Verzweifelte Herzen

von MarySueL
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
06.12.2018
06.12.2018
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Anmerkung: Diese Geschichte ist schon einige Jahre alt und beim stöbern durch meine alten Sachen habe ich sie nun wieder entdeckt. Ich hatte sie noch nie hier auf FF.de gepostet.
Viel Freude damit. Ich bin gespannt wie ihr sie findet.
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Kapitel 1: Zweifel

Es war wieder eine dieser Nächte, in denen Kai stundenlang wach in seinem Bett lag. So sehr er es auch versuchte, er konnte einfach nicht einschlafen. Wie sollte das auch gehen, wenn das Objekt seiner Begierde im Nebenzimmer eigentlich so nahe war und doch so unerreichbar fern für Kai?

Warum musste immer alles so kompliziert sein? Von allen Menschen, die es auf dieser Welt gab, musste er sich ausgerechnet in Masa verlieben! Masa…

Er war so fern für ihn.
Welche Chance sollte ich haben, dass Masa das gleiche fühlen würde wie ich?, fragte sich Kai. Ich bin doch nur sein „Junger Herr“; der Clan ist immer wichtiger als ich.

Kai ballte die Hände zu Fäusten und er spürte, wie ihm heiße Tränen in die Augen stiegen. Wütend blinzelte er diese weg und schlang dann fröstelnd die Arme um seinen Körper. Starr sah Kai zum offenstehenden Fenster. Wie sehr hätte er sich jetzt Masa an seiner Seite gewünscht, der ihn in seine starken Arme nahm und in wärmte. Kurz schloss er die Augen und stellte sich vor, wie sich das anfühlen würde. Seine Lippen verzogen sich dabei zu einem wohligen Lächeln, doch dann holte ihn die Realität ein.

Seufzend stand er auf, schloss das Fenster und lehnte sich schließlich dagegen. Er saß oft hier auf dem Fensterbrett, den Kopf gegen die kühle Scheibe gelehnt und dachte über alles Mögliche nach; was sich meist aber auf Masa beschränkte.

So auch jetzt.

Wieder ging ihm die Entwicklung die in seinem und Masa´s Leben vorgegangen war nicht aus dem Kopf.

Früher war Masa immer für ihn da gewesen. Sie hatten fast jeden Tag etwas unternommen und immer wenn er bei Masa war, hatte dieser stets ein warmes Lächeln für ihn.

Doch jetzt spürte er nur Kälte von Masa und sie sahen sich, obwohl sie unter einem Dach lebten, nur noch sehr selten.

Sicher hatte Masa als Juniorboss des Saganoclans viel zu tun, aber Kai wurde schon seit längerer Zeit den Gedanken nicht mehr los, dass noch etwas anderes dahinter steckte. Ja, er glaubte das Masa ihm mit Absicht aus dem Weg ging. Warum konnte es nicht mehr so sein wie früher? Kai hasste diese abweisende Haltung von Masa. Wie konnte er ihn so behandeln, er war doch für ihn das wichtigste in seinem Leben?

Wenn er es sich genau eingestand, dann war Masa die einzige Familie die er hatte. Ja, er betrachtete den Juniorboss als seine Familie, denn er war der Einzige, bei dem er sich geborgen gefühlt hatte.

Und der Rest seine „Familie“?
Seine Mutter war früh gestorben. Er hatte sie nicht einmal richtig kennen gelernt und manchmal gab es Tage, da machte er sich für ihren Tod verantwortlich. Er hatte noch nie jemanden davon erzählt, aber an diesen Tagen war immer Masa bei ihm gewesen, um ihn zu trösten. Schon wieder Masa, dachte Kai traurig.

Dann sein Vater…
Konnte man ihn so nennen? Immerhin war er doch nie für ihn da. Schon als Kai klein war, gab es doch immer nur die Arbeit. So war das Verhältnis zwischen ihm und Kai noch nie sehr gut gewesen. Sie hatten sich immer in den Haaren, auch wenn Kai das manchmal gar nicht wollte, aber er kam einfach nicht an seinen Vater heran. Da war immer etwas zwischen ihnen, von dem Kai nicht wusste was es war, was ihn aber von seinem Vater fernhielt.
Und das beunruhigte ihn.
Da gab es etwas in seiner Familie, dass so ganz und gar nicht stimmte; der Gedanke kam ihm in letzter Zeit immer häufiger.

Zu guter Letzt gab es da ja noch seinen Halbbruder Kei, über den er lieber kein Wort verlieren wollte.

„Masa…“, grummelte er und warf der Wand, hinter der sich Masas Zimmer befand, einen wütenden Blick zu.

Unschlüssig stand er vom Fenster auf und sah sich im Zimmer um. Für ein paar Sekunden hing sein Blick an seinem Bett fest und er überlegte, ob er sich nicht doch wieder hinlegen sollte. Jedoch verwarf er diesen Gedanken sofort wieder und ging in die Küche um etwas zu trinken. Müde lehnte er sich gegen die Küchentheke, während er wartete bis sein Teewasser kochte. Kai lauschte in das Haus hinein, doch kein Geräusch war zu hören und plötzlich kam er sich noch einsamer vor.

Niedergeschlagen schlürfte er seinen Tee und ging dann zu seinem Zimmer zurück. An der Tür zögerte er dann doch und begab sich schließlich schleichend zum Nebenzimmer. Mit angehaltenem Atem presste er das Ohr an die Tür, doch nichts war zu hören. Also nahm er allen Mut zusammen, drückte die Klinke herunter und steckte den Kopf durch den kleinen Spalt.

Wenn er aufwacht kann ich immer noch sagen, ich hätte mich an der Tür geirrt, dachte Kai und trat schließlich ein.

Leichtes Mondlicht schien in den Raum, doch soweit Kai es erkennen konnte schien Masa fest zu schlafen.

Lächelnd sah er auf die schlafende Person herab und die Sehnsucht jetzt in Masas Armen zu liegen wurde immer größer. Seufzend betrachtete er die einladend wirkenden Lippen.
Er schläft doch, dachte sich Kai, warum also nicht? Nur ein kleiner Kuss.

Vorsichtig, um kein lautes Geräusch zu erzeugen, bückte er sich zu Masa herunter und bedeckte dessen Lippen mit seinen. Es war ein schönes Gefühl; er spürte sofort ein Kribbeln und eine wohlige Wärme in sich. Ein letztes Mal lächelte er zu dem Gesicht herunter, dann stand er leise auf und verlies mit einsamen Herzen das Zimmer.

Als er die Tür schloss, machte Masa die Augen auf und sah ihm verblüfft und betreten hinterher.
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