Desperate

von Kosakoni
OneshotDrama, Romanze / P18 Slash
06.12.2018
06.12.2018
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Violette Augen schimmerten leicht vor unterdrückten Schmerz. Ein zartes Lächeln lag auf dünnen, doch immer noch sinnlich wirkenden Lippen. Zarte, grazile Hände lagen auf einer hellblauen Decke; die Haut fast weiß, hob sich in einer delikaten Weise davon ab. Seidig glänzende, taubenblaue Strähnen fielen in ein ebenso weißes, wunderschönes Gesicht, welches seine Härte verloren hatte. Stattdessen wirkte es resigniert und müde. „Werden wir gewinnen?“, fragte die zarte Stimme, welche noch nie so zerbrechlich geklungen hatte, noch wie ein Wispern im Wind, als die, welche für gewöhnlich stark und kämpferisch Befehle aussprach, ohne den Tonfall anheben zu müssen.

Sanada musste hinter dem Rücken die Hände, welche ineinander lagen, zu Fäusten ballen, um sich zu beherrschen. Seine erst frisch geschnittenen Haare, fielen ihm ein wenig in die Stirn, als er den warmen Blick seines Buchous und Freundes erwiderte. Die Wahrheit war, dass er nicht wusste, ob sie gewannen. Denn es gab da ein Problem, von dem er nicht sicher war, ob es Seiichi erreicht hatte. Aber die bisher einzige Mannschaft gegen die sie noch nicht gespielt hatten, war nun im Finale der Nationals und Sanada glaubte, es lag an diesen einem Spieler, der ebenso leidenschaftlich spielte, wie Seiichi es einst konnte. Der ebenso talentiert, wie kämpferisch war, wie die Person, in die er sich ohne sich dem verwehren zu können, verliebt hatte. Doch eine andere Wahrheit war, dass er alles in seiner Macht tun würde, um ihren Sieg zu erbringen. Nicht für ihn. Nicht mal für das Team. Doch für die eine Person, der es mehr als alles andere Hoffnung geben würde. „Ja.“, sagte er daher mit so viel Bestimmung in der Stimme, wie er es aufbringen konnte. Und sogleich wurde aus dem zarten Lächeln, ein hoffnungsvolles, während der seichte Schmerz in den violetten Augen, durch aufrichtige Freude sowie Stolz ersetzt wurde. „Ich wusste, dass du uns soweit bringen würdest, Genichirou.“

Die Benutzung seines Vornamens ließ ihn ein wenig verlegen den Blick senken, woraufhin Seiichi zart schmunzelte. Es klang wie die schönste Melodie, die er jemals vernommen hatte, glaubte Sanada, als kühle Fingerspitzen über seinen Unterarm fuhren, ihn dazu brachten, dass er seine Hände löste. Sofort fuhr die weiche Handfläche über die Innenseite seines Arms, über sein Handgelenk, bis die langen, zarten Finger sich zwischen seine schoben und ihn dann sanft näher an das Bett zogen. Sanada schluckte etwas, bevor er sich von Seiichi näher ziehen ließ, obwohl er sich jeden Augenblick dagegen lehnen oder wehren könnte, wenn er es denn wollte. Doch so, sank er auf die Bettkante, neben Seiichis Körper, der noch nie so schmal, so verwundbar noch klein gewirkt hatte, wie jetzt und hier. „Hör auf mich so anzusehen.“, wisperte Seiichi zärtlich, mit einem immer noch sanften Lächeln auf den Lippen, eh er sich etwas aufsetzte, und bevor Sanada die Chance bekam, ihm zu sagen, sich nicht anzustrengen, legten sich die kühlen, weichen Fingerspitzen der anderen Hand hauchzart über seine Lippen und sein Buchou schüttelte den Kopf. „Ich weiß, was du denkst und ich will, dass, egal was passiert –...“

„Nein.“, sagte Sanada entschieden und umfasste dann zum ersten Mal das zarte Handgelenk mit seiner gewohnten Stärke, wodurch die violetten Augen sich etwas weiteten und er es sofort losließ, aber dann legte Seiichi dieselbe Hand auf seine Wange und dessen kühle Stirn lehnte sich gegen seine. „Ich mag es, wenn du mich nicht wie eine zerbrechliche Vase behandelst, Genichirou.“, hauchte sein Freund, woraufhin er beschämt den Kopf abwenden wollte, doch ließ es Seiichi nicht zu. „Wir wissen doch beide, … wie die Chancen um meine Genesung sind. Mich so anzusehen, wird daran nichts ändern.“

Er schloss langsam die Augen, während Seiichis Hand an seiner Wange wärmer zu werden schien und er sich nicht zurückhalten konnte, sich dagegen zu schmiegen. Es erinnerte ihn an intime Momente nach dem Training, damals, als sie beide nicht wussten …

„Ich ertrage es aber nicht, … dich nicht kämpfen zu sehen.“, wisperte er, bevor er die braunen Augen wieder aufschlug und in Seiichis violette sah. „Bitte. Ich kann das nicht ohne dich.“

„Genichirou …“ Seiichis Stimme klang wieder hauchzart – wie ein Flehen. Aber Sanada wollte ihn nicht flehen hören. „Ich weiß aber nicht –...“

„Doch! Du musst einfach. Bitte, du musst einfach kämpfen. Du kannst mich nicht … du darfst mich nicht verlassen!“, bestimmte er hart, während seine Augen brannten, wie sie es sonst nur in sehr dunklen Nächten taten, wenn er es nicht mehr unterdrücken konnte. Einfach, weil der Schmerz um das, was er dabei war zu verlieren, zu groß war.

„Ich hab Angst zu hoffen. Auf das danach nichts mehr ist.“ Seiichis Blick senkte sich, und es tat so weh, dass er sich fragen musste, ob es für seinen Freund normal war, so einen Schmerz zu spüren. Der einen innerlich auffraß und übermannte. Doch umfasste er schließlich die Finger, welche seine immer noch umschlossen hielten, fester, so, wie er Seiichi früher berührt hatte und so, wie er es sich seit der Diagnose nicht mehr traute, weil er Angst hatte ihm wehzutun. „Es geht mir ebenso. Doch ist für mich die Hoffnung alles, was bleibt. Weil ich mir eine Welt ohne dich an meiner Seite nicht vorstellen will. Es nicht kann. Ich will … ich verlange, dass du kämpfst, Seiichi. Für mich. Für unser Team. Dafür, dass wir in zwei Jahren um diese Zeit auf dem Court stehen und die Nationals gewinnen. Gemeinsam.“

„Gewinne für mich und ich kämpfe.“, hauchte Seiichi, was ihm den Atem nahm. Er öffnete den Mund, doch sein Freund überbrückte den Abstand und küsste ihn zärtlich. Sogleich spürte er die Hitze in sein Gesicht steigen, bevor er seine Augen genießend schloss und auf die zärtliche Liebkosung einging. Dabei seine freie Hand sanft in Seiichis Nacken schob, wo die seidenen Strähnen seine Finger kitzelten.

Es war eine fast schon grausame Art von ihm, Seiichis Überlebenswillen abhängig zu machen. Doch gleichzeitig kannte er die Diagnose. Er wusste, was die Ärzte sagten. Wie groß die Chancen waren, dass Seiichi überhaupt diese Operation überleben würde. Geschweige denn durch den Eingriff kam, ohne direkt … Allerdings wusste er, dass sich Seiichi auch nichts mehr wünschte, als dass ihr Team die Nationals gewann. Das war sein Traum gewesen, und somit würde Sanada absolut alles machen, nur um es ihm möglich zu machen, dass dieser Traum wahr wurde und er endlich beginnen konnte zu kämpfen. Denn er wusste, würde Seiichi nicht mehr sein, würde er einen der ihm wichtigsten Menschen in seinem Leben verlieren und den einen Grund, der ihn stets im Tennis immer besser und besser werden ließ. Der ihn motivierte und antrieb besser zu werden. Der ihn dazu brachte, Tennis fast so sehr zu lieben, wie er Seiichi liebte.

Als er sich ein paar Stunden später auf ihrem Akademiegrund wiederfand und einem schwarzhaarigen Lockenkopf entgegen trat, dann nicht, weil er sich auch nur eine Sekunde darüber Gedanken machte, vielleicht jemanden ernsthaften schaden zu wollen, sondern einzig alleine daran dachte, dass Seiichi kämpfen musste ...

Dass sie gewinnen mussten.
Egal wie.

„Ich habe einen Gegner für dich, Kirihara. Und ich verlange, dass du gegen ihn gewinnst.“
„Wirklich? Wer?“

Hoffnungsvolle große, grüne Augen funkelten ihm euphorisch entgegen, und für einen Augenblick zögerte Sanada, bevor ihm wieder in den Sinn kam, wie zart und zerbrechlich sich Seiichis Handgelenk in seiner Hand angefühlt hatte. Und in der Entscheidung, jemanden bewusst beim Tennis zumindest soweit zu verletzen, dass dieser aufgeben müsste, gegen das Leben seines Buchous, den er so sehr liebte, … war es für ihn fast zu einfach das Falsche zu tun.

„Echizen Ryoma. Eine Niederlage wird nicht toleriert.“

~*~

„Saa, ist dir aufgefallen, wie Kaidoh in Inuis Nähe immer rot wird?“, fragte Fuji lächelnd hinter ihm, wobei Ryoma mit den Augen rollte. „Das ist mir so was von egal.“, murmelte er erwidernd, während er sich sein Jersey über den Kopf zog und hinter sich ein leises Kichern vernahm. „Aber, aber, Ryoma-kun. Interessiert es dich denn gar nicht, wer wem seinen Schläger unterschiebt?“

Ungläubig drehte er sich zu Fuji herum, der hinter ihm auf der Bank – welche zwischen den beiden Fächerreichen stand – amüsiert anblickte. Dabei völlig schamlos seinen Blick über ihn gleiten ließ. „Nein, absolut nicht und dich sollte es auch nicht interessieren.“, damit drehte er sich wieder um und überlegte nicht lange, um zu wissen, dass er zuhause duschen würde. Schließlich hatte Tezuka ihm heute nicht mal ein ordentliches Spiel geliefert. Einen Satz gegen Arai sollte er spielen. Warum auch immer. Es hatte nicht länger als zehn Minuten gedauert und Ryoma war nicht befriedigt. „Saa, aber das sind unsere Freunde. Umso wichtiger ist, es so was zu wissen.“

Ryoma atmete tief durch. Dann schlüpfte er in das weiße Hemd seiner Schuluniform, im selben Augenblick, wie er sich zu Fuji drehte und in seine azurblauen Augen sah. Der heckte wieder irgendwas aus, dachte Ryoma skeptisch. „Ist dir mal in den Sinn gekommen, dass es Personen gibt, die eben Wert auf ihre Intimsphäre legen.“

„Saa, nein, wieso?“, fragte Fuji, während sich das Azurblau zu intensivieren schien und Ryoma war so kurz davor, sich wie Tezuka an das Nasenbein zu fassen. „Vielleicht wollen Inui-senpai und Kaidoh-senpai nicht, dass man von ihrer Beziehung weiß, weil sie von dir dann in Verlegenheit gebracht werden würden.“ Im gleichen Moment wie Ryoma das ausgesprochen hatte, grinste Fuji zufrieden und lehnte sich auf der Bank zurück auf seine Handflächen und Ryoma wusste er hatte zu viel gesagt. „Beziehung, saa … darauf wäre ich nie gekommen.“

Ryoma fuhr sich mit dem Zeigefinger zwischen die Augenbrauen und schloss angestrengt die Augen. Doch bevor er in die Versuchung kommen konnte, seinen Nasenrücken in einer typisch Tezuka-nischen Manier zu massieren, wurde sein Handgelenk zärtlich umfasst und er wurde ohne Umschweife auf den Schoß des Älteren gezogen. Automatisch fuhr seine freie Hand auf Fujis Schulter, während seine Knie außerhalb der schmalen Hüften rutschten und er damit über dessen Schoß saß. Mit sich rötenden Wangen, blickte er so giftig wie er nur konnte, in amüsiert funkelnde, blaue Augen. „Saa … dieselbe Gestik fing Tezuka an, da hab ich ihn grade in der Vorschule kennengelernt.“

„Ja, ich frag mich wieso.“, entgegnete er ohne weiteres, woraufhin Fuji kicherte und zu ihm aufsah. Zugegeben, Ryoma mochte es insgeheim auf dem Älteren zu sitzen, weil er dann über ihm war. „Saa … also Intimsphäre … Ist das der Grund, warum noch keiner wissen soll, wo mein Schläger –...“ „Fuji!“, warnte Ryoma seinen Freund, dessen Fingerspitzen über seine Seite tanzten, während die blauen Augen amüsiert blitzten. Dann aber rollte Ryoma mit den Augen, bevor er an Fuji vorbei blickte, weil Folgendes etwas war, das er eben nicht gerne offen zugab. „Ich will das Team nicht damit involvieren.“

„Saa, ich würde dich doch nie teilen.“, schnurrte Fuji, während die Finger an seinem Handgelenk, über seine Haut dort streichelten, und er sich wirklich fragte, warum er sich auf ihn eingelassen hatte. „Idiot. Ich meinte zum Beispiel die Sache zwischen Oishi-senpai und Eiji-senpai letzten Monat. Nach ihrem Streit war es für eine Woche total unangenehm, bis sie sich wieder versöhnt haben.“ Ryoma meinte, das war ein gutes Beispiel. Schließlich waren die beiden die absolut besten Freunde. Und nachdem Oishi wohl irgendetwas getan hatte, was Eiji verletzte, schien es für Ryoma fast unmöglich mit einem der beiden zu reden, ohne sich der anderen Person gegenüber schuldig zu fühlen. Schließlich mochte er beide Senpais.

Doch die Art, wie Fuji ihn plötzlich angrinste … „Saa … du magst mich.“, sang Fuji neckisch, woraufhin Ryoma genervt schnaubend den Kopf schüttelte und gleichzeitig von Fujis Schoß aufstand. „Oh Gott.“ Und das offensichtlich keine Sekunde zu spät, denn es ging im selben Moment die Tür zum Clubhaus auf, gefolgt von Momoshirous bellender Stimme, welcher Kaidoh als Idioten bezeichnete und alles schien wieder wie gewohnt. Doch wenn die warmen Fingerspitzen für eine Sekunde länger um sein Handgelenk verweilten, bevor sie es sanft entließen, so ließ es Ryomas Herz für einen Moment schneller schlagen. Gab es ihm das Gefühl, dass es Fuji wirklich egal wäre, sollte jemand von ihnen erfahren. Und an sich war es ihm auch egal, was die anderen dachten. Nur … lag ihm an diesem Team, diesen wirklich netten Personen, tatsächlich etwas. Und darum wollte er niemandem wehtun. Ob nun bewusst oder unterbewusst.

Kurz bevor ihn sein bester Freund schließlich in Eile sowie stetigen Hunger nach Burgern, praktisch aus dem Clubhaus zerrte, fiel sein Blick noch für eine Sekunde auf azurblaue Augen, welche warm und zärtlich schimmerten, bevor sie sich verschlossen und Tezuka zuwandten. Allerdings brauchte Ryoma nie wirklich viel. Aber als er am Abend, nachdem er sich in seine Decke und an Karupin kuschelte, eine Nachricht auf sein Handy geschickt bekam und die Worte auf dem Display las … fand er es doch ganz schön. Auch mal mehr als einen einzigen Blick zugesandt zu bekommen.

Ich mag dich auch, Ryoma.

~*~

Die Tür zu seinem Zimmer war noch nicht einmal im Schloss, da pressten sich weiche Lippen auf seine, und Ryoma krallte seine Finger atemlos in das Jersey, das Fuji trug. Alles in ihm prickelte und kribbelte, noch sehr viel mehr als bei ihrem Spiel eben. Es frustrierte ihn zwar ungemein, dass sein Vater sie so sehr genervt hatte, dass Ryoma es besser fand ihr Spiel zu unterbrechen, als diesem weitere Angriffsflächen zu bieten. Aber das war nichts, das der Tensai nicht wieder wett machen konnte. Schließlich schob er Fuji von sich, jedoch nicht so weit, dass sie den Kuss lösten, sondern nur so weit, wie dieser kurz darauf die Bettkante spürte, gegen die er ihn drängte. Bis Fuji darauf fiel und er sich auf dessen Becken setzte. „Saa … wir sind heute aber besonders energisch.“, keuchte Fuji mit einem deutlichen Grinsen in der Stimme, das Ryoma leicht rot werden ließ. Aber er ignorierte es weitestgehend. Stattdessen rutschte er über das Becken Fujis, woraufhin sich dessen Hände sofort an seine Hüften legten, um sie festzuhalten. „Hat dich unser Spiel so heiß gemacht?“, fragte der Ältere etwas atemlos, was Ryoma tatsächlich mit einem frechen Grinsen quittieren musste.

„Nein, aber ich will zumindest einen Höhepunkt am Tag haben.“ Und tatsächlich brachte ihm das ein Blinzeln ein, bevor er sich plötzlich auf dem Rücken wiederfand, mit Fuji zwischen seinen Beinen sowie honigbraunen Strähnen, welche ihm etwas feucht in die Stirn fielen, ihn aber ganz und gar nicht störten. Denn feucht, bedeutete er hatte Fuji ins Schwitzen gebracht. Was wiederum bedeutete, dass sich der Tensai anstrengen musste. Und das … liebte Ryoma. Wenn er den Tensai an seine Grenzen bringen konnte. Er alleine und kein anderer. „Saa … ich werd dir einen Höhepunkt geben.“, versprach ihm Fuji dunkel, während die azurblauen Augen intensiv funkelten und Ryoma sich atemlos auf die Lippen biss. Das hier war der Grund, warum er sich mit Fuji eingelassen hatte.

Was aus harmlosen Neckereien entsprang, nachdem das Spiel im Regen bei ihnen einen Funken entfachte, der sie einander immer näher und näher brachte, ließ aus dem Funken ein fast schon loderndes Feuer werden. Und irgendwie führte ein harmloses meine Schwester macht heute Sushi, möchtest du vielleicht dazu kommen? zu Ich zeig dir meine Kakteensammlung was ihm wiederum einen blutigen Finger bescherte, weil diese Monster echt scharf waren und Saa, ich helf dir dazu führte, dass Fuji seinen Zeigefinger in den Mund nahm und Ryoma fühlte sich irgendwie belästigt und gleichzeitig so atemlos, wie noch nie außerhalb eines Courts. Es endete mit Fujis Lippen auf seinen und nie hatte er es so wenig bereut, zu neugierig und frech zu sein.

Schließlich trieb sie das beide an.

Wie jetzt auch, als Fujis Hand von seiner Hüfte, sich geschickt unter den Bund seiner Trainings- sowie seiner anderen Shorts schob und seine Erregung umfasste. „Saa … und schon so hart.“, raunte Fuji gegen seine Lippen, während er mit dem Daumen über seine Spitze fuhr und Ryoma muss sich ernsthaft beherrschen. „Die Dinge, … die ich mit dir anstellen will, Ryoma ...“, wisperte Fuji, die Hand dabei schneller bewegte, wobei er nicht sicher war, ob er sich mehr an den Tensai krallen sollte oder sein Becken gegen die Hand drängen. „Saa, ich wünschte wir währen ganz alleine.“ Ryoma antwortete mit einem atemlosen Keuchen und krallte sich in Fujis Nacken, als dieser über seinen Hals küsste und dann sinnlich darüber leckte. Seine Füße stemmten sich etwas von seiner Matratze ab, damit er in Fujis Hand stoßen konnte. Dann aber spürte er Fujis Erregung an seinem Oberschenkel und er fiel in ein berauschendes Weiß. Um sein Stöhnen zu unterdrücken, küsste Fuji ihn leidenschaftlich, während er zitternd in dessen Hand heftig kam. Fast schon so intensiv, dass er glaubte nichts anderes mehr wahrzunehmen, als Fuji und dieses Rauschen.

Kurz darauf löste der Tensai den Kuss und Ryoma spürte seine feuchten Haare, über sein Schlüsselbein kitzeln, als dieser die Stirn schwer atmend gegen ihn lehnte. Es war nicht das erste Mal, das ihn Fuji zu einem Höhepunkt brachte, allerdings glaubte Ryoma, würde er sich nie an dieses spektakuläre Gefühl gewöhnen können. Doch wurde er sich darüber bewusst, wie hart Fuji immer noch war und somit glitt er mit der Hand, mit der er sich irgendwann in den Arm des Älteren gekrallt hatte, in dessen Shorts, wo er die feuchte Länge umschlang und kurz darauf Fujis abgehakten Atem auf seiner feuchten Haut spürte. „Ryoma ...“, wisperte dieser leise und er schauderte. Ihre Blicke trafen sich, sobald sich Fuji über ihm wieder etwas aufsetzte. Ryoma ihn jedoch im Nacken zurückzog und dann so intensiv, wie er es eben ohne ausreichend Sauerstoff in den Lungen konnte, küsste. Dabei bewegte er seine Hand ebenso geschickt, schnell und feste, wie es ein erfahrener Tennisspieler am Besten konnte und er dabei bemerkte, wie die warme, feuchte Flüssigkeit immer mehr wurde. Dann löste Fuji den Kuss ruckartig und Ryoma beobachtete fast schon fasziniert, wie sich dessen Lider zusammenkniffen und Fuji den Kopf in den Nacken warf, dabei sein Becken gegen Ryomas Hand zuckte, in der die Erregung mit einem mal heftig pulsierte und seine Hand einsaute.

Langsam zog Ryoma diese zurück, wo er die klare Flüssigkeit einen Moment musterte, bevor er sich über die Finger leckte und dann kurz darauf einem fast schon überwältigten, wie erregten Ausdruck aus azurblauen Augen begegnete. „Lust auf einen zweiten Satz?“, fragte Ryoma, nachdem er seinen Zeigefinger sauber aus dem Mund gezogen und sich leicht über die Lippen leckte. Dabei den Tensai aus großen, unschuldig wirkenden goldgrünen Augen sah, doch dahinter eine ganz eindeutige Absicht lag.

„Saa … mit dir immer.“

~*~

„Was ist hier passiert?“, fragte Fuji ihn am nächsten Tag sanft, während Ryoma gerade an einer Chemieaufgabe arbeitete. Was aber nicht so einfach war sich zu konzentrieren, wenn warme, fast schon zu zärtliche Fingerspitzen über seine Handgelenkinnenseite glitten. „Was?“, etwas verwirrt drehte er den Kopf zu Fuji, der neben ihm saß. Dessen Chemieorder war zwar aufgeschlagen, aber fand er offensichtlich Ryomas linkes Handgelenk sehr viel interessanter. Wie gut, dass er mit rechts schrieb. „Hier … was ist passiert?“ Fujis Daumen fuhr andächtig und sanft über eine Narbe, die knapp unter seinem Handgelenk lag und nur sehr unscheinbar war und man eigentlich nur dann sah, wenn man genauer hinblickte. Schließlich war seine Haut auch sehr hell.

