Brüder - Unsere Geschichte

GeschichteFreundschaft / P12
06.12.2018
06.12.2018
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Diese Geschichte handelt von zwei Jungen, die sich zufällig kennen gelernt haben – oder war es vielleicht doch Schicksal?

Kennst du das, wenn du eine der schlimmsten Zeiten deines Lebens durchmachst? Zum Beispiel, wenn der Freund/ die Freundin Schluss macht, deinen besten Freund/ deine beste Freundin verlierst oder ähnliches? Und dann nach einiger Zeit – es können Monate, Wochen, Tage oder gar Stunden später sein – eine Person findest, die wieder Farbe in dein Leben bringt?

Der eine Junge (sagen wir einfach F) wohnt in Bremen, hat Anfang Juni 2018 seine beste Freundin verloren, mit der er über sechseinhalb Jahre befreundet war und die so ganz nebenbei für ihn wie eine Schwester gewesen ist, und musste daraufhin eine beschissene Zeit durchmachen. Ihm gingen diese Fragen immer wieder durch den Kopf: Was habe ich falsch gemacht? Was hätte ich besser machen können? Werde ich je wieder eine beste Freundin haben? Mit wem soll ich jetzt bloß reden und meine größten Geheimnisse erzählen? Bei wem soll ich mich jetzt ausweinen? Werde ich je wieder jemandem so sehr vertrauen können?
Man muss wissen, seine Ex-Bf (nennen wir sie I) war die einzige Person unter seinen wenigen Freunden, mit der er ohne Bedenken reden konnte, bei der er sich meistens nicht komisch fühlen musste.
Doch nachdem die Freundschaft abgebrochen war, erkannte er, dass seine anderen Freunde auch wichtig sind und konzentrierte sich nun mehr auf sie. Aber es ist einfach nicht dasselbe, er ist nicht so vertraut mit ihnen, auch wenn er es will und versucht.
Es war ein hin und her in ihm: Sollte er sich nach einer neuen besten Freundin umsehen oder lieber nicht? Am Ende entschied er sich, erst mal niemand neues kennen zu lernen. Dieser Vorsatz hielt bis Ende Juni.

Der andere Junge (J) wohnt über 400 km von F weg. Er hat eine Beziehung, eine beste Freundin, sein Leben verläuft allgemein gar nicht so schlecht. Doch ihm fehlt etwas oder eher jemand: Er hätte gerne einen besten Freund. Schon immer wollte er einen besten Freund haben … Nur, wo sollte er nach einem suchen? Diese Frage beantwortete sich wie von selbst Ende Juni.

Der 27.06.18 ist ein Tag, den F und J sicher nie vergessen werden, denn an dem Tag lernten sie sich auf einer Website für LGBT Leute kennen. J, der kleine Stalker, hat das Profil von F nach dessen Antwort auf Js Beitrag angesehen und dann auch privat angeschrieben. Es war der Tag, an dem eine wundervolle Freundschaft begann.
Zuerst ging es einfach um den Beitrag von J und F hörte ihm zu, versuchte zu helfen, war einfach für ihn da, obwohl sie sich so gut wie nicht kannten. Für F war es alles andere als gewohnt, dass man ihm antwortete und sogar am nächsten Tag wieder anschrieb. Gut, es gab eine Funkstille von zwei und dann drei Tagen, weil die beiden sich nicht sicher waren, ob der jeweils andere Lust hatte, weiter zu schreiben. Man, diese zwei …
Außerdem wollte F eigentlich schon nach ein paar Tagen seine Nummer geben (und J hatte dasselbe vor) aber beide feigen Hähnen haben es immer weiter aufgeschoben, bis F am 25.07.18 seine Nummer J gegeben hat.
Was aber der Punkt ist: Sie haben sich sofort verstanden und sich gegenseitig sympathisch gefunden, die ersten Gemeinsamkeiten festgestellt und sie konnten über ernste Themen reden. J hat sich F schnell anvertraut, was eigentlich nicht seine Art ist.
Es ist wirklich krass, wie schnell das ging. F und J sind sich so ähnlich, sie könnten glatt Zwillinge sein. Nicht nur, dass sie beide genderfluid sind (was deren aller erstes Gesprächsthema war), deren Hobbys, Ansichten, Meinungen, Musikgeschmack, Humor, welche Tattoos und Motorräder cool sind ... Deren Wesen ähneln sich. Nicht einmal I ist F so ähnlich gewesen.
Sie können miteinander reden, ohne Bedenken, ohne ein komisches Gefühl haben zu müssen, sie können einfach über alles reden zu jeder Zeit (wenn der andere gerade nicht pennt). Ob es nun um ernste Themen geht, einfach sinnlose Schei*e entsteht oder ob sie sich Beleidigungen um die Ohren hauen (die natürlich nicht ernst gemeint sind). F und J verstehen sich, lachen miteinander, trösten und helfen sich gegenseitig, bauen den anderen wieder auf und sind für den anderen wie ein Fels in der Brandung.
Es ist eine besondere Freundschaft, denn schon nach kurzer Zeit können die beiden nicht ohne einander, sie würden den Verlust des jeweils anderen nicht verkraften. Keiner von beiden hätte je gedacht, dass ihm der andere so wichtig werden würde. Keiner von beiden hatte damit gerechnet, dass sie eines Tages beste Freunde – oder eher unbiologische Brüder – werden würden. (Dass sie beste Freunde sind, haben sie am 27.10.18 beschlossen.)
Heute stellt F sich nicht mehr diese Fragen, die er sich vor einigen Monaten noch gestellt hat, und denkt kaum noch an seine Ex-Bf. Er hat nun seinen Bruder, der ihn besser versteht und bei dem er sich sogar wohler fühlt.
J hat bisher niemanden kennen gelernt, bei dem sich so schnell so eine Freundschaft entwickelt. Er hat schnell gelernt, F zu vertrauen und hat keine Bedenken, von F verurteilt zu werden, wenn er mit seinen Sorgen und Problemen zu ihm kommt. Durch seinen neuen besten Freund geht es J besser als zuvor.

Er ist der beste Freund und der Bruder, den ich immer haben wollte, in einer Person. Die Freundschaft mit ihm ist eines der besten Dinge, die bisher in meinem Leben passiert sind und er wird mich so schnell nicht mehr los. Er ist mir nach wenigen Monaten schon verdammt wichtig geworden und ich habe ihn unendlich lieb. <3