Desperate

von Kosakoni
OneshotDrama, Romanze / P18 Slash
Echizen Ryoma Fuji Syusuke Sanada Genichirou Tezuka Kunimitsu Yukimura Seiichi
06.12.2018
07.04.2019
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Ein Junge, nicht älter als sechzehn; blond und mit blauen Augen musterte nur kurz die Szenerie vor sich, bevor er seinen Weg durch einige Gruppen bahnte und einen großen Brünetten antippte. „Spielst du gut?“, fragte er den Jungen, der ihn leicht spöttisch musterte. Schließlich tippte er mit seinem Schläger selbstbewusst gegen seine Schulter. „Ausgezeichnet sogar.“

Zwanzig Minuten später krümmte besagter Junge sich über die eigenen Knie, während blaue Augen desinteressiert sowie kalt zu ihm hinabblickten. „Richte Echizen Ryoma eine Nachricht aus ...“

~*~

„Aus!“, kam es streng von der Seite, woraufhin Ryoma frustriert an seiner Kappe zog. Seit letzter Woche besuchte er nun, wie auch der Rest seines Teams sowie einige Spieler aus anderen Kanto Teams ein spezielles Camp, wo die finalen acht Spieler für ein Freundschaftsspiel gegen Amerika ausselektiert werden sollten. Doch so, wie er sich gerade anstellte … „Macht fünf Minuten Pause.“, befahl Sakaki-san mit einem deutlichen Unterton, dass Ryoma danach gefälligst wieder beim Spiel sein sollte. Und er glaubte, der Coach Hyoteis wäre nicht so entgegenkommend, wäre Ryuzaki-sensei nicht vor zwei Tagen zusammengebrochen und läge seit dem im Krankenhaus.

Allerdings war es nicht das, das ihn so extrem beschäftigte. „Saa … so hart war ich gestern doch gar nicht.“, schnurrte Fuji amüsiert neben ihm, woraufhin er rot wurde und seine Wasserflasche zurück auf die Bank stellte, sobald er geschluckt hatte. „Spinner.“, murmelte er so leise, dass es Sakaki-san nicht hören konnte. Fuji allerdings schon, der sogleich wieder schmunzelte. Ihm jedoch sanft den Schirm seiner Kappe etwas antippte, damit er hochrutschte und tiefes Azurblau auf seine Augen traf. Besorgt. „Du bist schon so, seit Hiyoshi von Hyotei dich gestern auf die Seite gezogen hat.“

Ryoma wusste ja schon immer, wie deduktiv Fuji war. Aber, dass er wirklich immer wusste – wann mit ihm etwas war – und meistens auch noch was, störte ihn manchmal wirklich. Einfach weil es Dinge gab, über die er sich gerne zuvor erst einmal selbst klar werden wollte, bevor er mit Fuji oder seinen Freunden darüber sprechen wollte. „Es ist nichts Wichtiges.“, versicherte er somit seinem Freund, welcher jedoch nur den Kopf ein wenig neigte. „Also spielst du heute einfach nur schlecht, weil …?“

Die Bezeichnung, dass er schlecht spielte, schoss durch ihn wie ein kaltes Messer. Und hätte Sakaki-san sie in dem Augenblick nicht daran ermahnt, dass die fünf Minuten vorbei wären … So jedoch wandte er sich mit einem abweisenden Schnauben von Fuji ab und schlug die nächsten Bälle von da an härter und schneller, aber definitiv nicht mehr ins Aus.

~*~

Natürlich bemerkte Fuji die Veränderung seines kleinen Kätzchens. Schließlich waren sie nun seit über einem Jahr offiziell zusammen. Das, zusammen mit den Monaten in denen sie von einer Freundschaft, zu neckischen Küssen in der Seigaku Umkleide, führte zu einem sehr guten Verständnis zwischen ihnen. Umso mehr schmerzte ihm die plötzliche Zurückgezogenheit Ryomas. Denn eigentlich erzählte dieser ihm immer alles. Diese Stille hingegen war neu. Und sehr besorgniserregend. Sie erinnerte ihn sogar ein wenig daran, was passiert war, nachdem Tezuka damals mit Ryoma in der Umkleide gesprochen hatte.

Da er jedoch wusste, dass dieser ausnahmsweise nicht betroffen war, wandte er sich an die einzige Person, die wissen musste, was eventuell Sache war. Andernfalls würde er wohl zu härteren Mitteln greifen müssen, um an die Wahrheit zu kommen.

„Saa … Atobe ...“, schnurrte Fuji, sobald er den Blauhaarigen vom Court treten sah, und fixierte die arrogant blickenden Augen scharf. „Was wollte Hiyoshi-kun von Ryoma?“ Seine Stimme schien freundlich wie immer. Aber die Warnung, sollte Atobe versuchen zu lügen oder auszuweichen … war mehr als deutlich.

~*~

Erleichtert, unbemerkt aus dem Camp gekommen zu sein, zog sich Ryoma die Kappe etwas tiefer ins Gesicht, bevor er seine Tennistasche fester ergriff. Sein Herz schlug dabei hart und schnell, weil er wusste, was er hiermit riskierte. Doch für den Augenblick war es ihm egal. Er musste … „Saa, Heimweh?“

Erschrocken durch die süß säuselnde Stimme hinter sich, fuhr Ryoma herum, zu Fuji, der unter dem Schatten eines Sakurabaumes hervortrat und ihn mit einem Blick musterte, den er nicht kannte. Wahrscheinlich, weil Fujis Wut noch nie so direkt auf ihm gelegen hatte, wie es das jetzt offensichtlich tat. Allerdings hatte er jetzt weder die Zeit, noch die Geduld hierfür. „Ich muss das tun.“

„Was denn? Klär mich auf.“, die Art, wie sein Freund klang, war wie der Schnitt von Rasierklingen. Scharf. Schneidend. Kalt. Und für einen Augenblick … einen einzigen Moment der Schwäche, überwog der Schmerz in ihm, Fujis Enttäuschung und Wut auf sich zu spüren, bevor er all das hinunterschluckte und den Griff um seine Tasche festigte. „Das verstehst du nicht.“

Um seine Kontrolle zu durchbrechen, brauchte es wirklich viel. Meistens Personen, welche sich an denen vergriffen, die er liebte. Viel öfter, seit er Ryoma kannte, die verführerischen Dinge, die dieser mit Fuji tat, sobald sie alleine waren. Oder außerhalb von störenden Blicken. Doch ein Fakt blieb ganz klar. Ryoma erfüllte beide Fälle. Seine bereits geschwächte Kontrolle, ausgelöst von Rage darüber, was ihm Atobe erzählen konnte, bröckelte bei dem Klang von Ryomas abwehrender Wortwahl, woraufhin er an seinen Freund herantrat und ihm tief in die Augen sah. Welche in der Dunkelheit der Nacht dunkler als sonst schimmerten. Und fast undurchschaubar, wenn es sich nicht um die Person handeln würde, die er inzwischen fast besser kannte, als sich selbst.

„Du meinst, dass du dich mit Kevin Smith zu einem inoffiziellen Spiel triffst, damit er aufhört, deinen Freunden wehzutun?“ Fuji neigte leicht den Kopf, während Ryomas Augen sich weiteten und er für einen Moment wirklich überrascht wirkte, dass Fuji es erfahren hatte. Wäre er nicht wütend und tief in sich verletzt über Ryomas Stillschweigen darüber erneut in Gefahr zu sein, würde er alleine darüber gekränkt sein, dass Ryoma vergessen hatte, wie gut er an seine Informationen kommen konnte. So allerdings … „Ich verstehe es. Ich verstehe es, weil ich dich kenne, Ryoma. Ich … kann es verstehen, weil ich für meine Freunde ebenfalls alles tun würde, um zu verhindern, dass sie wegen mir verletzt werden würden.“, fanden seine Hände ihren Weg an Ryomas Schultern, an denen er seinen Freund bestimmt festhielt. „Was ich nicht verstehen kann, ist, warum du mich anlügst. Erneut. Nach dem, was vor einem Jahr passiert ist. Mit Kirihara.“

Dunkles Goldgrün erwiderte seinen Blick lange, eh Ryomas seinen Blick von ihm abwandte und er den Kopf so senkte, dass der Schirm seiner Kappe, Fuji den Blick verwehrte. In dem Augenblick störte sie ihn tatsächlich so wahnsinnig, dass er sie ohne zu Zögern von Ryomas Kopf riss und sogleich einem überraschten, wie leicht geschockten Blick zu begegnen, der ihn tief in seinem düsteren Innern befriedigte. Weil es endlich eine ehrliche Reaktion in den letzten vierundzwanzig Stunden war. „Ich … das ist … es ist persönlich.“, fauchte schließlich Ryoma, woraufhin der Jüngere sich aus seinem Griff heraus wandte und die Augen furios verengte. „Das ist mein Kampf, nicht deiner.“

„Es ist meiner, wenn die Person bedroht wird, die ich liebe!“, entkam es ihm lauter, als beabsichtigt. Doch Ryoma ließ sich davon weder abbringen, noch zuckte er zurück. Dennoch blickte ihn der Jüngere lange an, bevor er antwortete. Und als er es tat … „Dann solltest du es vielleicht nicht.“, wisperte die energisch klingende Stimme nur, was sich in der Stille der Nacht beinah wie ein Schrei anhörte. Kraftlos fielen seine Hände zurück an seine Seiten, während er seinen kleinen Freund einfach nur anblickte. Seine Antwort war ihm verwehrt, durch den Schmerz in seiner Brust, gepaart mit einem überraschend intensiven Brennen in seinen Augen, woraufhin Fuji genau an dem Punkt war, vor dem er nie geglaubt hatte, mit Ryoma zu kommen.

