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Hailey Jackson - Gefahr von oben!

von Tatu
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P16
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.12.2018
01.01.2019
9
15.085
16
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
12.12.2018 1.486
 
Kapitel 3


Nächtliche Begegnung und andere Kuriositäten

Ein Rumpeln und anschließendes Fluchen reißt mich aus dem Schlaf.
Kennen Sie das, wenn Sie ruckartig aus dem Schlaf gerissen werden und Sie das Gefühl haben, als ob Ihr Blut brodelt? Nun, bei mir ist das jedenfalls so.
Ich zwinge mich zur Ruhe, stehe auf und öffne meine Tür. Im Flur hüpft Dean auf einem Bein auf und ab, während er sich den anderen Fuß hält. Gelenkig ist er ja, das muss ich ihm lassen. Erleichtert atme ich auf.
„Was ist los?“, frage ich und streife mir eine meiner dunkelbraunen Locken aus dem Gesicht.
„Hab mir den kleinen Zeh angestoßen“, stößt er stöhnend hervor.
Ich lache. Ich weiß, das ist gemein. Ich glaube, jeder kennt diesen Schmerz. Aber es sieht so witzig aus, wie er da auf einem Bein herumhüpft.
„Naja, wenigstens machst du dabei eine gute Figur. Schonmal Yoga probiert? Die Gelenkigkeit hast du ja.“
„Haha, sehr witzig. Ich lache später, wenn du erlaubst!“
„Was machst du überhaupt mitten in der Nacht hier im Flur?“, will ich nun wissen.
„Es ist nicht mitten in der Nacht, sondern schon sechs Uhr. Ich habe nicht mehr schlafen können und wollte schon mal duschen gehen. Wir haben schließlich nur eine Dusche und so kommen wir uns nicht in die Quere.“
Er mustert mich von oben bis unten, was mir etwas unangenehm ist, da ich nur einen knappen Slip und ein T-Shirt trage. Seinem Blick nach zu urteilen gefällt ihm, was er sieht. Plötzlich grinst er mich frech an und meint: „Wir könnten natürlich auch zusammen duschen, dann haben wir das Problem nicht.“
Oh, das ist wieder so typisch Mann. In den unpassendsten Augenblicken denken sie an Sex. Eben hüpfte er noch vor Schmerzen herum und schon denkt er daran.
„Na, schneller wären wir dann auch nicht. Und falls doch, hättest du dann ein anderes Problem. Ich stehe nämlich nicht auf Quickies. Ich mag es langsam.“
Ich merke, wie ich rot werde. Habe ich das eben ernsthaft gesagt? Aber er sieht auch zu heiß aus in seinem eng anliegenden schwarzen T-Shirt, das seine Muskeln betont und den ebenfalls engen Boxershorts. Dazu noch die verstrubbelten Haare...Oh Gott, was soll er jetzt von mir denken?
Sein Grinsen ist breiter geworden und er sagt: „Gut zu wissen, das werde ich mir merken.“ Und dann wackelt er noch so blöde mit den Augenbrauen.
Für mich ist es an der Zeit, zurück in mein Zimmer zu fliehen. Ich mache die Tür zu und lehne mich mit dem Rücken und dem Kopf dagegen, dann schließe meine Augen und atme tief durch. Okay, ich muss mich zusammenreißen. Wir müssen schließlich Sam finden.

Gut fünfzehn Minuten später klopft Dean an meiner Tür und lugt vorsichtig hinein.
„Ich bin fertig. Du kannst ins Bad.“
Ich raffe meine Kleidung, die ich anziehen will, zusammen und gehe ins Badezimmer. Dean hat mir eine Dampfsauna hinterlassen. Hoffentlich gibt es noch heißes Wasser. Ich frage mich sowieso, wie das möglich ist. Anscheinend haben sie hier Durchlauferhitzer eingebaut, dann sollte es keine Probleme mit heißem Wasser geben.

Als ich aus dem Bad komme und ins Wohnzimmer gehe, höre ich Dean draußen mit jemandem sprechen. Ich gehe hinaus, um zu sehen, ob wir Besuch bekommen haben. Verwundert schaue ich mich um. Ich kann ihn nirgendwo sehen, aber ich höre ihn. Wo, zum Teufel ist er? Ich will zurück ins Haus gehen, doch damit, was sich mir nun offenbart, hätte ich nicht im Traum gerechnet. Es ist einfach zu skurril. Dean steht auf dem Dach und hält sich am Schornstein fest, das Handy in der Hand in die Höhe gestreckt. Anscheinend hat er auf Lautsprecher gestellt, denn ich kann eine blecherne Stimme hören, die nicht aus Deans Mund kommt. Die Stimme verstummt.
„Okay, Garth, danke für die Informationen. Ich denke jetzt weiß ich alles, was wichtig ist“, sagt Dean in Richtung Handy.
Er scheint mit Garth Fitzgerald zu sprechen. Er ist ebenfalls Jäger, hat aber in letzter Zeit mehr mit dem Vermitteln von Fällen und der Betreuung von Jägern, die Informationen oder Unterstützung benötigen, verbracht. Warum auch immer.

Sie müssen wissen, dass wir Jäger manchmal eine Rückendeckung brauchen. Soll heißen, dass die Polizei manchmal mit unseren ,Vorgesetzten‘ sprechen will, wenn wir uns als FBI-Agenten ausgeben. Und dann kommt Garth ins Spiel. Früher hat das Bobby Singer getan, er war ein begnadeter Jäger. Aber er ist leider vor einigen Jahren gestorben.

