From the Outside ...

von Kosakoni
GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
07.12.2018
07.12.2018
1
10446
 
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
1 – Tezuka

Die Veränderung zwischen Echizen und Fuji fiel ihm bereits auf, da befand sich Tezuka noch in Deutschland. Oishi erzählte ihm, dass die beiden überraschend oft miteinander zu sehen waren, woraufhin Tezuka beschloss, Fuji deutlich zu sagen, Echizen in Ruhe zu lassen.
Es war nicht so, als wäre Fuji nicht einer seiner besten Freunde neben Oishi. Es war nur so, dass Fuji nichts ernst nahm. Und er wollte nicht, dass er Echizen ablenkte. Schließlich besaß dieser ein so enormes Potential, dass er es hassen würde, sollte sich der Jüngere plötzlich vernachlässigen. Was in anderen Worten bedeutete, dass er nicht wollte, dass der Junge sein Training vielleicht vernachlässigte, nur weil Fuji ihm Flausen in den Kopf setzte. Denn, wenn Tezuka es genau betrachtete, dann waren die beiden sich ähnlicher, als es ihm manchmal lieb war.

Echizen, ebenso wie Fuji hatten beide einen dunklen Humor. Wobei Fujis schon fast düster war. Allerdings verschreckte das den Jüngeren nicht. Er erinnerte sich sogar daran, dass Echizen die einzige Person war, die auf Fujis Gruselgeschichten grinste, und nicht, wie Eiji das eine Mal, fast aus dem Fenster sprang. Hinzukam deren beider sadistische Art, ihre Gegner die Wände hochzutreiben. Echizen mit seiner gespielten Arroganz und Fuji mit seinen Spielchen …

Aber das, was beide von allen am Meisten zu verbinden schien, war das, was sie nicht gemein hatten. Denn direkt nach diesem Spiel im Regen, hatte er mit Fuji gesprochen, der fast eine halbe Stunde am Fenster gestanden hatte – tropfnass – und ihm sagte, dass er diese Spannung liebte. Echizen hingegen, hatte sich so nass wie er war, nicht einmal bemüht, sich abzutrocknen. Er zog sich nur hastig um und verschwand mit Momoshirou. Dennoch war es nicht Fuji, der dieses Spiel unter allen Umständen fortsetzen wollte, sondern Echizen.

„Er wird dich nicht eher in Ruhe lassen, bis du ihm gibst, was er will.“

Das hatte er Fuji damals gesagt, bevor er gegangen war, was die blauen Augen seines besten Freundes öffneten und diesen zum Lächeln brachte. „Saa … ich weiß.“, war die Antwort gewesen. Und zum ersten Mal glaubte Tezuka, dass Fuji vielleicht ein Tennisspiel genauso gerne haben wollte, wie der Jüngere. Es gefiel ihm dennoch nicht, wie der Brünette es hinauszögern wollte.

Jetzt also – vier Monate später – besuchte ihn sein Team in Deutschland, und Tezuka wusste für einen Augenblick nicht, was er lieber wollte. Echizen zu sich in Sicherheit ziehen und hier lassen oder Fuji zurückstutzen. So oder so. Es sorgte ihn, wie der Jüngere den Älteren anblickte, wenn dieser sich mit Tezuka unterhielt. Für gewöhnlich beachtete Echizen kaum einen Menschen mit tatsächlichem Interesse oder etwas anderen als dem abschätzenden Blick, ob die Person ein anständiger Gegner sein könnte – ein guter Zeitvertreib –, doch nicht so … sanft.

Zwei Tage später also – gerade nachdem er beobachtet hatte, wie Fuji, Echizen hinter eine Ecke zog und sonst was mit ihm anstellte, der Jüngere einen Moment mit knallroten Wangen wieder hervorkam und Fuji leicht böse anfunkelte – stellte er sich Fuji in den Weg, damit er Echizen nicht folgen konnte und blickte ihm eindringlich in die Augen. Dieser jedoch kicherte nur und leckte sich über die Lippen. „Hör auf mit ihm zu spielen, Fuji!“

Fujis Augen öffneten sich auf seinen Blick sowie der eindringlichen Warnung langsam, wobei das tiefe Blau ihn intensiv musterte. Dann neigte sein Freund den Kopf und nickte langsam. „Wenn du das willst, Tezuka.“, schnurrte Fuji, was ihn jedoch blinzeln ließ. Da war etwas in Fujis Stimme, … das ihm nicht gefiel. „Du sollst ihm nur nicht wehtun.“, sagte er weiter, was Fuji jedoch nur mit einem Lächeln erwiderte, bevor er an ihm vorbei ging.

Am gleichen Tag noch zog Fuji, Echizen während des Essens zu sich auf den Schoß, wobei ihrer Trainerin die Gabel aus der Hand fiel. „Saa … wir wollten es euch schon früher sagen, aber Ryoma-kun wollte, dass wir damit warten, bis wir als Team wieder zusammen sind …“

Echizen wurde leicht rot, wehrte sich jedoch absolut nicht gegen Fuji der, von Tezukas Blickwinkel aus, mit den Fingerspitzen unter das weiße T-Shirt des Jüngeren glitt und ihm somit völlig ungehemmt über die nackte Haut streichelte. Schließlich rollte der Jüngere mit den Augen. „Fuji und ich sind zusammen. Kann ich jetzt weiter essen?“, fragte der Jüngere den Tensai grummelig, was Tezuka fast den Verstand verlieren ließ.

„Saa, du kannst hier auch essen.“, wisperte Fuji suggestiv in Echizens Ohr, der sofort wieder rot wurde und Fuji den Ellbogen in die Seite stieß, woraufhin dieser kicherte, und Tezuka …

Tezuka sah von seinem Sitzplatz aus, wie sich auf Echizens Lippen ein feines, wenn auch glückliches Lächeln abzeichnete. Und zum ersten Mal, fühlte er sich wie ein kompletter Vollidiot.

~*~

2 – Nanjiroh

Man konnte über ihn ja sagen, was man wollte, aber Nanjiroh war kein schlechter Vater. Noch war er ignorant gegenüber seinem Sohn. Im Gegenteil. Manchmal, wenn Ryoma glaubte, dass er sich lieber in seinen hübschen Magazinen vertiefte, beobachtete er seinen Sohn, wie er zum Beispiel seine Hausaufgaben machte oder mit seinen Clubkameraden lernte. Und noch weniger wusste der Junge, dass er hin und wieder Ausflüge nach Seigaku machte, nur um ihn spielen zu sehen.

