Grausame Wahrheit

von Anna5000
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18
Alphonse Elric Edward Elric
02.12.2018
19.01.2019
2
1482
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Blutend kroch das Kind über den dreckigen Boden.
Zitternd vor Schwäche griff die kleine Hand nach dem kalten Metall und warf die riesige und doch so bekannte Rüstung hinunter.
Schellend krachte das Eisen auf den steinernen Untergrund, während der Blonde aufstöhnte vor Schmerzen und sich an der glatten, kalten Oberfläche entlang schleppte.
,,Al... Alphonse...,“ wimmerte er und setzte sich auf, nachdem er den hoffnungserweckenden Kreis geradezu ins Metall kratzte und sein eigenes Blut den Transmutationskreis auf die eisige Innenseite der Rüstung malte.
,,Ich bitte dich!,“ flehte er ins Nichts, während er seine Hände zusammenschlug.
,,Ein Arm! Ein Bein! Nimm dir mein Herz, mir egal! Nur gib ihn mir zurück! Er ist mein kleiner Bruder!,“ schrie der Ältere und durchzog die Transmutation.
Das Letzte, was er sah, war sein eigener blutiger Armstumpf...

Spärliches Licht erhellte den von Sünde gezeichneten Raum, als er erwachte.
Irgendwie schien er am Boden zu liegen und dann auch wieder nicht.
,,Ed...?,“ fragte er unsicher in den Raum hinein, während er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen.
Seine junge Stimme hallte dabei unnatürlich laut und leer, so als würde er in einen Brunnen hinein rufen.
Er versuchte seinen seltsam tauben Körper zu bewegen und erblickte im Augenwinkel eine Bewegung.
Blankes Entsetzen zeichnete sich in seinen zwei Seelenspiegeln wieder als sein überfordertes Gehirn verstand, dass sein neuer Körper scheinbar die alte Rüstung ihrer Familie war.
,,Ed!,“ schrie er nun panisch nach seinem älteren Bruder und die Bilder der zuvor vollbrachten Sünde schlugen auf ihn ein, wie die stürmische See.
Sie hatten das Tabu gebrochen und er war gestorben.
Jemand musste seine Seele also an dieses Stück Eisen gebunden haben und er zweifelte keine Sekunde daran, dass es sein älteres Ebenbild gewesen sein musste.
Doch zu welchem Preis?
Unruhig blickte er sich in dem dunklen Zimmer um, nachdem er seinen Kopf an seinen angestammten Platz gesetzt hatte.
Die Mitte des riesigen Transmutationskreises war bedeckt in der roten Flüssigkeit des Lebens und einer undefinierbaren Masse aus unfertigen schwarzen Organen und blanken Knochensplittern, die sich wie ein schleimiger Auswurf über der weißen Kreide verteilten.
Tiefe Angst regte sich in dem Jungen bei der Vorstellung, dass dies seine Mutter sein sollte.
Die Frau, die ihn und seinen Bruder so liebevoll aufgezogen hatte und für deren Wiedererweckung er gestorben war.
Doch was war mit Ed?
Suchend blickte sich der körperlose Blonde um und erstarrte, als er den halbtoten Leib unmittelbar neben sich entdeckte.
,,Ed!,“ schrie er verzweifelt, warf sich auf den Boden und nahm den verkrüppelten Körper seines sonst so starken Bruders in seine kalten Arme.
Angsterfüllt starrte er auf den rechten Arm des Bewusstlosen, der nun fehlte und nur noch einen Schulterstumpf zurück ließ, aus dem das heiße, pulsierende Blut strömte.
Auch unter dem provisorisch bandagierten Bein, dessen kompletter Teil unterhalb des Knies fehlte, sammelte sich der dunkle Lebenssaft, der seinen geliebten Bruder eigentlich am Leben erhalten sollte.
,,Nein... Ed.,“ wimmerte Alphonse mit weinerlich Stimme und könnte dieser neue Körper Tränen vergießen, so hätte er sich in diesen bereits ertränkt.
,,Was soll ich denn jetzt machen?“
,,... Alphonse...,“ murmelte der Verletzte verzweifelt im Delirium.
Entschlossen nickte der Jüngere sich selbst zu, während er auf den verkrüppelten Leib hinab sah und hob den schmächtigen Körper auf seine starken Arme.
,,Halte durch, Ed. Ich bringe dich zu Oma. Ich bitte dich nur... stirb nicht.“