Senator

von SophieW
GeschichteDrama, Sci-Fi / P18
05.12.2018
31.07.2019
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Das tat seine Exzellenz tatsächlich, als die Senatorin schließlich vor seinem Büro stand.
Wobei der Begriff eine wahre Untertreibung war.  Thronsaal trifft es eher.
Es begann mit seinem massiven Schreibtisch, dem Herzstück des Raumes. Er stand in verdächtiger Entfernung zu der großen Flügeltür, sodass das schreckliche Gefühl auf seinen Henker zuzugehen nur noch verstärkt wurde. Dazu kam die ungewöhnliche Höhe und runde Form des Raumes. Wie auf dem Boden eines tiefen Brunnens festzustecken, daran konnten auch die zahlreichen Fenster nicht aussetzten. Hätten sie vielleicht, wenn nicht die schweren, dunklen Vorhänge gewesen wären,  die alle Fenster außer die rechts und links des Schreibtisches verdeckten und so ein scharfes Licht auf den Schemen warf, der ihr Gastgeber darstellte.  Gläserne Regale säumten den Gang, ächzten von der Last der zahlreichen unbezahlbaren Artefakte und Kunstwerke. Plünderungen und Schätze seine Eroberungen.
Die Nachricht, die sie aussandten, war klar: Was dieser Mann wollte, dass bekam er auch.  
Und in diesem Moment wollte er ihre Kooperation.

„Senatorin Gibhli“ grüßte die tiefe Stimme, die sie aus vielen Nachrichten kannte.
Noch einige Schritte, dann war das das Licht endlich günstig genug, dass sie ihn erkennen konnte.
Was sie sah, unterschied sich nicht wesentlich von dem, was man auf den Propagandapostern zu sehen bekam.
Ein Mann mittleren Alters mit den markanten schneeweißen Haaren, die allerdings nicht etwa so gealtert, sondern gefärbt worden waren, dem leichten dunkleren Ansatz nach zu urteilen. Auch seine Hautfarbe schien nicht natürlich, sondern mit Chemikalien behandelt worden zu sein, um sie bleicher zu machen.
Der Geist von Zakuul.
So ungelegen wie sie dachte, kam ihm dieser inoffizielle Titel wohl doch nicht, wenn er sich schon die Mühe machte, dass Bild abzurunden. Im scharfen Kontrast zu seinen Haaren und ungesund blassen Haut stand die pechschwarze Uniform, dessen hoher Kragen, wie Finger nach seinem Hals tasteten.  

Sie stieg die vier Stufen zu dem Podest hoch, auf dem sein Schreibtisch stand und neigte den Kopf. Respektvoll, aber nicht kriecherisch.
„Ich grüße Euch, Exzellenz. Ich danke Euch für die Einladung, sie ehrt mich.“ Begann die junge Frau mit den politischen Floskeln, die eine ermüdende Pflicht darstellten.
Ihr Gastgeber würdigte dies mit einem Nicken, bevor er antwortete. „Bitte, nehmt Platz.“ Forderte er sie auf und deutete auf einen Sessel vor seinem Schreibtisch.
Gut. Er behandelte sie als ebenbürtig und auch wenn es vermutlich nur gespielt war, fühlte sie sich in gewisser Weise dadurch besser.
Seine grauen Augen bohrten sich in ihre, schienen sie von innen zu durchleuchten. Stumm hielt sie seinem Blick stand und empfand einen gewissen Stolz. Viele ihrer politischen Unterstützer waren dazu nicht einmal während der Holositzung imstande gewesen, die dieses Treffen arrangiert hatte.
Schließlich löste der Moff den Blick und griff nach einem Datenpad auf dem Schreibtisch. Für einen weiteren Moment herrschte Stille. „Senatorin, ich  rede nicht gerne um Dinge herum, deswegen komme ich gleich zum Punkt.“ Sein Blick hob sich von dem Datenpad zurück in ihr Gesicht, zweifellos eine geplante Geste. „Ihr seid besiegt. Das Schicksal Eures Volkes liegt in meiner Hand. Doch ich bin ein Eroberer, kein Herrscher. Und zu Eurem Glück benötigt das Imperium, dank unserem Sieg über die aktiirischen Kolonisten, derzeit keine Sklaven. Also frage ich Euch, wollt ihr die Herrschaft über Eurer Volk behalten?“

