Supernatural Adventskalender Tür 7 :  The Night before Christmas

von Leagim
OneshotFantasy, Übernatürlich / P16 Slash
07.12.2018
07.12.2018
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Hallo ihr Lieben

Hier kommt das siebte Türchen des Supernatural Adventskalenders.

Vielen Dank an Polly, dass ich ein Teil von dieser Aktion sein durfte <3

Lasst euch bitte nicht von der Länge der Geschichte abschrecken. Es ist mein aller erster OS überhaupt, und alles in ein Kapitel zu packen war eine echte Herausforderung. Ich hoffe aber es ist mir irgendwie gelungen ;)

Ich wünsche euch allen schöne Weihnachten <3

Ganz liebe Grüße,

Leagim

***********************


Leise fiel der Schnee vom Wolkenbedeckten Himmel und deckte die Landschaft mit einer weißen, weichen Decke aus Schnee zu. Die Häuser in der Umgebung trugen alle weiße Mützen aus Schnee, die sich zu immer dickeren Schichten aufbäumten, bis das ursprüngliche Dach nicht mehr zu sehen war. Doch genauso verhielt es sich mit allen anderen Flächen die der Schnee erreichte. Auch vor Deans geliebtem, schwarzen 67er Chevy Impala, der vor dem Snowball-Motel stand, machte der Schnee keinen Halt, und deckte ihn mit einer weißen Decke zu. Die Temperatur war ebenfalls in den Minusbereich gefallen, sodass man es ohne warme Kleidung draußen kaum noch aushielt. Doch wozu raus gehen, wenn man es innen gemütlich warm hatte?

Dean Winchester stand in einem schwarzen Sweatpulli am Fenster und beobachtete mit verstimmter Miene, wie immer mehr Schnee auf seinen geliebten Impala hinab fiel. Er war bereits drei mal draußen gewesen um sein Baby vom Schnee zu befreien und um das Eis von den Fenstern zu kratzen. Vermutlich würde das noch sein Hobby werden, wenn sie hier weiterhin nicht voran kamen. Sie waren nun schon seit fast vier Tagen hier, gingen einem Fall nach bei dem es sich angeblich um Werwölfe handeln sollte, doch bisher hatten sie kaum eine Spur. Diese Viecher versteckten sich einfach zu gut. Allerdings hatte Dean auch die Vermutung, dass Sam es gar nicht so eilig hatte von hier zu verschwinden. Sie befanden sich nämlich in einem kleinen Kaff, in der Näher von Idaho. Dean hatte den Namen wieder vergessen, aber dieses kleine Dorf hier besaß wohl nur höchstens 8.000 Einwohner. Wenn überhaupt. Aber das war ja noch nicht mal das schlimmste. Anscheinend hatten diese Leute einen Faible für Weihnachten, denn überall erblickte man an jedem Haus, an jedem Laden, manchmal sogar an Autos, Weihnachtsdeko, Lichterketten, das ganze Programm eben. Als sie die Stadt erreicht hatten auf ihrer Anreise, und Dean das ganze kitschige Zeug gesehen hatte, wäre er am liebsten wieder umgekehrt, doch Sam hatte darauf bestanden, dass sie blieben.

Wenn Dean sich nicht täuschte, dann hatten Sams Augen sogar geleuchtet, als er den ganzen Weihnachtskram gesehen hatte. Gesagt hatte er jedoch nichts. Unwillkürlich überkam Dean ein schlechtes Gewissen. Sam hatte Weihnachten immer schon geliebt. Schon als sie Kinder waren. Damals hatte Dean Weihnachten auch noch geliebt. Doch hatte sich das geändert, als ihre Mutter Mary von dem gelbäugigen Dämon Azazel getötet wurde. Seitdem hatten sie nie wieder richtig Weihnachten gefeiert. Ihr Vater, John, hatte sich völlig in der Jagd nach dem gelbäugigen verloren und hatte kaum noch Zeit für seine Söhne. Damals hatte sich Dean um Sammy gekümmert. Er hatte sich auch immer bemüht ihm ein schönes Weihnachten zu bescheren, was jedoch nie so ganz gelingen wollte, dennoch waren sie zufrieden gewesen. Als John schließlich auch gestorben war, hatten sie gänzlich damit aufgehört. Dean hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sich jedes Weihnachten zu betrinken, wenn sie nicht auf der Jagd waren, und Sam verkroch sich immer auf sein Zimmer. An Weihnachten tat jeder von ihnen das, was er wollte.. Mehr oder weniger.. Diese Tage waren immer die schlimmsten im Jahr. Zu der Zeit verließ Dean nur selten den Bunker. Er ertrug es einfach nicht die ganzen glücklichen Familien zu sehen, die sich trafen und sich dann, bei einem großen Familienessen den Bauch voll zu stopfen.

Diesen Fall den Sam aufgetrieben hatte, hatte Dean jedoch aus seinem Zimmer gelockt, denn egal wie sehr er selbst Weihnachten hasste, es sollten nicht unschuldige Menschen mit Familie an Weihnachten sterben, nur weil er sich weigerte vor die Tür zu gehen, nur um die glücklichen Gesichter nicht sehen zu müssen.

Und nun waren sie hier. Am Arsch der Welt, ziemlich weit weg vom Bunker und wenn sie sich nicht beeilten den Fall zu lösen, dann würden sie wohl noch bis Weihnachten hier sitzen, was Dean auf jeden Fall vermeiden wollte.

Ein entnervtes Seufzen hinter sich, veranlassten Dean dazu sich umzudrehen. Sam hatte den Laptop vor sich frustriert zu geschlagen, und lehnte sich auf seinem Stuhl nach hinten und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Er sah müde aus. Dunkle Augenringe waren zu erkennen, ebenso die Sorgenfalten, die jeden Tag  mehr zu werden schienen.

,,Nichts gefunden?“, hakte Dean nach und ließ sich Sam gegenüber auf den Stuhl fallen.

,,Nichts.. Es gab keine weiteren Leichen und auch sonst keine Hinweise die auf Werwölfe hindeuten könnten.“, seufzte Sam frustriert.

,,Viellicht sind sie ja weitergezogen? Ich mein der letzte Vorfall ist schon zwei Tage her und es waren auch nur zwei Rentner die sie erwischt haben.. Oder sie halten Winterschlaf?“, spekulierte Dean und trank einen Schluck seines mittlerweile kalten Kaffees.

,,Sehr witzig Dean. Nein, sie müssen hier noch irgendwo sein. Am besten wir fahren nochmal zum Tatort.“, schlug Sam vor und erhob sich bereits von seinem Stuhl.

,,Vergiss es Sam. Bei dem Schnee da draußen wurde jede Spur vernichtet. Da könnten wir auch einfach auf gut Glück durch den Wald stampfen und ihr Versteck suchen, in der Hoffnung es zu finden.“, der ältere Winchester schüttelte belustigt den Kopf. ,,Nein nein Brüderchen. Mich kriegst du heute nicht mehr in die Kälte. Außerdem musst du endlich mal schlafen. Du siehst ja schon aus wie Frankensteins Monster.“

,,Und was willst du stattdessen tun? Rumsitzen und warten bis sie ihr nächstes Opfer schnappen?“, überging Sam Deans Bemerkung einfach und blieb unschlüssig im Raum stehen.

,,So zu sagen. Es ist Arschkalt draußen, und es würde mich nicht wundern, wenn sie nochmal zuschlagen. Seit zwei Tagen war es ruhig, doch bei der Kälte kommt der Hunger schneller. Außerdem haben wir sehr wohl Anhaltspunkte. Die zwei Senioren kamen aus dem Altenheim am Stadtrand. Vermutlich arbeitet jemand aus dem Rudel zur Tarnung da und sucht sich potentielle Opfer aus, und schickt sie unter einem Vorwand an die frische Luft.“, erzählte Dean, als wäre es nichts ungewöhnliches.

,,Wieso hast du das nicht schon eher gesagt?“, klagte Sam und ließ sich rücklings aufs Bett fallen.

,,Weil ich es eben erst erfahren habe.. Außerdem kam die Idee nicht von mir. Ich hab mit Bobby telefoniert, aber das hast du nicht mitgekriegt, da du so tief in deinen Berichten vertieft warst.“, grinste Dean scheinheilig und trank mit angewiderten Blick seine Tasse leer.

,,Also sollten wir ins Altenheim fahren.“, Sam war wieder aufgestanden und sah Dean erwartungsvoll an, der sich augenrollend erhob.

,,Clever kombiniert Sherlock.“, Dean schnappte sich ebenfalls seine Jacke, einen Schal, Mütze und Handschuhe, ehe sie das Motel verließen..

**

Drei Stunden später hielt der Impala wieder auf dem Parkplatz. Es war mittlerweile dunkel geworden und der Schnee hatte etwas nachgelassen. Doch dafür hatte Dean keinen Blick. Er war müde, voller Werwolf Blut und hatte endgültig die Schnauze voll für heute. Sam ging es nicht anders.

Leise ächzend kletterte Dean aus dem Impala. Seine Schulter schmerzte, als ihn der Werwolf dort mit seinen Krallen erwischt hatte. Dieses Mistvieh hatte verdammt gute Reflexe, doch Sam hatte es zur Strecke bringen können. Wie sich herausgestellt hatte, war die Pflegerin die Anführerin des Rudels gewesen, und hatte sich, wie Bobby vermutet hatte, potenzielle Opfer ausgesucht und sie unter Vorwänden nach draußen gelockt, wo das Rudel gelauert hatte. Doch nachdem Sam und Dean die Anführerin erledigt hatten, war der Rest des Rudels freiwillig abgehauen, was den beiden Jägern nur recht gewesen war. Die Leitwölfin hatte es echt faustdick hinter den Ohren. Auch Sam hatte ein paar Blessuren davon getragen, doch es war nichts ernstes. Mit etwas schlaf und Ruhe würden sie schon bald wieder wie neu sein.

Nachdem Dean geduscht und sich mit einer gemütlichen Jogginghose und T-Shirt ins Bett hatte fallen lassen, war er auch fast augenblicklich eingeschlafen.

**

Der Geruch von starkem Kaffee, sorgten letzten endlich dafür, dass Dean sich einen Weg vom Land der Träume zurück in die Realität bahnte. Müde rekelte er sich im Bett und blinzelte verschlafen gegen das einfallende Licht an.

,,Na, gut geschlafen?“, fragte Sam amüsiert, der mit der Zeitung bereits an dem kleinen Küchentisch saß, und aufsah, als er merkte, dass Dean wach wurde.

Dean setzte sich seufzend auf.

,,Wenn du unter gut schlafen meinst, dass in meinen Träumen fliegende Rentiere vorkamen, die Schnee aus ihren Hufen gezaubert haben und dass  kleine fette Engel in Windeln auf ihnen geritten sind, dann habe ich echt super geschlafen..“, knurrte Dean verstimmt. Es stimmte. Je länger sie in dieser Stadt blieben, die aussah wie die Stadt des Weihnachtsmannes persönlich, dann war es sicherlich kein Wunder, dass jeder nach einiger Zeit anfing von Weihnachtsbäumen, kleinen fetten Engeln in Windeln und plüschigen Rentieren zu träumen, die einen Schlitten hinter sich her zogen, in dem ein dicker Mann im roten Mantel saß..

Dean schüttelte benommen den Kopf, um die Gedanken an seinen Traum zu verscheuchen, ehe er aufstand und sich zu seinem Bruder an den kleinen Tisch setzte.

Sam schob ihm grinsend eine dampfende Tasse Kaffee hin.

,,Danke. Den brauch ich jetzt..“, brummelte Dean und nahm einen Schluck von dem heißen Gebräu. Fast augenblicklich spürte er wie seine Lebensgeister wieder zu neuem Leben erweckt wurden.

Für einen kurzen Augenblick genoss Dean den Kaffee, der seine wärmende Wirkung entfaltete, ehe er zu Sam sah. Sam wirkte erstaunlich erholt, als ob ihm die Zeit hier gut tun würde.

,,Was?“, fragte Sam, der den forschenden Blick von Dean bemerkte.

,,Sag mal Sammy.. Gefällt es dir hier eigentlich?“, fragte Dean ganz unbefangen.

Sam starrte ihn einen Augenblick an, ehe er den Blick wieder auf die Zeitung wendete, ehe er etwas nervös antwortete.

,,Nein! Natürlich nicht. Viel zu viel Deko und Weihnachtszeug.. Ich bin froh wenn wir wieder weg sind.“

Dean sah seinen Bruder mit hoch gezogenen Brauen an. Die Antwort kam  viel zu schnell und unbeholfen. Sam konnte ihn auch nicht ansehen, und Dean wusste, dass Sams Worte dem Gegenteil entsprachen.

,,Es gefällt dir hier.“, stellte Dean nüchtern fest und beobachtete amüsiert wie Sam verlegen den Blick abwandte.

,,Naja.. Es ist doch auch mal ganz schön das ganze Weihnachtsgetummel mit zu erleben, als zu der Zeit immer nur im Bunker zu verbringen, jeder in getrennten Zimmern..“, erklärte sich Sam unbeholfen. ,,Es ist schon ewig her, dass wir zusammen Weihnachten gefeiert haben, oder überhaupt was in der Richtung gemacht haben. Und zu sehen wie die ganzen Menschen die Weihnachtszeit begrüßen, ist einfach schön. Dean, ich möchte dass wir zukünftig auch wieder Weihnachten feiern. Anstatt an den Tagen immer daran zu denken was wir nicht haben, sollten wir Dankbar sein für das was wir haben. Nämlich uns.“, Sam hatte sich immer mehr in Rage geredet, und seine Augen hatten dabei zu leuchten begonnen.

Dean musterte ihn nachdenklich. Ihm war es nie in den Sinn gekommen, dass Sam das Weihnachtsfest vermissen würde.. Ein schmerzhafter Stich durchfuhr ihn, als ihm bewusst wurde, dass er nicht einmal daran gedacht hatte, wie es Sam an Weihnachten ging.. Er hatte immer geglaubt dass Sam es auch doof finden würde, und auch sonst hatte er nicht durchblicken lassen, dass es ihm fehlte. Und jetzt überraschten ihn seine ehrlichen Worte, und ein warmer Schauer durchfuhr ihn, als er das kindhafte Leuchten in Sams Augen sah, was er früher schon immer hatte, wenn es um Weihnachten ging.

Ein leichtes lächeln schlich sich auf seine Lippen. Vielleicht hatte Sam recht. Sie hatten immer noch sich, und das war alles was sie brauchten.

,,In Ordnung Sam. Sobald wir zu Hause sind, besorgen wir uns einen Tannenbaum. Aber wehe wenn der Bunker so aussieht, wie dieses Kaff hier. Dann kannst du Weihnachten künftig im Keller feiern, da wo ich den ganzen Schnick Schnack nicht sehe.“, drohte Dean grinsend, und auch Sam grinste ihn frech an.

,,Deal.“, grinste der jüngere Winchester und wirkte mit einem viel gelöster als die letzten Tage. Dann vergrub er seine Nase wieder hinter der Zeitung, während Dean sich Kaffee nachschenkte und sich ein Brot beschmierte.

,,Dean.. Aus unseren Weihnachtsplänen wird wohl nichts..“, murmelte Sam plötzlich ernst, und sah von seiner Zeitung auf.

,,Wieso?“, fragte Dean kauend.

,,Ich denke wir haben einen neuen Fall.. Und wenn ich mich nicht täusche, dann werden wir an dem noch etwas beschäftigt sein..“

Nun sah Dean alarmiert hoch. Er schluckte sein Stück Brot hinunter und trank einen Schluck Kaffee, ehe er seine ganze Aufmerksamkeit auf seinen Bruder richtete.

,,Was ist denn diesmal passiert?“

Sam reichte ihm wortlos die Zeitung. Dean sah seinen Bruder skeptisch an, der erschreckend blass geworden war, dann widmete er sich der Zeitung. Die Titelseite sprang ihm sofort ins Auge, mit den abgebildeten Bildern. Das erste Bild zeigte einen Wald von oben. Die Bäume standen dicht beieinander, doch an einer Stelle waren sämtliche entwurzelt worden und lagen in einem kilometergroßen Kreis um einen riesigen Krater herum, der das Zentrum bildete. Es sah beinahe so aus, als wäre ein Meteorit in dem Wald eingeschlagen, doch Dean konnte nirgends einen Meteoriten erkennen.

Das zweite Bild, war eine Aufnahme von dem Krater. An manchen Stellen konnte Dean kleine goldene Punkte erkennen, die den dunklen Krater Boden leicht schimmern ließen. An anderen Stellen, konnte Dean eine leichte Glut erkennen, doch dann entdeckte etwas anderes, was ihn stocken ließ. Wenn man ganz genau hinsah, konnte man leichte Abdrücke in dem Krater erkennen. Dean versuchte ein Muster zu erkennen, bis es ihm wie Schuppen von den Augen fiel.

Flügel!

In der Mitte des Krater befanden sich zwei Abdrücke von ausgestreckten Flügeln! Dean zog die Stirn zusammen. Die Abdrücke sahen aus, als wären sie in die Erde gebrannt worden.. Und irgendwie sahen die Abdrücke der Flügel aus wie die von... einem Engel. Das war unmöglich! Es gab keine Engel! Und selbst wenn, wo war dann der Engel zu dem die Flügelabdrücke gehörten?! Bestimmt hatte sich jemand nur einen Weihnachtsscherz erlaubt. Bestimmt hatte jemand den Krater gegraben, etwas Goldpuder verstreut, Flügelabdrücke verbrannt, und.. über 20 Bäume gefällt? Das ergab keinen Sinn. Der Aufwand wäre viel zu groß.

Was war realistischer? Der Glaube an Engel, oder der Glaube an einen gewaltigen Weihnachtsscherz..? Dean schluckte, dann sah er Sam an.

,,Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass..“

,,Es ein Engel war? Wieso nicht?“, beendete Sam seinen Satz.

,,Komm schon Sam. Es gibt keine Engel!“ hielt Dean dagegen.

,,Wieso? Nur weil bisher noch niemand einen gesehen hat? Es gibt Dämonen, und einen Teufel. Dann muss es zum Ausgleich doch wohl Gott und die Engel geben, oder etwa nicht.“, konterte Sam.

Dean sah ihn entsetzt an. Das ergab zwar Sinn.. Aber Engel? Gott? Das war doch eine Spur zu hoch.. oder?

,,Komm schon Dean. Wir wissen nicht ob es tatsächlich ein Engel war, auch wenn alles dafür spricht, aber das Ereignis hat hier in einem der umliegenden Wälder stattgefunden. Wir sollten uns das ansehen.“, Sams Begeisterung war förmlich greifbar.