Doch was ihm in dem Moment wirklich so sehr einnahm, war weder die zarte Berührung, noch die Frage, sondern die Tatsache dass, so wie Fuji ihn ansah, es ihn wirklich interessierte. Und es nicht einfach nur eines dieser Ablenkungsmanöver war, um Ryoma anzufassen oder ihn von der Schule abzulenken. Schließlich richtete er sich ein wenig auf, um dem Blick aus azurblauen Augen begegnen zu können, ohne dabei gleichzeitig die Chemieaufgaben aus dem Augenwinkeln anzusehen. „Senpai lacht auch nicht?“

„Saa, ich würde doch nie über eine deiner Verletzungen lachen.“ Vielleicht nicht über die Verletzung per se, dachte Ryoma. Aber die Art … Für einen Moment musterte er noch Fuji, welcher ihn aber wirklich aufmerksam, und für seine Verhältnisse ernst anblickte, womit er den Stift zur Seite legte und alleine an einem warmen Funkeln in den blauen Augen erkannte, wie sich Fuji über seine Aufmerksamkeit sowie das Vertrauen freute. Nachdem Ryoma sich dem Brünetten also ein wenig mehr zugewandt hatte, der sein Handgelenk immer noch so andächtig berührte, versuchte er sich für einen Moment genauer daran zu erinnern. „Ich glaub ich war sieben? Ich hab bei uns im Garten Tennis gespielt, während Okaa-san Rosen eingepflanzt hat und dafür kaputtes Porzellan in die Erde steckte.“

Fuji nickte knapp . „Saa, Tonscherben. Ihre Mineralien sind essenziell für wunderschöne und langlebige Rosen.“ Ryoma erwiderte den begeisterten Blick desinteressiert. „Wahnsinnig interessant. Auf jeden Fall bin ich mit dem Handgelenk auf sone Scherbe gefallen, hab mir mein Handgelenk aufgeschnitten und das war's.“

Der Tensai schmunzelte zunächst durch seinen Sarkasmus, lächelte dann aber aufgrund seiner raschen Beendigung, während sein Daumen über die Stelle fuhr. Dann neigte er seinen Kopf und musterte sie erneut. „Saa … wie hast du das geschafft, wenn du Tennis gespielt hast?“, wisperte dessen warme Stimme gegen sein Handgelenk, bevor er mit seinen weichen Lippen darüber fuhr und Ryoma fast der Atem stockte.

„Der Idiot hat sich den eigenen Schläger ins Gesicht geschlagen, darum.“, lachte sein trotteliger Vater, während Ryoma mit stark geröteten Wangen, Fuji sein Handgelenk entzog und sich dann zu seinem Vater drehte, der sie gar nicht beachtete, sondern gerade zum Kühlschrank ging, um sich Essen raus zu holen. Fuji schmunzelte leise. Bastard! „Vielen Dank für die Anteilname, Ô-to-san.“, schnaubte er besonders verächtlich, woraufhin Fuji ihn amüsiert betrachtete, und Nanjiroh sich zu ihnen drehte und begeistert grinste. „Ne, danke dir, Seishonen für so viele witzige Unfälle.“ Fassungslos schüttelte Ryoma den Kopf und blickte Fuji an. „Unglaublich. Und so was nennt sich Vater.“, schimpfend wandte er sich wieder Chemie zu, dabei die Erinnerung zurück drängte – an enorm viel Blut und seiner Mutter die zu geschockt war, um zu reagieren. Aber dafür einen rationalen, wenn auch Witze reißenden Nanjiroh, der sofort einen Druckverband aus seinem eigenen Schweißband anlegte, bevor er ihn auf die Arme nahm und zum nächsten Krankenhaus rannte. Ihm dabei lustige Sachen erzählte, damit Ryoma aufhören würde zu weinen und den Schmerz vergaß …

Kurz darauf fielen große Hände auf seine Schultern, woraufhin er giftig nach oben sah und Nanjiroh ihn jedoch nicht angrinste, sondern Fuji.

„Sag, Fuji-kun, hast du vielleicht – ...“
„Nein, hat er nicht.“
„Sagtest du nicht ihr seid im gleichen – ...“
„Ja, das bedeutet aber nicht, dass er Lust hat mit einem Idioten zu spielen.“
„Saa ...“

Am Ende spielten die beiden nicht. Aber Nanjiroh packte stattdessen Fotoalben aus und Ryoma knallte seine Zimmertür zu, um der Scham zu entgegen. Sollten die beiden Trottel doch machen was sie wollten …

~*~

„Echizen!“, verlangte die dunkle Stimme ihres Buchous und zwar sehr deutlich und klar, woraufhin Ryoma leicht perplex blinzelte. Er konnte sich nicht daran erinnern heute irgendwie Unsinn gemacht zu haben. Mal abgesehen von dem kleinen Intermezzo mit Fuji hinter dem Clubhaus, war er wirklich brav gewesen. Genau darum tauschte er auch einen kurzen, fragenden Blick mit dem Tensai aus, dessen Lächeln an den Mundwinkeln kaum merklich zuckte, Keine Ahnung, signalisierte und Ryoma zupfte an seiner Kappe. „Ja, Buchou?“

„Lässt du uns bitte alleine, Fuji.“ Auf diese Bitte hin öffneten sich azurblaue Augen, woraufhin Ryoma schluckte und dann beobachtete, wie sein Freund die Umkleide verließ. Tezuka wartete einige Sekunden, nachdem Fuji weg war, eh er ihm andeutete, sich auf die Bank zu setzen. Nur widerwillig tat er dies. So wie Tezuka ihn musterte, schien es ja irgendetwas Wichtiges zu geben …

„Was läuft zwischen dir und Fuji?“, fragte Tezuka in einem Tonfall, der keine Ausreden zuließ. Und erst recht keine Lügen. Dennoch setzte sich in seinem Bauch so ein merkwürdiges Gefühl fest. Denn … wenn er ehrlich mit sich war, wusste er selbst nicht genau, was es war. Nur, dass er wortwörtlich verrückt nach Fuji zu sein schien.

„Wieso ist das denn von Belang?“, fragte er somit vorsichtig zurück, nachdem er seine Kappe abgenommen hatte. Sie mit Tezuka selten brauchte, weil er glaubte seinen Buchou inzwischen einen Freund nennen zu können. Dieser löste die Verschränkung seiner Arme, blieb jedoch vor ihm stehen, was ihn ein wenig sorgte.

„Es ist von Belang, weil es das Team betrifft, Echizen, wenn Fuji dir wehtut.“ Die Worte waren ziemlich deutlich und ziemlich unmissverständlich. Dennoch … Ryoma verstand nicht, was Tezuka andeuten wollte. Wieso sollte Fuji ihm wehtun? Aber bevor er fragen konnte, fuhr der Brillenträger fort. „Aber ich sage dir das nicht alleine als dein Buchou, sondern als Freund, Echizen. Fuji … hat bisher noch nie irgendetwas richtig ernst genommen. Also, was auch immer da ist, beende es, bevor es außer Kontrolle gerät.“ Damit drehte sich Tezuka herum und verließ die Umkleide, während Ryoma sprachlos gen den Fleck starrte, wo dieser zuvor noch gestanden hatte. Sein Herz raste und sein Puls rauschte ihm in den Ohren. Er dachte an die zärtlichen Küsse von heute. Und Fujis Hände auf seiner Haut. Welche ihn nie zu irgendetwas gezwungen oder gedrängt hatten. Er dachte an die weiche Stimme an seinem Ohr, die seinen Namen wisperte, als würde er etwas bedeuten und an …

Ich mag dich auch, Ryoma.

Doch dann dachte er an die Momente, in denen ihn Fuji berührte, obwohl jemand anwesend war. Subtil und dennoch es wagte, Nähe zu initiieren. Daran, wie er grinste und sich über die Gefahr amüsierte. An dessen Aussage wie viel Spaß sie hatten und wie aufregend Ryoma war … Und er fragte sich, was passieren würde, sollte vielleicht aufregend, nicht mehr aufregend genug sein …

„Ist alles okay?“ Eine warme Berührung an seiner Schulter, ließ ihn leicht zusammenfahren, wodurch er Fuji für einen Moment anstarrte, eh er knapp nickte und sich der warmen Berührung entzog, indem er aufstand. „Sicher.“

Damit bückte er sich zu seiner Tasche und spürte, wie sich sein Innerstes irgendwie plötzlich kühl und leer anfühlte. „Saa, kommst du heute Abend? Nee-san macht wieder Sushi.“ Ryoma schluckte, bevor er sich wieder aufrichtete und dann leicht den Kopf schüttelte. „Ich kann nicht. Ich ...“ Er hasste Lügen so sehr, aber noch viel mehr, zu sehen wie besorgt ihn azurblaue Augen anblickten. Aber … Tezuka hatte ihn noch nie fehlgeleitet. Und der Gedanke, dass er recht haben könnte mit Fuji … tat ihm so weh, dass er nicht denken konnte ...

„Bist du sicher, dass du in Ordnung bist, Ryoma?“, fragte Fuji sanft, als dieser an ihn herantrat und ihm tief in die Augen blickte. Gleichzeitig spürte er weiche Fingerspitzen zwischen seine gleiten, so dass er fast schwach wurde. „Ich muss jetzt gehen.“, sagte er somit entschieden, als seine Finger der anderen Hand sich um die Türklinke legten und er dann aus der Umkleide floh. Innerlich hasste er sich dafür, Fuji so einfach stehen zu lassen, aber er musste einfach weg, bevor dieser sehen könnte, wie sich seine Augen mit Tränen füllten, so, wie sie es kurz vor dem Schultor machten, und er sich hastig über das Gesicht fahren musste, um diese Verräter los zu werden. Fakt war, … er wusste nicht was zwischen ihnen war, er wusste nur, dass er Fuji viel zu gern hatte, als dass es ihm nicht wehtun würde, sollte der es nicht ernst mit ihm meinen.

~*~

Fuji war nicht nur wütend, sondern furios.

Er musste kein verfluchter Tensai sein, um zu wissen, dass das, was auch immer Tezuka seinem Ryoma gesagt hatte, irgendetwas mit ihm zu tun hatte. Schließlich hatten sie sich eben noch, vor dem Erscheinen ihres Buchous umgezogen, miteinander neckisch geflirtet, wobei er den ein oder anderen Kuss von Ryoma stahl, welcher immer so bezaubernd errötete, wann immer Fuji ihm nahe kam. Der sich ihm zuvor aber noch nie entzogen hatte. Und ihm nicht klar war, was er an ihm mehr liebte. Diese ehrlich zurückhaltende Art, die Ryoma nur jemanden zeigte, dem er vertraute oder dieses energische und kämpferische Kätzchen, das messerscharfe Krallen hatte und die sich an ihn krallten, wenn er ihn berührte.

Doch Fakt war, er hatte Ryoma auf eine Weise gern, wie schon sehr, sehr lange niemanden mehr. Und gerade dann, so eine fast schon schwindelerregende Verhaltensänderung bei ihm vorzufinden, sobald Tezuka das Clubhaus wieder verließ, verwirrte ihn nicht nur, sondern schmerzte auch ein wenig. Schließlich wusste Ryoma doch, wer er war und dass er mit ihm reden konnte. Aber der einzige Grund, warum er weder das Gespräch belauschte, noch Ryoma zwang, zu erzählen um was es ging, war das Wissen, dass Tezuka niemals etwas sagen oder tun würde, dass ihrem Jüngsten wehtun würde. Was im Gegenzug jedoch nicht bedeutete, nichts zu sagen oder zu tun, das Fuji nicht wehtun würde.

Und doch sah er genau das in diesen sonst so kämpferisch glitzernden, goldgrünen Katzenaugen. Schmerz. Nämlich exakt in der Sekunde, in der er Ryoma sanft mit den Fingerspitzen berührte und hoffte, ihm ein wenig Nähe geben zu können. Dann jedoch rauschte Ryoma einfach davon, und alles was Fuji blieb, war es, ihm besorgt und mit schwerem Herzen nachzusehen, wie der Jüngere praktisch über das Gelände zischte, sich dabei mit eindeutig unverkennbaren Handbewegungen über das Gesicht fuhr.

In dem Moment in dem im bewusst wurde, dass Ryoma verletzt genug war, um zu weinen, war es um seinen rationalen Verstand geschehen. Schließlich packte er seine Sachen zusammen, schulterte seine Tasche und ging zu der Person, die in erster Linie für dieses Chaos verantwortlich war.

„Was hast du zu Ryoma gesagt?“, fauchte er Tezuka entgegen, der zusammen mit Inui die letzten strategischen Trainingseinheiten vor dem Turnier in drei Wochen besprach und durch seinen Tonfall leicht zusammenfuhr. „Ii Da-...“ „Inui … geh.“, warnte er den Schwarzhaarigen sehr leise und in einem sehr, sehr ruhigen Tonfall, der deutlich machte, dass, sollte Inui aus diesem Gespräch Daten ziehen, er seine Hand verlieren würde. Und mehr

Sofort verschwand der Datenspieler, wobei Fujis Blick jedoch nur Tezuka galt. „Ich wiederhole mich nicht noch einmal.“

„Ich hab ihm die Wahrheit über dich gesagt, Fuji. Und zwar, dass du absolut nichts ernst nimmst. Ich kann es akzeptieren, wenn du die Rankingspiele nicht ernst nimmst, sogar deine kleinen Streiche und auch, deine manipulative Art, mit der du jede Situation zu deinem Gunsten veränderst. Aber bei Echizen ziehe ich die Grenze. Er ist nicht nur zu jung für deine Spielchen, sondern auch zu gutmütig. Und es ist mir egal wer von euch beiden das initiiert hat, denn ich weiß, wie er ist und dass er davon überzeugt ist jede Situation zu beherrschen, aber das kann er nicht. Und irgendwann wird er sich damit fürchterlich wehtun, und das lasse ich nicht zu!“

Fuji glaubte für eine Sekunde fast sprachlos zu werden, wäre nicht der Fakt, aus dem er deutlichst heraushören konnte, wie wenig und doch schlecht Tezuka offenkundig über ihn dachte. Aber bevor er das ansprechen würde …

„Nun gut, dann möchte ich selbst eine Grenze ziehen. Und zwar die, zwischen dir, als Buchou des Teams und die zwischen dir, als mein und Ryomas Freund. Denn alles, was das Team betrifft, kannst du mir dort und vor allen anderen ins Gesicht sagen. Aber wage es nicht noch einmal deine Position als Buchou auszunutzen, um dich in meine oder Ryomas Angelegenheiten zu mischen.“
„Fuji, das eine schließt das Andere nicht aus!“

„Doch!“, erwiderte er kühl und trat einen Schritt an Tezuka heran. „Oder wer sprach damals in der Umkleide zu mir, nachdem ich dich fragte, ob es mit Ryoma und dir ebenso war? Euer Spiel … wer hat damals wirklich gesprochen, als du mir vorgeworfen hast, nie etwas ernst nehmen zu können, dabei habe ich sehr wohl mit Ryoma ernst gespielt. Ich habe seit der ersten Sekunde damals ernst gemacht, und daran hat sich nichts geändert, weshalb ich mich wundere, ob es nur dein verletzter Stolz ist, weil ich dich nicht ernst genommen habe.“

Tezuka erwiderte seinen eindringlichen Blick lange, bevor sich die haselnussbraunen Augen senkten und er zum ersten Mal seit Jahren mehr, wie der Tezuka aussah, den Fuji damals seinen Freund nennen konnte. Seinen besten Freund ... „Bitte tu ihm nicht weh.“, hauchte Tezuka leise und Fuji spürte, wie es einen Teil in ihm zähmte. „Das würde ich nie tun. Denn … entgegen deiner Meinung, bedeutet er mir unsagbar viel.“, dabei vermied er es, ihm zu sagen, dass es ihm leidtat, Tezuka zuvor gekommen zu sein, was Ryoma anging. Schließlich würde es das Ganze nicht leichter machen für Tezuka, wenn er ihn diesbezüglich anlog.

„Soll ich mit ihm reden?“, fragte dieser leise, doch schüttelte Fuji den Kopf.

„Nein, … das muss ich. Er verdient die Wahrheit.“, womit er sich umdrehte, um zu gehen, aber von Tezuka vorsichtig festgehalten wurde. „Du … du sagst ihm nicht, dass ich ...“ Fuji erwiderte den unsicheren Blick, bevor er seine Hand um Tezukas legte und ihm sanft ansah. „Natürlich nicht. Aber es ist nicht auszuschließen, dass er es sowieso schon weiß. Du unterschätzt seine Aufmerksamkeit manchmal maßlos, Tezuka.“

Einen Augenblick lang, schien es wieder wie damals.
Einen Augenblick könnte er sich vorstellen, dass Tezuka immer noch sein bester Freund war. Bevor Fuji neugierig wurde und sich fragte, wie sich mehr anfühlen würde. Aber eben dann einen Schritt zurück machte, nachdem ihm klar wurde, dass Tezuka eben Tezuka war und somit nur Tennis an oberster Stelle sah. Wodurch ihm wiederum bewusst wurde, was er eben nicht wollte … und er ihm ziemlich wehtat – rückblickend.

Bevor sich die Hand von ihm löste, trat Fuji an dem Größeren heran und sah ihm tief in die Augen. „Es tut mir leid.“ Er beobachtete wie Tezuka seinen Blick erwiderte, bevor er knapp nickte und die Hand sich in seiner drehte und sie sich für einen Moment in seine legte. „Ich weiß. Und mir auch. Ich hätte vorher mit dir sprechen müssen, als mit Echizen.“ Es war nicht viel von ihm, ebenso wie von Tezuka, aber gleichzeitig hatte es bei ihnen nie viel verlangt. Daher nickte Fuji nur leicht, eh sie sich beide lösten und es sich einfacher anfühlte, in haselnussbraune Augen zu blicken, als je zuvor in den letzten Monaten.

~*~

Ryoma fühlte sich weder dazu motiviert, mit seinem Vater Tennis zu spielen, noch seine Englischhausaufgaben zu machen. Dabei fiel ihm Letzteres besonders einfach. Doch stattdessen lag er auf der Seite, wobei er den Kopf auf seiner linken Hand abgestützt hielt und die rechte einen Grashalm vor Karupin vor und zurück durch das kurze Gras gleiten ließ, den sie mit ihrer Pfote immer wieder antippte. Bedacht ihn nicht zu kratzen, ließ sie ihre Krallen heute drinnen, und Ryoma glaubte, weil sie spürte, dass es ihm nicht gut ging.

„Hey, du kleiner Faulpelz. Dein Freund ist hier.“
„Wer?“, fragte Ryoma genervt und wollte seinem Vater einen entsprechenden Blick zu werfen, als er Fuji lächelnd neben diesem stehen sah. „Saa … hast du noch einen Freund, Ryoma-kun?“ Er wollte Fuji fragen, ob er eigentlich wahnsinnig war. Doch fiel ihm auf, wie sein Vater aussah. So, als habe man ihm gerade aus einem sehr schönen Traum herausgeholt und mit der eiskalten Wahrheit konfrontiert. Welche Ryoma sich schon denken und er dem Drang nicht mehr widerstehen konnte, in dem er sich an das Nasenbein fasste und die Augen schloss. „Mada mada.“

Nachdem Nanjiroh schließlich langsam davon schritt, dabei vor sich hinmurmelte, wie blind er nur gewesen war, trotz der offensichtlichen Zeichen … Ryoma blickte ihm kopfschüttelnd nach, eh er sich langsam aufrichtete und nicht wusste, wie er Fuji gegenüber agieren sollte. Für gewöhnlich würde er ihn irgendwie ärgern oder frech sein, sodass ihn der Ältere berührte oder eine sonstige Ausrede erfand, nur um ihm nahe zu sein.

Aber … nach heute Nachmittag …

Allerdings schien das überflüssig zu sein, da Fuji dieses Mal selbst auf ihn zuging und sich in einer sehr flüssigen, wie eleganten Weise ihm gegenüber ins Gras setzte. „Saa … das erste Mal, als ich Karupin sah, zerfetzte sie mir gerade meine neuen Nikes.“, schmunzelte Fuji leise und Ryoma erinnerte sich peinlich berührt daran. Vor etwa über einem Jahr war sie ihm in die Schule gefolgt und hatte ein totales Chaos in ihrem Clubhaus hinterlassen. Tezuka war ziemlich unglücklich gewesen und Fuji blieb, um Ryoma zu helfen das Chaos zu beseitigen. Trotz der zerstörten Turnschuhe. Aber er verstand nicht sonderlich, wohin diese Unterhaltung führen sollte, weshalb er in sein altes Schema fiel. „Ja, sie hat Inui-senpai auch in die Tasche gekackt und Kaidoh-senpais Hausaufgaben zerbissen, aber wofür ist das relevant?“

Fuji drehte seinen Kopf so, dass er zwischen seinen honigfarbenen Strähnen, in Ryomas Augen blicken konnte, was ihm einen leichten Schauer über den Rücken jagte. „Weil wir uns so ähnlich sind.“

Ryoma blinzelte etwas und neigte, mit einem leicht verstörten Ausdruck auf dem Gesicht, den Kopf. Unfähig dieses Bild aus dem Kopf zu bekommen, wie Fuji über Inuis Tasche und – oh Gott! „Sofern du mir damit nicht sagen willst, dass du gerne dein Geschäft in fremden Taschen hinterlässt … ich meine … was?!“ Damit lachte Fuji so ehrlich und amüsiert, dass es Ryomas Herz anschwellen ließ und gleichzeitig ein Flattern durch seine Innereien jagte. Es war unfair, was für eine Wirkung der Tensai auf ihn hatte. „Saa, nicht das worauf ich … fufufu.“ Ryoma konnte sich ein schmunzeln nicht verkneifen, weil Fujis ehrliche, wirklich ehrliche Lache, nicht auf dessen sadistischen – zugegeben echt gemein-witzige – Streiche basierende, sondern diese herzliche Lache … einfach furchtbar ansteckend war. Und ebenso hinreißend ...

„Saa, allerdings, mit der fast gleichen, erhofften Wirkung.“
„Die wäre?“, fragte er leise zurück, woraufhin sich Fuji zu ihm lehnte und ihm sanft mit einer Hand über die Wange streichelte. „Du lächelst wieder.“ Ryoma schluckte auf diese so sanften Worte hin und wusste nicht, was er sagen sollte. Schließlich hatte er gehofft, dass er nicht so fürchterlich verletzt ausgesehen, wie er sich in Wirklichkeit gefühlt hatte.

„Darum bist du hier und verpasst das Fuji-Familienchaos?“ Seine Augenbrauen hoben sich skeptisch. Schließlich war heute Donnerstag und Donnerstag war Yuuta-Tag. Kam der Jüngere doch nur an einem Tag in der Woche mal nach Hause. Was bedeutete, Fuji würde seinen jüngeren Bruder in Verlegenheit bringen. Yumiko-chan sich über beide amüsieren und wenn Ryoma noch dabei war, verbündete sich die große Schwester mit Fuji, um Yuuta und ihn in Verlegenheit zu bringen. Es war tatsächlich schön, endlich mal eine Familie zu sehen, die noch verrückter schien, als sein Vater es alleine schon war.

„Natürlich. Ryoma, ich hab mit Tezuka gesprochen und ich denke, ich schulde dir die Wahrheit.“ Und hier war es, dachte Ryoma, als sich binnen einer einzelner Aussage seine Kehle zuschnürte. Allerdings kannte er atemlose Momente. Ob nun auf dem Court oder im Bett oder das eine Mal in der Dusche … Okay, das war nicht vergleichbar, dachte er und schüttelte dann aber entschieden seinen Kopf. „Nein, du schuldest mir ganz nichts, Fuji-senpai.“ Damit nahm er Karupin auf den Arm und stand vom Boden auf, wobei ihm Fuji sofort folgte. Sich ihm praktisch in den Weg stellte.

