Tage der Veränderung

von Onlyknow3
OneshotKrimi, Familie / P16
J.B. Kai Sagano Kei Enjoji Ranmaru Samejima Tashiro
08.12.2018
08.12.2018
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180 Graddrehung

Es gibt Ereignisse, die eine ganze Lebenseinstellung verändern können, wenn ich heute so zurückschaue, auf das, was früher mein Leben war. Was mir meine Eltern als Weg vorgegeben haben, und das, was ich jetzt als Leben bezeichne, dazwischen liegen Welten. Andere würden sagen, ich habe mich um 180 Grad gedreht, wieder andere, ich habe den falschen Weg gewählt, und ich sage, ich habe den richtigen genommen. Denn nur so, konnte ich meine große Liebe wiederfinden. Indem ich denselben Weg wählte, wie er.


Ich weiß noch, wie wir uns begegnet sind. Eine Begegnung, die für mich auch hätte tödlich enden können. Es war Zufall, dass ich an diesem Abend nicht mit meinen Kommilitonen von der Uni unterwegs gewesen bin. Doch es war auch mein größtes Glück. Ich fand an diesem Abend den Menschen, der mein Leben in eine total andere Richtung gewiesen hat, ohne es erst zu wollen.

Ihr wollt sicher wissen, wer dieser Mensch war und ist. Nun er nennt sich nur JB. Seinen richtigen Namen hat er mir damals auch genannt. Jack (J) Birnbaum (B) Neson. Jetzt wollt ihr sicher wissen, wer ich bin. Tashiro. Mein voller Name lautet Roy Carsten Tashiro (Tashiro). Ich bin Halbjapaner, mit deutschen Wurzeln mütterlicherseits.

Jack war damals wegen einem Auftragsmord in der Stadt gewesen, und ich hatte gesehen, wie er den Mann erschossen hat. Als er sich vom Tatort entfernen wollte, sah er mich, an der Ecke der Gasse stehen. Im ersten Augenblick dachte ich noch, das war´s, doch dann stand Jack plötzlich vor mir, mit der Waffe im Anschlag. „Kleiner, du hast Glück, dass ich nicht auf Kinder schieße. Und du bist auch noch ein neugieriges Kind, sonst wärst du weggerannt. Kein Wort darüber, oder ich überlege es mir. Merke dir, ich finde dich, egal wo du dich versteckst, und ich treffe immer.“

Ich sah mir die Waffe an und schluckte, doch dann hatte mich der Teufel geritten. Mehr kann ich dazu nicht sagen.


„Ach, ja? Und wie willst du mich finden, wenn ich nicht gefunden werden will?“


Der Fremde sah mich an und lachte leise auf.


„Kleiner, soll das eine Herausforderung werden, wie schnell ich dich finde?“


Er musterte mich eine Weile.


„Hm. was bezahlst du, wenn ich dich finde. Ich bin nicht billig, Kleiner. Und so, wie ich dich einschätze, bist du noch Schüler oder Student?“


Jetzt war ich ganz perplex. Woher wusste er das? Hatte er mich am Ende beobachtet? Wusste er mehr von mir, als ich dachte?

Wieder lachte der Mann vor mir, und schien auch meine Frage zu kennen.


„Kleiner, du bist nicht zu übersehen, mit deinen blonden Haaren, und den schönen seetiefen blauen Augen. Du bist mir vor ein paar Tagen schon fast ins Auto gerannt, mit deiner Clique, da unten am Hafen, in Shinjuku, als ihr dort gefeiert habt.“


Ich sah dem Fremden direkt in die Augen. Ein Fehler. Ich war sofort von Ihnen Gefangen, und nun ging der Wildfang in mir durch, bei dem meine Freunde meist sagen, ich hätte den Teufel im Leib.


„Hm. Dann haben wir ein Problem Mister. Ich bin, wie sie schon festgestellt haben, ein kleiner armer Student, der sich sein Studium selbst finanziert. Also muss ich ihr Angebot leider ablehnen. Von daher sag ich jetzt wohl besser ‚Tschüss‘ und ‚Leben Sie wohl‘.“


Ich wandte mich von ihm ab und wollte gehen, da hielt er mich fest, nahm mit einer Hand mein Kinn in die Hand und hielt so meinen Kopf fest.


„Nicht so schnell, junger Mann. Name, Adresse und Telefonnummer. Ich brauche schon einen Anhaltspunkt, wo die Suche losgehen kann.“


Ich schüttelte den Kopf und fing an zu lachen. Ich konnte nicht mehr. Der Kerl kannte mich nicht mal und flirtete hier mit mir herum. Na, wenn er das so wollte, ich konnte das auch.


„Ein Anhaltspunkt, also, hm. … Ja, ich hab einen. Das Picadio. Ist eine Spielothek mit Computerspielen. Dort arbeite ich dreimal die Woche, vor oder nach den Vorlesungen, an der Uni. Das andere, Mister, erfahren Sie, wenn sie mich gefunden haben. Bis dahin, lautet mein Name nur Tashi, und nun ‚Gute Nacht‘! Ich muss morgen früh raus.“


So verließ ich die Gasse, in der das Attentat stattgefunden hatte. Ich war noch nicht weit gekommen, da traf ich auf Kei. Er war, wie ich, Student, und wir kannten uns von der Uni. Er und Ranmaru zählten zu meinem Freundeskreis, doch schien er irgendwie nicht so gut drauf zu sein. Irgendwas musste passiert sein. Vielleicht war etwas mit Ranmaru nicht ok? Vielleicht hatten sie sich gestritten? Mir fiel auf, dass er seine Haare ganz anders trug, als sonst. Sie waren kürzer.


„Ist was passiert?“, fragte ich deshalb. Kei nickte nur, doch sagen wollte er wohl lieber nichts dazu, darum bohrte ich auch nicht weiter nach.


