Anno Draconis

von Donoma
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
07.12.2018
11.12.2018
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Im Jahre X818 wurde die zuvor ebenfalls in den Sieg über Acnologia involvierte Magiergilde Sabertooth, unter der Leitung von Sting Eucliffe, erfolgreich in das Ratsprojekt »Bewährung« aufgenommen, nachdem sich Jahre zuvor schon Fairy Tail als zuverlässiger Partner für dieses Vorhaben erwiesen hatte.
Die Aufsicht über den Bewährungskandidaten Shiro Nakin übernahm Rufus Lore.
Mit dem Jahre X825 wurde der Kandidat als erfolgreicher Absolvent angesehen. Er verblieb als Gildenmitglied bis zu seinem Tode im Dezember X838.


Heute schrieb man den 18.09.X854.
In wenigen Tagen würde etwas geschehen, was Sting seit langem ersehnte.
Sein etwas altersmüder Blick ging noch einmal über die versammelte Gilde hinweg, ehe er sich, zum letzten Mal von seinem Sessel auf dem Podest des Gildenmasters erhob. Von nun an war es nicht mehr sein Sessel. Denn Sabertooth hatte einen neuen Master.

Aus der Gruppe der Versammelten traf den ehemals blonden Dragonslayer ein Blick, dessen blaues Funkeln vieles verheißen konnte. Zu allererst, dass Taija so gar nicht verstand, warum nicht sie die neue Gildenmasterin war. Jedoch, so sehr Sting seine Tochter liebte und so stolz er auf die Stärke ihrer magischen Fähigkeiten war… ihr reizbarer, vorpreschender Charakter übertraf ihn in seinen wildesten Zeiten um Längen und war beim besten Willen nicht geeignet, eine Gilde zu führen.

Offen, jedoch mit einem Ausdruck, der ihr klarmachen dürfte, dass er von seiner Entscheidung nicht mehr abweichen würde, lächelte er Taija zu.

Und die hochgewachsene Magierin, die das Handwerk ihrer Mutter, die Engelsmagie, erlernt hatte und mit ihren strahlend blauen Augen und den silberblonden Haaren noch deutlicher das passende Bild verkörperte, schlug etwas die Lider herab, lächelte ebenfalls und gab sich geschlagen. Vorerst.

Ehe sie es sich anders überlegen konnte, trat Sting, ein wenig steif, die Stufe hinab, legte seinem gewählten Nachfolger kurz die Hand auf die Schulter und musterte dessen Miene, in der sich noch immer Stolz, Überraschung und unverkennbare Furcht mischten. Gerechnet hatte der hellhaarige Magier nicht damit, heute diesen Posten anzutreten. Aber Sting war überzeugt davon, dass sein Nachfolger das Zeug dazu hatte.
So gesellte er sich nun in aller Ruhe zu den wenigen Gildenmitgliedern, die am Tor des Gildengebäudes auf ihn warteten, die mit ihm reisen würden.

Sie wirkten wieder wie ganz früher, wie Team Twindragon, als sie aufbrachen: Sabertooth ehemaliger Master Sting Eucliffe, seine rechte Hand Rogue Cheney und ihre Exceed, Lector und Frosch. Es hatte keiner Worte bedurft, dass sich Yukino der kleinen Reisegesellschaft angeschlossen hatte, schließlich gehörte sie als Rogues Ehefrau zur Familie.
Stings eigene besser Hälfte, Sorano, weilte leider schon seit einigen Jahren nicht mehr unter den Lebenden – Tribut der in schlechten Zeiten verkauften Lebenszeit. Aber umso enger hielten die Verbliebenen zusammen.

