chickennuggetliebe.

von schnaf
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
02.12.2018
14.12.2018
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3579
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Dieses Kapitel
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Nachdem das erste Kapitel etwas ääääh überraschend war, werden wir heute ein bisschen ernster. Ein kleines bisschen. :D Und wir machen eine Zeitreise - zurück zu Manus Anfängen bei der Natio \o/

erster tag.

Am frühen Morgen ist der Speisesaal noch größtenteils leer. Kein Problem für Manuel – er genießt die Stille und den freien Zugriff aufs Frühstücksbuffet. Doch kurz nachdem er an einem der freien Tische Platz genommen hat, um sich seinem ersten Teller zu widmen, kommt einer seiner Mitspieler herein. Ein schlaksiger Kerl, nicht besonders groß, aber das ist Ansichtssache und aus Manuels Sicht sind die meisten 'nicht besonders groß'. Er schlendert hinüber zur Ausgabe, legt sich ein paar Dinge auf einen Teller und sieht sich dann suchend im Raum um.
Als er Manuel entdeckt, erhellt sich seine Miene und Manu kann nicht so recht sagen, ob ihn das nun stört oder nicht. Eigentlich mag er diese ruhigen Momente, in denen er für sich alleine ist, echt gerne, aber es ist auch nicht gerade so, dass er nichts mit seinen Mitspielern zu tun haben will.

Wie dem auch sei – er hat sowieso keine Wahl und kein Mitspracherecht. Der Schlaks kommt direkt auf ihn zu und nimmt kurz darauf ihm gegenüber Platz.

„Morgen.“
„Hallo.“

Nach dieser kurzen Begrüßung nimmt sein neuer Tischnachbar sein mitgebrachtes Essen unter die Lupe. Er verschiebt die Wurst, hebt kurz das Brötchen hoch... Eigentlich könnte Manu sich jetzt wieder auf sein eigenes Frühstück konzentrieren, aber irgendwie findet er es interessanter, dem anderen zuzusehen.
Dann hebt dieser plötzlich den Kopf und sieht ihn wieder an.

„Ich bin übrigens der Thomas.“

Ja, so etwas hatte er in Erinnerung. So viele sind sie hier ja auch nicht, dass man sich da nicht die Namen merken kann. Vor allem, weil er die meisten Spieler schon bei seinen bisherigen Spielen der Nationalmannschaft kennengelernt hat und Thomas dieses Mal zum ersten Mal dabei ist.

„Manu.“

Nun herrscht erst einmal Schweigen an ihrem Tisch. Thomas ist fertig damit, seinen Teller zu sortieren – er nimmt endlich sein Brötchen in die Hand und beißt davon ab. Das erinnert Manu daran, dass auch er noch einen gut gefüllten Teller vor sich hat, der darauf wartet, geleert zu werden.
Trotzdem stoppt Manuel nach einer Weile wieder. Er ist sowieso ein gemütlicher Frühstücker – erst recht, wenn es noch so früh ist und die anderen erst später kommen – und Thomas macht einen echt lockeren Eindruck. Da wäre es unsinnig, wenn das einzige Geräusch am Tisch das stete Kauen wäre.

„Du bist von hier, oder?“

Im Grunde genommen ist das eine reine Floskel, eine überflüssige Frage. Dass Thomas beim FC Bayern spielt, hat er bereits mitbekommen und sobald er den Mund aufmacht, bemerkt man, dass er in dieser Region auch seine Wurzeln hat.
Aber die Frage erfüllt ihren Zweck. Sie bringt nämlich das Gespräch in Schwung. Zuerst nickt Thomas mit vollem Mund, dann, nachdem er herunter geschluckt hat, antwortet er etwas ausführlicher.

„Ja, aus der Gegend. Nicht direkt München, aber Oberbayern. Und du?“
„Gelsenkirchen. Schönste Ecke Deutschlands.“

Nun stellt Thomas seine Gesichtsakrobatikkünste unter Beweis. Er hebt die Augenbrauen, verzieht dabei das Gesicht.