,,Ich weiß nicht Sam.. Selbst wenn es Engel geben sollte, wieso hat einer von ihnen einen Krater geschlagen und hat seine Abdrücke hinterlassen?“

,,Genau das sollten wir herausfinden. Ich warte im Wagen.“, mit den Worten stand Sam auf und gab Dean somit nicht mehr die Möglichkeit sich aus dem Fall heraus zu ziehen.

Empört sah er Sam nach. Für einen kurzen Augenblick blieb er noch fassungslos am Tisch sitzen, sah sich die Bilder und den Bericht nochmal an, ehe er im Bad verschwand, und fünf Minuten später fertig angezogen wieder heraustrat.

sam hatte bereits die Tasche mit den Waffen mitgenommen. Doch Dean hatte den Colt immer unter seinem Kopfkissen. Zur Sicherheit steckte er ihn ein. Wer weiß auf was sie stoßen würden.

Dann zog er die Tür von außen hinter sich zu..

**

Die Kälte war nicht das schlimmste an diesem Tag. Dean zog seinen Schal höher und seine Mütze tiefer. Seine Hände vergrub er in seiner Jackentasche. Sie stapften nun schon seit einer halben Stunde durch den Wadenhohen Schnee. Den Impala mussten sie am Waldparkplatz zurücklassen, da es keinen geräumten Weg gab, den sie hätten nehmen können. Also mussten sie zu Fuß durch den Wald trampeln, auf der Suche nach ungefähr 20 gefallenen Bäumen und einen riesigen Krater. So etwas sollte man normalerweise nicht übersehen.

Sam hatte die Führung übernommen und führte sie durch den Winterwald, der so friedlich da lag, als ob nichts geschehen wäre.

Nach knapp zehn Minuten sahen die blinkenden Lichter eines Polizei Wagens durch die Bäume blinken. Auch die gefallenen Bäume kamen in Sicht. Sie kämpften sich weiter vorwärts und kamen auf einem geräumten Weg aus, der vermutlich extra geräumt wurde, damit die Polizei den Bereich absichern konnte. Und tatsächlich. Um den Krater war rotes Flatterband befestigt, was Dean ziemlich albern fand, schließlich wurde ja keine Leiche gefunden, sondern nur ein Krater, umgeben von entwurzelten Bäumen, und einem riesigen paar, verkohlter Flügelabdrücke.

Nachdem sich Dean und Sam mit ihren gefälschten FBI Ausweisen beim Sheriff vorgestellt hatten, durften sie sich den Krater genauer ansehen.

Die Spurensicherung war schon da gewesen, dennoch versuchten Dean und Sam so behutsam wie möglich den Krater hinab zu klettern. Dean musste sich immer noch das Grinsen verkneifen, als den Sheriff nach seiner Theorie gefragt hatten. Der Sheriff ging tatsächlich von Opferritualen aus. Natürlich konnte das auch möglich sein, aber es war doch sehr unwahrscheinlich.

Der Schneefall hatte wieder eingesetzt. Sie mussten sich also beeilen, wenn sie noch mögliche Spuren finden wollten.

Dean betrachtete die verkohlten Flügelabdrücke. Zaghaft hockte er sich hin und berührte eine Stelle, der Flügel ganz behutsam. Sofort zuckte seine Hand zurück. Das war unmöglich! Die eingebrannten Abdrücke waren warm! Letzte Nacht war der Einschlag von diesem Wesen gewesen, und die Temperatur lag unter dem Gefrierpunkt. Hier dürfte eigentlich nichts mehr warm sein!

,,Sam!“, raunte Dean zu seinem Bruder, der sich einige der kleinen Gold Partikel eingesammelt hatte, der dann auf ihn zu trat.

Auch Sam war erstaunt, dass die Abdrücke noch warm waren. Keiner hatte etwas erwähnt. Weder der Sheriff noch sonst jemand. Hatten sie die Abdrücke denn nicht berührt?

Dean untersuchte die Mitte der Flügel. Die Stelle wo beide Flügel im Falle eines Engels aus dem Rücken ragen würden. Doch es gab keine weiteren Abdrücke, oder Schmauchspuren. Nur die Erde war flacher, als ob jemand dort gelegen hätte. Dean bemerkte das auch nur, weil er mit der Hand über den gefroren Boden strich und die Wölbung spürte, die ein Rücken hinterließ, der längere Zeit irgendwo gelegen hatte.

Dean stand auf, sah mit einer Mischung aus Faszination und entsetzen auf die Abdrücke. Es gab also tatsächlich jemanden, der zu den Flügelabdrücken gehörte, doch war dieser Jemand nicht da. Wo war er hin?

Dean kletterte aus dem Krater und nahm die nähere Umgebung des Krater unter die Lupe. Der Schnee hatte mögliche Spuren bereits verwischt. Falls es tatsächlich jemanden geben sollte, war dieser jemand wohl schon seit letzter Nacht verschwunden.

Dean sah in den Wald hinein. Einem inneren Impuls folgend ging er ein paar Schritte in den Wald, spürte die mystische Ruhe, die ein Winterwald ausstrahlte und wurde das Gefühl nicht los, dass dort etwas in dem Wald war. Er ging weiter, so gefangen in Spekulationen und Gedanken, dass er über eine Wurzel stolperte und der Länge nach in den Schnee fiel, der seinen Sturz abmilderte.

Fluchend wollte er sich aufrichten, als er in dem Busch neben sich etwas entdeckte. Der ältere Winchester erkannte ein Stück Stoff, welches er unter Mühe aus dem Dornenbefangen Busch befreite um es besser begutachten zu können.

Es war ein weißer Stofffetzen, doch war dies kein gewöhnlicher Stoff. Es war ein weiches, dünnes, seidenes Material, welches Dean noch nie zuvor gesehen hatte und auf der einen Seite besaß es wunderschöne, golden schimmerndes Stickereien. Er fuhr die Stickereien nach, und auch das goldene Material fühlte sich seltsam an. Dieses Stückchen Stoff strahlte solch eine Präsenz aus, das Dean eine Gänsehaut bekam.

Dann hörte er ein leises knacken eines Astes aus weiterer Entfernung und wirbelte herum, den Colt in der Hand. Doch außer ein paar Vögel die von Deans hektischer Reaktion verschreckt aus einem Gebüsch aufflogen, konnte er nichts erkennen. Der Wald schwieg. Es war ruhig. Irgendwie zu ruhig, und auch der Wald strahlte eine Präsenz aus die Dean gerne weiter verfolgt hätte, doch aus der Ferne hörte er seinen Bruder rufen.

Noch einmal drehte sich Dean um, ehe er wieder zurück ging. Was auch immer es war, der Wald verbarg etwas. Etwas sehr charismatisches.

,,Alter wo warst du?“, fragte Sam etwas sauer, als Dean ihn erreicht hatte.

,,Ich hab mich nur etwas umgesehen, sonst nichts.“, wich Dean aus und versteckte den Stofffetzen unauffällig in seiner Jackentasche. Er wusste nicht wieso, aber er hatte das Gefühl, dass Sam nichts von dem Stofffetzen erfahren sollte..

,,Und? Hast du was gefunden?“, fragte Sam.

,,Nein.. Du?“

,,Nein.. Aber ich hab ein paar dieser kleinen Gold Partikel eingesammelt und werde sie im Motel untersuchen.“, erklärte Sam und machte kehrt um wieder zurück zu gehen.

Dean hingegen hielt inne, sah noch einmal zum Wald zurück, der plötzlich bedrohlich auf ihn wirkte.. Als ob er nicht wollen würde, dass Sam von Deans Fund erfuhr. Dean hatte auch dieses beklemmende Gefühl, dass dieser Stofffetzen zu dem etwas gehörte, was der Wald vor ihm verbarg. Das etwas, was abgestürzt war. Doch Dean weigerte sich nach wie vor, es als Engel abzutun. Vielleicht war es kein Engel, sondern ein anderes Wesen..? Was es auch war, Dean würde es schon herausfinden.

**

Sam und Dean hatten noch kurz mit dem Sherif gesprochen und waren dann wieder zum Auto zurück gekehrt. Der Schneefall wurde wieder stärker, und der Wind hatte zugenommen.

Bald erreichten sie das Motel und Sam machte sich sofort an die Arbeit diese kleinen Gold Partikel zu untersuchen. Dean hingegen machte sich auf den Weg, um mögliche Zeugen zu befragen, was jedoch erfolglos blieb.

Der Tag verstrich und Abends waren Sam und Dean genauso weit wie am Morgen. Außer den kleinen Partikeln aus Gold und dem Stofffetzen hatten sie nicht viel neues.

Frustriert ging Dean zu Bett. Sam war schon am schlafen. Er war ebenso frustriert gewesen und hatte sich früh zu Bett begeben. Dean spürte die Müdigkeit, doch konnte er keinen Schlaf finden. Behutsam holte er den Stofffetzen nochmal heraus, den er unter dem Kopfkissen versteckt hatte und sah ihn sich an.

Er fühlte sich leicht an, wie eine Wolke, und die Stickereien waren unglaublich schön, auch wenn Dean keine Ahnung hatte, was diese Symbole bedeuteten. Je länger er sich den Fetzen ansah, desto müder wurde er, bis er schließlich doch noch einschlief.

Der Schnee hatte nachgelassen. Er fiel nur noch in sanften Böen vom Nachthimmel Himmel, welcher Sternenklar war. Doch Dean hatte da keinen Blick für. Er stapfte durch den Schnee, einem unbestimmten Ziel folgend. Er wusste erst wo er war, als er den Krater erkannte, der sich vor ihm auftat. Dean runzelte die Stirn. Doch dann sah er in den Wald hinein, in welchen er den Stofffetzen gefunden hatte. Die Bäume bewegten sich leicht, wenn eine kräftige Windböe durch die Äste fuhr und den Schnee aufwirbelte der auf die Äste niedergefallen war.

Mit einem mulmigen Gefühl schritt Dean voran. Er kam an dem Busch vorbei, wo er den Stofffetzen gefunden hatte, doch diesmal ging er tiefer in den Wald hinein. Und je tiefer er hinein ging, desto stärker machte sich das Gefühl bemerkbar, dass er beobachtet wurde. Immer wieder sah er sich um, hörte gelegentlich ein Rascheln, und wurde das Gefühl nicht los, verfolgt zu werden.

Dean stolperte vorwärts, tastete vergebens nach dem Colt, doch zu seinem erschrecken musste er feststellen, dass er unbewaffnet war. Dann sprang plötzlich etwas aus dem Gebüsch, ein paar Meter vor ihm.

Ein Werwolf.

Dean griff nach einem Ast, der neben ihm auf den Boden lag, um wenigstens etwas zu haben womit er sich verteidigen konnte.

Der Wolf kam näher, und es dauerte nur eine Sekunde, als er Dean auch schon angriff. Dean wehrte sich und verletzte den Werwolf mit seinem Stock, doch dann schlug ihm der Werwolf den Stock aus der Hand und Dean musste all seine Kraft aufbringen, den Wolf von seiner Kehle fern zu halten.

Der Winchester sah sein Ende schon kommen, da er spürte wie seine Kraft in den Armen nachließ, als sich der Werwolf plötzlich winselnd zurückzog und augenblicklich von Dean abließ.

Keuchend stützte sich Dean auf, und sah wie der Werwolf davon rannte. Wieso rannte er davon? Er hätte Dean doch töten können.

Dann spürte Dean plötzlich etwas, eine Präsenz, so stark und weitstrahlend, dass Deans Herzschlag sich beschleunigte. Er sprang auf die Beine und wirbelte herum, nur um im nächsten Augenblick erschrocken zurück zu taumeln.

Vor ihm stand ein Mann.. Ein Mann in einem weißen Gewand. Am Bauch befand sich ein goldener, kunstvoller Gürtel, und am unteren Bereich des Gewandes waren goldene Stickereien versehen, bis auf die Stelle, wo ein Stück Stoff fehlte..

Die Füße des Mannes waren nackt. Doch schien er nicht zu frieren, denn sein Gesicht wirkte reglos, während er Dean ansah. Seine Haut war hell und stand im starken Kontrast zu seinen schwarzen, zerzausten Haaren in welchen sich die Schneeflocken verfingen. Er hatte wunderschöne blaue Augen, eine gerade Nase und die schönsten Lippen die Dean je gesehen hatte. Der Mann besaß Engelsgleiche Gesichtszüge und strahlte solch eine charismatische Präsenz aus, dass es Dean den Atem verschlug und er automatisch auf die Knie sank. Er starrte den Mann an, und hatte keinerlei Zweifel, dass es sich bei diesem Mann um einen Engel handelte!

Minutenlang sahen sie einander an, ehe der Engel sich in Bewegung setzte und leichten Schrittes auf Dean zutrat, und sich vor ihn kniete. Sanft legte der Engel seine warmen Hände an Deans eiskalte Wangen und Dean spürte wie eine wohltuende Wärme seinen Körper durchzog. Er hatte gar nicht gemerkt wie kalt ihm eigentlich war.. Dean konnte kein Wort sprechen. Dazu war er fiel zu überwältigt und gefangen vom Anblick seines Gegenübers.

,,Ich brauche deine Hilfe Dean.. Bitte.. Hilf mir..“, die Stimme des Engels war tief und sanft, doch Dean hörte auch die Verzweiflung heraus, die darin mitschwang. Langsam kam Dean wieder zu sich.

,,Wer bist du..?“, Deans Stimme war nicht mehr als ein dünner hauch, doch der Engelsgleiche Mann hatte ihn gehört und schenkte ihm ein leichtes lächeln, welches Deans Herz zum rasen brachte.

,,Castiel.“, antwortete der Engel, ehe er wieder ernst wurde. ,,Bitte Dean.. Ich brauche deine Hilfe... Bitte hilf mir.“

Dean wollte gerade fragen wobei Castiel seine Hilfe bräuchte, als er eine Veränderung in dem Engel bemerkte. Die wunderschönen blauen Augen, verfärbten sich Gold, ein schönes dunkles Gold. Für einen Moment verlos sich Dean in ihnen, bis die Augen des Engels zu strahlen begannen, und nicht nur die Augen, der ganze Körper des Engels strahlte so hell, dass Dean die Augen zusammen kniff, doch schien das Licht seine Augen verbrennen zu wollen.

,,Hör auf damit!“, rief er verzweifelt, doch das Licht wurde nur noch heller..

Panisch schreckte Dean aus dem Schlaf. Sein Herz raste und er brauchte einen Moment bis ihm auffiel, dass er noch im Motelzimmer war. Atemlos schwang er die Beine aus dem Bett und sammelte seine Kleider zusammen, die er sich in rasender Geschwindigkeit anzog. Er wusste selbst nicht wieso er es plötzlich so eilig hatte in den Wald zu kommen, doch was auch immer er vorhin gesehen hatte, ob Traum oder nicht, er musste in diesen Wald, sofort!

Dean warf einen letzten Blick zu Sam, spielte mit dem Gedanken ihn zu wecken, ließ den Gedanken jedoch wieder fallen, und verschwand leise aus dem Motel.

Ein schlechtes Gewissen Sam gegenüber hatte er schon, und während er Richtung Wald fuhr wurde es auch nicht besser, aber er hatte das Gefühl, dass er da alleine hin musste. Vielleicht verlor er jetzt auch langsam den Verstand, da er Gedankenlos einem Traum folgte, doch sein Gefühl sagte ihm, dass da mehr hinter steckte. Castiel war kein Traum gewesen, denn so etwas würde Dean nicht mal im Traum einfallen!

Es dauerte nicht lange bis Dean den Waldparkplatz erreichte. In seiner Hektik hatte er seine Taschenlampe vergessen, doch seltsamerweise war der Nachthimmel sternenklar, und der Mond schien, währenddessen sanfter Schnee fiel. Wie in dem Traum, dachte Dean. Falls auch ein Werwolf auf ihn lauern sollte, so war Dean vorberietet, denn er hatte in seiner Hektik wenigstens daran gedacht Sam eine Nachricht zu hinterlassen, die nur besagte, dass er zum Frühstück wieder da sei, und hatte den Colt mitgenommen, der in seinem hinteren Hosenbund steckte.

Mühsam stapfte Dean durch den Schnee. Er hatte sich den Schal weiter ins Gesichts gezogen, seine Mütze hatte er vergessen, doch das interessierte ihn gerade herrlich wenig. Er musste sich konzentrieren um den richtigen Weg einzuschlagen, denn im dunkeln sah alles nochmal ganz anders aus.

Während er durch den Wald stapfte, auf dem Weg zum Krater, grübelte Dean nochmal über seinen Traum nach. Als er Castiel gesehen hatte, hatte er nicht den geringsten Zweifel, dass es sich bei ihm um einen Engel handelte. Aber wie kam das? Dean glaubte doch nicht an Engel.. Oder etwa.. doch?

Es dauerte nicht lange, als Dean die umgestürzten Bäume erreichte, die um den Krater herum lagen. Zwar erhellte der Mond schwach Deans Sicht, doch Dean musste trotzdem aufpassen, nicht abzurutschen und im Krater zu landen. Langsam lief er um den Krater herum, und fand schließlich die Stelle, welche er am Mittag im Wald eingeschlagen hatte.

So leise wie möglich tauchte Dean in dem Wald ein, den Colt hatte er griffbereit in der Hand. Krampfhaft versuchte er irgendwas zu erkennen, doch bis auf den dunklen Wald und den leise rieselnden Schnee nahm er nichts auffälliges wahr.

Er lief weiter, tiefer in den Wald hinein. Immer wieder sah sich Dean wachsam um, doch es blieb alles ruhig.

,,Castiel?“, rief Dean einmal durch den Wald. Er wusste nicht woher dieser Impuls kam, doch schaden konnte es bestimmt nicht. Wenn es kein Traum gewesen war, dann müsste Castiel hier irgendwo sein.

Doch außer ein paar Vögeln die verschreckt von ihren schlafplätzen aufflogen, blieb alles reglos im Wald. Dean seufzte frustriert und steckte den Colt wieder weg.

Er hatte sich scheinbar doch nur geirrt. Es war wohl doch nur ein Traum gewesen, und Dean hatte sich das alles nur eingebildet. Zum Glück hatte er Sam nicht mitgenommen, er hätte ihn spätestens jetzt für verrückt erklärt. Bestimmt  lag es nur an dieser Stadt, dass er langsam anfing dem ganzen Weihnachtswahnsinn zu verfallen.

Dean wollte sich gerade umdrehen um zurück zum Impala zu laufen, als er erschrocken über die Gestalt, die einige Schritte hinter ihm gestanden hatte, ein paar Schritte nach hinten stolperte.

,,Hallo Dean.“, sagte die Gestalt und Dean lief es eiskalt den Rücken runter, als er diese bekannte, tiefe Stimme hörte, die er zuvor bereits im Traum vernommen hatte.

