Wintergefühle

KurzgeschichteRomanze / P16
06.12.2018
06.12.2018
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„King“, hörte er seinen Namen von einer Stimme säuseln, die ein wohliges Gefühl in ihm auslöste. Er drehte sich auf die Seite und schlief friedlich weiter.  “King“, kam es nun melodischer von der Stimme und ein Lächeln bildete sich auf den Lippen des Feenkönigs. Im Halbschlaf wurde ihm bewusst, wieso diese Stimme für eine solche Wärme in ihm sorgte und vor seinem inneren Auge tauchte langsam das hübsche Gesicht auf, welches zu der bekannten, melodischen Stimme gehörte.

„Diane“, flüsterte er noch immer im Halbschlaf und kuschelte sich weiter in die Kissenform von Chastifol. Er träumte gerne von Diane, jedes Mal wachte er mit Motivation für den Tag auf, wenn er von der Riesin träumte und das kam nicht selten vor. Es war, als würde sie ihm selbst in seinen Träumen Kraft geben. Kraft und dieses besondere warme Gefühl, dass in ihm aufkam, jedes Mal, wenn sie in seiner Nähe war.

Ein Kichern, welches er überall wiedererkennen würde, ließ ihn seine Augen langsam öffnen. „Diane“, sagte er noch einmal, diesmal jedoch verwundert, als ihr Gesicht direkt vor seinem auftauchte. Röte stieg ihm in sein Gesicht und er rutschte etwas nach hinten, damit er nicht noch mehr errötete. Sie kniete vor Chastifol und musterte ihn perplex.

„Entschuldige“, sagte sie verlegen und versteckte ihr Gesicht hinter einem ihrer Zöpfe. „Ich wollte dir nicht zu nahekommen.“

„N-nicht doch.“

Ein Lächeln bildete sich wieder auf Dianes Lippen und sie legte den Kopf schief. „Also, jetzt wo du wach bist“, kicherte sie, „Hast du vielleicht Lust, mit mir auf den Weihnachtsmarkt zu gehen?“

Verdutzt und mit großen Augen sah er die eigentliche Riesin an, die ihn hoffnungsvoll von oben herab ansah – den Fakt, dass er wegen ihr wach war, ignorierte er – und legte den Kopf ebenfalls schief.

„Du musst nicht“, antwortete sie mit einem Hauch von Enttäuschung in ihrer Stimme und drehte sich dann um, ehe sie über ihre Schulter zurück zu King sah. „Ich kann auch Elisabeth fragen.“ Sie tippte sich gegen ihr Kinn. „Oder Hauser, ich habe gehört, er und Gilthunder sind auch in der Stadt unterwegs.“

Sofort erhob sich der Feenkönig, als er den Namen des blonden Ritters aus ihrem Mund hörte. „Nicht nötig, ich gehe gerne mit dir“, kam es etwas zu schnell für seine Verhältnisse und sofort zog er sich wieder zurück. „Also, wenn du wirkli-“

„Supi!“, rief sie begeistert, drehte sich wieder ganz zu King um und griff nach seiner Hand. „Dann machen wir uns am besten gleich auf den Weg!“

Der Blick des Feenkönigs wanderte zu seiner Hand, die in der von Diane lag und erneut erschien ein Rotschimmer auf seinen Wangen. Wenn sie nur wüsste, was diese Geste für ihn bedeutete. Er seufzte, während sie ihn hinter sich herzog.

„Hm?“, machte sie und sah über die Schulter zu ihm. „Alles in Ordnung, King?“

„Klar!“ Er kratzte sich den Hinterkopf. „Ich bin nur ein wenig Müde.“

„Vielleicht hätte ich dich nicht wecken sollen“, sagte sie und sah ihn besorgt an.

„N-nein“, antwortete er. „Ich bin froh… Also, weil… So komme ich wenigstens an die frische Luft.“

Ein breites Grinsen erschien auf dem Gesicht der Brünetten. „Na wenn das so ist, sollten wir keine Zeit mehr verlieren“, trällerte sie und verließ mit ihm das Boar Hat.

Als das ungleiche Dou am Marktplatz der Stadt angekommen war, staunten sie beide nicht schlecht. Alles war weihnachtlich geschmückt, über all standen die unterschiedlichsten Verkaufsstände und eine riesige Anzahl von Menschen besuchten den Weihnachtsmarkt.