„Doch, Ryoma. Was Tezuka sagte, … ist nicht ganz unwahr. Es gibt nicht vieles, das mein Interesse halten kann. Gar, mich dazu bringt, es wirklich aufrichtig und ernst zu behandeln. Und dabei hab ich wirklich wichtigen Personen ziemlich … wehgetan.“ Ryoma runzelte leicht die Stirn, erschrak aber halb, weil Karupin sich ruckartig empört maunzend aus seinen Armen herauswand und dann, nachdem sie zu Boden sprang, davon trottete. Ihm bewusst machte, dass er sie wohl zu fest genommen hatte und er daraufhin die Arme abweisend vor sich verschränkte. „Du meinst Buchou.“ Dafür musste er nicht einmal fragen. Schließlich war Ryoma nicht blind, noch blöd.

„… Ja.“, hauchte Fuji und Ryoma nickte, wandte dann den Kopf ab, um sich innerlich zu festigen. „Ich hab einfach nicht darüber nachgedacht, dass er es ernst nehmen würde oder geschweige denn daran, dass es unsere Freundschaft gefährden könnte.“ Die azurblauen Augen sahen ihn aufrichtig an, als Ryoma nicht anders konnte, als zu ihm aufzusehen. „Nun … das wird hier nicht passieren. Wir waren ja keine Freunde, und von daher musst du dir keine Sorgen machen. Es geht mir gut.“

Er war fast ein wenig stolz auf sich, wie gefestigt und kühl er klang. Auch wenn es ihm schwerfiel dem Blick aus azurblauen Augen stand zu halten, die hinter all seinen Scheiß blicken konnten. Aber bevor er oder Fuji etwas sagen konnten, donnerte es über ihnen und Ryoma zuckte überrascht zusammen, weil ihm nicht aufgefallen war, dass es sich überhaupt zugezogen hat. Dann aber fielen bereits die ersten, dicken Tropfen, woraufhin er instinktiv rein gehen wollte, weil er Nässe hasste, aber … aber, je länger er da stand und beobachtete wie Fujis honigbraune Strähnen immer dunkler wurden, bis sie vollends an dem hübschen Gesicht kleben blieben, erinnerte es ihn daran, dass es doch genauso angefangen hatte bei ihnen. Und der Gedanke, dass es so enden würde, war nicht nur schrecklich ironisch, sondern auch schrecklich schmerzhaft. Doch hatte der Regen diese einzigartig gute Fähigkeit, dass sich Ryoma zumindest nicht abwenden musste, sobald seine Augen feucht wurden. „Das denke ich aber nicht.“, sagte Fuji etwas lauter über den immer lauter und heftiger prasselnden Regen. Nur um dann an ihn heran zu treten und die Hände an sein Gesicht zu legen. „Ich kenne dich jetzt seit fast drei Jahren, Ryoma. Aber nur einmal hab ich in deinen Augen diesen Ausdruck hier gesehen.“

Seine Verschränkung löste sich und er griff automatisch nach Fujis Handgelenken. Allerdings war er sich nicht sicher, ob, um ihn von sich zu lösen oder sich an ihm festzuhalten. Er biss leicht die Zähne zusammen, versucht so gefasst wie möglich den zärtlichen Blick zu erwidern, aber … wie sollte er, wenn er zum ersten Mal dachte, etwas gefunden zu haben, das ihn nicht nur auf einem Tennisplatz den Atem rauben konnte … Etwas, das sein Herz so hart zum Schlagen brachte, dass er glaubte überwältigt zu werden.

„Ich kann sehen, dass du Angst hast. Davor, dass ich das mit uns nicht ernst nehme. Aber tatsächlich … tue ich genau das.“, blaue Augen blickten ihn ernst an. Aber weiterhin warm. „Ryoma, … ich hab nicht gelogen, als ich sagte, dass ich dich sehr mag. Ich hab nur …“ Sein Herz schlug schneller, und Ryoma musste etwas blinzeln, als ihm Regen von seinen Haaren, ins Auge tropfte. „Ich habe nie darüber nachgedacht, wie es wäre auf der anderen Seite zu stehen.“

„Welcher Seite?“, fragte er atemlos, dann aber schob ihn Fuji sanft zurück, soweit, wie sie zumindest unter dem Orangenbaum standen und sie etwas weniger nass wurden. Es dafür aber nicht gerade leiser wurde. Fuji lächelte aufrichtig, während er sich einige Strähnen aus der Stirn strich und dann etwas den Kopf schüttelte, als könnte er es selbst nicht fassen. „Du weißt es gar nicht oder? Wie leicht es für dich wäre, mir wehzutun.“

Ryoma runzelte für einen Moment die Stirn, erinnerte sich dann aber an heute Nachmittag. Daran, wie er sich zum allerersten Mal aus Fujis Berührung entzogen, und wie er sich selbst in dem Moment gefühlt hatte, weil er es tat …

Er kämpfte gegen den Drang an, die Augen zu schließen und fuhr dann stattdessen mit seinen Händen, welche an Fujis Handgelenken lagen, hoch in dessen Nacken, bevor er sich auf die Zehenspitzen stellte und Fuji zum ersten Mal, ohne dass dieser anfing, von sich aus küsste. Dabei schmeckte er Regen und Fuji sowie etwas Salziges, das ihm klar machte, dass sie beide Idioten waren. Lange Finger glitten währenddessen über seinen Rücken, gefolgt von warmen, großen Handflächen, die ihn bestimmt an Fujis Körper zogen. Dann löste er den Kuss wieder und sank mit der Stirn auf Fujis Schulter.

„Du bist so ein Idiot.“, hauchte Ryoma leise, woraufhin Fuji ihn nur noch enger an sich drückte, und er sich dieses Mal nicht über die Wangen fuhr. Schließlich kaschierte der Regen über ihnen sowieso das Meiste. „Saa … ich schätze, das magst du am Meisten an mir oder?“ Er schüttelte auf Fujis zärtlichen, wie lächelnden Tonfall den Kopf. Doch Tatsache war, eben weil Fuji so war, wie er war, hatte er ihn besonders gern. Und das heute, hatte ihm nur noch mehr bewusst gemacht, in was für eine Gefahr ihn das aussetzte. „Hast du … hast du meinem Vater wirklich gesagt, dass du mein Freund bist?“, fragte er zögernd. Unsicher, was er darüber denken sollte.

„Nein.“, antwortete Fuji sanft, woraufhin Ryoma sich etwas löste und skeptisch in azurblaue Augen blickte, die intensiv funkelten. Was durch das starke Grau der dichten Wolken sowie dem dichten, rauschenden Regen beinah elektrisch wirkte. Aber bevor er fragen konnte, wie der dann auf die Idee kam ihn so zu nennen, lehnte Fuji sich nach vorne und küsste ihn auf die Stirn. „Ich hab ihm gesagt, ich hab mich in seinen Sohn verliebt und ich hätte gern die Erlaubnis, mit diesem zusammen zu sein.“

Ryoma erstarrte für einen Augenblick, eh er seinen Atem entließ und langsam blinzelnd nach oben blickte.

„Du ...“
„Saa.“, nickte Fuji langsam sowie zärtlich lächelnd, und Ryoma schluckte. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Ein Teil von ihm wollte Fuji sagen, dass er ebenfalls mehr empfand, aber er wusste nicht wie. Doch bevor er sich den Kopf zerbrechen konnte, schüttelte Fuji sanft den Kopf und strich ihm die nassen Strähnen aus der Stirn, als er erneut durch einen verirrten Tropfen blinzeln musste. „Du musst nichts sagen, Ryoma, … ich weiß es auch so.“

Mit immer schneller schlagenden Herzen, erwiderte er den sanften Blick. „Und das wäre?“, fragte er vorsichtig, wobei seine Augenbraue zuckte, und Fuji schmunzelnd seine Stirn wieder küsste, dann seine Nasenspitze und zuletzt seine Lippen kurz. „Saa, … dass du mir vollends verfallen bist. Mit Haut und Haaren.“ Mit brennenden Wangen, blickte Ryoma stur zur Seite und machte einen verächtlichen Laut. „Mada mada dane, Fuji-senpai!“

Und damit blieb er stur. Jedoch nur solange, wie der Tensai ihn wieder in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelte. Was er so unendlich vermisst hatte, und das, obwohl es nur Stunden her war. Damit ließ er sich dann gegen die Rinde des Baumes drücken. Wobei es ihm fast egal war, am Ende vielleicht eine Erkältung zu bekommen. Oder vom Blitz erschlagen zu werden, weil sie unter einem verfluchten Baum standen. In dem Moment zählte nur Fuji und das Wissen, dass er nicht alleine war mit seinen Gefühlen. Auch, wenn er nicht genau wusste, wie er nun mit diesem überwältigenden Gefühl umgehen sollte, wenn er daran dachte, dass Fuji … in ihn verliebt war.

Aber die Art, wie es sein Innerstes kribbeln ließ, … schien ihm wie ein leises Zeichen.

~*~

„Wer ist Echizen Ryoma?“, fragte eine junge, mittelgroße Person mit schwarzen Locken und euphorisch glänzenden, grünen Augen. „Eh … ich glaub, der da.“, antwortete ein schmaler Junge, der mit seinen Freunden nur selten auf dem Street-Courts war und die Leute hier somit kaum kannte. Allerdings sah der den Jungen, auf den er deutete, hier öfter und dann fiel auch meist der Name Echizen …

Zufrieden nickte der Lockenkopf und ging dann auf die ihm zugewiesene Person heran. „Hey! Ich fordere dich zu einem Match heraus!“, bestimmte er mit einem euphorischem Lächeln, während sich der Junge zu ihm drehte und skeptisch musterte. Dann aber nickte und sich auf einen der freien Courts zubewegte.

Innerlich freute sich der Schwarzhaarige. Er suchte schon eine ganze Weile nach dem Jungen. Und nachdem Sanada ihm vertraute, den Jungen auszuschalten, … würde er nichts lieber tun, als seinem Senpai, die Ehre zu erweisen.

~*~

„Saa …?“Fuji blickte ihn aus seinen blauen Augen suchend und aufmerksam an, so, als wartete er auf eine Reaktion von Ryoma, aber er schluckte erst mal langsam, bevor er über eine Antwort nachdachte. „Das ist tatsächlich lecker.“, sagte Ryoma dann leise, woraufhin sich ein Strahlen auf den Zügen seines Freundes ausbreitete, der sich dann selbst über die Fingerkuppe leckte. „Saa … allerdings denke ich – ...“

„Nein.“
„Aber – ...“
„Nein.“

Nahe dem Schmollen lehnte sich Fuji über die Kücheninsel zu ihm. „Bitte ...“ Ungläubig schüttelte Ryoma mit seinem Kopf. „Fuji, das ist bereits scharf, okay. Bist du ohne Geschmacksnerven geboren?“

„Saa, natürlich nicht. Schließlich schmecke ich dich am allerliebsten.“, schnurrte Fuji zweideutig, woraufhin er knallrot wurde und sein Vater, der am Küchentisch seine Wochenzeitung – wer's glaubt wird selig – las, verschluckte sich wohl an seiner eigenen Spucke und hustete etwas atemlos. Sogleich grinste Fuji breit, und Ryoma rollte genervt mit seinen Augen. Selbst schuld, er musste ja auch nicht lauschen, der perverse Freak.

„Na gut, aber nur eine und nicht mehr!“, schließlich wollte Ryoma von dem Abendessen auch was haben, und zugegeben, Fuji konnte gut kochen wenn er es nicht mit der Schärfe übertrieb. Zwar liebte er Sushi über alles, aber manchmal probierte sich der Brünette auch an anderen kulinarischen Bereichen. Heute war es Mexikanisch, wobei Fuji Guacamole machen wollte. Da Yumiko jedoch keine Jalapeño mochte, Fuji wiederum schon … Und weil Ryoma eben zu gutmütig war, durfte der Tensai ihn als Versuchsobjekt missbrauchen. Also wie immer nichts Neues …

„Saa, du bist mal wieder so großzügig. Ich werde mich nachher revanchieren.“, wisperte Fuji, als er ihm erneut einen Finger mit dem Zeug hinhielt, und Ryoma ihn mit einem Hauch Rosa auf seinen Wangen ansah. „Du weißt, dass wir Besteck haben?“, fragte er leise, eh er sich nach vorne lehnte und Fujis Finger in den Mund nahm. Dabei leckte er den Dipp von dessen Fingerkuppe, was in den Augen des Tensais ein fast schon versautes Funkeln entfachte. „Saa … aber dann kann ich deine Zunge nicht auf meiner Haut genießen.“
Bevor er Fujis Handgelenk umfasste, um sich den Finger wieder aus seinem Mund zu ziehen, biss er ihm neckisch auf die Fingerkuppe, woraufhin der Ältere sofort einen schnurrenden Laut machte. Dann sank die Hand in seinen Nacken und fast hätte Ryoma den alten Sack vergessen, als er ein fast atemloses Röcheln hörte und synchron mit Fuji den Kopf zum Küchentisch drehte.

„Da-du-i- ...“ Ryoma runzelte leicht die Stirn, so, wie sein Vater sie anstarrte. Nahe eines Schlaganfalls und er fragte sich, ob er es vielleicht mit Fuji direkt vor ihm tun sollte, nur um sich an so mancher Situation an ihm zu rächen. Doch das würde dem Perversen nachher nur noch gefallen … Alleine der Gedanke ließ ihn schaudern. Aber bevor er selbst einen Schock bekommen würde, vibrierte glücklicherweise sein Handy in der Hose, welches er schnaubend herausnahm und leicht skeptisch auf das Display sah. Dann klappte er es auf und hob es an sein Ohr. „Was?“

„Ist er nicht liebreizend höflich?“, lächelte Fuji stolz zu Nanjiroh, der Fuji nur fassungslos anstarrte. Ryoma rollte mit den Augen und wandte sich von den beiden Idioten ab. Zumindest schienen beide verrückt genug, um sich nicht gegenseitig abzustoßen. So hatte er seit letzter Woche tatsächlich das Gefühl die Beiden … konnten sich leiden. Gruselig.

„Ist Aniki bei dir?“
„Wieso?“
„Ich hab … ein Problem. Und du musst mir absolute Verschwiegenheit versprechen!“

Ryoma hasste so etwas wie die Pest. Nicht, dass er Geheimnisse bewahren musste. Er tat das für all seine Freunde und Yuuta war keine Ausnahme. Aber ein Grenzfall, weil er Fujis Ein-und-Alles war. Und Ryoma vor Fuji keine Geheimnisse hatte.

„Kommt drauf an.“
„Bitte, Ryoma. Ich … ich bemühe mich auch dazu, mich öfter bei Aniki zu melden.“

Er war sich nicht sicher, ob er über dieses Angebot froh oder geschockt sein sollte. Schließlich wusste Yuuta zwar, dass er und dessen großer Bruder mehr als nur Freunde waren, aber die Tatsache, dass dieser offensichtlich wusste, wie viel es Ryoma bedeuten würde, Fuji glücklich zu sehen … Er war es einfach nicht gewohnt, jemanden mitbekommen zu lassen, dass es auch Dinge neben Tennis gab, die er lieb hatte. Trotzdem schnaubte er leise und schloss für den Moment die Augen. „Fein. Und was willst du?“

„Ichbikrkanhas.“
„Du bist was?“, fragte er genervt, als ihm plötzlich etwas über den Nacken fuhr und er heftig zusammenfuhr. Ruckartig drehte er sich zu Fuji, der ihn unschuldig angrinste. In seiner rechten Hand hielt er eine von Karupins Spiel-Federn, mit der Ryoma sie immer ärgerte. Böse sah er Fuji an.

„Krankenhaus.“, hauchte Yuuta und dass Ryoma von Fuji geärgert wurde, war vielleicht der einzige Grund, warum die Sorge um dessen jüngeren Bruder nicht all zu deutlich auf seinem Gesicht erschien. Der beugte sich aber in dem Moment sowieso schon wieder zu Karupin, um sie zu necken und Ryoma gab es einen Augenblick in der er die Augenbrauen zusammenzog und kurz nachdenken konnte. „Alles klar. Ich komm hin.“

Ohne auf Yuutas Danke zu reagieren, klappte er sein Handy zu und schob es sich in die Hosentasche. Sofort blickte ihn Fuji aufmerksam an. „Wohin gehen wir?“

Wir, nirgendwohin. Du machst Abendessen und ich muss jemanden den Arsch aufreißen.“, sagte er ein wenig giftig, woraufhin sein Freund sich vom Boden erhob und um die Insel herumtrat, gegen die er Ryoma sogleich drückte, und amüsiert grinste. „Saa … das klingt aber sehr viel witziger, als zu kochen.“

„Ist es bestimmt, aber du wolltest unbedingt kochen, also tust du es jetzt auch. Schließlich hab ich Hunger.“, streng blickte er seinem Freund in die Augen, wodurch dieser nur noch mehr grinste. „Saa, wenn du so dominant bist, werd ich ganz unruhig.“ Hinter ihm hustete sein Vater atemlos sowie tatsächlich in leichter Atemnot weshalb Ryoma sich zu ihm drehte und erkannte, dass der von Fujis Guacamole genascht hatte und sich nun mit knallroten Gesicht auf die Knie stützte und was von Wasser keuchte.

„Okay, ich geh jetzt.“, damit schob er sich an Fuji vorbei und stieg kurz darauf über seinen Vater hinweg, als ihn warme Finger am Handgelenk sanft festhielten. Fragend sah er zurück, zu dem Brünetten, der teilnahmslos neben den, am Boden liegenden, Nanjiroh stand, und über diesen, Ryoma in die Augen sah. „Saa, Abschiedskuss?“ Sein Vater wimmerte leise und Ryoma wurde leicht rot, bevor er sich etwas mürrisch über den Alten lehnte und Fuji seinen kurzen Kuss auf die weichen Lippen hauchte. Dann stürmte er aus seinem Haus. Sich darüber bewusst, die kurze Konversation zwischen Fuji und seinem Vater noch bis zum Tor hören zu können.

Saa, Nanjiroh-san, Milch ist viel besser gegen Schärfe.
Wieso … wie hat der Bengel … das nur schlucken können …
Saa, er ist bereits darin geübt, zu schlucken.

Gott im Himmel, bewahre mich davor, in ein Auto zu laufen …, dachte Ryoma fassungslos über diese beiden Idioten in seinem Leben, die ihm tatsächlich wichtig waren, während er zum Krankenhaus lief und sich gleichzeitig wunderte, was Yuuta angestellt haben konnte, dass er Fuji nichts erzählen wollte. Sich aber an Ryoma wandte …

~*~

Er war nicht sicher, ob er sich umdrehen und wieder gehen oder Yuuta dessen Schläger an den Kopf knallen sollte. Wobei … bedachte er den Zustand des Gleichaltrigen, beschränkte er sich auf einen Mittelweg und blieb schweigend.

„Kannst du … vielleicht mal was sagen? Das ist sonst nämlich echt gruselig und ich bin mit Syusuke aufgewachsen, was somit – ...“
„Halt die Klappe.“, murmelte Ryoma ernst, woraufhin Yuuta ihn leicht empört ansah, dann aber ruhig wurde und den Blick auf das linke Knie senkte, welches eingebunden war und er das Bein somit nicht anziehen konnte. „Wie schlimm ist es?“, fragte er schließlich, woraufhin Yuuta mit der Schulter zuckte, so, als täte er es ab, aber Ryoma wusste, wie gern der Junge Tennis spielte und so ein Scheiß, konnte einem genau das ruinieren.

„Nicht so schlimm. Der Arzt sagt, wenn die Prellungen gut abheilen, kann ich in drei Wochen wieder spielen.“ Er schob die Hände in die Hosentaschen seiner schwarzen Shorts und neigte leicht den Kopf. „Und wenn nicht?“

„Wenn nicht, kann es sein, dass das Knorpelgewebe Schaden genommen hat und ...“
„Verflucht, Yuuta ...“, schnaubte Ryoma leise und legte dann eine Hand auf die Schulter des Brünetten, der angestrengt zu Boden blickte. „Du weißt, … dass ich Fuji das sagen werde.“ Wortlos nickte der Junge und Ryoma seufzte leise. Dennoch war da immer noch dieses Gefühl von Ärger in ihm, das immer in ihm aufkochte, sobald jemand seinen Freunden Schaden wollte oder unfair spielte. Und jemanden gezielte Bälle gegen das Knie zu schlagen … Ryoma wusste, wie schmerzhaft es war einen Ball in den Rücken zu bekommen oder auf den Brustkorb und auch ans Knie. Zweimal war vielleicht noch erträglich, dreimal grenzwertig, aber gezielt und öfter auf die gleiche Stelle …

„Weißt du, wer der Typ war?“, fragte er somit monoton, versucht seinen Ärger nicht zu zeigen, während er den Blick durch das Wartezimmer gleiten ließ. „Er hat mir nicht seinen Namen gesagt, aber die Schuluniform hab ich erkannt ...“ Ryoma machte einen leisen Laut des Interesses, während Yuuta weitersprach und er mehr und mehr das Bedürfnis hatte, einer gewissen Akademie mal einen netten Besuch abzustatten. Aber vorher …

~*~

Fuji wusste nicht wieso, aber die Art wie Ryoma gegangen war, schien ihm so, als würde es um etwas ziemlich Wichtiges gehen. Allerdings vertraute er dem Urteilsvermögen seines kleinen Freundes, weshalb er sich von dessen Vater auf ein Spiel einließ, nachdem er wie versprochen die restlichen Sachen für den Abend kochte.
Dabei musste er zugeben, dass es amüsant war. Denn er konnte sofort erkennen, woher Ryoma sein Können her hatte, aber gleichzeitig fand er es faszinierend, wie unterschiedlich beide spielten. Nanjiroh kaum ernsthaft, aber dafür präzise und schnell. Während Ryoma vollkommene Leidenschaft versprühte und dabei fast schon eins wurde mit dem Spiel, das er einging.

Ryoma, der gerade nach Hause kam, hörte bereits vom Tor aus, das stetige Schlagen von Bällen, woraufhin ihm Übles graute. „Fuck!“, fluchte er und schmiss seine Manieren über Bord, indem er mit Turnschuhen durch das Wohnzimmer lief, direkt zur Veranda und dann zum Court, wo er beobachtete wie Fuji und sein Vater spielten, und … und für einen Moment wusste er nicht was er denken sollte.

