Lydia

OneshotDrama / P12
OC (Own Character)
01.12.2018
01.12.2018
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Ich wurde nicht reich geboren oder so. Meine Eltern waren vollkommen durchschnittliche Menschen, nunja, viel eher völlig durchschnittliche Zwerge, als sie mich bekamen. Was vielleicht, aber auch nur vielleicht der Grund sein konnte, dass ich nach der Geburt keinen ID-Chip eingepflanzt bekam. Aber nur vielleicht.
Als Fünfjährige hatte ich zum Geburtstag eine kleine Spieluhr bekommen und sie hatte mich einfach fasziniert, mit ihrer schlanken Figur, den gestreckten Armen und dann machte sie auch noch so eine wunderschöne Pose und deshalb war mir schnell klar, dass ich Tänzerin werden wollte, ich wollte Primaballerina werden.
Ich bettelte lange, bis meine Eltern für mich eine Möglichkeit fanden, Unterricht zu nehmen und ich war gut darin. Ich war wirklich verdammt gut beim Tanzen. Und hätte ich einen ID-Chip gehabt, hätte ich nur wenige Jahre später mit 12 die Chance gehabt, auf eine Schule zu gehen für Tänzerinnen, eine Ballett-Akademie.
Aber zu dem Zeit war mein Vater ziemlich merkwürdig geworden. Möglicherweise auch schon früher, aber ich merkte es erst zu diesem Zeitpunkt.
Aus heutiger Sicht würden die ganzen plötzlichen Geldsummen, die er hatte, die Angst vor Polizisten und das angeschaffte Waffenlager darauf hindeuten, dass er damals als Runner gearbeitet hatte. Es wäre vermutlich auch erklären, warum er mir einen ID-Chip und damit eine Zukunft als Tänzerin verweigerte.
Ich war wütend, verdammt wütend aber es machte nicht alles kaputt. Ich übte nur noch härter und tanzte weiter. Ich wollte nicht aufhören, bis ich nicht darauf angewiesen wäre, dass meine Eltern die Schule bezahlen.
Aber ich wurde älter und es war nie genug. Ich wurde zwanzig und damit zu alt für irgendeine Tanzschule.
Ich wurde einundzwanzig und wusste nichts mit meinem Leben anzufangen.
Bis ich diese große, leere Fabrikhalle fand und eine Idee, die mich zu großen Taten brachte.
Ich gab mein Erspartes für Musikanlagen und Matten aus, mit denen ich den Boden auslegte. Drei Monate brauchte ich, um alles fertigzumachen und dann kamen die ersten Kinder.
Waisenkinder und arme Jugendliche und ich unterrichtete sie.
Ich liebte es zu tanzen und das gab ich nun an die Kinder weiter, die es sich nicht leisten konnten, es professionell zu lernen.
Manchen von ihnen brachte ich Lesen und Schreiben bei.
Es gab sieben Kinder, die gut genug waren, um ein Stipendium an Schulen zu bekommen und das machte mich stolz. Es machte mich so wahnsinnig stolz.

Dann lernte ich Mario kennen, meinen ersten Freund. Die erste große Liebe, mit der mich so viel verband. Er steckte viel Arbeit in meinen sich erfüllenden Traum und half mir. Er war Elektroniker und kümmerte sich um Probleme der Musikanlagen und der Beleuchtung. Er half den Kindern bei ihren Mathehausaufgaben und zusammen wurden wir groß und wir wurden bekannt in der Nachbarschaft. Es gab einige Auftritte auf Geburtstagen oder kleinen Firmenfeiern, auf denen ich mit den Kindern tanzte und Andere erfreute. Es machte mich glücklich, das Leuchten in ihren Augen zu sehen.
Wir nannten uns die Schmetterlinge, auf Wunsch der Kinder und malten uns ein großes Banner, auf dem eine schöne Ballerina mit bunten Flügeln tanzte. Ich nannte es Zufall, dass diese Ballerina auf Wunsch der Kleinen rote Haare hatte.
Und eine Zwergin war.
So wie ich.