Normalerweise wäre der extreme Auflauf von so vielen Menschen nichts für King, doch das Glitzern in den Augen von Diane ließ es ihn sogar richtig genießen.

Die Sonne war bereits untergegangen, als sich die verkleinerte Riesin an einem Stand gerade einige Ketten ansah, King stand hinter ihr und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie kalt ihm war. Schließlich wollte der Feenkönig nicht, dass Diane auf den Gedanken kam, zurück zum Boar Hat zu gehen.

„Was sagst du, King?“, fragte sie ihn und drehte sich mit zwei Ketten in der Hand zu ihm um. „Welche gefällt dir besser?“  

Überrumpelt starrte er auf die beiden Ketten. Was sollte er nur sagen? Er hatte doch von Schmuck keine Ahnung. „I-ich… Also…“ Er musterte die beiden Ketten. Die eine war sehr dezent, aus Silber und mit einem kleinen Anhänger, der eine Schneeflocke oder eine Blume darstellen sollte – so genau konnte King es nicht erkennen. Die andere dagegen war sehr bunt, viele Perlen in den verschiedensten Farben wurden auf einem Band aufgefädelt.

King sah zweifelnd zwischen den beiden Ketten hin und her, ehe er unentschlossen zu Diane sah. Diese sah ihn enttäuscht an und sank die Arme, um die Ketten wieder auf den Verkaufsstand zu legen. „Du hast recht“, seufzte sie. „Irgendwie passt keine so richtig zu mir.“

Diane zuckte die Schultern und drehte sich dann zum gehen um. Auch, wenn sie ihn anlächelte, konnte er genau sehen, wie traurig sie darüber war, keine Kette gefunden zu haben. Deshalb folgte er ihr auch nicht durch die Masse. Er ließ seinen Blick über den Tisch schweifen und betrachtete die Vielzahl an Ketten ganz genau. Dann sah er sie. Die Kette war perfekt.

Nachdem King sich die Kette einpacken ließ, schwebte er über die Köpfe der anderen Besucher hinweg, um Diane ausfindig zu machen. Recht schnell hatte er die suchende Diane gesichtet und flog zu ihr rüber und landete dann hinter ihr. In dem Moment, als hätte sie seine Anwesenheit gespürt, drehte sie sich zu ihm um. „King, da bist du ja.“

„Die vielen Menschen haben mir den Weg versperrt“, log er und sah Diane dabei nicht in die Augen, sie anzulügen, fühlte sich schlecht an, auch wenn es einen guten Grund hatte, kam es ihm falsch vor.

„Ich hätte ja auch auf dich warten können“, sagte Diane und sah ihn entschuldigend an. „Tut mir leid.“

„B-brauch es doch nicht“, beteuerte er ihr sofort. Sie sollte doch kein schlechtes Gewissen haben.

Sie sah sich kurz um und lächelte ihn dann an. „Komm, wir gehen was Warmes trinken“, meinte sie dann. „Es ist doch ziemlich kalt.“ King nickte ihr nur zustimmend zu und errötete dann sofort, als sie zum zweiten Mal an diesem Tag nach seiner Hand griff. „Nicht, dass ich dich wieder aus den Augen verliere.“ Er schluckte schwer, ließ sich dann aber von der Brünetten über den Weihnachtsmarkt ziehen.

„Schau mal“, kam es dann von Diane, welche sich zu King drehte und auf ein Verkaufshäuschen zeigte. „Hast du Lust auf Honigwein?“

Honigwein war tatsächlich ein alkoholisches Getränk, dass King sehr gerne mochte. Da er auch noch warm war, ließ er sich die Chance nicht entgehen. „Klingt gut“, antwortete er mit einem Lächeln.

Hand in Hand machten sie sich auf den Weg zu dem Häuschen, als Diane plötzlich wie angewurzelt stehen blieb, weshalb King in sie hineinlief. „T-tut mir leid“, sagte er. Doch das Riesenmädchen hörte ihm nicht zu. Stattdessen setzte sie sich wieder in Bewegung, ohne King dabei loszulassen. Der Feenkönig sah an Diane vorbei und erkannte nun, was sie erblickt hatte. Unter einem festlich-geschmückten Pavillion tanzte eine Tänzerin anmutig zu der Musik, die gespielt wurde.