„Und was treibst du noch hier? Wolltest du nicht schon vor einer Stunde zu Hause sein und schlafen, weil du Frühschicht hast?“


„Ja, das wollte ich, wurde nur leider aufgehalten. Bin aber jetzt auf dem Weg nach Hause. Tschüss, und gute Nacht, Kei. Grüße Ran-chan von mir.“


„Richte ich aus, Tashi. Dir auch eine gute Nacht, und komm gut Heim.“


Damit ging ich weiter. Kurze Zeit später war ich in meiner Wohnung angekommen.


Ich hatte keine große Lust auf das Versteckspiel mit dem Fremden, von daher, traf ich mich mit Kei, Ran-chan und Sagano, der mir mit seiner Anschmachterei auf die Nerven ging. Kai wusste nicht, dass ich mit seinem Bodyguard schon so einige Nächte verbracht und das Bett geteilt hatte. Denn dann würde er mir den Hals umdrehen. Doch meine Gedanken wurden eines Abends auf etwas gelenkt, womit ich nicht gerechnet hatte.

Wir saßen am Tisch in unserem Stammcafé, als es laut wurde. Es kamen neue Gäste. Unter ihnen auch der Fremde, den ich ignorierte. Die Kellnerin Susanne, von allen nur Susi genannt, schrieb auf, was die Kerle wollten, als sich plötzlich einer an ihr vergriff, und ihr mehr als deutlich zeigte, was er jetzt gerade mit ihr vorhatte. Damit versuchte er auch schon, sie auf den Tisch, zwischen die anderen zu ziehen. Keiner stand auf und wollte helfen. Als ich die Initiative ergreifen wollte, wurde ich von dem Fremden zurückgehalten. Und ehe jemand noch was tun konnte, hatte er Susi vom Tisch hinter sich gezogen und sah sich die Vier an. Er sagte nichts, nur seine Ausstrahlung allein genügte, und die vier waren so schnell verschwunden, wie sie gekommen waren.


„Kleiner. Mach dir an solchen Leuten nicht die Finger schmutzig. Dafür bist du viel zu niedlich.“


Nach dieser Aussage von ihm, direkt vor meinen Freunden, spürte ich, wie mir die Röte in die Wangen stieg.


„So ist das, also. Du stehst auf ältere Männer. Warum sagst du mir das nicht? Darum kann ich nicht bei dir landen. Und ich mach mir umsonst Hoffnungen.“


Nun färbten sich meine Wangen tiefrot, durch die Worte von Sagano. Ran und Kei lachten nur, wegen meiner Verlegenheit. Ich war nur froh, dass die Semesterferien ab Montag begannen. Denn dann hatte ich drei Monate meine Ruhe, vor der Bande. So bezahlte ich, und verließ auch das Café, um schnell noch meine Einkäufe zu erledigen, die ich wärend der Ferien brauchte, um dann nach Hause zu gehen.

Die Einkäufe waren dann aber der Grund dafür, dass ich den vier Halunken aus dem Café wehrlos gegenüberstand. Asahi holte aus. Ich kniff die Augen zusammen, doch der Schmerz blieb aus. Stattdessen hörte ich das Knacken von Knochen, den Schmerzensschrei eines Menschen und dann schnelle Schritte, die sich entfernten.


„Kleiner, bist du in Ordnung? Oder haben die dich verletzt? Kannst du aufstehen? Komm, ich helfe dir.

Gib mir deine Hand."


Vor mir stand der Fremde wieder. Wie war er so schnell hier gewesen? Und warum half er mir jedes Mal? Diese Gedanken und ähnliche, beschäftigten mich, seit dem ersten Treffen mit ihm. Ich schüttelte den Kopf. Was der Mann wohl missverstanden hatte.


„Soll ich einen Krankenwagen rufen? Brauchst du einen Arzt?“


Wieder konnte ich nur den Kopf schütteln.


„Was ist dann mit dir?“


In meinem Kopf ging es drunter und drüber, doch eine Antwort musste ich ihm wohl geben.


„Danke, aber daran bist du doch schuld. Seid du hier aufgetaucht bist, ist alles im Chaos. Und ich weiß nicht mal, warum das so ist. Ich hab doch nichts gemacht? Also, warum lässt du mich nicht endlich in Ruhe und gehst wieder?“


Der Fremde sah mich an und fing an zu grinsen.


„Kleiner, kann es sein, dass du dich in mich verliebt hast? Dann vergiss es. Ich bin ein Todesengel und kann keinen Anhang gebrauchen. Vergiss, das nicht. Auch wenn du sehr niedlich bist. Doch ich will, dass du dein Leben lebst, Kleiner.“


Ich hatte genug gehört, nahm meine Einkäufe und ließ ihn einfach stehen. Er hatte mir wohl eher unbewusst gerade das Herz gebrochen. Doch verstand ich das selbst noch nicht.


Ich fuhr andern Tags mit dem Zug nach Yokohama, wo Bekannte von früher ein Heim leiteten, in dem Kinder mit schweren traumatischen Erlebnissen lebten. In diesem Heim, hatte er auch bis vor einem Jahr gelebt.

Nun würde ich Maria, Jannik, Jo, und auch Elisa wiedersehen, ob sie schon sprechen konnte? Wenigstens wollte sie es versuchen, bis ich wiederkomme, weil sie mir dann was sagen will.


Ich war über den wirren Gedanken wohl eingeschlafen, doch die Durchsage, dass wir in Yokohama einfuhren, und mir nur eine Minute zum Aussteigen blieb, ließ mich hochschrecken, da ich hier raus musste. Da ich mich hier auskannte, wusste niemand, dass ich kam, um meine Semesterferien hier zu verbringen, auf die ich mich schon seit ein paar Tagen wirklich gefreut hatte.

Schon von weitem war das Haus zu sehen, doch irgendwas sagte mir, dass etwas nicht stimmte. Sonst rannten mir schon von weitem die Kinder entgegen, oder man hörte sie wenigstens laut schreien. Doch heute war es still. Zu still für ein Kinderheim. Beim Näherkommen sah ich den Krankenwagen wegfahren. Dann stand Jo vor mir und weinte.


