Love on Top: Baby it's You!

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Genji Hanzo McCree Moira Reaper Soldier:76
04.12.2018
17.02.2020
9
194562
5
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„Morrison. Was ist das.“
Es gab genau null fragende Betonung in diesen zwei Gelegenheiten für eine Frage, und das setzte den Ton für dieses Gespräch schon ziemlich gut.
Jack schluckte so leise wie möglich und erwiderte ruhig: „Mein Austrittsformular.“
Nicht, dass er es nicht auch unbürokratisch versucht hatte, per mündlicher Ankündigung, doch das war irgendwie untergegangen, also musste man es anscheinend schriftlich festhalten und dann persönlich vorbeibringen, damit es nicht zufällig in der Post verloren ging.
Coach Rutledge taxierte ihn sekundenlang mit diesem leeren Blick, der besser als jedes Seufzen mitteilte, wie unfassbar wenig Bock er auf Teenager-Drama hatte, und stieß seinen massigen Zeigefinger dann in den Zettel, um ihn über den Schreibtisch zu Jack zu schieben. „Was ist das.“
Die minimal andere Betonung ließ ahnen, dass er nicht dieselbe Antwort noch mal akzeptieren würde, und Jack war niemand, dem man leicht Angst machte... Aber Coach Rutledge war einer der wenigen Menschen auf dieser Welt, wahrscheinlich auch in diesem Sonnensystem, bei denen man einfach niemals herausfinden wollte, ob sie von ihrer Fähigkeit Gebrauch machen würden, einen in der Mitte durchzubrechen wie ein Streichholz. Irgendwie strahlte Rutledge es aus, permanent nur einen Wimpernschlag davon entfernt zu sein, einen hinter die Tapete zu kleben, einfach damit man ihn nicht mehr nervte.
Nicht pädagogisch wertvoll. Aber sehr effektiv für Sportler.
„Ich muss mich auf meine Kurse konzentrieren,“ sagte Jack, nachdem er sein Unbehagen heruntergeschluckt hatte. „Ich habe meinen Eltern versprochen, dass mein Abschlusszeugnis gut wird, und es war schon letztes Jahr knapp, den Stoff zu schaffen.“
„Du hast keine Kurse nicht bestanden.“ In der doppelten Verneinung klang das irgendwie nicht wie eine Leistung, auf die man stolz sein sollte. „Du kannst im Team bleiben.“
Jack presste die Handflächen unter dem Tisch zusammen. „Mein Notendurchschnitt-“
„Du hast,“ unterbrach Rutledge ihn unbeirrt, aber mit diesem Unterton rapide schrumpfender Geduld, den jeder Spieler von ihm kannte und bei dem auch jeder die Klappe hielt, „alles bestanden. Als einer der wenigen hast du nicht auf diesem Stuhl gesessen und mir die Ohren vollgeheult, dass ich mit deinen Lehrern über Nachprüfungen verhandeln soll.“ Rutledge schwieg, als müsste er sich vom Reden erholen, weil es ihn Kraft kostete, sich mit so viel jugendlicher Dummheit zu beschäftigen. Jack wusste es besser, als in diese Pause hineinzuquasseln. „Und jetzt... willst du aus dem Team raus.“
„Ja.“ Wie Jack es vor den Sommerferien schon gesagt hatte. Rutledge hatte ihn nur offensichtlich überhaupt nicht ernst genommen.
„Morrison.“
Rutledges schmale, von Tränensäcken und dicken, grauen Brauen eingerahmte Augen taxierten ihn. Sein grobschlächtig wirkender Körper mit den baumstammdicken Armen und dem runden Wanst vermittelte Trägheit, die flächigen Tätowierungen und die rasselnde Stimme, oft von einem Husten unterbrochen, zeugten scheinbar von einer lang zurückliegenden Wildheit. Tatsächlich wusste niemand wirklich über den Coach Bescheid, weder woher er kam, noch was er so gemacht hatte, eigentlich nicht mal seinen Vornamen. Jack hielt ihn für einen früheren Wrestler, und er wusste, dass der Mann, allen äußerlichen Klischees zum Trotz, kein fetter Idiot war. Er hatte nicht selten das Gefühl, das ein Großteil von Rutledges lethargischer Genervtheit daher rührte, dass er sogar erheblich zu intelligent für das Goldfischglas dieses Ortes war.
Doch dann sollte Rutledge auch verstehen können, warum Jack nicht riskieren wollte, kein gutes Zeugnis zu bekommen und hier kleben zu bleiben. Im Nirgendwo.