Sie blickten lange einander an, bevor ein kühler Windhauch über sie wehte. Schneidend und die Blätter der Bäume um sie herum, laut rauschen ließ. Doch war es nichts gegen die schmerzerfüllte Stille zwischen ihnen. Weil sie beide wussten, dass es egal sein würde, was sie nun sagen würden …

Es würde alles nur schlimmer machen.

Schließlich fiel sein Blick in dem Augenblick, wie er ihn nicht mehr halten konnte, nur um sich ruckartig abzuwenden und dann zurück zum Campgelände zu gehen, weil er vieles konnte … doch nicht zuzusehen, wie sich Ryoma von ihm abwandte.

~*~

„Er wollte, dass ich dir eine Botschaft übermittle. Du sollst ihn am Mittwoch um Mitternacht am Bahnhof bei den Courts treffen. Wenn du nicht kommst, dann wird er nicht aufhören, bis zu kommst.“

„Womit nicht aufhören?“, fragte Ryoma leicht verwirrt Hiyoshi, bevor dieser sein T-Shirt anhob und Ryoma fassungslos auf die dunkelblaue Prellung starrte, welche unter einem dicken Verband hervorkam. „Er hat mir zwei Rippen beim Spiel gebrochen. Was immer du tust, Chibisuke, tu es nicht alleine. Er sieht nicht so aus, aber er ist gefährlich und hinterlistig.“

Seine Kehle schnürte sich zu, während er Fuji nachstarrte. Atemlos und nahe verräterischer Tränen. Es war bisher noch nie zu einem ernsthaften Streit zwischen ihnen gekommen. Geschweige denn einer Argumentation, welche so war, wie diese Situation jetzt. Das Ärgste, war die Diskussion damals vor dem Schultor, nachdem er Rikkaidai aufgesucht hatte, Fuji jedoch nichts davon erzählte. Und damals hatte ihm der Tensai bereits gesagt, so etwas nie mehr miterleben zu wollen. Doch … Ryoma konnte doch nicht … einfach zusehen, wie … was, wenn dieser Smith auf Fuji getroffen wäre?

Der Gedanke jedoch ließ ihn innehalten.

Mitten auf der verlassenen Straße wurde ihm klar, dass er erneut viel zu kopflos in eine Gefahr hineinlief, welche nur die verletzen würde, die er … nein. Nicht die … sondern nur eine Person. Fuji. Weshalb er lange in die Ferne starrte, bevor er sich ruckartig herumwandte und dann zurücklief. Dabei ignorierte, wie seine Tasche ihm unangenehm gegen den Rücken schlug. Stattdessen lief er nur schneller in Richtung des Gebäudes, wo sie ihre Schlafräume hatten. Atemlos stürmte er in das Gebäude, wo er ein bestimmtes Zimmer aufsuchte, dessen Tür er etwas harsch aufriss und der darin befindende Person außer Atem entgegenblickte. „Ich … ich brauch deine Hilfe.“

~*~

Tezuka gab seine Therapie bezüglich seiner Schulter auf, um Ryuzaki-sensei im Camp zu vertreten. Dabei fiel ihm als Erstes die merkwürdige Stille zwischen Fuji und Echizen auf. Zunächst wollte er es ignorieren, doch als er ihr Spiel beobachtete, welches an Leidenschaft seitens Echizen fehlte …

Es lag nicht im Blut des Jüngeren, lustlos oder gar halbherzig zu spielen. Somit dachte er sich bereits, dass irgendetwas vorgefallen sein mochte und als der Jüngere dann auch noch mitten in der Nacht in sein Zimmer stürmte. Atemlos und in voller Montur. Einen Bruchteil des Moments, in dem Echizen einfach nur in seinem Türrahmen stand, nach Luft rang und ihn anstarrte, wollte er ihn bereits dafür bestrafen, erneut die Regeln gebrochen zu haben. Denn er kannte Echizen und so wie er angezogen war – seine Tasche trug … „Ich … ich brauch deine Hilfe.“

Die Bitte, welche Echizen nicht aussprechen musste, lag so klar in der Luft, dass es ihn sogleich aus dem Bett holte, womit er sich ohne zu zögern anzog und an den Jüngeren herantrat. „Wohin?“

~*~

Als Ryoma mit Tezuka zurück ins Camp ging, stieg gerade die Sonne über den Horizont. Das Licht fiel in einem beinah schon magischen orange-gelb über die mit Nebel verhangenen Felder, neben denen die Courts lagen, sodass er für einen Moment wirklich gebannt war. Es erinnerte ihn an den einen Ausflug, den er mit Fuji und dessen Familie im März gemacht hatte. Nahe des Fujis. Damals lag ebenfalls Nebel über dem Boden und dem See. Tief und mystisch. Fuji sagte, er liebte den Nebel, weil der Tag dann besonders schön werden würde. Aber … nach allem, was passiert war, konnte Ryoma dies nicht glauben.

„Echizen.“, sagte Tezuka vor ihm, der bemerkt hatte, dass er stehen geblieben war und in die Weite blickte. Langsam hob er seinen Blick zu seinem Buchou, welcher ihn musterte, eh er zwei Schritte zurück und somit an ihn herantrat. „Du wolltest alleine gehen. Warum hast du deine Meinung geändert?“, fragte ihn die dunkle Stimme, während haselnussbraune Augen ihn aufmerksam musterten. Mit der Wärme, welche ihn zwar wie damals umhüllte, jedoch nicht mehr die gleiche Intensität beinhaltete, wie noch vor einem Jahr. Worüber er sich manchmal oft fragen musste, wie er sich fühlen würde, sollte er sie verlieren. Er fürchtete, Enttäuschung zu spüren. Stattdessen spürte er Erleichterung darüber. Und Freude, weil es bedeutete, dass Tezuka nicht in ihn verliebt sein musste, um ihm beizustehen. Um ihn zu respektieren.

Doch verblassten diese im Bewusstsein dessen, was ihn so sehr betrübte.

„Ich hab ihm bereits mehr als wehgetan.“, wisperte er leise, woraufhin Tezukas Augenbrauen sich für einen Moment zusammenzogen, eh sein Buchou eine Hand auf seine Schulter legte. „Fuji wird es dir verzeihen.“ Ryoma zweifelte nicht daran, nur … „Und wenn ich es mir nicht verzeihen kann?“, fragte er somit in der Hoffnung, Tezuka wüsste die Antwort. Doch tatsächlich … konnte sie ihm niemand geben. Nicht einmal Ryoma selbst.


~*~

Fuji konnte nicht schlafen. Stattdessen liefen sechs Minuten immer und immer wieder durch seinen Kopf, wie eine Schleife. Immer zu fragte er sich, wie es geendet hätte, wenn er nur beharrlicher mit Ryoma gewesen wäre. Sich jedoch nicht abgewandt hätte, nur, weil er Angst davor hatte, einen Schritt zu weit zu gehen. Dieses dunkle Etwas in ihm sehnte sich schon zu lange danach, zu sehen, wie weit es bei Ryoma gehen konnte. In einer Argumentation war es wirklich schwer die Kontrolle zu behalten, weil der Jüngere manchmal einfach zu frech war oder das Gegenteil – belanglos. Als würde es ihn nicht kümmern, was Fuji empfand.

Dabei wusste er es besser.
Sie beide wussten es besser.

Allerdings waren sie beide auch so intensiv fühlende Personen, dass es manchmal schier unmöglich war, sich zurückzuhalten. Nur ihre jahrelange Kontrolle, all dies unter der Oberfläche zu halten, hielt sie davon ab in ihren Emotionen zu versinken. Das Problem war nur, dass sie es waren, denen sie gegenüber stets offen war. Und dies machte es eben schwer, diese Emotionen nicht hochkommen zu lassen. Dazu war er einfach schon zu offen für Ryoma. Zu …

Seine Gedanken stoppten, als er glaubte, unter der Decke etwas zu hören. Angestrengt lauschte er in sein Zimmer herein, nur um dann einen feinen Luftzug unter die Decke geströmt zu spüren, als diese angehoben wurde und sich sogleich ein kleiner, kühler Körper zu ihm legte.