Entgeistert sah Dean seinen Gegenüber vor sich an. Durch das schwache Mondlicht konnte er den Mann vor sich erkennen, der genauso aussah wie in seinem Traum, doch sah er nicht genau so aus. Auf seinen engelsgleichen Gesichtszügen waren spuren eines Kampfes zu sehen, und ein leichter Schnitt zierte seine Stirn. Sein Gewand war an mehreren Stellen zerrissen, und Blut färbte den weißen Stoff rot. Entsetzt starrte Dean auf die Schnitte, die sich über seinen Körper zogen. Seine Füßen waren wie in seinem Traum nackt, doch auch sie waren verletzt, und hatten eine bläuliche Verfärbung angenommen. Erst dann fiel Dean auf, dass der Mann am ganzen Leibe zitterte.

,,Castiel..“, hauchte Dean und sah dem Mann wieder in die Augen.

,,Danke, dass du gekommen bist.“, sagte Castiel, und Dean bewunderte ihn dafür, dass er trotz seines Zustandes seine Stimme so ruhig klingen lassen konnte.

Dean konnte nichts erwidern. Er war sprachlos,  und instinktiv wollte er dem Mann vor sich helfen, doch etwas hielt ihn davon ab.

,,Was bist du, und wieso hast du mich hierher gerufen?“, fragte Dean misstrauisch.

,,Ich bin Castiel, ein Engel des Herrn. Ich habe dich gerufen, weil ich deine Hilfe brauche Dean.. Bitte..“, zum ende hin wurde Castiels Stimme leiser und sein zittern nahm weiter zu.

Auch wenn es Dean nicht schockierte, als er erfuhr, dass Castiel wirklich ein Engel war, da er es bereits vermutet hatte, so war er doch vollkommen überrumpelt.

,, Ein Engel? So etwas gibt es nicht.“, sagte Dean leise, aber mehr zu sich selbst, doch Castiel schien es gehört zu haben.

,,Doch Dean. Es gibt Engel, nur leider fehlt dir der Glaube daran.. Ich kann dir das alles erklären.. Aber bitte hilf mir Dean..“, leise keuchend brach der Engel zusammen.

Erschrocken sprang Dean zu ihm und fing ihn gerade noch auf, ehe er sich langsam mit Castiel zu Boden gleiten  ließ. Der Engel war eiskalt und auch seine Finger hatten eine bläuliche Verfärbung, genau wie seine Lippen. Dean schluckte, denn das waren Zeichen für Erfrierungen.

Ohne weiter darüber nachzudenken, ob es stimmte was Castiel gesagt hatte, zog Dean seinen Schal und Jacke aus und zog es Castiel an. Ob Engel oder nicht, Castiel brauchte Hilfe.

,,Nicht.. Sonst frierst du..“, protestierte Castiel schwach, was Dean schmunzeln ließ.

,,Mach dir da mal keine sorgen drum. Ich bring dich jetzt erstmal hier weg.“, bestimmte Dean und hob Castiel auf seine Arme, damit sie so schnell wie möglich zum Impala kamen.

Schon nach ein paar Metern spürte Dean wie die Kälte durch seinen dicken Pullover drang, aber er hielt das aus. Was sollte Castiel denn sagen? Er war schon bestimmt zwei tage in diesem kalten Wald und das in diesem dünnen Gewand und mit seinen Verletzungen. Er wollte gar nicht wissen wie es ihm dabei ging.

Nachdem sie den Impala erreicht hatten, und Dean Castiel vorsichtig auf die Rückbank gelegt hatte, da dieser Ohnmächtig geworden war, fuhr Dean los.

In Rekordzeit erreichte er das Motel und trug Castiel ins innere und legte ihn auf sein Bett. Da Dean nicht gerade leise war, wurde auch Sam wach und sah ihn überrascht an.

,,Dean? Was.. Was ist passiert?“, fragte er sogleich als er sah, wie Dean einen bewusstlosen Mann auf das Bett legte und ihm anfing die Sachen auszuziehen um sich die Wunden anzusehen.

,,Später Sammy. Castiel braucht jetzt unsere Hilfe.“, sagte Dean nur und holte das Verbandszeug. Sam kam dazu und gemeinsam versorgten sie die Wunden. Manche waren zum Teil etwas entzündet, andere wiederum waren bereits am verheilen, während vereinzelte Schnitte noch bluteten.

Nachdem alle Wunden versorgt waren, suchte Dean ein paar warme Sachen zusammen, die er Castiel mit Sams Hilfe anzog. Behutsam deckten sie ihn zu, ehe Dean sich dann ein Bier schnappte und Sam auch eins vor die Nase stellte, ehe er ihm alles erzählte.

,,Sekunde, das heißt Castiel hat dich über den Traum zu ihm gerufen?“, fragte Sam neugierig nach. ,,Und er ist wirklich ein Engel?“, Sams Begeisterung ließ sich nur schwer verstecken.

,,Ich weiß es nicht Sam. Jedenfalls meinte er das.“

,,Wieso sollte er lügen Dean? Nur weil wir etwas nicht sehen, oder noch nie gesehen haben, heißt das noch lange nicht, dass es das auch nicht gibt.“, meinte Sam überzeugt und warf einen Blick auf Castiel.

Da musste Dean seinem Bruder allerdings zustimmen. Trotzdem war er sich noch etwas unsicher, was das anging.

,,Wir werden mehr erfahren wenn er wieder aufwacht.“, meinte Dean der ebenfalls einen Blick auf Castiel warf.

,,Was wohl passiert ist..?“, grübelte Sam nachdenklich. ,,Der Krater muss von ihm stammen. Das heißt, er ist vom Himmel gefallen! Anders lässt es sich nicht erklären. Allein schon die ausgewurzelten Bäume und die weite des Kraters. Er muss mit großer Geschwindigkeit da rein gestürzt sein.“, grübelte Sam weiter.

,,Möglich. Aber wieso sollte er einfach so vom Himmel fallen? Geht das überhaupt?“, skeptisch sah er Sam an.

,,Scheinbar ja schon, sonst wäre er ja wohl kaum hier, oder?“, konterte Sam. ,,Leg dich doch noch was hin Dean. Ich bin nicht müde, und könnte sowieso nicht schlafen.“, sagte Sam mit einem Blick auf Dean der anfing zu gähnen.

,,Sicher?“

,,Ja. Ich recherchiere solange. Vielleicht finde ich ja was, und morgen früh wissen wir dann mehr.“

Dean haderte noch einen Moment, aber er spürte immer deutlicher wie die Müdigkeit in ihn hoch kam. ,,Danke Sammy.“, sagte er und verschwand im Bad um dann fünf Minuten später unter der warmen Bettdecke zu verschwinden. Er warf noch einen Blick auf Castiel, der in dem anderen Bett schlief, ehe seine Augen zu fielen.

**

,,Dean! Wach auf.“, Sams energische Stimme rissen Dean schließlich aus dem schlaf.

,,Man was ist denn?!“, knurrte er und drehte sich nochmal im Bett um.

,,Castiel ist wach!“

Als Dean diese Worte hörte, riss er die Augen ruckartig auf und saß mit einem mal kerzengerade im Bett. Tatsächlich. Castiel saß noch immer in Deans Sachen, die ihm etwas zu groß waren am Tisch und begutachtete kritisch die dampfende Tasse vor sich, als ob er sowas noch nie gesehen hätte.

,,Du bist wach.“, stellte Dean unnötigerweise nochmal fest, während er Castiel ansah.

,,Hallo Dean.“, Castiel schenkte ihm ein lächeln, als Dean und Sam sich zu ihm an den Tisch setzten.

Dean musterte Castiel. Irgendetwas stimmte nicht. Es dauerte einen Moment bis es ihm auffiel.

,,Deine Verletzungen sind verschwunden!“

,,Ja. Ich habe zwar meine Gnade nicht mehr, aber scheinbar funktionieren meine Selbstheilungskräfte noch ganz gut, auch wenn es nun länger dauert.“, sagte Castiel ruhig, während die Winchesters ihn anstarrten.

,,Gnade? Selbstheilungskräfte? O.K. Cas, fang vorne an. Was ist passiert? Und wer bist du überhaupt?“, fragte Dean ohne Umschweife. Das er Castiel einen Spitznamen gegeben hatte, geschah eher unbewusst, aber so ließ sich der Name leichter aussprechen.

Für einen warmen sah Castiel ihn an. Ob es an dem Spitznamen lag, konnte Dean nicht sagen, doch dann wandte er den Blick ab und sah aus dem Fenster. Sein Blick rückte in weite Ferne.

,,Ich sagte es dir gestern bereits Dean. Ich bin Castiel, ein Engel des Herren.“, fing Castiel an.

,,Beweise es.“, forderte Dean und fing den Blick des Engels auf.

,,Dean.“, setzte Sam an, doch Dean unterbrach ihn.

,,Nein Sam. Wenn er ein Engel ist, soll er es beweisen. Sonst könnte ja jedes Monster kommen und sagen, es sei ein Engel.“, erklärte Dean.

,,Du hälst mich für ein Monster?“, fragte Castiel bestürzt.

,,Nein. Nein.. Aber wir sind Jäger. Und wir wurden schon oft von irgendwelchen Kreaturen hinters Licht geführt. Vorsicht ist in unserem Job Lebenswichtig.“, erklärte Dean schnell.

Castiel nickte verstehend.

,,Ich verstehe. Aber ich versichere euch, ich bin kein Monster, sondern ein Engel. Genau genommen, ein Weihnachtsengel.“

Dean und Sam sahen sich an, dann brach Dean in schallendes Gelächter aus.

,,Was ist daran so komisch?“, verständnislos sah Castiel Dean an. Auch Sam sah Dean mahnend an, und langsam merkte Dean, dass es sich wohl nicht um einen Scherz handelte.

,,Das war kein Scherz..?“, hakte Dean unsicher nach.

,,Die Lage ist zu ernst  um Scherze zu machen, Dean.“, sagte Castiel ernst.

Dean sah dem Engel einen Moment in die Augen. Er sah die Wahrheit die aus ihnen heraus sprach und wurde nun ebenfalls ernst.

,,Na schön. Du bist also ein Weihnachtsengel. Und wieso bist du hier?“, hakte Dean weiter.

,,Du verstehst nicht. Ich bin nicht freiwillig hier. Als oberster Weihnachtsengel ist es meine Aufgabe den Glaube der Weihnacht aufrecht zu erhalten. Meinetwegen glauben die Menschen an die Magie der Weihnacht und an das Fest der Liebe. Besonders in der Vorweihnachtszeit gibt es viel zu tun, und meine Kollegen begeben sich auf die Erde um die Menschen auf das Fest der Liebe vorzubereiten. Das sie raus aus ihrem stressigen Alltag kommen und sich für eine gewissen Zeit einfach verzaubern lassen können.“

,,Das heißt ihr Manipuliert sie oder was?“, unterbrach Dean forsch.

,,Nein. Damit meine ich, dass sie nicht immer nur ihren Tagesabläufen folgen, sondern sich von Kleinigkeiten verzaubern lassen können, zum Beispiel wenn wir es schneien lassen, oder wenn unauffällige aber kleine Wunder geschehen. Das sie runterfahren können, zur Ruhe kommen, um sich Zeit für Besinnlichkeit zu nehmen.“, erklärte Castiel.

,,Und was ist mit dir passiert?“, fragte Sam ruhig nach.

Castiels Miene versteinerte sich.

,,Einer meiner Kollegen, Anriel, hat mich auf die Erde gerufen, da er meine Hilfe bräuchte. Er hätte so etwas wie einen Notfall. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um Anriel zu treffen, doch als ich ankam, war er nicht da. Ich suchte ihn überall, aber vergebens. Dann wollte ich in den Himmel zurückkehren um Bescheid zu sagen, doch als ich dort ankam, fand ich Anriel und wie er versuchte meine Leute gegen mich aufzubringen, und meinen Platz einzunehmen. Er meinte, ihm würde diese Aufgabe zu teil werden, und er hatte bereits ein paar Anhänger gefunden. Doch die anderen blieben auf meiner Seite. Ich wollte es verhindern, wollte einen diplomatischen Weg finden, aber Anriel ließ nicht mit sich reden, und es kam zum Kampf. Meine Leute konnten Siegen, doch der Preis war hoch, und es gab viele Verluste. Anriel konnte fliehen und im Kampf wurde ich schwer verwundet, was Anriel ausgenutzt hat, um mir meine Gnade zu stehlen.. Durch den Verlust meiner Gnade, fiel ich aus dem Himmel, auf die Erde..“, Castiels Blick war voller Schmerz und Dean verspürte Mitleid mit ihm.

,,Was ist eine Gnade?“, fragte Sam behutsam nach.

,,Die Gnade eines Engels, macht einen Engel aus. Sie beinhaltet alle Kraft und Macht die ein Engel hat. Ohne diese Gnade, sind die Engel quasi gesehen wie Menschen. Aber der Verlust der Gnade bleibt nie ohne Konsequenz. Meine Gnade trägt den Glaube der Weihnacht aller Menschen dieser Welt in sich. Wenn ich sie nicht so schnell wie möglich zurück bekomme, geht dieser Glaube verloren. Und nicht nur das..“, Castiel seufzte leise, wandte den Blick auf den Tisch vor sich.

,,Was ist es noch Cas.?“, fragte Dean besorgt nach. Das was Cas ihnen offenbart hatte, klang überhaupt nicht gut. Er wollte sich gar nicht ausmahlen, was aus der Menschheit würde, wenn alle ihren Glauben an Weihnachten verloren.

,,Ich bin ein Weihnachtsengel. Meine Macht erlangt ihren Höhepunkt in der Weihnachtszeit. Finde ich meine Gnade also nicht bis zum 24. Dezember, dann  verliert nicht nur die Menschheit ihren Glauben an Weihnachten, sondern dann werde ich auch sterben.“

Entsetzte Stille brach herein. Niemand sagte etwas.

,,Deswegen habe ich dich um Hilfe gebeten Dean. Nach meinem Aufprall auf der Erde musste ich mich verstecken, denn die Menschen hatten zu meinem Leidwesen von meinem Absturz erfahren. Ich habe mich im Wald versteckt, und dann habe ich dich gesehen. Ich habe sofort gespürt, dass du anders warst, das du ein Jäger bist. Ich habe in deiner Aura gesehen, dass du schon so vieles Überstanden hast, sogar die Hölle, und Sam genauso. Ich wusste, dass wenn mir jemand helfen kann, dass ihr das seid.“, setzte Castiel hinterher und sah beide Winchester Brüder an.

,,Was ist mit den anderen Engeln? Suchen sie nicht schon nach dir? Also die die auf deiner Seite sind?“, fragte Sam.

,,Ich weiß es nicht. Als die anderen Engel, die nichts mit Weihnachten zu tun haben von dem Kampf mitbekommen haben, haben sie sich eingemischt und für Ordnung gesorgt. Es kann sein, dass sie mich suchen, oder aber sie gehen davon aus, dass ich tot bin..“

,,Keine Sorge Cas. Wir werden deine Gnade finden. Versprochen.“, sagte Dean mit fester Stimme.

,,Danke.“

,,Alles klar. Dann haben wir wohl einen neuen Fall.“, Sam grinste verschwörerisch, ehe er wieder ernst wurde. ,,Aber wo finden wir Anriel? Und was will er mit deiner Gnade?“

,,Ich bin mir nicht sicher.. Vermutlich will er sie zu seiner Gnade hinzufügen, um eine doppelte Macht zu erlangen. Dadurch wäre er vielen Engeln überlegen und auf Augenhöhe mit den Erzengeln. Aber so ein Vorhaben beinhaltet immer ein gewisses Risiko. Durch so viel Macht, kann es sein, dass der Engel dieser Macht nicht mehr Herr wird und stirbt.“

,,Das wäre doch ideal oder nicht?“, fragte Dean nach.

,,Nein. Denn wenn der Engel mit meiner Gnade in sich stirbt, dann ist meine Gnade für immer verloren, und ich werde sterben. Dann gibt es keine Hoffnung mehr.“, Castiel seufzte und schaute betraten, über das Ausmaß der Situation, herein.

,,Wieso stirbst du eigentlich ohne deine Gnade?“, hakte Dean nach.

,,Die Gnade eines Engels macht einen Engel aus, wie ich bereits erwähnt habe. Nimmt man uns die Gnade, besitzen wir sie zwar nicht mehr, aber wir sind in gewisser Weise noch mit ihr verbunden. Ich kann meine Gnade spüren, wie sie immer mehr an Kraft gewinnt, schließlich erreicht sie am 24. Dezember ihren Höhepunkt an Kraft. Doch während sie an Kraft gewinnt, so entzieht sie mir gleichzeitig die Kraft, die ich noch habe, eben weil man einen Engel nie ganz von seiner Gnade trennen kann..“, erklärte Castiel mit hilfloser Miene.

,,Ich dachte die Gnade gibt dir Kraft?!“, fragte Sam verwirrt.

,,Das tut sie auch. Aber durch einen Zauber, kann dafür gesorgt werden, dass meine Gnade eine gegenteilige Wirkung auf mich hat, also dass sie anstatt Kraft zu geben, Kraft entzieht. Und da am 24. Dezember der Moment ist, wo meine Kraft am stärksten ist, wird das auch der Moment sein, an dem ich am schwächsten bin, und sehr wahrscheinlich sterben werde.“, gab Castiel nun etwas ungeduldig zurück.

,,Nochmal zum mitschreiben. Die Gnade eines Engels gibt dem Engel kraft. Ohne Gnade seid ihr fast wie Menschen, doch seid ihr in der Lage eure Gnade noch zu spüren. Durch einen Zauber kann dann auch dafür gesorgt werden, dass sich deine Gnade gegen dich wendet, und dir Kraft entzieht, anstatt zu geben, und das geht solange, bis du stirbst, also an Weihnachten. In drei Tagen.“, stellte Dean nochmal klar.

,,Ja.“, gab Castiel leise zurück.

,,Das sind ja hervorragende Aussichten.“, knurrte Dean und sah Sam an, der ebenfalls geknickt wirkte.

,,Findest du? Also ich finde diese Aussicht eher erschreckend.. Es liegt nämlich so viel mehr auf dem Spiel, als mein Tod..“

,,Der Glaube aller Menschen an die Weihnacht.. Ich weiß.“, beendete Sam Castiels Satz und fuhr sich mit der Hand einmal durch die Haare.

,,Also wenn wir handeln wollen, dann müssen wir es schnell tun. Wir haben nur noch drei Tage!“, meinte Dean entschlossen und sah in die Runde.

,,Und wo sollen wir Anfangen? Wir haben es hier mit Engeln zu tun, Dean. Dieser Anriel könnte sonst wo sein.“, meinte Sam zweifelnd.

,,Und? Es gibt immer einen Weg. Also Cas. Was weißt du über Anriel?“, wandte sich Dean an den Engel.

Castiel überlegte.

,,Naja.. Anriel war immer loyal. Jedenfalls bis vor sechzig Jahren. Ab da fing er an, aufmüpfig zu werden. Wieso weiß ich allerdings nicht. Es ist nichts ungewöhnliches passiert, was als Anlass hätte dienen können..“

Sam und Dean wechselten einen Blick.

