Hunter × Die Jagd nach der Liebe

GeschichteMystery, Romanze / P18
06.12.2018
06.12.2018
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“Sierra, es ist doch nur für 6 Wochen. Deine Mutter wird sich sehr freuen, dass du ihr etwas Gesellschaft leistest. Sie hat dich vermisst.”

Mein Blick taxierte sich an meinem Vater fest, der fest umschlossen das Lenkrad unseres Geländewagens festhielt und konzentriert die Straße vor sich im Blick hatte. Dabei nickte er pfeifend mit seinem Kopf, zu einem alten Oldiesong mit, der aus dem Lautsprecher unserer Radioanlage zu hören war, und mir mittlerweile aber halbherzig aus den Ohren hing. Ich rollte mit meinen Augen und schüttelte verklemmt mit meinem Kopf. Immer weiter ließ ich New York hinter mir und immer weiter wünschte ich mir meine geliebte Stadt wieder zurück.

Ich sah die Silhouette meiner Mutter vor mir. Mit ihrem honigfarbenen Haar und den haselnussbraunen Augen. Wie sie mir ein freundliches Lächeln schenkte und ich von ihrer Duftwolke eines 90 Dollar Parfüms erschlagen werde. Ob sie wohl zuhause ab und an, immer noch ihre Schürze vom Diner trägt? Meine Gedanken brachten mich ein weiteres mal dazu halbherzig aufzuseufzen. Wie so oft schon in den letzten 20 Minuten, in denen ich nun schon in unserem Wagen saß.

Sie versuchte schon immer eine gute Mutter zu sein. Aber, was sie in 17 Jahren nicht schaffen konnte, würde sie jetzt sicherlich auch nicht schaffen. Viel zu viel Zeit, war seid der Scheidung meiner Eltern vergangen. Sie hatte uns verlassen um mit einem neuen Mann durch zu brennen. Das typische Klischee, zumal ich es generell immer nur auf die Männer geschoben hatte. Aber Frauen waren da anscheinend gleichauf- wenn nicht, sogar noch schlimmer als die Männerwelt in dieser Sache.

“Komm schon, Schatz.”, hörte ich erneut meinen Vater bettelnd sagen. “Gebe deiner Mutter bitte noch eine Chance. Sie hat dich wirklich vermisst.” “Ich weiß.”, sagte ich müde und streifte den Blick meines Vaters. Er schenkte mir ein kleines Lächeln, was immer soviel bedeutete wie: Du schaffst das, aber du solltest mehr Zeit mit deiner Mutter verbringen. Es war immer dieselbe alte Leier. Immer das gleiche Gebrabbel und immer das gleiche Fazit. Meine Nerven lagen auf den Grund des Meeres und meine Laune brachte noch nicht einmal Leute im Keller zum lachen.

Ich konnte auch nie direkt sagen dass ich meine Mutter hassen würde. Das wäre viel zu übertrieben. Aber sie kam mir zu euphorisch und nett vor. Überschüttete mich mit Geschenken an meinen Geburtstagen, sowie zu den Festtagen, in der Hoffnung sie könnte mich damit ein für alle mal weich schlagen. Das Herz und Vertrauen eines Kindes, konnte man sich nicht einfach erkaufen. Natürlich liebte ich sie, aber sie war halt vielmehr wie eine gute Bekannte für mich. Die Mutterrolle hatte immer Tante Amy übernommen, die Schwester meines Vaters. Sie war von meinen ersten Zahn, bis hin zu meinem ersten Freund dabei. Sie war nicht nur eine super Ersatzmutter, sondern auch eine Seelenverwandte und gute Freundin. Alles dass, was ich hätte mit meiner Mutter haben können....wenn sie uns nicht mitten in der Nacht verlassen hätte.

“Freust du dich nicht wenigstens ein wenig? Du hast doch diese Kleinstadt immer geliebt.” Ich seufzte bei der Frage meines Vaters leise auf und starrte stumm auf den Highway vor uns, der mich immer weiter von New York wegbrachte. “Es geht. Ich habe Mom immerhin 2 Jahre nicht mehr gesehen.” “Deswegen wird es höchste Zeit. Sieh dich an. Du bist eine wunderschöne junge Frau, sie wird sich freuen.”

