Flowers

von MiVa
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
07.12.2018
07.12.2018
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Hobi liebte es neben Tae einzuschlafen.

Er fühlte sich sicher und geborgen bei ihm, und es fühlte sich fürchterlich kalt an wenn er nicht neben ihm lag.
Inzwischen war er so sehr an die Nähe seines Freundes gewöhnt dass er ohne sie nicht mehr auskam.
Es war wie eine Sucht, aber die Entzugserscheinungen waren furchtbar.

Sie waren ein Alptraum.

Nie hat er gedacht dass er abhängig von einer Person werden würde, jedoch waren sie nun schon seit drei Jahren ein Paar.
Wobei.... das war eine kurze Zeit wenn man sie mit anderen Beziehungen vergleicht, aber es war genug Zeit gewesen in der sich Hobi an Taes Nähe gewöhnen konnte.

Vermutlich hat es dazu beigetragen dass sie vor einem Jahr zusammen in eine gemeinsame Wohnung gezogen sind.
Man könnte zwar meinen dass man sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder gegenseitig auf den wecker fällt, aber so war das nicht bei ihnen gewesen.

Sie liebten einander wie am erstem Tag.

Der erste Tag ihrer Beziehung begann jedoch mitten in der Nacht, und es hat damit angefangen dass Tae bei ihm schlafen wollte.

Ein weiterer Grund warum J-Hope es liebte neben Tae einzuschlafen, es erinnerte ihn daran wie Taehyung ihm seine Gefühle gestanden hat.

„Hyung...?“

„Hm? Was ist denn...“

Hoseok öffnete noch völlig schlaftrunken seine Augen als Tae ihn ansprach.
Der andere stand neben seinem Bett, schenkte ihm einen entschuldigenden Blick bevor er wieder sprach.

„Kann ich bei dir schlafen? Ich hab... schlecht geträumt...“
Ein wenig beschämt biss sich der Jüngere auf die Unterlippe, blickte dabei kurz auf seine Hände herunter.

Das war sicher kindisch und dumm...

„Hm.... klar, hier ist genug Platz für uns beide“

Ein wenig überrascht sah Tae auf, nur um dann zu sehen wie Hobi tatsächlich Platz für ihn machte.
Leicht lächelte er und legte sich dann zu ihm.
„Danke...“

„Wovon hast du denn geträumt, Tae?“

Hoseok könnte es zwar jetzt dabei belassen und einfach weiterschlafen, aber vielleicht schlief Tae ja selbst besser wenn er über seinen Traum gesprochen hat.
Außerdem schien er so als würde ihn etwas beschäftigen.

Was es wohl war?

„Also... es ist kompliziert... ich habe von dir geträumt..“

„Und das ist der Alptraum? Na danke“
Hobi schmunzelte etwas.

„Nur Spaß. Und weiter?“

Tae belächelte den kleinen Scherz nur, er war gerade viel zu nervös um darüber lachen zu können.
„Ich- also du weißt ja dass Jungkookie heute aus dem Krankenhaus entlassen wurde wegen dem Autounfall den er hatte... ich hab darüber nachgedacht, und... und..“
Tief atmete er ein, das war schwerer als gedacht.

„Ich hatte Angst dass dir das mal passiert und es eben nicht so gut ausgeht wie bei Kookie...“

„Oh... Aber Tae-“

„Das ist nicht alles, Hyung. Ich will dass das keinem von euch allen passiert, aber der Unterschied bei dir ist dass ich etwas sehr bereuen würde, weißt du?“

„Nicht wirklich, TaeTae. Was würdest du bereuen?“, hauchte er leise.
Inzwischen wae Hoseok wieder hellwach.

Was wollte Taehyung ihm sagen?

Dieser wurde etwas rot, und er musste sich erst einmal richtig sammeln bevor er ihm antworten konnte.

„Dass ich dir etwas sehr wichtiges nicht gesagt habe. Ich- ich weiß nicht wie du reagieren wirst, deshalb hab ich es dir bisher nie gesagt. Aber jetzt möchte ich es dir sagen bevor vielleicht mal was ganz Schlimmes passiert. Dann bereue ich es nicht dass ich geschwiegen habe“

„Und was willst du mir sagen...?“

„Ich bin in dich verliebt“


Wenn Hobi daran zurückdachte kribbelte es noch immer in seinem Bauch, sein Herz schlug schneller und er musste unwillkürlich lächeln.

