Die Gedanken einer Entführten

von Adler04
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
06.12.2018
06.12.2018
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P.o.v.:  Hope
‚Der Mond…so wunderschön…so perfekt…‘ denke ich gerade noch bevor mich mein Freund aus meinen Gedanken reißt „Hope? Möchtest du auch gegen mich verlieren?“ lacht besagter Freund ironisch, er wedelt mit einem Controller in der Hand. „Nein, du weißt doch, dass ich Smash nicht kann.“ antworte ich ihm gefühlslos. Nun wende ich mich wieder dem Mond zu… die Beine an meinen Körper angezogen und umschlungen mit meinen Armen sitze ich hier auf einem Stuhl und schaue mir den Nachthimmel bei Vollmond an. Mich interessiert gerade überhaupt nicht ob ich auf meine Freunde zickig wirke, denn dies ist meine Vollmondnacht. ‚Es ist schon schade…ich habe mich seit ich in Köln lebe gar nicht mehr auf mein wahres Ich konzentriert…ich bin voll und ganz normal geworden, naja abgesehen von ein paar nicht ganz normalen Dingen an mir…‘ Ich muss ganz unfreiwillig sehr laut seufzen, worauf mich Luna fragt, was mit mir los sei. „Nichts.“ Kommt sofort von mir zurück „hab nur nachgedacht.“ Ergänze ich noch schnell, bevor ich alles um mich herum wieder ausblende. ‚Sollte ich ihnen sagen was wirklich mit mir los ist? Ich kann sie doch nicht immer anlügen, das haben Ardy, Luna und vor allem Taddl nicht verdient. Und verheimlichen wird auch nicht mehr lange funktionieren…Aber wie zur Hölle soll ich ihnen sowas sagen? Wie reagieren sie wohl, wenn sie erfahren, was ich ihnen verheimliche?‘ Ich beschließe diese nervigen Fragen in meinem Kopf zu vergessen, indem ich frische Luft schnappen gehe. Zum Glück ist es ein warmer Sommer dieses Jahr, sodass ich ohne Jacke gehen kann. „Ich geh‘ kurz raus, ok?“ erkläre ich mein Vorhaben den anderen während ich meine Schuhe anziehe, welche direkt neben dem Sofa liegen. „Alles klar, bis gleich.“  Antwortet T mir, während er mir noch einen flüchtigen Kuss auf den Mund gibt.

Ich sprinte das Treppenhaus regelrecht runter, denn jetzt werde ich frei sein, zumindest für ein paar Minuten, und die will ich in vollen Zügen genießen. Kurz nachdem ich draußen angekommen bin renne ich los, ohne Plan wohin, denn beim rennen vergesse ich alles und spüre nur den peitschenden Wind, der mich umringt. Plötzlich finde ich mich am Dom wieder und setze mich erst einmal hin, denn ich bin ganzschön aus der Puste. Und hier sitze ich nun, vor dem Dom und denke schonwieder nach… über das Leben (Mein Leben wenn man ehrlich ist) und bin so verzweifelt, ich weiß überhaupt nicht was ich tun soll, unwillkürlich fange ich an zu weinen, was sich schlecht auf meine Mascara auswirkt… ‚Ich sollte zurückgehen, bevor ich mir noch die Augen aus dem Kopf heule‘ denke ich mir nach einer Weile und laufe sofort los, während ich mir noch eine Träne von der Wange wische, sie ist schwarz, von der Wimperntusche, welche ich mir gerade verheult habe. Auf dem Rückweg renne ich nicht, ich laufe, wobei ich mir ziemlich beobachtet vorkomme, weshalb ich mich mehrmals umsehe, schließlich werde ich aufgrund des komischen Gefühls doch schneller und schneller…