Sein Vater spielte anders, als gegen Ryoma und ebenso tat es Fuji gegenüber einem Gegner, der nicht Ryoma war. Wenn er sogar direkt hinsah, dann erinnerte dessen gesamte Art daran, wie er Ryoma gegenüber gestanden hatte. Jetzt weniger besorgt als zuvor, schob er die Hände in die Hosentaschen und beobachtete wie Fuji begann immer mehr auf seine Schwalbe herauszuspielen, bis Nanjiroh tatsächlich darauf einging und …

„Interessant.“, kommentierte sein Vater, der mit schräg gehaltenen Kopf den Tennisball musterte, welcher hinter ihm auf der Linie aufgekommen war und so, als wolle er herausfinden, wie Fuji das gemacht hatte. Selbst Ryoma starrte auf den Ball, weil … verflucht, er war noch nie so scharf auf Fuji gewesen wie jetzt. „Okay, nochmal!“, lachte Nanjiroh begeistert, während Fuji diesen aus offenen Augen musterte, doch Ryoma lief zu seinem Freund und schüttelte den Kopf. „Vergiss es, der gehört mir, und wir müssen noch was besprechen.“

„Hey, du Bengel! Was fällt dir ein, unser Spiel zu unterbrechen? Ich wollte gerade testen, ob er geeignetes Material für die Familie ist.“ Ryoma öffnete argumentierend den Mund, während Fuji einen Arm von hinten um seine Schultern legte und ihn so umarmte. „Saa, außerdem war ich gerade dabei zu gewinnen.“

„Was?!“, er starrte Fuji an, der wieder engelsgleich lächelte und dann den Kopf neigte. „Saa ... es steht aktuell 5 – 1, aber du weißt ja, wie gerne ich von Hinten aufhole ...“ Auf diese Suggestion lachte Nanjiroh, woraufhin Ryoma ihm einen Blick zuwarf und der Alte sich dadurch wieder zu erinnern schien, dass es hier um seinen Sohn ging, und er dann leicht verlegen wurde. „Ich glaube, du bist nicht geeignet, um zu entscheiden wer Familien-Material ist. Und du kommst jetzt.“
Ihm war bewusst, wie seine Worte klangen, was auch Absicht war, um seinen Freund vom Spielfeld zu bekommen. Dieser folgte ihm nur zu gerne nach oben in sein Zimmer, wo Fuji ihn sanft gegen die Tür drückte und ebenso küsste. Für einen Moment konnte er nicht einmal dagegen etwas ausrichten. Schließlich roch Fuji nach Tennis und einem ernsthaften Spiel. Und von dem, was er eben gesehen hatte sowie Fujis Art zu spielen, bahnte sich ein erregtes Prickeln durch ihn. Doch dann fuhren weiche Lippen über seinen Hals, während eine Hand über seinen Schenkel glitt und er sich daran erinnerte, warum er dringend mit Fuji sprechen musste. „Yuuta ...“

„Saa … Syusuke.“, wisperte Fuji in sein Ohr, aber Ryoma schluckte und drückte Fuji dann sanft weg. „Nein, ich musste wegen deinem Bruder weg.“, erklärte er mit einem ernsten Ausdruck. Sofort öffneten sich die Augen seines Freundes, der langsam blinzelte. „Saa … wieso musstest du meinem Bruder den Arsch aufreißen?“

„Weil er ein ...“ Ryoma war so kurz davor Idiot zu sagen, aber er schluckte es hart hinunter. „... verletztes Knie hat und dich damit nicht sorgen wollte.“ Eine ganze Weile musterte ihn Fuji, eh der sich langsam umdrehte und sich dann auf Ryomas Bettkante setzte. Mit einem leicht unangenehmen Gefühl im Bauch folgte er ihm. „Yuuta vertraut dir, mir nichts zu sagen.“, hauchte Fuji leise, was ihm durch sein Herz schnitt. Er mochte es nicht, wie sein Freund klang, noch weniger, dass Yuuta genau wusste, was er Fuji mit so was antun konnte. „Nein, tut er nicht, weil ich ihm gesagt habe, dass ich es dir sage. Darum hab ich ihm in den Arsch getreten. Ich erwarte, dass er direkt zu dir geht mit so was.“

Sein Blick fiel von den honigbraunen Strähnen, welche Fujis Augen bedeckten, zu dessen leicht abgefallenen Schultern, zu den filigranen Tensai-Händen, die steif und etwas angespannt die Kante des Bettes griffen, unsicher, ob er bleiben sollte oder zu St. Rudolph gehen, um nach Yuuta zu schauen. „Willst du zu ihm?“, fragte Ryoma somit verständnisvoll, aber Fuji schüttelte etwas den Kopf. „Du wärst nicht hier, würde es ihm schlecht gehen.“ Womit Fuji den Kopf hob und die Arme dann um ihn legte, wodurch er sanft auf den Schoß des Älteren gezogen wurde. „Danke …“, wisperte Fuji zärtlich gegen seinen Hals. Wobei ihm bewusst war, dass sein Freund nicht nur anerkannte, dass er ihm gegenüber offen war, sondern sich auch um dessen Bruder kümmerte.

Ryoma schüttelte aber nur den Kopf und legte die Hände in Fujis Nacken, bevor er den Kopf auf den seines Freundes sinken ließ und die Augen genießend schloss. „Ist selbstverständlich.“ Denn er würde immer wieder so handeln. Er hatte Fuji zu gern, als dass er sich nicht um die Menschen kümmern könnte, die diesem so wichtig waren. Und Yuuta bedeutete für Fuji eben die Welt. Genau darum riss er ihm auch sein Hinterteil auf, damit der den Kopf endlich da raus bekam, um sich in solchen Fällen an seinen großen Bruder selbst zu wenden. Schließlich hatte er noch einen.

~*~

„Sanada-senpai, ich hab dein Problem gelöst.“, lächelte Akaya am nächsten Nachmittag, als er auf das Spielfeld hüpfte und Sanada breit angrinste, welcher ihm, wie gewohnt nur einen strengen, wie auch frostigen Blick zuwarf. Aber er mochte ihn trotzdem. Schließlich war der sein Fukubuchou und somit enorm wichtig für das Team. „Tatsächlich?“, fragte eine fremde Stimme hinter ihm, durch die er leicht erschrocken zurücksprang, neben Sanada, wessen Augenbraue leicht zuckte.

„Wer bist du denn?“, fragte er den Jungen, der wie Sanada eine Kappe trug. Allerdings weiß, während grünschwarze Haare leicht durcheinander darunter hervorlugten. Goldgrüne Augen blitzten giftig, was ihn nur noch mehr einschüchterte. Was hatte er denn dem Jungen bitte getan? „Ich will wissen, wer von Euch gestern einen Freund von mir beim Tennis, das Knie krankenhausreif geschlagen hat.“

Akaya blinzelte langsam. Er erinnerte sich an einen brünetten Jungen, mit dem er gespielt hatte, bevor er in seinen Modus gefallen und alles in einem roten Rauschen verwischt wurde. „Ehh … vielleicht war ich das. Also … im Eifer des Gefechts, kann mir da schon mal … es geht ihm doch gu–...“

„Schweig!“, befahl Sanada, woraufhin er sofort den Mund schloss und den Blick senkte. Sein Fukubuchou trat einen Schritt nach vorne, während Akaya einen vorsichtigen Blick zu dem Jungen stahl, welcher völlig unbeeindruckt zu Sanada aufblickte, und er musste zugeben, er mochte den irgendwie jetzt schon, weil er so mutig war, hier bei ihnen aufzutauchen. „Wir tolerieren keine Leute, aus anderen Akademien auf unserem Grund. Geh wieder zurück nach Seigaku und richte Tezuka aus, das nächste Mal selbst zu mir zu kommen.“

Der Junge grinste frech. „Witzig. Ich wollte das Gleiche über dich sagen. Du bist doch Buchou von Rikkaidai?“

Sanada zuckte ein wenig mit der Hand, was Akaya selbst zucken ließ, weil er automatisch an Yukimura denken musste. Er hoffte es ging ihrem Buchou gut. Sanada war so angespannt in der letzten Zeit, dass sie alle den Eindruck bekamen, es wurde schlimmer um Yukimura. Darum wollte er auch Sanadas Befehl so schnell wie möglich hinter sich bringen. Damit Sanada vielleicht wieder etwas entspannter wurde. „Die Vertretung.“, antwortete dieser schließlich knapp.

„Ah … interessant. Jedenfalls hier bin ich.“, herausfordernd blickte der Junge weiter zu Sanada auf, der leicht die Augenbrauen zusammenzog. „Wofür?“

„War er nicht auf der Suche nach mir?“
„Nein, ich hab nach Echizen gesucht und gegen ihn gespielt.“, warf Akaya sofort ein, woraufhin Sanada ihn wieder warnend anblickte und er augenblicklich den Kopf wieder senkte. Er musste lernen, sich zu beherrschen. Ansonsten würde er zur Strafe erneut den gesamten Hof kehren dürfen, und das eine Woche lang.

„Hast du nicht. Weil ich Echizen bin, du Idiot. Also … hier bin ich.“

Verfluchte Scheiße! Rauschte es durch seinen Kopf. Er hatte gegen den falschen gespielt? Das gab noch eine viel härtere Strafe, als nur den Hof zu fegen ... Aber abgesehen davon, war er wirklich fasziniert von diesem Echizen. Es hatte ja schon Gerüchte gegeben, wie der drauf war. So kämpferisch und hartnäckig. Doch … das hier zu sehen, war selbst für ihn anziehend. Er musste unbedingt gegen ihn spielen. Alleine wie diese Augen funkelten – so giftig und herausfordernd. Aber bevor er sich darin verirren konnte, sprach Sanada einen klaren Befehl. „Geh wieder!“

Sofort grinste der Junge breiter und neigte leicht den Kopf. „Wieso? Ich dachte, ich mach es euch vielleicht einfacher, indem ich zu euch komme. So zerstört ihr wenigstens nicht der falschen Person am Ende die Karriere.“ Akaya öffnete den Mund, um Echizen zu warnen, Sanada vielleicht nicht so frech zu kommen. Doch der verengte selbst nur die Augen warnend und trat dann an Echizen heran, sodass Akaya selbst einen Schritt zurück machte und das obwohl er nicht mal eingeschüchtert wurde. Aber diese Aura, die sein Fukubuchou ausstrahlte, sobald er wütend wurde, wirkte selbst auf zwei Meter Abstand noch, wodurch sein Herz wie wild in seiner Brust schlug und er nur angespannt zu Boden blicken konnte. Er schämte sich innerlich für seinen Fehler und es tat ihm auch leid, diese Person aus Versehen verletzt zu haben. Aber irgendwie noch mehr, dass dieser Echizen jetzt für seinen Fehler hier stand …

„Ich warne dich, du hast ja keine Ahnung, wem du gegenüberstehst, Junge.“, wisperte Sanada dunkel, und Akaya spürte, wie seine Augen leicht begannen zu prickeln. Seine Nägel bohrten sich durch die Anspannung in seine Handflächen. „Ich weiß nicht, einem Feigling?“

Sein Kopf fuhr erschrocken nach oben, nur um zu sehen wie kämpferisch und herausfordernd Echizen nach oben blickte. Aber ebenso schnell wie Akaya nach Luft schnappte, fuhr auch schon Sanadas Hand durch die Luft, welche jedoch gerade noch kurz vor dem Gesicht des Jungen von einer anderen Hand am Handgelenk abgefangen wurde. „Sanada.“

Er war so auf die beiden fixiert gewesen, so eingenommen von dieser bedrückenden Anspannung, dass er die andere Person gar nicht wahrgenommen hatte, welche irgendwann zwischen der Konfrontation und Echizens Worten aufgetaucht sein musste. Aber er erinnerte sich wage daran, wie der Buchou von Seigaku aussah, weil er letztes Jahr in der Zeitung erwähnt wurde, mit einem Bild neben Hyoteis Atobe. Er hätte allerdings nicht gedacht, dass dessen ruhige Aura so einschüchternd sein konnte, wie die seines Fukubuchous.

Lange starrten Sanada und der Brillenträger sich gegenseitig nieder, bevor Sanada schnaubend von Echizen Abstand nahm, dieser ihn jedoch weiterhin offen herausfordernd ansah, und Sanada dann sein Handgelenk aus dem harten Griff entriss. „Nimm … deinen kleinen Wunderjungen wieder mit, bevor er es bereut.“

„Der Einzige, der etwas bereuen sollte, bist du. Ich mag es nicht, wenn man mein Team bedroht.“
„Niemand wurde bedroht.“
„Das sah eben aber ganz anders aus.“

Während ihre Buchous in ruhigem, aber deutlich schneidendem Ton miteinander sprachen, spürte Akaya plötzlich einen Blick auf sich, wodurch er zu Echizen sah, der ihn hart anblickte und er automatisch zurückzuckte. Doch der Blick war so bannend, fast schon … hypnotisierend. Er konnte sich erst aus diesem tödlichen Blick lösen, da befahl dessen Buchou, dass sie gehen würden.

„Tezuka.“, sagte Sanada schneidend. „Steht eure Aufstellung bereits?“ Lange erwiderte Tezuka dessen Blick, eh er entschieden mit dem Kopf schüttelte. „Nein.“

Doch. Niemand … absolut niemand nennt mich auf meinem Grund, vor jemandem aus meinem Team, einen Feigling. Er spielt gegen mich.“

Akaya wollte den Mund öffnen, schließlich war doch Echizen sein Gegner, den er zu besiegen hatte. Doch schnitt ihm alleine der Blick aus den dunkelbraunen Augen schon die Luft ab und er senkte schweigend den Kopf. Er wagte es nur einen vorsichtigen Blick zu Tezuka werfen, der deutlich zerrissen wirkte, bevor er Echizen am Arm umfasste und dann mit sich nahm. Allerdings sah er weniger so mörderisch aus, wie Sanada. Sondern mehr besorgt, und Akaya fragte sich, wie es wohl war, einen Buchou zu haben, der einem nicht lieber den Kopf abschnitt, als sanft darüber zu streicheln. Aber auf der anderen Seite, hatte er sich ja gerade darum für Rikkaidai entschieden. Um hier nicht geschont zu werden.

~*~

„Du kannst von Glück sprechen, dass Fuji mich angerufen hat.“, erklärte ihm Tezuka, nachdem sie das Gelände von Rikkaidai hinter sich hatten und die langen Finger sich sanft von seinem Arm lösten.

„Fuji wusste nichts vo- warte – Yuuta?“ Tezuka nickte auf seine Frage hin und Ryoma schnaubte leise. Dann sah er zurück, wo er immer noch die beiden Spatzenhirne sehen konnte, woraufhin sein Blick wieder giftig wurde. „So ein Verräter.“, murmelte er zu sich.

„Echizen.“, warnte ihn Tezukas dunkle Stimme, wodurch er wieder zu ihm aufblickte. Manchmal wusste Ryoma nicht ganz, wie er diesen Blick einschätzen sollte. Und noch weniger die Sorge seines Buchous. Früher hatte Ryoma immer das Bedürfnis, irgendetwas dann erst recht machen zu wollen, damit er Tezuka provozieren konnte. Einfach nur aus dem simplen Grund, um zu wissen, wie weit er bei ihm gehen konnte. „Hast du eine Ahnung, was du getan hast?“

„Ich denke schon. Der Typ kann doch nicht einfach irgendwelche Leute Knie zerschlagen, obwohl er eigentlich auf mich aus ist.“
„Wessen Knie?“, fragte Tezuka leicht angespannt. „Yuutas. Yuuta meinte, gegen Ende hätte der ihn Echizen genannt.“ Noch während er sprach, fasste sich Tezuka an das Nasenbein und massierte es angespannt über der Brille.

„Und anstatt zuerst mit mir darüber zu sprechen, gehst du direkt zu dieser Person? Um was zu erreichen?“
„Na, wenn schon, ein anständiges Spiel mit der korrekten Person.“ Tezukas Hand fiel kraftlos hinab und sein Blick lag streng auf Ryoma. Er wusste, was jetzt folgen würde und es würde ihm nicht leid tun. Nicht dieses Mal. Dann aber sah Tezuka zu seiner eigenen Überraschung weg und Ryoma blinzelte leicht. „Wieso bist du eigentlich so … verdammt unnachsichtig dir gegenüber?“

Er öffnete leicht den Mund, weil er es nicht fassen konnte, seinen Buchou fluchen zu hören. Das war so völlig uncharakteristisch für ihn. Er rechnete mit einer Strafpredigt und Runden, denn der Blick, mit dem er ihn plötzlich ansah, war dagegen mehr Tezuka denn je. Streng und hart. „Solange wie du nicht beginnst mehr auf dich zu achten, und an die Konsequenzen deines Handelns zu denken, … bist du raus, Echizen.“

Ryoma musste einen Schritt nach vorne gehen, bevor er entgeistert stehen blieb und dann Tezuka erneut ansah. „Was?“

„Du hast verstanden. Du hättest jeder Zeit zu mir … oder zu Fuji gehen können. Aber erneut nimmst du die Dinge in die eigenen Hände – ...“
„Buchou, er hat Yuuta fast die Kniescheibe zertrümmert und das nur, weil er ihn für mich hielt!“, fassungslos schnappte er nach Luft, weil er das nicht akzeptieren konnte. „Ich meine verstehe ich das richtig, der kommt mit dem davon, aber ich werde aus dem Team geschmissen?!“

„Es geht hier nicht um Yuuta, sondern darum, dass du nicht auf dich aufpasst. Das hast du damals auch nicht gegen Jin. Und damals habe ich dich ausdrücklich davor gewarnt, den gleichen Fehler erneut zu machen.“
„Ich hab nicht gegen ihn gespielt.“, fauchte Ryoma wütend, woraufhin Tezuka seinen Blick hart erwiderte. „Aber du hättest!“ Er starrte zurück, wobei er nicht einmal wusste, ob das energische Ja, nur aus seinem Gedanken entsprungen war oder er es wirklich laut ausgesprochen hatte. Aber so, wie Tezuka ihn anblickte, wussten sie beide, dass er es getan hätte.

„Dann weißt du, dass meine Entscheidung feststeht.“, entgegnete ihm Tezuka ruhiger als zuvor, wodurch sich ihm seine Kehle zuschnürte und Ryoma nickte stur. Er spürte, wie sich Tränen in seinen Augen sammelten, allerdings war das hier anders, als mit Fuji vor einer Woche. Damals lief er davon, weil er sich schämte und Fuji nicht wehtun wollte bei dem Anblick. Aber jetzt … wusste er nicht, was mehr wehtat, die Befriedigung innerlich, dass er wusste, Tezuka bewusst wehtun zu wollen, weil er ihn an seinem Schmerz teilhaben lassen wollte. Oder der Schmerz selbst, weil er gerade das Einzige in seinem Leben verloren hat, zu dem er sich das erste Mal wirklich zugehörig gefühlt hatte. Als ein Teil von … mehr. Also blieb er und erwiderte Tezukas Blick stur, solange bis dieser einknickte und sich herumdrehte. In dem Augenblick brach sein eigener Rückhalt, indem er die Augen schloss und eine Hand über seine Augen legte. Es nicht ertragen konnte, Tezuka enttäuscht von ihm, gehen zu sehen …

~*~

Akaya, welcher noch lange nach Sanadas Bestrafung an ihm, auf dem Gelände stand, beobachtete, wie der Junge von eben, deutlich betroffen am Weg vor ihrem Tor stand. Hart schluckte er. Er fühlte sich der Sache schon schuldig genug. Weshalb er zu Echizen ging. Unsicher, ob es in Ordnung war, blieb er ein paar Schritte von diesem entfernt stehen, bevor er sich das taubenblaue Stofftaschentuch aus der Hosentasche seiner Uniform zog und es dem Jungen schweigend hinhielt.

„Fahr zur Hölle!“, fauchte dieser energisch, jedoch deutlich betroffen, woraufhin Akaya ihn schuldbewusst ansah. „Hey. Ich hab das nicht gewollt, okay. Ich meine, tust du nie das, was dir deine Senpais auftragen?“

„Nein, darum … scheiße!“ Echizen riss ihm fauchend das Taschentuch aus der Hand, womit er sich dann über die feuchten Augen fuhr und versuchte ihn wütend anzublicken. Aber so, wie die goldgrünen Augen schimmerten, … schluchzend fiel sein eigenes Gesicht in die Handflächen. Er ertrug es nicht, Menschen weinen zu sehen. Und schon gar nicht, wenn die normalerweise ziemlich hart schienen. Und noch weniger, wenn es seine Schuld war, dass diese weinten.

„Du willst mich doch verarschen?!“, kam es ungläubig und wütend von dem Anderen. „Nein … nein, ich … es tut mir aufrichtig leid. Ich wollte nicht, dass so was passiert. Aber Fukubuchou sagte, ich soll gegen dich spielen. Und ich nahm an, er sei du. Aber jetzt bist du hier und du bist … das ist nicht fair.“, schniefte Akaya und fuhr sich über die Augen. Dann sah er zu Echizen, der inzwischen die Arme vor der Brust verschränkt hatte und ihn kühl musterte. Die Seigaku-Tennistasche unentwegt über seine Schulter trug, sah er durch und durch so aus, wie die Gerüchte ihn darstellen ließen. Selbst die Augen, welche immer noch feucht schimmerten, hatten ihr altes Feuer zurück. „Wenn es dir leid tut, … entschuldige dich bei der richtigen Person. Und ändere deine Art auf dem Court. Denn ich kenne jemanden, der dir nur zu gerne wehtun möchte, für das, was du seinem Bruder angetan hast.“ Damit fuhr der Junge herum und Akaya öffnete leicht fassungslos den Mund. „Wie – ich hab doch seinen Namen gar nicht.“

Echizen blieb für einen Moment stehen. Dann drehte er sich zu ihm und durch die Kappe verwehrte es ihm den Blick, dessen Ausdruck auszumachen. Aber so, wie er es sagte, … bekam Akaya eine Gänsehaut.

„Fuji Yuuta.“

Schweigend sah er Echizen nach, während es in seinem Kopf arbeitete. Es kam ihm bekannt vor. Fuji … Fuji … Und dann wusste er warum. Oh oh.