„Jo, was ist passiert?“


Er schüttelte den Kopf und deutete auf das Haus. Ich nahm ihn hoch, meinem Koffer in der anderen Hand, und betrat mit ihm das Gebäude. Da stand Schwester Maria vor der Zimmertür zu Elisas Zimmer. Auch sie hatte mit den Tränen zu kämpfen, doch sie nahm mir Jo aus dem Arm, hielt ihn kurz fest und schickte ihn dann zu den anderen in den Garten.


„Was ist passiert?“, fragte ich sie.


Maria schaute mich an, dann setzte sie zum Erzählen an, als Jo plötzlich wiederholt vor mir stand.


„Böse Männer haben Elisa wehgetan, Tashiro.“, kommt es schluchzend von dem kleinen Jungen.


„Und ich konnte ihr nicht helfen. Sie hat so geschrien, Tashiro, aber ich konnte nichts tun. Sie haben mich fest gehalten und wollten mit mir das gleiche machen, aber dann kam ein Mann und hat ihnen wehgetan. Er hat mich hierher geschickt, damit ich für Elisa Hilfe hole. Doch, als ich ‚danke‘ sagen wollte, war er schon wieder weg.“


Wie vom Blitz getroffen, schaute ich Jo an. Das konnte nicht sein? Er konnte nicht hier sein. Nicht, dass ich an Verfolgung glaubte. Das war dann wohl eher Zufall. Und doch, ließ mich der Gedanke an den fremden Mann erschauern.


„Roy!“, holte mich die Stimme der Schwester aus meinen Gedanken zurück.


Ich sah sie an, und sie lächelte nur wissend.


„Du kannst in deinem alten Zimmer schlafen. Die Kinder haben darauf bestanden, es für dich freizuhalten.“


Mit einem Nicken stand ich auf, brachte meinen Koffer nach oben und räumte alles in den Schrank. Nach einer Dusche und frischen Kleidern lief ich zu den Kindern, im Park der an das Haus grenzte. Sie kamen auf mich zu, doch so richtig freuen, konnten sich Keines von ihnen. Der Schreck, wegen dem, was mit Elisa passiert war, saß allen noch in den Gliedern.

Um die Kinder abzulenken, spielte ich mit ihnen Fangen, Verstecken und Fußball. Nach dem Abendessen, als sie bereits in ihren Betten lagen, las ich Jo noch etwas vor, bis dieser eingeschlafen war.

Ich selbst brauchte frische Luft und machte einen Spaziergang zum See, in dem ich von meinem Großvater das schwimmen gelernt hatte. Auf dem Holzsteg lag jemand. Und diese Person war kein geringerer, als der Fremde aus Tokio.

Oh, Mann, wie kommt der hier her? Und was will er hier? Um meine Ruhe zu haben, ging ich einfach weiter, zur gegenüberliegenden Seite, und setzte mich dort, im Schatten eines Baumes, an den See. Dass mir der Fremde gefolgt war, hatte ich nicht bemerkt. Erst als dieser sich neben mir niederließ.


„Was wollen Sie von mir? Warum verfolgen Sie mich?“


„Hm, Roy, also. Schöner Name, Tashiro, Roy. Welcher stimmt nun? Welcher ist dein richtiger Name?“


Ich konnte ein Seufzen nicht zurückhalten. Ich konnte aber auch meine Klappe nicht halten, da ich mich von diesem Kerl gereizt fühlte.


„Finden Sie es heraus, wie ich wirklich heiße. Die einen nennen mich so, die anderen eben, so. Viel Spaß dabei.“


Damit erhob ich mich und wollte gehen, doch der Fremde zog mich in seine Arme, und damit zurück auf die Wiese, sodass ich unter ihm lag. Ich wehrte mich, doch gegen ihn hatte ich keine Chance.


„Pscht, Roy. Ich tu dir nichts. Ich möchte nur etwas wissen, was mich schon seit unserem ersten Zusammentreffen interessiert.“


Was er dann machte, konnte ich nicht verhindern, so schnell ging das. Der Fremde küsste mich. Und das nicht nur einfach auf die Lippen, nein. Er schob mir seine Zunge in den Hals, was mich erst erstarren ließ und mich dann gefangen nahm. Ein Gefühl in mir erwachte, das ich bis dahin gar nicht kannte.

Aus Atemnot löste er den Kuss und sah mich lächelnd an.


„Das war nicht dein erster Kuss. Das spürt man sofort. Aber du gefällst mir. Ich will dich und alles von dir. Deinen Körper, deine Seele und dein Herz!“


Diese Aussage verwirrte mich sehr. Und das, was er dann machte, noch viel mehr.


„Entschuldige, wenn ich mich erst jetzt vorstelle, Roy. Ich heiße Jack Birnbaum Neson.“, kam es von ihm.


Völlig verwirrt über das eben Gesagte, nannte ich dann ebenfalls meinen vollen Namen:


„Roy Carstens Tashiro.“


„Hübscher Name, mein Süßer. Gefällt mir. Roy, also. Schön, zu wissen.“


Wir lagen noch lange auf der Wiese unter dem Baum, und immer wieder küsste Jack mich. Mal sanft, mal voller Leidenschaft. Doch lösen wollte ich mich nicht von ihm. Ich fühlte mich geborgen und beschützt bei Jack. Von da an, sah ich Jack jeden Tag. Er kam in den Park, wo die Kinder spielten. Ließ sich von ihnen miteinbinden, in ihr Spiel, jagte mit ihnen über die Wiese und ließ sich das Eine oder andere Mal fangen.

Elisa wurde nach der Behandlung im Krankenhaus in eine Klinik mit psychologischer Betreuung gebracht. Sehen durfte ich sie nicht. Elisa wollte es nicht.

Doch gab es jemanden, der mich von meinen trüben und traurigen Gedanken ablenkte. Ich fühlte mich einfach nur noch wohl, wenn Jack in meiner Nähe war. Es waren drei Wochen vergangen, seit Jack und ich uns hier in Yokohama begegnet waren, und es schien, als ob die Zeit still stand. Doch der Schein trügte. Es war nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen.