Er sagte es nicht mit Worten, aber wenn jemand wirklich hinsehen würde, dann sehe die Person, wie sehr er Ryoma liebte. Genau aus dem Grund gab er damals seine Karriere auch auf. Weil er im Tennis nichts mehr erreichen konnte, was er nicht bereits erreicht hatte …

Ryoma hingegen stand noch alles offen und Nanjiroh wollte, dass er alles erreichen konnte, was er wollte. Egal was. Wenn er seinen Sohn dafür ein wenig ärgerte und anstachelte, dann auch nur, weil er genau wusste, wie ambitioniert Ryoma war, wenn er ihm das Gegenteil beweisen konnte.

Insgeheim erinnerte es ihn an seinen eigenen Vater. Nur mit der Tatsache, dass dieser nicht, wie Nanjiroh, mit seinem Sohn täglich Tennis spielte. Sein eigener Vater warf ihn aus dem Haus, nachdem Nanjiroh ihm sagte, er wollte Tennisspieler werden und die Welt erobern. Nicht irgendwelche Büroräume …

Es war also wieder einer dieser gewöhnlichen Nachmittage, in denen Ryoma von der Schule kam, und Nanjiroh aus dem Halbschlaf riss. „Taidama.“, rang die helle Stimme durch das Haus, und obwohl es Ryomas normale Begrüßung war, klang sie heute nicht gelangweilt, noch müde oder genervt. Sondern …

Sofort rollte er sein Magazin anständig zusammen und schob es, zusammen mit der Hand, in den Ärmel seines Kimonos, während er eilig von der Veranda aufstand und ins Haus stürmte. Sein Sohn hatte ein Mädchen bei sich. Definitiv. Andernfalls würde dieser nicht so freundlich klingen. Sofort hörte er eine melodische Stimme vom Eingangsbereich, welche Nanjiroh ein klein wenig dunkel vorkam. Aber sie klang hübsch, intelligent und sobald er den brünetten Hinterkopf sah, grinste er breit. Seine Augen fuhren knapp über die filigrane Figur sowie den langen Beinen, wobei er sich selbst innerlich auf die Schulter klopfte. Sein Sohn hatte den gleichen, scharfen Geschmack, wie er.

Dieser war nach unten gebeugt, um seine Schuhe anständig hinzustellen, was er für gewöhnlich nie tat und Nanjiroh grinste breiter. Dieser Hund!, dachte er und beobachtete dann, wie das hübsche Mädchen mit einer Hand über die Stelle fuhr, wo Ryomas Hemd von der Schuluniform hochgerutscht war und einen Streifen seiner hellen Haut entblößte. Fast sofort fuhr Ryoma hoch und blickte seine Freundin mit geröteten Wangen an. „Lass das!“

„Saa, wieso?“, schnurrte sie und Nanjiroh riss die Augen auf. Er presste sich härter gegen den Türrahmen und beobachtete euphorisch, wie die Brünette seinen Sohn sachte gegen die Haustür zurückschob und dieser einen fast überraschten Atemzug machte. „Mein dämlicher Vater ist hier bestimmt irgendwo.“, murmelte Ryoma, als sich eine Hand auf seine Brust absenkte, und Nanjiroh es nicht glauben konnte. Sein Sohn hatte nicht nur eine wahre Schönheit hergebracht, sondern auch noch ein Mädel, das genau wusste, was es wollte … und es sich nahm! Denn diese lehnte sich zu Ryoma hinab, und dann erkannte Nanjiroh einen Blitzer von intensivem Blau, das ihm den Atem raubte. Nanjiroh hätte nicht geglaubt, dass Ryoma blaue Augen mochte …

„Saa, das macht es ja nur noch aufregender.“, wisperte das Mädchen verführerisch, bevor es Ryoma küsste, und Nanjiroh dann aus seinem Versteck sprang. „HA! Ich wusste es! Aber du hast ja immer gesagt, ich wäre bekloppt. Aber wer steht jetzt hier und lässt sich von einem so hübschen Mädchen verführen!“

„Was ist denn hier los?“, fragte Rinko, die aus der Küche kam, mit einer Schürze um die Hüften, und leicht verwirrt zwischen ihm und Ryoma hin und herblickte, bevor ihr Blick lächelnd bei dem Mädchen stoppte und sie automatisch die Hand ausstreckte. „Hallo, Fuji-kun. Ryoma hat mir schon gesagt, dass du vorbei kommst.“

Während die beiden Höflichkeiten austauschten – „Ah, hallo, Echizen-san, ich danke für die Einladung.“ – „Aber nicht doch, Ryoma hört ja kaum noch auf, von dir zu reden.“ – „Mum!“ –, stoppte Nanjirohs Gehirn. Ryoma hatte noch nie von einem Mädchen gesprochen. Er erzählte in den letzten Wochen allerdings viel über diesen Jungen, der …

Atemlos riss er die Augen auf. Ein wenig benommen setzte sich Nanjiroh auf und rieb sich den Hinterkopf. „Was … ist passiert?“, fragte er verwirrt, woraufhin sein Blick zuerst auf Ryoma fiel, der nur genervt mit den Augen rollte. Dann sah er zu dem Mädchen und sofort wurde ihm wieder schwindelig, weil … das kein Mädchen war. Stattdessen fiel ihm nun der, wenn auch zarte, Adamsapfel auf sowie ein diebisches Lächeln. „Hallo Nanjiroh-san. Ich bin Fuji Syusuke, Ryomas Freund und Teamkamerad. Ich hoffe, es enttäuscht Sie nicht, dass ich mehr Penis besitze, als Mädchen es haben.“

Sein Kopf fiel mit einem dumpfen Laut zurück auf den Boden, während Ryoma schnaubte. „Oh Gott, wieso muss ich mein Leben noch komplizierter machen?“

„Das scheinst du wohl von mir zu haben, mein Spätzchen. Aber jetzt lass uns essen. Fuji-kun, Ryoma sagte du magst Wasabi?“
„Ich liebe alles was Scharf ist, Echizen-san.“
„Na endlich mal jemand, der nicht so empfindlich ist. Ich sehe schon, mein Sohn hat Geschmack.“
„Saa, wie nett von Ihnen, das zu sagen. Hörst du, Ryoma.“

Während die Stimmen leiser wurden, starrte Nanjiroh an die Decke. Er konnte nicht glauben, dass sein Sohn einen Freund und keine Freundin hatte. Er wollte doch unbedingt noch Enkelkinder, bevor er zu alt wäre, ihnen Tennis beibringen zu können.