Schwer atmend komme ich in unserer Wohnung an und schließe sofort die Tür hinter mir. Ohne etwas zu sagen setze ich mich zu Taddl auf das Sofa und kuschele mich an ihn. Wir brauchen nicht viele Worte in unserer Beziehung, was mir gerade nur zu Gute kommt… „Hast du geweint?“ höre ich es von ihm „Ja.“ Ich muss mich nicht dafür schämen, dass ich geweint habe, denn so hatte mich T in zwei Jahren beziehung schon oft gesehen „Hat es was mit uns zu tun?“ „Nein.“ Antworte ich ihm etwas zu kühl und bevor ich noch weiter auf ihn eingehen kann schlafe ich ein, dieser Abend war einfach ein bisschen zu viel für mich…

Als ich aufwache finde ich mich in meinem Bett wieder, neben Taddl… er hatte mich wohl gestern Abend einfach getragen. Die Vorstellung daran wie ich wie ein nasser Sack in T’s Armen liege bringt mich zum grinsen, was mich dazu verleitet ihn mit einem Kuss aufzuwecken. „Morgen.“ Lächle ich ihn an als er endlich aufgewacht war „Schön dich wieder glücklich zu sehen.“ Sagt er noch bevor er mich anfängt zu küssen, doch aus dem keuschen Kuss wird schnell ein stürmischer Zungenkuss: er fährt mit seiner Zunge durch meine Mundhöhle, beißt mir leicht in die Lippen und fährt mir dabei stürmisch durch die schwarzen langen Haare…Mitlerweile stützt er sich über mir ab, denn er liebt es zu dominieren (ich eigentlich auch aber dieses Mal gewähre ich ihm diese Genugtuung). Aus Atemnot lösen wir uns kurz voneinander, bis er diesmal anfängt sich an meinem Hals herunter zu küssen, mir entflieht ein leises Stöhnen als er anfängt an meinem Hals zu saugen und mir einen Knutschfleck zu verpassen. „Dir gefällt’s wohl…“ raunt er mir mit seiner geilen Bassstimme ins Ohr „m-hm…“ bringe ich nur hervor, während ich mir auf die Unterlippe beiße und nicke „Hör nicht auf, mach weiter…“ „Nö.“ Grinst er mich an… Taddl liebt es mich zu ärgern, was manchmal echt nervig sein kann, wie jetzt zum Beispiel. Ich rolle übertrieben mit den Augen und stoße ihn von mir runter, damit ich aus dem Bett klettern kann „Ok dann eben nicht“ laufe ich beleidigt aus dem Zimmer auf dem Weg ins Badezimmer um zu duschen.

Im Bad angekommen ziehe ich meine Sachen aus und stelle mich unter die Dusche… Das Wasser lasse ich auf mich prasseln, während ich überglücklich an T denke, den perfekten Freund, wenn es um Verständnis geht. Meistens fragt er nicht groß nach und akzeptiert die Dinge so wie sind, was es mir wahrscheinlich leichter macht ihm die Wahrheit zu sagen… Ich stelle die Dusche wieder aus und wickele mir ein Handtuch um meinen dünnen Körper, während ich mein Gesicht betrachte…Meine grünen Augen strahlen Heute „wie Smaragde in der Sonne“ Wenn man nach Taddls Formulierung geht… Ich mustere mein Gesicht immer weiter nach unten… bis ich glücklich-seufzend an dem Knutschfleck mit meinen Augen hängenbleibe. Es tut zwar etwas weh, aber das macht mir nichts aus. Ich beschließe ihm heute Abend die Wahrheit über mich zu sagen, denn lügen halte ich nicht mehr aus! Ich nehme mir den Föhn aus einem Regal und fange an meine Haare damit zu trocknen. Bis ich plötzlich mit einem sehr „männlichen“ Schrei aufschrecke und mir geschockt ans Herz fasse „MUSST DU MICH SO ERSCHRECKEN?!?“ Ich sehe T hinter mir im Spiegel, welcher mich fast schon auslacht „Sorry ich hab aber geklopft.“ Entschuldigt Taddl sich, während er mich von hinten umarmt… Erst jetzt fällt mir auf, dass ich viel kleiner bin als er, denn mein Kopf reicht gerademal bis zu seinem Hals… Ich muss sofort anfangen zu lächeln, als er mich umarmt, ich liebe es einfach von hinten umarmt zu werden und das weiß er ganz genau. „Was gibt’s denn zu grinsen?“ „Weiß nicht, ich freu mich einfach.“…