Yvo, der hoch aufgerichtet in der ersten Reihe der ihnen nachwinkenden Gildenmitglieder stand, begleitete sie dennoch nicht. Aber er trug nun auch die Verantwortung auf den breiten Schultern. Dass sein Bruder Tristan wie stets nicht nur körperlich, sondern auch geistig, unverrückbar an seiner Seite stand, half ihm, trotz allem frei zu atmen.
Denn die Verantwortung wog schwer.
Die Verantwortung für die Stellargeister, die seine Mutter ihm in den letzten Jahren einen nach dem anderen anvertraut hatte… die Verantwortung für seinen inzwischen dreizehnjährigen Sohn, den er seit gut zehn Jahren allein aufziehen musste… und die Verantwortung für ganz Sabertooth.



Im Jahre X854 schaut die Magiergilde Fairy Tail seit ihrer Reunion auf eine fünfzigjährige Geschichte zurück. In dieser Zeit machten sich Gildenmitglieder wieder und wieder um die Geschicke Fiores verdient. So ist das Ende des schwarzen Dragonslayers Acnologia im Jahre X816 zum großen Teil Magiern von Fairy Tail zu verdanken.
Auch die seit nunmehr achtzehn Jahren durchgehend amtierende Ratsvorsitzende July von Gentiana trug einst das Gildenzeichen Fairy Tails und fühlts sich dieser Gilde nach eigenen Angaben noch immer verbunden.


Noch immer war der Master eine imposante Erscheinung, mochte auch sein blondes Haar mit den Jahrzehnten ergraut sein, mochten seine Augen von Falten umgeben und sein stets herausforderndes Grinsen einer gewissen Alterswürde gewichen sein.
Wenn er, wie jetzt, mit einem großen Schritt die Bühne im Gildensaal erklomm und seine donnernde Stimme die Gilde zusammenrief, hätte ihm niemand seine weit über achtzig Jahre zugestanden: „Fairy Tail!“

Da kamen sie zusammen, Alt und Jung, drängten sich vor der Bühne eng aneinander um nichts zu verpassen.

Der Blick des Masters glitt über die Gilde – SEINE Gilde.
Besonders erfasste er dabei eine Gruppe enger Weggefährten, die recht weit vorne stand und seinen Blick wissend erwiderte. Natsu, Wendy, Gajeel und Erik war bewusst, dass sie heute trotz ihres durchgehend stolzen Alters, zu mehr als nur einem Auftrag aufbrachen. Für sie rückte ein Stichtag näher, den sie seit Langem erwarteten.

„Fairy Tail, ehe ich nun mit Team Dragon Retrieval“, bewusst nutzte Luxus den alten Namen, „aufbreche, habe ich euch, meiner Gilde, noch etwas zu sagen!“

Alles rückte noch näher zusammen.

„In wenigen Tagen wird für mich und die anderen Dragonslayer ein neues Zeitalter anbrechen.“
Luxus schloss kurz die Augen, als in den Reihen der Gildenmitglieder Jubel über diese pathetischen Worte ausbrach. Er war sich nicht sicher, wie viele von ihnen den wahren Kern seiner Aussage erkannt hatten. Vielleicht spürte auch nur er es…
„Und so habe ich beschlossen, dass dies ein guter Anlass ist, auch für uns, für Fairy Tail ein neues Kapitel anbrechen zu lassen. Mit dem heutigen Tag, Kameraden, werde ich meinen Posten als euer Gildenmaster niederlegen.“

Auf einmal herrschte atemlose Stille im Gildensaal. Mit dieser Verkündung hatte wohl kaum jemand gerechnet.
Doch ehe jemand Einwände erheben konnte, beugte Luxus sich herab und streckte die Hand nach der einzigen Person aus, die wirklich in diese Entscheidung eingeweiht gewesen war, weil es sie betraf.
Nach kurzem Zögern griff die schmale Frauenhand zu und ließ sich symbolisch von ihm auf die Bühne helfen, gesellte sich an seine Seite, während sich auf ihrem Gesicht ein stolzes Lächeln abzeichnete. Luxus legte ihr den Arm um die Schultern und sah wieder in die Runde: „Das ist eure neue Masterin: Enka!“