Das war wohl einer der besten Momente seines Lebens gewesen.

Er wusste noch ganz genau wie er erst gar nichts sagen konnte, wie Tae kurz Angst hatte weil keine Reaktion kam und wie er Tae dann geküsst hat.

Es war zwar kein Liebesgeständnis wie sie in Filmen präsentiert wurden, aber für Hobi war es perfekt gewesen.

Sie haben danach nicht viel geredet, Hobi hatte sich an Taehyung gekuschelt und sie sind dann zusammen eingeschlafen.

Aber Tae hat ihm seine Liebe nicht nur einmal gestanden, es gab am Tag darauf direkt ein zweites Mal.
Das war ihr erstes Date als Paar, sie waren zusammen shoppen gewesen und haben sich anschließend in ein Café gesetzt.

Hobi schaute auf den Brief in seinen Händen.

„Ich hab etwas für dich“

„Ach ja?“
Hobi lächelte leicht, rührte etwas in seinem Tee und sah dann seinen Freund erwartungsvoll an.
„Das ist süß von dir“

Tae lächelte und holte einen Brief aus seiner Tasche.

„Ein Brief?“

Jhope hatte das nicht ganz erwartet, aber aber er war nicht enttäuscht.

„Ja. Aber kannst du ihn bitte erst Zuhause lesen? Das ist sonst voll peinlich...“

Hobi lachte etwas, das war typisch.

„Okay, versprochen“

Auch das war ein Moment gewesen an welchen sich Hobi gerne zurück erinnerte, und der Inhalt des Briefes hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt.

Es war ein Liebesbrief gewesen.

Vermutlich war er Tae peinlich weil er darin all seine Gefühle für ihn offengelegt hat, es war wohl mit eine der direktesten Weisen jemanden zu zeigen was man für ihn fühlt.

Und Tae war da wohl ein klein wenig schüchtern, es wäre ihm unangenehm Hobi ellenlange Paragraphen vorzutragen in denen er davon spricht wie sehr er ihn liebt.

Er hatte seine eigene Weise dafür gehabt.

Jhopes Blick wanderte zu den Blumen welche er noch in der Hand hielt.

Es waren weiße Nelken.

Weiße Nelken standen für ewige Treue.

„Hyung, ich hab etwas für dich~“

Der Ältere der beiden saß gerade auf dem Boden ihrer neuen Wohnung, Namjoon und er waren gerade damit fertig geworden die Wände ihres Wohnzimmers zu streichen.
Taehyung sollte etwas zu Essen holen, aber er hatte noch etwas anderes dabei.

„Ich hoffe es ist was zu Essen, ich verhungere“
Leicht grinste er, stand dann aber auf und ging zu seinem Freund.
Mit einem sanften Kuss auf die Wange grüßte er ihn.

„Sind das Blumen?“

„Ganz genau, aber es sind Sonnenblumen“

Leicht zog Hobi eine Augenbraue in die Höhe.

„Ich weiß wie Sonnenblumen aussehen Tae“

Tae reichte ihm den Strauß und grinste dann ein wenig.

„Aber kennst du ihre Bedeutung? Blumen werden erst ein richtig schönes Geschenk wenn man die Bedeutung kennt. Dann weißt du auch warum ich dir ausgerechnet Sonnenblumen gekauft habe~“

Nun wurde Hobi neugierig, und er freute sich gleich viel mehr über das Geschenk als er sowieso schon tat.

„Und warum hast du Sonnenblumen gekauft?“

„Sie sind irgendwie wie du“

Wie er sollten sie sein?
Ehrlich gesagt wusste Hobi nicht was er davon halten soll mit einer Blume verglichen zu werden.

„Warum denn wie ich? Ich hab noch nie Photosynthese betrieben, das solltest du aber wissen Tae“

Tae lachte auf, und auch Hobi grinste amüsiert.

„Aber wirklich, inwiefern sind sie so wie ich?“

Noch ein wenig belustigt lächelte Tae.