„Gelsenkirchen?“
„Ja.“
„Schön?“
„Ja.“

Ein Nasenkräuseln kommt hinzu.

„Naaaa. Des ist einfach nur greislig.“

Thomas' Gesichtsmuskeln entspannen sich wieder, er beschränkt sich auf ein simples, sehr breites Grinsen. Und Manu ist durchaus bewusst, dass das nicht ansatzweise ein entschuldigendes Grinsen ist.
Aber obwohl er eine Abneigung gegen Bayern und ihre Selbstverliebtheit hat...
Obwohl er den Dialekt nicht ausstehen kann...
Obwohl Thomas bis gerade eben in keiner Weise attraktiv war...

… beschließt er in diesem Moment, dass er Thomas mag. Sein Grinsen ist ansteckend, seine Art ist, obwohl sie auch ein bisschen bissig ist, super angenehm und verdammt, Manuel kann einfach nicht anders, er muss ihn mögen.
Rückblickend fragt er sich später, ob das der Moment war, in dem er sich in Thomas verliebt hat. Denn seitdem macht ihn dieses Grinsen fertig.

~*~*~

„Hey.“

Manuel zuckt zusammen, er hebt den Blick. Ah, Thomas. Der hat sich scheinbar angeschlichen, während er damit beschäftigt war, seine Handschuhe auszuziehen.
Das Training ist vorbei, die Spieler verlassen den Platz, alle laufen zielstrebig Richtung Kabine. Alle bis auf Thomas – der musste in die entgegengesetzte Richtung gehen, um zu ihm zu gelangen.
Manuels Magen macht einen kleinen Lupfer. Dass es ausgerechnet Thomas ist...
Er kommt gut mit den anderen Spielern hier klar, keine Frage. Mit manchen mehr, mit manchen weniger, aber mit keinem wirklich schlecht. Trotzdem ist Thomas eine Ausnahme, trotzdem freut er sich über Thomas am meisten.

Thomas' Schritte haben sich schon seinen angepasst, sie laufen nebeneinander her, folgen den anderen Spielern. Manu nestelt weiter an seinen Handschuhen herum, während Thomas das Wort ergreift.

„Hast du für heute Nacht schon Pläne?“

Pläne?
Beinahe stolpert Manu über seine eigenen Füße, über imaginäre Schnürsenkel, was auch immer.
Pläne. Für die Nacht. Also bitte, das kann man nicht einfach so sagen, vor allem nicht ihm, vor allem nicht jemandem, der auf Männer steht.

Manu wird bewusst, dass er solchen Plänen mit Thomas nicht unbedingt abgeneigt wäre. Kommt zwar überraschend, aber... Mit Thomas, das wäre -
Weiter kann er diesem Gedanken nicht nachgehen, Thomas deutet sein Schweigen als 'Nein'.

„Gut. Komm' heute Nacht in mein Zimmer. So gegen ein Uhr, Zimmernummer 212. Ich habe eine Überraschung für dich.“

Er rempelt Manu an, grinst ihm zu und Manu kann das Grinsen nur aus einem Reflex heraus erwidern. Für ein echtes Lächeln ist er zu überrascht.
Das ist gerade etwas viel auf einmal. Er hat in den letzten Tagen – seit er Thomas kennt – nicht daran gedacht, dass Thomas mehr für ihn sein könnte als ein Freund, doch sein Angebot – oder wie auch immer man das nennen möchte – klingt so verlockend, es lockt ihn und das zeigt ihm, dass da eben doch etwas geht. Macht auch Sinn, neutral betrachtet – ist nicht gerade eine unlogische Fortsetzung von 'Ich finde ihn lustig' und 'ich mag ihn'. Trotzdem kommt diese Erkenntnis überraschend.
Noch überraschender ist allerdings Thomas' Befehl an sich.

Was zum Teufel hat er vor?

~*~*~
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