Hailey Jackson - Gefahr von oben!

von Tatu
GeschichteRomanze, Horror / P16
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.12.2018
01.01.2019
9
15.085
15
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08.12.2018 1.480
 
Kapitel 2

Schwache Momente

Der Mann an der Tankstelle händigt mir den Schlüssel und ein Funkgerät aus.
„Hier, das sollten Sie bei sich führen. Unser Handynetz ist nicht das beste.“
Dankend nehme ich das Gerät entgegen und verstaue es in meiner Jackeninnentasche.
„Hast du auch eins?“, frage ich Dean.
Der zieht sein Funkgerät aus der Tasche und grinst mich an.
„Wieso? Hast du was Schmutziges vor damit?“
Der Tankstellen-Besitzer grinst genauso blöd. Mein Gott, wie kindisch. Ich verdrehe die Augen und verlasse den Raum.

Draußen verschnüre ich meine Taschen auf dem Sozius und schwinge mich auf mein Schneemobil, drehe den Zündschlüssel im Schloss und warte, bis Dean sich ebenfalls auf sein Gefährt setzt. Also, ich muss sagen, das steht ihm ziemlich gut. Er startet es und fährt voraus, dicht gefolgt von mir.
Er scheint den Weg schon einigermaßen zu kennen und darüber bin ich froh. Viel kann ich nämlich rechts und links von mir nicht erkennen. Also folge ich seinem Rücklicht und vertraue auf ihn.

Nach ungefähr dreißig Minuten sind wir an Sams und Deans Hütte angelangt. Wir parken die Motorschlitten und steigen ab. Ich entschnüre mein Gepäck und folge Dean ins Haus.
Die Blockhütte ist gemütlich eingerichtet, es ist jedoch sehr kalt. Das Feuer, was im Kamin mit Sicherheit heute Mittag noch gelodert hat, ist in den letzten Stunden, in denen  sich niemand darum gekümmert hat, erloschen. Es gibt kein klassisches Bärenfell, dafür einen flauschigen Teppich.
„Dein Zimmer ist dort hinten.“
Damit deutet Dean auf die letzte Tür auf der rechten Seite.
„Ich werde mich erstmal um das Kaminfeuer kümmern“, sagt er und nimmt sich den  Weidenkorb, der in der Ecke beim Kamin steht.
Mit langen Schritten geht er zur Tür hinaus. Ich bringe meine Taschen in das mir zugewiesene Zimmer. Ein Schrank, ein Doppelbett und ein Nachttisch, mehr passt nicht rein. Die Möbel setzen auch hier mit ihrem dunklen Holz den rustikalen Stil fort.
Ich lege meine Taschen auf das Bett und setze mich hin. Leicht federe ich auf und ab. Ja, die Matratze ist nach meinem Geschmack.

Aus dem Wohnraum höre ich Geräusche. Anscheinend versucht Dean gerade das Feuer zu entfachen. Ich stehe auf und gehe zu ihm in das Wohnzimmer. Er hockt vor dem Kamin und stochert mit dem Schüreisen in den Überresten des verbrannten Holzes herum. Ich bleibe am Esstisch stehen und sehe mir die Ausdrucke von geflügelten Fabelwesen, die dort noch liegen, an. Im Kamin fängt es wieder an zu glühen und Dean legt Holzscheite auf die frisch aufgewühlte Glut. Es dauert nur einige Minuten bis das Feuer wieder lichterloh brennt und eine herrliche Wärme verströmt.
Dean starrt noch einige Zeit in die Flammen, ohne sich zu regen.
Ich stehe ein paar Fuß hinter ihm und frage: „Wie ist denn nun dein Plan?“
Er zuckt zusammen, gerade so, als hätte ich ihn aus seinen tiefsten Gedanken gerissen. Ohne aufzuschauen antwortet er mir: „Ich habe keinen Plan, wenn ich ehrlich bin. Ich habe keine Ahnung, wo ich suchen soll.“
Der Ton in seiner Stimme erschreckt mich. Er klingt so hoffnungslos.
„Naja“, sage ich, „heute können wir nichts mehr machen. Wir sollten morgen gleich nach Sonnenaufgang losfahren und die Gegend nach Sam absuchen.“
Er springt auf, sieht zu mir rüber und schreit mich plötzlich an.
„Und wo, Hailey? Wo sollen wir suchen? Er kann sonstwo sein. Vielleicht ist er im Eis eingebrochen oder abgerutscht und liegt jetzt irgendwo hilflos oder tot im Schnee. Oder wenn es diesen Vogel tatsächlich gibt, ist er vielleicht Opfer Nummer vier geworden!“
Er wischt sich mit der Hand über sein Gesicht und knetet anschließend sein Kinn, an dem seine Bartstoppeln nun deutlich zu sehen sind.
Dann sagt er etwas ruhiger: „Tut mir leid, ich wollte dich nicht anschreien. Ich komme mir nur so nutzlos vor. Wer weiß, ob Sam überhaupt noch lebt und wenn, erfriert er vielleicht gerade, während wir hier im Warmen stehen.“
Ich gehe auf ihn zu und nehme seine Handgelenke in meine Hände. Ich habe keine Ahnung, warum ich das mache, aber es fühlt sich richtig an. Ich blicke ihm in die Augen und will etwas sagen, doch bin ich so gebannt von seinen grünen Iriden, dass ich vergessen habe, was ich eigentlich gerade sagen wollte.
Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein.
„Wir werden ihn finden, Dean. Aber wenn wir jetzt losfahren, um nach ihm zu suchen, ist das zu gefährlich. Wir kennen die Gegend nicht und haben keine Ahnung, was uns erwartet. Und wenn es dieses Monster gibt, ist das bei Nacht eine zusätzliche Gefahr.“
„Ich weiß.“
Dean schüttelt meine Hände ab und geht mit hängendem Kopf zur Tür.
„Wo willst du hin?“, rufe ich ihm nach.
„Raus, ich brauche frische Luft.“
Er klingt niedergeschlagen.
Die Tür fällt ins Schloss und ich sehe durch das Fenster neben der Tür, dass er sich auf der Bank, die vor dem Fenster steht, niederlässt.
Er tut mir leid. Und ich würde auch am liebsten jetzt losfahren, um nach Sam zu suchen. Aber, wie ich schon sagte, es ist zu gefährlich und wenn uns etwas passiert, hilft das Sam auch nicht weiter.