,,Na schön, das hilft uns nicht wirklich weiter. Gab es denn Engel die mit Anriel befreundet waren, die ihm nahe standen oder stehen?“, hakte Sam nach.

,,Es gab durchaus einige die ihm nahe standen.. Jedenfalls bis er mit meiner Gnade verschwunden ist..“

,,Siehst du eine Möglichkeit mit ihnen in Kontakt zu treten?“, hakte Sam weiter.

,,Ja. Noch habe ich genug Kraft um den Engelsfunk zu empfangen.“

,,Engelsfunk?“, Dean sah ihn verständnislos an. ,,Du meinst so was wie ein Radio für Engel, auf dem ihr euch unterhaltet?“

,,Wenn du es so ausdrücken willst, dann ja.“, meinte Castiel und schloss für einen Moment die Augen, um sich zu konzentrieren.

Es vergingen einige Minuten bis Castiel mit einem leisen keuchen wieder die Augen öffnete, und die Winchesters erschöpft ansah. Die Kommunikation über das Engelsradio hatte ihm viel Kraft gekostet.

,,Und? Hast du jemanden erreicht?“, abwartend sah Dean ihn an.

,,Ja.. Es war schwer, aber ich konnte Emmanuel erreichen. Er stand Anriel immer nah, doch trotz Anriels Plan, ist er mir gegenüber weiterhin loyal geblieben. Er ist auch bereit sich mit uns zu treffen. Wir treffen uns im Wald, in der Nähe meiner Absturzstelle. Emmanuel ist bereits unterwegs.“, Castiel erhob sich bereits, während Sam und Dean nur einen Blick tauschten.

Dean verschwand im Bad, während Sam schon mal alles vorbereitete. Bisher hatten sie es noch nie mit Engeln zu tun, und wussten von daher auch nicht, was sie umbringen würde. Nicht, dass sie freiwillig Engel ermorden würden, aber wenn dieser Emmanuel ein Anhänger Anriels ist, dann könnten sie Gefahr laufen, in eine Falle zu tappen. Es war also alles reine Vorsichtsmaßnahme.

Keine zehn Minuten später, fuhr der Impala vom Motel Parkplatz in Richtung Wald, aus dem Dean erst vor einigen Stunden gekommen war. Etwas missmutig versuchte Dean etwas durch den dichten

Schneefall zu erkennen. Wieso mussten sie sich auch im Wald treffen und nicht einfach bei ihnen im Motel? Oder in einem Café, oder sonst wo, wo es warm war. Aber nein, es musste der Arschkalte Wald sein.

Die Fahrt verlief schweigend. Dean hatte zwar noch so einige Fragen an den Engel, doch er hielt sich zurück. Cas sah ziemlich schlecht aus. Der Kontakt über das Engelsradio hat ihn wohl mehr geschwächt, als ihm lieb war. Dean spürte, dass auch Sam einige Fragen hatte, aber auch er hielt sich zurück. Die Fragen mussten warten, denn je mehr Zeit sie mit quatschen verbrachten, desto weniger Zeit blieb ihnen um Castiel vor seinem Tod zu bewahren. Das nötigste wussten sie, dass musste fürs erste reichen.

Die Fahrt dauerte durch den dichten Schneefall länger als gedacht, doch schließlich erreichten sie den Waldparkplatz, und marschierten durch den Schnee.

,,Wie geht es eigentlich deinen Händen und Füßen?“, fragte Dean an Castiel gewandt. Dean erinnerte sich, dass Hände und Füße, Anzeichen für beginnende Erfrierungen waren. Ob diese auch einfach so verheilt waren?

,,Gut.. Sie sind zwar noch nicht ganz wieder verheilt, aber das wird schon.“, meinte Castiel leise, und Dean sah auf die Hände des Engels. Zwar hatte Castiel eine warme Jacke von Dean an, doch hatte er weder Schal, Mütze geschweige denn Handschuhe.

Ein Blick auf die nach wie vor, leicht bläulichen, filigranen Finger des Engels, und Dean zog seine Handschuhe aus und reichte sie ihm.

,,Hier. Du brauchst sie dringender.“

,,Danke.“, Castiel nahm die Handschuhe ehrfürchtig entgegen. Er freute sich so über diese kleine aufmerksame Geste, dass Deans ich unwillkürlich fragte, wann jemand Castiel das letzte mal etwas gutes getan hatte. Wahrscheinlich vor hunderten Jahren, wenn überhaupt.

Sie liefen an Castiels Absturzstelle vorbei. Mittlerweile konnte man den Boden vom Krater nicht mehr erkennen, da es Pausenlos am schneien war.

Sie liefen in den Wald. Doch diesmal liefen sie tiefer hinein. Der Wald umgab sie mit gespenstiger Ruhe. Die Äste der Bäume hielten den größten Schneeanteil zurück, doch gelegentlich fiel etwas Schnee von den Ästen, was das einzige Geräusch im Wald darstellte. Dean konnte sogar Spuren von Rehen erkennen, die allerdings schon fast wieder verschneit waren.

Schon bald kamen sie an eine Lichtung. Eine große Eiche, markierte die Mitte, der Lichtung. Unter dieser Eiche suchten Dean, Sam und Castiel Schutz vor dem Schnee. Emmanuel war noch nicht da, und Dean hatte Zweifel, ob er überhaupt kommen würde, doch diese Zweifel behielt er für sich. Sie brauchten Emmanuel, um irgendwie an Anriel ran zu kommen und ihm Cas Gnade zu entreißen, ehe sie für immer verloren und Cas tot somit endgültig besiegelt worden wäre.

Die Zeit verging. Mittlerweile standen die drei schon seit über einer Stunde unter der Eiche und kämpften gegen die Kälte. Dean war der erste, der nach einer halben Stunde bereits meinte, dass dieser Emmanuel nicht kommen würde, doch Sam als auch Cas blieben optimistisch.

Eine halbe Stunde später schloss sich Sam Deans Meinung an, doch Castiel versicherte ihnen, dass Emmanuel zuverlässig sei. Doch nach einer weiteren Dreiviertelstunde, gab Cas schließlich auch auf. Dean tat es weh, den verletzten Ausdruck auf Castiels Gesicht zu sehen. Er wusste nicht wieso, aber irgendwas in ihm wollte nicht, dass Cas so hoffnungslos war. Doch was sollte er machen? Dieser Emmanuel kam nicht, und herzaubern konnte Dean ihn nicht. Sie brauchten einen anderen Plan.

,,Komm Cas. Emmanuel kommt wohl nicht mehr.“, meinte Dean bibbernd, an Castiel der sich nochmal überall umsah.

,,Ich verstehe das nicht.. Irgendwas muss schief gelaufen sein..“, murmelte Castiel leise.

,,Vielleicht wurde er von Anriels Schergen aufgehalten.“, mutmaßte Sam.

,,Vermutlich..“, seufzte Castiel und folgte Sam und Dean durch den Wald.

Der Impala kam schon in Sicht, als Castiel ein heftiger Kopfschmerz überkam, der ihn in die Knie zwang. Die Rufe der Winchesters bekam er nicht mehr mit, so betäubend war dieser plötzliche Kopfschmerz. Doch dann verebbte der Schmerz so schnell wie er gekommen war, und Castiel fand sich in Deans Armen wieder, die ihn sanft aber bestimmend festhielten.

,,Cas verdammt! Was war das?“, fragte Dean besorgt und auch Sam sah nicht minder besorgt aus.

,,I-ich.. Ich weiß es nicht.. Es hat mich überwältigt..“, keuchte Castiel noch etwas atemlos.

Dean und Sam warfen sich einen Blick zu.

,,Kannst du aufstehen?“, fragte Dean und machte bereits Anstalten, dem Engel auf die Beine zu helfen.

,,Ich denke schon..“

Langsam rappelte sich Castiel wieder auf, nur um zehn Sekunden zu stehen um dann wieder zusammen zu brechen. Doch Dean war da und fing ihn erneut auf, doch diesmal hob er ihn auf seine Arme, und brachte Castiel zum Impala.

Sam machte die Tür auf und Dean half Castiel in eine für ihn angenehme Position, ehe er die Türe wieder schloss und sich an Sam wandte.

,, Meinst du das hat mit seiner Gnade zu tun?“

,,Ich denke schon. Weihnachten ist in drei Tagen, wahrscheinlich geht es jetzt schnell, wenn wir uns nicht beeilen.“, meinte Sam mit Blick auf den Impala.

,,Aber was sollen wir machen, die Gnade herzaubern?! Cas stirbt, und der einzige mit möglichen Hinweisen, ist nicht aufgetaucht!“, brauste Dean auf.

Dean sah seinem Bruder an, dass sein Gehirn förmlich ratterte. Dann hellte sich sein Gesicht auf. Strahlend sah er seinen großen Bruder an.

,,Du bist ein Genie, Dean!“, rief Sam begeistert auf.

,,Das weiß ich bereits. Aber worauf willst du hinaus?“, skeptisch sah Dean seinen Bruder an.

,,Wir können Cas Gnade vielleicht nicht herzaubern, aber mit der richtigen Hexe, könnten wir herausfinden, wo sich Cas Gnade befindet.“, Sam grinste triumphierend.

Dean brauchte einen Moment bis sich ein ebenso siegerhaftes Grinsen auf sein Gesicht schlich.

,,Sammy, du bist ein Fuchs!“, lobte er seinen kleinen Bruder, ehe sein grinsen augenblicklich einfror.

,,Was ist?“

,,Es gibt nur eine Hexe mit dem nötigen Grips um die verlorene Gnade eines Engels aufzuspüren..“, knurrte Dean finster.

,,Ich weiß Dean, aber Rowena ist nun mal die beste die wir kennen..“, setzte Sam an.

,,Mag sein, aber sie will etwas für erbrachte Leistung. Die Gnade eines Engels zu finden wird nicht leicht, schon gar nicht unter solch einem Zeitdruck. Was auch immer sie verlangen wird, können wir unmöglich erfüllen.“

Sam dachte nach. Dean hatte schon irgendwie recht, aber was blieb ihnen schon anderes übrig?

,,Dean, wir haben keine Wahl.“

Nach ein paar Minuten des Zögerns, gab Dean sich geschlagen. Sam hatte recht.

,,Wir können Cas aber unmöglich zu ihr bringen. Er ist nicht wirklich transportfähig.“, bemerkte Dean.

,,Dann muss Rowena eben zu uns kommen. Ich weiß auch wo sie ist. Und frag mich jetzt nicht woher ich das weiß, ich weiß es eben.“, schnitt Sam seinem Bruder das Wort ab, als er zu einer bissigen Bemerkung ansetzen wollte.

,,Und was mach ich solange?“, fragte er stattdessen.

,,Du passt auf unseren Weihnachtsengel auf.“, mit den Worten schwang sich Sam auf den Beifahrersitz des Impalas. Dean blieb kurz verdattert stehen, ehe er sich auf den Fahrersitz fallen ließ. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass Cas am schlafen war. Er war blassen geworden.

Entschlossen startete Dean den Motor. Sie mussten Rowena holen, und zwar so schnell wie möglich!

In Rekordzeit erreichten sie das Motel. Gemeinsam luden sie Cas aus, ehe Sam sich in den Wagen schwang um nach Nebraska zu fahren, um Rowena zu holen.

Bereits auf dem Weg zum Motel hatte Sam sie angerufen und wie zu erwarten verlangte die rothaarige Hexe etwas dafür, was sie ihnen aber noch nicht verraten würde.

Doch darüber konnte sich Dean jetzt noch keine Gedanken machen. Er hatte Cas in sein Bett gelegt. Trotz warmer Kleidung, war er sehr kühl. Dean hatte bereits die Heizungen aufgedreht, und Decken hervor gekramt, um den Engel warm zu halten..

**

Zwei Stunden später wurde Cas wieder wach. Dean hatte sich hinter sein Laptop geklemmt, um einen Notfallplan zu haben, falls Rowena nicht helfen konnte, doch bisher war er erfolglos. Erst als Castiel sich zu regen begann, sah er von dem Bildschirm auf.

,,Wie fühlst du dich?“, fragte Dean besorgt während er sich erhob und zum Bett ging um sich auf der Bettkante nieder zu lassen.

,,Mein Kopf..“, Castiel hielt sich eine Hand an den Kopf, ,,er fühlt sich so an, als wären tausend Bienen darin..“, murmelte er noch leicht benommen.

,,Vielleicht solltest du dich nochmal ausruhen.“, schlug Dean vor, doch Castiel schüttelte den Kopf.

,,Nein. Ich würde gerne etwas an die frische Luft.“

,,Sicher?“

,,Ja, Dean. Etwas frische Luft hat noch keinem geschadet.. Außerdem..“, verlegen brach Castiel ab und sah auf die Bettwäsche, nur um Dean nicht ansehen zu müssen.

,,Außerdem, was Cas?“, hakte dieser sogleich mit hochgezogenen Augenbrauen nach.

,,Weißt du Dean.. Als Weihnachtsengel hat man immer so viel zu tun. Damals bin ich in der Vorweihnachtszeit immer extra auf die Erde geflogen und habe die Menschen beobachtet. Es hat mir immer sehr viel Freude bereitet die Kinder so glücklich zu sehen wenn es schneit, oder wenn sich zwei streitende wieder versöhnen.“, fing Castiel mit einem leichten lächeln bei den Erinnerungen an zu erzählen.

Dean hörte aufmerksam zu, nicht wissend worauf Cas hinaus wollte.

,,Aber im laufe der Jahre, wurden die Besuche auf der Erde immer weniger, da es immer mehr zu tun gab. Das letzte Mal als ich zur Weihnachtszeit auf der Erde war, ist schon Ewigkeiten her..“

,,Worauf willst du hinaus Cas?“

,,Dean?“

,,Ja?“

,,Würdest du mit mir spazieren gehen?“, fragte Castiel nun direkt und sah, wie Dean überrascht die Augenbrauen hob. Damit hatte er wohl nicht gerechnet.

,,Fühlst du dich denn in der Lage für einen Spaziergang?“, hakte Dean eindringlich nach. Er wollte nicht, dass der Engel nachher noch ohnmächtig wurde, und er ihn dann durch die Menschen tragen musste.

,,Ich bin nur etwas geschwächt Dean. Mir geht es gut. Naja, soweit es die Umstände erlauben. Und.. Naja.. Vielleicht ist es ja auch das letzte Mal, dass ich das erleben kann..“

,,Sag das nicht Cas! Wir finden einen Weg und wir haben einen Plan. Du wirst leben! Versprochen!“, Dean nahm die Hand des Engels und drückte sie fest, um seiner Aussage mehr Ausdruck zu verleihen.

Castiel sagte nichts darauf. Er lächelte nur.

,,Dann ist das ein ja?“, fragte er amüsiert.

Dean seufzte ergeben.

,,Ja, dass ist ein Ja. Aber du sagst bescheid, wenn es nicht mehr geht.“, forderte er.

,,Versprochen.“, Castiel strahlte, was Dean ein angenehmen Schauer bescherte.

**

Es dauerte nicht lange, als Castiel und Dean das Motel verließen. Die Abenddämmerung hatte begonnen, und Dean musste unwillkürlich daran denken, dass sie nur noch zwei Tage hatten um Cas zu retten. Doch diese finsteren Gedanken verschwanden, als Cas sich bei ihm unterhakte.

Irritiert sah Dean auf ihn hinab.

,,Ich fühl ich noch etwas wackelig auf den Beinen..“, murmelte Cas als er Deans Blick spürte.

Der Winchester sagte nichts darauf, sondern ließ es geschehen.

Langsam schlenderten sie durch die schneebedeckten Straßen. Überall war Weihnachtsdeko und über ihnen, hingen an den Laternen, bunte Lichterketten, die sich durch die ganze Stadt zogen.

In manchen Vorgärten hatten Kinder Schneemänner gebaut, und manche Häuser waren sogar von außen mit diversen Lichtern geschmückt, sodass es vermutlich in der ganzen Stadt Stromausfall gab, sollte jemand diese Lichter einschalten.

Dean spürte, wie Castiel sich neben ihm immer weiter entspannte.

Unbewusst hatte Dean wohl den Weg zur Stadtmitte eingeschlagen, denn plötzlich standen sie auf einem kleinen, überschaubaren Weihnachtsmarkt auf welchem sich die Leute tummelten. Viele liefen Hand in Hand, oder tranken Kakao oder Glühwein.

Dean warf einen Blick zu Castiel. Ein trauriges lächeln lag auf seinen Lippen.

,,Alles O.K.?“, fragte Dean besorgt.

,,Ja. Es ist nur schwer zu glauben, dass das alles vorbei sein wird, wenn wir meine Gnade nicht rechtzeitig finden..“

,,Hör auf sowas zu denken Cas! Wir werden sie finden! Und wenn es das letzte ist, was ich tun werde!“, Dean hatte den Engel zu sich umgedreht, sodass er ihn ansehen musste.

Nach ein paar Augenblicken nickte Castiel, auch wenn er noch nicht ganz überzeugt war.

Gemeinsam schlenderten sie über den Weihnachtsmarkt. Aus einigen Boxen dröhnte leise Weihnachtsmusik und es roch nach Glühwein und Makronen.

,,Möchtest du etwas trinken? Einen Glühwein? Oder einen Kakao?“, fragte Dean schließlich. Wenn sie schon auf einem Weihnachtsmarkt waren, dann konnten sie sich auch wenigstens was gönnen.

Castiel sah ihn fragend an.

,,Sag bloß du hast noch nie Kakao oder Glühwein getrunken!“, Dean starrte seinen Gegenüber entsetzt an, als dieser hilflos den Kopf schüttelte.

,,Ich hatte nie die Gelegenheit dazu..“, murmelte Castiel leise.

,,Dann holen wir das jetzt sofort nach.“, Dean lächelte als er Castiel mit zu einer kleinen Bude zog, an denen Kakao mit Schuss verkauft wurde. Er kaufte zwei Stück und drückte dem Engel eine Tasse in die Hand.

Vorsichtig trank Castiel einen Schluck.

,,Und?“, Dean grinste in sich hinein, denn es war ziemlich viel Schuss im Kakao.

,,Es schmeckt sehr gut!“, Castiels Augen leuchteten während er fasziniert in die Tasse sah.

Dean grinste weiter. Sie standen etwas abseits von der Bude an einem Stehtisch, und hatten einen schönen Überblick auf den Weihnachtsmarkt. Es war eine friedliche Atmosphäre, und so langsam kam auch Dean auf den Geschmack wieder richtig Weihnachten zu feiern. Oder lag es daran, dass neben ihm der oberste Weihnachtsengel stand? Es war ihm egal.