Allerdings, … und das war das Entscheidende, als er es doch schaffte sich ins Esszimmer zu bewegen, sah er wie Ryomas Augen strahlten und das, obwohl sich weder ein Spielfeld noch ein Tennisschläger in dessen Nähe befand. Nur dieser Junge, der näher an seinem Sohn saß, als je eine andere Person – die nicht Familie war – neben sich so toleriert hat. Und es ließ ihn bewusst werden, dass Ryoma vielleicht nie aus einfacher Scham heraus gesprochen hatte, Mädchen nicht zu mögen, sondern weil er sie tatsächlich nicht mochte. So oder so … war alles, was für Nanjiroh am Ende zählte, der glückliche Ausdruck in Ryomas goldgrünen Augen. Egal, wie genervt sie ihn vom Tisch gegenüber aus anblickten. Schließlich grinste er und neigte dann den Kopf interessiert.

„Also … Fuji-kun. Du bist also der mit den Tripple Countern, ja? Lust auf ein Spiel nach dem Essen?“

~*~

3 – Karupin

Sie bemerkte die Veränderung wahrscheinlich noch vor allen anderen.

Dabei war es dieser Geruch, der über ihrem Herren lag und von Tag zu Tag stärker wurde. Woraufhin sie sich immer öfter und intensiver an ihm reiben musste, um ihn wieder zu überdecken. Manchmal gefiel es ihr nicht, wie Ryoma roch. Denn dann dachte sie daran, dass es eine Andere gab, die sich an ihm rieben oder seine Liebe bekamen.

Das dauerte so lange, bis sie diesen Geruch direkt vor ihrer Nase wahrnahm. Da war dieser Junge, der von Ryoma in ihr gemeinsames Zimmer geführt wurde, und der sich dann einfach auf das Bett setzte. „Saa, das muss Karupin sein.“, sagte der Eindringling, dessen Geruch Karupins Schwanz ein wenig wütend zucken ließ. Er war also die Bedrohung, mit der sie sich ihren Herren teilen sollte …

Aber sie konnte nicht gegen ihren Instinkt ankämpfen, als der Junge sich hinabbeugte und mit langen Fingern über den Teppich kratzte. „Das würde ich nicht tun.“, sagte ihr Herr über ihr, woraufhin der Junge kicherte und den Kopf neigte. Sie aus den eigenen Augen, intensiv musterte. Karupin glaubte, es war alleine ihre Liebe zu ihrem Herren, der sie ohne die Krallen auszufahren, auf die Finger springen ließ und diese mit den Pfoten umfasste. „Saa … wie süß.“, schnurrte der Junge, als sich lange Finger in ihrem Fell vergruben und Karupin nicht anders konnte, als es zu genießen. Schnurrend ließ sie sich von den Berührungen umgarnen, welche von ihrem Kopf, zu ihrem Rücken und dann zurück hinter ihrem Ohr wanderten.

Mit einem Mal konnte sie verstehen, wieso ihr Herr nach dem Jungen begann zu riechen. Seine Berührungen waren wundervoll. Dieser räusperte sich leise und als Karupin die Augen einen Schlitz breit öffnete, sah sie, wie er nun neben den Jungen saß und diesen so ansah, wie er auch sie manchmal anblickte. Zwar spürte sie sofort wieder einen Hauch Eifersucht in sich aufkeimen. Allerdings nur solange, wie der Blick sich dann auf sie richtete und sich eine dritte Hand auf sie legte, woraufhin sie sich auf den Rücken rollte und die Pfoten genießend ausstreckte. „Saa … sie erinnert mich an dich.“

„Halt die Klappe, Syusuke.“, murrte ihr Herr, aber Karupin hörte sofort die Zärtlichkeit in seiner Stimme. „Saa … bring mich dazu.“ Eine Sekunde später lösten sich plötzlich alle drei Hände von ihr, woraufhin sie die Augen aufschlug und beobachtete, wie ihr Herr auf den Schoß des Jungen kletterte und diesen auf das Bett drückte. Argwöhnisch beobachtete sie die beiden, welche mit einem Mal begannen anders zu riechen … irgendwie … intensiver als zuvor und Karupin sich ruckartig aufsetzte, als ein Stück Stoff zu Boden fiel. Es folgten immer mehr davon, bis eines davon sie fast überdeckte und sie somit genervt vom Boden, auf den Kratzbaum in der Ecke sprang, weil der Geruch begann, sie ein wenig unruhig zu machen.

So oder so … schien sie nun sowieso keine Aufmerksamkeit mehr zu bekommen. Also fuhr sie ihre Krallen aus und bohrte diese in die harte Oberfläche ihres eigenen Reiches, während sie mit scharfen Augen beobachtete, wie der Junge, ihren Herren unterwarf und dieser die gleichen Geräusche plötzlich von sich gab, die er in den letzten Wochen vermehrt machte, nachdem er morgens erwachte und dann mit sich selbst unter der Bettdecke spielte. Wobei es sie immer noch ärgerte, dass er sie einmal aus dem Zimmer verscheucht hatte, nur weil sie mitspielen wollte, … schließlich hatten sie früher oft Fang die Maus unter der Bettdecke gespielt. Nur, dass sie nicht verstand, warum ihr Herr das Spiel mit sich selbst spielte, wenn ihre Maus im Garten lag …

Aber solange, wie sie weiterhin ihr Essen sowie seine Liebe und zusätzlich die eines weiteren Jungen bekam, war es ihr eigentlich egal. Und irgendwie mochte sie den Jungen. Immerhin brachte er ihr hin und wieder mal Lachs mit, welchen sie zu gerne aus den langen Fingern aß und ignorierte, dass ihr Herr den Jungen tadelte, sie nicht fett werden zu lassen. Schließlich glaubte sie, hieß das Winterfell.

~*~

4 – Yukimura

Seiichi kannte Seigaku. Und noch besser nach dem ein junger Spieler ins Team kam, der Seigaku noch weiter brachte, als Tezuka es selbst je geschafft hätte. Eigentlich sollte es ihn ja stören, dass diese die Nationals gewannen und noch sehr viel mehr, dass ihn Echizen Ryoma besiegte.

