Venom: Im Winterwunderland

OneshotHumor, Freundschaft / P12
Venom / Eddie Brock
06.12.2018
06.12.2018
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Das Wichtigste vorweg:
Venom gehört nicht mir!
Alle Rechte gehen an MARVEL und die Produzenten des Filmes!!!

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Die Idee für diesen One-Shot habe ich gestern sehr spontan bekommen und das ganze Ding auch innerhalb von knapp 2 Stunden aufgeschrieben. Ich habe in meinem ersten One-Shot, den ihr unbedingt vorher lesen solltet, einige Idee vergessen niederzuschreiben und die habe ich jetzt hier in diesen One-Shot gepackt.

Einfach nur etwas humorvolles und herzerwärmendes zum Nikolaustag :3

Wir sehen uns dann an Heiligabend wieder... ;)

Hier ist "Teil 1": https://www.fanfiktion.de/s/5bf297e1000231ece6ff38a/1/Venom-Etwas-Seltsames

Und wie immer würde ich mich wirklich sehr, sehr, sehr über Feedback in Form eines Kommentars von euch freuen. Das motiviert ungemein und zeigt mir als Autor, dass ihr ehrliches Interesse an der FF habt und gerne mehr lesen möchtet. Ein Favoriteneintrag kann mir das nicht sagen!

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Im Winterwunderland



„Eddie?“

Ein Seufzen durchbrach die Stille in dem kleinen Hotelzimmer und Eddie versuchte wirklich alles, um die dunkle Stimme in seinem Kopf auszublenden, die schon seit einer gefühlten Ewigkeit immer und immer wieder seinen Namen sagte und ihn langsam an den Rand des Wahnsinns trieb. Zu allem Überfluss hatte sich irgendwann auch noch ein kleiner Tentakel manifestiert, der ihm zusätzlich immer wieder gegen die Schulter tippte und jedes Mal, wenn das geschah, zuckte sein Augenlied gefährlich, als er verzweifelt versuchte seine Fassung zu wahren.

Er hatte sich vor gut einer Stunde an den kleinen Tisch gesetzt, den das Hotelzimmer hergab und las seitdem in der Lokalzeitung von New York. Erst vor einigen Tagen war er hier angekommen, da er hier einen Auftrag angenommen hatte.

Warum so weit weg von San Francisco?

Ganz einfach: Er brauchte eine Auszeit von allem, was geschehen war und es fiel ihm schwer Anne in die Augen zu sehen. Warum, dass wusste er auch nicht so recht, doch er wollte erst einmal für sich sein. Also…mehr oder weniger.

Mit einem Symbionten im Körper, der alles sah, was er sah und noch dazu seine Gedanken lesen konnte war das nicht gerade sehr einfach und im Prinzip hatte sich seine Privatsphäre komplett verabschiedet, seitdem er Venom erlaubt hatte bei ihm zu bleiben, nachdem sie den Planeten gerettet hatten. Aber es störte ihn nicht allzu sehr. Er war froh über die Gesellschaft, war froh nicht mehr alleine zu sein und jemanden zu haben, mit dem er Zeit verbringen konnte. Selbst, wenn dieser jemand aus den Weiten des Weltalls kommen mochte…

Ein kleines Grinsen schlich sich nun doch auf seine Lippen, als er daran dachte.

Venom war im Prinzip wie ein kleines Kind, wenn nicht sogar schlimmer.

Ein kleines Kind, welches diese Welt für sich entdeckte und einfach alles darüber wissen wollte. Er war neugierig, hatte viele Fragen und an manchen Tagen wusste Eddie gar nicht mehr, womit er zuerst anfangen sollte, da Venom ihn schier mit seinen Fragen überschüttete.