Es war an einem Nachmittag, als ich mit Jo zum Einkaufen im Dorf war. Davor waren wir beide ein Eis essen. Auf dem Nachhauseweg, als wir gerade an der Ampel standen, schrie Jo plötzlich panisch auf. Ich folgte seinem Blick und sah auf der anderen Straßenseite drei Männer stehen, die den Kleinen angrinsten. Es war klar, dass sie uns den Weg versperren würden, und wir nicht so ohne weiteres aus der Stadt kommen konnten. Ich seufzte leise. Wäre doch nur Jack jetzt hier.

Jo fest an der Hand, gab ich ihm den Rat zu laufen, so schnell er konnte, und dass ich die drei von ihm ablenken würde, damit ihm nichts passieren würde. Jo nickte nur, er war wie ich angespannt. Jo nahm mir die leichte Tragetasche ab, und kaum, dass wir den Gehweg betraten, die Beine in die Hand. So schnell hatte ich ihn noch nie rennen sehen. Die andere Tasche war mir schon aus der Hand gerissen und auf die Straße geschmissen worden.


„Was soll das? Warum tut ihr das?“, fragte ich protestierend.


Ich erntete nur Gelächter. Einer der drei sah mich von oben bis unten an, und meinte nur zu seinen Kumpels.


„Was haltet ihr von Jungfrauensex?“


Ein Grinsen ging durch die Runde.


„Ich bin dabei!“


„Ich auch!“, rief da auch schon der Dritte.


Bevor ich auch nur reagieren konnte, wurde ich geschnappt und in eine der Gassen geschleift, die selbst bei Tage keiner freiwillig betrat. Einer stand links der Andere rechts, während der Dritte schon an seiner Hose nestelte und sein Glied herauszog. Die zwei anderen hielten mich nun fest, sodass der Dritte, der mich nun würgte, mir sein Glied in den Hals schob. „Schön lecken und lutschen. Wenn du tust, was ich dir sage, tut das andere auch nicht weh.“ Die anderen beiden lachten nur, und ich konnte mich nicht wehren, gegen deren Griffe. Auch der Versuch den Kopf wegzudrehen gelang nicht. Sofort wurde der Griff fester und das Glied tiefer in meinen Rachen geschoben.

Hatten sie mich dafür auf die Knie gezwungen, wurde ich jetzt wieder auf die Beine gezogen und an die Wand gedrückt, auch zogen sie mir meine Hose runter, danach zog der eine an meinem rechten und der andere an meinem linken Bein. Ich spürte noch, wie der Dritte sich hinter mich stellte und eindringen wollte, als es dreimal knallte. Doch, mir war so dermaßen schlecht, dass ich mich übergab und zusammensackte, wie ein nasser Sack. Danach wurde es schwarz um mich herum.


Als ich wieder zu mir kam, lag ich ausgezogen in einem Bett. Um mich herum war Stille. Wo ich war, konnte ich nur erahnen. Das Bett, in dem ich lag, war mit blauer Satinbettwäsche bezogen. Neben dem Bett stand ein Nachttisch, auf dem eine kleine Lampe brannte.

Beim weiteren Umsehen, konnte ich erkennen, dass es draußen bereits dunkel geworden war. Ich richtete mich in sitzende Position auf. Links neben der Tür konnte ich einen Schrank und daneben eine weitere Tür erspähen.

Erst jetzt sah ich den Bademantel, der am Fußende des Bettes lag. Diesen griff ich mir und stellte die Beine auf den Boden. Langsam stand ich auf, und ging auf die Tür zu, von der ich annahm, dass es das Bad wäre. Gerade wollte ich sie öffnen, als ich hörte, dass dahinter Wasser lief. Was jetzt? Ich musste dringend mal für kleine Jungs. Lange konnte ich nicht mehr warten, darum öffnete ich die Tür und betrat mit gesenktem Kopf das Bad, um mich, in der Ecke, in der Toilette, zu erleichtern.

Als ich mir am Waschbecken die Hände wusch und mein Gesicht mit kaltem Wasser erfrischte, wurde mir erst bewusst, dass ich angestarrt wurde. Meine Wangen begannen zu brennen, weshalb ich meinen Blick noch tiefer ins Waschbecken senkte und fluchtartig das Bad wieder verließ. Stand Jack eben wirklich nackt, in dem Raum, hinter mir? Ein Gedanke, der mir noch mehr Röte ins Gesicht trieb. Ein Schauer jagte durch meinen Körper und zog sich nach unten, wo sich etwas zu regen begann. Nein, das konnte nicht sein. Ich träumte.

Das war nur ein Traum, mehr nicht. Und doch saß ich hier auf einem fremden Bett, in einer mir fremden Wohnung, ohne meine Kleider. Nur den Bademantel an, sonst nichts. Ich wusste nicht einmal, wie ich hierhergekommen, geschweige denn, was passiert war. Was ich wusste, war, dass ich mit Jo in der Stadt war. Wir hatten Eis gegessen, und waren Einkaufen anschließend hatten wir uns auf den Heimweg gemacht. Alles, was danach geschah, war weg. Es war, als hätte ich eine Lücke in meinem Kopf. Eine Erinnerung, auf die ich nicht zurückgreifen konnte.

Ein Räuspern riss mich aus den Gedanken. Als ich den Kopf hob, stand Jack vor mir, in einer engen schwarzen Jeans und einem eng anliegenden Shirt, in derselben Farbe. Jack ging zum Fenster und blickte hinaus.


„Du kannst heute Nacht hier schlafen, Roy. Gefolgt ist uns niemand. Hier bist du erst mal sicher.“


Ich schlucke, bevor ich fragte:


„Was ist passiert, Jack? Warum bin ich hier?“


Er sieht mir in die Augen und scheint in ihnen zu erkennen, dass ich es wirklich nicht weiß.