Aber Tatsache war, … er liebte es.

Es waren jetzt fast zwei Jahre, nach seiner Operation damals. Zwei Jahre, in denen Seiichi nicht gedacht hätte jemals wieder auf einem Court, geschweige denn, in einem Turnier oder im Finale stehen zu können. Aber dann stand er hier. Diesem Jungen gegenüber, der auch noch an Gedächtnisverlust litt, und obwohl Seiichi drei Spiele komplett gewonnen hatte, ohne sich auch nur anstrengen zu müssen, erinnerte sich der Junge plötzlich und zeigte ihm genau das, von dem er schon so vieles gehört hat.

Von dem es ihm manchmal in der Nacht heftig in den Fingerspitzen gekribbelt hatte, endlich selbst erleben zu können.

Zu verlieren, dachte Seiichi immer, würde sich furchtbar schmerzvoll sowie enttäuschend anfühlen.
Und obwohl ihm Tränen über die Wangen liefen, musste er lachen. Weil es sich wundervoll anfühlte. Nicht der Verlust an sich, sondern einfach nur, das beste Spiel seines Lebens spielen zu dürfen. Schließlich hatte es noch niemanden gegeben, der ihn so ein Gefühl gegeben hat, wie es Echizen in diesen vier Stunden konnte. Es brachte ihn dazu, ihre bisherigen Strategien zu überdenken und sogar dazu, die Hand, mit der er die des Jüngeren hielt, sachte zurückzuziehen und damit den Jüngeren zu umarmen. Direkt vor Hunderten anderen, gegnerischen Spielern und über ein Netz, das sie eigentlich ebenso trennte, wie ihre Trikots. Aber er war wirklich glücklich.

Während er selbst später den Trubel auf den Courts hinter sich ließ, um sich für einige Minuten seinen Gedanken hinzugeben, hörte er hinter einen kleinen Mannschaftsraum die Stimme seines vorherigen Gegners. Sanft sowie ein wenig atemlos, woraufhin er es sich nicht nehmen konnte näher dorthin zu gehen und einen Blick hinter die Ziegelwand zu werfen. Was er sah, … raubte ihm heute schon zum zweiten Mal an diesem Tag den Atem. „... ist okay, Syusuke.“, hauchte Echizen sanft, während er mit den Fingern zärtlich durch die brünetten Haare von Seigakus Tensai glitt, dessen Kopf auf der schmalen Schulter gebettet war und die Hände in dem verschwitzten Trikot des Jüngeren gekrallt hielt. „Ich hätte für dich da sein müssen.“

„Ich hätte dich doch aber sowieso nicht erkannt ...“ Seiichi schluckte. Er kannte Fuji Syusuke nur durch Geschichten und diesem gruseligen Lächeln, das niemand durchschauen konnte. Stets beherrscht und verspielt. Unfähig etwas wirklich ernst zu nehmen, aber hier saß er mit Echizen auf dem Gras, hinter der Mannschaftskabine, und ließ sich von dem Jüngeren trösten, der selbst mehr als traurig wirkte. Er wusste, dass er hier gerade einen intimen Moment beobachtete, der wahrscheinlich für niemanden gedacht war. Ein Augenblick, der nicht ihm gehören sollte und noch weniger von ihm beachtet werden sollte. Aber es fesselte ihn, diese beiden so starken Jungen, so verletzlich zu sehen. „Ich hab dich so sehr vermisst.“, wisperte Fuji plötzlich, woraufhin Echizen begann leicht zu lächeln und die großen Katzenaugen einen wahnsinnig zärtlichen Ausdruck annahmen, von dem Seiichi nicht gedacht hätte, der Jüngere wäre dazu im Stande, so zu schauen. „Du hast mir auch gefehlt.“

„Obwohl du dich nicht erinnern konntest?“ Echizen nickte auf die Frage und lehnte sich dann mit dem Rücken zurück an die Mauer, während Fuji eine Hand hob und mit ihr ein paar von Echizens Strähnen aus der Stirn strich. Dabei setzte sich der Brünette ein wenig zurück, wobei Seiichi auffiel, wie offen Fuji plötzlich aussah. „Das Ganze fühlt sich merkwürdig an. Wie … ein Vorhang, bei dem ich mich selbst beobachten konnte, verstehst du?“, Echizen klang mit einem Mal irgendwie … fremd. Aber Seiichi schluckte und zog den Kopf dann zurück, um sich selbst gegen die kühle Mauer zu lehnen, während er dann nur noch lauschte. „Da waren so viele Leute. Aus unserem Team und die anderen und meine Familie, aber es war … die ganze Zeit über war es, als würde mir etwas fehlen und das war nicht mein Gedächtnis. Das warst du.“

„Da bist du ...“, murmelte Genichirou, aber Seiichi hob einen Zeigefinger an seine Lippen und blickte seinem Freund in die dunklen Augen, woraufhin dieser leicht blinzelte. Dann jedoch blieb es still, woraufhin Seiichi die Sorge hatte, die beiden hätten mitbekommen, dass er lauschte, woraufhin er vorsichtig um die Ecke linste. Aber dann sah er nur, wie Fuji sich zu dem Jüngeren beugte und ihn zärtlich küsste. Der Anblick ließ ihn glücklich lächeln, weil es ihn daran erinnerte, dass, egal, wie viel sie durch ihre Leidenschaft bereit waren zu verlieren, es dennoch die Menschen gab, die sie liebten, durch die sie nie alleine wären. Vielleicht verstand aber auch nur er das, aufgrund dessen, was er selbst beinahe verloren hätte, wäre er nicht gesund geworden.

„Verlass mich nie mehr, Ryoma.“, hauchte Fuji so zärtlich, dass Seiichis Augen feucht wurden und er sich dann endgültig löste. Dabei trat er an Genichirou heran, der ihn immer noch ein wenig verwirrt anblickte. Als er jedoch die eigene Hand, in seine schob und seine Kappe sanft antippte, bevor er ihn sanft küsste, schlossen sich sofort die dunklen Augen und Seiichi fühlte sich lebendiger denn je zuvor. „Dann lass mich nicht mehr los.“, erwiderte der Jüngere hinter der Mauer, während Seiichi eine Hand in Genichirous Nacken schob und den starken Arm, der sich um seine Hüfte legte, liebte.