Sofort machte sein Herz einen heftigen Ruck, sobald ihm bewusst wurde, dass Ryoma hier war. Sich zu ihm legte, wenn er ihn auch nicht fühlen konnte, weil dieser Abstand hielt. Da er mit dem Rücken zu ihm lag, eingerollt auf seiner Seite, musste Ryoma wohl denken, dass er noch schlief oder ihn ignorierte. Dabei gab es tatsächlich ein Teil in ihm – der dunkle und sadistische – der Ryoma genau Letzteres glauben lassen wollte, um ihm ebenfalls wehzutun. Aber der Gedanke ihm wehtun zu wollen … war schon schmerzhaft genug, weshalb er sich langsam auf den Rücken drehte, um Ryoma unter der Decke anzusehen. Was nicht einfach war durch die Dunkelheit, die noch im Zimmer herrschte und umso mehr natürlich unter der Decke. Da er jedoch seinen warmen Atem gegen sein Kinn fallen spürte, wusste er genau, wo er seine Hand heben musste, um Ryomas Wange hauchzart zu berühren.

Er dachte tausend Dinge, die er sagen wollte. Darunter auch die Frage, ob es ihm gut ging. Doch brachte er nicht eine einzige Silbe über die Lippen. Zu gespannt war der Moment. Zu zerbrechlich, als dass er seinen eigenen Worten trauen konnte. Oder seiner Stimme, welche unter dem Druck in seiner Kehle wahrscheinlich kaum Stand halten würde.

Du weißt es wirklich nicht oder? Wie einfach es für dich wäre, mir wehzutun …

Fuji hatte damals nicht übertrieben, als er Ryoma sagte, es wäre so einfach für den Jüngeren, ihm wehzutun. Dabei wusste er, dass sein kleiner Geliebter es nie bewusst oder beabsichtigt tun würde. Er war nur … Ryoma war manchmal zu verbissen in den Dingen, die bei ihm an oberster Stelle standen, dass er manchmal gar nicht zu bemerken schien, wie hart es für Fuji war, neben Tennis Stand zu halten. Und somit schmerzte eben auch schon eine flüchtige Anmerkung darüber, dass es vielleicht besser wäre, sie wären nicht zusammen, mehr, als alles andere. Denn Fuji wusste es Ryoma stets zu teilen. Auch wenn er es hasste. Aber Tennis war nun mal Ryomas oberste Leidenschaft. Sein Leben und darum wusste er, dass immer der Moment kommen würde, in dem der Jüngere sich für einen Gegner entschied, anstatt für ihn. Es änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass er trotz allem, Ryoma nicht loslassen konnte.

In der Hinsicht war er Yuuta so ähnlich. Sein kleiner Bruder könnte praktisch alles mit ihm tun. Alles von ihm verlangen, doch niemals, das Fuji sich von ihm abwenden würde. Dafür liebte er ihn zu sehr. Und mit Ryoma ging es ihm ebenso. Das Problem war nur … Yuuta hatte er damit in die Flucht getrieben. Wann immer er versuchte, ihm näherzukommen, trat sein kleiner Bruder immer mehr auf Abstand.

Der Gedanke, Ryoma würde es irgendwann ebenso tun, weil er nun mal viel zu leidenschaftlich und frei war, als dass er jemand gehören wollte …

In dem Augenblick wurde Fuji bewusst, dass ihre Beziehung ein Ablaufdatum hatte.

~*~

Sich zu Fuji ins Bett zu legen, war das Schwierigste, das Ryoma jemals tun musste. Nicht, weil er es nicht wollte. Ihm nahe sein. Doch weil er fürchtete, von dem Älteren von sich gestoßen zu werden. Zu seiner Überraschung jedoch drehte sich Fuji zu ihm und berührte ihn an der Wange. Andächtig und zart, beinahe unscheinbar sanft. Ryoma wollte so viel sagen. Zum ersten Mal wollte er sich entschuldigen, er wusste nur nicht, wie. Schienen ihm die Worte doch viel zu unscheinbar. Zu … wenig. Weshalb er schweigend liegen blieb. In der Hoffnung Fuji würde ihn an sich heranziehen. Die Arme um ihn legen und ihn einfach nur festhalten. So wie jede Nacht.

Stattdessen blieb der Abstand bestehen und so tat er es auch in den nächsten Tagen.

Wenn er gedacht hatte, diese Drohung von Smith hätte ihm den Verstand gekostet, so war es nichts gegen die Distanz, die Fuji zwischen ihnen aufbaute. Natürlich schliefen sie weiterhin im selben Zimmer. Und ebenso trainierten sie. Aber Fuji zog ihn währenddessen nicht mehr hinter Bäume, stahl ihm heimliche Küsse hinter Sakaki-sans Rücken, noch verführte er Ryoma dazu, lieber mit ihm im Geräteschuppen herumzumachen, als mit Momo oder Sanada ein Spiel abzuhalten.

„Habt ihr Probleme?“, fragte ihn Yukimura besorgt, der eigentlich nur vorbeigekommen war, um Sanada und Kirihara zu sehen und natürlich um sie alle ein wenig zu unterstützen. Aber wahrscheinlich weniger, um die leere Seite neben Ryoma zu bemerken, an der eigentlich immer Fuji stand. Der Gleiche, der nun bei Tezuka auf der anderen Seite des Courts stand und dem gleichen Spiel folgte, wie Ryoma und Yukimura. Nur eben nicht … nicht mehr mit ihm.

„Ich hab … etwas gesagt, das ich nicht so gemeint habe.“, antwortete er nach einigen Minuten leise, während Sanada den nächsten Aufschlag machte und Inui sofort loslief. Ryoma erkannte die Falle, in die sein Teamkollege geradezu lief. Allerdings auch nur, weil er damals selbst in ihr gefangen war. Da Inui das Spiel jedoch kannte, glaubte er, dass der Datenspieler es vielleicht auch so gewollt haben musste.

„Was war es denn?“ Die weiche Stimme neben ihm, ließ ihn langsam vom Spiel wegsehen, zu Fuji, der die Arme vor der Brust verschränkt hielt. Seine Augen waren wie immer geschlossen, aber er wusste, das Fuji sie nicht offen brauchte, um den Ball vor seinem inneren Auge zu sehen. Manchmal wünschte sich Ryoma, der Tensai könnte ihn so instinktiv wahrnehmen, wie er alles andere um sich herum wahrnahm. Blind. „Ich deutete an ...“ Ryoma stoppte, überrascht darüber, wie einfach es ihm schien sich dem Buchou Rikkaidais anzuvertrauen. Nachdem er den Blauhaarigen damals endlich kennengelernt hatte – auf einem Streetcourt – schien ihr Verständnis zueinander beinahe perfekt. Fuji sagte, weil sie die gleiche Sprache sprachen. Tennis. Dabei hatte Fuji ihn nicht angesehen. Nur gelächelt und …

Er spürte den warmen Blick aus tiefem Violett auf sich, nachdem er nicht weitersprach, und senkte den eigenen schließlich von Fuji. „Weißt du, Ryoma, manchmal sagen wir die schlimmsten Dinge zu denen, die uns am Meisten bedeuten. Ob aus Verzweiflung oder Ärgernis. Wichtig ist nur, dass diese Person weiß, dass wir es nicht so gemeint haben.“ Ryoma schluckte.

„Und was … was, wenn man es unterbewusst so meinte? Was dann?“, fragte er leise, während seine Augen begannen zu brennen und er sich dann von dem Spiel abwandte. Er wusste, wie sehr Fuji ihn liebte. Und dass er es erwiderte, war nicht infrage zu stellen. Sondern eine Tatsache. Es änderte jedoch nichts an der Tatsache, sich darüber bewusst zu sein, wie viel ihm der Ältere gab, zu dem Ryoma jedoch nicht im Stande war, es ebenfalls zurückzugeben.

Bevor er einen Schritt machen konnte, legte sich eine warme Hand auf seine Schulter und hielt ihn sachte fest. „Dann solltet ihr beide miteinander reden. Ansonsten … tut ihr euch nur beide weh.“, wisperte Yukimura auf eine Weise, wie er spüren konnte, dass der Blauhaarige genau wusste, was er sagte. Nachdem die langen Finger seine Schulter bestimmt drückten, zog er sich die Kappe etwas tiefer ins Gesicht und verließ die Courts.

