Harry Potter und die Torte des Phönix

von Xalita
KurzgeschichteHumor / P12
05.12.2018
06.12.2018
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Harry schloss leise die Tür hinter sich und machte sich dann auf den Weg zum Gemeinschaftsraum.
Gerade als er um eine Ecke bog, stieß er mit Filch zusammen. Der große Karton, den der Hausmeister trug, fiel polternd zu Boden und sein ganzer Inhalt verteilte sich über den Gang.
„Verdammt, pass doch auf!“
Harry verkniff sich ein ‚Passen Sie doch auf‘ und murmelte stattdessen eine Entschuldigung, während er sich hinkniete, um dem alten Mann beim Aufräumen zu helfen.
Kleine, bunt verpackte Päckchen lagen um Harry verstreut. Sie waren nur etwa eine Hand groß und total leicht, was der Schüler verwundert feststellte.
„Was ist da drin?“ fragte Harry, einen Moment Filchs Griesgrämigkeit vergessend.
„Das geht Sie gar nichts an, Potter!“
Mit verschränkten Armen und zusammengekniffenen Augen musterte Filch Harry von oben herab.
Dieser sammelte umgeben von unangenehmer Stille und den Geruch nach noch nie gewaschenen, sehr wohl aber getragenen Socken alle kleinen Päckchen, natürlich nicht ohne eines klammheimlich einzustecken und legte diese zurück in den Karton.
Filch nahm diesen wieder hoch und wollte gerade missmutig abrauschen, als Harry noch ein weiteres verpacktes Geheimnis entdeckte und dieses hastig aufhob.
„Sir, ich habe noch eines gefunden!“
Hektisch wedelte Harry mit dem Teilchen herum.
Filch drehte sich mit einem Gesichtsausdruck tiefster Genervtheit um und riss dem Jungen das Stück aus der Hand.
Ihre Finger berührten sich leicht dabei und Harry durchfuhr ein Stoß.
Filch Haut war unglaublich faltig und verschwitzt. Die Augen des Älteren bohrten sich in die grünen Augen des Jungen und kurz schien die Welt stillzustehen.
Doch dann verschwand der schöne Moment und die romantische Stimmung zerfiel.
Harry sah dem weghastenden Filch mit gemischten Gefühlen hinterher.

Eine Weile später kam er schließlich am Gemeinschaftsraum an.
Hermine hatte sich zum hundertsten, ach was sag ich, zum tausendsten Mal Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen und las diese fleißig.
Ron saß daneben und spielte gemeinsam mit Seamus eine Partie Schach.
Hermine sprang auf, als Harry zu ihr trat und rief: „Bei Merlin, was hast du so lange bei Dumbledore gemacht?!
Ist es wegen Voldemort? Oder dem Ministerium? Geht es dir gut?“
Harry ließ sich mit einem schweren Seufzer auf einen Sessel sinken und rieb sich die Schläfen.
„Dumbledore will, dass Fawkes zu seinem Geburtstag eine Torte bekommt.“
„Wie bitte??“
„Torte?! Wo?“
Boom.
Hermine verdrehte die Augen und bedachte Seamus, der mit Ruß bedeckt und schockstarr auf das explodierte Schachfeld glotzte, mit einem ihrer Todesblicke.
Dann drehte sie sich gleich wieder zu Harry um, welcher unbeeindruckt von den schwelenden Figuren in die Luft starrte.
„Ich glaube, Dumbledore hat nicht mehr alle Barthaare beisammen. Einen Kuchen-“ „Eine Torte…“ Hermine sah Ron strafend an und fuhr fort: „Eine Torte für Fawkes, soweit kommt's noch! Ron, du sabberst.“
Beim letzten Satz zog sie angewidert ihren linken Mundwinkel hoch.
„Aber ich hab jetzt schon den Vertrag unterschrieben“, wandte Harry ein. „Ich hatte gehofft, dass du und Ron mit mir zum Backen kommen?“ Während Ron, noch immer mit Spucke bestückt, begeistert nickte, sah Hermine nicht sehr überzeugt aus.
„Ich werde mitkommen, aber nur, um Dumbledore zu überzeugen, den armen Fawkes nicht umzubringen.“
„Danke Hermine, du bist die Beste!“
Erleichtert atmete Harry auf und sah dann Ron an, welcher antwortete:
„Ich komme auch auf jeden Fall mit! Was soll das denn für eine Torte werden? Süß oder kräftig? Mehrstöckig? Mit Zuckerguss? Verziert? Exotisch? Mit Früchten?“
Harry zuckte bloß die Schultern.
„Keine Ahnung, frag Dumbledore.“
„Ich muss sofort nachschlagen, was für einen Phönix alles schädlich ist!“ entfuhr es Hermine und schon sprang sie auf und eilte in Richtung Bibliothek fort.


Am nächsten Tag hatten die Schüler von Gryffindor Zaubertränke. Das verhasste Fach mit dem noch viel mehr verhassteren Lehrer Snape gleich in der ersten Stunde war jedem Schüler ein angeborenes  Gräuel.