„Haben deine Eltern das Geld, um dich auf's College zu schicken?“
Jacks Magen zog sich zusammen. Nein, und Rutledge wusste das – eine Farm zu betreiben war ehrliche Arbeit und brachte einigermaßen etwas ein, wenn man ein Geschick mit dem Land besaß. Aber nicht so viel, dass man etwas zur Seite legen konnte, und schon gar nicht genug für die Gebühren eines College.
„Sie nehmen einen Kredit-“
„Willst du ein Stipendium?“
Rutledge stieß das Formular noch ein paar Zentimeter auf Jack zu. „Dann nimm diesen Wisch mit. Du bist halbwegs helle, aber das sind andere auch. Kannst nicht riskieren, dass es bei dir reicht. Jedes College will Sportler für's Ego, aber selbst da reicht's vielleicht nicht.“ Rutledges rot geränderte Augen tasteten Jack so mitfühlend ab wie ein Röntgengerät. „Was mögen Colleges lieber als gute Sportler?“
Das schien zum ersten Mal keine rhetorische Frage zu sein, auch wenn Jack keine Lust hatte, sich darüber Gedanken zu machen. Er blickte noch auf das Formular vor sich und wälzte die Abwägungen im Kopf, die er die ganzen Ferien lang schon durchgekaut hatte. Der Coach hatte Recht, doch Jack hatte nun mal keine Wahl. Es würde reichen müssen, und dafür brauchte Jack mehr Zeit zum Lernen und weniger Training. „Schlechte Schüler mit reichen Eltern?“ schlug er lustlos vor und bildete sich ein, einen Funken trockener Belustigung in Rutledges Gesicht gesehen zu haben, bevor der riesige Mann schnaufte wie eine Dampflok mit Asthma.
„Gute Captains, Morrison. 'Nen Ball fangen und losrennen kann man lernen. Ein Team zusammenzuhalten nicht.“
Jack blinzelte überrascht. „Ich-“
„Nerv' mich nicht mit deinen Komplexen,“ knurrte Rutledge nahezu sachlich. „Du wirst Captain. Du bringst diesem Haufen die Flötentöne bei – wenn du lernen willst, lern' mit ihnen, sie haben's nötig. Dann legt ihr 'ne gute Saison hin und dann kannst du dir aussuchen, welches College dein Stipendium hinblättern darf.“
Es klang so einfach. So selbsterfüllend. Idiotensicher. Als würde Rutledge ihn mit diesem abgelehnten Formular das Ticket zu seinen Träumen herüberschieben.
Jack wusste, dass das nicht zutraf. Es war nicht ein Haken dran, es waren verdammt noch mal ein dutzend.
„Sie haben gesagt, dass die meisten aus dem Team wegen vergeigter Kurse hier waren,“ wandte er ein, woraufhin Rutledge mürrisch grunzte, als hätte er nicht erwartet, dass Jack sich das merkte, „und ich kann ihnen nicht gleichzeitig Nachhilfe geben und sie in Form bringen, wenn ich noch einigermaßen gute Noten will.“
Rutledge lehnte sich zurück und musterte ihn ausdruckslos. Jack erwiderte seinen Blick stur. Rutledge konnte ihn nicht zwingen, im Team zu bleiben, das war ihnen beiden klar. Wenn Jack raus war, war er raus. Er hatte eh nie so viel für Football übrig gehabt; er hatte ins Basketballteam gewollt, doch erst hatten die ihn nicht genommen, weil er noch auf den Wachstumsschub gewartet hatte, dann hatte er sich für Football rekrutieren lassen und sein Vater war so stolz deswegen gewesen, dass Jack im nächsten Jahr nicht hatte wechseln können.
Aber jetzt war Schluss damit. Er würde sein letztes Highschool-Jahr mit Büchern verbringen, nicht mit Bällen.
Rutledge faltete seine Finger über dem Bauch, das Sonnenlicht fing sich in seinem ergrauten Haar und ließ es silbern glänzen. „Dann macht es dir also nichts aus, dass deine Teamkameraden mit Sicherheit keine Chance auf ein Stipendium bekommen, weil ich sie noch während der Saison wegen der Noten aus dem Team schmeißen muss.“
Es war schon wieder keine Frage. Jack fror in seinem Stuhl ein.