~*~

Ryoma hatte die Option zu Tezuka zu gehen, sich für sein Handeln zu entschuldigen und damit zu hoffen, wieder ins Team genommen zu werden. Aber das wäre nicht richtig. Natürlich wusste er, gegen die ausdrückliche Empfehlung seines Buchous und Senpais getan zu haben. Doch hätte er es nicht getan, dann hätte er ebenso gegen seine Überzeugung gehandelt. Schließlich beruhte sein gesamtes Handeln darauf. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als am nächsten Tag, nach dem Unterricht sein Zeug einzupacken und zu hoffen, er könnte sich unbemerkt davon machen. Allerdings schaffte er es nicht mal zum Schultor, als sich ein warmer Arm um seine Schultern schlang und ihn festhielt. „Saa … kann ich dich kurz sprechen?“

„Wenn ich nein sage, lässt du mich gehen?“, fragte er Fuji leise, der bereits in seinem Trikot steckte und seinen Schläger in der Hand hielt. Für einen Moment musterte er seinen Freund und fragte sich, ob der sich mit dem Umziehen beeilt hatte, um ihn abzufangen oder bereits hier auf ihn gewartet hatte. „Saa, was denkst du?“, lächelte sein Freund sofort. Woraufhin Ryoma seufzte und seine Tasche senkte. Die Sonne brannte unentwegt auf sie hinab, und darum wartete er, bis Fuji den Arm von ihm löste, sodass er sich seine offene, schwarze Jacke ausziehen konnte. „Saa … ein bebrilltes Vögelchen hat mir gezwitschert, du wärst gestern spontan bei Rikkaidai zu Besuch gewesen.“, schnurrte Fuji, doch Ryoma spürte deutlich die Spannung in der klaren, weichen Stimme. Daher legte er seine Jacke über seine Tasche und schob sich die weißen Ärmel seines Hemdes über die Unterarme, bis zu den Ellbogen hoch. Versucht, es damit zu übergehen und ebenso entspannt zu klingen, nickte er. „Und?“ Allerdings blickten azurblaue Augen ihn daraufhin eindringlich an. „Das sind keine sehr netten Personen und du legst dich mit denen an?“

Ryoma rollte mit den Augen. „Es waren ja nicht alle, sondern nur zwei.“, korrigierte er seinen Freund, dessen Mund das übliche Lächeln verlor und er Ryoma ernst ansah. „Das beruhigt mich ganz und gar nicht. Erst recht nicht, nachdem Tezuka mir sagte, dass die hinter Yuutas Verletzung stecken. Ryoma, … wieso hast du das außen vorgelassen?“ Er wollte antworten, hörte allerdings über die Stille des Schulhofs das plötzlich stetige Geräusch von aufschlagenden Tennisbällen. Woraufhin er sich nach seiner Tasche bückte. „Du hast Training und Tezuka wird sauer, wenn du wieder zu spät kommst.“

„Das ist mir völlig egal, Ryoma. Hast du ...“ Warme Finger legten sich sanft um seinen Vorderarm, während Fuji an ihn herantrat und ihn eindringlich ansah. „... denkst du, es würde etwas an meinen Gefühlen ändern, würde ich herausfinden, weshalb Yuuta verletzt wurde?“

„Nein.“, sagte Ryoma stur, jedoch nur um für einen Moment die Augen schließen zu müssen, weil er es immer noch nicht ganz einfach fand, zu erkennen, wie offen er für Fuji lag. „Ja, ich … keine Ahnung. Er ist schließlich dein Bruder und ein Freund für mich, aber es war meine Schuld, Fuji. Und wir wissen beide, dass absolut nichts über deinen Bruder kommt, ich wollte nur …“ Er senkte etwas den Blick. Ich will dich nicht verlieren … „Ich wollte das Richtige tun.“

Lange musterte Fuji ihn, bevor dieser seinen Schläger an Ryomas Tasche anlehnte, und sich eine Hand auf seine Wange legte. Fuji lehnte sich zu ihm, so, dass Fujis Stirn gegen seine sank und Ryoma sich für einen Augenblick vorstellen konnte, dass alles okay war. Aber das war es nicht. „Ryoma, … es stimmt und ich mache kein Geheimnis darüber, wie wichtig mit mein kleiner Bruder ist. Aber das bedeutet nicht, dass ich blind agiere, sobald ich seinen Namen höre. Im Gegenteil. Und ich denke nicht, dass es deine Schuld war, schließlich wusstest du nicht, was passieren würde. Beziehungsweise warum. Was mich wütend macht, ist, dass ihr zwei mir nichts gesagt habt. Obwohl ich im Gegenzug erkenne, was deine Absicht war. Dennoch ...“ Warme Finger fuhren durch seine Haare, in seinen Nacken und als Ryoma die Augen wieder öffnete, sah er in sehr entschieden funkelnde, azurblaue Augen. „... bringst du dich noch mal so in Gefahr, werde ich sehr, sehr böse. Ich mag es nicht, wenn die Personen, die ich liebe verletzt werden. Egal ob sie es willentlich in Kauf nehmen oder von jemanden verletzt werden. Verstanden?“

Ryoma schluckte leicht. Dann aber nickte er und hatte zum ersten Mal, seit er Fuji kannte, das Gefühl, dass dieser wirklich ein wenig böse auf ihn war. Und zu seiner eigenen Überraschung, war es ein schmerzvolleres Gefühl, als von Tezuka aus dem Team entlassen zu werden. „Du … wirfst mich aber nicht raus oder?“, hauchte er leise, woraufhin sich der Blick des Tensais wieder ein wenig erwärmte. „Natürlich nicht … und wenn du nicht zu stur wärst, dich bei Tezuka zu entschuldigen, … würde er dich sofort wieder rein nehmen.“

„Aber ich werde mich für nichts entschuldigen, wofür ich überzeugend einstehe.“, sagte er etwas fester, woraufhin sein Freund den Kopf neigte und sich wieder etwas aufrichtete. „Niemand, und ich am Wenigsten, sagt das. Doch sich unbedacht sowie willentlich in Gefahr zu begeben und ziemlich gefährliche Leute zu provozieren, … hat nichts mit deiner Überzeugung zu tun, Ryoma.“

Sie blickten einander einige Sekunden in die Augen, bevor er stur zur Seite blickte und lange Finger fast neckisch, aber liebevoll durch seine Haare fuhren. „Ich liebe dich für deine abnormale Hartnäckigkeit. Aber wofür ich dich viel mehr liebe, ist es, wenn du erkennst, wann es Zeit ist in die Defensive zu gehen. Damit erreichst du viel mehr. Besonders bei Gegnern, wie Tezuka ...“ Damit blickte Fuji ihn eindringlich an, woraufhin er leise schnaubte, aber nickte, weil er irgendwie recht hatte mit seiner Metapher. Und als hätte der Tensai Augen im Hinterkopf … „Fuji, das Training hat bereits vor zehn Minuten begonnen!“

„Saa, bin schon unterwegs.“, lächelte der Brünette sofort strahlend, bevor er eine Sekunde später ihn sanft auf die Wange küsste, und Ryoma erlaubte es sich, die Augen für die eine Sekunde zu schließen, in der der warme Atem über sein Ohr fuhr. „Darf ich dich nach dem Training nach Hause nehmen?“ Unmerklich nickte Ryoma, woraufhin Fuji sich lächelnd zurückzog und dann strahlend an Tezuka vorbeihüpfte. „Zehn Runden, Fuji!“, sagte Tezuka eindringlich, woraufhin Fuji, ohne sich umzuwenden, aber mit einem deutlich zu freundlichen Tonfall erwiderte: „Liebend gern, Buchou.“

Ryoma konnte auf Tezukas Zügen deutlich sehen, wie versucht er war, zwanzig Runden daran anzufügen, allerdings schüttelte dieser kurz darauf nur leicht den Kopf und musterte stattdessen ihn. So, als wartete er darauf, dass Ryoma irgendwas sagen oder tun würde. Und tatsächlich war er verführt, diese Erwartungshaltung zu zerstören, indem er ging, nur … waren da Fujis Worte, die ihn davon abhielten. „Das gestern war anders, als mit Jin.“, sagte er, während sein Blick Tezukas erwiderte. „Damals wollte ich nicht vor einer Herausforderung zurückweichen. Jetzt jedoch … Yuuta ist mein Freund, Buchou. Und er ist Fujis Bruder und ich fühle mich verantwortlich für das, was passiert ist. Er hat das nicht verdient.“

Tezuka schwieg. Sogar so lange, dass Ryoma nicht wusste, ob der Ältere den Sinn hinter seinen Worten verstand. Dann aber trat der an ihn heran und, zu seiner Überraschung, berührte er ihn sanft an der Schulter. „Was du gerade sagtest, sind die gleichen Gründe, durch die ich mir damals meine Verletzung am Arm zuzog. Ich möchte nicht, dass dir irgendwann das Gleiche widerfährt, Ryoma.“

Fast schon überwältigt von der plötzlichen Benutzung seines Vornamens, blinzelte Ryoma und blickte wieder auf in die Augen seines Buchous, während die langen Finger sich sachte um seine Schulter festigten. „Sanada ist nicht die Person, die du dir zum Feind machen solltest. Es widerstrebt mir, … dich gegen ihn spielen zu lassen.“

„Ich … darf ich wieder ins Team?“, fragte Ryoma vorsichtig, unfähig seine Freude oder Hoffnung zurück zu schieben. Wodurch sich für einen Moment die Augen seines Buchous schlossen und dieser dann nickte. „Ja. Aber nur unter der Bedingung, dass du beginnst an die Konsequenzen deines Handelns zu denken. Wenn du verletzt wirst, betrifft das nicht nur dich.“, sagte Tezuka in einem Tonfall, der an Strenge verloren, aber Sänfte gewonnen hatte, und Ryoma musste etwas schlucken. „Ich … würde es nicht ertragen, würdest du deine Karriere dadurch aufs Spiel setzen.“

Sein Herz begann mit einem Mal ein wenig schneller zu schlagen, weil … Ryoma glaubte plötzlich etwas in den haselnussbraunen Augen zu sehen, was er bisher nur in den Augen Fujis gesehen hatte, wenn dieser ihn ansah. Und er war sich nicht sicher, wie er reagieren sollte, als Tezuka einfach nur anzusehen. Dann rutschte die Hand von seiner Schulter und Tezuka trat wieder einen Schritt von ihm zurück, während er sich sachte räusperte. „Du kannst dich dann umziehen. Ich erwarte dich in zehn Minuten auf einem Court.“

„Wofür?“
„Deinem Training. Wenn du gegen Sanada spielst, wirst du mehr, als alles bisherige geben müssen. Und ich vertraue darauf, dass du das schaffst.“ Mit diesen Worten wandte sich Tezuka ab und Ryoma schluckte langsam. Das zu schaffen … bedeutete, Tezuka zu besiegen? Oder gut genug zu sein, als dass sich Buchou nicht mehr sorgen musste? So oder so, … er würde sein Bestes geben müssen.

~*~

Genießend schloss Ryoma die Augen, bei dem Gefühl, wie Fujis Finger über seinen Rücken fuhren. Zugegeben, als ihn der Tensai ins Bett lockte, mit verführerisch gesäuselten Worten, über eine Massage, dachte er an etwas Anderes, als an eine Rückenmassage. Aber alleine die Art, wie Fuji auf seinem Hintern saß und mit der Gänze seiner Handflächen über seinen Rücken fuhr, bevor er mit den Fingerspitzen den perfekten Druck ausübte, war … mehr als gut. Jetzt verstand er auch, warum Karupin sich so gerne streicheln ließ.

Allerdings ging ihm etwas nicht aus dem Kopf. „Fuji, … du kennst Buchou am Längsten oder?“

„Saa.“, antwortete sein Freund gegen seinen Nacken, bevor er dort die weichen Lippen fühlte und automatisch schauderte. „Ist es möglich, dass er mich mag?“, fragte er vorsichtig, stöhnte jedoch fast auf, als die Daumen des Älteren etwas fester über sein Rückgrat fuhren und ihm damit Prickeln durch den Körper jagten. „Saa … willst du mich eifersüchtig machen?“

„Tse.“, schnaubte Ryoma, bei dem amüsierten – zu amüsierten Tonfall, und öffnete die Augen. „Es ist mir nur aufgefallen … er sah komisch aus, als Sanada mich schlagen wollte und heute am Schultor ...“ Mit einem Mal stoppten die Hände auf seinem Rücken, und so schnell konnte er gar nicht schauen, da lag er auf dem Rücken. Azurblaue Augen funkelten gefährlich. „Sanada wollte dich schlagen?“

„Das ist nicht das Thema, Fuji.“, versuchte Ryoma seinen Freund zu beruhigen, der für einen Moment wirklich so aussah, als wollte er nichts lieber, als aufzuspringen und den Fukubuchou aufzusuchen. Aber dann schien dieser sich an etwas zu erinnern und ein sadistischer Ausdruck begann sich in seinen Augen auszubreiten. „Okay … will ich wissen, woran du denkst?“, fragte er argwöhnisch.

„Saa … nein.“, grinste Fuji wahnsinnig und Ryoma nickte langsam. „Also … Tezuka sieht dich wie an?“

„Wie du. Es war nur flüchtig, aber … Fuji, denkst du deswegen gibt er mir so viele Chancen?“ Etwas unsicher darüber, sah er seinen Freund an, aber Fuji schüttelte nur langsam den Kopf und strich ihm sanft einige Strähnen aus der Stirn. „Nein. Ich weiß schon etwas länger, dass er dich sehr gern hat, Ryoma. Aber tatsächlich gibt er dir diese Chancen, weil er von ausnahmslos jedem, in dir das größte Potential sieht. Und das ist tatsächlich schwer, bei ihm zu erreichen.“

Fujis Worte lösten seine Unsicherheit augenblicklich auf, wodurch er leicht grinsen musste. Aber bevor er sich darauf zu viel einbilden konnte, verführte ihn sein Freund in einen intensiven Kuss, während dessen Handflächen über seinen Körper glitten, bis zum Bund seiner Shorts. „Saa … wie wäre es jetzt mit einer anderen Massage, Ryoma?“, schnurrte Fuji sinnlich und Ryoma konnte sich nur auf die Lippen beißen, als lange Finger sich um sein Glied schlangen. Er binnen weniger Sekunden hart wurde. Ja, das hatte er sich bei einer Massage wirklich gedacht.

~*~

Sanada verließ gerade das Krankenhaus, als er aus den Augenwinkeln Tezuka erkannte und sich die Kappe ins Gesicht zog. „Kann das warten?“, fragte er kalt. Allerdings die Art, wie dieser neben ihm seinen Schritt einnahm, sagte ihm mehr, als eine Antwort es konnte.

„Wie geht es Yukimura?“, fragte ihn der Seigaku-Buchou stattdessen, woraufhin Sanada die Lippen schweigend zusammenpresste. Alles was er wollte war nach Hause zu gehen. Sich sein Katana zu nehmen und all die Anspannung aus sich heraus zu kämpfen. „Ich verstehe.“

„Wirklich?“, bellte Sanada zurück, bevor er stehen blieb und den Brillenträger emotionslos musterte. Tezuka stoppte ebenfalls, während sein Blick ruhig auf ihm lag, und es Sanada schwer fiel nicht wütend zu werden, wenn er an Seigaku nur dachte. „Ich lasse Echizen gegen dich spielen.“, antwortete ihm Tezuka, anstatt auf seine Frage einzugehen, aber Sanada empfand es gleichzeitig auch als eine Antwort. Wodurch er argwöhnisch die Augen verengte. „Bist du hier, um mich zu bitten sanft mit deinem Wunderjungen umzugehen?“

Sofort blitzten Tezukas Augen auf. „Nein. Im Gegenteil. Ich bin hier, um dir mitzuteilen, dass wir uns nicht zurückhalten. Doch das bedeutet auch, dass wir ein faires Spiel erwarten.“

„Rikkaidai spielt immer fair!“
„Sag das Fuji Yuutas Bruder, wenn er gegen Kirihara spielt.“, erwiderte Tezuka sogleich und Sanada presste die Lippen zusammen. Er konnte selbst nicht glauben, wie tief er für einen Augenblick gesunken war. Einen seiner Kohais dazu zu benutzen. Beziehungsweise dessen Tennisstil auszunutzen, um jemanden zu verletzen.

„Ich konnte vielleicht dich damals nicht besiegen, aber Echizen wird verlieren.“, sagte er entschieden, wodurch Tezuka knapp nickte. „Versuch dein Bestes, Sanada. Du wirst es brauchen.“ Er wollte ihn anfahren für diese Arroganz, doch dann fiel ihm der Ausdruck hinter dem dünnen, filigranen Brillengestell auf und ihm wurde bewusst, dass Tezuka es ernst meinte. Dass er wirklich an Echizen glaubte.

„Wir werden sehen.“, erwiderte er schließlich, bevor er sich herumdrehte und dann weiterging. Tezuka stehenließ, welcher sich kurz darauf umwandte und in die andere Richtung wegging. Er durfte es sich nicht erlauben, zu versagen. Weder für das Team, noch für Seiichi. Sein Buchou und Freund musste einen Sinn darin sehen, zu kämpfen. Er durfte … Gott, Seiichi durfte nicht aufgeben. Alleine der Gedanke brachte ihn regelrecht um.

~*~

Tezuka wusste nichts von seinen Gefühlen Echizen gegenüber, bis sie ihn von hinten überwältigten.
Hart – Und ihm für einen Moment den Atem nahmen.

Es passierte nicht beim Training. Auch nicht während eines ihrer monatlichen Spiele, Sonntags am Bahnhof. Tatsächlich hatte es absolut nichts mit Tennis zu tun. Es war ein gewöhnlicher Schultag. Die Zehn-Uhr-Sonne schien durch die Bibliotheksfenster, wo Tezuka für gewöhnlich in seiner Freistunde saß, um sich für die nächste Unterrichtsstunde vorzubereiten, als er aus den Augenwinkeln ein bekanntes Grün-Schwarz erhaschte, wodurch er automatisch den Blick hob. Dabei erkannte er Echizen, der – im Sommer und außerhalb des Unterrichts – auf die steife, schwarze Jacke der Schuluniform verzichtete, und somit die Ärmel des weißen Hemds über seine Vorderarme geschoben hatte. Achtlos wie immer. Aber sehnige, wenn auch sehr schmale und zarte Handgelenke entblößte, während lange Finger suchend über einige Buchrücken glitten. Grünschwarze Haare wurden, als Echizen die Buchreihe weiterging, von der einfallenden Sonne getroffen und Tezuka konnte seinen Blick nicht abwenden, gar auf sich aufmerksam machen. Stattdessen starrte er auf die feinen Lichtreflexe, in den, mal recht ordentlichen Haaren, welche Echizen ins Gesicht fielen, wenn er den Kopf senkte und dann seitlich an diesem hinab, beim Aufblicken. Der Anblick löste in ihm ein merkwürdiges Gefühl aus, das es ihm schwer machte, zu atmen. Dann schien der Jüngere das richtige Buch gefunden zu haben und stellte sich auf die Zehenspitzen, um sich mit den Fingern nach dem Buch zu strecken, was allerdings aussichtslos war. Sein Kopf forderte Tezuka auf, sich zu bewegen, da durchbrach ein feines Kichern die Bibliothek. Keine Sekunde bevor Fuji hinter Echizen trat und für ihn das Buch aus der Reihe herauszog. Azurblaue Augen fielen mit einem aufrichtigen Lächeln zu dem Jüngeren hinab, dessen Wangen sich fein rosa färbten, und er ein leises, beinah schüchternes Danke wisperte, das in Tezuka den Wunsch auslöste, es wäre zu ihm gesagt worden. Und wenn er eben nicht mehr weggesehen konnte, dann war es ab da an unmöglich, Echizen für den Rest des Tages anzublicken. Nicht, ohne an dieses Rosa zu denken oder die Art, wie er und Fuji einen Blick austauschten, während lange Finger übereinander streiften, beim Übergeben eines einzelnen Gegenstandes.

Er hatte immer gedacht, wenn er sich verlieben würde, dann auf einem Tennisplatz, mitten in einem Spiel. Nicht durch so etwas Simples, wie einem Bibliotheksbesuch. Und auch nicht in Echizen. Aber der Jüngere würde wohl nie damit aufhören, ihn zu überraschen. Es war auch nicht so, dass er ihn nicht vorher bereits gern hatte, und das auf eine Weise, wie es für ihn sehr unüblich war. Doch war es vorher immer nur der Drang gewesen, ihn zu fördern und zu beschützen. Seit dem Augenblick aber, in dem er dieses Gefühl – diese … Sehnsucht nicht mehr unterdrücken konnte, ihm nahe sein zu wollen, … wurde es schwer.
Und nicht einfacher, wenn er die Blicke und subtilen Gesten zwischen Fuji und Echizen beobachtete. Es erinnerte ihn daran, wie es gewesen war, als Fuji die gleichen sanften Berührungen bei ihm initiierte. Ihn so sanft anblickte, bevor es … dann plötzlich verschwand, im selben Augenblick, wie Tezuka sich vorstellen konnte, diese Art der Nähe wirklich zu mögen. Vielleicht aus einer flüchtigen Berührung mehr zu machen. Aber Fuji sprach von Freundschaft, und Tezuka fühlte sich auf merkwürdige Weise verloren.

Es war somit nicht sein eigener Schmerz oder eine Form der Eifersucht, die ihn dazu brachte Echizen aufzuklären, sondern ernst gemeinte Sorge. Umso mehr war es beschämend, als ihn Fuji kurz darauf konfrontierte. Scham, weil er durch seinen verletzten Stolz vergessen hatte, wer Fuji tief in sich drinnen wirklich war. Und er das an ihrer Freundschaft ausgelassen hat. Allerdings löste sich danach ein Knoten, der sie seit Monaten immer schwerer zu belasten schien. Es war ein wundervolles, erleichterndes Gefühl. Denn auch, wenn es ihn schmerzte, nur einen Tag später, die beiden zu sehen, wie Echizen sich von Fuji einen Arm umlegen ließ, während sie dem Team mitteilten, einander mehr zu mögen, … musste er lächeln. Weil er es ab da an erkannte – Wie gut die beiden füreinander waren.

Fujis Art war weniger manipulativ und spielerisch. Es schien tatsächlich so, als würde er die Trainingsspiele ernster nehmen. Zugegeben, er hatte nicht geglaubt, das Team würde es ertragen, würden die zwei größten Chaoten aus dem Team eine Beziehung eingehen. Doch irgendwie schien es das Gegenteil zu bewirken. Tezuka konnte es nicht in Worte fassen. Aber es schien plötzlich so, als wäre eine Art Ballast vom Team genommen worden, wodurch einfach alles viel entspannter zu werden schien. Aber vielleicht war es auch einfach nur die Art, wie Echizen sich nicht mehr so sehr distanzierte, sondern hin und wieder sogar etwas lächelte, wenn er dachte, es sehe keiner. Doch Tezuka tat es, und jedes Mal strahlte die Sonne für ihn ein wenig mehr. Auch, wenn es ihm nur gestattet war, es aus der Ferne zu genießen.

Darum sah er auch die Wolken nicht. Welche sich über ihn zogen, als ihn Fuji Yuuta anrief und darüber informierte, dass Echizen zu Rikkaidai wollte. Ab dem Moment musste Tezuka entscheiden zwischen ihm und dem Team sowie Echizens Sicherheit. Ihm war klar, dass sie das Spiel gegen Rikkaidai ohne ihn nicht schaffen würden. Natürlich vertraute er jedem sein bestes zu geben, ebenso, wie er es selbst machen würde. Doch Echizen war … einfach einzigartig. Und wenn jemand ihren Sieg herbeiführen würde, war es der Jüngste von ihnen. Welcher ein größeres Potential besaß, als Tezuka selbst. Vielleicht sogar mehr als Fuji, wobei er sich hier nicht sicher sein konnte, wie gut der Brünette in Wirklichkeit war. Manchmal glaubte er, die einzige Person, die es vielleicht erahnen konnte, war Echizen …

Schließlich war Fuji der einzige Grund, der Echizen dazu brachte, sich ihm, wenn auch nur einen Schritt, zu nähern. Wobei ihm bewusst war, warum er so gehandelt hatte. Da konnte er so tun, wie er wollte. Doch Tezuka kaufte ihm die Mada mada danes, egal wie süß sie klangen, schon seit zwei Jahren nicht mehr ab. Ebenso wenig das kaltschnäuzige Was auch immer.

Als er also vier Tage vor dem großen Spiel, in Richtung der Courts trat. Zu früh und noch nicht einmal umgezogen, hörte er harte sowie schnelle Schläge, die ihn stutzen ließen. Es gab nicht viele, die so viel Ehrgeiz besaßen, in der einstündigen Pause zwischen Unterricht und Training, so früh dort zu sein, um sich ein solches Match zu liefern. Und doch …
Sobald seine Füße ihn um das Gelände herumführten, erkannte er Fuji auf der einen und Echizen auf der anderen Seite eines Courts.

Tezuka trat nahe genug heran, um vage ihre Gesichter ausmachen zu können, obwohl er es wohl kaum brauchte, um zu wissen wie sie aussahen. Es erinnerte ihn, ohne, dass er sich anstrengen musste, an deren erstes und bislang einziges, offizielles Spiel auf Seigaku Gelände. Und ebenso wie damals, nahmen die beiden sich absolut gar nichts. Damals schon Fuji zum ersten Mal seit Jahren, wirklich so ernst spielen zu sehen – in einem Trainingsspiel – war tatsächlich aufregend und hypnotisierend zu beobachten. Wenn auch bitter, wenn er bedachte, dass dieser ihn damals auf dem Court nicht ernst entgegen getreten war. Von Echizen wiederum erwartete er nichts anderes, als die gleiche Leidenschaft und Kampfeslust wie immer. Schließlich trainierte er mit ihm, seit den letzten zehn Tagen durchgängig. Wobei es unglaublich war, wie unzerstörbar und hartnäckig Echizen war. Immer wieder ließ er sich etwas anderes einfallen, wann immer Tezuka glaubte, ihn in eine Ecke gedrängt zu haben.