Er erinnerte sich noch gut daran, als Venom zum ersten Mal gesehen hatte, wie er mit Anne telefonierte und sich gewundert hatte, wie er mit ihr reden konnte, ohne ihr gegenüberzustehen und er hatte eine halbe Stunde gebraucht, um ihm das Konzept eines Mobiltelefons zu erklären und das es keine telepathische Kommunikation war, die er dort anwendete. Oder als er den Fernseher das erste Mal eingeschaltet und zurückgezuckt war, da er, neugierig wie er war, solange auf der Fernbedienung herumgedrückt hatte, bis er den Ein-Schalter gefunden hatte. Eddie hatte sich kaum noch halten können vor Lachen. Riesiges, menschenfressendes Alien, was sich vor einem harmlosen Fernseher erschreckte. Einfach nur göttlich!

Und erst vor zwei Tagen hatte der Symbiont den Schnee für sich entdeckt, nachdem Eddie es endlich geschafft hatte ihn davon zu überzeugen, dass Schnee harmlos war und kein gefräßiges Monster, welches diesen Planeten fressen wollte.

Sein außerirdischer Mitbewohner würde wohl sehr enttäuscht sein, wenn sie erst einmal wieder zurück in San Franzisco waren, wo es so gut wie nie schneite. Naja, zwei Tage blieben sie ja noch in New York…

„Eddie!“

Wieder diese dunkle Stimme und Eddie gab es auf, faltete die Zeitung zusammen und sah Venom an, der sich in genau diesem Moment in seine schlangenartige Form manifestierte und ihm ins Gesicht grinste, da er dieses kleine Ausdauerspielchen mal wieder für sich entschieden hatte.

„Okay, ich gebe auf, V. Was ist denn?“

„Uns ist langweilig!“

Eddie zog eine Augenbraue nach oben.

„Und was soll ich dagegen machen?“

Kurz schien der Symbiont zu überlegen, denn er legte den Kopf schief und es sah so aus, als würde er eines seiner weißen Augen zusammenkneifen. Als ihm eine geeignete Beschäftigung eingefallen war, grinste er wieder, entblößte dabei zwei Reihen rasiermesserscharfer Reißzähne, bei dessen Anblick es Eddie immer noch schauderte. Vor allem, da er wusste wie gefährlich sie waren, denn er hatte seinen außerirdischen Mitbewohner vor nicht allzu langer Zeit mal gefragt, warum er überhaupt Venom genannt wurde und er hatte dabei nur gegrinst. Und erst nach einiger Zeit hatte Eddie auch verstanden warum. Seine Zähne enthielten Gift, was jeden Biss tödlich machte. Doch nicht für ihn, da Venom ihm versicherte, dass er gegen sein Gift immun war, solange wie die Symbiose zwischen ihnen aufrechterhalten wurde. Eddie machte sich eh wegen etwas anderem Sorgen, denn als er das letzte Mal eine Tafel Schokolade aus seiner Tasche gezogen hatte, hatte Venom ihm fast die Hand mit abgebissen. Da war ihm das Gift dann auch egal…

„Wir wollen noch einmal Schnee sehen.“

Eddie verzog das Gesicht, faltete seine Arme auf dem Tisch und legte seinen Kopf darauf ab.

„Dann guck aus dem Fenster…“ murrte er und er schloss die Augen und versuchte seinen Freund zu ignorieren. Er hatte keine Lust heute rauszugehen. Es war kalt draußen; fast schon zu kalt für seine Verhältnisse und außerdem hing ihm die letzte Schneeballschlacht noch ganz schön nach, denn da hatte er eindeutig den Kürzeren gezogen…

„Weichei…“ hörte er den Symbionten sagen und das Grinsen schwang dabei in seiner Stimme mit, was ihn knurren ließ, doch er entschied sich dazu nicht auf die Provokation einzugehen, oder die Tatsache, dass Venom schon wieder in seinen Gedanken las.

Seine Ruhe währte für ganze drei Sekunden, als er wieder den kleinen Tentakel spürte, der ihm dieses Mal mehrmals hintereinander in die Seite piekte und jedes Mal zuckte er davor zurück und ein weiteres Murren löste sich aus seiner Kehle, ehe er sich den Tentakel mit seiner linken Hand schnappte und ihn von seinem Körper drückte.

„Lass das, du Nervensäge!“ murrte er.