In diesen fünfzig Jahren leitete der Urenkel von Gilden-Mitbegründer Yuri Dreyar, Luxus Dreyar, Fairy Tail auf seinem durchweg nicht gradlinigen Weg. Im Jahr X854 nun übergab er seine Verantwortung in die Hände einer im zehnten Jubiläumsjahr der Reunion geborenen Magierin: Enka Justine. Selbst schon seit langen Jahren den S-Rang tragend und den verdientesten Familien Fairy Tails verbunden, tritt sie im Jahre X854 ein großes Erbe an.


Es war schwer, sich nicht noch einmal umzudrehen. Aber sie alle wussten, was sie zu sehen bekommen würden, hätten sie es getan: Die versammelte Gilde, ausnahmslos, mit hoch erhobenen Händen, Daumen und Zeigefinger ausgestreckt, das Fairy Tail Zeichen formend, das einst Luxus eingeführt hatte und das seine Zeit als Gildenmaster sicher weit überdauern würde.
Hoshiko und ihre Familie formten es ebenso wie Mirajane und Elfman, Tarit wie Max, Layla genauso wie Eiji, Hebiko und ihr Sohn Sato. Und Enka, die neue Masterin Fairy Tails, ebenso wie ihre Eltern.

Dieser Gruß richtete sich an Fairy Tails Dragonslayer, an ihre Exceed und an die drei Frauen in ihrer Begleitung: Lucy, Levy und Kinana, die ihren Ehemännern nicht von der Seite gewichen waren.
Ob auch sie die wahre Tragweite erspürten, dass sie diese Entscheidung getroffen hatten? Die Reise hinab nach Sa Dragonera würde Tage in Anspruch nehmen und anstrengend werden, angesichts dessen, dass sie alle die jugendliche Frische lange hinter sich gelassen hatten. Aber als Gildenmagier waren sie schon ihr ganzes Leben lang in Bewegung gewesen, sie wussten ja, worauf sie sich einließen.

Wendy lief tief in Gedanken neben den anderen her.
Sie hatte keinen begleitenden Partner, denn Doranbalt war schon seit einiger Zeit tot. Das war der Preis für ihr Glück trotz des Altersunterschiedes gewesen und Wendy haderte nicht damit.
Sie hatte eine schöne Zeit mit ihm verlebt, vor allem in den Jahren, nachdem er die Leitung des Geheimdienstes abgegeben und sich zur Ruhe gesetzt hatte. Denn anstatt zu seinem Bruder und dessen Lebensgefährten Fuyu zu ziehen, die sich in die dörfliche Abgeschiedenheit von Gentiana zurückgezogen hatten, war Doranbalt zu Fairy Tail gekommen. Fast neun Jahre lang hatte er das Gildensymbol getragen, bis zu seinem Tod. – Seit dem waren Wendy und ihre Tochter Romea, die ihr in der ersten Trauerzeit nicht von der Seite gewichen war, noch enger verbunden gewesen.

Vielleicht war das der Grund, warum Wendy schließlich doch einen Blick zurück riskierte, über die Schulter nur, ganz kurz… und sie erhaschte genau den Anblick, den sie erwartet hatte: Romea, zwar ebenfalls mit erhobener Hand die Abschiedsgeste formend, jedoch den Blick abgewandt, die Haltung etwas zusammengesunken.
Sallys helle Pfote ruhte haltgebend auf ihrer Schulter.
Romea ahnte wohl mehr, als all die anderen. Wendys Tochter, die längst selbst eine gestandene Heilerin war, spürte wohl, dass dieser Abschied anders war…

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Und damit heiße ich euch willkommen zum allerletzten Band meiner Reihe! Alle bisher noch offenen Kreise sollten sich hier schließen und ich hoffe, ihr habt Freude daran, mich und die Charaktere auf diesem Weg zu begleiten!