Um dem Pavillon standen viele Menschen, die der Tänzerin genauso gebannt zu sahen, wie Diane es tat, als sie nähertrat. Unter einem geschmückten Bogen und um diesen herum, standen merkwürdigerweise keine Menschen, jedoch war King zu sehr damit beschäftigt, seine Herzdame zu beobachten, als dass er sich Gedanken darum machte. Sie führte ihn genau zum Bogen und ließ den Blick dabei nicht von der eleganten Tänzerin ab. „So würde ich auch gerne tanzen können“, hauchte sie begeistert und King sah sie liebevoll an.

Kaum waren sie unter dem Bogen angekommen, verklang das Musikstück und die Tänzerin machte einen anmutigen Knicks. „Wie schade“, jammerte Diane, die noch immer die Hand von King hielt und warf den Kopf in den Nacken. „Oh!“, entkam es ihr erschrocken und ließ seine Hand reflexartig los.

King folgte ihrem Blick und verschluckte sich beinahe an seiner eigenen Spucke, als er den Mistelzweig über ihren Köpfen erblickte. Als er mit hochrotem Kopf zurück zu ihr sah, erstarrte er. Denn statt dem Entsetzen, welches er in ihrem Gesicht erwartet hatte, war ein Leuchten in ihre Augen getreten. Sie erwiderte seinen Blick. „Ein Mistelzweig“, stellte sie fest.

„Vielleicht sollten w-wir weiterge-“

„Ich stand noch nie unter einem Mistelzweig“, unterbrach sie ihn, ohne auf seine Worte einzugehen. „Sie hingen nie hoch genug“, sagte sie mit einer Mischung aus Trotz und Trauer in der Stimme.

King konnte den Ausdruck in dem Gesicht von Diane nicht richtig deuten, er konnte nicht sagen, ob es etwas Positives oder eben das Gegenteil war. Dann jedoch erröteten ihre Wangen und sie versteckte ihr Gesicht hinter einem ihrer Zöpfe, wie sie es immer tat, wenn sie verlegen war. Die Knie des Feenkönigs wurden weich, wenn er es nicht besser wusste, hätte er gedacht, dass sie ihn nun küssen wollte. Innerlich lachte er verlegen. Alles nur Wunschdenken. Sonst hätte sie seine Hand bei dem Anblick des Zweiges sicherlich nicht so fallen lassen.

„Bitte, bitte!“ Mit strahlend violetten Augen drehte sie sich mit ihrem Körper zu ihm, ihre zierlichen Hände hatte sie zusammengefaltet und sah ihn bittend an. „Komm schon, King. Für mich.“

Noch immer starrte er Diane sprachlos an. Es war nicht so, dass er nicht wollte. Er versuchte nur Luft zu bekommen. Ihr Anblick, wie sie ihn mit ihren wunderschönen Augen ansah, raubte ihm einfach den Atem.

„I-ich“, begann er zu stammeln und atmete dann tief ein. Er benahm sich gerade ganz und gar nicht wie ein König. Er war von der Situation völlig überrumpelt. Hätte er sich diese so doch niemals erträumt.

„Na schön“, entkam es dann der Brünetten, nachdem King sich noch immer nicht geäußert hatte. „Wenn du nicht willst.“

Sie drehte ihm den Rücken zu, streckte ihr Kinn nach oben und wollte gerade gehen, als sich King endlich zusammenriss. Er griff nach ihrem Unterarm und hielt sie auf. Jetzt zu kneifen wäre das dümmste, was er machen konnte. Das wusste er genau.

Er drehte die eigentliche Riesin zu sich, welche ihn nun mit glasigen Augen ansah. Das Lächeln, das eben noch ihre vollen Lippen geziert hatte, war verschwunden. Sie wandte den Blick ab und begann zu schluchzen. Ihre Hände waren zu Fäusten geformt und er konnte das Beben ihres Brustkorbes genau erkennen.