Jesse wartete auf dem Parkplatz zwischen Turnhalle und Sportplatz auf ihn und grinste breit, als er das resigniert zusammengeknüllte Stück Papier in Jacks Hand bemerkte. Er wirkte übrigens so gar nicht überrascht oder erleichtert. „Howdy, Jackaboy. Pläne geändert?“
Wenn Jesse glaubte, dass das subtil war, stand ihm eine Enttäuschung bevor. Jack warf ihm einen ungnädigen Blick zu und stopfte das Formular, mit dem Rutledge nicht mal seinen Mülleimer bemüht hatte, in seine Jeanstasche. „Sieht so aus.“
Jesse zuckte unbekümmert mit den Schultern und schob den Zahnstocher, mit dem er auf dem Schulgelände die Tabakwaren ersetzte, in den anderen Mundwinkel. „Du bist doch froh.“
Ein bisschen. Natürlich war Jack gern im Team. Das waren seine Freunde, zumindest manche, und auch wenn es nicht der beste Sport der Welt war, es war gut. Es hätte Jack gefehlt, nicht mehr dazuzugehören, aber er hatte die ganzen Sommerferien damit verschwendet, sich davon zu überzeugen, dass es vernünftiger so war, und den enttäuschten Blick seines Vaters ertragen, und als Echo davon den Blick ihres alten Hundes, beide gleichermaßen 'getreten'.
Wenigstens das hatte ein Ende. Jack seufzte und massierte sich das Nasenbein. „Jesse?“
„Mhm?“
„Wie viele Kurse hast du vergeigt?“
Jack hatte fast Angst vor der Antwort, und es war keine Überraschung, als Jesse lachte und ihm den Arm über die Schultern warf, kurz zudrückte und ihn wieder fallen ließ. „Du bist Captain, freu dich wenigstens 'n bisschen, bevor du ernst machst!“
Das war das Gegenteil von beruhigend. Jack wusste, dass Jesse vom letzten Schuljahr nicht viel mitbekommen hatte – er hatte dieses Mädchen kennen gelernt und die Bonnie&Clyde-Romanze hatte sich stürmisch entfaltet und dabei fast die Schullaufbahn verwüstet. Es war ziemlich wahrscheinlich, dass Jesse seine Prüfungen nur irgendwie geschafft hatte, weil er nicht dumm war und geschickt im Schummeln war, doch das würde dieses Jahr nicht mehr reichen. Er war ein Härtefall... Ihm fehlte so viel Stoff, dass gemeinsames Lernen nicht genug war. Er brauchte einen guten Tutor. Jack hatte noch absolut keine Ahnung, wo er den hernehmen sollte, und der Warnschuss schien auch nicht laut genug für Jesses kampferprobte Ohren gewesen zu sein.
Und das war nur ein Spieler. Coach Rutledge wusste genau, was er getan hatte, als er die moralischen Daumenschrauben bei Jack angelegt hatte...
Jesse ließ den Zahnstocher wippen und schob die Hände in die hinteren Hosentaschen, während er auf den Hacken seiner Cowboystiefel balancierte und Jack zuzwinkerte. Seine Gemütsruhe musste man bewundern. „Also, Captain Jack, Burger und Milchshakes? Wir ham deine Beförderung zu feiern!“
Jack ließ von seinem Nasenbein ab, um Jesse über seinen Handrücken hinweg misstrauisch anzusehen. „Von welchem 'wir' sprichst du?“ Er hatte da so eine düstere Vorahnung, und sie wurde immer stärker, je eher sich ein Hauch reueloser Verschmitztheit in Jesses Grinsen breitmachte. „Vom Team, Mann.“
Um das festzuhalten, keins dieser Arschlöcher hatte geglaubt, dass Jack vernünftig-egoistisch genug war, um Rutledge den Mittelfinger zu zeigen und aus diesem Büro als freier Mann zu marschieren?! Ergo, jeder dieser Nichtsnutze hatte sich darauf verlassen, dass Jack diese undankbare Herkulesaufgabe annahm, die allenfalls in einem Burger und einem Softdrink entlohnt wurde, und ihm mindestens zehn Jahre seiner Lebenserwartung stahl?!
„Ich hasse euch,“ murmelte Jack schicksalsergeben. „Und ich hasse mich.“
„Und dabei hat das Jahr noch nich' richtig angefangen!“ Jesse lachte und spuckte seinen Zahnstocher auf den Boden. „Wart' ab, bis es richtig losgeht!“
Das klang... entsetzlich zutreffend.
Jack hasste sich selbst so sehr.