„Sonnenblumen stehen für menschliche Wärme, Fröhlichkeit und Spaß. Das alles geht auch von dir aus. Ich glaube Sonnenblumen werden meine Lieblingsblumen....“

An dem Tag wurde eine Art Ritual geboren.
Jede Woche kauften sie abwechselnd füreinander Blumen, aber sie machten sich genau Gedanken darüber.

Es war wirklich schön, vielleicht auch ein wenig kitschig.

Aber es war wundervoll, und jedes Mal ein weiterer Liebesbeweis.

Wobei... nicht jede Blume stand für etwas Schönes oder konnte als Kompliment genutzt werden, und auch ihre Beziehung hatte Punkte an denen nicht alles rosig war.

Jhope bettete seinen Kopf auf seinen Arm damit es zumindest etwas bequemer war, und er starrte regelrecht auf das Bild welches neben ihm stand.

Es war ein Foto von Taehyung.

Er lächelte.

Wann hat Tae ihm das letzte Mal ein ehrliches Lächeln geschenkt?

„Worüber denkst du nach, Tae?“

Taehyung und er hatten sich einen gemütlichen Abend gemacht und schauten sich zusammen ein paar Filme an.
Jedoch schien Tae sehr abwesend zu sein, er lachte nicht über die Witze, er rührte ihre Snacks nicht an und gab sonst auch nichts von sich.

„Hm? Ach gar nichts-“

„Das sagst du mir immer wenn ich dich das frage, aber dich beschäftigt etwas in letzter Zeit. Ist alles okay?“

Kurz verstummte Tae.

„Ich hab dir meine Antwort schon gegeben, Hyung...“

Taehyung beugte sich vor zu der Vase mit den Veilchen, zog eines heraus und gab es Hobi.

Schwach lächelte er, es wirkte so als hätte er es sich aufzwingen müssen.

„Bitte warte...“

Es waren blaue Veilchen.

Mit ihnen hat er Hobi um Geduld gebeten.


Hoseok glaubte nicht dass sie sich seitdem noch Blumen geschenkt haben um dem anderen zu zeigen wie sehr sie sich liebten.

Sie haben sich immer noch sehr geliebt, aber Tae hat sich verändert und das hat Hobi hat sich Sorgen gemacht.

Er hat die Sprache der Blumen genutzt um dies auszudrücken.

Jhope zog etwas aus seiner Jackentasche und setzte sich wieder hin, die Nelken hat er beiseite gelegt.

Er hasste die Kindersicherung an diesen Pillendöschen, wenn man Pech hat sind alle Tabletten auf dem Boden verteilt wenn man es dann geschafft hat die Dose zu öffnen.

Zum Glück passierte dies nicht, und er hat die Dose problemlos öffnen können.

Für zwei Minuten sah er sich nur das Etikett an, sah daneben die kleine Abbildung von einem Sternenhimmel und dem Mond.

Dann sah er nach oben in den Himmel.

Heute war es bewölkt, es hatte den ganzen Tag geregnet.

Der Boden unter ihm war matschig, und er hat seine Klamotten damit komplett eingesaut.

Das war ihm aber egal.

„Wie hoch war das wohl?“, murmelte er leise.


„Taehyung hat Briefe geschrieben“, sprach sie.

Hobis Blick war bis eben noch auf den Boden gerichtet gewesen, so fiel es nicht auf dass er weinte.

Naja, sicher ist es aufgefallen, aber seine Freunde ließen ihm für einen Moment in Ruhe.

Die letzten Tage waren heftig gewesen.

Taes Mutter setzte sich neben Hobi auf die Couch.

Die Beerdigung war seit einer Stunde vorbei, und ein paar Leute haben das Haus verlassen nachdem sie noch etwas gegessen haben.

Nur Hobi hatte sich nicht mehr gerührt, er hatte kein Wort mehr gesprochen.

Er hat schweigend auf der Couch gesessen während ihm die Tränen über die Wange gelaufen sind.

„Er hat Briefe geschrieben...?“, kam es leise von ihm.

„Einen an mich und einen an dich. Es tut mir leid dass ich ihn dir nicht eher geben konnte.... I-Ich-“

„Schon gut. Haben Sie den Brief dabei...?“

Sie nickte, versuchte die aufkommenden Tränen zu unterdrücken.

Kurz darauf überreichte sie Hobi dann den Brief, sie hatte ihn den ganzen Tag mit bei sich gehabt.