Er konnte nicht glauben, dass dieser freche Junge ihn heute nicht nur einen neuen Weg im Tennis zeigte, sondern auch noch in der Liebe …

Aber bei dem Anblick der Beiden, wurde ihm nur klar, dass das, von dem er bislang geglaubt hatte, es besser außerhalb des Courts zu halten, unmöglich war. Schließlich war er schon so ewig lange in seinen Fukubuchou verliebt, … und in der Art, wie dieser seinen Kuss erwiderte, so, wie er Seiichi hielt, … bewies es ihm, mit diesen Gefühlen nicht alleine zu sein.

Und wenn Echizen Ryoma eine Beziehung haben konnte, warum dann nicht er auch.
Jedenfalls schien sie ihn ebenso glücklich, wie Tennis zu machen.

~*~

5 – Yuuta

Als er fünf war und Syusuke sechs, liebte er seinen Bruder über alles.
Heute war er fünfzehn und Syusuke sechzehn und er liebte ihn insgeheim, aber gleichzeitig hasste er den Schatten, unter dem er wandeln musste. Er hasste es, wie sein großer Bruder ihn anblickte. Als wäre er alles für ihn. Sogar wichtiger als Tennis oder sein eigenes Leben. Yuuta hasste, wie viel Aufmerksamkeit ihm Syusuke schenkte, obwohl Yuuta von ihm am Liebsten alleine gelassen werden würde.

Dann trat Echizen in das Team Seigakus ein und nur ein halbes Jahr später, sah er einen Haufen Fotografien auf Syusukes Schreibtisch liegen. Und keine einzige davon zeigte Tezuka oder Yuuta, sondern nur diesen Jungen, mit einem genervten, manchmal leicht mörderischen Gesichtsausdruck. Der Junge tat ihm zu dem Zeitpunkt unendlich leid. Dann spielte er gegen den gleichen Jungen im Tennis und konnte seinen Bruder ein wenig besser verstehen. Echizen war unglaublich.

Aber dann rief ihn Syusuke eines Abends an und die Worte „Ich hab heute gegen Echizen gespielt ...“, war das Erste, was ihm sein Bruder sagte. Gefolgt von: „Wir haben zwei Monster im Team ...“

Der Abend blieb ihm Wochen in Erinnerung. Manchmal brachte es sein Herz zum Rasen. Der schiere Gedanke, dass sein Bruder jemandem entgegen getreten war, der ihn so sehr beeindruckte, dass er diesen Ausdruck in der Stimme zuließ, … machte ihn wahnsinnig. Schließlich hatte er immer von dem Augenblick geträumt, dass sein Bruder auch einmal so über ihn sprechen würde. Aber dann kam er an einem gewöhnlichen Samstagnachmittag nach Hause und das Erste, was er sah, waren ein Paar sehr bekannte Filas, neben denen seines Anikis im Schuhregal und das Zweite, wie deren Besitzer auf dem Sofa im Wohnzimmer saßen. Nahe. Zu nahe. Traumatisch nahe.

„Saa … Yuuta-kun. Wie schön dich zu sehen, wie geht’s dir?“, fragte ihn Syusuke mit einem strahlenden Lächeln, woraufhin ein paar verschlafen blinzelnder Katzenaugen von dem Schoß seines Bruders aufblickten und Yuuta knallrot wurde. Die langen Finger seines großen Bruders hörten währenddessen gar nicht auf, durch die grünschwarzen Strähnen des Jüngeren zu gleiten, der den Kopf nur sachte drehte und die Aufmerksamkeit dann wieder dem Fernseher zu wandte. „Was … zur Hölle tut ihr da?“, entkam es Yuuta und er fragte sich, ob ihre Eltern sich darüber bewusst waren, was sein großer Bruder da tat …

„Wir schauen uns eine Dokumentation an. Willst du dich zu uns gesellen. Wenn Ryoma-kun ein wenig rutscht, kannst du dich zu uns legen.“
„Yadda.“, murmelte Echizen von seiner Position aus und Yuuta öffnete leicht fassungslos den Mund, als er beobachtete, wie der eine Arm, der zuvor noch leblos vom Rand des Sofas hing, sich nun unter den Oberschenkel Syusukes schob und diesen fast ein wenig besitzergreifend umfasste. „Saa … das ist aber nicht sehr nett, Ryoma-kun. Denkst du nicht, du solltest mich mit meinen Bruder teilen können?“, kicherte Syusuke wobei die blauen Augen sich öffneten und Echizen den Kopf wieder drehte, um den Blick ungläubig aus seinen goldgrünen Augen zu erwidern.

Yuuta stockte der Atem, als sich daraufhin Fujis Finger von Echizens Haaransatz, über dessen langen Hals bewegten, unter den Kragen, des dünnen T-Shirts. „Ich teile nie, Senpai.“, grinste der Jüngere frech, während sich Syusuke über sein Gesicht lehnte und die honigbraunen Strähnen sich mit grünschwarzen vermischten. „Saa … nicht mal ein kleines Bisschen? Yuuta-kun soll sich doch nicht vernachlässigt fühlen.“, wisperte Syusuke viel zu nah an den immer noch frech grinsenden Lippen, woraufhin ihm schwindelig wurde. Er musste in einem Albtraum gefangen sein. Aber dann hob sich Echizens freie Hand und legte sich ohne zu zögern in den Nacken Syusukes und küsste ihn einfach, woraufhin Yuuta zurückstolperte und gegen die Wand knallte. „Nicht ein Stück.“, murmelte Echizen und dann fuhr Yuuta herum und lief aus dem Haus.

Erst eine Querstraße später bemerkte er, nur seine Socken zu tragen. Aber für den Moment war er nur froh, nicht beobachten zu müssen, wie sein Bruder sich über Echizen Ryoma hermachte oder … andersherum? Echizen ... über … Syusuke?

So was wollte er nicht sehen! Und doch, … als er sich wieder ausreichend beruhigt hatte, um zurück zu gehen, erkannte er zum ersten Mal das glückliche Lächeln auf den Zügen seines Bruders sowie den warmen Ausdruck in den blauen Augen. Alleine weil Echizen neben diesem saß.
Und Yuuta fühlte sich zwar zum ersten Mal ein wenig dem beraubt, was er in all den Jahren irgendwie gedacht hatte zu hassen. Nur um zu erkennen, dass es einfach nur selbstverständlich gewesen war. Vielleicht waren ihre Eltern deshalb auch nicht gegen Fujis Liebe und Beziehung zu dem Jungen.