„Aber uns ist langweilig, Eddiiiiieeee~!“

„Oh Gott, warum ich…“

Er vergrub sein Gesicht in seinen Armen…und quietschte Sekunden später laut auf, als Venom ihm über den Nacken leckte.

„Verdammt, V! Lass den Scheiß!“ knurrte er und er hob den Kopf an und funkelte sein Gegenüber finster an, doch der ließ sich davon nicht einschüchtern, grinste nur und leckte sich die Zähne.

„Wenn du nicht mit uns rausgehen willst, dann suchen wir uns eben eine andere Beschäftigung.“

Dieses Mal waren es gleich zwei Tentakel, die ihm beidseitig in die Seiten pieksten.

Bevor das noch ausarten konnte, entschied Eddie sich dazu aufzugeben und einfach das zu machen, was Venom wollte. Auch, wenn ihm das ganz schön gegen den Strich ging, dass der Symbiont jede verdammte Diskussion gewann. Mit unfairen Mitteln verstand sich…

„Fang bloß nicht wieder mit diesem Scheiß an, V! Du hast mich beim letzten Mal fast umgebracht!“

Und das war gar nicht mal so weit hergeholt, denn als Venom das letzte Mal der Meinung war, er müsse ihn kitzeln (zu rein “wissenschaftlichen“ Zwecken verstand sich), hatte er gedacht er würde hier und jetzt vor Lachen sterben. Das wollte er nicht unbedingt wiederholen und sein Freund wusste das, was sein breites Grinsen nur bestätigte.

„Wir würden nicht zulassen, dass Eddie stirbt. Und jetzt steh auf und zieh dich an. Es wird bald dunkel.“

„Pfft, ja klar. Wir haben noch über fünf Stunden Sonnenlicht.“

„Perfekt!“

Ein Augenrollen war die einzige Antwort, die Venom daraufhin bekam und Eddie stand auf und begab sich zu seinem Kleiderschrank, um sich wärmere Klamotten herauszusuchen und sich einfach seinem Schicksal zu ergeben…


Nur zehn Minuten später saß Eddie auch schon in seinem Mietwagen und fuhr aus der Stadt heraus. Hier und da spähte er zu Venom herüber, der sich auf dem Beifahrersitz manifestiert hatte und Eddie musste sich sein Lachen verkneifen, denn Venom hatte sich in eine kleine Version seiner humanoiden Form manifestiert und das sah einfach zu komisch aus. Vor allem, da er sich an die Beifahrertür gestellt und seine kleinen klauenbewährten Hände gegen die Fensterscheibe gepresst hatte und gespannt aus dem Fenster schaute. Dabei hüpfte er aufgeregt auf und ab. Wie ein kleines Kind, welches kurz davor war das beste Geschenk seines Lebens zu bekommen…

Und Eddie konnte ihm diese Reaktion gar nicht verübeln, denn er selber spürte wie ein Lächeln an seinen Mundwinkeln zog, als er sich wieder auf die Straße konzentrierte und all den Schnee sah, der den Boden bedeckte und alles in eine herrliche Winterlandschaft verwandelte. Weihnachten war nicht mehr lange hin und das Bild machte es einfach perfekt. Und wie aufs Stichwort spielte das Autoradio einen Weihnachtssong nach dem anderen, was es auf kitschige Art und Weise einfach perfekt machte…


Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis die beiden Freunde ihr Ziel erreicht hatten. Eddie hatte sich wieder für das Waldstück entschieden, was etwas abseits von New York war und was ihnen viel Schutz vor neugierigen Blicken geben würde. Hier konnte sich Venom austoben, ohne das ihn jemand sehen würde.

„Mach die Tür auf, Eddie! Mach die Tür auf!“

„Ganz ruhig, V. Nicht so stürmisch!“ lachte er, als Venom auf seine Beine kletterte und die Tür aufreißen wollte. Er hielt ihn mit einer Hand fest und versuchte mit der anderen das Auto auszuschalten und den Schlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen. Als er dann endlich die Tür aufmachte, sprang Venom auch sofort in den Schnee hinein und Eddie schauderte es schon, wenn er ihn nur dabei beobachtete. Kopfschüttelnd, dafür aber mit einem amüsierten Grinsen auf den Lippen, schloss er die Autotür und verriegelte das Auto, ehe er sich seinem Symbionten zuwandte, der ihn grinsend aus dem Schnee heraus anstarrte und schon einen kleinen Schneeball formte.