Ich nickte schmal, als mein Vater mich durch seine blauen Augen heraus musterte. Ich war diese Gesprächsthemen satt. Ich wollte nicht länger über sie reden als wirklich nötig. Aber ich wusste dass mein Vater sich freuen würde, wenn ich wenigstens den mangelnden Kontakt zu meiner Mutter aufrecht erhalten würde. Er liebte sie immer noch. Auch wenn sie uns so früh verlassen hatte. Vater war schon immer ein hoffnungsloser Romantiker gewesen. Er sprach nie schlecht über sie, auch wenn sie ihm sein Herz gebrochen hatte.
Meine Augen wurden immer schwerer, als ich meinen Kopf an der Fensterscheibe anlehnte und leise den Tönen aus dem Radio lauschte, die langsam immer weiter in den Hintergrund traten.


“Sierra? Sierra, Schatz?”

Ich spürte ein leichtes ruckeln an meiner Schulter und hob meinen Kopf. Mein Nacken schmerzte wie die Hölle. Schlafen im Auto war noch nie eine gute Idee für mich gewesen. Ich sah aus dem Seitenfenster und wurde von dem gewohnten Waldgebiet begrüßt, was an dem Haus meiner Mutter grenzte.

Von einer Millionenmetropole, in einer Kleinstadt, wo es größtensteils durch die Niederschläge immer nur trüb, kalt und regnerisch war.

“Wir sind da.”, sagte mein Vater und nickte zu dem kleinen weißen und makellosen Haus. Im Wohnbereich brannte das orangene Licht. Bestimmt luchste meine Mutter gerade aus dem Fenster und versuchte sich, ihre angespannte Art nicht anmerken zu lassen. Konnte sie sich überhaupt um ein 17 jähriges Großstadtmädchen kümmern? Sie wusste doch gar nicht, wie es war eine Mutter zu sein. Nun, jetzt war es so oder so zu spät sich darüber Gedanken zu machen. Jetzt musste ich wohl oder übel der Wahrheit ins Auge sehen und die nächsten Wochen meines Lebens in einer kleinen Gemeinde mit 1200 Leuten meine Zeit verbringen.

“Yippie.”, murmelte ich trocken und stieg aus dem Wagen aus. Die dünne Leggins an meinen Beinen, fühlte sich plötzlich fremd an, als der erste kalte Windzug mich streifte. Ich ging um den Wagen herum und nahm meinen Vater einen meiner etlichen Koffer ab, damit er den Wagen zu schließen konnte. Hier lag doch so oder so der Hund begraben, also brauchte sich der FBI Mann sicherlich keine Gedanken über seinen Wagen machen. Vielleicht erhoffte er es sich auch, mit meiner Mutter noch eine Tasse heißen Kaffee zu trinken, sofern es ihre nicht sehr vorhandene Gastfreundschaft üblich hielt. Ich zog meine Strickjacke zu, als ich wie ein kleiner Welpe meinen Vater folgte, der gerade die kleinen Steintreppen nach oben ging. Wieso fühlte es sich gerade so an, als würde er mich zu einem Boot Camp für schwer erziehbare Kinder schicken?

Vornehm klopfte er an der Tür und wie angewurzelt musterte ich das dünne, milchige Glas, was sich vor uns befand. Wir hörten eilige Schritte, als eine dünne Gestalt vor der Scheibe herumtänzelte. Mit einem Klick, ging die Tür auf und ich sah das erste mal nach 2 Jahren wieder meine Mutter.

“Hallo, Rebecca.” “Hallo, Georg. Gut siehst du aus.”

Meine Eltern schenkten sich eine kurze Umarmung, was mich schlecht fühlen ließ. Natürlich fand ich es gut, dass sie sich beide auch noch nach ihrer Scheidung einigermaßen verstanden. Aber irgendwie sah es auf der anderen Seite auch einfach nur merkwürdig aus. Die braunen Augen meiner Mutter fingen an zu strahlen, als sie mich unmittelbar hinter meinem Vater erblickte.