~*~

Ryoma saß beinahe eine Stunde auf Fujis Bett, bevor die Tür endlich aufging und sein Freund in das Zimmer trat. Sobald die blauen Augen sich auf ihn legten, fühlte er sich haltlos. „Wir … sollten reden.“, hauchte er. Bewusst, dass er fast kraftlos klang. Und sich mehr Stärke wünschte, doch …

„Willst du die Beziehung beenden.“, fragte Fuji zurück, welcher so gefasst klang, so …

Atemlos starrte er zurück. Unfähig zu antworten, weil … weil Fuji so klang, als würde er genau darauf warten. Alles in ihm schrie danach, es nicht zu wollen. Es zu verweigern. Aber Fujis Augen waren so klar, so … abwartend … „Wenn … du das willst.“, kam es aus seinem Mund, wobei er seine eigene Stimme nicht erkennen konnte. So emotionslos und klanglos hallte sie durch die angespannte Stille ihres Zimmers wieder.

Fujis Reaktion bekam er kaum mit. Einzig das beinah lautlose Klicken der Tür, die hinter dem Tensai ins Schloss glitt, riss seine gesamte Beherrschung mit sich. Hart krallte er die Finger in das Laken, auf dem er saß und lehnte sich über die Knie, bis seine Stirn gegen die Matratze sank und er im selben Moment nach Luft schnappte, wie heiße Tränen über seine Wangen fielen.

Er kannte Schmerzen. Emotional wie physisch. Doch das … so einen Schmerz, wie er ihn spürte, weil … der Gedanke, dass er nie wieder mit Fuji zusammen aufwachen würde – nie mehr die warme Stimme in seinem Ohr wispern hörte, wie sehr ihn der Ältere liebte …

Ryoma wusste nicht, wie lange er weinte. Unbeweglich, mit dem zarten Geruch von Fujis Duschgel, welches sich in dem Laken festgesetzt hatte, und den er nie mehr vergessen wollte. Er spürte nur irgendwann eine Hand auf seinem Rücken. Groß und stark und doch nicht Fuji. Es würde nie mehr Fujis sein.

~*~

„Es ist vorbei.“, war alles, was Fuji sagte. Die Augen geschlossen, ein seichtes Lächeln auf den Lippen und die langen Fingern in der Trainingshose verkrallt. Für jene, die ihn nicht kannten, sah er zerrissen aus. Für Tezuka, als würde er sich versuchen zusammenzuhalten, um nicht auseinanderzubrechen.

Für einen Augenblick schwebte seine Hand über Fujis. „Yuuta?“, fragte er statt ihn zu berühren leise, woraufhin sein bester Freund die Lippen nur etwas mehr zusammenpresste und Tezuka sein Zimmer verließ, um nach dem jüngeren Fuji zu suchen. Es dauerte nicht sehr lange, da fand er ihn neben dem Manager St. Rudolphs, jedoch nur mit der Aussage, Yuuta solle mitkommen. Das fehlte nur noch. Dass der Manager in Fujis Sichtfeld treten würde …

Mit dem Jüngeren ging er gerade zu seinem Zimmer, als er glaubte etwas aus Fujis Zimmer zu hören und Yuuta andeutete, wo sich sein Raum befand. Nach einem kurzen Klopfen, wonach jedoch keine Reaktion kam, öffnete er die Tür, nur um für einen Augenblick überwältigt einzufrieren.

Er hatte Ryoma bislang nur einmal nahe den Tränen gesehen. Damals, nachdem er ihn aus dem Team geworfen hatte. Aber das war absolut nichts gegenüber dem, was er jetzt sah. Der Jüngere saß im Schneidersitz auf dem Bett, nach vorn über gebeugt, mit den Händen so hart ins Laken gekrallt, dass seine Fingerknöchel komplett weiß hervortraten. Durch die Strähnen, die Ryoma ins Gesicht und auf das Laken fielen, dort, wo er sich mit der Stirn gegen drückte, erkannte er zusammengekniffene Augen und Tränen.

Der Anblick tat ihm so weh …
Tezuka brauchte tatsächlich einen Augenblick, um wieder atmen zu können. Schließlich schloss er lautlos die Tür hinter sich, bevor er an das Bett herantrat und zögernd die linke Hand auf Ryomas zitternden Rücken legte. Für eine Sekunde hörte er, wie der Jüngere unter seiner Berührung zittrig ausatmete, bevor ein stärkeres Beben durch ihn ging und Tezuka mit zugeschnürter Kehle den Blick heben musste, um sich nicht selbst zu verlieren.

Ryoma hatte ihm erzählt, das Fuji und er eine Auseinandersetzung hatten, die ihn dazu führte, Tezuka um Hilfe zu bitten. Und er bemerkte – ebenso wie alle anderen – die unnatürliche Distanz anschließend zwischen beiden. Doch hätte er tatsächlich niemals angenommen, dass es zu dem hier führen würde. Natürlich hatte er seine Zweifel damals. Nicht nur, weil er Fuji kannte. Aber eben auch durch Ryomas eigene Art, die Dinge anzugehen. Nach den Monaten, in denen er die beiden jedoch miteinander sah, musste er schmerzlichst erkennen, sich geirrt zu haben. Die beiden gehörten zueinander. Sie ergänzten sich auf eine Weise, wie es Tezuka für keinen der beiden je geschafft hätte. Ryoma und er, waren sich zu ähnlich durch ihre Versessenheit nach Tennis. Fuji wiederum war viel zu entspannt, wenn es um ernste Angelegenheiten ging, sodass sie beide nie auf einer Stufe stehen könnten, ohne zu versuchen, sich hinunter zu stoßen. Stattdessen hielten sie einander fest.

Fuji und Ryoma jedoch schafften es durch all das, was sie nicht gemein hatten, sich zu ergänzen und perfekt ineinanderzugreifen. Ihre Beziehung hatte sogar das Team gestärkt. Und ihm Hoffnung gegeben. Nicht einmal hätte er daran gedacht, was passieren würde, sollte das Undenkbare geschehen. Zu abwegig schien es ihm, dass einer der beiden …


Ein weiteres Beben riss ihn aus seinen Gedanken, wonach er mit einem leisen Seufzen näher an Ryoma rutschte und mit der Hand weiter beruhigend über den schmalen Rücken streichelte. Er konnte nur hoffen, das Fuji sich irrte. Denn wenn etwas wirklich vorbei wäre, dann täte es gewiss nicht so weh oder?

~*~

Ryoma schlug – und schlug – und schlug – den Ball immer wieder gegen die Wand. Doch die ersehnte Erleichterung trat nicht ein. Noch Ernüchterung oder Ruhe. Stattdessen wollte er einfach nur … er wollte … das Eine, das ihm Tennis nicht geben konnte.

Die erste Woche ohne Fuji fühlte sich an, wie eiskalter Entzug.
Er konnte nicht schlafen, weil es einfach kaum mehr einen Tag gab, bei denen sie nicht beieinander übernachteten und somit ein Bett teilten. Er hatte keinen Appetit mehr, weil der bloße Gedanke etwas zu essen, und dabei eine Erinnerung an Fuji hochkommen würde, ihm nicht behagte. Er konnte nicht einmal trainieren, weil er stetig Fuji sah. Was nicht bedeutete, dass er auf Training verzichtete. Es war nur … schwer.

Die zweite Woche machte ihn wortwörtlich krank.
Seine nächtlichen Ausflüge in den Wald, wo er sich auf einen Hügel setzte, um einfach nur die Ruhe auf sich wirken zu lassen, brachten ihn eine nette Sommergrippe ein.

Jetzt wiederum wollte er nichts lieber, als jemanden – nein, einer ganz bestimmten Person – den Hals umzudrehen.

„Ich denke nicht, dass es wirklich in seiner Absicht lag.“, versuchte es Yukimura sanft, während Ryoma auf den aufgeschürften Handballen des Blauhaarigen starrte. Natürlich sagte dieser, es sei ein Unfall gewesen. Er hatte schließlich Hiyoshis Oberkörper nicht gesehen, dachte Ryoma und zurück an diese eine Nacht. In der alles den Bach hinab ging. In der er Tennis über Fuji zog. Erneut. Und sich fragen musste, ob es anders gelaufen wäre, wenn er Fuji nachgegangen wäre, statt Tezuka um Hilfe zu bitten, damit dieser mit Smith reden könnte.

Doch kamen sie nicht Mitternacht am Bahnhof an, sondern später. Und wenn Smith dagewesen wäre, dann hatte er sich versteckt, aufgrund Ryomas Begleitung. So oder so …

„Ryoma?“ Er blinzelte langsam bei dem Klang seines Vornamens. Die Wärme in der weichen Stimme ließ ihn instinktiv nach Fuji umsehen, doch wurde ihm bewusst, dass Yukimura ihn so genannt hatte, weshalb er nur hart schluckte und den Kopf abwandte. „Sanada hat mir erzählt … Es tut mir so leid.“ Kopfschüttelnd stand er von der Bank auf. Dann blickte er sich um nach einem seiner Teamkollegen. Irgendjemanden, gegen den er spielen konnte, einfach nur um den Schmerz mit etwas anderen zu überdecken. Stattdessen stellte sich Yukimura ihn in den Weg und hob sein Kinn an, damit er gezwungen war in seine tiefen violetten Augen zu sehen, die ihn ebenso sanft musterten, wie es Fuji früher getan hatte. „Ich vermisse ihn.“, hauchte er schließlich, bevor ihn der Ältere in seine Arme zog und er sich hart in dessen weißes Hemd krallte.

