Lily und Petunia; Unterschiedliche Schwestern?

GeschichteAllgemein / P12
06.12.2018
06.12.2018
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„Lily!“ kreischte eine unangenehme, laute Stimme. „Komm jetzt endlich, es gibt Abendessen!“ Lily lächelte den kleinen, schwarzhaarigen Jungen, der neben ihr saß, entschuldigend an. Er zuckte mit den Schultern. „Ich muss gleich auch wahrscheinlich nach Hause.“ Während er sprach, zog er sich einen giftgrünen, Samtenen Umhang an, in dem er, mit seiner für einen kleinen Jungen sehr großen Hakennase, ein wenig lächerlich aussah. Es war Anfang August, die Sonne stand prall am Horizont und malte den Himmel rot und orange an, man sah schon den Mond über den beiden Kindern am Himmel stehen, er war nur noch eine kleine Sichel, fast gar nicht mehr zu sehen. „Treffen wir uns Morgen wieder hier?“ fragte der Junge begierig. „Ich denke schon“, sagte Lily und lächelte ihn an. „Ich hab dich wirklich gern, weißt du Severus? Du bist der einzige, der wirklich weiß wie ich bin. Der so ist wie ich.“ Der Junge grinste vor Freude. „Ich freu mich schon, wenn wir zusammen zur Schule gehen. Du wirst sehen, es gibt noch viel mehr Leute wie uns, als du denkst!“ Dann trennten sie sich, Lily ging nach rechts und Severus nach links, der Wind wehte durch Lilys rote Haare und durch Severus´ schwarze, ungepflegte Zotteln.
***
Vor dem kleinen Landhaus wartete ein Mädchen, sie war vielleicht dreizehn, zwei Jahre älter als Lily, und sie sah noch viel älter aus, ihre dunkelblonden Haare waren zu einem strengen Knoten zusammengebunden, sie hatte zwar dieselben Gesichtszüge wie Lily, aber ihr Gesicht war viel knochiger, sie war schön, aber nicht auf diese junge, warme Art und Weise wie Lily, ihre Schönheit sah abgewetzt aus, als wäre sie schon eine alte Dame, die ein anstrengendes, hektisches Leben hinter sich hat. Sie hatte grüne Augen, aber im Gegensatz zu Lilys wachen, strahlenden Augen waren sie müde und grau, wie ein erloschenes Feuer. Die beiden Mädchen standen sich einen Moment gegenüber, so gleich und doch so gegensätzlich, sie hatten dasselbe weiße Kleid an, Petunias war frisch gebügelt und man sah keine Flecken, wohingegen Lilys Kleid zerknittert und voller Grasflecken war, weil sie den ganzen Tag mit Severus auf der Wiese am See gewesen war. „Es gibt Abendessen“ wiederholte Petunia, und dieses Mal klang ihre Stimme nicht mehr ganz so schrill und laut, eher wie die Stimme eines Mädchens, das weiß, dass sie nur noch an zweiter Stelle steht sobald ihre Schwester nach Hause kommt, seit alle wissen, dass sie etwas ganz Besonderes ist.