“Sierra! Ach Kind, du bist so groß geworden!”

Schon stöckelte sie auf ihren kleinen Absätzen zu mir und sofort befand ich mich in den Armen von ihr. Zaghaft erwiderte ich ihre Umarmung und setzte ein kleines Lächeln auf. “Hi Mom. Schön dich zu sehen.”, antwortete ich, als sie mich von oben bis unten betrachtete. Ihre strahlenden Augen sprachen mir Mut zu. Immerhin hatte mein Dad Recht. Ich sollte uns eine Chance geben, sie ist und bleibt meine Mutter und es könnte ja auch schlimmer sein.

“Willst du noch einen Kaffee trinken?” “Sehr gerne.” Wir betraten das Reich meiner Mutter. Sofort ging sie mit meinem Dad in die offene Küche, die an dem riesigen Essbereich mit dem anliegenden Wohnbereich grenzte. Ich hingegen entschuldigte mich und ging sofort die Treppen nach oben.

“Dein Zimmer sieht genauso aus, wie vorher.”,  hörte ich meine Mutter von unten brüllen, was ich jedoch gekonnt ignorierte. Ich öffnete die weiße Holztür und atmete tief durch, als mich der Schock traf. Sie hatte Recht.

Mein Zimmer, sah wirklich noch genauso aus, wie vor 2 Jahren. Rosane Wände, etliche Schmetterlinge an den Wänden, die mit Justin Bieber um die Wette grinsten. Selbst dieser Pappaufsteller von One Direction, war immer noch da. Dass ich mittlerweile gar kein Fan mehr von dem Bieber, geschweige denn von 1D war, konnte sie ja nicht wissen. Was mich auch nicht sonderlich verwunderte, immerhin war ich ihr ja sonst relativ egal gewesen. Ich ließ mich rücklings auf das Doppelbett fallen, was voll mit alten Kuscheltieren von mir war, und musterte die Decke über mir.

Diese Kleinstadt. Damals war ich so oft hier, dass es praktisch gesehen schon mein zweites Zuhause war. Mom arbeitete auch schon damals in einem kleinen Diner. Dort saß ich jeden Morgen und gönnte mir ihre leckeren Pancakes, währenddessen die alte Jukebox klassische Elvis Songs spielte. Nebenbei malte ich etliche Bilder und erzählte mit irgendwelchen Truckerfahrern, die auf der Durchreise waren. Da war ich 12. Heute war ich 17, verbarrikadierte mich lieber hier in diesem rosa Albtraum, als mich freiwillig nach draußen zu bewegen. Ich kannte hier niemanden und heute würde ich definitiv nicht mit einem Truckerfahrer über das Wetter und irgendwelche Werbungen reden. Ich hievte mich wieder von dem bequemen Bett hoch und begann meine Kleidung aus dem Koffer zu räumen. Wirklich wohl war mir bei der ganzen Sache nicht. Aber ich sollte mal nicht zu vorschnell urteilen. Vielleicht treffe ich in dieser regnerischen Kleinstadt meinen Traummann, der mit mir nach Teneriffa durchbrennen würde.

Meine Gedanken brachten mich zum lachen, als ich meine Zahnpasta und Co. in den Badezimmerschrank räumte. Ich musterte mich in dem riesigen Spiegel. Ich hatte die blauen Augen, sowie die dunkelbraunen Haare von meinem Dad. Bis auf der Nase- die war von meiner Mom. Wenn man uns nebeneinander stellen würde, so würde man nicht sofort erkennen dass ich- Sierra Nikels, die Tochter von Rebecca Scott war. Sie würde vielleicht als meine Tante durchgehen, oder was weiß ich.

Scott. Den Namen bekam sie bei Ehemann Nummer 3. Es hielt 10 Monate. Nun hatte sie immernoch seinen Namen, was ich nicht verstehen konnte.
Aber es sollte mir egal sein. Alles sollte mir hier in diesem Kaff egal sein.

Eins wusste ich aber zutiefst.…
Dass werden die schlimmsten 8 Wochen meines Lebens.
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