„Saa … wir dürfen doch oder, Tezuka?“ Ihm war nicht aufgefallen, dass er Echizen anstarrte, bis Fujis amüsierte Stimme ihn aus den Gedanken riss, und er ruckartig zu diesem sah, der ihn wissend sowie scharf anblickte. Es Tezuka sogar etwas überraschte, dass Fuji ihn warnte, sich zurückzunehmen. Allerdings hatte er nicht unrecht. Er musste aufpassen mit der Art, wie er Echizen anblickte. „Natürlich. Seid aber fertig, bevor das Training beginnt.“, befahl er sanft, bevor er sich abwandte, dabei zu Echizen kurz sah, welcher ihn kurios musterte.

„Saa, 3 – 4, Ryoma. Wenn du dich anstrengst, besiegst du mich vielleicht heute.“, neckte Fuji den Jüngeren, der sofort darauf einging. „Dann schlag endlich auf, damit du es hinter dich bekommst, Fuji.“, grinste er mit einem Funkeln, das Tezuka für einen Moment an ihre Spiele erinnerte, eh er sich vollends abwandte und zu den Bänken ging, wo er seine Schulsachen abstellte und den beiden zuschaute. Er stand Echizen in den letzten Tagen oft gegenüber und immer wieder hatte er eine feine Steigerung in ihm gesehen sowie gespürt. Allerdings auch eine Veränderung wahrgenommen. Zuvor wusste er nicht, woher sie stammen mochte. Jetzt, wo er den Beiden zuschaute, wurde ihm bewusst, dass Fuji und Echizen sehr viel öfter gegeneinander spielen mussten, als angenommen. Besonders von dem Brünetten war er überrascht davon, schließlich ging diesem Tennis nicht so nahe, wie Tezuka oder Echizen.

Und doch … so, wie sie spielten – besonders Fuji, bekam er das Gefühl, dass er das Spiel nicht nur nutzte, um seinen Freund zu fördern, sondern auch sich selbst. Dann überholte Echizen, Fuji, wodurch dieser gezwungen wurde, seinen zweiten Counter zu spielen, gegen den der Jüngere noch nichts aufbringen konnte. Ab da war es nur noch eine Frage der Zeit, wussten Fuji, ebenso wie er. Dennoch, war er sicher, hätte Fuji seinen Counter früher ausgepackt und Echizen mehr Zeit gegeben diesen geradezu auseinander zu picken, um dahinter zu steigen, wie er genau funktionierte, hätte er ihn gebrochen. Tezuka war sich dessen sicher.

„7 – 5, Ryoma … so knapp.“, schnurrte Fuji anerkennend, aber mit einem Lächeln, sobald die beiden sich am Spielfeldrand trafen und Tezuka das als Zeichen sah, aufzustehen. Doch sah er wie sich Echizen leicht pikiert an der Kappe zog, die Fuji ihm jedoch stahl und ihn auf die Schläfe küsste. „Nicht schmollen, morgen ist ein weiterer Tag.“ Die Worte ließen ihn jedoch inne halten. Fragend drehte er sich zu den beiden. „Ihr spielt jeden Tag?“, fragte er mehr Fuji, als Echizen, der immer noch so aussah, als wollte er Tsubame Gaeshi immer noch in Gedanken auseinandernehmen. „Saa … auf Ryomas Court Zuhause. Er ist einfach unersättlich.“

Die brennende Röte auf dem Gesicht des Jüngeren versprach Tezuka mehr, als eine Unersättlichkeit auf dem Court. Dennoch konnte er es kaum glauben. Ein Spiel in dieser Intensität am Tag war schon anstrengend. Aber zwei waren tatsächlich herausfordernd. Besonders, wenn sie gegen die beiden Stärksten in ihrem Team abgehalten wurden. Schließlich fiel sein Blick zurück auf Fuji, der lächelnd seinen Schläger auf der einen Hand balancierte, während er mit der anderen Ryoma die weiße Kappe wieder aufsetzte. „Du gehst sicher, dass er seine anderen Verpflichtungen nicht vergisst?“

„Saa … natürlich. Er kümmert sich gut um mich.“, kicherte Fuji amüsiert, wofür er Echizens Ellbogen in die Seite kassierte, und Tezuka fast lächeln musste. Damit nickte er und wollte sich abwenden, allerdings hielt ihn noch etwas ab. Etwas, … das er schon sehr lange nicht mehr gemacht hatte, weshalb er sich zu beiden drehte und anerkennend nickte. „Beeindruckende Leistung. Von euch beiden.“ Dann ging er endgültig. Sich darüber bewusst, die Blicke der beiden auf sich zu spüren. Überrascht, allerdings auch erfreut, durch sein ehrlich gemeintes Lob. Ihm selbst war gar nicht aufgefallen, dass er ihnen zu nahe gekommen war und damit gleichzeitig auch vergessen hatte, nicht nur ihr Freund zu sein, sondern auch ihr Buchou.

~*~

„Ich liebe dich.“, wisperte Seiichi in seine Halsbeuge, während Sanadas Hände sich über seinen Rücken bewegten, wo er seinen Freund sanft streichelte. Die Worte ließen seine Augen brennen und seine Kehle eng. Nur noch vier Tage, ging es ihm durch den Kopf. Vier Tage, … und Sanada spürte den Druck in sich immer mehr ansteigen. Die Angst zu versagen und die eine Person zu verlieren, die ihm mehr bedeutete, als alles andere. „Genichirou?“

Violette Augen blickten ihm besorgt an, woraufhin er schlucken musste. „Ich liebe dich auch.“, erwiderte er somit leise, aber Seiichis Ausdruck änderte sich nicht. Stattdessen setzte dieser sich ein wenig auf, wobei sich die filigranen Hände auf seine Brust schoben. „Was bedrückt dich?“, fragte ihn sein Buchou, Freund und Geliebter und für einen Augenblick konnte Sanada die bloße Frage nicht fassen. Es war sowieso nur eine Frage der Zeit gewesen, wann ihm dieser Druck endgültig zu viel wurde und eine seiner Geduldsfäden reißen würde. Aber wenn es passierte, hatte er nicht geglaubt, dass es gerade hier sein würde oder mit Seiichi.

„Du.“, antwortete Sanada somit knapp, aber nicht weniger deutlich, woraufhin sein Freund blinzelte und leicht den Mund öffnete. „Was?“

„Wie kannst du mir dein Überlebenswillen aufbürden, Seiichi?“, fragte er seinen Freund verständnislos, bevor er sich von diesem löste und aus dem Krankenhausbett aufstand.

„Ich will doch nur –...“
„Gewinnen. Ja. Ich auch. Aber was, wenn ich versage, Seiichi? Ich kann damit leben, alles getan zu haben, um für dich zu gewinnen. Aber nicht damit, dass du dein Überlebenswillen nur auf einen Sieg beim Tennis abhängig machst.“

Dieser Schmerz befand sich schon so lange in ihm, dass, als er es aussprach, er diesem die Tür öffnete. „Ich will, dass du kämpfst, Seiichi. Nicht wegen Tennis.“ Sanada spürte, wie sich seine Hände automatisch zu Fäusten ballten, sobald er diese Worte aussprach. Schließlich hob er den Blick wieder, um seinem Buchou in die Augen zu sehen, in denen er so viel Angst schimmern sah, dass es ihn innerlich zerriss. „Sondern … für mich.“

Sein Herz schlug so hart, dass er es in seinen Ohren pulsieren spürte. Fast wie ein schwindelerregendes Rauschen, das seine Gedanken übertönte. Dabei beobachtete er, wie Seiichis Augen sich langsam schlossen, als dieser zittrig, tief durch atmete, bevor plötzlich Tränen über die blassen Wangen liefen, woraufhin Sanada einen Schritt auf das Bett herantrat. Lange Finger krallten sich zitternd in das blaue Laken des Bettes, bevor sein Freund die Augen wieder öffnete und ihn intensiv anblickte. „Und wenn ich es bin, der versagt, Genichirou? Ich … ich wollte dich nie …“ Seiichi schluchzte plötzlich und dann sank Sanada auf die Bettkante, womit er seinen Geliebten sofort an sich heranzog. Eine Hand legte er sofort auf Seiichis Hinterkopf, als dessen Stirn gegen seine Brust sank und er die andere Hand auf den schmalen Rücken legte. „Du bist die stärkste Person die ich kenne, Seiichi. Du kannst doch gar nicht versagen. Nicht in meinen Augen.“, hauchte er schließlich zärtlich. Und das nicht, um seinen Freund mehr Mut zu geben, sondern weil er es tatsächlich so meinte. Von allen Menschen, die Sanada in seinem Leben bisher kennenlernen durfte, so war Seiichi immer die eine Person gewesen, von der er sich gewünscht hatte, irgendwann ebenso stark zu werden.

Seiichi begann plötzlich ein wenig zu beben und eh er sich versah, richtete dieser sich ein wenig auf und schmunzelte weinend. „Das ist doch … es geht mir mit dir doch ebenso. Deshalb …“ Seiichi schüttelte den Kopf, wobei die dunklen, taubenblauen Haare ein wenig über Sanadas Handgelenk fielen und er diese dann zart aus Seiichis Gesicht streifte. Mit seinen Fingern sanft über Seiichis Gesicht fuhr, um die Tränen wegzustreichen. „Dann lass es uns gemeinsam machen.“, wisperte er, woraufhin sich violette Augen öffneten, die ihn dann für einen Moment unsicher musterten. Dann aber sah Sanada endlich wieder etwas in ihnen, das er glaubte, zuletzt auf einem Court gesehen zu haben. Und es ließ sein Herz mit Hoffnung schneller schlagen.

„Gemeinsam.“, erwiderte Seiichi schließlich und Sanada lehnte sich im selben Moment hinab, um seinen Buchou zu küssen.

Später, als er alleine in seinem Bett zu Hause lag, glaubte Sanada immer noch in vier Tagen wohl einen der härtesten Kämpfe seines Lebens ausfechten zu müssen. Jetzt aber, wenn ihn die Unsicherheit zweifeln ließ, dann fürchtete er zumindest nicht mehr damit, Seiichi zu verlieren. Sondern nur noch ein Spiel.

~*~

Ryoma hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er das geschafft hatte. Sein Herz raste wie wahnsinnig gegen seinen Brustkorb, so heftig, dass er für einen Augenblick sogar glaubte, einen Infarkt zu erleiden. Wobei er allerdings das Gefühl hatte, nicht ganz alleine damit zu stehen. Denn ebenso wie er, starrte Tezuka auf den Ball, den Ryoma noch vor einigen Sekunden über das Netz mit einem Lob gebracht hatte.

Oishi, der für sie die Punkte gezählt hatte, räusperte sich plötzlich, was in der fast erdrückenden Stille, erschreckend laut wirkte, sodass Ryoma den Blick langsam hob. „Eh … 7 – 5 für Echizen.“

Sein Blick fiel auf Tezuka, der ihn auf eine Weise anblickte, wie es sein Innerstes ein wenig flattern ließ. Aber auch nur, weil er in den haselnussbraunen Augen noch nie so viel Stolz gesehen hat. Doch bevor er auch nur die Chance hatte darauf einzugehen oder das Lächeln auf seinen eigenen Lippen wahrzunehmen, riss ihn Eiji förmlich um, als dieser ihn euphorisch umarmte. „SUGOIIII!! Ochibi hat gewonnen!“

„Eiji … senpai … Luft …“, atemlos keuchte Ryoma nach Luft, während ihn Eiji diese förmlich aus den Lungen presste, so hart umarmte dieser ihn. „Eiji, lass Ryoma los.“, schnurrte Fuji zärtlich, woraufhin der Rothaarige ihn sofort los ließ und Ryoma nach Luft schnappte. Er ließ sich von Fuji sanft auf die Füße helfen, dessen Arm sich dabei um seine Hüfte legte und ihn aufrecht hielt, während Tezuka an das Netz herantrat und ihn sanft anblickte. Dieser Blick … gab ihm das Gefühl etwas Besonderes hier zu sein oder besser gesagt, jemand. Dabei brauchte es nicht einmal Worte, die beschreiben konnten, was sie beide in dem Augenblick dachten oder gar empfanden. Aber als Tezuka ihm die Hand entgegen streckte und Ryoma diese ohne zu zögern umfasste, waren Worte auch völlig überflüssig.

~*~

„Fuji ...“, hauchte Ryoma später, als er bei seinem Freund übernachtete und dieser seit bestimmt einer halben Stunde seinen Rücken auf diese perfekte Weise streichelte. „Saa?“ Es war so verrückt und Ryoma war sich nicht sicher warum er plötzlich so komisch empfand. Aber vielleicht war es sein Sieg gegen Buchou, dass er sich so fühlte, als würde er mit einem Mal wirklich alles schaffen. Egal wie nervös sein Innerstes sich kräuselte oder wie hart sein Herz schlug. Er hob langsam den Kopf von seiner Position, von seiner Hand, die auf Fujis Brust lag und sah dann in die tiefblauen Augen des Älteren, die ihn aufmerksam ansahen. „Ich liebe dich.“ Die Hände auf seinem Rücken hielten mit einem Mal inne, während Ryoma spürte, wie seine Wangen begannen rot zu werden und ganz heiß.

Wenn er daran dachte, was Fuji und er in den letzten Monaten schon alles gemacht hatten …

Wie sie von verspielten Küssen und Schmusereien hinter verschlossenen Türen, zu etwas wirklich Aufrichtigen gekommen waren. Liebevollen Berührungen vor ihren Teamkameraden oder Umarmungen auf dem Court austauschten, bis hier hin … Dabei wusste er doch, wie sehr Fuji ihn liebte, ebenso wie dieser wusste, wie Ryoma ihm gegenüber empfand. Allerdings hatte er es selbst noch nie gesagt. Bis jetzt eben …

Und bevor er sich selbst noch wahnsinnig machen konnte, begann Fuji plötzlich glücklich zu strahlen. „Ich liebe dich auch, mein Kätzchen.“, antwortete ihm dieser so ernst und aufrichtig, dass Ryoma wieder atmen konnte. Für gewöhnlich hätte er jetzt über diesen Spitznamen gemeckert, aber in diesen Augenblick ließ er es dem Älteren gerne durchgehen. Dann lehnte er sich zu Fuji, womit er ihn zärtlich auf die weichen Lippen küsste und es genoss, wie die warmen Handflächen wieder begannen über seinen Rücken zu streicheln.

Eigentlich sollte es ihm Angst machen. Die Intensität, wie er für Fuji empfand. Aber tatsächlich waren es solche Momente, wie diese hier, die Ryoma bewusst machten, dass er niemals sicherer sein würde. Alleine heute, war ihm wieder einmal aufgefallen, wie Tezuka ihn ansah und dass er sich vor über einem Jahr wahrscheinlich darum gerissen hätte, diesen Blick bei seinem Buchou zu sehen, es ihn heute nur noch freute. Aber nicht mehr ausfüllte. Nicht, wie diese unendliche Erfüllung, die ihn durchfuhr, nachdem ihm Fuji später anerkennend ins Ohr flüsterte, Tezuka besiegt zu haben. Denn in der Stimme seines Tensais lag ernsthafter Stolz und Bewunderung. Sie schaffte es sogar, dass Ryomas Hände ein wenig zitterten, bevor er sich wieder fangen konnte.

Aus dem Grund war es auch so abwegig, dass es jemand anderen geben könnte, den Ryoma mehr lieben könnte – vielleicht neben Karupin natürlich. Aber das war etwas Anderes. Vielleicht musste er es auch gerade daher aussprechen. Weil Fuji es verdiente das zu hören. Wenn dieser ihm gegenüber so offen und ehrlich sein konnte, … verdiente er die gleiche Offenheit von Ryoma. Auch, wenn es ihn auf völlig unsicheren Boden schickte, weil er es nicht kannte, jemanden so offen gegenüber zu treten. Doch bei Fuji wusste er, dass dieser ihn auffangen würde. Egal was passieren würde.

Damit sank sein Kopf wenige Momente zurück auf dessen Brust, wo er seine Nase ein wenig in das weiche T-Shirt vergrub und einen fast genießenden Laut von sich gab, als lange Finger sich in seinen Nacken schoben. „Schlaf gut, … Syusuke.“, wisperte Ryoma schließlich bereits im Halbschlaf, weshalb er nur noch nebenbei die zärtlichen Worte, in sein Haar geflüstert mitbekam. Sowie einen zärtlichen Kuss auf seinen Kopf, bevor er tief in einen perfekten, warmen Schlaf fiel.

~*~

„Ich bin immer noch geschockt, dass du Buchou geschlagen hast.“, grinste Momo ihn breit an, als sie sich einen Tag vor dem großen Spiel gegen Rikkaidai, nochmal Burger leisteten. Oder besser gesagt, Momo leistete es sich, während Ryoma aß. Natürlich durfte Inui nicht wissen, dass sie hier waren. Alleine wenn der erfahren würde, was Ryoma alles von der roten Liste seines Ernährungsplans aß … Er wollte sich gar nicht ausmalen, wie viele Penalteas er sich dafür einheimsen müsste.

„Tse. Da bist du ja leicht zu schockieren.“, erwiderte Ryoma trocken, nachdem er den letzten Bissen von seinem Burger geschluckt hatte und nahm dann einen Schluck von seinem Erdbeermilchshake. Zufrieden lehnte er sich in der Sitzbank zurück, wobei er die Beine ausstreckte. „Es war nur eine Frage der Zeit.“, fügte er schließlich noch an, was seinen besten Freund ein wenig husten ließ.

„Nun sei mal nicht so arrogant, Echizen.“ Momo blinkte ihn ein wenig an, auch wenn dessen Mundwinkel leicht zuckte. Aber Ryoma erwiderte seinen Ausdruck. „Ich bin Realist, Momo-senpai. Ich hab mit Fuji zuvor, jeden Tag gespielt … und wenn ich knapp davor war ihn zu besiegen, war es mit Buchou abzusehen.“ Seine Stimme klang wärmer als normal, was vielleicht damit zusammenhing, weil er über zwei Personen sprach, die seinen allergrößten Respekt besaßen. Und das nicht alleine, weil er eine Person besonders gern hatte. Aber auf das wurden Momos Augen nur groß. „Warte … nicht nur, dass du und Fuji-senpai – ihr spielt auch noch so oft Tennis? Ich dachte euer Spiel wäre inzwischen in Vergessenheit geraten.“

Er zuckte ein wenig mit der Schulter. Dennoch erfüllte ihn ein angenehmes Prickeln, wenn er an Fujis sanfte Worte dachte, wenn dieser ihn wieder darauf aufmerksam machte, wie gerne er mit Ryoma auf dem Court stand. „Er ist besser als Tezuka.“, sagte Ryoma schließlich, woraufhin Momo eine Fritte aus dem Mund fiel. Ryomas Augenbrauen zogen sich daraufhin ein wenig missbilligend zusammen, eh sich sein Blick von dem Stück zurück ins Gesicht seines Freundes richtete. „Das sagst du nur, weil er deinen Verstand mit Sex manipuliert.“

„Schwachsinn!“, schnaubte Ryoma und wurde gleichzeitig knallrot, weil er sich gleichzeitig dachte, dass sie zwar sehr viel im Bett und auch außerhalb davon machten, … aber bisher noch keinen direkten Sex gehabt hatten. Um sich davon abzulenken, nahm er einen weiteren Schluck von seinem Shake. „Als wenn mich das beeindrucken würde, Baka. Ich mein es völlig ernst. Fuji …“ Für einen Augenblick musste er die richtigen Worte suchen, aber egal wie sehr er versuchte eine Definition für das Spiel seines Geliebten zu finden … „Fuji ist atemberaubend.“

„Saa, ich danke dir.“, schnurrte eine warme Stimme plötzlich hinter ihm, woraufhin Ryoma erschrocken auffuhr und sich dabei das Knie an der Tischkante anschlug. „Itai - Du ...“ Er fuhr zu dem Tensai herum, der ihn aus seinen blauen Augen amüsiert angrinste, während er ihn giftig musterte. „Wie oft hab ich dir gesagt, du sollst aufzuhören, dich an mich heranzuschleichen?“

„Saa, mit diesem hier neunundzwanzig Mal.“, grinste Fuji und hauchte ihm dann einen Kuss auf die Lippen, bevor er sich zu ihm auf die Bank setzte und den Arm um Ryomas Schultern legte. Was er aber auch nur tolerierte, weil er den Schwachkopf von Tensai liebte. Momo hingegen grinste ihn nur schweigend an, wobei Ryoma ihm gegen das Schienbein trat und dieser daraufhin fluchte. Fuji kicherte leise. „Saa, nicht so aggressiv, Ryoma. Momo muss doch morgen noch spielen können.“

„Er soll nicht so empfindlich sein. Ich hab mit ganz anderen Verletzungen gespielt.“, grinste Ryoma den Schwarzhaarigen nur an, der in sichere Entfernung rutschte, bevor er seine Antwort dazu abgab. „Ja, aber du bist auch wahnsinnig, Echizen.“

„Tse.“ Mehr sagte Ryoma dazu nicht, als er sich etwas an Fuji lehnte, wobei ihm etwas einfiel. „Warte, was machst du eigentlich hier?“

„Saa, ich kam hier vorbei, als ich meine Schläger abholen wollte, … also dachte ich, ich sag mal hallo.“ Ryoma blinkte und sah Fuji an, dessen Augen geschlossen waren und gleichzeitig lächelte er. Zwar aufrichtig, allerdings auch nicht, wie wenn sie alleine waren. Wodurch ihm bewusst wurde, dass dieses Privileg auch wirklich nur er hatte. „Wir haben uns heute schon begrüßt.“, murmelte Ryoma ein wenig verlegen, weil Momo schon wieder so grinste …

„Ihr seid so niedlich.“, lachte sein bester Freund, woraufhin Ryoma leicht die Augen verengte und ihm dann gegen das andere Schienbein trat. Während Momo sogleich wieder fluchte, fuhr Fuji mit seinen Lippen über Ryomas Schläfe. „Saa, so unbarmherzig. Genau darum liebe ich dich.“, flüsterte der Ältere in seine Haare und jagte ihm damit ein angenehmes Prickeln über den Nacken. „Hm.“, erwiderte Ryoma warm, wenn auch nur knapp, eh er sich mehr an Fuji lehnte und die Augen für einen Moment schloss.

Es war nicht einfach seine Mauern fallen zu lassen. Auf dem Court war es einfach, weil er dort sowieso zu Hause war. Und in seinem Team sowieso … aber auf der Straße oder innerhalb öffentlicher Orte, war es für ihn manchmal wirklich schwer, sich auf die Nähe einzulassen. Wenn er allerdings daran dachte, wie viel Fuji für ihn machte – alleine, dass er mehr Tennis mit Ryoma spielte, als gegen Yuuta … – machte es ihm einfacher, die Außenwelt und deren altertümlichen Ansichten zu ignorieren.

~*~

Fuji grinste leicht unterdrückt gegen Ryomas perfekten, makellosen, langen Hals, wo er sich schließlich festsaugte, während seine Hand ihren Rhythmus verlangsamte und er die langen Finger seines Freundes um sein Handgelenk festigen spürte. „Fuji ...“, keuchte Ryoma atemlos, wobei sich dessen Kopf nach hinten, auf seine Schulter absenkte und ihm mehr Platz bot, über diese weiche Haut zu küssen. „Saa, wenn du lauter wirst, muss ich aufhören.“, schnurrte er sanft gegen die zart gebräunte Haut, bevor er über Ryomas bebenden Adamsapfel leckte, hinab zu der kleinen Vertiefung. Dann hob er seinen Kopf wieder an und beobachtete zufrieden, wie sich eine perfekte, zarte Röte von Ryomas Wangen, hinab über seinen Hals bahnte.