Weil sein großer Bruder zum ersten Mal glücklich war. Und das, ohne mit Hass oder Abwehr konfrontiert zu werden. Stattdessen schien Echizen nicht weniger glücklich zu sein, so, wie er sich hin und wieder ein wenig an Syusuke zu lehnen schien.

Alles in einem, wusste Yuuta nun, dass er nichts mehr zu befürchten hatte, Mizuki mit nach Hause zu nehmen. So konnte er vielleicht die Aufmerksamkeit seines Bruders auch wieder auf sich ziehen …

~*~

+ 1 – So, wie es tatsächlich ist – Der Blick aus Ryomas und Fujis Seite

Es war verrückt, aber nach diesem Spiel im Regen sah Ryoma in seinem verrückten Senpai eine Seite, welche ihm zuvor nie aufgefallen war. Vielleicht lag es einfach daran, dass sich dieses tiefe Azurblau eben noch nie auf ihn gerichtet hat. Und diese dann, verbunden mit so viel Leidenschaft, auf seiner Haut prickelnd wahrzunehmen, war …


Es war überwältigend.

Aus dem Grund wollte er auch dieses Spiel auf jeden Fall fortsetzen. Weil ihn Fuji wirklich faszinierte. Dieses eine Spiel raubte ihm förmlich den Verstand. Was schlecht war, weil, nachdem Tezuka auch noch ging, er sich ein wenig haltlos zurückgelassen fühlte. Schließlich war sein Buchou ihm über die Monate sehr wichtig geworden. Aber so ganz ohne ihn hatte er nicht das Gefühl, weiter gefordert zu werden. Zumindest bis …

„Also Fuji spielt dann Singles 1 ...“, fügte Oishi hinzu, während Ryoma seine Sachen bereits einpackte. Er war mit den Gedanken bereits bei seinem nächsten Spiel mit Ibu, den er gleich treffen wollte, als Fuji neben ihn auf die Bank sank, und dann sah Ryoma für eine Sekunde nur tiefes Azurblau, woraufhin er Ibu vergaß. „Saa, ich denke Echizen sollte Singles 1 spielen.“ Ihm selbst entglitt beinahe das Chemiebuch, das er nicht mehr in seine Schultasche bekommen hatte und es nun versuchte, in die Tennistasche zu stopfen.

„Eh … Fuji? Singles 1 wird gespielt von – ...“
„Saa, ich weiß. Aber gerade deswegen denke ich, dass Echizen es machen sollte. Schließlich soll er doch weiter gefördert werden. Oder denkst du anders?“, unterbrach Fuji Oishi schnurrend. Für einen Moment blieb es ziemlich still. Bevor sich Oishi an Inui wandte, der bereits begann zu rechnen. „Ja schon. Ich … also, es ist nur, wenn wir verlieren, kommen wir nicht einmal in die Nationals hinein.“

Inui tippte sich mit dem Kugelschreiber ans Kinn. „Ii … laut meinen Berechnungen bestünde eine Chance von 53,8%, dass Echizen, Shiraishi besiegen kann.“

„Saa und ich wette unser Echizen schafft das locker mit 81%.“, schmunzelte Fuji, woraufhin Ryoma ihm einen zweifelhaften Blick zuwarf, weil Inui zu ärgern immer schlecht war. Ryoma wusste es zu gut und würde sich dem nie wieder aussetzen. „Ist das für dich denn auch okay, Echizen? Ich meine, … wenn das zu viel Druck ist –...“, Oishi legte die Hand sanft auf seine Schulter, aber er musste nur grinsen und rollte gleichzeitig mit den Augen. „Keine Sorge, Senpai. Ich hab nicht vor zu verlieren.“

Und dabei war diese Debatte nur die erste von Vielen. Denn wann immer Fuji die Möglichkeit sah, ihm einen anständigen Gegner geben zu können, wechselten sie zwischen der 2. und 1. Position. Es war zu Beginn echt witzig, machte Ryoma mit der Zeit jedoch neugierig, warum dem so war. Als er den Tensai dann während einer Freistunde in der Bibliothek antraf – endlich mal alleine und ungestört von anderen – musste er es los werden. „Warum überlässt mir Fuji-senpai seine besten Gegner?“, fragte Ryoma, ohne sich anzukündigen, woraufhin der Tensai den Kopf zu ihm drehte, und wenn er glaubte, diesem vielleicht endlich mal einen Schrecken eingejagt zu haben, lächelte der ihn nur unbekümmert an. „Echizen-kun … wie schön dich zu sehen. Setz dich doch.“

Er hatte eigentlich vorgehabt, zu dem Laden gegenüber der Akademie zu gehen, um sich ein Sandwich zu kaufen, weil er Hunger hatte. Aber … das schien auch okay. Also setzte er sich seinem Senpai gegenüber und musterte ihn. „Also?“

„Saa, freust du dich nicht über diese Möglichkeiten?“, fragte ihn Fuji. „Nun … doch. Aber ich verstehe nicht warum. Hat Buchou gesagt, du sollst das machen?“ Bei der Erwähnung ihres Buchous öffneten sich die blauen Augen und Ryoma schluckte leicht. Außerhalb eines Courts dieses Blau zu sehen, … machte ihn nervös.

„Saa, ich höre selten auf Tezuka, das weißt du doch. Ich dachte nur, nun wo du nicht mehr wöchentlich mit Tezuka spielen kannst, brauchst du eine andere Herausforderung.“

Ryoma blinzelte. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass es jemanden gab, der von ihren Spielen jeden Sonntag wusste. Und irgendwie störte es ihn, dass gerade Fuji davon wusste. Um das jedoch zu überspielen, neigte er leicht grinsend den Kopf. „Fuji-senpai könnte auch mit mir spielen.“

„Saa … das könnte Fuji-senpai natürlich.“, lächelte der Tensai. Allerdings gefiel Ryoma dieser Tonfall nicht. Er war zu nett. Weshalb er seinen Blick leicht abschätzend sinken ließ und versuchte dieses nagende, enttäuschende Gefühl in seinem Bauch zu ignorieren, welches in ihm aufkam. „Aber Fuji-senpai wird unser Spiel nicht fortsetzen oder?“

„Saa und da nennen sie mich das Genie.“, schnurrte Fuji, aber Ryoma nickte nur knapp, bevor er aufstand. „Was auch immer.“

Er hasste es, dieses eine Spiel mehr zu wollen, als der Tensai es tat. Und er hasste es, wie weh es ihm tat, es nicht zu bekommen.