Damit Taddl duschen kann gehe ich aus dem Bad und laufe durch den Flur in unser gemeinsames Zimmer. Ich werfe mir einfach irgendwelche Klamotten über, die einigermaßen zueinander passen. Danach packe ich ein paar alte Bücher in eine Tasche, welche ich heute für meine Arbeit brauchen werde. Ich ziehe meine Schuhe an und gehe aus der Wohnung, laufe zu der Bushaltestelle in meiner Nähe und steige in den Bus ein, welcher gerade ankommt. Es sind noch viele Plätze frei, weshalb ich mich einfach auf den ersten setze. Ich krame mein Handy aus meiner Hosentasche, lege mir Kopfhörer in die Ohren und schalte Dat Adam auf Spotify ein… ‚Geil 20 Minuten Busfahrt, dass braucht man doch am Morgen‘ denke ich genervt. Überraschenderweise merke ich gar nicht, dass ich 20 Minuten fahre, die Zeit fliegt einfach an mir vorbei, während ich den Rap-künsten meines Freundes lausche… An meiner Haltestelle steige ich aus und gehe geradewegs auf die Universität zu in der ich arbeite. Als ich vor dem großen Gebäude stehe treffe ich ein paar Kollegen, welche ich nur flüchtig begrüße und gehe danach weiter, gehe durch die Eingangstür und laufe einen langen Gang entlang, welcher zu meinem Büro führt. ‚Dr. Mikaelson – Mythologie‘ lese ich auf dem Schild neben meiner Tür, ich trete ohne zu zögern ein und lege erst einmal die schwere Tasche auf meinen großen Schreibtisch. Gerade als ich die Bücher auspacken will, vibriert mein Handy in der Hosentasche: Luna ruft mich an, doch ich lehne ab und erkläre ihr über Whatsapp, dass ich gleich eine Vorlesung geben muss und mich deshalb beeilen muss. Sie schreibt mir zurück, dass ich sie dann nachher zurückrufen soll. Ich antworte ihr mit einem knappen ‚ok‘, als ich die Zeit bemerke…Jetzt aber schnell, ich schnappe mir die Unterlagen für die Vorlesung, welche ich am Vortag vorbereitet habe, und gehe los, nachdem ich mein Büro wieder abgeschlossen habe.

Ich komme im Vorlese-Saal an, wo schon ein paar Studenten sitzen und sich unterhalten „Morgen.“ Begrüße ich sie mit einem Lächeln auf den Lippen, sie begrüßen mich auch. Ich lege die Unterlagen vorerst auf den Schreibtisch und warte noch ein paar Minuten auf die anderen Studenten. Ich glaube jetzt sind alle da, also stelle ich mich kurz vor und leite dann das heutige Thema ein: Die Geschichte der Hexerei. Ich blühe in diesem Thema geradezu auf und vergesse ziemlich schnell, dass mir viele Leute an den Lippen hängen und mir aufmerksam zuhören und sich Notizen machen. Am Ende meines Vortrags frage ich nochmal nach ob irgendwelche Fragen entstanden sind, worauf sich zwei Studenten melden. Ich beantworte die Fragen ausführlich und lasse noch einen Informationstext zu dem Thema rumgehen. Danach beende ich die Vorlesung und entlasse die Studierenden schlussendlich.

Wieder in meinem Büro angekommen, setze ich mich auf meinen Stuhl und wähle Lunas Nummer auf dem Handy:
„Hey Hope!“
„Hey Luna, also was wolltest du von mir?“
„Nachdem du gestern nach Hause gekommen bist warst du komisch und ich meine nicht nur, dass du offensichtlich geweint hast. Also wollte ich dich fragen, was mit dir los war…“
„Ach Luna, es ist so… Ich hab mich da einfach in was reingesteigert.“
„In was denn?“
„Nichts Wichtiges…“
„Anscheinend war es ja doch wichtig, so wie du drauf warst.“
„Luna… Alles ist gut wirklich, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“
„Ich weiß… Aber ich will doch wissen was mit meiner besten Freundin los ist!“
„Kann ich verstehen, aber diesmal ist es wirklich nichts. Glaub mir doch einfach.“
„Na schön, ich glaube dir…“
„Also ist jetzt alles geklärt?“
„Ja alles geklärt. Ich will dich auch nicht weiter bei deiner Arbeit stören, wir sehen uns dann Heute Abend wieder“
„Ok ciao!“ Lege ich auf…