Seine eigene Erregung wurde – wenn es überhaupt noch möglich war – alleine durch das zarte Erzittern von Ryomas Körper, gegen seinen, nur noch härter. Eigentlich hatte er ja nur ein Bad mit ihm nehmen wollen, um für den morgigen Tag zu entspannen. Allerdings so, wie Ryoma sich gegen seine Brust schmiegte, … war es praktisch unmöglich sich zurückzuhalten. „Von wegen aufhören.“, keuchte Ryoma atemlos, als dieser die Augen aufschlug und ihm einen fast schon stürmischen Blick zuwarf. „Du hast angefangen. Also bring es zu ende.“

Fuji leckte sich leicht grinsend über die Lippen. Dann nickte er und hauchte einen Kuss auf Ryomas Schläfe. „Wie Ihr wünscht, meine Majestät.“ Belustigt zwinkerte er, als Ryoma mit den Augen rollte, nur um ihm gleichen Moment mit dem Daumen über dessen Spitze zu reiben, und damit ein weiteres Stöhnen aus diesen bezaubernden Lippen herausbrachte. „Saa … wenn du lauter wirst, wird dein Vater genau wissen, was wir hier tun. Und ebenso deine Cousine.“

„Fuji ...“, keuchte Ryoma jedoch nur atemlos bei dem Versuch, sich aus seinem Griff, den er mit einem Arm um ihn hatte, herauszuwinden und mehr von seiner rechten Hand zu haben, die dessen Härte fast schon genüsslich langsam berührte. „Dann … bitte ...“

„Bitte, was?“, hauchte Fuji und spürte ein immer intensiveres Prickeln durch sich selbst jagen. Er liebte die Intimitäten mit Ryoma. Auch, wenn er natürlich Lust auf mehr bekam, so war es nicht die Aussicht auf Sex oder der alleinigen körperlichen Befriedigung, die er mit dem Jüngeren so genoss. Sondern viel mehr die Tatsache, dass Ryoma ihn das überhaupt mit sich machen ließ. Denn Fuji selbst, war schon immer sehr neugierig gewesen, aber trotz allem hatte er bisher nie wirklich das körperliche Bedürfnis gespürt, diese Neugier auch mit einer anderen Person auszuleben. Nun … bis Ryoma kam und ihn Dinge spüren und … fantasieren ließ …

„Ich … bitte Fuji … ich will …“, Er schluckte selbst, bei den atemlosen Lauten, die sein Geliebter von sich gab, während sich gleichzeitig dessen Glied immer heißer in Fujis Hand anfühlte. Schließlich krallte sich Ryomas Hand plötzlich härter in seinen Oberschenkel, als dieser sich überraschend kräftig ein wenig von dort abstemmte und Fujis Erregung dann zwischen diese perfekten, warmen Pobacken glitt. Automatisch festigte sich sein Griff um Ryomas Erregung, bei dem unglaublichen Gefühl von Feuchtigkeit sowie Hitze, was ihm völlig überwältigt aufstöhnen ließ und Ryoma dann ebenso heftig in seiner Hand kam, wie er über Ryomas Rücken und auf seiner eigenen Brust. Nur beiläufig bekam Fuji mit, wie das Wasser über die Wanne schwappte, sobald sich Ryoma wieder zurück gegen Fujis Brust sinken ließ und dieser heftig nach Luft schnappte. „Saa … das … war ziemlich … hinterhältig gespielt.“

„Mada mada ...“, keuchte Ryoma jedoch nur und Fuji vergrub sein Lächeln in den weichen, grünschwarzen Haaren. Langsam löste er seine Finger um Ryomas Glied, bevor er mit ihnen sanft über den flachen Bauch seines Freundes fuhr. Dabei genoss er deutlich das Gefühl seiner weichen Haut unter seinen Fingerspitzen, welche sich durch das heiße Wasser besonders weich und warm anfühlte. Für eine sehr lange Zeit lagen sie so in der Badewanne, wobei Fuji seine Entspannung durch Ryomas ruhiger werdende Atmung erhielt sowie der Art, wie dieser über sein Knie streichelte.

Für einen kurzen Augenblick erwog er es, den morgigen Tag anzusprechen. Das Spiel und … was vielleicht passieren würde, sollte Ryoma gegen Sanada spielen. Denn eines war klar. Auch wenn er Tezuka besiegt hatte, trennten Tezuka und Sanada Tenniswelten. Nicht vom Können, aber von der Art, wie sie spielten. Denn der Fukubuchou Rikkaidais spielte brutal. Doch dann drehte sein Kleiner den Kopf und blickte ihn aus seinen großen, schönen Augen einfach nur von der Seite tief an, woraufhin er diese Gedanken ganz weit nach hinten schob und Ryoma stattdessen sehr viel lieber zärtlich küsste.

Morgen würde für sie alle hart werden.
Aber anders, würde es Ryoma wahrscheinlich sowieso nicht wollen, dachte Fuji stolz über seinen kleinen Kämpfer.

~*~

Ryoma wusste einzig alleine von der Erzählung Yuutas, wie Kirihara gegen ihn gespielt hatte. Wie der sich binnen eines Ballwechsels völlig veränderte und zu einem regelrecht aggressiven Monster wurde. Was ihn selbst nicht eine Sekunde davon abhalten ließ, diesen nur zu gerne selbst herauszufordern und den Arsch aufzureißen. Er hatte keine Scheu, sich in einem Spiel Verletzungen beibringen zu lassen. Selbst, wenn Fuji und Tezuka ihn stets darüber ermahnten, besser auf sich achtzugeben. Das bedeutete jedoch nicht, dass es ihm nicht wehtat, zusehen zu müssen, wie sein Freund gerade auf dem Spielfeld einen Ball nach dem Nächsten gegen das Knie geschlagen bekam.

Seine Finger krallten sich dabei so hart um das Holz der Bank, auf der er neben all seinen Teamkollegen saß, dass seine Nägel sich ins Holz bohrten. Alles, nur um sich davon abzuhalten, aufs Spielfeld zu laufen und dafür sogar ausgeschlossen zu werden.

Angespannt beobachtete er das Spiel, während sein Puls mit jeder Minute immer mehr in die Höhe ging. Er hasste es, nicht dort zu stehen. Das hier war schließlich sein Spiel. Er sollte dort stehen und Kirihara fertigmachen, beziehungsweise die Bälle kassieren, nicht Fuji. Plötzlich jedoch legte sich eine Hand auf seine Schulter, woraufhin er etwas zusammenfuhr und dann überrascht in haselnussbraune Augen blickte. „Fuji schafft das, Echizen.“, vergewisserte ihm Tezuka. Und es war nicht so, dass er es nicht selbst wusste. Fuji schaffte alles. Aber er hasste den Schmerz, den er sich dafür zuzog. Und mit einem Mal … verstand er. Weshalb er ein wenig fassungslos in Tezukas Augen blickte, eh er zurück zum Spielfeld sah, wo Fuji den ersten Satz seit drei Spielen wieder gewann. Plötzlich verstand er, weshalb Tezuka ihn so hart ermahnte. Warum Fuji böse wurde, wenn Ryoma sich selbst in Gefahr brachte.

Während die warmen Finger schließlich von seiner Schulter glitten, lenkte sich sein Blick auf die andere Seite des Courts. Genau dorthin, wo Sanada saß, der ihn hart beobachtete. Vielleicht sollte es ihn einschüchtern. Doch in Wahrheit fühlte er sich nur noch mehr herausgefordert darin, ihn für den Schmerz in den Boden zu stampfen. Mit allem, das er geben konnte.

~*~

Zwei Sekunden.

Länger konnte sich Fuji am Netz nicht aufrecht halten, nachdem er das Spiel endlich gewonnen hatte. Doch länger musste er auch nicht kämpfen, da schlang sich ein Arm bereits um seine Hüfte, während er ein wenig kraftloser, als gewollt gegen seinen kleineren Freund sank. „Saa … sieht es so schlimm aus?“, fragte er lächelnd, woraufhin er nur ein angespanntes Schnauben kassierte. Von der anderen Seite spürte er den kraftvollen Halt seines besten Freundes Taka-san, der Ryoma half, ihn zu den Bänken zu bringen. Dabei schlang er den einen Arm sanft um Ryomas Schultern, dessen rechte Hand sich um sein Handgelenk legte. „Wenn du so etwas noch mal machst, bring ich dich um.“, schnaubte Ryoma leise, als er ihn auf die Bank drückte und ihm dabei ernst in die Augen sah.

Fuji konnte nicht anders, als zu lächeln. Auch, wenn er die Aufrichtigkeit seiner Worte, in den goldgrünen Augen erkannte. „Saa … jedenfalls weiß er sich von jetzt an, zu benehmen.“, schnurrte er amüsiert, nachdem sein Blick auf Kirihara fiel, der sich sogleich für die Niederlage vor Sanada verbeugte. Ryoma jedoch sah ihn weiterhin nur böse an. „Hört auf zu flirten, dich bringen wir jetzt erst einmal ins Krankenhaus!“, bellte ihre Trainerin, die Ryoma ein wenig bestimmt zur Seite schob und Taka-san sowie Momoshirou anwies, ihm aufzuhelfen. „Saa, es geht mir gut.“

„Einen Scheiß.“, fauchte Ryoma überraschend impulsiv, wodurch sich seine eigenen Augen öffneten und er seinen Freund erneut anblickte. Lange erwiderte er seinen Blick, bevor er hinab zu Ryomas Händen blickte, die leicht zitterten, was in ihm eine Erkenntnis einsetzen ließ, welche zwar stets in seinem Hinterkopf lag, jedoch nie so klar und offen an Ryomas Oberfläche, wie in dieser Sekunde. Und das sogar für alle ersichtlich. Es war das erste Mal, dass Ryoma sich vor ihren Freunden und sogar den Fremden um sie herum, so offen zeigte in seiner Zuneigung für Fuji, wie nie zuvor.

„Taka-san, Momo-kun, bitte helft mir auf.“, sagte er schließlich, wodurch er bemerkte, wie Ryoma etwas angespannt durchatmete, bevor sich die goldgrünen Augen senkten. Nachdem die beiden ihm aufgeholfen hatten, trat er vorsichtig an Ryoma heran. Dabei musste er ihm nicht einmal in die Augen sehen, um zu wissen, wie bloßgestellt sich sein Geliebter fühlte. Und wie unsicher, weil … das hier so völlig neu für ihn war. Somit beschränkte er sich daran, die Hände auf die schmalen Schultern zu legen, die sich sogleich unter seinen Handflächen entspannten. „Ich bin so schnell es geht wieder da. Schließlich will ich deinen Sieg nicht verpassen.“, sagte er zuversichtlich sowie mit einem Lächeln.

„Dann solltest du dich beeilen.“, murmelte Ryoma wie gewohnt selbstbewusst, was sein Lächeln automatisch vergrößerte. Für den Moment, in dem sich die großen Katzenaugen wieder auf ihn richteten, konnte er sogar den Schmerz in seinem Knie vergessen. Ein letztes Mal strich er sanft über die warmen Schultern, nur um mit der rechten Hand sanft an Ryomas Kappe zu ziehen, die er ihm sanft etwas hinab ins Gesicht zog, wodurch der Jüngere grinste und sanft nach seiner Hand schlug. Es war für die anderen vielleicht nicht ersichtlich. Für sie beide jedoch schon.

Die stumme Zuversicht in Fujis Handlung, Mach ihn fertig sowie der tiefe Kampfgeist in seinem Freund, der besonders nun, wo Fuji verletzt war, wahrscheinlich umso härter für ihren Sieg kämpfen würde. Weshalb er wusste, dass er wirklich nicht lange wegbleiben durfte.

~*~

Noch bevor Ryoma Sanada endlich offiziell gegenüber stand, beobachtete er skeptisch, wie plötzlich das gesamte Team seines Gegners verschwand. Es war so typisch von ihm, diesen Moment zu nutzen, um Sanada zu fragen, ob sie bereits ihre Niederlage eingestanden haben, als sich in den dunkelbraunen Augen etwas veränderte. „Du wirst es noch bereuen, hier zu stehen.“, waren Sanadas Worte. Eiskalt sowie bedrohlich, was ihm einen merkwürdigen Schauer über den Rücken jagte. Etwas verwirrt blickte er dem Größeren nach, der an seine Linie trat, eh er es ihm gleichtat.

Nachdem sie durch Fuji das letzte Spiel gewonnen hatten, lag der Aufschlag auf der Seite Rikkaidais. Mit einem gewohnten Kribbeln in seinen Gliedern, beobachtete er aufmerksam, wie sein Gegner den Ball auf den Court federn ließ. Dabei glitt sein Blick über die deutlich durchtrainierten, langen Beine. Ein sicheres Zeichen für Schnelligkeit und Standhaftigkeit, ging es ihm durch den Kopf. Im Allgemeinen wurde ihm bewusst, dass er sich erneut einem Gegner gegenüber fand, der größer war, als er. Was nicht immer von Nachteil war, doch so, wie Sanada gebaut war. So, wie er sich hielt, war er nicht nur stark, sondern auch exakt in dem, was er tat.

Sobald der gelbe Ball in die Luft geworfen wurde, und sich das linke Bein seines Gegners anspannte, wusste er in welche Richtung es gehen sollte. Es waren Zeichen, die er in den zehn Jahren, in denen er nun spielte, genau wusste zu lesen. Wodurch sich jede Faser in seinen Körper darauf gefasst machte, und er lief, sobald das Geräusch erklang, welches von einer perfekt gespannten Bespannung kam, die kraftvoll sowie präzise gegen den Tennisball schlug.

Eine Sekunde. Fast nicht mehr als ein Blinzeln, dauerte es, den Ball zwischen Sanada und sich selbst zu verfolgen. Dabei war es einzig seine gute Sicht, die es möglich machte, den Ball zu parieren. Ansonsten hätte er nämlich ins Leere geschlagen. Doch auch wenn es ihn überraschte, wie unglaublich schnell sein Gegner schlug, durfte er sich nicht einen Bruchteil damit aufhalten. Stattdessen beobachtete er Sanadas Körpersprache sowie den Ball, während er von einer Seite, zur nächsten lief. Wo immer der Ball in hin jagte. Jedenfalls so lange, bis er beinahe stolperte und aus reinem Reflex den Schläger in die linke Hand warf, um den Ball noch zu bekommen. Dabei kam er etwas härter, als gewünscht mit dem linken Knie auf dem Court auf, während er angespannt beobachtete, wie sein Ball gerade noch über das Netz fiel und er einen Punkt machte.

„Und … bereust du es schon?“, fragte Sanada kühl, der ans Netz trat und ihn voller Abneigung anblickte. Wodurch er sich für einen Augenblick wirklich sehr viel weiter unten fühlte, als er es in seiner knienden Position überhaupt schon tat. Doch war es nur ein Augenblick, denn im nächsten stand er trotz eines aufgeschürften Knies, ohne jegliche Regung darüber auf und blickte trotzig zurück. „Da braucht es schon mehr, als ein paar schnelle Bälle.“, grinste er arrogant, wodurch sich die kräftigen, langen Finger Sanadas fester um den Griff spannten. Und Ryoma erkannte, dass Sanada eine sehr kämpferische Person sein musste, wenn er sich so leicht provozieren ließ. Das könnte … von Vorteil sein. Oder zu seinem Nachteil. Noch, konnte er das nicht sagen. Er wusste allerdings eines. Dass es nicht bei seinem blutigen Knie bleiben würde.

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„Wie macht er sich?“, fragte Fuji sogleich ins Handy, das er Momo abnahm, nachdem dieser Eiji anrief, um nach dem Spielstand zu fragen. „Oh - äh - Fujiko-chan. Wie geht’s dir?“, fragte Eiji mit einem Ton in der Stimme, der ihn sofort die Augen aufschlagen ließ. Seit etwa einer halben Stunde warteten sie nun auf einen Arzt und so langsam wurde es ihm echt zu bunt. Er wollte zu Ryoma und ihn unterstützen!

„Saa, Eiji-kun.“, schnurrte er schließlich mit einem Tonfall, der seinen besten Freund leise werden ließ. Einen Moment lang hörte er nichts weiter, außer einen rasanten Ballwechsel, der sich selbst über das Telefon aggressiv anhörte, und der sein Herzschlag verdreifachen ließ. „Gib mir Tezuka.“, sagte er somit knapp, woraufhin sein Blick sich angespannt auf den grauen Linoleumboden richtete, während er darauf wartete, dass Eiji ihn weitergab. „Fuji, es geht ihm gut.“, sprach ihr Buchou gewohnt emotionslos, aber nicht emotionslos genug. Schließlich war er nicht taub. „Wie schlimm?“, fragte er somit langsam. Er wusste es. Wie viel sie dieses Finalspiel kosten würde. Und das nicht nur an Schweiß und Kraft. Sondern auch emotionale Stärke.

„Ein blutiges Knie und seine Sicht lässt langsam nach, aber er schafft das, Fuji. Er steht aktuell gleichauf mit Sanada.“ Ein Teil von ihm wollte sagen, dass es ihm egal war, wie es spieltechnisch stand. Doch wusste er ebenso, dass es Ryoma nicht egal war. Denn er stand dort und kämpfte für sie alle. Für Fuji, für Yuuta, für das Team und für sich selbst. Einfach, weil er nicht anders konnte, als zu kämpfen. Daher nickte er langsam und stand dann, wenn auch etwas angestrengt von dem Wartestuhl auf, um zur Rezeption zu gehen, nachdem er auflegte. Dabei ignorierte er Ryuzaki-sensei, die ihn missbilligend musterte. „Miss.“, lächelte er freundlich, nur um, sobald er ihre Aufmerksamkeit hatte, sie mit seinen blauen Augen eindeutig anzublicken. „Entweder finden Sie in den nächsten zehn Sekunden einen Arzt für mich oder Sie werden einen brauchen. So oder so … wird hier gleich ein Arzt gebraucht.“

Fuji wusste, wie er auf andere Menschen wirken konnte.
Da gab es seine Maske, mit der er stets Freundlichkeit und Fröhlichkeit verbreitete. Dann sein wahres ich, welches nur Ryoma vollkommen sehen durfte. Und dann dieses kleine, sadistische Monster in ihm, das seine Freunde und Bekannten zwar kannten, wenn er es an anderen zum Spielen herausließ, welches sich dennoch selten so mordlüstern anfühlte, wie in diesem Augenblick. Weshalb die junge Frau sogleich vom Stuhl sprang und einen Arzt suchte.

Und tatsächlich kam ein Arzt auch zehn Sekunden später.
Nur, dass er zu seiner eigenen Überraschung ebenso sah, wie Rikkaidais Team in den Wartebereich trat. Minus Sanada. Und es waren einzig ihre betrübten Gesichter, die ihn sowie seine beiden Teamkameraden davon abhielten, etwas zu sagen …

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Sein Hals fühlte sich rau an.
Seine Handflächen brannten, ebenso wie seine Augen, über die er aktuell ein kaltes, feuchtes Tuch liegen hatte, welches ihm Tezuka gegeben hatte.
Und seine Beine fühlten sich langsam so an, als würden sie nicht mehr wollen. Was verrückt war, weil er schon ganz andere Matches hatte ausfechten müssen. Alleine das gegen Atobe. Damals war er doch auch nicht so schnell eingeknickt. Und doch fühlte er sich wahnsinnig erschöpft.

„Fuji hat eben angerufen. Sie sind auf dem Rückweg.“, sprach Tezuka leise zu ihm, so, als wolle er seine Ruhe nicht stören. Doch war es etwas, das er an seinem Buchou stets gemocht hat. Und zwar die Ruhe seiner Stimme. „Wie geht es ihm?“, fragte er, ohne direkt auf das Andere einzugehen. „Er hat Schmerztabletten bekommen und einen Verband. Die Schwellung ist zwar extrem, und er soll sich schonen, aber es wird keine Schäden hinterlassen.“ Sobald die letzten Worte Tezukas Mund verließen, fiel eine Last von Ryomas Schultern, von der er nicht gewusst hatte, sie so schwer getragen zu haben. Denn auch wenn er sich Sorgen um Fuji machte, durfte es ihn nicht beeinflussen. Zumindest nicht, wenn er für sie alle gewinnen wollte. Schließlich hatten sie doch ebenso alles gegeben. Was waren da schon seine Schmerzen?

Eine halbe Minute später, wurden sie zurück aufs Spielfeld beordert, wobei Ryoma das Tuch an Tezuka zurückgab, und er einen letzten, großen Schluck seines Wassers nahm, eh er zum Court zurückging. Seine Finger schlang er dabei mal fester, mal lockerer um den Griff seines Schlägers, während er gleichzeitig mit seinen Fingern der anderen Hand die Bespannung zurecht zog. „Hey, du musst auf deinen Platz!“, rief der Courtward plötzlich eindringlich, wodurch Ryoma den Blick hob. Zunächst wusste er nicht, wen der meinte, schließlich stand Ryoma doch schon an seinem Platz. Dann jedoch erkannte er, dass Sanada immer noch am Spielfeldrand stand. Mit einem Handy am Ohr und ziemlich fassungslos vor sich hin starrte.

Verwirrt runzelte Ryoma die Stirn, als sich Sanada zusätzlich plötzlich abwandte und die freie Hand zur Faust ballte. „Wenn du nicht sofort auflegst und zum Feld zurückkehrst, muss ich das Spiel für beendet erklären.“ Es waren die Worte, die genau das hervorbrachten, von dem Ryoma wusste, das es tief in seinem Gegner schlummerte. „Und wenn schon.“, fauchte dieser, woraufhin er selbst entgeistert blinzeln musste. Das passte nicht zu Sanada, dachte er, und sogleich gleichzeitig daran, wie der Rest von Rikkaidai das Spiel verlassen hatte. Was eigentlich nicht zu einem Team gehörte, außer … jemand aus dem Team brauchte mehr Unterstützung. Und damit erinnerte er sich an eine beiläufige Erwähnung, die Inui gemacht hat, erst letzte Woche. Welche er nicht einordnen konnte, nun jedoch Sinn ergab.

„Dann muss ich dich disqua- ...“
„Stopp!“, unterbrach er den Courtward, der nun so aussah, als würde er gar nichts mehr verstehen, weil Ryoma ihn nicht nur unterbrach, sondern ebenfalls das Spielfeld verließ, um zu Sanada zu gehen, der mit dem Rücken zu den Zuschauern sowie den restlichen Teams stand. Aber Ryoma sah es, sobald er vor dem Größeren stand. Die Zerrissenheit zwischen dem, was er wollte und dem, was er machen musste.

„Ich dachte, du bist kein Feigling?“, fragte er den Älteren arrogant und in seiner typischen Arschlochmanier. Nicht, weil er das Spiel hier um alles auf der Welt gewinnen wollte, sondern weil er plötzlich verstand, dass Sanada hinter all dieser harten Mauer um sich herum, auch nur ein verflucht guter Mensch war, auch wenn er nicht immer die richtigen Entscheidungen fällte. Und gleichzeitig, weil er wusste, dass kein Mitgefühl und ebenso wenig Vernunft den Älteren dazu bringen konnte, zurück auf das Spielfeld zu gehen, um das zu tun, wofür er sogar Leute anstiftete, anderen wehzutun. Somit war es für ihn kaum überraschend, dass sein Gegner die rechte Hand erhob.