„Nun, der Kleine, der mit dir in der Stadt war, kam heulend und schreiend um eine Ecke gerannt, um die ich gerade auch gehen wollte, und er rannte direkt in mich hinein. Als er sah, dass ich es bin, hat er nur gesagt, dass diese Männer euch an der Ampel aufgehalten haben und du noch da wärst, damit er abhauen kann. Ich kam dort an, als der eine dich vergewaltigen wollte, Roy.“


Bilder schießen in mir hoch bei der Erwähnung. Das ist es, was mir die Lücke in der Erinnerung wieder schließt.


„Die Schüsse. Jack, du hast geschossen, oder? Sag es mir, bitte!“


Ein Nicken folgt.


„Die drei Leben noch. Ich habe sie nur verwundet, damit sie von dir ablassen und verschwinden.“


Jetzt bin ich es, der nickt.


„Wo sind meine Kleider? Ich würde mich gerne anziehen.“


Ein Grinsen von Jack.


„Muss das sein? Du siehst so doch ganz passabel aus, mit dem Bademantel.“


Wieder schoss mir die Röte aus Verlegenheit ins Gesicht.


„Niedlich.“


Ein Knurren verließ meine Kehle und Jack lachte einfach drauf los.


„Deine Sachen sind im Trockner. Sie waren mit Blut und deinem Erbrochenen verschmutzt. Ich hab sie gewaschen. Ich bringe sie dir später. Du solltest dich noch etwas ausruhen und schlafen. Ich bring dir gleich noch etwas zu trinken und zu essen.“


Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn fragen sollte, aber ich wusste, wenn er mir nicht half, dann würde ich mich nie gegen solche Type wehren können. Ich musste etwas tun. Ich musste trainieren. Anders ging das nicht. Jack sah mich an und schüttelte den Kopf, ehe er auf meine noch unausgesprochene Frage antwortete:


„Vergiss es. Ich nehme keine Schüler. Es dauert Jahre jemanden für mein Geschäft auszubilden.“


„Das ist es auch nicht, was ich will, Jack! Ich möchte mich nur wehren können, gegen so Typen, wie die drei, heute Nachmittag. Das ist alles. Und ich würde alles tun, um es zu lernen.“


Wieder dieser durchdringende Blick von Jack. Als wollte er in meine Seele schauen.


„Du bist für so was nicht geschaffen, Kleiner.“, meinte Jack.


Wollte der mich verarschen, oder eher meinen Ehrgeiz wecken, mit solchen Sprüchen? Keine Ahnung. Aber ich konnte meine Klappe wieder mal nicht halten und Jack fing an zu lachen.


„Ok, ich kann dir beibringen, wie man sich wehrt. Aber das wird nicht billig, Roy! Was kannst du mir bezahlen, und wie willst du es bezahlen?“


Ich überlegte nicht lange und bot ihm an, dafür seine Einkäufe, und den Haushalt zu machen. Also, die Wohnung sauber halten und auch seine Wäsche zu waschen. Das hatte ich ja in dem Jahr, das ich in Tokio allein gelebt hatte, gelernt.


Jack nickte, und so begann er, mich zu trainieren. Es waren harte Tage und lange Nächte, bis etwas so saß, dass er mir wieder was Neues zeigen konnte. Doch mein Ehrgeiz war geweckt und ich wollte noch viel mehr, als nur das körperliche stählen meiner Muskeln.


Eines Tages, als ich wieder zu ihm kam, lag eine Waffe auf dem Tisch. Ich sah ihn an.


„Setz dich. … Ich weiß, dass du darauf brennst, es zu lernen. Bevor du aber damit schießen lernst, musst du wissen, wie sie funktioniert. … Nimm die Waffe auseinander, reinige sie und setze sie wieder zusammen. Dazu hast du 20 Minuten Zeit. Das üben wir solange, bis du es im Schlaf beherrscht und ohne hinzusehen. Das ist überlebensnotwendig.“, erklärte mir Jack, den Grund dieser Übung.

So ging das Training weiter. Tag für Tag, und wenn er Zeit hatte, auch mitten in der Nacht. Inzwischen hatte ich einen Schlüssel zu seiner Wohnung. Ich wusste ja, warum er immer mal wieder für Tage oder einfach Stunden nicht da war. Wegen seinem Job, bei dem wir uns durch Zufall begegnet sind. So übte ich allein, ließ mir alle seine Kniffe und Griffe ins Fleisch und Blut übergehen.

In dieser Zeit des harten Trainings wuchsen meine Gefühle zu Jack immer weiter an. Ich träumte nachts davon, mit ihm Sex zu haben. Dabei hatte er mich, bis auf die Küsse auf der Wiese, nicht weiter angerührt, oder hatte auch nur annähernd versucht, mich ins Bett zu kriegen.

Es war, als wäre ich durch die Typen, die mich vergewaltigen wollten und es bei Elisa vollendet hatten, besudelt worden. Mich brachte seine Zurückhaltung immer mehr in Rage. Ich konnte meine Gefühle nicht mehr kontrollieren. In Jacks Nähe tat ich Dinge, die ich irgendwann mal für Unmöglich gehalten habe.

So zog sich das hin, bis er meinte:


„Es gibt nichts mehr, was ich dir jetzt noch beibringen könnte. Alles andere ergibt sich aus dem weiteren Training, indem ich selbst an mir arbeite, um es zu perfektionieren.“


An diesem Abend wurde mir klar, dass ich noch viel mehr von ihm wollte. Ich wollte ihn. Aber er würde es mir nicht geben. Mit diesem Gedanken, und der Waffe in der Hand, verließ ich, nach einer kurzen Diskussion mit Jack, dessen Wohnung und verfolgte die drei Kerle auf einem ihrer Streifzüge, bis zu deren Unterschlupf. Dass mir Jack gefolgt war, merkte ich nicht. So marschierte ich, mit der Waffe in der Hand, da rein. Doch zum Schießen kam ich nicht, da ich von ihnen erst mit Worten, dann buchstäblich entwaffnet wurde, und ich nun die Waffe am Kopf hatte.