„Oh nein! Nein, nein, nein! Wir haben vorhin noch einen Deal gemacht, bevor wir losgefahren sind, V! Oder hast du den schon wieder vergessen? Keine Schneeballschlacht!“

Fast sofort ließ Venom den Schneeball sinken und murrte etwas Unverständliches vor sich hin, ehe er Eddie den Rücken kehrte und stattdessen, auf allen Vieren laufend, den Schneeflocken hinterherjagte. Leichter Schneefall hatte eingesetzt, kurz nachdem sie losgefahren waren und Eddie hoffte, dass er nicht noch stärker werden würde, denn das würde die Rückfahrt nur unnötig verlangsamen. Aber wenigstens freute sich sein Symbiont…

Kopfschüttelnd folgte er ihm, da Venom tiefer in den Wald wollte und Eddie beobachtete ihn fasziniert dabei, wie er den Schneeflocken weiterhin hinterherjagte, sie mit seiner Zunge auffangen wollte oder nach ihnen schnappte. Hier und dort tauchte er auch mal ganz in den Schnee ein und als er wieder auftauchte, schüttelte er sich wie ein Hund.

Erst, als es ihm zu kalt wurde, richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf Eddie, der bei seinem flehenden Blick nur eine Augenbraue hochzog und als Venom dann demonstrativ auf seine dicke Winterjacke starrte, wusste er, was er von ihm wollte und er konnte nur mit den Augen rollen, ehe er seine Jacke öffnete, Venom unter seinen kleinen Armen packte und ihn in seine Jacke setzte, bis nur noch sein Kopf und seine Arme herausschauten, mit denen er sich am Rand der Jacke festhielt.

„Jetzt ist dir wohl doch zu kalt geworden, was? Und ich dachte Symbionten frieren nicht?“ neckte er ihn, als er ihn vorsichtig festhielt und langsam weiterging.

„Wir mögen dieses Wort nicht!“

„Hm? Welches?“

„Symbiont.“

„Aber ich dachte, so werdet ihr genannt?“

„So nennen uns die Menschen. Aber wir nennen uns nicht so.“

„Wie nennt ihr euch denn dann?“

„Kluntar.“

„Klingt komisch, wenn du mich fragst.“

„Wenn du wüsstest, was es bedeutet, würdest du es nicht mehr komisch finden, Eddie.“

„Was bedeutet es denn?“

Kurz schwieg Venom und Eddie spürte, dass ihm das Thema unangenehm zu sein schien. Wenn er so darüber nachdachte, wusste er eigentlich gar nicht viel von ihm. Eigentlich wusste er gar nichts über ihn…

„Ich will nicht darüber reden…“

Seine Stimme hatte sich verändert, hatte beinahe schon einen melancholischen Unterton angenommen und Eddie entschied sich dazu, lieber nicht mehr nachzufragen. Daher ging er einfach schweigsam weiter und genoss die herrliche Winterlandschaft um sich herum und Venom tat es ihm gleich und es dauerte auch nicht lange, bis der Kluntar wieder nach den Schneelocken schnappte und grinste, als er Eddie leise lachen hörte.

„Du bist schlimmer, als ein kleines Kind, weißt du das? Hast du denn wirklich noch nie in deinem Leben Schnee gesehen?“

„Nein, haben wir nicht.“

„Gab es das nicht auf deinem Planeten?“

„Nein.“

„Muss ja ein merkwürdiger Planet sein.“

„Dein Planet gefällt uns viel besser. Hier ist alles so…anders.“

„Wie anders?“

„Schöner.“

„Aber irgendetwas Schönes muss es doch auch auf deinem Planeten gegeben haben, oder etwa nicht?“