Mein Handy lasse ich in meine Hosentasche wandern und wende mich wieder der Arbeit zu… Zuerst sortiere ich die alten Bücher, die ich heute Morgen mitgebracht habe, in mein großes Bücherregal, danach suche ich mir ein anderes raus und fange an zu lesen, bis mich ein Klopfgeräusch unterbricht. „Ja bitte.“  Ein großer Mann kommt in mein Büro „Entschuldigung. Störe ich?“ fragt er mich „Nein, nein setzen sie sich.“ Zeige ich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch und lege das Buch zur Seite. „Was gibt es denn?“ frage ich nachdem er sich gesetzt hat „Mein Name ist Schneider, ich bin ein neuer Kollege von ihnen und wollte sie fragen ob sie mir hier alles zeigen könnten?“ fragt er mich höflich „Aber natürlich!“ ‚Ein bisschen Ablenkung vom Arbeitsalltag schadet nie und außerdem komme ich gerade eh nicht weiter mit meinen Forschungen Also…‘ „Kommen sie mit.“ Fordere ich ihn froh auf mir zu folgen. Ich gehe mit ihm die Gänge entlang, erzähle ein bisschen zu den einzelnen Räumen und zeige ihm die Bibliothek der Universität, danach laufe ich mit ihm zur Mensa, in der nur die Doktoren und Professoren essen. Hier setze ich mich mit ihm an einen Tisch und befrage ihn erstmal „Was ist eigentlich ihr Fachgebiet?“ fange ich an „Geschichte, größtenteils die deutsche Geschichte.“ „Aha, und haben sie schon Vorlesungen zugeteilt bekommen?“ „Nein noch nicht, ich soll mich heute nur etwas eingewöhnen, ich denke mal ab der nächsten Woche geht es dann los mit allem.“ ‚Hab ich mir schon fast gedacht, aber wenn mir keine Frage einfällt… Hilfe…Peinliche Stille… Frag mich was bitte!‘ Als könnte er meine Gedanken lesen fragt er mich „Wissen sie zufällig wo mein Büro ist?  Zimmer 123.“   „Ja klar weiß ich das, direkt neben meinem!“ „Echt? Was ein Zufall!“ Wir beide müssen anfangen zu lachen ‚Ich glaube ihm werde ich noch öfter über den Weg laufen‘ Ich stehe auf und führe ihn noch etwas weiter herum, bis ich ihm zu verstehen gebe, dass ich mich wieder auf meine Forschungen konzentrieren sollte. Dies versteht er und geht noch etwas weiter in der Uni rum. Wieder auf meinem Stuhl sitzend muss ich an die Zeit denken ‚fast schon Mittag‘ Ich beschließe noch weiter zu lesen und vertiefe mich wieder vollkommen in meine Lektüre… Plötzlich durchzuckt es mich wie ein Blitz, ich springe auf und fange an unleserlich etwas auf mein Whiteboard zu schreiben, achte nicht auf Fehler, denn eine Theorie geht schneller verloren als ein Sandkorn im Wind. Zufrieden schaue ich noch einmal auf das Ergebnis meiner Gedanken. Sofort mache ich mich daran die Theorie zu bestätigen oder sie weg zu werfen, falls sie widerlegt werden kann… Ich habe Glück, keine Hinweise gegen meine Theorie! Überglücklich springe ich auf, jetzt könnte ich die ganze Welt umarmen! Aber bevor ich das tun kann muss ich noch einmal die gleiche Vorlesung geben, denn dieses Jahr gibt es zu viele Mythologie-Studenten und deshalb muss jede Vorlesung wiederholt werden. Also schnappe ich wieder die Kopien und gehe ich den Saal…