Was ihn überraschte, war, dass sie nur Zentimeter von seiner Wange einfror, eh sie kraftlos an Sanadas Seite hinabfiel. Ebenso, wie die Hand, die immer noch das Handy hart umklammert hielt, welches jedoch mit einem leisen Klackern auf den Court fiel. „Ich … darf nicht verlieren.“, wisperte Sanada plötzlich dunkel, aber so verzweifelt, dass es sogar Ryoma für einen Augenblick den Boden unter den Füßen entzog. Denn es war eine derart aufrichtige Verzweiflung, welche er aus einer Zeit kannte, in der ihm einzig Tennis halten konnte, bevor er ihn in wahren Freunden und einer Familie fand.

Sein Blick fiel automatisch zur anderen Seite des Spielfelds, wo er erkannte, dass Fuji, gefolgt von Momo und Taka-san sowie ihrer Trainerin, auftauchte und er den sorgenvollen Blick aus blauen Augen für eine Sekunde länger, als vielleicht nötig, erwiderte. Dann bückte er sich, um das Klapphandy vom Court zu heben und hielt es Sanada hin, dessen Kopf immer noch wie in Schande hinabhing. „Dann geh auf deinen Platz und kämpfe für ihn. Schließlich … will ich meinen Sieg richtig und nicht geschenkt bekommen.“ Letzteres sagte er eigentlich nur, um ihn noch ein wenig mehr zu provozieren. Aber so, wie die dunkelbraunen Augen ihn musterten …

„Ich werd es dir nicht einfach machen.“
„Tse, als ob ich das wollen würde.“, erwiderte Ryoma und rollte mit den Augen, bevor er seine Arme hinter dem Rücken verschränkte, wo er sich den Schläger gewohnt lässig zwischen seine Schulterblätter tippte und zu seiner Seite ging. Dabei dem Courtward einen Blick zuwarf. „Wir können weitermachen.“ Es nur einen kurzen Moment genoss, erneut einen Courtward aus der Fassung gebracht zu haben.

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Es waren nur zwei Punkte, aber dafür glaubte Ryoma, dass es die härtesten zwei Punkte seines Lebens waren. Selbst härter, als gegen seinen Vater oder Fuji. Doch auch, wenn ihn sein Handgelenk der rechten Hand inzwischen mehr als schmerzte – nicht nur, weil er einmal ziemlich beschissen darauf geknallt war, sondern weil Sanada einen Schlag drauf hatte, der ihm gewiss eine Zerrung bescherte – so war es das am Ende wert. Besonders, weil er besonders in den letzten beiden Sätzen Sanada einfach anders sah. Und es seinen Sieg zum ersten Mal eine leicht bittere Note gab. Als Sanada jedoch seine Hand ergriff, dann war es nicht so aggressiv, noch drohend wie zu Spielbeginn. Sondern stark und anerkennend und mit einem Hauch Dankbarkeit in seinem Blick. Dankbarkeit, weil Ryoma sich den Sieg einfach hätte nehmen können, anstatt ihn sich ehrenwert zu verdienen. „Vor dem Eingang steht ein Taxi für dich, das dich ins Krankenhaus bringt.“, sagte er, noch bevor das Spielfeld von seinem Team sowie seinen Freunden gestürmt wurde, um ihm zu gratulieren. Sanada starrte ihn jedoch nur verwirrt an. „Warum tust du das? Nach allem …“

Ryoma könnte praktisch alles sagen. Lügen oder sich erneut arrogant verhalten, doch stattdessen sah er ihm nur in die Augen und schüttelte ein wenig den Kopf, während er die kräftige Hand ein letztes Mal drückte, bevor ihn Eiji ihn vor Euphorie regelrecht vom Boden riss.

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„Warum?“, wurde er erneut Stunden später auf dem Dach des Krankenhauses gefragt. Von der selben, dunklen Stimme. Der selben Furcht, die tief darunter lag. Der selben Angst, die er vor zehn Jahren empfunden hat, nur …

„Weil ich weiß, … wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren, den man liebt.“ Und er würde es auch nicht vergessen. Die plötzliche Leere und Zerrissenheit. Es war ein Gefühl, das er schon sehr lange nicht mehr empfunden hat. Weil er nicht oft an seinen Bruder erinnert wurde. Doch als er Sanadas Ausdruck sah … Es waren vielleicht unterschiedliche Situationen. Aber es war scheißegal, ob man fünf oder siebzehn war. Mitanzusehen, wie jemand starb … war etwas, das er niemandem wünschte. Nicht einmal seinem schlimmsten Feind. Aber es war noch sehr viel schlimmer, wenn man sich vor einer Verantwortung davonstahl. Und so wie es schien, sollte Sanada gewinnen – oder zumindest sollte er bis zum letzten Punkt kämpfen, was er nicht getan hätte, wenn er Hals über Kopf weggelaufen wäre. Ryoma jedoch …

Er spürte den Blick regelrecht in seinen Nacken brennen, während er hinab in die dunkle Tiefe blickte. Und doch konnte er nichts mehr sagen. Ryoma wusste nur, wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er nicht aus dem Krankenhaus davonlaufen, nachdem ihm seine Mutter sagte, dass ihn Ryoga ein letztes Mal sehen wollte. Er würde zu ihm gehen und seine Hand halten wollen. Sich aber nicht noch einmal in seiner Angst verlieren wollen.

Eine warme Berührung legte sich auf seine Schulter, die er überall wiedererkennen würde, von der er sich erst dann umfassen ließ, nachdem Sanada das Dach verlassen hatte. Erst dann krallte er die Finger in Fujis T-Shirt und presst das Gesicht hart in dessen Halsbeuge, während er auch die allerletzte Barriere zwischen ihnen fallen ließ, indem er sich einmal trösten ließ.

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Violette Augen schimmerten leicht vor unterdrückten Schmerz. Ein zartes Lächeln lag auf dünnen, doch immer noch sinnlich wirkenden Lippen. Zarte, grazile Hände lagen auf einer hellblauen Decke; die Haut weiß, hob sich in einer delikaten Weise davon ab. Seidig glänzende, taubenblaue Strähnen fielen in ein ebenso weißes, wunderschönes Gesicht, welches seine Härte verloren hatte. Stattdessen wirkte es erschöpft und müde.

Es war ein Anblick, den Sanada in den letzten Monaten immer mehr zu hassen begann, weil es ihn darüber bewusst machte, wie wenig Zeit ihnen noch blieb, und wie wenig Hoffnung.

Jetzt allerdings, während er nach Seiichis kühler Hand griff, welche nach und nach an Wärme gewann, kam er nicht umhin es willkommen zu heißen, weil es bedeutete, dass Seiichi lebte.

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Es war merkwürdig wie intensiv ein einziges Detail, ein einziger Augenblick, einfach alles verändern konnte. Nach den Turnieren, die Ryoma seit er bei Seigaku war, miterlebte und aktiv in ihnen spielte, erkannte er diese Änderung stetig. Feindliche Teams wurden zu Mitstreitern oder sogar Freunden. Freunde wurden zu einer Familie. Geliebte …

Der Tag war bereits lang und anstrengend gewesen, weshalb sie beide nur eines wollten, und zwar ins Bett. Weshalb sie auch zu Fuji gingen, da sein Zuhause am Nächsten zum Krankenhaus lag. Zwar hätten sie sich auch ein Taxi nehmen können, doch die frische Nachtluft war es, die ihnen beiden guttat. Die Dusche später entspannte ihre Muskeln, während der Schmerz und alles Klinische nach und nach abgewaschen wurde. Doch die Spuren in Form von blauen Flecken und Abschürfungen – welche Ryoma am Knie und der Handinnenfläche hatte – würden noch eine Weile verweilen. Es waren jedoch Spuren dessen, dass sie für etwas Gutes gekämpft hatten. Auch, wenn Ryoma erst am Schluss bemerkte, um was es für Sanada ging.

Die Größte Veränderung jedoch war dieses Verständnis, welches mit einem Mal so intensiv und blank zwischen Fuji und ihm lag, dass es sich plötzlich auf neue Weise intim anfühlte, ihn zu berühren. Alleine in die azurblauen Augen zu sehen, war nun anders, weil Fuji ihn nun ganz sehen konnte. Mit all seinem Schmerz, von dem er niemals zugelassen hatte, ihn jemanden zu zeigen. Weshalb er sich Prellungen, Zerrungen und Schnitte einfangen konnte, soviel wie ein Spiel hergeben konnte, es wäre niemals so schmerzvoll, wie das, was er tief in sich vergraben hatte.

Doch eben genau das war es, was alles nun anders machte. Nämlich, dass Fuji ihn nicht anders anblickte. Ihn nicht anders berührte oder ansprach. Fuji nahm ihn genauso, wie er war. Schon seit dem ersten Moment. Seit Ryoma in ihr Team gekommen war. Und obwohl sich ihre Beziehung immer mehr intensivierte, festigte und vertiefte, war das Einzige, das Fuji änderte, die Art, in der er sich Ryoma öffnete. Mehr und mehr.

Vielleicht fühlte es sich gerade daher auch so intensiv an, nun mit ihm in seinem Bett zu liegen, und von dem Tensai hingebungsvoll geküsst zu werden. Mit dergleichen Leidenschaft, wie gestern. Und derselben Intention, mit der er Ryoma zeigen wollte, wie sehr er ihn wollte. Mit all seinen Fehlern und all seinen Stärken. Sich dem bewusst zu werden, fühlte sich intensiver an, als die Aufregung, die ihn erfüllte, sobald er Fuji die Shorts von den Hüften strich und ihm tief in die ausdrucksvollen, azurblauen Augen sah, die über seinen schwebten. „Ich will dich in mir spüren.“, wisperte er atemlos, und ein wenig zittrig vor Erregung, da ihm das Herz regelrecht in den Hals hinaufschlug. So hart, dass ihm beinahe schwindelig wurde, weil er noch nie so ein Verlangen verspürt hat, mit Fuji endlich zu schlafen.

Lange, warme Finger glitten von seinen Haaren, hinab über seine Wange, während Fuji seine Stirn küsste, hinab über seine Nasenspitze, eh er den Blick wieder auf ihn richtete und zärtlich lächelte. Lang und intensiv, bevor er Ryoma erneut leidenschaftlich küsste, und sie beide dann so drehte, dass Ryoma über ihm saß, was ihm ein Keuchen entlockte und seine Wangen heiß brennen ließ. Sanft entzog er sich dem Kuss, nur um sehr langsam, tief durchzuatmen, während sich die warmen Handflächen über seinen Körper bewegten. Von seinem Nacken, hinab zu seinem Steißbein. „Du bist sicher?“, fragte ihn Fuji leise, aber Ryoma erwiderte seinen Blick, nur um sich dann zu Fujis Nachtkästchen zu lehnen, in dessen Schublade zu öffnen, wo er die Handcreme seines Freundes wusste. Diese nahm er sogleich heraus und hielt sie ihm ohne zu zögern hin.

Fuji blickte einen Moment auf die Tube. Dann schlossen sich die blauen Augen, während die harte Erregung ziemlich eindeutig gegen seinen Schenkel zuckte und Ryoma sich auf die Unterlippe biss. Er wollte das schon länger. Aber noch nie war dieses Verlangen danach so groß gewesen, dass es seiner Unsicherheit überwog.

Schließlich lösten sich die warmen Hände von seinem Rücken, als Fuji die Tube nahm und sie dann langsam öffnete. Aufmerksam und erregt beobachtete Ryoma genau, wie der Tensai sich dieses Mal mehr, als gewöhnlich auf die Fingerspitzen drückte, bevor er sie langsam über seine Finger rieb und Ryoma dann wieder anblickte. Intensiv sowie überwältigt vor Erregung. Sein Herz machte einen Satz, als sich Fuji wieder etwas aufsetzte. Jedoch bewusst vorsichtig wegen seinem Knie, allerdings ebenso bewusst, um Ryomas Position nicht zu verändern. Doch durch die neue Stellung, in der Fuji saß – nachdem er sich ein zusätzliches Kissen in den Rücken legte – spürte Ryoma seinen heißen Atem auf seinem Hals schlagen, was ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte. „Wenn ich dir wehtue … will ich, dass du es mir sagst.“, murmelte Fuji zärtlich gegen seine Haut, während er mit der rechten Hand zwischen Ryomas Pobacken glitt und er angestrengt die Augen schloss, weil es sich so gut anfühlte.

Natürlich hatte Fuji ihn dort schon öfter berührt. Geneckt und einmal geleckt, aber es war nie … mit der Absicht zum direkten Verkehr und es brachte seine Innereien zum Flattern. In dergleichen Weise, wie damals, als ihn Fuji zum ersten Mal geküsst hat. Wobei er für eine Sekunde beinah den Regen schmecken konnte, sobald er eine etwas glitschige, aber warme Fingerkuppe sanft über seine Öffnung gleiten spürte. „Hm.“ Ein lustvolles Geräusch entkam ihn, obwohl Fuji nicht einmal in ihn eindrang. „Shhhh ...“, schnurrte sein Tensai zärtlich gegen sein Schlüsselbein, doch klang er ebenso erregt, wie Ryoma. Seine eigenen Finger hielten sich zunächst an den starken Schultern fest, bevor er eine Hand löste und mit ihr in die brünetten, weichen Strähnen fuhr.

Eine Sekunde später wurde aus dem sachten Reiben, ein sanfter Druck gegen seine Öffnung, und dann drang Fujis Finger in ihn ein. Sanft, langsam und so … so gut. Zugegeben, es war merkwürdig. Wie wenn man Schokolade und etwas Salzigem zum ersten Mal in den Mund nahm, bevor man sich in dem Verlangen nach mehr verlor. „Ryoma.“, hauchte Fuji atemlos, sobald sein gesamter Zeigefinger in ihm war und sich sein Kopf in den Nacken legte, er sich der Hand ein wenig entgegen drängte, die sein Freund ganz vorsichtig bewegte, um ihn an das Gefühl zu gewöhnen. Dabei festigten sich seine eigenen Finger ein wenig um die weichen Strähnen, je tiefer und bestimmter Fuji ihn stimulierte.

Der zweite Finger dagegen war für einen Bruchteil fast zu viel, wodurch er nicht einmal atmen konnte. Doch nicht vor puren Schmerz, sondern der Intensität darüber, es zu mögen. Das sachte Ziehen, gepaart mit der Erfüllung. Zu wissen, was Fuji vielleicht empfand, während er ihn so berührte, wie noch nie jemand zuvor. Was er spürte. Denn, dass es den Tensai erregte, spürte er an der Feuchtigkeit, die über seinen Innenschenkel lief, genau dort, wo Fujis Erregung gegen stieß. Sein eigenes Glied fühlte sich derweil hart und schrecklich empfindlich an, so, als würde er jeden Augenblick kommen, wenn er es wagte, es zu berühren. Weshalb er froh war, über Fuji zu sitzen. Doch in dem Augenblick, in dem Fuji seine beiden Finger tief in ihn schob, auf eine Art, die tief und sich einfach nur perfekt anfühlte, durchzuckte ihn ein regelrecht elektrischer Schauer. Dessen Erregung er nur darum nicht herausschrie, weil Fuji ihn rechtzeitig küsste, während er sich gleichzeitig gegen die Finger drängte und ebenso nach vorne zuckte, in Fujis Hand, die sein Glied umschlang.

„Gott ...“, keuchte Fuji leise gegen seine Schläfe. Die Finger härter, als je zuvor, in seine Hüfte gekrallt, eh er die andere von seinem Glied löste und Ryoma durch seine halb offenen Augen atemlos beobachtete, wie sich der Brünette über die Finger leckte. „Du hast … keine Ahnung, wie du dich anfühlst oder?“, fragte Fuji rau, nachdem er die Finger sauber hatte und mit der anderen Hand erneut zwischen seine Pobacken glitt. „So heiß … und eng.“ Angestrengt musste Ryoma die Augen schließen, als ihn erneut ein prickelndes Gefühl durchjagte. Alleine durch Fujis Beschreibung, kräuselte sich ein Verlangen in ihm. Tief und verlangend. „Bitte ...“, murmelte er, was jedoch in einem Keuchen unterging, bei dem Gefühl von drei Fingern, mit denen Fuji ihn nach und nach begann zu weiten. Schließlich war sein Freund mit siebzehn gut ausgestattet. Waren sie beide, auch Ryoma. Aber Fuji war lang und er liebte das Gefühl, ihn in den Mund zu nehmen. Er konnte es also kaum erwarten, ihn in sich zu haben. Tiefer

Sobald die drei Finger in ihm waren, ihn dehnten und sein Glied erneut in die volle Härte trieben, musste er sich zitternd von Fujis Haar lösen, womit er hart das Handgelenk des Älteren umfasste und ihm atemlos in die Augen blickte. „Wenn … jetzt.“, keuchte er rau, in einer Stimme, die er von sich nicht kannte, so erregt klang er. Und tatsächlich, entließ Fuji ein fast erleichtertes Geräusch, eh er ihm die Finger sanft entzog und die Hände dann an seine Hüften legte. Ryoma schluckte hart, nur um sich gleichzeitig mit seinen Händen so zu bewegen, dass er über Fujis Erregung kniete. Gleichzeitig griff er hinter sich, um diese sachte zu umfassen. Dabei fielen die blauen Augen zu und die sinnlichen Lippen seines Tensais pressten sich für einen Moment etwas hart zusammen. Es war ein Anblick purer Sinnlichkeit, den Tensai einmal so verloren sowie nahe am Höhepunkt zu sehen, dass Ryoma es zu gerne genießen würde, doch zuvor wollte er …

Mit seinen Fingern bohrte er sich atemlos in Fujis Schulter. Sein Herz schien stehen zu bleiben, in der Sekunde, in der er sich langsam auf Fujis Spitze absenkte. Im selben Moment öffnete sein Freund wieder die Augen, wobei das tiefe Azurblau regelrecht vom Schwarz der geweiteten Pupillen verschluckt wurde. „Mein Kätzchen.“, wisperte Fuji atemlos gegen seine Lippen, die Ryoma sachte in einen Kuss verwickelte, während er sich langsam vollends auf ihn niedersenken ließ. Dabei mit jedem weiteren Zentimeter leicht erzitterte, weil es … über jede seiner Vorstellung ging.

Schließlich fand seine Hand wieder Fujis Nacken, wobei er jedoch, sogleich der Ältere komplett in ihm war, die Arme um ihn schlang und seinen Körper eng an Fuji presste. Auf dieselbe Art, wie sich Fujis um ihn schlangen. Sein Glied rieb dabei eng zwischen ihren beiden Körpern, aber es war so … so …

Es erinnerte ihn an die Intensität, das ersten Mal, bei dem Ryoma nicht nur aus dem rein Biologischen eine Erektion bekommen hatte, sondern an seine erste Erregung, die er allein von der Art bekam, wie Fujis Zunge über seine streichelte. Sinnlich und verführerisch. Neu sowie verzehrend. Komplett einnehmend. Genauso fühlte es sich auch jetzt an. Als würde er fallen, wenn er sich von ihm lösen würde.

Die ersten Sekunden waren ebenso unsicher, wie ungeschickt, wie ihr beider Herumgefummel hinter dem Clubhaus. Doch nicht weniger atemlos oder amüsant. Denn, Ryoma war verdammt ausdauernd, und Fuji trotz seiner schmalen Form sowie dem leicht femininen Äußeren, ziemlich stark. Dennoch war es nicht gerade einfach zum ersten Mal Sex in der Stellung zu haben, wenn sie beide verletzt waren. Weshalb Fuji zwischendurch ebenso kichern musste, wie Ryoma leicht grinsen. Seine Finger sich dennoch in Fujis Nacken krallten, sobald er endlich den richtigen Winkel fand, in dem sein Innenschenkel nicht krampfte und in dem sich Fujis Hände perfekt über seinen Hintern legen konnte, ihn somit härter und schneller gegen die eigenen Stöße bewegen konnte, bis Ryoma nichts mehr spürte, außer dem puren Verlangen nach tiefer, tiefer, tiefer … Und er sich dann so feste gegen Fujis nächsten Stoß bewegte, dass er sogleich den Rücken tief durchdrückte und er von seinem Geliebten so fest gepackt wurde, dass er morgen gewiss auch dort Abdrücke haben würde. Aber es war … zu gut, um es zu bereuen.

Atemlos sank seine Stirn gegen Fujis, dessen Finger leicht zitterten, sobald er seinen Griff um ihn etwas löste, um mit ihnen über seine Haut zu streicheln. Auf und ab. Und obwohl er sich am Liebsten hinlegen wollte oder vielleicht sein Sperma von seinem sowie Fujis Bauch wischen, so konnte er sich nicht dazu aufbringen, sich aus dieser warmen Umarmung zu lösen. Noch von Fujis Erregung zu gleiten, einfach … weil er sich nie erfüllter gefühlt hat. Nicht mal auf einem Court. Und zugegeben, es war beängstigend so intensiv für eine einzige Person zu empfinden, aber nicht genug, um ihn davon abzuhalten. „Ich liebe dich.“, wisperte daher atemlos gegen Fujis Lippen, welche sich für einen Moment sanft auf seine legten, eh sie die Worte liebevoll erwiderten.

Dass sie wenige Minuten später so einschliefen, bereuten sie vielleicht am nächsten Morgen, aufgrund klebrigen Stellen und einem Muskelkrampf über die dämliche Positionierung. Aber es brachte sie nicht davon ab, selbst Jahre später noch so zu enden.

~*~ Bonus ~*~

Das erste Mal, dass Seiichi wieder auf einen Court trat, war exakt drei Monate, sechs Tage und zehn Stunden, nach seiner Operation. Der Himmel war grau in grau. Der Wind war kalt und ein wenig beißend, dort, wo sie ihm ins Gesicht schlug, und er wusste auch, dass es heute gewiss noch regnen würde.

Aber es war der schönste Tag seit Ewigkeiten.

Schließlich fiel sein Blick vom Court selbst, auf die zwei Jungen, die am Rand saßen. Einer von ihnen, brünett und sehr zierlich gebaut, mit den gleichen femininen Zügen, wie auch Seiichi sie selbst besaß, ließen sein Gesicht auf besondere Weise sehr sanft wirken. Aber das, was er über Fuji Syusuke wusste, machte ihm bewusst, ihn nicht nach seinem Äußeren einzuschätzen. Neben ihm saß ein kleinerer Junge, mit grünschwarzen, leicht durcheinander geratenen Haaren. Mit den Händen prüfte er seinen Schläger, während seine schlanken, langen Schenkel über den Schoß des Älteren ausgestreckt lagen, der ihm irgendetwas zu erzählen schien. Und für ein ungeübtes Auge mochte es aussehen, wie eine normale Unterhaltung zwischen Freunden. Aber Seiichi sah die rechte Hand Fujis auf einen der Schenkel ruhen, womit er mit dem Daumen sachte darüber streichelte, während die azurblauen Augen aufmerksam und hingerissen den Jüngeren beobachteten.

Für einen langen Moment ließ er den Anblick der beiden auf sich wirken, bevor er leicht lächelte und dann an sie herantrat. Dabei dauerte es keine Sekunde, da fixierte ihn Seigakus Tensai aufmerksam sowie argwöhnisch. Allerdings war er es nicht, weshalb er hier war. Sondern der Junge, dessen goldgrüne Katzenaugen sich unbeeindruckt und desinteressiert auf ihn richteten. Eine Reaktion, die ebenso amüsant war, wie das, was Sanada über Echizen bereits erzählt hat. Und ebenso erfrischend. „Lust auf ein Spiel?“

~*~ Fin ~*~
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