„Nein. Dort ist alles dunkel und brutal. Jeder kämpft für sich selbst. Und wenn du schwach bist, oder ein Loser, wie ich, bist du eh ganz unten. Auf meinem Planet gilt das Gesetz des Stärkeren. Bist du schwach, kannst du jederzeit gefressen werden.“

Keine schöne Vorstellung…

„Hmm, also ich finde ja nicht, dass du ein Loser bist.“

„Nein?“

„Nein. Ein Loser würde nicht die Welt retten, die er zuerst zerstören wollte und sich gegen seine eigene Spezies richten. Ein Loser würde auch nicht für das kämpfen, was er lieben gelernt hat. Verstehst du, was ich dir damit sagen will? Du brauchst keine coolen Tricks oder sowas in der Art um ein Gewinner zu sein. Du hast dein Herz an der richtigen Stelle und das macht dich zu einem Gewinner. Etwas, was Drake und auch Riot nie verstanden haben, da beide egoistisch waren und nur für sich selbst gehandelt haben. Du hast für andere gehandelt. Und das, V, macht dich zu einem Gewinner und darauf kannst du auch stolz sein.“

Diese Worte musste Venom erst einmal verdauen und Schweigen breitete sich zwischen den beiden Freunden aus, welches nur von dem Geräusch knirschenden Schnees durchbrochen wurde, da sich Eddie immer noch langsam vorwärts bewegte.

„Meint Eddie das ernst?“ fragte Venom nach ein paar Minuten, in denen er über die eben gesprochenen Worte nachgedacht hatte und er sah zu Eddie auf, der ihm ein sanftes Lächeln schenkte und mit dem Kopf nickte.

„Ja, ich meine das ernst. Du bist kein Loser.“

Die Miene des Symbionten hellte sich auf und seine Augen schienen regelrecht zu strahlen und ehe Eddie reagieren konnte, fuhr auch schon die kleine, raue Zunge über seine Wange, was ihn lachend zurücktaumeln ließ, bis er mit dem Rücken gegen einen Baum stieß. Die Erschütterung war so heftig, dass sich etwas Schnee vom Baum löste und Venom sprang schnell aus seiner Jacke, als er das sah. Gerade noch im richtigen Moment, denn eine regelrechte Lawine traf Eddie und binnen weniger Sekunden verging ihm das Lachen, als er über und über mit Schnee bedeckte war.

Venom sah ihn vom Boden aus an und Eddie starrte zurück.

„Wehe wenn du lachst!“ knurrte er, als er sah, wie sein Freund ihn breit angrinste. Seine Worte gaben ihm den Rest und sein lautes Lachen hallte durch den ganzen Wald und er ließ sich mit dem Rücken voran in den Schnee fallen und zeigte dabei schamlos mit einer Klaue auf Eddie, der seinerseits mit den Zähnen knirschte. Er zuckte zusammen, als er eine Bewegung an seiner rechten Seite spürte und er sah, wie sich ein Tentakel an seiner Jackentasche zu schaffen machte und sein Smartphone aus selbiger herauszog. Bevor er danach greifen konnte, hatte Venom das Handy auch schon in seinen Händen, öffnete die Kamera App und machte ein Foto von Eddie, der ihn fragend ansah. Und irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, er würde es gleich bereuen Venom gezeigt zu haben, wie sein Smartphone funktionierte…

„Das schicken wir Anne!“

Und sein Bauchgefühl hatte mal wieder Recht gehabt…

Er kniff die Augen bedrohlich zusammen, schüttelte sich den Schnee so gut es ging vom Körper, ehe er auf Venom zuging und ihm das Handy abnehmen wollte.

„Oh nein, dass schicken wir nicht Anne!“

„Doch!“

„Nein!“

„Doch!“

„Venom! Gib mir das Handy!“

„Nein!“

Es entbrannte ein kleiner Kampf, in dem Eddie selbstverständlich den Kürzeren zog, denn Venom manifestierte sich einfach in seine größere humanoide Gestalt, die Eddie bei weitem überragte und auch einschüchterte und er grinste ihn fies an.