Fuji überlebte die Wochen ohne Ryoma, indem er sich auf eine Weise verschloss, wie er es direkt nach Yuutas Ausstieg nach Seigaku getan hatte. Er lächelte, nickte, ging seines Weges, spielte mit den anderen Tennis und trainierte. Als er jedoch drei Wochen und fünf Tage später sah, wie Yukimura Ryoma am hintersten Court in die Arme nahm …

~*~

Samstagabend wurde die Bekanntgabe über die Aufstellung gegen das amerikanische Team rausgegeben. Ryoma rechnete zumindest mit Singles 2. Weshalb er Tezuka anstarrte, der … „Singles 1 wird von Fuji übernommen. Und Echizen wird als Ersatzspieler eingesetzt.“ … langsam das Papier absenkte und Ryoma einen Blick durch die Brille zuwarf. Eindringlich aber nicht enttäuscht, aber es war …

Ohne etwas zu sagen, stand Ryoma auf und verließ den Gemeinschaftsraum des Camps. Sich bewusst, dass ihn alle anstarrten, was ihm im Augenblick jedoch ziemlich egal war. Ohne einen Laut setzte er sich an den Rand eines Courts, wo er mit den Fingern durch feuchte Grashalme fuhr und in die Ferne starrte. Er sollte doch wütend sein oder enttäuscht, nur als Ersatzspieler eingetragen zu werden. Stattdessen … fühlte er sich leer. So, als hätte man ihm das Letzte genommen, das er noch gehabt hat.

„Du bist als Ersatzspieler aufgeführt, weil du ausnahmslos mit jedem im Doppel spielen und ebenso jeden ersetzen kannst, Echizen.“, sprach Sanada hinter ihm, den er nicht einmal kommen gehört hat. Abweisend zuckte er mit der Schulter. „Was solls.“, wisperte er. Er würde nicht gegen Smith spielen, um für seine Freunde einstehen zu können. Er konnte nicht gegen das Land spielen, welches einst sein Zuhause gewesen war, ehe er nach Japan kam und … erkannte, dass ein Zuhause kein Ort sein musste. Nicht einmal ein Court.

„Interessiert es dich nicht einmal, das Fuji nur an Singles 1 steht, weil er darauf bestanden hat?“ Sein Herz machte einen heftigen, fast schmerzerfüllten Satz. „Was?“, verwirrt drehte er sich zu Sanada, der ihn aus seinen dunklen Augen lange musterte. „Smith spielt an erster Position. Fuji bestand darauf gegen ihn zu spielen.“

Er rappelte sich vom Boden auf, ignorierte die Feuchtigkeit, welche von dem Gras in seine Klamotten gesickert war und trat an Sanada heran. „Er kann nicht gegen ihn spielen. Nicht, wenn selbst Yukimura …“ Ryoma erkannte die Rage in Sanadas Blick aufkommen. „Smith kann von Glück sprechen, dass ihm nicht mehr widerfahren ist.“ Mehr sagte der Fukubuchou Rikkaidais nicht, als er sich abwandte und Ryoma zurückließ. In einer noch tieferen Dunkelheit, wie zuvor.

~*~

Fuji wusste, sobald Tezuka die entscheidenden Worte ausgesprochen hatte, dass sein Spiel mit Smith besiegelt sein würde. Er spürte bereits die tiefe, sadistische Befriedigung in sich aufkommen, weil er bereits genau wusste, was er machen würde, um ihn vor allen bloßzustellen und ihm all seine Würde zu nehmen. Alles nur für Ryoma. Womit er nicht gerechnet hatte, war, das Ryoma auf der Ersatzbank landen würde.

Natürlich wussten sie alle, wie flexibel Ryoma auf dem Court war. Aber gegen alle, die in diesem Team aufgestellt waren, hatte Ryoma schon gespielt und gewonnen. Er kannte ihre Techniken und konnte mit ihnen sogar spielen, wenn er im Doppel gebraucht werden würde. Ryoma bestand zwar stets auf Singles. Doch er war einfach so gut. So lebendig auf dem Court, dass es egal war, gegen wen oder mit wem er spielte. Er lebte Tennis auf eine Weise, wie Fuji es niemals könnte.

Zunächst nahm er es nicht wahr. Erst als die Schritte lauter wurden, erkannte er die ihm entgegen kommende Person, woraufhin er automatisch stehen blieb. Ebenso wie der Jüngere. Es waren genau vier Wochen und zwei Tage, dass sie sich zuletzt gegenübergestanden haben. Plötzlich schien der Korridor nicht mehr lang oder breit genug, sondern mehr wie eine komplette Einbahnstraße und Ryoma war sein Hindernis, an dem er nicht vorbeigehen konnte.

Das vierte Deckenlicht hinter Ryoma flackerte, wodurch die grünschwarzen Haare zwischenzeitlich mehr bläulich schimmerten und seiner Figur eine mystische Erscheinung gaben. In dem Moment wünschte er sich seine Kamera. Doch alles, was ihm blieb, war den Moment in sein Gedächtnis zu bannen. Bis hin zu der Unsicherheit in dunklen goldgrünen Augen. Er musste sich fragen, ob Ryomas Herz ebenso hart schlug, wie das seine. Oder ob er denselben bitteren Schmerz empfand, weil das hier früher nur auf eine Weise geendet hätte. Mit einem von ihnen gegen die Wand gedrückt und leidenschaftlichen … – doch daran sollte er sich nicht erinnern. Obwohl es nun auch zu spät war.

„Bitte spiel nicht gegen ihn.“, wisperte Ryoma plötzlich, woraufhin sich seine Augen vollends öffneten und er überrascht den Mund öffnete. Doch konnte er sich gerade noch zurückhalten. „Ich wollte dir deinen Gegner nicht nehmen.“, erwiderte er gefasst, aber Ryomas Augenbrauen zogen sich nur zusammen, während er den Kopf schüttelte. „Das ist ni- ...“ Der Jüngere blickte für einen Moment zur Seite, eh er tief durchatmete und seine Hände sich zu Fäusten ballten. Als ihn tiefes Goldgrün wieder anblickte, dann intensiv und durch und durch aufrichtig. „Ich will nicht, dass er dir wehtut.“

Fuji entkam ein bitteres Lachen. „Die einzige Person, die mir wehtun kann, das bist du.“

Du weißt es gar nicht oder? Wie einfach es für dich wäre, mir wehzutun …

Damit senkte sich Ryomas Blick und er wusste, dass sich sein Teamkamerad an damals erinnerte. An den Regen – den Kuss – seine Worte, wie sehr er in ihn verliebt war.

Es immer noch war.
Es immer sein würde.

Fuji wusste bereits damals, verloren zu sein, nachdem der Jüngere mit seinem blutigen Zeigefinger bei ihm im Zimmer stand und mit großen Augen auf die Kaktee, und dann auf den eigenen Finger starrte, eh Fuji schmunzelte und ihm anbot, ihm zu helfen, bevor besagter Finger in seinem Mund landete und er genießend die Röte auf Ryomas Gesicht in sich aufnahm. Nur um ihn einen Moment später zu küssen und …

Bei der Erinnerung prickelte es in seinem Bauch, ebenso wie in seinen Augenwinkeln. Weil er Ryoma vermisste. Die Wärme seiner Haut und ebenso seinen Geruch nach frischem Zitronengras. „Fuji ...“, wisperte es plötzlich, und als er die Augen wieder aufschlug, sah er in tiefes Goldgrün. Viel zu nahe und … doch nicht nahe genug, wie er mit einem Mal fand, bevor er den Abstand zwischen ihnen überbrückte und Ryoma küsste.

Sofort spürte er Ryomas Hände auf seinen Schultern in einer von sich stoßenden Geste, nur, dass, gerade als er sich zurückziehen wollte, sich deren lange Finger in seine Schultern krallten und sein Kuss auf fast schon verzweifelte Weise leidenschaftlich erwidert wurde. In dem Augenblick war es ihm egal, ob man sie erwischen würde. Er packte Ryoma an seinen Schenkeln und zog ihn an diesen hoch, nur um mit ihm im nächsten Zimmer zu verschwinden und die Tür achtlos ins Schloss zu knallen.

Ryoma hatte nicht die geringste Ahnung, wer von ihnen den Abstand zuerst verringerte. Er wusste nur, dass er plötzlich viel näher an Fuji stand, als zuvor. Und dann spürte er auch schon die weichen Lippen auf seinen, wodurch ihn eine Erfüllung durchfuhr, wie seit Wochen nicht mehr. Weder auf dem Court noch … Hart krallte er sich in die weichen Strähnen, im selben Moment, wie sein Rücken gegen die Wand gedrückt wurde und er kurz darauf von Fuji gepackt und hochgehoben wurde.