Ich beschließe, mich nützlich zu machen und gehe in die Küche. In den Schränken finde ich das, was ich brauche, um uns Brote zu schmieren. Ich mache ein Thunfisch- und ein Käsesandwich fertig, da ich nicht weiß, was Dean mag. Außerdem finde ich ein paar Flaschen Bier im Kühlschrank. Mit Essen und Trinken bepackt, gehe ich raus zu Dean und reiche ihm wortlos eine Flasche Bier, die er mit einem schiefen, ordentlich in die Hose gehenden Lächeln entgegennimmt.
„Käse oder Thunfisch?“, frage ich und halte beide Teller vor seine Nase.
„Ich habe keinen Hunger“, meint er.
„Du musst aber etwas essen. Wenigstens ein halbes Sandwich. Es hilft Sam nicht, wenn du hungerst und morgen total geschwächt bist.“, versuche ich ihn zu überreden und merke, dass ich wie meine Mutter klinge. Nun ja, wo sie recht hat, hat sie recht.

Widerwillig nimmt er einen Teller und stellt ihn neben sich auf die Bank. Ich setzte mich an Deans andere Seite und esse mein Brot. Dabei sehe ich aus dem Augenwinkel, wie auch er lustlos in sein Sandwich beißt. Na also, geht doch.

Wir sitzen einige Zeit schweigend auf der Bank und starren vor uns hin. Ab und an nippen wir an unseren Bierflaschen. Ich lasse meinen Blick über die, in Mondlicht getauchte, Umgebung schweifen. Alles ist gut zu erkennen, da wir fast Vollmond haben und der Schnee das Licht reflektiert. In der Ferne heulen Wölfe. Ich schaue in den sternenklaren Himmel und kann es kaum fassen, wie unsagbar viele Sterne hier oben in den Bergen zu sehen sind.
Plötzlich sehe ich einen gigantischen Schatten am Himmel und stupse Dean an. Ich fühle, wie er zu mir herübersieht und deute auf den Schatten der mit seinen Flügeln bestimmt eine Spannweite von vier Metern hat.
Ich kneife meine Augen zusammen, um mehr erkennen zu können. Das ist kein Vogel, das ist mir jetzt sonnenklar. Vorne scheint das Wesen eine frauliche Form zu haben, aber ich kann die Klauen an den Füßen erkennen, als es über die Hütte fliegt. Dean und ich regen uns nicht, damit wir nicht entdeckt werden. Dann ist der Moment vorbei und wir stehen auf, um um das Haus zu schleichen. Doch alles was wir noch sehen ist, wie der riesige Schatten im Nachthimmel verschwindet.

„Verdammte Scheiße! Was ist denn das gewesen?“, entfährt es Dean.
„Ich würde sagen, dass das unser sogenannter Vogel gewesen ist. Hast du etwas erkennen können?“ Ich drehe mich zu Dean und warte ab.
„Das Ding hat ausgesehen, wie eine Frau mit Krallen und Flügeln.“
Er starrt noch immer in den Himmel.
„Ja, genau das Gleiche habe ich auch gesehen.“
Ich renne ins Haus direkt zu dem Esstisch, auf dem Sams Papiere ausgebreitet liegen. Hektisch wühle ich darin herum, bis ich den Ausdruck finde, den ich gesucht habe. Bingo! Ich wusste, dass ich sowas schon gesehen habe.
Dean kommt nun auch ins Haus.
„Warum bist du denn so schnell verschwunden?“
Er zieht die Augenbrauen zusammen, während er mich fragt.
„Weil ich nun weiß, mit was wir es zu tun haben.“
Ich reiche ihm den Ausdruck und er greift danach. Als er das Bild und die Überschrift sieht, weiten sich seine Augen in Erstaunen. Eine Geste, die seine wunderschönen Augen besonders zur Geltung bringt.
„Eine Harpyie?! Ernsthaft?“
„Sie hat doch so ähnlich ausgesehen, oder?“
Habe ich mich doch geirrt?
„Wieso fragst du das so skeptisch? Habt ihr schonmal das Vergnügen gehabt?“
„Nein, das ist es nicht.“
„Sondern?“
„Das sind angeblich die blutrünstigsten Wesen, die es gibt.“
Er hält inne, will dann noch etwas sagen, überlegt es sich aber anscheinend anders. Er stützt sich mit beiden Händen auf dem Esstisch ab, schließt die Augen und atmet tief durch.
Ich weiß, was in ihm vorgeht. Er denkt, dass die letzte Hoffnung, Sam zu finden, gerade mit dieser Kreatur am Nachthimmel verschwunden ist.
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