Nachdem sie ihre Tassen ausgetrunken hatten, gingen sie weiter. Es war mittlerweile stockdunkel, doch da der Weihnachtsmarkt hell erleuchtet war, war die nebensächlich. Dafür jedoch war es auch wieder deutlich kälter geworden. Deans Hände froren und er vergrub sie tief in den Taschen seiner Jacke. Er hatte seine Handschuhe vergessen, was ihm erst jetzt bewusst wurde, doch das war gerade nur nebensächlich, denn cas war interessiert an einer anderen Bude stehen geblieben und musterte die aus Holz geschnitzten Werke.

Dean schmunzelte als er sich ebenfalls die Werke ansah. Sie waren wunderschön ausgearbeitet. Er entdeckte sogar einen schönen aus Holz geschnitzten Engel, der in eleganten Farben angemalt worden war. Er erinnerte Dean sogar etwas an Cas. Der Engel trug ein weißes Gewand mit goldenen Stickereien, und hatte ebenfalls dunkle Haare. Er erinnerte Dean an seine erste Begegnung mit Cas.

Mit einem sanften lächeln bezahlte er den Engel und reichte ihn Castiel.

,,Danke Dean. Er ist wunderschön.“, Ganz behutsam nahm dieser den Engel entgegen. Dabei streiften sich ihre Finger.

,,Du bist ja eiskalt.“, sagte Castiel sanft, ohne den Blickkontakt abzubrechen.

Auch Dean konnte den Blick nicht abwenden. Ihre Bewegung erstarrte. Dean hatte seine Hände in Castiels, war eigentlich im Begriff ihm den kleinen Holzengel zu geben, doch er war so gefangen, von diesen blauen Augen, dass er sich in ihnen verlor.

Castiel lächelte leicht, als er Deans Hände umschloss und für einen kurzen Moment die Augen schloss, ehe er Dean wieder ansah.

Plötzlich spürte Dean wie seine Hände ganz warm wurden. Mühsam wandte er den Blick von den wunderschönen blauen Augen ab, und sah auf ihre Hände. Von Castiels Händen ging ein sanftes, goldenes Licht aus, was ihre Hände umgab. Augenblicklich spürte Dean die wärme, die von seinen Händen durch seinen ganzen Körper zog. Er bekam eine Gänsehaut und als er wieder in Castiels Augen sah, schlug sein Herz schneller.

Der magische Moment wurde von zwei Jugendlichen unterbrochen, die sich plötzlich laut streitend anschrien, sodass Dean und Castiel zusammenzuckten, und sich voneinander lösten um das Spektakel zu beobachten.

Bei den streitenden handelte es sich um ein Junge und ein Mädchen, die sich wutentbrannt anfunkelten.

,,Das ist doch der totale Scheiß! Wer braucht schon Weihnachten! Jedes Jahr der selbe Scheiß! Ich brauch den Kram nicht!“, schrie der Junge das Mädchen an.

,,Verdammt Chris! Was hast du denn auf einmal?! Du hast Weihnachten doch immer geliebt!“; schrie das Mädchen zurück, Tränen hatten sich in ihren Augen gebildet.

,,Aber jetzt hasse ich es!“, schrie der Junge, namens Chris zurück und kehrte dem Mädchen den Rücken und rannte davon.

Dean hatte eine Augenbraue hochgezogen und wandte sich wieder an Cas, der sich schwer atmend an einer Holzhütte abstützte. Erschrocken sprang Dean sofort an seine Seite und stützte ihn.

Castiel war jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen.

,,Cas! Was hast du? Was ist los?“, fragte Dean leicht panisch.

,,Es.. beginnt bereits..“, keuchte Castiel atemlos. ,,Die Menschen fangen an ihren Glauben zu verlieren..“

Bestürzt sah Dean zu dem Mädchen was noch immer mit Tränen in den Augen dastand. Doch dann warf sie einen verächtlichen Blick zurück auf die kleinen Buden des Weihnachtsmarktes und rannte ebenfalls davon.

,,Dann sollte Sam sich lieber beeilen und diese Hexe finden..“, sagte Dean und brachte Castiel zu einer Bank, wo er sich ausruhen konnte. Besorgt kniete er sich vor ihn und griff nach seiner Hand, die nicht wie vorhin warm, sondern eiskalt war.

,,Wir sollten zurück gehen. Im Motel kannst du ich aufwärmen.“, schlug Dean vor und erhob sich.

,,In Ordnung.“, auch Castiel kämpfte sich mit Deans Hilfe wieder auf die Beine und gemeinsam begaben sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Motel.

Auf ihren Weg dorthin trafen sie noch ein paar Menschen, meistens Pärchen, die sich entweder heftig stritten, oder die Weihnachtsdeko von den Fenstern ihrer Häuser nahmen.

Dean spürte wie Castiel unter der Situation litt, doch konnte er leider nichts tun, um etwas daran zu ändern.

Ihr Heimweg verlief schweigend, und der Schneefall war wieder stärker geworden. Ihre frischen Schuhabdrücke im Schnee wurden fast augenblicklich wieder zu geschneit.

Castiel hatte auch verstärkt zu zittern begonnen, da seine Jacke nicht sehr dick war. Es war eine von Dean, doch hatte Dean nie viele Jacken besessen, sodass diese die einzige gewesen war, die er dem Engel hatte anbieten können. Doch mit Blick auf Castiel wusste Dean, dass er ihn unmöglich in der dünnen Jacke durch tiefen Winter rennen lassen konnte.

Das Glück schien auf ihrer Seite zu sein, denn sie kamen an einem kleinen Kleidergeschäft vorbei, welches urige Holzrahmen um die Schaufenster besaß und überall Lichterketten, damit die Menschen auch auf den kleinen Laden aufmerksam wurden.

,,Komm Cas. Der Laden hat noch auf. Wir holen eine richtige Jacke, dann frierst du auch nicht mehr.“, schlug Dean vor und sah Cas fragend an, der kurz zu überlegen schien, ehe er nickte.

Sie betraten de Laden, und wurden direkt von einer alten Dame in Empfang genommen. Sie waren die einzigen im Laden, was Dean nicht wunderte, denn vermutlich waren die meisten auf dem Weihnachtsmarkt, oder sie waren dabei, ihren Glauben an Weihnachten zu verlieren. Alles war möglich.

Während Dean sich nach warmen Winterjacken umsah, verschwand Castiel im Kleidergetümmel und tauchte kurz darauf in einem beigen Trenchcoat wieder auf.

Dean zog eine Braue hoch und musterte ihn skeptisch.

,,Ernsthaft Cas? Hast du mal nach draußen gesehen? Es ist arschkalt und in diesem Ding frierst du dir noch den Arsch ab.“

Castiel sah an sich herunter.

,,Also mir gefällt er. Und er ist auch schön warm.“

Dean seufzte frustriert. Er sah es bereits an Castiels Blick, dass er ihn nicht mehr würde umstimmen können.

,,Meinetwegen. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“, maulte Dean und ging mit Cas zur Kasse.

Als sie das Geschäft verlassen wollten, hielt die alte Verkäuferin sie zurück.

,,Moment, meine Herren. Sie haben was vergessen.“, rief sie freundlich.

Irritiert blieben Dean und Castiel stehen und sahen die Frau fragend an. Diese jedoch lächelte verschmitzt, und deutete nach oben.

Dean folgte ihrem Blick und starrte entsetzt auf den Mistelzweig über seinen und Cas Kopf. Auch Cas betrachtete das Grünzeug aus nachdenklichen Augen. Er war sich sicher, dass es dort vorhin noch nicht gehangen hatte...

,,Äh da muss ein Missverständnis vorliegen..“, stammelte Dean nervös. ,,Wir sind nicht zusammen..“

,,Das spielt keine Rolle. Es ist Tradition.“, meinte die alte Frau freundlich. ,,Und außer uns ist niemand hier, der das sehen könnte. Ich werde mich auch umdrehen.“, die alte Frau schmunzelte über Deans Nervosität und wandte ihnen den Rücken zu.

Dean spielte mit dem Gedanken fluchtartig den Laden zu verlassen, aber irgendwas hielt ihn hier. Er sah zu Cas, der ihn aus sanften Augen ansah.

Als er in das ruhige Gesicht des Engels fiel ein Teil seiner Anspannung ab. Dean hatte kein Problem damit einen Mann zu küssen, da Dean seit seiner Jugend Bi war. Aber hier ging es nicht um irgendeinen Mann, sondern um Cas, einen mächtigen Weihnachtsengel. Da konnte er doch nicht einfach.. oder doch? So wie Cas ihn ansah schien er kein Problem damit zu haben. Vor allem da er den ersten Schritt machte und eine Hand zärtlich an Deans Wange legte. Dabei sah er ihm fest in die Augen, und auch Dean konnte den Blick nicht mehr nicht mehr abwenden.

Wie von allein zog Dean den Engel an seinem Trenchcoat näher zu ihm heran. Ein Moment sahen sie sich tief in die Augen, ehe Dean und Castiel beide ihre Augen schlossen und das letzte bisschen Abstand überbrückten.

Beim ersten Lippenkontakt lief ein kribbeln durch Deans Körper und er zog den Engel fester an sich heran. Ihr Kuss war sanft, tastend, doch schon nach kurzer Zeit wurde er leidenschaftlicher. Cas krallte seine Hände in Deans Haare, während Dean mit seiner Zunge bei Cas um Einlass bat. Und spätestens als sich ihre Zungen berührten, war es um Dean geschehen. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, während sie sich leidenschaftlich küssten, und Dean fragte sich unwillkürlich woher der Engel nur so gut küssen konnte.

Doch Dean war nur ein Mensch, und musste nach kurzer Zeit Luft holen, weswegen er sich ganz behutsam von den Lippen des Engels löste, ohne ihn jedoch loszulassen.

Atemlos und nach Luft ringend sah er Cas an, dessen Wangen einen leichten rot Schimmer angenommen hatten. Keiner war in der Lage irgendetwas zu sagen. Es dauerte einen ganzen Moment, bis sich Dean klar wurde, dass sie noch immer in dem Laden standen.

Wiederwillig trat er einen Schritt zurück und auch Castiel schien wieder ins hier und jetzt zu finden. Noch etwas benommen sahen sie, dass die alte Frau mit einem breiten Grinsen zu ihnen hinüber sah. Ihre dunklen Augen funkelten wissend.

Dean räusperte sich.

,,Sie wollten sich doch umdrehen.“, brummte er, ehe er Cas am Ärmel packte und aus dem Laden zog.

Die alte Frau im Laden sah den beiden grinsend hinter her.

,,Typisch Jäger. Müssen immer ihre Gefühle verleugnen, auch wenn sie ihnen auf dem Gesicht stehen.“, murmelte die Frau amüsiert und schwenkte einmal ihre Hand, und der Mistelzweig über der Ladentür verschwand..

**

Im Motel angekommen ging Dean zuerst zum Kühlschrank, und nahm sich eine Flasche Bier. Der Heimweg war schweigend verlaufen. Dean hätte auch nicht gewusst was er hätte sagen sollen. Wie sollte er Cas das erklären was zwischen ihnen vorgefallen war..? Musste er das überhaupt? Denn so wie Cas aussah, mit den noch immer leuchtenden Augen, konnte Dean unmöglich sagen, was in dem Engel vor sich ging.

,,Willst du auch ein Bier?“, fragte er stattdessen etwas unbeholfen.

Castiel sah ihn schief an, während er sich an den Tisch setzte.

,,Nein danke.“, sagte er schließlich.

Mit seiner Bierflasche in der Hand setzte er sich zu Cas an den Tisch. Beide schwiegen. Dean überlegte fieberhaft was er sagen sollte, denn sie mussten darüber sprechen, am besten bevor Sam mit Rowena hier ankam. Doch was sollte er sagen? Das er den Kuss verdammt nochmal genossen hatte? Das sich in innerhalb der weniger Stunden, in denen sie sich kannten Gefühle anbahnten, von denen Dean dachte, dass er sie nicht mehr spüren könnte? Das er dabei war sich den Engel zu verlieben, obwohl sie sich kaum kannten?!

,,Dean, es ist keine Schande nach so kurzer Zeit für jemanden Gefühle zu entwickeln. Glaube mir wenn ich dir sage, dass es mir auch so geht, obwohl es mir als Engel untersagt ist, Gefühle für einen Menschen zu haben.“, sanft sah Castiel zu Dean der ihn entgeistert anstarrte.

,,Woher.?“, stammelte Dean und lief rot an. Woher wusste Cas von seinen Gedanken? Standen sie ihm etwa so deutlich auf der Stirn?

,,Ich bin ein Engel, Dean.“, sagte Castiel, als würde das alles erklären. ,,Auch ohne meine Gnade bin ich in der Lage die Gedanken der Menschen zu lesen. Jedenfalls noch.. Es fällt mir zunehmend schwerer, aber noch bin ich dazu in der Lage.“

,,Du liest meine Gedanken?! Würdest du das bitte sein lassen?! Meine Gedanken gehen nur mich etwas an!“, fuhr Dean den Engel an, der ihn erschrocken ansah.

,,Entschuldige Dean.. Ich wollte dich nicht verletzen..“

Dean musste sich erstmal sammeln. Er atmete ein paar Mal tief durch.

,,Schon gut Cas. Aber tu das bitte nicht nochmal.“, brummte Dean versöhnlicher. Aber war es denn so schlimm, dass Cas jetzt von seinen Gedanken wusste? So musste er es jedenfalls nicht mehr aussprechen. Dann fiel Dean wieder ein, was Cas eben gesagt hatte.

,,Sekunde mal Cas.. Du hast gesagt, dass Engel keine Gefühle für Menschen entwickeln dürfen.. Und- dass.. dass du“, stammelte Dean als ihm das Ausmaß von Cas Worten auffiel.

Castiel lächelte zärtlich als er sah wie Dean sich um die richtigen bemühte.

,,Das ich Gefühle für dich habe?“, beendete Castiel den Satz. ,,Ja, Dean.. Es mag komisch klingen, eben weil wir uns kaum kennen, und ich war auch fest im Glauben, dass ich niemals in der Lage wäre so zu fühlen.. Aber du hast etwas in mir berührt Dean..“, auch Castiel wirkte mit einem Mal hilflos, und genauso verwirrt wie Dean es war.

,,Und.. was machen wir jetzt?“, fragte Dean nach einigen Minuten der Stille.

,,Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß ist, dass ich dich nicht aufgeben werde Dean.“, das blau in Castiels Augen nahm einen besonderen Glanz an, was Dean direkt unter die Haut ging und eine angenehm Gänsehaut auslöste.

Das klingeln von Deans Handy unterbrach diesen eigenartigen Moment zwischen den beiden. Ein Blick auf das Display verriet Dean, dass es Sam war. Sofort ging er ran.

,,Sammy, was gibt’s?“, Dean war irgendwie erleichtert, dass Sam anrief. Er hasste es über seine Gefühle zu sprechen, und war umso dankbarer für die Ablenkung.

-

,,Weihrauch? Wofür braucht Rowena Weihrauch?“, verständnislos runzelte Dean die Stirn.

-

,,Warte Sammy. Lass mich raten, sie braucht noch Gold und Myrrhe. Und die drei Könige aus dem Morgenland noch dazu.“, spottete Dean, als er hörte was er und Cas noch alles besorgen mussten.

-

,,Wieso erst übermorgen? Sam, du weißt wie es um Cas steht! Ihr könnt nicht erst am 23. Dezember hier auftauchen, wir müssen den Kerl ja noch finden und ihm Cas Gnade abnehmen! Uns rennt die Zeit davon!“, Dean war blass geworden.

-

,,Meinetwegen, aber dann sorg dafür, dass Rowenas Hokus Pokus funktioniert! Scheiß egal was sie dafür haben will Sam, verstanden?!“, fauchte Dean in den Hörer und legte wütend auf.

,,Was ist los?“, fragte Castiel besorgt und griff über den Tisch nach Deans Hand. Fast automatisch erwiderte Dean den Händedruck des Engels.

,,Sam hat Rowena gefunden, und sie sind schon auf dem Weg hierher, aber auf der Hauptstraße gab es einen Erdrutsch, verursacht von dem fielen Schnee.. Sie müssen nun über Umwege hierhin fahren, und bis morgen werden sie es wohl nicht schaffen.. Aber Rowena hat uns eine Liste an Zutaten gegeben die wir für den Zauber brauchen. Um die können wir uns schon kümmern.“, Dean fuhr sich mit seiner freien Hand durch das Gesicht.

Castiel nickte verstehend.

,,In Ordnung, was brauchen wir denn?“

,,Für den Zauber brauchen wir Myrrhe, Weihrauch, Weihwasser, Korianderblätter, einen Bergkristall, etwas von deinem Blut und das Blut eines wahrhaft gläubigen.“, zählte Dean auf.

,,Das Blut eines wahrhaft Gläubigen?“, Castiel runzelte die Stirn.

,,Ich schätze damit ist das Blut eines Pfarrer gemeint.. Sie dienen Gott und sind schließlich gläubig.“, spekulierte Dean.

,,Vermutlich. Aber wie sollen wir das Blut bekommen? Wir können ja schlecht zu dem Pfarrer hingehen und ihm um etwas Blut bitten.“

,,Naja, dass sollte nicht allzu schwer werden Cas.“, Dean grinste schief.

,,Du wirst aber keinen gläubigen Diener Gottes niederschlagen, Dean.“, tadelte der Engel.

,,Das ist eine Ausnahmesituation Cas! Anders geht es nicht, und erklären können wir es ihm auch nicht. Das würde er nicht verstehen. Und beweisen, dass du ein Engel bist, können wir auch nicht.“, hielt Dean dagegen, und obwohl Cas die Idee nicht gut fand, wusste er, dass Dean recht hatte.

,,Meinetwegen..“, brummte er schließlich.

,,Fein, dann wäre das ja geklärt.“, Dean stand auf und wollte sich schon seine Jacke schnappen, als Cas ihn aufhielt.

,,Dean, wo willst du hin? Es ist dunkel draußen und bereits ziemlich spät. Etwas schlaf würde dir bestimmt gut bekommen.“, meinte Castiel und erhob sich von seinem Stuhl. Der Engel sah auf Deans angespannte Schultern, die sich nach einem kurzen Augenblick wieder entspannten.

,,Na schön. Aber nur, wenn du dich auch ausruhst.“, forderte der Winchester mit unnachgiebiger Sturheit in seinem Blick.

,,Meinetwegen.“, stimmte Castiel zu und legte den Trenchcoat ab, den er bis jetzt getragen hatte.

Nachdem Castiel sich bereit erklärt hatte, etwas von seinem Blut abzuzapfen, welches sie für den Lokalisierungszauber benötigten, verschwand Dean im Bad und kam fünf Minuten später in einer Jogginghose und einem T-Shirt wieder heraus. Das T-Shirt saß eng und schmiegte sich fest an Deans muskulösen Körper. Castiel, der solange gewartet hatte, konnte den Blick nur schwer von Dean los reißen. Dieser jedoch hatte den Blick des Engels bemerkte, und grinste.