Seine Füße verließen den Boden und er begann zu schweben, nur ein kleines Stück in die Höhe, damit er auf ihrer Augenhöhe war – denn auch in dieser Form war sie größer als er – und legte eine Hand an ihre Wange. Mit großen Augen sah sie ihn an, ehe eine einzelne Träne ihre Wange entlanglief, welche er sofort sanft wegwischte. „Tu mir das nicht an“, sagte er leise und lehnte seine Stirn gegen ihre. „Weine nicht wegen mir, bitte.“ Er schloss seine Augen und drückte nun seine Lippen sanft gegen die von Diane, nur für einen kurzen Moment. „Ich will doch der sein, wegen dem du lächelst.“

Der Feenkönig ließ von der Frau vor sich ab und sank wieder auf den Boden, so dass seine Füße den Boden wieder berührten. Sein Herz schlug gegen seine Brust, fast als wollte es herausspringen. Nun war es raus. Er konnte nichts mehr zurücknehmen.

„King“, hörte er sie seinen Namen flüstern. Widerwillig sah er zu ihr auf. Tränen liefen ihren Wangen hinab, doch ihre Lippen bildeten ein Lächeln – das Lächeln, welches er so sehr liebte. Ehe er ihren Anblick jedoch verarbeiten konnte, warf sie sich in seine Arme.

Ihren Kopf bettete sie auf seine Schulter und ihr heißer Atem an seinem Hals sorgte für eine angenehme Gänsehaut auf Harlequins Haut. Seine Arme schling er um ihre schlanke Taille und sein Daumen streichelte sanft ihren Rücken. „Du bist ein Dummkopf, King“, wisperte sie gegen seinen Hals.

„Ich weiß“, murmelte er gegen ihren Haarschopf.

Sie sah zu ihm auf, woraufhin er ihren Blick erwiderte und kurz erschrak, denn ihre Augen strahlten Wut aus. „Du weißt gar nichts“, meinte sie schnippisch. Dann legte die Brünetten ihren Kopf jedoch wieder gegen die Schulter des Feenkönigs. „Du warst doch immer der Grund für mein Lächeln.“

„I-ich… Was? Wie?“ Er konnte die richtigen Worte nicht finden, was wollte sie ihm damit sagen? Was sollte er sagen?

„Ich liebe dich so sehr“, flüsterte sie gegen seine Haut, was ein Kitzeln verursachte. „Harlequin.“

Seine Augen weiteten sich bei ihren Worten und als sie ihn dann mit seinem Namen ansprach, drückte er sie sanft an ihren Schultern ein Stück von sich, um sie ansehen zu können. „Du erinnerst dich?“ Seine Stimme bebte.

Mit einem leichten Nicken in Begleitung eines liebevollen Lächelns gab sie ihm die Antwort, die er erhofft und gleichzeitig befürchtet hatte.

„Diane“, begann er schuldbewusst und wollte es ihr erklären, doch kam er nicht dazu. Sie legte ihren Finger auf seine Lippe und schüttelte ihren Kopf, ehe ihre Hand in seinen Nacken wanderte, um ihn zu sich zu ziehen. Nun war sie es, die ihm einen Kuss auf seine Lippen drückte. Jedoch intensiver und fordernder als King es getan hatte.

Er schloss die Augen und erwiderte den Kuss.

Als sie sich nach einigen Augenblicken von ihm löste, seufzte sie zufrieden und legte ihren Kopf wieder gegen seine Schulter. Seine Hand wanderte zu einem ihrer Zöpfe und drehte ihn um seinen Finger, was sie zum Kichern brachte.

Eindringlich sah er sie an. „Ich liebe dich auch, Diane. Schon immer.“

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Hallöchen & einen schönen Nikolaus-Abend wünsche ich Euch!
Vor kurzem bin ich auf Nanatsu No Taizai gestoßen und habe mich unerwartet total in den Anime und die Charaktere verliebt!
Besonders die Beziehung von Diane & Harlequin hat es mir angetan, weshalb ich total motiviert war, eine weihnatliche Oneshot-Reihe bzw. Kurzgeschichte zu den beiden zu schreiben.

Leider gibt es hier eher wenige Stories zu dem Anime/Mange und ich hoffe, dass sich das noch ändert. Wenn ihr mir Gesichten zu Nanatsu No Taizai empfehlen könnt, gerne immer her damit!~

Ich wünsche Euch eine schöne Vorweihnachtszeit
& allerliebste Grüße ღ
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