Völlig perplex starrte sie ihn an.
Sie hatte sich vorgenommen, ihre Gefühlte zu verbergen, doch mit einer solchen Offenheit hatte sie nicht gerechnet. Keine Beschönigungen, keine Leugnung, keine Abschwächung. Einfach nur die grausame Realität. Und ein Angebot, dass zu schön klang, um wahr zu sein. Womöglich eine Falle, doch sicher konnte sie nicht seien.
„Auch ich herrsche nicht. Ich schütze mein Volk und leite es an, das ist meine Pflicht. Es wäre außerordentlich dumm, Euer Angebot auszuschlagen. Doch ich bin kein naives Kind. Was verlangt Ihr als Gegenleistung?“
Der Geist lächelte kurz und sah dabei fast aus wie ein beeindruckter Lehrer, dessen Schützling grade eine sehr kniffelige Aufgabe richtig gelöst hatte. „Ihr sagt ihr seid kein Kind. Könnt Ihr es Euch selbst beantworten?“
Wieder ein unerwarteter Zug von ihm. Er könnte alles Mögliche verlangen, jedoch hatte er selbst gesagt, er wäre ein Eroberer.
„Ihr wollt erobern. Also liegt die Möglichkeit nahe, dass ihr meine Kooperation und Kapitulation erwartet. Vermutlich auch fortwährende Loyalität dem Imperium gegenüber.“ Gab sie ihre Antwort und versuchte anhand des Gesichtsausdruckes abzuschätzen, ob ihre Antwort ihn zufrieden stellte. Er bleibt so unbewegt und ruhig wie der Tod selbst.
„Sehr gut.“ Sagte er schließlich. „Nehmt Ihr an?“
Immer noch überrumpelt wich ihr Blick aus und fuhr über die extravagante Ausstattung. Sie atmete einmal tief durch und sah den Moff wieder an, aus dessen Blick sämtliche Wärme gewichen war. Sie zwang sich, nicht zu erschauern, oder andere Arten von Schwäche zu zeigen. Unsicher wie er darauf reagieren würde, ging sie in die Offensive.
„Ich brauche Zeit, diese Bedingungen zu überdenken und vor allen Dingen Details. Ich unterschreibe keinen Vertrag und akzeptiere kein Angebot, ohne es gründlich besprochen zu haben.“ Stellte sie klar und verlieh ihrer Stimme eine Härte, die sie nicht verspürte.
Für einen schrecklichen Moment lang befürchtete sie, zu weit gegangen zu sein. Das Gesicht des Moffs, eh schon eine unbewegte Maske, versprach den Tod.
„Ihr übergeht Euch gewaltig, Senatorin, und überschätzt Eure Entscheidungsfreiheit in diesem Fall um Längen.“ Zischte er, die Zähne derart zusammengepresst, das wollte er Diamanten aus ihnen formen. „Doch ihr habt Mut und den Willen Euer Volk zu verteidigen, das respektiere ich. Ich hatte generell nicht erwartet, dass diese Verhandlungen innerhalb eines Tages abgeschlossen werden.“
Er erhob sich von seinem Stuhl, faltete die Hände hinter dem Rücken und trat hinter dem Schreibtisch hervor, bis er über ihr stand und sie zwang, zu ihm aufzusehen.
„Also, seid mein Gast für die folgenden Tage, ich stelle Euch Räumlichkeiten zur Verfügung.“ Seine Stimme wurde wieder wärmer, schmeichelhafter. Sie kam nicht umhin, ihn zu bewundern. Der perfekte Schauspieler.
„Dieses Angebot nehme ich gerne an.“ spielte die Senatorin mit und setzte ein perfekt einstudiertes Lächeln auf, während sie innerlich zusammenbrach.
Gefangen im Imperium, auf Feindesboden.
Auf unbestimmte Zeit.

Sie stand ebenfalls auf und hoffte bloß, dass ihre Beine sie tragen würden. Währenddessen winkte der Moff mit der linken Hand und jemand Verhülltes löste sich aus den dunklen Vorhängen. Der Statur nach zu urteilen ein junger Mensch, der aufgrund der gleichfarbigen Tunika derart mit dem Vorhang verschmolzen war, dass sie ihn übersehen hatte.
„Geleite die Senatorin in ihre Unterkunft!“ befahl der Geist mit einer Stimme, die keinen Wiederspruch duldete.
„Ja, Herr.“ Antwortete er mit einem Akzent, der allerdings nicht zu einem Menschen passte und ihr schauerlich vertraut vorkam.
Nein.
Das dufte nicht sein.
Als er schließlich voran ging und sie das Büro zusammen verließen, konnte sie Teile seiner roten Haut und der Lekku unter der Haube sehen. Einer von uns.
Es verpasst ihr einen Stich ins Herz.
Und noch ein unschöneres Detail, welches sich ebenfalls nicht übersehen ließ. Ein elektrisches Sklavenhalsband umfasste den schlanken Hals derart fest, dass es helle Verfärbungen an der Haut verursachte. Sie war hier um ihr Volk vor diesem Schicksal zu retten und hatte an einem von ihnen bereits versagt. Zweifellos eine weitere Geste des Moffs, seine Dominanz zur Schau zu stellen. Sie blickte zu dem hochgewachsenem, blassen Mann zurück, nur um, erfolgreicher Weise, einen kleinen Auslöser an seinem Gürtel zu finden.
Langsam atmete sie einige Züge ein und aus, um die so offensichtliche Demütigung stumm zu ertragen.
Anderenfalls wäre sie Moff Gheist vermutlich an die Kehle gesprungen. Und das hätte die Verhandlungen wirklich nicht voran getrieben.
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