,,Na Engelchen? Gefällt dir was du siehst?“, neckte er den Engel, der zum ersten Mal rot anlief vor Verlegenheit, und überall hinsah, nur nicht zu Dean.

,,Entschuldige mich bitte für einen Moment.“, stammelte Castiel unbeholfen und floh ins Badezimmer. Für ihn waren diese Gefühle noch sehr neu, und das Dean ihn erwischt hatte, wie er ihn gemustert hatte, war ihm äußerst unangenehm.

Dean hingegen lachte in sich hinein. Dieser Engel war einfach zu süß. Dann fiel dem Winchester auf, dass Castiel keine Sachen zum schlafen besaß und kramte in seinen Taschen bis er etwas gefunden hatte.

Ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, lief Dean geradewegs ins Badezimmer, und blieb wie vom Donner gerührt im Türrahmen stehen.

Castiel stand mit nacktem Oberkörper über das Waschbecken gebeugt und wusch sich sein Gesicht. Und so wie es aussah, hatte er Dean noch nicht bemerkt.

Dean hingegen starrte entsetzt auf den nackten Rücken des Engels. Er war übersät mit blauen Flecken und noch nicht ganz verheilten Wunden. Aber das auffälligste waren seine Schulterblätter. Zwei lange, senkrechte Schlitze waren dort zu sehen, die tief in das Fleisch eingeschnitten waren, jedoch nicht bluteten.

Erst als Cast nach einem Handtuch greifen wollte, bemerkte, dass er nicht mehr alleine war und fuhr zu Dean herum, und sah ihn erschrocken an.

,,Dean? Was machst du hier?“

Erst jetzt wurde Dean aus seiner Trance gerissen.

,,Was ist mit deinem Rücken passiert?“, fragte er zurück. Die Miene ernst.

Sich sichtlich unwohl fühlend, wandte der Engel den Blick ab.

,,Meine Selbstheilungskräfte wirken nicht mehr.. Und dadurch verheilen meine Wunden sehr schlecht..“, murmelte Castiel leise, den Blick gen Boden gerichtet.

,,Und diese zwei Schlitze an deinen Schulterblättern?“, hakte Dean weiter nach, diesmal sanfter und kam langsam auf den Engel zu, bis er vor ihm stand. Als Cas nicht antwortete legte Dean ihm sanft eine Hand an die Wange und brachte ihn dazu, ihn anzusehen.

,,Es ist o.k. Cas. Ich würde dich nie verurteilen..“

Castiel sah Dean tief in die Augen. Sie waren so wunderschön und so sanft. Er gab sich einen Ruck.

,,Das war die Stelle, an denen meine Flügel gesessen haben.“, gestand er.

,,Deine Flügel waren also Teil deiner Gnade?“

,,Ja..“

,,Hey.“, sanft umfasste Dean das Gesicht des Engels.

,,Es wird alles wieder gut. Versprochen.“, wisperte er leise. Ihre Gesichter waren sich so nahe, dass sie den Atem des jeweils anderen auf ihren Lippen spüren konnten. Schließlich hielt es Cas nicht mehr aus und überwand die Distanz und presste seine Lippen auf die des Jägers.

Überrascht erwiderte Dean den Kuss und gewährte Cas Einlass als er darum bat. Diesmal gab es keine Keuschheit zwischen ihnen. eng umschlungen taumelten sie rückwärts aus dem Badezimmer und fielen auf Deans Bett. Gegenseitig streichelten sie sich sanft, doch da es für beide noch alles ziemlich neu war, blieben sie oberhalb der Gürtellinie. Beide genossen diese Sanftheit und Leidenschaft zwischen ihnen.

Irgendwann wurden ihre Küsse träger. Dean spürte mittlerweile die Müdigkeit in seinen Knochen, und auch Cas wirkte erschöpft. Für einen kurzen Moment löste sich Dean von Cas und zog die Bettdecke über sie beide. Eng aneinander gekuschelt hielten sie sich fest und schliefen kurz darauf ein.

**

Nach Tagen des Schnees, brach am nächsten Morgen die Sonne durch und ließ den Schnee auf den Dächern und Straßen glitzern, wie tausend kleine Diamanten. Die Sonne strahlte hell durch das Fenster des Motels und schien genau auf das Bett, wo Cas und Dean noch immer eng umschlungen da lagen.

Doch Dean schlief nicht. Er lag schon seit Stunden wach, da er nicht mehr schlafen konnte, da ein Alptraum ihn heimgesucht hatte, und seitdem lag er wach, und hing seinen Gedanken nach. Es war der 22. Dezember. Und Sam und Rowena würden erst morgen kommen.. Hoffentlich würden sie es schaffen.

Ein paar Minuten später wachte auch Cas auf. Gemeinsam machten sie sich fertig um die Zutaten zu besorgen. Dean hatte darauf bestanden, so früh wie möglich los zu fahren, damit sie genügend Zeit hatten um alles zusammen zu suchen.

Doch so schnell war Castiel diesmal nicht, denn obwohl er gut und erholsam geschlafen hatte, so spürte er deutlich, dass es ihm heute noch schlechter ging als am Vortag. Er fühlte sich müde, und schlapp. Dazu kamen Schmerzen im ganzen Körper, doch versuchte er sich das nicht anmerken zu lassen. Was er nicht wusste war, dass Dean es sehr wohl bemerkte.

Dean hatte den Engel genau beobachtet und sah auf den ersten Blick dass er Schmerzen hatte. Er war auch bleicher als am Vortag. Ein Grund mehr, sich zu beeilen.

Ihr erster halt war die Kirche. Dort würden sie sich Weihwasser und Weihrauch besorgen. Dean wollte sich dort sogar nach Myrrhe umsehen, doch Castiel bezweifelte, dass sie die Myrrhe dort finden würden. Wäre Castiel im Besitz seiner Gnade, wäre er schnell in die Vergangenheit gesprungen und hätte im Hand umdrehen Myrrhe besorgt, doch so mussten sie sehen wo sie die her bekamen.

Sie hatten Glück. Die Kirche war leer, und außer einem Priester war niemand dort. Castiel hatte Dean inständig nochmal darum gebeten, den Priester nicht K.O. zu schlagen um an dessen Blut ran zu kommen. Wiederwillig hatte Dean zugestimmt, jedoch darauf beharrt es als Notfall Plan offen zu halten, wo Castiel wiederwillig zugestimmt hatte.

Während Dean sich um den Priester kümmerte und in ein Gespräch verwickelte, stahl Castiel etwas von dem Weihwasser. Den Weihrauch musste er suchen, doch fand er ihn relativ schnell und schnappte sich auch von diesem etwas. Als er zu Dean zurückkehrte um zu sehen wie weit er war, sah er gerade noch, wie er den bewusstlosen Priester in einen der Beichtstühle hievte und diesen dann verschloss.

,,So viel dazu, dass es der letzte Ausweg wäre.“, schimpfte der Engel, doch Dean grinste nur, und hielt triumphierend eine kleine Phiole mit dem Blut on die Höhe.

,,Eine andere Möglichkeit gab es nicht, mein Engel.“, neckte er ihn liebevoll, und nahm Castiel somit den Wind aus den Segeln.

Gemeinsam verließen sie die Kirche wieder.

,,Als nächstes brauchen wir noch Myrrhe, Koriander, einen Bergkristall und etwas von deinem Blut.“, zählte Dean auf, während sie durch die Straßen liefen. ,,Korianderblätter bekommen wir auf dem Weihnachtsmarkt. Den Bergkristall, bekommen wir ebenfalls im Laden. Aber wie verdammt kommen wir an Myrrhe?“

,,Ich denke nicht, dass sie das auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen. Myrrhe zählt zu den heiligen Insignien der Weihnacht und hat seinen Ursprung in Afrika bzw. Indien. Es ist eine Art Gummiharz von den Bäumen die aus der Familie der Balsambaumgewächse stammen.“, erklärte Castiel, während Dean ihn anstarrte.

,,Was?“, fragte Castiel als er Deans Blick bemerkte.

,,Nichts.“, Dean schmunzelte. ,,Es ist interessant zu hören, wo die Myrrhe ihren Ursprung hat, aber leider hilft uns das bei der Beschaffung nicht sonderlich weiter.“

Castiel schwieg nachdenklich.

,,Dann besorgen wir eben erst die anderen Zutaten.“, meinte er daraufhin Schulterzuckend. Dem hatte Dean nichts entgegenzusetzen.

Gemeinsam gingen sie auf den Weihnachtsmarkt. Bei ihrem Bummel am vorherigen Abend, hatten sie einen Kräuterstand entdeckt. Dieser hatte bestimmt das, was sie brauchten.

Doch als sie auf dem Weihnachtsmarkt ankamen, blieben sie verwirrt stehen. Die Menschen an den Buden fingen an die Dekorationen abzuschmücken und in Kartons zu stopfen. Einige hatten sogar ihre kleine Holzbude endgültig abgerissen. Auch die Atmosphäre war anders als noch am Abend zuvor. Die Leute maulten sich an und verloren bei jeder Kleinigkeit die Geduld.

Dean sah sich um. Nur sehr wenige Hütten standen noch, leider war die Hütte mit den Kräutern nicht dabei. Diese stand verschlossen da, während hinter der Hütte schwarzer Rauch aufstieg.

Dean rannte zu der Hütte hin, ging um sie herum und entdeckte die Verkäuferin der Kräuter, die gestern noch einen heißen Kakao getrunken hatte und die Weihnachtslieder aus dem Radio mitgesungen hatte. Jetzt hingegen saß sie auf einem  Klappstuhl, trank einen billigen Whiskey und warf alle Kräuter die sie in ihrem Stand hatte, in ein kleines Feuer, welches sie vorbereitet hatte.

,,Was machen sie denn da?!“, fuhr Dean die Frau an, die ihn desinteressiert ansah.

,,Kräuter verbrennen.“, war die knappe Antwort.

,,Und warum?!“

,,Sie haben mich zu sehr an Weihnachten erinnert. Dabei hasse ich Weihnachten. Letztes Jahr hat mich mein Mann an Weihnachten mit seiner Sekretärin betrogen!“, fauchte die Frau und Dean musste hilflos dabei zusehen, wie diese Frau seine letzte Hoffnung in Flammen aufgehen ließ.

Frustriert ging Dean dorthin zurück, wo er den Engel zurück gelassen hatte, doch er war nicht mehr da!

,,Cas?“, rief Dean und sah sich suchend um, doch war von ihm weit und breit nichts zu sehen. ,,Cas!“, von plötzlicher Sorge erfasst suchte er den ganzen Weihnachtsmarkt ab, doch ohne Erfolg. Wo konnte er nur sein?!

,,Castiel!“, rief Dean nun um einiges lauter. Verzweifelt raufte er sich die Haare. Dieser verdammte Engel! Wo war er bloß? Dean hoffte inständig, dass ihm nichts passiert war!

,,Dean!“

Dean fuhr herum, als er die vertraute Stimme hatte hören rufen. Und da! Da war Cas! Er kam auf ihn zu, und es schien ihm den Umständen entsprechend gut zu gehen. Doch er war nicht allein. Dean musste zweimal hinsehen, als er die alte Verkäuferin erkannte, die ihn und Cas unter diesen verdammten Mistelzweig gestellt hatte! Was sich im nachhinein als sehr gute Entscheidung herausgestellt hatte, doch das musste ja keine wissen.

,,Cas! Gott sei Dank. Wo warst du? Ich hab dich überall gesucht.“, tadelte Dean den Engel, der schuldbewusst drein sah.

,,Entschuldige Dean.. Du bist plötzlich los gerannt, und ich bekam eine Schwindelattacke. Wenn sie nicht gewesen wäre, läge ich vermutlich irgendwo bewusstlos herum.“, Castiel deutete auf die alte Frau. ,,Dean, dass ist Dorothea. Sie ist eine Hexe, und hat mir durch ihre Magie geholfen.“

Dean musterte Dorothea skeptisch.

,,Hexe also. Deswegen war der Mistelzweig auch plötzlich da. Ich hätte nämlich schwören können, dass er vorher noch nicht da gehangen hatte!“, knurrte Dean verstimmt.

,,Manche muss man eben zu seinem Glück zwingen.“, kontere die Hexe ruhig.

Castiel warf Dean einen mahnenden Blick zu.

,,Danke, dass du ihm geholfen hast..“, knirschte Dean zwischen zusammen gepressten Kiefern hervor. Er hasste es, sich bei Hexen zu bedanken, egal wie alt oder jung sie waren.

,,Spar dir das geschleime Bürschchen! Ich bin zu alt als das du mir würdest etwas vormachen können. Abgesehen davon, braucht ihr wohl meine Hilfe.“, stellte die Hexe fest.

,,Wie kommst du darauf, dass wir deine Hilfe bräuchten?“, knurrte Dean bissig.

,,Weil sich eure Hornung gerade in Flammen und Rauch aufgelöst hat. Und zufälligerweise nutze ich meine Kräfte nicht um Menschen zu töten, sondern um sie zu heilen, auch wenn du mir das nicht glauben magst, Bürschchen. Durch meine Heilkünste bin ich im Besitz aller möglichen Kräuter, die ich euch sogar bereit bin zu geben.“, die alte Hexe grinste amüsiert über Deans finsteren Blick.

,,Wo ist der Haken?“, wollte er wissen. Es gab keine hexe die ihm aus purer nächsten liebe half.

Dorothea wurde ernst. Ihr Blick nahm einen kummervollen Blick an.

,,Das einzige was ich von euch verlange ist, dass eure Mission nicht scheitert! Denn solltet ihr das tun, dann wären die Konsequenzen verehrend, aber dessen seid ihr euch sicher bewusst. Außerdem liebe ich die Weihnachtszeit. All die glücklichen Gesichter der Kinder, wenn sie ihre Wunschzettel schreiben, oder im Schnee spielen. Das sind kleine Dinge, die mein Herz trotz meinen hohen Alters zum singen bringen. Wenn es all das nicht mehr gibt, dann will ich nicht wissen was dann aus all den schönen Dingen wird.“

Dean musterte die alte Hexe eindringlich. Sie schien die Wahrheit zu sagen, das spürte er.

,,Wir werden nicht scheitern! Das ist keine Option.“, stellte Dean bestimmend fest. Er dachte weniger an das Ausmaß was der Verlust von Cas Gnade für die Menschen bedeutete, sondern viel mehr daran, den Engel selbst zu verlieren, was vermutlich egoistisch war, aber er war nicht bereit dem Engel beim sterben zu zusehen.

,,Dann sollten wir uns beeilen.“, mischte sich Castiel nun ein, und zu dritt, gingen sie zu Dorotheas Laden.

Im inneren empfing sie eine wohlige wärme und der Duft nach heißer Schokolade. Zur Sicherheit überprüfte Dean aber nochmal die Decken, falls irgendwo wieder so ein Grünzeug hing, auch wenn er keine Probleme damit hatte Cas zu küssen. Wie von alleine fing er an zu grinsen als er an ihre bisher getauschten Küsse dachte.

Dorothea führte sie in ein Hinterzimmer, welches sich als kleines Hexenlabor mit sämtlichen Hexenüblichen Utensilien herausstellte. Sie suchte alle Kräuter heraus, die sie für den Zauber benötigten. Zu aller Erleichterung besaß sie auch Myrrhe, was Dean erleichtert aufatmen ließ.

Danach verabschiedeten sie sich um die Kräuter ins Motelzimmer zu bringen. Nachdem Cas beinahe zweimal einen Schwächeanfall auf dem Rückweg bekommen hatte, war Dean heilfroh als sie das Motelzimmer erreichten. Dean verstaute die Kräuter, und wollte sich um Cas kümmern, doch war dieser plötzlich seltsam ernst und bat darum in die Kirche zu gehen. Dean zögerte, doch willigte er ein.

Es fing bereits an zu dämmern und der Schneefall hatte wieder eingesetzt, als sie sich zur Kirche aufmachten.

In der Kirche war kaum ein Mensch, was Dean sehr erleichterte. Er vermied es normalerweise in die Kirche zu gehen, doch für cas machte er gerne eine Ausnahme. Den Pfarrer den er K.O. geschlagen hatte, stand mit einem blauen Auge vor dem Beichtstuhl und schüttelte einer alten Dame zum Abschied die Hand.

Unwillkürlich schrumpfte Dean auf seinem Platz zusammen. Er hatte keine Lust, dass der Pfarrer ihn erkannte. Doch er schien Glück zu haben, denn der Pfarrer sah nicht einmal in seine Richtung.

Schweigend saßen sie da. Cas schien nur noch körperlich anwesend zu sein. Sein Blick war auf den Altar und auf die Bilder von Engeln und Jesus gerichtet. Sein Blick war voller Schmerz und Dean hätte gerne etwas getan um Cas diesen Schmerz zu nehmen. Doch konnte er nichts tun als für ihn da zu sein. Ganz vorsichtig tastete seine Hand nach der des Engels. Dieser erwachte bei der Berührung aus seiner starre und verschränkte seine Hände mit Deans.

Keiner sprach. Das brauchten sie auch nicht, um sich zu verstehen. Dean wusste, dass Cas sich sorgen machte, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen würden seine Gnade zu finden und somit den Glauben der Weihnacht und ihn selbst zur retten. Dean ging es nicht anders, doch an aufgeben war nicht zu denken. Er wollte Cas nicht verlieren. Der Engel löste etwas in ihm aus, was Dean geglaubt hatte verloren zu haben, und dieses Gefühl wollte er fest halten, und Cas ebenso.

Nach ein paar Stunden verließen sie die Kirche wieder. Es war mittlerweile stockdunkel geworden, und Dean zog seinen Schal fester zusammen. Mit noch immer verschränkten Händen liefen sie zurück zum Motel.

Sie waren schon fast da, als Cas plötzlich schmerzlich aufstöhnte und sich eine Hand auf den Bauch presste.

,,Cas?“, fragte Dean besorgt und stützte Cas.

Castiel war zu keiner Antwort fähig als ihn solche Schmerzen überrollten, dass er das Gefühl hatte, zerrissen zu werden. Sein gesamter Körper schmerzte unerträglich und er wusste auch, dass es ans einer Gnade lag die immer mehr Macht bekam. Er spürte auch deutlich wie seine Kraft immer weiter schwand und er sich schließlich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.

Dean fing den Engel auf als er zusammen brach. Zum Glück war der Weg zum Motel nicht mehr weit und als sie ankamen, legte Dean den Engel auf das Bett, zog ihm die Schuhe und den Trenchcoat aus, und deckte ihn zu. Castiels Gesicht war weiß wie der Schnee, und man konnte ihm trotz der Ohnmacht ansehen, dass er starke Schmerzen hatte.