„Hol es dir doch!“ forderte er ihn heraus und dabei schwang er das Smartphone vor Eddie’s Gesicht hin und her, der daraufhin noch einmal knurrte und versuchte danach zu greifen, doch Venom zog es lachend von ihm weg und hielt ihn mit Leichtigkeit auf Abstand. Das kleine Spielchen ging so lange weiter, bis Eddie, nach Atem ringend, auf einem umgestürzten Baumstamm saß und aufgab.

„Fein, dann behalt es eben. Mir auch egal…“ murrte er und er ließ sich mit dem Rücken voran auf den Baumstamm fallen und schloss die Augen und dabei war ihm auch der kalte Schnee egal, der sich auf dem Baumstamm befand. Als er merkte, wie sich ein Schatten über ihn legte, öffnete er eines seiner Augen wieder und sah Venom über sich aufragen, der ihn noch immer angrinste, sich aber dazu entschied ihn genug geärgert zu haben und ihm das Handy wieder zurückgab. Ohne, dass er das Bild an Anne geschickt hatte…

Wieder hüllten sich die beiden für einige Zeit in Schweigen, als Venom sich neben Eddie auf den Baumstamm setzte, der unter seinem Gewicht gefährlich knarrte, aber nicht nachgab. Der junge Mann schloss seine Augen und versuchte seine Atmung wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bringen und Venom ließ seinen Blick durch den Winterwald wandern. Als er etwas gefunden hatte, was seine Aufmerksamkeit erregte, legte er den Kopf fragend schief und er tippte Eddie mit seiner Kralle an.

„Eddie? Was ist das?“

Der Journalist öffnete seine Augen und sah in die Richtung, in der Venom’s Finger nun zeigte.

„Das dahinten? Das sind Eiszapfen. Gefrorenes Wasser.“

„Aber wir dachten, Schnee ist gefrorenes Wasser?“

„Eiszapfen auch, du Dussel,“ grinste er, als er sich aufsetzte und Venom ihn finster wegen des Wortes wegen anknurrte, doch er ließ sich davon nicht einschüchtern.

„Schau mal. Wenn Wasser den Baum oder einen Felsen herunterläuft, so wie dort hinten, und es sehr kalt ist, dann gefriert das Wasser auf dem Weg nach unten und so entstehen Eiszapfen.“

„Können wir sie uns ansehen?“

„Natürlich.“

Und wieder war da dieser Blick in Venom’s Augen.

Der Blick eines neugierigen, aufgeregten Kindes.

Konnte sein Leben eigentlich noch seltsamer werden?

Wohl kaum…

Er folgte dem Kluntar und einige Augenblicke später standen sie vor einer Felswand, an der einige große Eiszapfen hingen, die selbst Eddie beindruckten, denn er hatte selten so große Eiszapfen gesehen. Venom stand neben ihm und betrachtete dieses für ihn seltsame Spektakel, berührte sie vorsichtig mit seinem Finger und untersuchte sie von allen Seiten. Als Eddie aus den Augenwinkeln sah, wie er seine Zunge ausstreckte, wollte er ihn davon abhalten, doch es war zu spät. Die Zunge fuhr bereits prüfend über den größten Eiszapfen…und blieb prompt daran kleben!

Die weißen Augen des Symbionten wurden größer, als er merkte, dass er seine Zunge nicht mehr von dem Eiszapfen lösen konnte und er zog daran, doch er schaffte es nicht seine Zunge zu befreien.

„Eddie??“

Allein wie komisch er sprach, ließ Eddie grinsen und er spürte wie sich ein Lachanfall epischen Ausmaßes in seinem Bauch aufstaute, der jeden Moment drohte aus ihm herauszubrechen.

„Eddie! Wir brauchen Hilfe…“

Und der junge Mann konnte sein lautes Lachen nicht mehr zurückhalten und anstatt ihm zu helfen, stand er dort, hielt sich mit einer Hand den Bauch, während die andere schamlos auf seinen Freund zeigte, der ihn ansah, als wolle er ihm gleich den Kopf abbeißen.

