Ein Brief für Aaron

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
08.12.2018
08.12.2018
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Lieber Aaron,

wenn ich heute diesen Brief an Dich schreibe, dann tue ich es nicht, weil ich mir etwas davon verspreche, sondern weil Du zu den ganz wenigen Menschen in meinem Leben gehörst, die mich von Anfang an fasziniert haben.
Ich schreibe Dir, um Dir mitzuteilen, dass Du Dir einen festen Platz in meinem Leben gesichert hast – durch Deine Art, Deinen Humor und das Selbstbewusstsein, das Du ausstrahlst und verkörperst. Auch wenn es Dir natürlich nicht bewusst ist und Du mich vermutlich belächeln würdest, wenn ich Dir sagte, dass Du mich faszinierst – seit wir uns kennengelernt haben, hege ich große Sympathien für Dich.
Dabei weiß ich gar nicht so viel von Dir, kenne nur wenig von dem Menschen, der Du bist und der Dich letztendlich ausmacht. Mir sind nur wenige Infos über Dich bekannt, so zum Beispiel, dass Du Student bist und schon seit längerer Zeit zu der kleinen Gruppe unseres Stammtisches gehörst.
Auch haben wir bisher noch nicht sehr viel miteinander geredet, abgesehen von den obligatorischen Begrüßungen oder Verabschiedungen, sowie dem ein oder anderen, kaum erwähnenswerten Wortwechsel hier und da.
Ich denke nicht, dass Du mich richtig wahrnimmst, dass ich für Dich aus der Gruppe hervorsteche oder mich von den anderen abhebe. Ich weiß nur, dass Du jedes Mal zur Begrüßung lächelst und ich es dann erwidere – ein weiteres, rein obligatorisches Ritual, dem keine tiefere Bedeutung beizumessen ist.
Ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob Du überhaupt meinen Namen kennst, ob Du Dich im Zweifelsfall an mich erinnern würdest oder wir uns erst von Neuem bekanntmachen müssten. All diese Dinge kann ich nicht beurteilen, geschweige denn, mit Sicherheit sagen.
Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann ist, dass ich Dich sehr wohl wahrnehme und Du für mich deutlich aus den anderen der Gruppe hervorstichst. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen.
Vielleicht ist es die Art, wie Du redest, wie Du lächelst, vielleicht sind es Deine frechen Sprüche und Kommentare oder möglicherweise auch diese selbstbewusste Ausstrahlung, die Dir anhaftet und die mich jedes Mal aufs Neue in ihren Bann zieht.
Auf jeden Fall hebst Du Dich für mich deutlich von den anderen ab und in mir regt sich der Wunsch, Dich ein kleines bisschen näher kennenlernen zu können. Zwar glaube ich kaum, dass Dir das bewusst ist, aber Du übst eine gewisse Anziehung auf mich aus, ein Gefühl, dem ich mich nicht verwehren kann und das mich bei jeder neuen Begegnung mit Dir überkommt.
Dabei kennen wir uns fast gar nicht und sehen uns darüber hinaus eher unregelmäßig, da Du nicht jedes Mal mit dabei bist.
Soweit ich mich recht erinnere, sind wir uns bisher erst viermal begegnet – und trotzdem spürte ich vom ersten Moment an, dass irgendetwas an Dir ist, das mir einfach gefällt.
Ich kann es nicht genau erklären, geschweige denn, definieren, da ich selbst noch nicht einmal weiß, was genau eigentlich der Grund dafür ist, dass ich mir Gedanken über Dich mache. Irgendwie geht einfach ein Reiz von Dir aus, der meine Fantasie zu beflügeln scheint, wenngleich ich zum einen glasklar weiß, dass jegliche Bemühungen umsonst wären – schließlich bist Du in einer Beziehung – und zum anderen mein eigenes Herz gar nicht frei ist, da es bereits einem anderen Jungen vom Stammtisch gehört.
Und trotzdem ziehst Du mich an, trotzdem stelle ich immer wieder fest, dass Du attraktiv bist und ich – im völlig illusorischen Fall des Falles – vermutlich nicht ganz abgeneigt wäre.
Ich weiß, das klingt nun sicher bescheuert, aber wenn es wirklich dazu käme und ich zu dem Zeitpunkt noch ungebunden wäre, dann würde ich Dich sicherlich alles andere als von der Bettkante schubsen.
Dass sich mehr daraus entwickeln würde, könnte ich mir weniger vorstellen, denn auch wenn Dein dominanter Charakter eine sehr reizvolle Eigenschaft ist, die mich auf rein sexueller Ebene sehr anzieht, würden wir auf zwischenmenschlicher Ebene denke ich nicht sehr gut miteinander harmonieren.
Doch darüber zerbreche ich mir gar nicht erst den Kopf, denn ich bin mir relativ sicher, dass so ein Fall nie eintreten würde. Zum einen ist mein Herz wie gesagt überhaupt nicht frei oder empfänglich dafür – und zum anderen, selbst wenn es das wäre, würde das rein gar nichts an der Tatsache verändern, dass Du – salopp gesagt – nicht an meinem Ufer angelst.
Dass ich Dich trotzdem anziehend finde und Du ein überaus attraktiver Mann für mich bist, daran ändert sich allerdings nichts. Und ebenso wenig daran, dass die Gedanken ja bekanntlich frei sind. Zum Glück.
Weißt Du, Aaron, Männer wie Dich gibt es eher selten. Und ich glaube, das ist auch der Hauptgrund dafür, warum es Dir gelungen ist, mich so stark in Deinen Bann zu ziehen. Weil das eben nur sehr wenige Menschen schaffen. Und ob Du das nun wolltest oder nicht – Du gehörst auf jeden Fall zu diesen Menschen dazu.
Deshalb werde ich mich auch weiterhin über jede Begegnung mit Dir freuen und Deine Anwesenheit in stiller Begeisterung zur Kenntnis nehmen. Denn die Faszination ist immer noch da. Und ich bin mir auch relativ sicher, dass sie noch sehr lange erhalten bleibt.
Vielleicht sogar für die Ewigkeit.

Alles Liebe,
Deine R.
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