Ein heißes Prickeln durchfuhr ihn, bei der Art, wie ihn Fuji berührte. So … als würde er sich ebenso extrem nach ihn sehnen, wie Ryoma sich nach ihm. Weshalb er seine Beine hart um die schmalen Hüften schlang und es genoss, den langen Körper gegen seinen zu spüren. Irgendwo im Hintergrund meinte er ein Knallen zu hören, bevor er plötzlich etwas Festes unter seinem Hintern spürte, worauf ihn Fuji schob. Allerdings war es ihm egal, solange er den Kontakt zu ihm nicht unterband.

Mit den Händen glitt er über Fujis Rücken, zum Bund seines Trikots, das er ungeduldig nach oben schob, nur um ruckartig den Kuss zu lösen und es dem Älteren über den Kopf zu ziehen. Sobald seine Finger die weiche warme Haut unter sich wahrnahmen, durchfuhr ihn eine Sehnsucht, die seine Augen prickeln ließen. Doch wollte er sich nicht auf die Verzweiflung einlassen, die ihn für einen Augenblick zu übermannen schien. Stattdessen zog er Fujis Lippen von seinem Hals, indem er die weichen Strähnen erneut mit den Fingern umwickelte und den Älteren hingebungsvoll küsste. Dabei nahm er nur beiläufig wahr, wie Fujis Hände seine Shorts von seinen Hüften streiften – soweit, wie es in seiner Position nun einmal ging.

Aber von dem Moment an ging alles viel zu schnell, sodass alles in einem Rausch an ihm vorbei zog. Zu intensiv war die überwältigende Begierde und Leidenschaft, die sie überzog. Denn, nach über vier Wochen Entzug nacheinander, war es … als hätte man ihn von einer Deprivationskammer, direkt in den überfülltesten und lautesten Ort gesteckt, den man finden konnte. Dermaßen überwältigt fühlte es sich an, die Hände auf seiner Haut zu spüren.

Die Lippen auf seinen.
Den bestimmten Druck zwischen seinen Innenschenkeln.
Feuchten Fingerspitzen an seiner Öffnung.
Fuji

Und in dem einen Augenblick, in dem sich der Ältere in ihn schob, blieb für ihn die Zeit stehen. Seine Finger krallten sich so hart an Fujis Schultern, dass er wusste, es würden Male davon zurückbleiben. Genauso wie von den Händen, die seine Hüften kraftvoll umfasst hielten, weil er mehr wollte. Ihn tiefer spüren musste. Doch für den Augenblick war alles, was er konnte, zu genießen, wie er erfüllt wurde. Physisch wie psychisch.

Da war nur noch Fuji.

Umso verzweifelter hielt er sich an ihm fest, je schneller sie dem Ende entgegen kamen. Weil es am Ende sowieso nicht schnell genug ging, endlich zu kommen. Und doch nicht lange genug dauern konnte. Ryoma wollte ewig den harten Herzschlag unter seinen Handflächen spüren. Ewig den feinen Geruch von Fuji und Minze in sich einatmen. Doch ewig … war nichts weiter als eine Illusion, die spätestens dann zerstört wurde, als jemand die Zimmertür aufriss …

~*~

„Endlich werden wir uns gegenüberstehen.“, waren die ersten Worte, die ihm entgegen gezischt wurden, nachdem er als Letztes den Bus, seinem Team folgend, verließ und in blaue Augen sah. Jedoch heller als Fujis und voller Wut sowie Verachtung. Verwirrt musterte er den Jungen. „Ich kenn dich nicht.“, murmelte er abweisend, womit er seinem Team folgen wollte, hätte sich in dem Augenblick kein Schläger zwischen seine Beine geschoben, wodurch er ins Stolpern geriet. Beinahe fiel er, hätte ihn nicht im selben Moment Sanada gehalten. Perplex musterte er den Blonden. „Jetzt vielleicht nicht. Spätestens, wenn wir gegeneinander spielen, wirst du meinen Namen nie mehr vergessen!“, fauchte er und plötzlich …

„Kevin Smith?“, fragte er, obwohl die Antwort bereits klar war. Ein verächtliches Lächeln legte sich auf das Gesicht des Amerikaners, was er jedoch nur emotionslos beachtete. „Falls du die Aufstellung nicht lesen konntest, Peroxid, ich spiele nicht.“ Damit löste er sich sanft unter dem festen Griff seines Teamkollegen, der Smith einen kalten Blick zuwarf und Ryoma fragte sich, ob er Smith auch so gerne schlagen wollte, wie er Ryoma damals, nachdem er den Fukubuchou so herausgefordert hatte.

Zwei Schritte …
Doch das kalte Lachen ließ ihn innehalten.

„Ich weiß, dass du der Ersatzspieler bist. Glaub mir … wir spielen gegeneinander.“ Die Drohung war mehr als klar und deutlich. Ebenso wie Ryomas Herzschlag, den er mit einem Mal ganz deutlich in seinem Kopf hämmern hörte. Ryoma wusste, noch nie die Beherrschung verloren zu haben. Jedenfalls nicht in dem Maße, wie im nächsten Moment, denn als sich eine große Handfläche gegen seine Brust stemmte, lag seine Tasche auf dem Boden und er hielt in der linken Hand Smiths Kragen. „Echizen!“, bellte Tezuka ernst, woraufhin er einen Schritt zurück stolperte.

„Wenn du ihm wehtust, … wirst du es bereuen.“ Damit bückte er sich nach seiner Tasche und zog sich die Kappe ins Gesicht, wie er gleichzeitig an seinem Team vorbei ging. Sich darüber bewusst war, wie sie ihn ansahen – wie Fuji ihn ansah. Aber im Augenblick durfte er sich dem nicht hingeben.

Zu groß war dieser eine Riss in seiner sonst so steten Beherrschung.

~*~

Impulsivität war etwas, das er von Ryoma nur aus dem Schlafzimmer kannte. Ebenso wie seine Unbeherrschbarkeit. Sie jedoch in der Öffentlichkeit bei ihm zu sehen, war … das war neu und überraschte sie alle. Doch nachdem ihr Jüngster an ihnen vorbei schritt. Deutlich auf der Suche nach einem Court, wo er all dies herauslassen konnte, wandte sich Tezuka zu Smith, eh sein Blick auf den Coach der Amerikaner fiel und diesen musterte. „Dies ist doch ein Freundschaftsspiel oder?“, fragte sein bester Freund fast schneidender als eine Rasierklinge, nur um sich abzuwenden und ihnen mit einem knappen Nicken anzudeuten, dass sie zum Court gehen sollten. Für einen Moment blickte Fuji noch zu dem Blonden, der von seinem Coach auf eine Weise zurechtgewiesen wurde, wie Fuji es nicht von anderen Coaches kannte.

Es schien persönlich und deutlich unter der Gürtellinie.
Es war Familie, dachte er und folgte kurz darauf seinem Team. Schließlich gab es nur diese, die einen so brechen konnte. Die Familie oder die eine Person, der man sein Herz geschenkt hat. Und Kevin war deutlichst zu jung, um mit einem Fünfzigjährigen zu verkehren.

~*~

Das erste Doppel verlief deutlichst zu ihrem Gunsten. Sanada und Atobe waren aber auch wirklich gut zusammen, wie Ryoma zugeben musste. Leider verloren sie das zweite Doppel, auch wenn Oshitari und Eiji ein außergewöhnlich gutes Team waren. Akaya wiederum verlor das dritte Einzel, während Sengoku Singles zwei gewann. Zwar sehr knapp, doch war der Rothaarige einfach zu verbissen darauf, gegen die Amerikaner zu gewinnen. Sie alle waren es inzwischen, nachdem sich herumgesprochen hatte, was Smith im Sinn hatte …

„Fuji wird bestimmt nicht verlieren. Wenn er mit seinem Knie damals gegen mich gewinnen konnte ...“, begann Akaya, woraufhin Ryoma ihm einen Blick zuwarf, der mehr als deutlich war und Akaya sogleich stoppte. „Saa, er hat nicht unrecht.“, lächelte Fuji in seiner typischen Manier, die Ryoma eigentlich wütend machen sollte. Doch in Wirklichkeit …

„Nun kommen wir zum finalen Spiel zwischen Japan und Amerika. Auf der ersten Position spielen Fuji Syusuke von Seigaku gegen ...“ Die Stimme des Anweisers wurde immer leiser, bis Fuji einen Schritt auf den Court trat und Ryoma nach seiner Hand griff.