„Ich lasse dich dann mal wieder in Ruhe. Es tut mir leid dass das passiert ist...“

Sie stand auf, verließ schnell den Raum da sich der nächste Zusammenbruch anbahnte.

Hobi sah auf den Umschlag.

Schwer schluckte er.

Nie hatte er gedacht dass es ihm so schwer fallen würde einen Abschiedsbrief zu lesen.

Immer noch nichtssagend verließ er das Haus von Taes Mutter, ging zu seinem Auto und setzte sich hinters Steuer.

Eine Weile saß er nur da, unschlüssig ob es eine gute Idee war den Brief im Auto zu lesen.
Er hatte Angst vor dem Inhalt.

Hobi wollte nicht erfahren müssen dass er der Grund für seinen Selbstmord war.

Langsam öffnete er den Umschlag, seine Hände zitterten, weshalb er dafür eine gewisse Zeit brauchte.


„Hey Hobi,

Ich bin echt schlecht in so was, aber das weißt du ja sicher inzwischen.

Es tut mir leid, mir tut alles leid was ich in letzter Zeit versaut habe.

Und das ist eine ganze Menge.

Ich wollte dich nicht so abweisen, ich wollte dir keine Sorgen bereiten, und am wenigsten wollte ich ein Mörder werden.

Es tut mir leid dass ich so eine Enttäuschung bin und keinen anderen Weg wusste.

Ich konnte es dir nicht sagen ohne dass du dich verantwortlich dafür gefühlt hättest.

Es war nicht deine Schuld dass ich ihn getötet habe, und noch weniger ist es deine Schuld dass ich mir das Leben genommen habe.

Du warst mein Lichtblick im Leben, und ich konnte den Gedanken nicht ertragen wie du reagieren würdest wenn du erfährst dass ich meinen Stiefvater getötet habe.

Naja, mein Gewissen hat das auch nicht ausgehalten.

Du musst mir nicht verzeihen,das war eine grauenhafte Tat.

Ich konnte einfach nicht weiter ansehen wie er meine Mutter misshandelt, wie er über dich sprach....

Es war ein Fehler so zu handeln, und ich wünschte ich hätte mit dir gesprochen.

Ich wünschte ich hätte dir nicht diese Smeraldo Blumen geschenkt.

Ich hab alles kaputt gemacht.

Es tut mir unendlich leid.

Ich liebe dich, Hobi“




Nicht nur die Worte des Liebesbriefs hat er sich gemerkt.
Auch der Inhalt dieses Briefes hat sich in seinem Kopf manifestiert.
Sie ließen ihn nicht mehr los, und er wünschte er hätte Tae mehr gefragt.

Er hätte ihm mehr das Gefühl geben müssen dass er ihm vertraut.

Dann hätte er sich sicher nicht von dem Hochhaus gestürzt.

Hobi erschauerte kurz, es wurde kälter.

Jedoch kam die Außentemperatur nicht gegen die Kälte an die in ihrer Wohnung herrschte nachdem er von Taes Selbstmord erfahren hat.

Er fühlte sich fremd in ihrer Wohnung, es fühlte sich nicht so an wie ein Zuhause wenn Tae nicht da war.

Jhope kippte den Inhalt der Dose in seine Hand.

Die Tabletten haben ihm beim einschlafen geholfen, aber was war sein Schlaf überhaupt noch wert wenn er nicht mehr neben Tae schlafen konnte?

Was war sein Leben noch wert wenn er nicht mehr glücklich sein konnte?

Um glücklich sein zu können musste er bei Tae sein.

Er wollte sich nicht mehr so alleine fühlen, er brauchte Taehyung.

Nach und nach führte er die Tabletten zu seinem Mund, er ignorierte den ekelhaften Geschmack der sich in seinem Mund breit machte wenn er die Tabletten nicht auf Anhieb schlucken konnte.

Hobi musste die Dose nicht einmal leeren, schon bald spürte er wie sie anfingen zu wirken.

Jedoch nahm er auch den Rest, er wollte sterben.

Er wollte dieses Leben nicht mehr, und da wollte er nicht riskieren zu überleben.

Langsam legte er sich wieder neben das Grab von Taehyung.

Seine Augen fielen zu.

Hoffentlich konnte er bald bei ihm sein.....
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