„Dann machen wir doch da weiter, wo wir beim letzten Mal gestört worden sind. Ich möchte zu gerne deinen Arsch stopfen. Bin doch gespannt, ob du auch so schön schreien kannst, wie deine kleine blonde Freundin, vor einigen Wochen, in dieser Gasse.“


So schnell konnte ich gar nicht reagieren, da war der Schreibtisch abgeräumt und ich lag mit heruntergelassener Hose auf dem Tisch. Doch mehr passierte nicht. Denn gerade, als er sich über mich her machen wollte, knallte es, und dieses Mal war ich mir sicher, dass es Jack war, der die drei dieses Mal wirklich killte. Sie hatten es verdient.

Beim ersten Knall rollte ich mich vom Tisch und versteckte mich dahinter. Mein weißes Shirt war mit Blut bespritzt, doch was anderes hatte ich nicht zum Anziehen. Auch hatte ich meine Hose wieder geschlossen, nach dem Hochziehen. Ich atmete tief ein und aus. Ich wusste von Jacks Job, doch das viele Blut, das hier verteilt auf Kleidern, Boden und den Wänden klebte, war dann doch erstmal zu viel für meine Nerven. Im stillen schämte ich mich zutiefst, da ich es selbst verschuldet hatte, was da gerade geschah und noch geschehen würde. Ich war starr vor Angst, konnte mich nicht regen. Es war einfach zu viel. Mir kamen die Tränen, doch blinzelte ich sie weg, nur, um ja nicht zu heulen.

Irgendwann schnappte Jack nach meiner Hand zog mich mit sich fort, in die Dunkelheit. Als wir seine Wohnung betraten, ließ er erstmal das Licht aus und sah aus dem Fenster.


„Es ist uns niemand gefolgt. Geh duschen und wasch dir das Blut ab.“


Ich stand starr hinter ihm. Erst, als er sich umdrehte, erneut nach meinem Arm griff und mich ins Bad zog, erwachte ich aus meiner Starre.


„Jack, das viele Blut.“


Es war vorbei mit meiner Kontrolle. Die Tränen liefen unaufhaltsam meine Wangen hinab. Jack schob mich unter die Brause und legte einen Finger auf meinen Mund, damit ich schwieg. Dann verließ Jack das Bad.

Nach dem Duschen kam ich in sein Schlafzimmer, wo er am Kofferpacken war. Ich wusste, was das hieß. Jack würde Japan verlassen. Für wie lange? Wann würde ich ihn wiedersehen? Vielleicht nie mehr. Da wurde mir bewusst, wie viel er mir doch bedeutet.


„Jack, nimm mich bitte mit. Ich tu alles, nur lass mich hier nicht allein. Ich l...“, weiter kam ich nicht, denn Jack küsste mich.


„Ich kann dich nicht mitnehmen. Ich bin ein Todesengel, der für Geld jeden tötet, der mich bezahlen kann. Außerdem habe ich es satt Babysitter zu spielen. Geh zurück zu deiner Kirche, deinem Studium und lerne was Anständiges. Vergiss mich. Vergiss alles, was ich dir gesagt habe. Du hast selbst gesehen, dass dies kein Job für dich ist.“


Jack wandte sich seinem Koffer zu und packte weiter. Ich ließ das Hemd, das er mir geliehen hat, auf den Boden fallen, und stand nun nackt vor ihm, wie Gott mich geschaffen hatte.


„Jack, ich will dich. Drück mir dein Mal auf. Zeig mir noch mehr von dir. Ich will alles wissen.“


Sein wandernder Blick über meinen Körper sprach Bände. Er zeigte Interesse daran, das sah ich.


„Dir ist hoffentlich klar, Roy, dass es gefährlich ist, sich einem Todesengel zu nähern. Du spielst mit dem Feuer. Verbrenne dich nicht daran.“


Mein Blick in seine Augen, zeigte mir, dass auch er nicht abgeneigt war.


„Dazu ist es schon zu spät, Jack. Ich brenne bereits lichterloh. Ich stehe schon lange in Flammen.“


Damit war es entschieden. Es gab jetzt kein Zurück mehr. Jack würde sich meinen Körper und meine Seele nehmen. Mein Herz hatte er ja bereits.

Damit zog er mich zum Bett, auf welches wir uns dann fallen ließen. Ich ließ Jack machen, ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde.

Das Erste, was ich spürte, waren Jacks weiche warme Lippen auf meinen, und seine Hände, die meinen Körper erkundeten. Diesen folgten sanft seine Lippen von meinem Mund zum Kinn, über den Hals, an dem er sich festsaugte und sachte zubiss. Anschließend leckte er darüber, nur um dann wieder fest daran zu saugen.

Wieder küsste Jack mich. Langsam sank er tiefer, wo er sich an meiner Brust verging. Ich spürte, wie sie sich meine Brustwarzen aufstellen, durch sein saugen daran. Dann bearbeitete Jack sie mit den Zähnen. Sachte biss er hinein, zog daran und leckte darüber, sodass ich mir ein lustvolles Stöhnen nicht mehr verkneifen konnte, was Jack zum Grinsen und weiter machen animierte.

Unterdessen waren seine Hände an meiner Hüfte angekommen, wo er mich erst mal festhielt, während er sich immer weiter meinem Bauchnabel näherte. Auch hier saugte er sich fest, knabberte daran herum und stieß mit seiner Zunge hinein, was mich immer mehr zum Stöhnen brachte. Immer lauter wurde mein Stöhnen. Ich spürte, wie meine Erregung wuchs, was auch Jack merkte. Auch er war erregt. Ich konnte es an meinem Oberschenkel fühlen, an den er sich drückte.

Er glitt tiefer mit den Händen, die Lippen folgten, und er knabberte an den Beckenknochen von einer Seite zur anderen, so zärtlich und sanft, dass ich schon fast zergehe, vor innerer Hitze. Er wanderte an meinem rechten Bein hinunter und wieder hinauf. Dasselbe macht er auf der linken Seite, immer darauf bedacht, meine Erregung zu ignorieren. Ich biss mir in die Hand, um meine Lust nicht noch lauter hinaus zu posaunen. Jack zog mir die Hand weg.