Tiefes Azurblau, welches selbst heute noch sein Herz zum Stocken und ihm den Atem raubte, traf ihn sofort. Ryoma wollte tausend Dinge sagen. Von Bitte geh nicht zu Pass auf dich auf. Aber an alles, das er denken konnte, war Ich liebe dich. Und der Gedanke musste so klar in seinen Augen stehen, dass die langen Finger sich sachte in seiner Hand drehten und für eine Sekunde zärtlich zwischen seine fuhren, eh sie ihm Fuji entzog und dann zum Netz trat.

„Das wird schon.“, sagte Sengoku lächelnd neben ihm, aber Ryoma sah genau, wie Smith ihn musterte, bevor er Fuji von oben bis unten musterte. Deutlich nach einer Schwäche suchte, die linke Ratte. Zu spät … viel zu spät, und erst als Fuji mit einem deutlich lädierten Knöchel vom Feld getragen werden musste – erkannte Ryoma, dass Smith nicht nach einer Schwäche in Fuji gesucht hatte. Sondern von der ersten Sekunde an nach seiner.

Unbewegt saß er auf der Bank, während er beobachtete, wie der Arzt Fujis Knöchel untersuchte und dabei Worte benutzte, wie Röntgen – Verstauchung – eventueller Bruch. In dem Moment riss es. Er wusste nicht genau was, doch hörte er nicht einmal auf Sanada, als dieser ihn an der Schulter berührte, um ihn zu beruhigen. Stattdessen stand er auf und fixierte Tezukas Blick.

Es dauerte vielleicht eine Minute, doch nachdem sein Buchou nickte, nahm er seinen Schläger und trat an die gleiche Position, wo eben noch Fuji gestanden hatte, bevor der Penner ihn mit einem deutlichen Faul getroffen hatte. Blind fing er den Ball vom Balljungen in der Luft, den er für einige Sekunden musterte. Die weiße Naht. Perfekt und eben, zwischen den gelben Fusseln. Mit den Fingern festigte er den Griff um den Ball, bevor er ihn gezielt in die Luft warf und Kevin direkt vor die Fußspitze schlug, wodurch er vom Court abprallte. Doch flog sein Ball nicht wie sonst auf das Gesicht seines Gegners, sondern direkt zwischen seine Beine. Und zwar perfekt abgeschätzt, sodass ihn graublaue Augen geschockt, wie erstarrt anblickten.

Natürlich hatte er nicht die Absicht gehabt, ihn vorsätzlich zu verletzen. Das bedeutete nicht, dass er ihn nicht entsprechend in seine Schranken weisen konnte. Kalt erwiderte er somit den Blick, während er den nächsten Ball in der Luft auffing und dann leicht den Kopf neigte. „Ich kann bis zum Ende so weiterspielen. Die Frage ist …“ Damit schlug er den nächsten Ball auf die gleiche Weise auf, nur dass der Ball Mikrometer das schmale Handgelenk des Blonden verfehlte und dieser daraufhin erschrocken zurück stolperte. „Willst du wirklich auf diese Weise verlieren?“

Er fing den nächsten Ball ebenso blind. Genauso blind gegenüber der angespannten Stille, die um den Court herrschte. Abgesehen von der amerikanischen Seite, wo deren Coach wüste Beschimpfungen an den Jungen ausließ. Und Ryoma beinahe Mitleid hätte … wäre da nicht der Fakt … „Denn ich will so nicht gewinnen. Und ich glaube, …“ Damit fiel sein Blick zu dem alten Sack, dem Ryoma schon ganz gerne einen Ball an die Stirn pfeffern wollte, für das, was er dem Jungen an den Kopf warf. „... dass du das ebenfalls nicht willst. Also warum ignorierst du den Penner nicht und spielst endlich richtig?“

Seine Hand mit dem Ball hob sich im selben Moment, wie Smith seinem Coach endlich mal anwies Die Klappe zu halten! … und Ryoma endlich richtig aufschlagen konnte.

Schließlich hatte er ein Spiel zu gewinnen.

~*~

Fuji konnte nicht gehen. Und damit meinte er nicht seine Verletzung. Sondern tatsächlich das Spiel vor sich. Entgegen der ärztlichen Meinung und der von Sakaki-san, konnte er nicht gehen. Nicht, weil er Ryoma nicht vertraute es auch ohne ihn zu können. Doch viel mehr, weil das, was er sah …

Der Ryoma, der auf das Spielfeld trat, das war der Ryoma, den ihm Yuuta beschrieben hatte, nachdem dieser für seinen kleinen Bruder eingetreten war. Nur mit dem Unterschied, dass er hier eiskalt und berechnend war. In der Art, wie die langen Finger den Ball blind in der Luft abfingen, ebenso wie Ryoma ihn gezielt schlug und Kevin mehr als deutlich bedrohte, aber ohne ihn dabei auch nur zu streifen … jagte selbst ihm eine Gänsehaut über den Körper.

Und hätte ihn der Blick des Jüngeren zuvor nicht bereits davon überzeugt, wie sehr ihn dieser immer noch liebte … so waren es spätestens diese achtzig Sekunden, in denen Ryoma Smith auf eine Weise denunzierte und bedrohte, wie es Fuji kaum besser hätte machen können … Diese achtzig Sekunden zeigten all dies auf, was Ryoma auf einem Court nicht akzeptieren konnte. Weil das, was er so sehr liebte, er nicht als Waffe sehen wollte.

Das wollte keiner von ihnen. Weshalb er damit für sie alle sprach.
Danach war es sowieso nur eine Frage der Zeit, wann Ryoma für sie auch gewann.

Denn ein wütender Ryoma war noch sehr viel verbissener, als ein gut gelaunter auf dem Court. Somit könnte ihn Smith leid tun, wenn dieser ihn mehr kümmern würde, als die Tennisbälle, die an diesem vorbeischossen.

„Scheint, als hätte er sich mit seiner Taktik sein eigenes Grab geschaufelt.“, merkte Yukimura neben ihn an, woraufhin Fuji leicht lächelte. Langsam drehte er den Kopf, jedoch ohne den Blick von Ryoma zu nehmen. „Danke.“, wisperte er, sich darüber bewusst, wie ihn der Blauhaarige ansah, weshalb er es erklärte. „Dafür, dass du für ihn da warst, als ich es nicht konnte.“

In dem Augenblick knallte Ryomas letzter Ball in die rechte Ecke Smiths. Holte ihren Sieg und beendete das Spiel mit 6 – 1. Stolz lächelte er, eh er zu Yukimura sah und die Augen aufschlug, um ihm tief in die violetten Augen sah, welche warm schimmerten. „Aber das nächste Mal, umarmst du ihn besser nicht direkt vor mir.“ Während Rikkaidais Buchou sachte schmunzelte, sah Fuji zu ihrem jüngsten Teammitglied zurück, der am Netz stand und die Hand des blonden Amerikaners schüttelte; dabei etwas sagte, womit dieser betroffen den Blick senkte. „Sanada hat nicht gelogen. Er ist magisch.

„Saa … allerdings.“

Zwar hatten die beiden schon damals miteinander gespielt. Allerdings stellte sich erst später heraus, nachdem Yukimura nur auf einen einzigen Satz bestand, dass der Blauhaarige noch nicht fit für ein komplettes Spiel mit Ryoma war. Daher wunderte er sich …

„Saa, hältst du es bis nächstes Jahr aus?“ Yukimura neigte bei seiner Frage den Kopf und Fuji könnte eifersüchtig werden, bei der Art, wie die violetten Augen über seinen Freund glitten. Doch war es Tennis, was der andere in den Augen stehen hatte. Ryoma würde diesen Blick somit verstehen. Fuji konnte es nur erahnen … „Nein. Aber das macht es später nur noch schöner.“

Damit erhob sich der Blauhaarige und trat auf das Spielfeld, wo er Ryoma gratulierte. Die Hände bewusst nur auf Ryomas Schultern und sich sogar an Fujis sachte Warnung hielt. Daraufhin fielen goldgrüne Augen auf ihn. Das kalte Feuer in ihnen war erloschen. Stattdessen sah er Sehnsucht. Fuji spürte, wie er automatisch schlucken musste, bei der Intensität seines Blickes. Würde sein Knöchel nicht so schmerzen, wäre er aufgestanden. So allerdings schob Ryoma seinen Schläger gegen Yukimuras Brust, der lächelnd den Griff umfasste, während der Jüngere ihn passierte und Fuji eine Sekunde später raue Handflächen an seinen Wangen spürte. Rau und doch war es die schönste Berührung, die er sich nur vorstellen konnte.

Andächtig hob er seine Hände an die schmalen Handgelenke, im selben Moment wie sich Ryomas Stirn gegen seine legte und er genießend die Augen schloss. Unter seinen Fingerspitzen pulsierte sein Puls so rasant – es fühlte sich an, als stünden sie wieder auf dem Court und der Regen würde sich über ihnen ergießen. Hart und unnachgiebig. Aber eben auch so rein, dass alles zwischen ihnen weggespült wurde. Selbst der Schmerz dessen, was gesagt wurde. „Verlass mich nie mehr.“

Es sollten seine Worte sein.
Es waren seine Worte, die er sagen wollte, seit sie so überstürzt übereinander hergefallen waren.