Harry mischte gemeinsam mit Neville stinkende Substanzen mit Grünzeug, Hermine krepierte beinahe an einem Kreischkrampf, als Ron gedankenlos einen Fussel in ihren bis eben gerade noch perfekt brodelnden Kessel schnippte und Seamus war schon längst von Madame Pomfrey abgeholt worden, weil er sich aus versehen den halben Arm weggesprengt hatte.
Und bei all diesen Trubel teilte Snape mit seiner schnarrenden Stimme Anweisungen und Beleidigungen aus.
Als er Harrys und Nevilles verzweifeltes Bemühen bemerkte, verzog er abfällig das Gesicht und tänzelte zu ihnen herüber.
„Mister Longbottom. Haben Sie sich denn nicht gemerkt, was ich soeben zu den Basilikumblättern gesagt habe?“  Neville wurde weiß wie Vogelexkremente (oder auch Naturjoghurt) und erstarrte mitten in der Bewegung.
„Was meinen Sie, Professor?“ Harry verschränkte die Arme.
Snape drehte sich langsam zu ihm um. „Es war mir schon klar, dass Sie es nicht wissen, Potter“, teilte er seinem Schüler mit maliziöser Stimme mit und legte besonders theatralisch seinen Finger auf das aufgeschlagene Buch. „Vorlesen.“
„Krass trocken?“ Neville schien beinahe zu schrumpfen, als Snapes angeekelter Blick ihn traf. „Man liest in ganzen Sätzen, Sie Dummkopf.“
Harry sah, dass Neville kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand und übernahm deshalb selbstlos das Lesen: „Die Basilikumblätter nur krass trocken verwenden.“ Sein Blick wanderte schuldbewusst zu seinem und Nevilles Basilikum. Es war nass.
„Huhu, Severus!“ Fröhlich winkte Dumbledore von der Tür aus und brach damit die gehässige Stille Snapes und verängstigte der Schüler.
Snape drehte sich ruckartig um. „Sir?!“

Der Schulleiter lächelte und erwiderte: „Ich freue mich auch, dich zu sehen.“ Er klatschte in die Hände und rief: „Hopp Hopp, jetzt wird gebacken!“
Die Schüler kicherten, als Snape dunkelrot anlief und etwas wahrscheinlich nicht so Nettes vor sich hinmurmelte.
Harry grinste zufrieden und wie bei einem Pony bebten seine Nasenflügel vor Freude, während Snape zur Salzsäule erstarrt Dumbledore ansah. „Aber Albus“, begann er, wurde jedoch sofort von seinem Boss unterbrochen, welcher mahnend den Finger hob: „Severus, das hatten wir abgemacht! Ich hab dir neue Spitzenunterhös-“ „Ist ja gut!“ warf Snape sich mit einem verzweifelten Schrei dazwischen.
Die Schüler verrenkten sich reihenweise die Glieder, starben an Atemnot und klatschten wie zurückgebliebene Seerobben begeistert in die Hände vor Lachen. ‚Ein klarer Fall von tödlicher Lacheritis‘, würde Madame Pomfrey wohl sagen.
Albus nahm Snapes Hand (die Reaktion der Anwesenden dürfte jedem klar sein) und bedeutete Harry, zu ihm zu kommen.
Ron wankte von Krämpfen geschüttelt neben dem nach Luft schnappenden Harry her, nur Hermine konnte forsch und ohne zu stolpern voranschreiten.
Wenn die Gute sich mal auf mehr als auf ein Glucksen herablassen würde, wäre sie wahrscheinlich krank.
So kam es, dass die Gryffindors des fünften Jahrgangs alle außer Hermine, Ron und Harry einen qualvollen, aber glücklichen Tod starben, während Dumbledore mit seinen Gehilfen sorglos durch die Gänge stratzte.

„Professor Dumbledore?“
„Ja, mein lieber Harry?“
„Sind Sie sich wirklich sicher, dass Sie eine Torte für Fawkes machen wollen?“
Dumbledore strahlte den Jungen aufgeregt an und nickte heftig.
„Aber Sir.“ Hermine drängelte sich vor. „Dann müssen Sie aber extrem darauf achten, keinen Zucker zu verwenden!“
Für Ron brach sichtlich eine Welt zusammen. „Keinen Zucker?? Aber…“
Hermine schnitt dem Weasley das Wort ab: „Ja, Zucker vertragen Phönixe nämlich nicht, genauso wenig wie [hier sehr viele Lebensmittel einsetzen], außerdem essen diese Vögel sowieso nur extrem wenig, was daher kommt, dass sie ja öfters mal sterben und ihre Verdauung sich gewissermaßen angepasst hat, das heißt also, dass sie nur leichte Kost vertragen. Eine herkömmliche Torte ist daher für Fawkes tödlich.“
Dumbledore machte eine abwehrende Handbewegung und antwortete: „Ach, bleib mit weg mit diesen Wikipediaartikeln. Fawkes bekommt ja auch keine 0815 Torte, sondern etwas Besonderes.“ Bei dem letzten Wort leuchteten die Augen des Schulleiters wieder ungesund fröhlich auf und er blieb stehen.
Harry sah sich skeptisch um. Sie befanden sich in einem schimmligen, spärlich beleuchteten Gang. Hier ist er noch nie gewesen. Doch bevor er sich mehr Gedanken über den Ort machen konnte, schälte sich eine Tür aus der Wand.
Hermine schnappte nach Luft und Ron griff verschreckt nach Snapes Hand, wofür er eine Ohrfeige kassierte.
Dumbledore klopfte kurz den Beat von den „Back to the Roots“ aus eigener Produktion gegen das Holz, welches daraufhin aufschwang.
„Tretet nur ein“, sagte er vergnügt.
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