Hinter ihm knarzten die Stuhlbeine, als der Tensai den Stuhl zurückschob. „Echizen-kun?“ Da war eine überraschende Ernsthaftigkeit in der sonst so melodischen Stimme, welche ihn dazu brachte stehen zu bleiben und den Kopf zu Fuji zu drehen. „Willst du mich denn wirklich so gern besiegen?“

Für einen Augenblick zögerte Ryoma, während er tief in die azurblauen Augen aufblickte und spürte, wie sein Herz begann zu rasen. Nicht wegen der Frage, sondern der Antwort.

Weil sie absolut nichts mit Tennis zu tun hatte …

„Ich will dich nicht besiegen. Ich will, dass du mich ernst nimmst.“ Damit drehte sich Ryoma um und ging. Aber die Intensität von Fujis Blick, spürte er selbst dann noch, als er im Unterricht saß. Ebenso wie das unsichere Kribbeln in ihm, weil er jetzt nicht mehr sagen konnte, wie es zwischen ihnen weiter gehen würde. Nun, wo er eine Tür zwischen ihnen aufgestoßen hatte, welche Ryoma nicht einmal zwischen ihnen gesehen hat.

~*~

Konnte es tatsächlich sein, dass der Jüngere gar nicht zu bemerken schien, wie ernst ihn Fuji nahm? Es sollte eigentlich unmöglich sein, weil er absolut nie jemandem so viel aufrichtige Aufmerksamkeit gab, wie Echizen. Allerdings war es möglich. Schließlich verstand der Junge ja auch nur eine einzige Sprache. Also trat er am gleichen Vormittag noch zu Oishi heran.

Wenn Echizen von ihm ernst genommen werden wollte, konnte Fuji ihm das gerne ermöglichen.

Somit lächelte er stets weiter, selbst, als sie ihre ersten Aufwärmrunden liefen und Echizen, wie immer stur vorne weglief. Dabei aus Eiji ein Jammern und Momoshirou ein atemloses Fluchen herausdrückte, welche es nicht glauben konnten, wie der Jüngere immer schneller war, als sie. Fuji hingegen hatte eine Vorstellung. Und die sorgte ihn ebenso, wie sie ihn beeindruckte. Denn irgendwann würde Echizens Ehrgeiz, alles schaffen und gleichzeitig dabei das Beste geben zu wollen, zu seiner größten Schwäche werden. Jetzt war es ja noch harmlos. Aber wenn er so weiter machte, und nicht auf seine Grenzen achtete, die ihm sein Körper zeigte, könnte er sich verletzen. Und das wollte Fuji nicht erleben. Dazu mochte er den Jüngeren zu sehr.

Nach dem Laufen atmete Fuji schließlich mehrfach tief und langsam ein sowie aus, um eben nicht wie Eiji am Boden zu liegen oder Momoshirou im Gras zu knien. Sein Blick fiel dabei auf Echizen, dessen Augen geschlossen waren, während er versuchte seine Atmung zu regulieren. Dabei konnte Fuji nicht zum ersten Mal nicht widerstehen, als er seinen Blick über den langen Hals des Jüngeren gleiten ließ und an dessen Schlüsselbein hängen blieb, das unter dem offenen Kragen zu sehen war.

„Eh … okay, also wenn ihr soweit seid, … dann findet euch bitte auf den jeweiligen Courts wieder. Fuji und Echizen auf Court A, Momo und Taka-san Court B, Eiji und Kaidoh Court C.“ Oishis Stimme riss ihn aus aus seinem Tagtraum, wobei er den Blick hob und ein interessantes Prickeln im Bauch spürte, bei der Erkenntnis, dass Echizen seinen Blick bemerkt hatte. Goldgrüne Katzenaugen blickten ihn perplex an, woraufhin Fuji an den Jüngeren herantrat und sachte am Schirm seiner Kappe zog. „Saa … heute keine Lust auf ein Spiel mit mir?“, fragte er amüsiert, wobei Echizen sofort rot wurde und den Kopf unter seinen Fingern hindurch duckte. „Mada mada dane, Fuji-senpai.“

Damit bückte sich der Jüngere nach seinem Schläger und ging zielstrebig zu ihrem Court.

Lächelnd folgte er ihm dorthin, in der wagen Vermutung, dass Echizen spätestens nach diesem Spiel merken sollte, wie ernst Fuji ihn nahm.

~*~

Innerlich brannte Ryoma schon auf dieses Spiel, da hatte Oishi-senpai noch nicht einmal ausgesprochen. Dann aber sah er den Blick des Tensais auf seinem Hals und tiefer gehend, was ihn verwirrte. Hatte er vielleicht gekleckert? Nein … er aß ja nicht wie Momo oder Eiji, ging es ihm durch den Kopf, während er sich auf den Court stellte und seine Lippen befeuchtete. Gott, er war so aufgeregt. Prüfend zog er an seiner Kappe, nur um sich kurz umzuwenden, um den Himmel zu prüfen. Aber der war wolkenlos und – Thack.

Erschrocken fuhr er zur Seite, als der Ball ziemlich scharf an seinen Filas vorbeizischte, und er auf die Stelle des Courts starrte. Atemlos drehte er den Kopf zu Fuji, der ihn aus seinen blauen Augen intensiv anblitzte. „Saa, nimmst du mich denn ernst, Echizen-kun?“, fragte ihn der Tensai schnurrend, aber Ryoma schluckte. „Ich nehme Senpai immer ernst.“, hauchte er ein wenig verlegen, nicht aufgepasst zu haben und zog dann wieder am Schirm seiner Kappe.

„Na dann … hab ich hoffentlich deine gesamte Aufmerksamkeit auf mir.“, lächelte Fuji und ließ einen neuen Tennisball mehrmals auf den Court aufprallen, eh er ihn in die Luft warf und überraschend hart aufschlug. Ryoma bereits im selben Augenblick losrannte, um den Ball zurück zu schlagen. Dabei wusste er eines, Fuji vielleicht so direkt vorzuwerfen, von ihm nicht ernst genommen zu werden, würde ihm den Sieg kosten.