Dean seufzte besorgt, als er sich bettfertig machte und sich neben Castiel in das Bett legte und den Engel ganz feste an sich zog um ihn zu wärmen. Jetzt schien es wirklich verdammt schnell zu gehen. Hoffentlich kam Sam bald..

**

Am nächsten Morgen hatte Dean große Probleme Castiel wach zu bekommen. Nur mit Mühe konnte er ihn dazu bringen etwas Suppe zu essen, welche Dean gekocht hatte, damit er wenigstens etwas bei Kräften blieb.

Die Schmerzen hatten seit vergangenem Abend wohl auch nicht mehr nachgelassen, ebenso die Tatsache, dass Castiels Körpertemperatur zu fallen schien. Dean wusste langsam nicht mehr weiter. Er Sam schon mehrmals angerufen, der bald da sein würde.

Dean fühlte sich hilflos und versuchte Cas seine Verzweiflung gegenüber nicht anmerken zu lassen. Er saß pausenlos an seiner Seite, redete mit ihm, hielt seine Hand, oder gab ihm auch einen Kuss, welches sogar schwach erwidert wurde.

Deans Sorgen wuchsen ins unermessliche als Cas einen weiteren Schwächeanfall erlitt. Dean wusste, dass es Cas letzter Tag war. Sollten sie es nicht schaffen bis zum Glockenschlag um Mitternacht Cas Gnade zurück zu erlangen, würde Cas sterben und mit ihm der Glaube der Weihnacht aller Menschen!

Dean sah bereits, dass der Glaube der Weihnacht in den Menschen immer weiter verloren ging. Über Nacht war beinahe überall die Weihnachtsdeko verschwunden, die Menschen hatten kein Nettes Wort mehr für sich übrig, und auch der Schneefall hatte beinahe ruckartig aufgehört.

**

Um 13 Uhr hörte Dean das vertraute Geräusch seines geliebten Impalas, der auf dem Motel Parkplatz hielt. Keinen Augenblick später wurde die Tür aufgestoßen und Sam trat mit Rowena im Schlepptau herein.

,,Na endlich! Wieso hat das so lange gedauert?!“, knurrte Dean. Die Sorge um seinen Engel machte ihn ungehalten, was ihm im Nachhinein leidtat.

,,Schön dich zu sehen Dean. Du konntest es scheinbar kaum erwarten mich zu sehen.“, grüßte Rowena ihn sarkastisch, als sie ihren Koffer abstellte, und auf Cas zutrat.

,,Und das ist also euer Weihnachtsengel.“, meinte sie schlicht und musterte Castiel, der reglos im Bett lag. ,,Irgendwie hatte ich mir Engel imposanter vorgestellt.“, schulterzuckend wandte sie sich ab.

,,Du hast ja keine Ahnung!“, fauchte Dean sie an, bis Sam ihm einen Arm auf die Schulter legte.

,,Alter, krieg dich mal wieder ein. Wir schaffen das schon. Seit wann ist Cas denn in diesem Zustand?“, fragte Sam mit ruhiger Stimme.

Die ruhige Ausstrahlung seines Bruder, ließ auch Dean ruhiger werden. Er atmete durch. ,, Seit gestern Abend. Er erleidet immer wieder Schwächeanfälle die mit jedem Mal stärker werden. Sam, wir müssen seine Gnade finden und zwar schnell. Sonst weiß ich nicht wie lange er noch durchhalten wird.“

Sam musterte Dean noch einen Moment, ehe er nickte. Rowena hingegen hatte sämtliche Utensilien auf dem kleinen Tisch am Fenster aufgebaut.

,,Wollt ihr da Wurzeln schlagen oder mir behilflich sein?“, fragte sich höhnisch.

,,Und du bist dir sicher das das klappt?“, fragte Dean nach als er ihr die Kräuter reichte.

,, Bei Magie gibt es immer ein gewisses Risiko. Es kann zu jeder Zeit immer etwas schief gehen. Also nein, es gibt keine Garantie das es klappt. Aber um eures Engels willen hoffe ich, dass es klappt.“, sagte Rowena und begann mit dem Lokalisierungszauber.

Sam und Dean beobachteten sie kritisch, während  sich die Kräuter entzündeten, und Rowena irgendwelche Formeln vor sich hin murmelte. In dem Moment, wo eine Stichflamme aus der Kupferschale schoss, schrie Castiel schmerzlich auf.

Dean war sofort bei ihm.

,,Alles wird gut Cas! Halte durch.“, bat Dean den Engel und fuhr ihm mit einer Hand durch die haare. Zum ersten Mal seit Stunden sah Castiel ihn klar an. Minutenlang sahen sie einander in die Augen, ehe sie ein Räuspern hinter sich vernahmen.

,,Ich unterbreche euch ja nur ungern, aber es hat geklappt. Ich habe Anriel lokalisiert. Er befindet sich auf der Erde, auch gar nicht so weit weg wie gedacht. Er hat sich in die Berge verzogen, und wartet bis die Gnade ihre volle Macht entfaltet hat, ehe er versucht sie mit seiner zu verbinden.“, erzählte Rowena im Plauderton, doch Dean hörte eine gewisse Anspannung heraus.

,,Dann müssen wir sofort los.“, Dean erhob sich nachdem er Castiel nochmal sanft über die Wange gestreichelt hatte.

,,Aber wie sollen wir die Gnade transportieren?“, fragte Sam.

,,Ich habe sie gesehen. Sie befindet sich in einer Glasphiole, doch wird diese nicht mehr lange halten, da die Gnade zu mächtig wird.“, meinte Rowena.

,,Auf geht’s Sam. Rowena markiere uns die genaue Stelle auf einer Karte. Wir brechen in zehn Minuten auf.“, befahl Dean und suchte bereits ihre Waffen zusammen.

,,Dean, wir haben keine Ahnung welche Waffen gegen einen Engel wirken! Wir können uns nicht einfach auf gut Glück mit einem Engel anlegen.“, bemerkte Sam mit zusammen gepressten Kiefern.

,,Manteltasche...“, krächzte Castiel leise vom Bett aus. Alle sahen ihn an.

Ohne weiter nachzufragen, da Dean wusste wie viel Anstrengung es Cas gekostet hatte dieses Wort auszusprechen, durchsuchte er den Trenchcoat bis er eine längliche, silberne Klinge aus einer der Innentaschen herauszog.

,,Was ist das denn?“, stirnrunzelnd drehte Dean die scharfe Klinge, die leicht in der Hand lag, und musterte das Material. So etwas hatte er noch nie gesehen.

,,Engelsklinge.. S-sie kann a-andere Engel t-töten..“, presste Castiel hervor ehe sein Körper sich krampfartig zusammenzog und nur ein schmerzliches Stöhnen über seine Lippen kam.

,,Cas..“, Dean drückte die Klinge achtlos seinem Bruder in die Hand, während er zu Castiel eilte und ihn sanft versuchte zu beruhigen.

,,Ihr vertrödelt nur eure Zeit. Castiels Zustand wird nicht besser wenn ihr hier herumsteht. Jetzt habt ihr ja eine Waffe, die diesen Anriel töten kann. Ihr beeilt euch lieber und ich kümmere mich um euren Engel hier. Ich bin als einzige in der Lage ihm die Schmerzen erträglicher zu machen.“, bestimmte die rothaarige Hexe und scheuchte Dean von Castiel weg.

,,Du willst uns freiwillig weiterhin helfen? Wieso solltest du das tun?“, Dean wurde argwöhnisch.

Rowena zögerte, ehe sie ehrlich antwortete, was eher selten vorkam.

,,Nicht nur den Menschen liegt der Glaube der Weihnacht am Herzen. Mir hat dieser Glaube in trostlosen Zeiten, gerade im Mittelalter zu Zeiten der Hexenverfolgung viel Trost gespendet. Ich fände es tragisch wenn das alles verloren ginge.. Aber jetzt seht endlich zu, dass dies nicht geschieht!“

Einen Moment lang starrten Sam und Dean die Hexe verblüfft an, ehe sie das Motelzimmer verließen. Dean warf noch einen Blick zu Castiel zurück, ehe er die Tür hinter sich zu zog.

**

Die Fahrt dauerte knapp eine Stunde ehe sie die Hänge der Berge erreichten. Mittlerweile war es 16 Uhr. Sie mussten sich beeilen wenn sie noch im hellen auf den Berg wollten, denn in knapp einer Stunde ging die Sonne unter. Rowena hatte den Standort auf der Karte markiert und auch, welcher der kürzeste Weg dorthin war. Laut Karte mussten sie einem steilen Wanderweg folgen, und den Weg später verlassen. Sie mussten durch ein kurzes Waldstück weiter den Berg hinauf. Ziemlich weit oben auf dem Berg, gab es an der Nordseite eine alte Lagerhalle, in der sich Anriel befand.

Wieso sich dieser Engel ausgerechnet eine alte Lagerhalle von einem Bergwerk, oben auf einem Bergkamm ausgesucht hatte, konnte Dean nicht sagen. Er wäre zum verrecken nicht in eine alte Lagerhalle, oben auf einem Berg abgestiegen, aber nun gut.

Gemeinsam machte er sich mit Sam an den Aufstieg. Zunächst hatten sie geschwiegen, doch dann wollte Sam plötzlich wissen, was zwischen ihm und Cas liefe, doch Dean hatte deutlich gemacht, dass er darüber nicht reden wollte, und so schwiegen sie wieder.

Die Abenddämmerung hatte eingesetzt als sie den Wald verließen und nun Bergauf wanderten. Je höher sie kamen, desto mehr Schnee lag auf ihrem Weg, und schon bald, waren die Winchesters bis zu den Waden im Schnee versunken. Das machte den Aufstieg erheblich schwerer. Doch an Pause machen, dachte keiner. Ihnen rannte die Zeit davon.

Je mehr Zeit verging, desto größer wurde Deans Sorge. Er hatte dem Engel noch so viel sagen wollen.. Er wollte ihm sagen, was für Gefühle er in ihm ausgelöst hatte, doch wenn sie versagen sollten, dann würde er nie wieder die Gelegenheit dazu bekommen.

Als die Sonne schließlich hinter den Baumkuppen versank, erkundigte Sam sich, ob es einen Plan gab, oder ob sie einfach in die Halle stürmen sollten.

Dean stellte fest, dass er sich darüber gar keine Gedanken gemacht hatte, doch da die Lagerhalle vermutlich noch einen Notausgang besaß, konnten sie sich vielleicht von hinten rein schleichen.

Schon von weitem kam die Lagerhalle in Sicht. Auf dem Bergkamm war sie auch kaum zu übersehen. Völlig außer Atem, da das stapfen durch den Schnee sehr anstrengend war, schlichen Dean und Sam zum Hintereingang. Beide hatten ihre Waffen dabei. Zwar hatte Cas gemeint, dass nur eine Engelsklinge einen anderen Engel töten könnte, doch da sie nur eine Klinge hatten, hatten sie zur Sicherheit noch ihre Pistolen mitgenommen. Vielleicht würden die Kugeln den Engel zur Not auch aufhalten. Aber das würden sie sicher bald herausfinden.

Mit einem leisen quietschen öffneten sie die Tür, und schlichen mit gezückten Waffen hinein. Dean hatte die Engelsklinge fest in der Hand, und versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Die ganze Halle lag im dunklen. War Anriel nicht da? Das wäre der optimal Fall. Dann könnten sie die Gnade suchen, falls Anriel nicht da wäre und dann heimlich wieder verschwinden.

Aber so viel Glück hatten sie nicht, denn durch einen plötzlichen Ruck wurden Sam und Dean nach vorne geschleudert, sodass Dean die Klinge aus der Hand geschleudert wurde. Er kam so hart auf dem Boden auf, dass er fast augenblicklich das Bewusstsein verlor.

**

Sein Kopf dröhnte als er wieder zu Bewusstsein kam. Nur langsam klärte sich seine Sicht. Als er sich bewegen wollte, spürte er, dass seine Hände hinter seinem Rücken gefesselt waren. Er zog und zerrte an den Fesseln, doch schnitt ihm das Seil nur weiter in die Handgelenke.

,,Das hat keinen Zweck. Lange Zeit habe ich die Menschen beobachtet, besonders die  Seefahrer, da lernt man über die Jahrhunderte wie man einen Seemannsknoten macht.“, lachte wie aus dem nichts ein Mann im grauen Anzug, der sich vor ihm aufbaute.

,,Anriel“, knurrte Dean wütend, dann sah er sich um, auf der Suche nach Sam. Zu seiner Erleichterung saß neben ihn, ebenfalls gefesselt, und starrte den Engel ebenfalls finster an.

,,Ihr wisst also schon wer ich bin. Dann hat sich der Smalltalk ja erledigt.“, höhnte Anriel. ,,Ich gehe mal davon aus, dass ihr Castiels Gnade zurück haben wollt, nicht wahr?“

Dean starrte ihn nur finster an, während er unauffällig versuchte diesen monströsen Knoten zu lösen. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Sam dasselbe versuchte.

,,Was willst du überhaupt mit Cas Gnade?“, fauchte Dean ungehalten.

,,Mehr Macht natürlich. Ihr wisst nicht wie das ist, wenn man Jahrhunderte lang mitansehen muss, wie solch eine Macht verschwendet wird! An Weihnachten, wenn Castiels Gnade den Höhepunkt ihrer Macht erlangt hat, sind Castiels Fähigkeiten vergleichbar mit denen der Erzengel. Und anstatt die Macht zu nutzen, oder den Himmel zu übernehmen, hat Castiel diese Macht nur genutzt um den Menschen Liebe, Glaube und Frieden zu geben! Für Menschen die nicht mal wissen, dass es uns gibt!“, schimpfte Anriel.

,,Cas hat die Macht Weise eingesetzt! Als hoher Weihnachtsengel ist es seine Aufgabe den Menschen, gerade an Weihnachten Liebe und Friede zu geben! Und genau aus diesem Grund ist Cas der höchste aller Weihnachtsengel geworden! Eben weil er seine Macht nicht missbraucht, sondern sie gerecht einsetzt, sie mit anderen teilt und nicht für sich beansprucht! Und das ist auch der Grund, dass die Menschen sehr wohl an ihn glauben!“, fauchte Dean laut, doch Anriel lachte nur.

,,Du bist ja ganz vernarrt in Castiel. Schade nur, dass er das nicht mehr miterleben wird. Denn es bleiben ihm nur noch drei Stunden.“, grinste Anriel verschmitzt und wandte sich ab. Erst da sah Dean die Phiole mit der hell strahlenden Gnade, die auf einem Tisch in der Nähe stand. Und auf diesem Tisch lag auch die Engelsklinge.

,,Und was willst du mit der Gnade tun? Den Himmel übernehmen?“, übernahm Sam, um Anriel abzulenken, während Dean mit seinen Fesseln kämpfte, die sich zu lösen begannen. Jetzt mussten sie sich beeilen, denn drei Stunden vergingen wie im Flug!

,,Das wäre eine Überlegung wert. Ich werde sehen was ich dann mache.“, gab Anriel kurz angebunden zurück.

,,Es kann aber auch schief gehen. Castiels Gnade kann sich auch gegen deine richten und dann stirbst du!“, hielt Sam dagegen, der ebenfalls seine Fesseln bald durchhatte.

,,Selbst wenn. Lieber sterbe ich und reiße Castiel dadurch mit in den Tod, als mich noch weitere Jahrhunderte ihm zu unterwerfen.“, knurrte Anriel wütend.

Dean fragte sich unwillkürlich wieso er Castiel so hasste, doch diese Frage würde er garantiert nicht stellen. Das brauchte er auch nicht, denn Sam kam ihm bereits zuvor, wofür Dean ihm sehr dankbar war.

Mit einem kleinen Ruck, spürte Dean wie seine Fesseln nachgaben und zu Boden fielen. Da Anriel ihm den Rücken gekehrt hatte, konnte er es nicht sehen. Mit einer schnellen Bewegung sprang Dean auf die Beine, stürzte zum Tisch, schnappte sich die Engelsklinge und warf sie genau in dem Moment nach Anriel, als dieser bereits die Hand hob, um ihn weg zu schleudern. Doch diesmal war Dean schneller. Die Klinge wirbelte durch die Luft und blieb schließlich in der Schulter des Engels stecken.

Anriel schrie vor schmerz. In dem Moment sprang auch Sam auf die Füße, rannte auf Anriel zu um ihm die Klinge tiefer in die Schulter zu rammen, während Dean sich die Phiole schnappte, die an einer langen Silberkette hing, und sich die Kette um den Hals hang. Sicher war sicher.

Anriel schrie vor verzerrter Wut und Schmerz auf. Dabei entstand eine solch heftige Druckwelle, dass Sam und Dean nach hinten geschleudert wurden.

,,Raus hier Dean!“, rief Sam ihm zu, doch Dean würde erst gehen, wenn dieser Engel für das was er getan hatte, sterben würde! Sonst würde er sicher weiterhin versuchen Cas seine Gnade zu rauben.

Mit einer eleganten Handbewegung zog sich Dean die Kette mit Cas Gnade vom Hals. Die Phiole hatte bereits Haarfeine Risse. Lange würde sie nicht mehr halten. Dann reichte er sie Sam.

,,Geh! Bring die Gnade zu Cas! Ich werde Anriel töten!“, sagte Dean entschlossen, und den Protest seines Bruders erstickte er direkt im Keim.

,,Sam! Anriel wird es solange versuchen, bis er sein Ziel erreicht hat! Es hört erst auf wenn Cas tot ist! Jetzt mach schon, cas hat kaum noch Zeit. Ich schaff das schon.“, fuhr Dean seinen Bruder an, der nach kurzem Zögern einsah, dass es keinen Sinn hatte mit Dean zu diskutieren.

Sam rannte aus der Halle hinaus, während Dean sich wieder auf Anriel stürzte, der sich die Klinge mittlerweile aus der Schulter gezogen hatte..

**

Sam fuhr wie ein Wahnsinniger die Straßen entlang. Den Berg war er beinahe hinunter gefallen, so schnell war er gerannt, doch als er die Uhr sah, wusste er, dass  ihm nur noch eine halbe Stunde blieb, denn dann war es Mitternacht!

Mehrmals hätte er beinahe einen schweren Unfall verursacht, doch das hielt ihn nicht ab. Er musste zu Cas und dann musste er zu Dean zurück um ihn zu helfen. Gegen einen Engel hatte er alleine keine Chance.

Um 23:59 Uhr erreichte Sam den kleinen Ort, in dem sie die letzten Tage verbracht hatten. Die Straßen lagen im dunkeln, und es war nichts mehr von der harmonischen Weihnachtsstimmung zu sehen, die noch vor wenigen Tagen geherrscht hatte.

Es waren nur noch wenige Straßen bis er das Motel erreichen würde. Er bog in die letzte Straße ein, da hörte er den ersten Schlag der Kirchturmuhr, die Mitternacht ankündigte. Sam brach der Schweiß aus. Er drückte das Pedal durch und hielt mit quietschenden Reifen vor dem Motel.

