Sterben muss man sowieso, schneller geht's mit Nico

GeschichteAllgemein / P12
04.12.2018
08.12.2018
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Montag ist allgemein unbeliebt. Lisa Karter mag diesen Tag eigentlich gerne. Das hat auch wie fast alles in ihrem Leben einen Grund (fast immer derselbe Grund) : Nico. Montags kann Lisa ihren Sohn nach dem Wochenende wieder für acht Stunden an den Kindergarten abgeben. Acht Stunden in denen sich andere um ihren Sohn kümmern müssen. Klingt das gemein? Vielleicht ein bisschen. Aber seit ihr Mann gestorben ist, ist Lisa meistens überfordert und gestresst wenn ihr Sohn bei ihr ist. Oh,versteht es nicht falsch, sie liebt Nico von ganzem Herzen. Er ist ihr ein und alles...er kann nichts dafür wie er ist. Genau das ist der Punkt. Wie er ist. Lisa, die seit fast sechs Jahren an ALS leidet und im Rollstuhl sitzt, kann nichts tun wenn Nico entschliesst das Haus zu verwüsten. Es ist schrecklich. Aber natürlich liebt sie ihren Sohn.

Nun. Dieser Montag war anders als sonst. Lisa zog sich mühsam am Bettgeländer hoch und hievte sich mit aller Kraft in ihren Rollstuhl. Das ging bei ihr, die Muskellähmung die sie befallen hatte war noch nicht so fortgeschritten.
Ächzend drehte Lisa ihren Rollstuhl herum und bewegte ihn in Richtung Nicos Zimmer. Es lag direkt neben an. So hörte sie direkt wenn er etwas anstellte. Nachdenklich blieb sie vor der mit Bildern überspannten Tür des Kinderzimmers stehen. Das lachende Gesicht ihres Sohnes stach ihr ins Auge. Es war ein wundervolles Foto, dass ihre Schwester geschossen hatte, als sie vor drei Jahren zusammen in Paris waren. Gedankenverloren strich Lisa die Konturen der Fotos nach. Er war doch noch so klein! War es richtig ihn schon in die Schule zu schicken? Was wenn er nur Schwierigkeiten machen würde?Jeff hat es so gewollt. Du auch. Nur weil er nicht mehr da ist, kannst du nicht Lisa brach ihre Gedanken ab und drückte die Türklinke zum Zimmer ihres Sohnes herunter. Leise schwang die Tür auf und sie rollte in den Raum. Sie blickte zu dem Jungen, der friedlich im Bett lag und schlief. Manchmal nachts, setzte sie sich an sein Bett und streichelte ihn. Oder sie redete mit ihm und erzählte ihm wie lieb sie ihn hatte. Denn nur wenn er schlief ließ er sich liebevoll anfassen und brüllte sie nicht an.  

"Aufwachen", flüsterte sie leise. Der Junge schlug die Augen auf und sah sie an. "Will ich nicht Mom!",maulte er dann schläfrig. "Komm schon. Ich hab Pfannkuchen gebacken!",lockte sie lächelnd. Blitzschnell sprang der Junge hoch. Das funktionierte immer.

"Freust du dich darauf deine Schule kennenzulernen?", Fragte Lisa während sie zu sah wie der Junge sich einen Pfannkuchen nach dem anderen Runterschlang. Er sah kurz auf und schien zu überlegen. "Ja,da sind andere Kinder!", meinte er und beugte sich wieder zu seinem Teller. Lisa war kurz geschockt. Andere Kinder. Natürlich sind da andere Kinder Lisa. Genau wie im Kindergarten. Na hoffentlich würde Nico diese Kinder nicht in die Büsche schmeissen oder anders ärgern genau wie im Kindergarten. Bei diesem war Alice,Lisas Schwester Leiterin. Großes Glück für Lisa, sonst hätte sie Nico nirgendwo sonst hinstecken können ohne nach zwei Tagen rausgeschmissen zu werden. Alice hielt zu ihr. Sie war ihr unendlich dankbar dafür. Aber jetzt war es anders. In der Schule waren fremde Menschen. Leute die in Nico nichts anderes würden sehen können als ein Problem. Nicht so negativ denken! Jeff wollte das. Du auch. Nico freut sich drauf. Jetzt muss nur noch der Direktor wollen... Lisa sah auf die Uhr. Um 9:30 Uhr hatten sie den Termin bei ihm. Dies war der erste Montag seit langen, bei dem sich Lisa wünschte ein längeres Wochenende zu haben.
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