Und tatsächlich war Ryoma froh überhaupt fünf Punkte geholt zu haben. Aber dafür hatte Fuji auch all seine Tripple Counter ausgepackt sowie den Disapearing Serve und Ryoma wollte auf der einen Seite nichts lieber, als ein heißes Bad nehmen und gleichzeitig eine Revanche. Stattdessen grinste ihn der Brünette einfach nur über dem Netz an und fragte ihn scheinheilig … „Saa, war es wenigstens so, wie du es dir erhofft hast?“, so, als würde der Tensai nicht genau wissen, dass Ryoma sich erhofft hatte, es wäre der Brünette, der völlig atemlos am Netz stehen würde. Und nicht Ryoma …

Später jedoch, als er Momo gerade aus dem Clubhaus folgen wollte, war es Inui, der ihn sanft zurückhielt und anerkennend anblickte. „Nur damit du es weißt, Echizen. Aber Fuji hatte bis heute noch nie ein Tie-Break …“

Inuis Worte ließen ein neues Gefühl in Ryoma erwachen, bevor er leicht freudig grinsen musste und seinem Senpai zunickte. Später fragte ihn zwar sein Oyaji, was er denn den ganzen Tag so dümmlich grinste, woraufhin er sich nicht zurückhalten konnte, von Fuji zu erzählen.
Dabei war es das erste Mal, dass er nicht alleine von dem Team erzählte, sondern alleine über eine einzige Person. Wobei ihm entging, wie Nanako einen amüsierten Blick mit seiner Mutter austauschte. Sein Vater hörte sowieso nur dann zu, als Ryoma erklärte, wie er diese Tripple Counter auseinandernahm …

~*~

„Itaii.“, fauchte Ryoma, während ihn Fuji fast entschuldigend anblickte. Allerdings war der ja auch schuld an seinem Schmerz, wie Ryoma fand. Denn nach dem unglaublichen Spiel – von dem Ryoma immer noch eine Revanche forderte – bekam er den Älteren nicht mehr von seiner Seite. Heute sollten sie Doppel spielen.

Er musste nicht mehr sagen oder?

„Saa … ich frage mich immer noch, wie du das geschafft hast.“, murmelte Fuji, der vor ihm, zwischen seinen Beinen kniete. Lange Finger hielten dabei seine Strähnen davon ab, zurück über seine Stirn zu fallen, wo sich bestimmt eine unendlich große Beule abzeichnete. Dort, wo Ryoma, den Schläger des Tensais an den Kopf bekommen hatte.

Giftig sah er in tiefes Azurblau, welches jedoch auf seinen Haaransatz gerichtet war. „Ich lief und du hast einfach ausgeholt.“, das Idiot schluckte Ryoma gerade noch hinunter, aber als würde es dennoch ausgesprochen worden sein, kicherte Fuji leise und senkte dann den Blick, bevor die langen Finger, sich aus seinen Strähnen lösten und diese dann zurück über seine Stirn, knapp in seine Augen zurückfielen. „Saa … der Ball flog auf meinen Part.“, erwiderte Fuji, aber Ryoma verengte nur leicht die Augen. „Nein, der Ball war auf meiner Seite. Fuji-senpai stand einfach nur falsch.“

„Saa, ein Doppel spielt sich eben nur zu zweit, Ryoma.“, damit blitzte Azurblau amüsiert und Ryoma hielt beinah den Atem an, weil der Ältere ihn plötzlich beim Vornamen nannte. „Auch wenn du mich beim Vornamen nennst, liegst du dennoch falsch.“, Fuji grinste auf seine Erwiderung nur weiter, was Ryoma beinahe wahnsinnig machte, aber bevor er sich darüber weiter ärgern konnte, legten sich die langen Finger plötzlich auf seine Wange, und er blinzelte entgeistert. „Vielleicht hattest du bisher einfach nur … die falsche Perspektive.“, wisperte der Ältere und Ryoma war so kurz davor, zu glauben, dass ihn der Schlag eventuell doch härter getroffen haben musste. Dann jedoch küsste ihn Fuji und seine Hände hoben sich automatisch an die Schultern des Tensais um ihn von sich zu schieben, stattdessen jedoch zog er ihn näher, bevor er die Hände in den perfekten Nacken schob und die Augen schloss. Ryoma hatte nicht den leisesten Schimmer von dem, was hier passierte, aber es fühlte sich spektakulär an. Fast besser als ihr Spiel, welches sich aber nicht auf einem Court fortsetzte sondern mit ihren Händen und Lippen, so, wie Fuji ihn zu sich auf sein Becken zog, was einfach war aus seiner Position aus. Und noch einfacher, den Kuss auf die gleiche Art, leidenschaftlich zu erwidern, wenn Ryoma schon so unendlich lange an diese Lippen dachte …

Es dauerte Minuten, bis Ryoma mal gewillt war, aufgrund Luftmangels den Kuss zu lösen. Allerdings … „Du standest trotzdem falsch.“, beharrte er schließlich atemlos gegen Fujis Lippen, der mit einer Hand sanft durch seine Haare strich, während die andere unter sein Trikot glitt und Ryoma zufrieden anlächelte. „Saa, du kannst es mir beim nächsten Versuch gerne zeigen, aber jetzt …“ Fujis Stimme, warm und weich, aber sehr leise, brachte ihn dazu die Augen halb zu schließen, sobald sich ihr Atem wieder begann zu vermischen und Ryoma glaubte, der Tensai wollte nur ablenken. Fand er sich einen Augenblick später auf dem Rücken wider, mit einer Zunge in seinem Mund, welche sein Innerstes ebenso heftig prickeln ließ, wie der Disappearing Serve, den Ryoma mit einem Grinsen zurückschlug, und Fuji damit erneut bewies, ihn nicht zu unterschätzen. Und genau wie in dem Moment, überraschte er auch hier den Älteren, in dem Ryoma mit seinem angewinkelten Bein unter Fuji über dessen Schritt rieb und seine Finger in die weichen Haare krallte, denn … Fuji hatte keine Ahnung, wie lange er sich das hier schon vorstellte.

Von Eiji gestört zu werden, gehörte zwar nicht zu seiner Vorstellung, aber definitiv das heiße Prickeln, das sie beide im selben Moment durchfuhr, weil es unmöglich war, das weiter hinauszuzögern …

~*~ Fin ~*~
Review schreiben
 
 
'