Tatsächlich aber sprach sie Ryoma aus. Mit der gleichen Bestimmung, wie er sich immer gewünscht hat, es selbst einmal aussprechen zu können, weil er sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen konnte. Jedoch fürchtete ihn damit zu fest zu halten, wodurch er sich losreißen würde. Endgültig.

Somit schlug er lächelnd die Augen auf und strich sanft über Ryomas Wange, bis in seinen Nacken. „Nie mehr.“, wisperte er versprechend, eh er den Kopf leicht drehte und Ryoma endlich wieder küsste. Sanft und zärtlich. So, wie er es vor zwei Tagen nicht konnte, weil er alles spüren wollte, doch nicht genug bekommen konnte. Weil alles nicht ausreichte, um die Zeit dazwischen auszumerzen. Weil nichts genug für die Zeit danach wäre. Doch nun musste er nicht mehr an die Zeit danach denken. Sondern konnte das jetzt genießen.

Und jetzt … küsste ihn Ryoma inmitten ihres Teams, vor ihren Feinden und vielleicht neuen Freunden. Jetzt, … war es ein richtiger Start, weil sie exakt am gleichen Punkt standen.

Ihr Team wusste nicht, worüber sie sich mehr freuen sollten. Über den Sieg, der durch Echizen tatsächlich spektakulär geworden war. Oder, dass Fuji und Echizen endlich wieder zusammen waren. Wahrscheinlich war es irgendetwas dazwischen. Besonders weil sie ihre beiden Freunde gern hatten und ihnen nur das Beste wünschten. Und das Beste … waren die beiden füreinander.

~*~

Ryoma war mehr als müde nach diesem Turnier. Weniger physisch, als mental. Dabei hätte er wirklich nicht gedacht, dass es ihm so wehtun würde. Die Trennung von Fuji. Nicht, dass er sich darüber je viele Gedanken gemacht hatte. Es war nur etwas, das ihn manchmal in sehr ruhigen Augenblicken von hinten zu überfallen schien. Die Tatsache, wie aufmerksam und zärtlich der Ältere stets ihm gegenüber war. Ryoma es jedoch nie so zurückgeben konnte, wie er es verdiente … Weshalb er sich wirklich manchmal nicht davon abhalten konnte, zu glauben, Fuji würde irgendwann jemanden finden, der einfach besser zu ihm passte. Jemand, der nicht Tennis an oberster Stelle sehen würde.

Aber das, was auf dem Court passiert war …
Die Tatsache, dass Fuji wegen ihm verletzt worden war, machte es ihm so einfach zu erkennen, dass es nicht ganz oben stand. Nicht mehr.

„Schläfst du schon?“, fragte Fuji zärtlich sowie sehr leise, wobei Ryoma sofort spürte, wie sich neben ihm seine Matratze absenkte. Langsam rollte er sich auf den Rücken, um dem Älteren sanft in die azurblauen Augen zu sehen, die er im gedimmten Licht seiner Nachttischlampe sehen konnte. „Hab gewartet.“, murmelte er müde, während er die rechte Hand hob und mit ihr Fujis nasse Strähnen aus der Stirn strich. Sogleich nahm er den sachten Druck wahr, wonach sich Fuji an seine Handfläche schmiegte. Jedoch ohne den Blick von ihm zu lösen. „Was ich da sagte … dass es besser wäre, du würdest – ...“ Fuji schüttelte sofort den Kopf, doch Ryoma musste es loswerden. Wobei er sich etwas aufrichtete und mit dem Rücken gegen sein Kopfteil lehnte. Die Hände faltete er unsicher auf seinem Schoß. „Nachdem mein Bruder starb, war Tennis alles, was ich hatte. Ich wollte … mich nie mehr so fühlen. Und ich denke, meinem Vater geht es ebenso. Deswegen sind wir nicht … so familiär miteinander. Aber deshalb … manchmal denke ich, du verdienst jemanden, der dir mehr geben kann.“

Fuji musterte ihn lange und sehr intensiv, sodass Ryoma irgendwann den Blick senken musste, um wieder atmen zu können. Daher beobachtete er auch, wie sich Fujis rechte Hand auf seine legte. Warm und behutsam. „Du gibst mir doch schon alles, was ich brauche.“ Skeptisch zogen sich seine Augenbrauen zusammen, doch schmunzelte Fuji nur zärtlich, als dieser sich zu ihm lehnte und er warme Lippen auf seiner Stirn spürte. Gefolgt von langen Fingern, die durch seine Nackenhaare streichelten. „So, wie du bist, Ryoma, … und kein Stück anders. Genau so liebe ich dich. Deinen Sarkasmus, ebenso wie deine Verbissenheit. Selbst diese Eigenart von dir so zu tun, als würdest du mir manchmal nicht zuhören, weil ich zu viel rede und du eigentlich nur schlafen willst … sogar, wie du deine schönen Augen rollst. Alles und noch viel mehr.“

Ryoma schluckte hart, schob aber die Finger langsam durch Fujis hindurch, wodurch ihm selbst dort ihre Unterschiede auffielen. Fujis Finger so lang, filigran und einfach makellos, bis auf die Hornhaut, die vom Tennisspielen kam. Doch Ryomas waren etwas kürzer, hatten hier und da Narben, weil er nicht so elegant wie Fuji war. Stattdessen sich haltlos in alles hineinstürzte … wahrscheinlich fand Fuji auch daher immer die perfekten Worte, während Ryoma … „Jetzt klingst du wieder kitschig.“, wie ein Vorschlaghammer klingen konnte. Fuji jedoch schmunzelte nur wieder und küsste sich von seiner Stirn, hinab zu seinen Lippen. „Saa … ich weiß. Und du liebst es.“, wisperte der Ältere gegen sie, was nicht gelogen war. Ryoma liebte seine Komplimente, auch wenn sie kitschig klangen, erfüllten sie ihn mit einer Freude, die es ihm unmöglich machte, Fuji nicht zu küssen.

Einen Moment später lagen sie zusammen eng aneinander geschmiegt im Bett. Ryoma auf seiner üblichen Position auf dem Tensai, während dessen Hände über seinen gesamten Rücken glitten. „Saa … warst du eigentlich schon immer so … sadistisch?“, wurde er unmittelbar gefragt, woraufhin er leicht perplex blinzelte. „Hm?“ Den Kopf drehend, sah er auf in tiefes Azurblau. Fuji jedoch lächelte nur, wobei die warmen Fingerkuppen immer wieder unter den Bund seiner Shorts fuhren. Neckisch wie prüfend. „Deine Aufschläge … ich hab dich noch nie so furios und wütend gesehen. Das war scharf.“

Ryoma blinzelte. Dann wurde er knallrot und verdrehte die Augen schnaubend. „Und du bist pervers. Er hat dich absichtlich verletzt, was hast du denn gedacht, wie ich reagiere?“

„Nicht so.“, erwiderte Fuji ernst. Im nächsten Moment lächelte Fuji jedoch wieder und strich ihm sanft durch die Haare. „Wie kannst du nur glauben, es gäbe jemand Besseres für mich.“ Der echte Unglaube in der warmen Stimme ließ seine Wangen erneut warm werden, bevor er murrend den Kopf zurück auf Fujis warme Brust absenkte und mit den Fingern unter den Ärmel des T-Shirts fuhr, das sein Freund trug und dort die weiche Haut an seinem Oberarm streichelte.

Damals konnte ihn nichts von diesen Gedanken abbringen, die ihn überrumpelten.
Doch nach dieser Nacht, erkannte Ryoma, dass sie abwegig waren und wann immer sie sich bemerkbar machten, er sie ohne weitere Zweifel abwehren konnte. Natürlich würde es Augenblicke geben, in denen eine andere Person sensibler reagiert hätte. Oder netter … aber am Ende waren es nicht diese, die Fuji viel bedeuteten. Die Momente, in denen er manchmal mit einer Intensität die Tatsache entgegen geschmettert bekam, wie sehr Ryoma ihn liebte … das waren die, die wirklich zählten.

Wie, wenn sich nach viel zu langer Zeit Yuuta wieder bei ihm meldete und ihn fragte, wie es ihm ging. Die Kaktee, die er in einem Katalog mal gesehen und beiläufig erwähnt hatte, sie ihm aber zu teuer war oder seine Schwester meinte, er hätte doch schon so viele, nur um jene bei Ryoma am Fensterbrett zu entdecken. Aber das Eine, was ihm bislang am Meisten etwas bedeutet hatte, war der Augenblick, in dem sich eines Tages, während ihres Weges durch die Stadt, Ryomas Hand fast schüchtern in seine legte und die langen Finger sich zärtlich zwischen seine schoben.

~*~ Fin ~*~
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