„Ich will dich hören. Außerdem verletzt du dich. Halte dich am Laken fest.“, raunte er mir zu.


Jack küsste mich voller Begierde und Leidenschaft, sodass ich meinen Verstand dabei verlor. Mein Kopf war wie leergefegt. Ich war nicht mehr in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Ich fühlte nur noch. Dann steckte er mir drei seiner Finger in den Mund, an denen ich zu lutschen begann, während Jack mit seinen Beinen, zwischen meine rutschte und sie so auseinander schob.

Weitere Küsse folgten, lenkten mich ab, von dem, was er machte. Dann spürte ich einen Finger an meinem Anus streicheln, den er zu massieren begann und dann vorsichtig eindrang. Ich zuckte kurz. Es tat nicht weh, aber es war auch nicht angenehm. Mit diesem Finger stieß Jack in mich, drehte diesen, schien etwas zu suchen, was er dann wohl auch gefunden hatte, denn ich konnte ein lustvolles lautes Stöhnen nicht zurückhalten. Immer wieder traf Jack diesen Punkt. So merkte ich nicht, dass es nun zwei Finger waren, die er in mich stieß. Dann folgte ein Dritter. Jack war dabei immer darauf bedacht, mich nicht zu verletzen, oder mir weh zu tun.

Als er mir die Finger nach einer Weile entzog, murrte ich, wegen der plötzlichen Leere, die er aber dann durch seine Erregung ersetzte. Langsam und vorsichtig drang Jack in mich ein, schob sich Stück für Stück voran und verharrte so einige Sekunden, damit ich mich an das ungewohnte Gefühl gewöhnen konnte, ehe er begann in einem langsamen Takt, in mich zu stoßen.

Jack streichelte immer wieder über meinen Körper, saugte an einer Brustwarze, küsste mich. Ich war willenlos in seinen Armen. Ich hatte mich fallen gelassen und war ganz entspannt, somit konnte Jack das Tempo seiner Stöße steigern. Immer mehr rollte ich auf den Orgasmus zu. Immer schneller wurde mein Atem. Immer abgehackter. Ich schloss meine Augen, um nur noch zu fühlen. Ich konnte kaum noch, da griff Jack zu meinem Glied und im Rhythmus seiner Stöße schaukelten wir und höher und höher, bis ich, mit einem Schrei, in seiner Hand meine Erlösung fand. Es dauerte nicht lang und auch Jack ergoss sich in mir. Mehr bekam ich nicht mehr mit. Ich musste wohl in eine Ohnmacht gefallen sein, durch die Heftigkeit des Orgasmus.


Als ich wach wurde, schien bereits die Sonne. Als ich mich umsah, lag ich allein im Bett. Der Koffer, der auf dem Stuhl gelegen hatte, war weg. Jack war gegangen und hatte mich, mit meiner Sehnsucht, allein gelassen.

Doch ich wusste, was ich zu tun hatte, um ihn wieder zu sehen. Mein Entschluss stand fest. Noch am selben Tag war ich nach Tokio zurückgekehrt, habe mein Studium abgebrochen und eine Ausbildung zum Bodyguard gemacht. Weiter ließ ich mich bei der Polizei im Schießen einschulen. Dabei musste ich wohl jemandem aufgefallen sein, denn es dauerte keine drei Wochen, und ich hatte meinen ersten Auftrag, den ich dann auch erledigte. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich folgte dem Weg, von dem Jack wollte, dass ich es lasse.


Einige Monate verbrachte ich noch in Japan, dann verließ ich das Land, da es zu gefährlich geworden war, hier zu sein. Man kannte inzwischen den Namen Tashiro in der Szene. Ich war angesagt. Und wo ich war, blieb meist eine Leiche zurück, und niemand wusste, wer sie dagelassen hatte.

Es gab viele Aufträge, die mich nach Europa, Amerika und in andere asiatische Länder, wie Indien oder Thailand, brachten. Doch irgendwann zog es mich doch zurück in die Heimat.

Es waren, seit der Trennung von Jack, 8 Jahre vergangen. 8 Jahre, in denen ich oftmals zweifelte, ob ich ihn je wiedersehen würde. Ob er überhaupt noch lebte, mein Todesengel.


Ich hatte in den Monaten vor meinem Auslandsaufenthalt mit Masanori Araki zu tun gehabt, und für diesen einige Aufträge erledigt. Da kam mir seine Bitte, auf den jungen Herren auf die Saganos aufzupassen, gerade recht. Wie es Masanori geschafft hatte, zu erfahren, dass ich wieder da bin, weiß ich nicht. Wichtig war nur, dass ihm der Junior sehr am Herzen lag und er ihn beschützt wissen wollte. So nahm ich diesen Auftrag an, versprach er doch zur Abwechslung mal keine Leiche, sondern ein Leben zu erhalten. Mit meinem Leben zu schützen, was Araki-san wichtig und teuer war.

So traf ich dann auch Kei und Ranmaru wieder, die mich aber zum Glück nicht erkannten, da ich mein Äußeres verändert hatte. Trug ich früher blonde kurze Haare, so waren diese jetzt länger und schwarz gefärbt. Meine blauen Augen trugen nun braune Kontaktlinsen. Auch mein Kleidungsstil war ein anderer. Waren es früher helle und eher bunte Sachen, sind es jetzt einfarbige dunkle Klamotten, meist schwarz oder dunkles Blau, oder grau. Alles, was man braucht, um nicht in der Dunkelheit aufzufallen.