Ich kann leider nicht verstehen, was Garth am anderen Ende der Leitung sagt, da der Ton anscheinend nicht laut genug eingestellt ist.
„Ja, ich ruf dich an, sobald wir ihn in Sicherheit gebracht haben. Mach’s gut.“
Dean nimmt das Handy wieder runter und legt auf. Er verstaut das Telefon in seiner Hosentasche und klettert das Dach herab.
„Mann, davon hätte ich ein Foto machen sollen“, lache ich.
„Ja, Hailey, sehr witzig. Anders habe ich kein Netz gehabt. Aber dafür hat mir Garth wichtige Informationen geben können.“
„Was für Informationen?“
Nun werde ich hellhörig.

Wir gehen ins Haus und Dean schenkt sich Kaffee ein. Er hält die Kanne hoch und fragt: „Du auch?“
„Klar, aber essen sollten wir auch was.“
„Cornflakes?“
Er sieht mich an und öffnet die Schranktür vor seiner Nase, um zwei Schüsseln herauszuholen.
„Hört sich gut an“, sage ich und hole die Milch aus dem Kühlschrank.
Er schiebt die Papiere auf dem Tisch zusammen und wir setzen uns an diesen.
„Jetzt erzähl schon. Ich platze gleich vor Ungeduld.“

Dean füllt seine Schüssel mit Milch und Cornflakes und sagt: „Harpyien leben in Höhlen nahe der Berggipfel. Eigentlich stammen sie aus Griechenland, aber anscheinend macht die Globalisierung vor Monstern auch nicht Halt. Jedenfalls jagen sie Menschen. In der Not erlegen sie zwar auch größere Tiere, aber ihr Favorit ist definitiv Menschenfleisch. Garth sagt, sie haben einen fast unstillbaren Hunger und sind sehr blutrünstig. Eine Harpyie ist in der Lage Wirbelstürme und Orkane über dem Meer zu entfachen.
Und wenn sie im Rudel auftauchen, gelten sie als die Strafmiliz der Götter. Sie haben den Auftrag alle zu vernichten, die die Götter in irgendeiner Weise verärgert haben. Also wir haben es wohl mit einer Einzelgängerin zu tun, denke ich.“
Während er erzählt, schaufelt er sich einen um den anderen Löffel Cerealien in den Mund.
„Und wie kann man sie töten?“, will ich nun wissen.
„Garth meint, da gibt es zwei Überlieferungen. Die eine besagt, dass eine Harpyie unverwundbar ist und die andere, dass sie mit einem Silberpfeil direkt ins Herz getötet werden kann. Das erweist sich allerdings als sehr schwer, da die Viecher verdammt schnell sind.“
Er schiebt seine leere Cornflaksschüssel von sich weg und zieht die Kaffeetasse zu sich.
Nun starrt er in den Becher und haucht: „Ich hoffe nur, dass sie satt gewesen ist, als sie sich Sam gekrallt hat und die zweite Überlieferung stimmt.“

Oh Gott, das hoffe ich auch. Sage aber: „Vielleicht sammelt sie auch Beute als Vorrat. Ich meine, eventuell frisst sie ja nicht gleich alle auf und hebt sie sich für später auf. Wir dürfen jetzt nicht die Hoffnung verlieren. Sam braucht uns, Sam braucht dich, Dean!“
Er steht auf und strafft sich.
„Ja, du hast recht. Wir sollten losfahren, inzwischen ist es hell genug.“
„Wo willst du denn anfangen?“
Ich nehme eine der Karte, die hier im Haus für die Touristen ausliegen in die Hand und entfalte sie. Dean nimmt das Geschirr vom Tisch, damit ich sie darauf ausbreiten kann.
„Also wir sind hier.“
Ich zeige mit meinem Finger auf einen Punkt auf der Karten.
Dean tritt heran.
„Das Nest muss in einer Höhle entweder hier“, er zeigt auf einen Gipfel im Norden, „oder dort sein.“
Nun deutet er auf einen Punkt im Süden.
„Wie kommst du darauf?“, frage ich ihn überrascht.
„Naja, du erinnerst dich an letzte Nacht? Die Harpyie ist von Norden gekommen und ist eine gerade Linie über die Hütte in Richtung Süden geflogen. Und da es in beiden Richtungen hohe Gipfel gibt, kann sie an beiden Stellen ihr Nest haben“, erklärt er mir.
„Ach so, deshalb hast du dem Ding so lange hinterhergestarrt.“
Es war so simpel, und doch so genial.
„Ja, um herauszufinden, wo es hinfliegt. Natürlich gibt es noch andere Gipfel in den Richtungen, aber irgendwo müssen wir ja anfangen.“
Ich überlege weiter: „Sind Harpyien nachtaktiv?“
„Laut Garth ja, warum?“, er sieht mich verwundert an.
„Weil ich dann darauf tippe, dass sie ihr Nest hier hat.“
Ich deute auf den Gipfel im Norden, den, der unserem Standort am nächsten ist.
„Und was macht dich da so sicher?“
„Da sie nachtaktiv ist, es noch relativ früh am Abend gewesen ist und sie nichts in ihren Klauen gehalten hat, als wir sie gesehen haben, schätze ich, dass sie gerade erst ihren Horst verlassen hatte, um auf Beutesuche zu gehen“, erkläre ich ihm.
Er stellt sich gerade hin und sieht mich beeindruckt an.
„Da könntest du recht haben, Miss Marple.“
„Du weisst, dass dich das zu Mister Stringer macht, oder?“, grinse ich ihn an.
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