„Das ist nicht lustig!“ ertönte die dunkle Stimme nun in seinem Kopf, da Venom wohl nicht mehr verbal mit ihm kommunizieren wollte, da er befürchtete Eddie würde sich wirklich noch zu Tode lachen. Der amüsierte sich nämlich immer noch auf seine Kosten und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel, als er aufgehört hatte zu lachen und ihm stattdessen ein breites Grinsen schenkte.

„Ohhh, hängst du fest?“

Der Symbiont sah ihn so finster an, dass Eddie sich sicher war, dass selbst Riot die Flucht ergriffen hätte, doch ihn schüchterte dieser Blick nicht ein, da er wusste, dass Venom ihm niemals wehtun würde.
     
„Warte es nur ab, bis ich wieder frei bin! Dann kannst du was erleben!“

„Uhhhh, ich zittere ja schon vor Angst!“

„Solltest du auch!“

„Na schön, wenn du so spielen willst, dann bitte. Dann werde ich mal dafür sorgen, dass sich deine Rache an mir auch lohnt.“

„Was meinst du damit?“

Eddie grinste nur breit und zog das Smartphone aus seiner Jackentasche und Venom kniff die Augen zusammen und knurrte tief und bedrohlich.

„Wage es ja nicht!“

„Oh doch, Kumpel!“ grinste der Journalist, ehe er ein paar Fotos von ihm machte.

„Und die gehen jetzt wirklich an Anne,“ sagte er, als er auch noch so dreist war und ein Selfi von sich machte, in welchem Venom hinter ihm stand, immer noch mit der Zunge am Eiszapfen klebend und die Zähne fletschte…


~ In San Franzisco ~

Anne war gerade dabei für sich und ihren Freund Dan einen Tee zu kochen, als ihr Handy anfing zu klingeln und kaum noch damit aufhören wollte.

„Wer schickt mir denn so viele Nachrichten?“ sprach sie mehr zu sich selbst, da Dan sie eh nicht hören konnte, denn er saß in seinem Büro und ging noch schnell ein paar Berichte durch, die er morgen im Krankenhaus abgeben musste.

Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, als sie Eddie’s Namen auf dem Display aufleuchten sah. Sie zog fragend eine Augenbraue nach oben, als sie sah dass Eddie ihr mehrere Bilder geschickt hatte. Seltsam. Hatte er nicht gesagt, er würde für ein paar Tage in New York sein, da er dort eine Arbeit bekommen hatte? Aber vielleicht schickte er ihr ein paar Fotos von der Stadt. Vorfreude überkam sie und sie lud die Fotos herunter…und fiel fast vom Glauben ab, als sie die Fotos sah, die sie bekommen hatte. Und erst diese komischen Textnachrichten, die absolut gar keinen Sinn ergaben, da sie nicht mal aus richtigen Wörtern und mehr Smileys als alles anderem bestanden.

Auf einem Bild war Eddie abgebildet, der über und über mit Schnee bedeckt war. Auf einem anderen sah sie Venom im Hintergrund und wie der mit seiner Zunge an einem Eiszapfen festklebte?

Oooooookay?

Die beiden schienen sich ja in New York köstlich zu amüsieren.

Ein weiteres Bild erreichte sie und sie rollte spielerisch mit den Augen.

Diese beiden waren schlimmer als kleine Kinder, was ihr das nächste Bild nur bestätigte, denn in diesem hing Eddie an einem Baum und mehrere Eiszapfen hielten ihn dort unfreiwillig fest und sein Gesichtsausdruck war dunkler, als die finsterste Nacht. Venom grinste dabei in die Kamera, als er dieses Selfi zu ihr geschickt hatte und unter dem Bild stand einfach nur geschrieben „Wir haben viel Spaß in New York“.

Jap.

Diese beiden waren einfach unmöglich.

Aber sie freute sich für Venom und das er sich anscheinend immer besser hier einlebte und das ihm dieser Planet so sehr gefiel. Und sie wusste, dass kleine Auszeiten wie diese auch Eddie gut taten, auch, wenn er das nicht unbedingt laut zugeben wollte.

Nach allem, was diese beiden erlebt hatten, verdienten sie ein bisschen Spaß.

Und Anne gönnte es ihnen vom ganzen Herzen…

Ende
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