Er hechtete zur Tür, die Uhr schlug zehn!

Rowena saß neben Castiel auf der Bettkante. Dieser hatte jegliche Gesichtsfarbe verloren, er sah bereits aus wie tot.

Die Uhr schlug 11!

Ohne darüber nachzudenken, stürzte Sam auf Cas zu, und riss die Phiole auf.

Die Uhr schlug 12!

**

Dean wurde durch ein nahegelegenes Fenster geschleudert, und landete im hohen Schnee. Blut rann über sein Gesicht, sein ganzer Körper schmerzte, doch Dean gab nicht auf. Er war durch den Kampf wieder in den Besitz der Engelsklinge gelangt, und hatte Anriel schon einige schwere Verletzungen zugefügt.

Leise ächzend richtete sich Dean auf und erstarrte. Den leisen Klang der Kirchenglocke, die Mitternacht läutete, konnte er bis hier oben auf dem Berg hören. Er erschauderte. Er betete zu Gott, dass Sam rechtzeitig gekommen war!

,,Du Narr! Er ist tot! Du kannst ihn nicht mehr retten!“, höhnte Anriel über ihm. Er stand wie aus dem nichts auf dem Dach der Lagerhalle, und sah abfällig auf ihn herab.

Dean sagte nichts dazu, da er nicht wusste ob Anriel recht hatte oder nicht. Aber er weigerte sich gegen den Gedanken. Sam hatte es mit Sicherheit geschafft!

Dann erschien plötzlich ein gleißend helles Licht um Anriel herum. Riesige, imposante Schwingen wurden sichtbar. Sie waren weiß wie Schnee. Dann erhob sich Anriel in die Lüfte. Dean war drauf und dran die Engelsklinge nach ihm zu werfen, als er sah was Anriel tat!

Die Erde unter Deans Füßen fing an zu beben, während Anriel mittels seiner Engelskräfte eine gewaltige Lawine auslöste!

,, Du wirst sterben Winchester!“, rief Anriel ihm über das dröhnen der Lawine zu.

Dean war zunächst wie erstarrt, während er seine Beine in die Hand nahm, und versuchte aus der gefährlichen  Zone zu gelangen. Der Wadenhohe Schnee verlangsamte seinen Schritt jedoch.

Er würde hier nicht lebend rauskommen! Dessen war sich Dean absolut sicher. eine unbändige Wut machte sich in ihm breit. Er wollte nicht sterben! Nicht so! Und schon gar nicht in der Ungewissheit, ob Cas lebte oder nicht.

Der Griff um die Engelsklinge wurde fester, während Dean auf Anriel zu lief, der sich das Spiel aus der Luft ansah. Er flog hoch, aber nicht so hoch, als das Dean ihn nicht treffen würde!

,,Aber ich werde nicht alleine sterben!“; brüllte Dean über das Getöse der näherkommenden Lawine hinweg, und warf mit aller kraft die Engelsklinge, die den überraschten Anriel mitten ins Herz traf.

Anriel schrie für einen kurzen Moment auf, während ein gleißend helles Licht ihn erfüllte, ehe seine menschliche Gestalt wie ein Sack Kartoffeln zu Boden fiel.

Nur für einen kurzen Moment hielt Deans Genugtuung, denn die Lawine, erreichte die Lagerhalle und riss diese mit sich. Dean blieben nur noch wenige Sekunden.

Ich liebe dich, Cas! Und für dich lohnt es sich zu sterben!, dachte Dean, als die Lawine ihn erreichte und mit sich riss..

**

Seine Lungen brannten von dem wenigen Sauerstoff, den er bekam. Als er versuchte seine Augen zu öffnen, drückten die Schneemassen sie wieder zu. Ihm war schlecht und er wünschte sich, er wäre direkt beim Aufprall der Lawine gestorben, als unter ihr zu liegen und elendig zu ersticken!

Sein Körper fühlte sich an wie gelähmt, als er versuchte sich zu bewegen, doch war dies unmöglich. Er wusste noch nicht mal wo oben und unten war.

Dean spürte wie seine Lebenskraft schwand, doch war ihm das egal. Es gab bestimmt schlimmere Arten zu sterben. Eine Lawine war etwas natürliches. Viele Menschen starben bei ihnen. Aber verdammt, er war kein normaler Mensch! Wenn er schon sterben musste, dann wenigstens mit Pauken und Trompeten, und Bon Jovi im Hintergrund! Dean dachte an Sam, hoffte das es ihm gut ging, und das er nicht aufgeben würde. Und Cas.. Er wusste nicht ob er lebte oder nicht. Er wünschte es sich so sehr, dass sein Herz sich schmerzhaft zusammen zog. Doch er wusste es nicht, und in dieser Ungewissheit zu sterben, war einfach schrecklich.

Sein Atem wurde langsamer, während er am Rande der Ohnmacht taumelte. Er hatte bereits aufgegeben als plötzlich ein gleißend helles Licht zu ihm durchdrang, sodass er seine Augen zusammenkniff. Er spürte eine Hand an seiner Schulter, fest und stark!

Mit einem Ruck wurde Dean aus den Schneemassen gehievt. Als er frische Luft spürte, saugte er sie gierig in sich auf. Sein Herz schlug schneller. War er tot? Fühlte es sich so an, wenn die toten in das Reiche des ewigen Paradises übergingen? Man wurde an der Schulter gepackt?

Dann spürte Dean eine unglaublich starke Präsenz und eine solche Energie. In binnen von Sekunden waren seine Schmerzen verschwunden, und er öffnete die Augen. Sah direkt in die ihm so vertrauten blauen Augen, die er so sehr lieben gelernt hatte.

,,Cas!“, wisperte Dean noch etwas benommen. ,,Du lebst!“

,,Dank dir und Sam“, sagte Castiel lächelnd und drückte Dean einen Kuss auf die Stirn.

Erst jetzt bemerkte Dean, dass Cas ihn auf den Armen trug, und als Dean sich umsah, sah er auch wieso! Sie schwebten knapp 60 Meter über der Erde!

,,Cas!“, rief Dean erschrocken,  und krallte sich eng an den Engel.

,,Alles ist gut Dean. Ich halte dich und würde dich niemals loslassen!“, sagte Castiel beruhigend.

Dean sah den Engel wider an. Und dann sah er sie! Zwei riesige Flügel, welche größer und prachtvoller waren, als die von Anriel! Sie waren Mitternacht schwarz, doch Richtung Schwungfedern, nahmen sie ein ganz dunkles Königsblau an. Sie waren unfassbar schön!

,,Deine Gnade, deine Flügel..“, stotterte Dean etwas überfordert. Es war alles zu viel für ihn, doch er verspürte eine unglaubliche Erleichterung. Er sah in diese strahlende Augen von seinem Engel. Diese Kraft, diese Präsenz die er ausstrahlte war unfassbar! Er erkannte den alten Castiel gar nicht wieder. Als sie sich trafen, war er nicht bei seinen Kräften gewesen, doch jetzt war er im Besitz seiner ganzen Kräfte! Eine Gänsehaut breitete sich auf Deans Armen aus, ehe er sich vorbeugte und seinen Engel küsste! Dean legte all seine Gefühle in diesen Kuss. Er hatte nicht gewusst, ob er Cas jemals wiedersehen würde!

Castiel erwiderte diesen gefühlvollen Kuss mit der selben Leidenschaft, ehe er sich behutsam von Deans Lippen löste.

Mit einem kräftigen Flügelschlag setzte sich Castiel in Bewegung. Dean feste an sich gedrückt flogen sie über die schneebedeckten Berge.

Dean hatte Höhenangst, doch diesmal war es anders. Er vertraute cas, dass er ihn nicht fallen lassen würde, und die Aussicht war unglaublich!

Nach einem relativ kurzen Flug, erkannte Dean die kleine Stadt und ihr Motel! Langsam ging Castiel in den Sinkflug über, und beim näherkommen, erkannt Dean ein gigantisches Loch im Dach ihres Motelzimmers.

,,Was ist passiert?“, fragte Dean, doch Castiel lächelte ihn nur wissend an.

Sam sah sie bereits und kam aus der Tür gelaufen. Rowena im Schlepptau.

,,Dean!“, rief Sam erleichtert, und fiel seinem Bruder um den Hals als Cas ihn abgesetzt hatte.

,,Entspann dich Sammy. Mir geht’s gut. Dank Cas.“, er warf einen liebevollen Blick auf den Engel, der den Blick erwiderte.

,,Es tut mir leid, aber ich muss in den Himmel zurück. Es ist Weihnachten und dort oben herrscht bestimmt Chaos.“, erklärte Castiel mit einem liebevollen Blick auf Dean, der ihn entgeistert anstarrte.

,,Aber..“, setzte er an, doch Castiel unterbrach ihn, als er sich einen Kuss stahl.

,,Ich komme wieder! Versprochen!“, hauchte er gegen Deans Lippen, und trat einen Schritt zurück um sich mit ein paar kräftigen Flügelschlägen in den Himmel zu begeben.

Noch etwas überrumpelt von dem plötzlichen Aufbruch, stellte Dean seinen Bruder zur Rede, der ihm alles erzählte, nachdem sie das Zimmer, mit dem riesigen Loch im Dach betraten.

Dean hörte aufmerksam zu.

,,Die Uhr schlug bereits 11 als ich die Phiole aufriss, und die Gnade durch den Raum wirbelten, und in Cas verschwand. nach dem 12 Uhr schlag passierte nichts mehr.. Wir dachten es wäre zu spät. Doch dann fing er plötzlich an zu leuchten, und riss die Augen auf. Er sagte nur kurz deinen Namen, und dann waren da plötzlich diese Flügel und er ist mit aller Kraft durch das Dach gebrochen, auf dem Weg zu dir.“, erklärte Sam grinsend, als er das verliebte lächeln auf Deans Lippen sah. Cas hatte gewusst, dass er in Gefahr war. Und er hatte nicht gezögert und war sofort zu ihm gekommen.

,,Was ist denn da oben passiert?“, fragte Sam leicht besorgt. Schließlich hatte es sicher einen Grund, dass Cas so schnell aufgebrochen war. Sam hatte sich große sorgen gemacht, doch Rowena hatte versucht ihn zu beruhigen.

Dean erzählte seinem Bruder was da oben alles geschehen war, und das er beinahe unter dieser Lawine erstickt wäre, wäre Cas nicht gewesen. Sam verlor gelegentlich die Gesichtsfarbe, doch war ihm die Erleichterung auf die Stirn geschrieben, dass das alles nochmal gut ausgegangen war. Dean ging es nicht anders.

Mit einem Zauber, reparierte Rowena schließlich das Dach, als es plötzlich wieder anfing zu schneien.

Obwohl die letzten Stunden mehr als anstrengend waren, konnte Dean nicht drum herum, Sam und Rowena zu überreden einmal durch die Stadt zu laufen, um zu sehen, ob die Menschen ihren Glauben an die Kraft und Wunder der Weihnacht weder zurück hatten, oder nicht..

Es war zwar mitten in der Nacht, doch war noch ordentlich was los auf den Straßen. Fast überall waren die Menschen damit beschäftigt, ihre Weihnachtsdekoration wieder aufzubauen. Auf dem Marktplatz wurden die Buden für den Weihnachtsmarkt nochmal neu aufgebaut, und schon in kurzer Zeit, sah die Stadt fast wieder so aus, als Sam und Dean zum ersten mal die Stadt erreichten.

Mit sanftem lächeln sah Dean Richtung Himmel, in dem wissen, dass sein Engel da oben war, und über ihn wachte. Und wie zur Bestätigung sah Dean eine Sternschnuppe.

Cas hatte es also geschafft. Ein enormes Glücksgefühl breitete sich in seiner Brust aus, und er sehnte sich mehr denn je nach Castiel. Doch er spürte genau, dass er bald wieder zu ihm kommen würde.

Nach einem kurzen Absacker in einer nahegelegenen Kneipe, liefen die drei wieder zurück in ihr Motel.

Dean fiel augenblicklich in sein Bett, während Sam für Rowena ein Motelzimmer mietete. Diese war ganz angetan von der plötzlich anherrschenden Weihnachtsstimmung, und wollte noch etwas in der Stadt bleiben.

**

Den darauffolgenden Tag, unternahmen sie nichts besonderes. Am 25. Dezember waren die meisten Menschen sicher mit ihren Familien beschäftigt, sodass die Straßen leer waren. Doch dieses Mal störte es Sam und Dean nicht. Denn diesmal feierten auch sie Weihnachten. Mit Rowena zusammen. Sie verbrachten einen schönen Tag zusammen, auch wenn Cas Dean fehlte. Er hätte ihr gerne bei sich gehabt. Doch vermutlich hatte er viel zu tun da oben, was er auch verstehen konnte, trotzdem konnte er dieses Stechen in seiner Brust nicht ignorieren.

Im laufe des Tages kamen zu aller Überraschung noch Bobby und Crowley zu ihnen. Aus irgendeinem Grund hatten sich die beiden für einen Fall zusammen getan, und waren hier gelandet, da es überall im Lande Nachrichten gegeben hatte, bei denen sich die Menschen sehr seltsam verhalten hatten, und Weihnachten für sich gestrichen hatten. Bobby wollte dem auf dem Grund gehen, hatte den Fall bis hierher verfolgt, und Crowley hatte sich ihm angeschlossen. Doch Sam und Dean versicherten ihnen, dass sich der Fall bereits geklärt hatte.

Sie alle saßen in dem kleinen Motelzimmer gemütlich zusammen, und hatten ihre eigene Bescherung, und Dean genoss es irgendwie, alle um sich zu haben, sogar Crowley schien feierlich gestimmt. Nur Cas fehlte ihm sehr. Aus diesem Grund ging er abends, als es schon dunkel wurde, nochmal an die frische Luft. Er spazierte durch die leeren, verschneiten Gassen. Durch manche Fenster sah er Familien wie sie zusammen saßen und Zeit miteinander verbrachten.

Dean lächelte. Genauso hatte er es auch getan. Er hatte an Weihnachten Zeit mit seiner verrückten, aber zuverlässigen Familie verbracht, die aus drei Jägern, einer Hexe, den König der Hölle und einen Engel einschloss. Auch wenn er von letzterem noch nichts gehört hatte.

Dean bog ab und stand auf dem verschneiten Marktplatz. Er genoss die Ruhe um sich herum. Für eine Weile stand er so da, wollte sich dann abwenden um zurück zu den anderen zu gehen, als der Marktplatz plötzlich in ein gleißend helles Licht getaucht wurde, und der Boden plötzlich anfing zu beben.

Dean kniff die Augen zusammen, dann er sah, wie aus dem nichts, eine riesige Tanne aus dem Boden schoss, bis sie die umstehenden Häuser überragte!

Wie von Zauberhand erschienen wunderschöne Kugeln und Girlanden, die die Tanne schmückten. Eine solche Pracht hatte Dean noch nie bei einem Baum gesehen.

Dann sank plötzlich ein Stern vom Himmel hinab, und setzte sich auf die Spitze des Weihnachtsbaumes. Er strahlte so hell, dass die ganze Stadt beleuchtet wurde.

Dean hielt den Atem an. Das war einfach unglaublich! Er bemerkte wie auch andere Menschen staunend aus ihren Häusern traten, und sich ehrfürchtig den Tannenbaum ansahen.

Dean sah auch wie Sam mit den anderen auf ihn zu traten, und sich hinter ihn stellten um sich staunend diese Pracht anzusehen.

Dann spürte Dean auf einmal eine sanfte Berührung an der Schulter. Überrascht fuhr er herum, und sah in das schmunzelnde Gesicht von Castiel.

,,Cas!“, rief Dean glücklich, und mit vor Bewegung belegter Stimme und zog den Engel in seine Arme. Nur nebenbei registrierte Dean, dass Cas noch immer Jeans und Pullover von ihm trug. Auch den Trenchcoat hatte er an.

,,Frohe weihnachten Dean.“, sagte Castiel liebevoll und drückte Dean feste an sich.

Dann sahen sie sich tief in die Augen, ehe Dean die Distanz überwand und seine Lippen auf Castiels presste. Der Kuss stieß sofort auf Erwiderung, und Dean verlor sich ganz in dem Moment. Sogar der Weihnachtsbaum wurde unbedeutend. Cas war hier, nur das zählte!

Atemlos lösten sie sich voneinander.

,,Warst du das ?“, fragte Dean neckend und deutete auf den Baum.

Castiel grinste.

,,Vielleicht war es ja auch ein Weihnachtswunder.“, konterte er und zog Dean zurück in einen Kuss.

Sie lösten sich erst wieder als Dean atmen musste. Dann wurde er an der Schulter angetippt. Vor ihm stand ein älterer Mann mit zwei Tassen Glühwein in der Hand.

,,Hier ihr zwei.“, sagte er lächelnd und drückte Dean und Cas jeweils eine Tasse in die Hand.

Überrascht schaute Dean ihn an, und stellte dann fest, dass auch die anderen Leute um sie herum, sämtliche Tische mit Speisen nach draußen schleppten. Auch Getränke, Stühle und sonstiges wurde nach draußen getragen, damit sich jeder bedienen konnte.

Der Marktplatz füllte sich mit den Menschen die hier lebten, und alle versammelten sich um den Baum. Irgendjemand hatte sogar für Weihnachtslieder gesorgt, die leise im Hintergrund liefen.

Fassungslos sah Dean sich um. Alle Menschen waren hier um gemeinsam Weihnachten zu feiern! Das war das schönste was Dean bisher erlebt hatte.

Mit leuchtenden Augen sah er seinen Engel an, der genüsslich an dem Glühwein nippte.

,,Wie.. Hast du..?“, fragte Dean.

,,Nein. Ich habe nur lediglich ihre Herzen geöffnet. Was die Menschen daraus machen liegt nicht in meiner Hand.“, lächelte Castiel. Sein Blick war voller Frieden und Erfüllung, als er sich umsah.

,,Hast du mein Herz auch geöffnet?“, fragte Dean neugierig.

,,Nein. Deines war bereits offen.“, schmunzelte Castiel zärtlich.

,, Ich liebe dich!“, platzte es aus Dean heraus.

Castiels Augen strahlten bei den Worten, während sich ein solch liebevoller Ausdruck auf seine Züge legte, bei dem Deans Beine weich wurden.

,,Ich liebe dich auch Dean!“, antwortete er entschlossen und überbrückte die geringe Distanz zwischen ihnen, um Dean leidenschaftlich zu küssen.

Eng umschlungen standen sie so da, nichts außer sich wahrnehmend. Auch als alle Menschen anfingen Stille Nacht zu singen, könnte dies Dean nicht weniger interessieren. Er hatte sein persönliches Weihnachtswunder, seinen Engel gefunden den er über alles liebte, und nur das zählte für ihn!

- ENDE-
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