„Komm, wir durchsuchen die Räume“, schlug Justus vor. „Unglücklicherweise sendet Jeffreys toller Anhänger nicht mehr, das hätte uns einiges an Arbeit abnehmen können.“

Die erste Tür führte in einen relativ großen ebenfalls fensterlosen Raum, der wie der Flur von einer Neonröhre erhellt wurde. Drinnen standen ein Tisch und mehrere Stühle. Sie waren wahrscheinlich von den Arbeitern zurückgelassen worden und standen schon länger hier herum. Jedenfalls waren sie ziemlich verstaubt und dreckig. Sonst war der Raum leer.

Die benachbarte Kammer war deutlich kleiner. Auch sie war leer bis auf einen blauen Eimer, der in der Ecke stand. Justus wollte gerade wieder hinausgehen, als er aus den Augenwinkel etwas erblickte. In einer Ecke schien etwas in die Wand geritzt worden zu sein, eine Markierung oder so. Er trat näher und besah die Stelle genauer. Doch was er sah, wollte er nicht wahrhaben. Natürlich hatte er auf eine Spur von Peter gehofft, aber nicht auf diese hier: ein Fragezeichen, das Datum von Freitag und ein Wort. Hilfe!
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