Es waren drei Wochen vergangen, seit ich den Auftrag angenommen hatte. Inzwischen hatte es mehrere Angriffe auf die Saganos gegeben, sodass ich mich mit dem Junior der Saganos in eines meiner Verstecke zurückzog. Als der Anruf kam, dass der ältere Bruder von Sagano Kei Enjoi verschwunden sei, war Kai nicht mehr zu halten. Auch, wenn er seinen Bruder nicht sonderlich mochte, so war er doch um diesen besorgt, da er nichts mit dem Sagano Clan zu tun haben wollte. Außerdem war er der Lebensgefährte von Kai Saganos Idol Ranmaru Samejima.

Und da schließt sich der Kreis. Denn zum einen fanden wir den Bruder mit einer Schussverletzung wieder, andererseits, erfuhr ich, dass der Killer, der draußen auf Masanori wartete JB ist. Der Mann, den ich liebe. Der Mann, den ich all die Jahre suchte, war nun mein Gegner. Was jetzt? Ich würde keine Chance gegen ihn haben. Würde er überhaupt auf mich schießen können? Ich wusste es nicht. Doch ich zweifelte auch nicht daran, dass es sein Auftrag war, uns zu eliminieren. Masanori und unser Gegner waren auf dem Weg nach draußen, wo Jack wartete.

Bei mir in der Halle waren aber noch Kai Sagano, Ranmaru Samejima und Kei Enjoi der verletzt ist, an der Schulter, und viel Blut verloren hat. Plötzlich rennt Sagano los. Keiner kann ihn aufhalten. Es geht um das Leben von Masanori. Noch in der Toröffnung schiebt sich Kai vor diesen und hängt nun an ihm, der die Arme um den Jungen schließt und in die Knie geht. Gleichzeitig kommt der Befehl zu schießen. Ich schieße und höre dann nur noch die Antwort von Jack:


„Ich schieße nicht auf Kinder, und Sagano ist noch ein Kind.“, damit fällt Kusanagi in sich zusammen. Es ist alles gut gegangen.

Nach dem der Krankenwagen eingetroffen ist und ich mich von allen Anwesenden verabschiedet hatte, verschwand auch ich. Mein Honorar bekam ich, wie immer, auf ein Nummernkonto. Darüber redet man nicht.


Gerade stand ich am Flughafen in der Herrentoilette und sprach noch mal mit Masanori. Ich bedankte mich für das Gehalt, das mehr war, als ausgemacht. Enjoi war operiert worden und es ging ihm wieder gut. Sagano hatte nur einige Prellungen und Schürfwunden davongetragen. So verabschiedete ich mich nun von ihm und legte auf. Mein Flug nach Europa wartete. Ich musste gehen. Es wäre nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Jack mich hier fand. Schließlich habe ich, vor seinen Augen, seinen Kunden gekillt, um meine Leute zu beschützen.


So wird das Handy in der Reisetasche verstaut und ich will mich gerade umdrehen, um die Toilette zu verlassen, da höre ich die Stimme, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde.


„Bist du fertig, mit dem Abschiednehmen, Junge?“


Wie erstarrt bleibe ich stehen. Das kann nicht sein. Mir ist doch keiner gefolgt. Wie kann Jack dann hier sein? Wieso wusste er, wo ich bin?


„Hat es dir die Sprache verschlagen, Roy? Oder bist du vor Freude so stumm, weil du mich siehst?“, hallen mir Jacks Worte im rechten Ohr. Da er hinter mir steht und mir etwas in den Rücken drückt, halte ich die Hände hoch.


„Ok, Jack, du hast gewonnen. Ich bin auf alles vorbereitet. Tu, was du tun musst! Erfüllst du einem Todgeweihten einen letzten Wunsch?“


Jack lachte an meinem Hals, nach meinen Worten.


„Und was möchtest du von mir haben?“


Ich dreh mich um und schaue ihm in die Augen.


„Einen Kuss von dem Todesengel, der mich hinab in die Hölle stieß!“


Dabei nahm ich meine Arme herunter und ertastete seine rechte Mantelseite, wo er seine rechte Hand drinstecken hatte.

Sein Grinsen verbreiterte sich, als er sagte:


„Dachtest wohl, es wäre eine Knarre. Aber du hast Recht. Das hier hätte ich schon vor langer Zeit tun sollen. Doch jetzt bin ich hier, um dich zu holen, Roy. Ich will dich bei mir haben. Du hast mir gefehlt. Ich habe oft an dich gedacht und deinen Weg verfolgt. Komm mit mir. Arbeite mit mir zusammen. Lebe mit mir. Das ist alles, worum ich dich bitte. Der Kerl hatte den Tod verdient, denn jemand, der auf Kinder schießen lässt, hat sein Leben verwirkt.“


Ich sah mir Jack an. Er war grau geworden in den letzten Jahren. Ich frage mich, was er wohl nach seiner Flucht aus Yokohama noch alles erlebt hat. Was mich von allem aber am meisten beruhigt, ist, dass er noch immer nicht auf Kinder schießen würde, genau wie ich. Doch konnte ich ihm vertrauen? Würde Jack bis zum letzten Atemzug bei mir bleiben? Ich weiß es nicht. Aber ohne Risiko, keine Antwort. Es schien so, als ob Jack meine Gedanken erraten hat, denn er zog mich an sich und küsste mich heiß und innig und voller Leidenschaft. Auch seine Hände blieben nicht untätig dabei. So konnte ich ein leises Stöhnen, in den Kuss, nicht verhindern.

Nach dem Kuss verließen wir den Toilettenraum, nach diesem nun doch glücklichen Zusammentreffen, und fuhren zu seinem Hotel, wo wir dann den Rest des Tages verbrachten und Jack mir seine Pläne für unsere gemeinsame Zukunft erläutert hat.


Ja, und wenn ich so richtig darüber nachdenke, habe ich Jack wieder genau da getroffen, wo auch unsere erste Begegnung stattgefunden hat. Damals, nach seinem Auftrag in der Seitenstraße, nicht weit vom Hafen entfernt, weil ich da oft abends spazieren ging, und mir die Wellen unter dem Mond ansah.

Heute sind Jack und ich schon vier Jahre zusammen, und bisher habe ich es nicht bereut, mit ihm gegangen zu sein.


Ende