Ich wurde 25 und alles war gut. Mario und ich sprachen über eine Verlobung, aber es passierte nichts.
Ich wurde 26 und war naiv genug, nichts zu hinterfragen, als Mario sagte, er hätte noch nicht genug Geld für einen Verlobungsring. Wir zogen zusammen und ich begann davon zu schwärmen, eines der Kinder zu adoptieren, wenn wir geheiratet hätten. Mario sagte nichts dazu.
Ich wurde 27 und die Hölle brach aus.
Einige Wochen davor gab es erste Probleme mit der Technik, aber Mario meinte, es sei doch nichts Schlimmes.
Was das für ein Fehler war, erfuhr ich später. Ich probte gerade mit den Jüngsten der Kinder, einer Gruppe Vier- bis Sechsjähriger, die durcheinanderrannten und eher weniger daran dachten, sich aufzustellen, während die Älteren selber Choreographien erdachten und übten oder in Grüppchen zusammensitzend ihre Hausaufgaben machten, als ich diesen seltsamen Geruch wahrnahm.
Ich hatte gerade zumindest die Ältesten der Gruppe dazu gebracht, sich erst einmal ruhig hinzusetzen, als ich den Rauch sah, der von der Anlage nach oben stieg. Ich begann alle rauszuscheuchen, als Flammen aus den Geräten herausbrachen und ich rannte gerade in die hinteren Räume, von denen ich wusste, dass dort einige Jugendliche Dinge taten, die ich nicht sehen sollte, als ich die Explosion hörte und das Schreien.
Ich hustete und meine Augen brannten dank dem Rauch, als ich nach dem Türgriff langte und das heiße Metall mir die Haut wegbrannte. Aber daran durfte ich nicht denken. Ich rannte rein und schaffte es, die verschrockenen Jugendlichen herauszuscheuchen.
Ich wollte mit ihnen nach draußen rennen und hörte schrecklich anmutendes Knacken aus dem Gewölbe des Daches, als ich erneut diesen Schrei hörte und erkannte. Begraben unter dem schweren Metall des Regals der Anlage lag ein vierjähriges Mädchen, ein Waisenkind, das sich die Seele aus dem Leib schrie und versuchte dort hervorzukommen. Ich verbrannte mir noch mehr Haut, als ich mich gegen das glühende Metall stemmte, um es von dem Mädchen zu schieben und dann brach alles zusammen.
Es war ein Instinkt, das ich mich auf das Mädchen warf und unter mir festhielt. Ich atmete hustend Qualm ein, als ich versuchte sie zu beruhigen und schrie vor Schmerz, als ein Splitter sich vom Balken löste, der gerade auf uns zuraste und dank meines Blinzelns in mein Auge bohrte. Es wurde alles schwarz, als ich weit weg die Sirenen der Feuerwehr hörte und hoffte, man würde die Kleine retten können.

Ich war dem Tod näher als dem Leben, als man uns fand. Das Mädchen lebte, hatte einige Verbrennungen zweiten Grades und man konnte sie retten, während ich dort liegen gelassen wurde.
Es war ein junger Troll, der mich schließlich fand und mit sich nach Hause nahm. Tagelang kümmerte er sich um mich, während ich zwischen Wachen und Schlafen hin- und herwechselte. Wir verliebten uns ineinander und versuchten es tatsächlich miteinander, trotz unserer Unterschiede. Es war eine schöne und angenehme Beziehung, auch wenn wir nicht nur wegen meiner Verletzungen auf die Schöneren Dinge verzichteten. Ein Troll und eine Zwergin waren eben nicht gerade eine körperlich passende Kombination.
Unsere Beziehung zerbrach jedoch kurz nachdem ich meine ersten Prothesen bekam.
Es war einfach nicht das Richtige mit uns. Es fühlte sich nicht richtig an.
Zwei Jahre vergingen, in denen ich versuchte mich wiederzufinden und wieder etwas Regelmäßigkeit in mein Leben zu bringen.
Ich zog in eine andere Gegend im Süden von Deutschland und startete dort ein neues Leben, wenn auch noch immer ohne ID, so unglaublich das auch war.

Mein dreißigster Geburstag verging im Stillen und in einer Bar, in der ich mit einem großen Glas Bier saß und wohl das erste Mal in meinem Leben tat ich etwas, was eigentlich typisch für Zwerge war und betrank mich. Ich betrank mich und erwachte am nächsten Morgen in einem fremden Bett, neben mir der schönste Mensch, den ich je gesehen hatte. Neben dem Mann, mit dem ich mein Leben verbringen wollte. Und das alles beschloss ich in den ersten Sekunden, in denen ich ihn neben mir schlafen sah.
Er war der Mensch, wegen dem ich zur Runnerin wurde.
Wir waren ungefähr ein halbes JAhr zusammen, als er mir erzählte, dass er so etwas tat. Er wollte mich in Sicherheit wissen und so begann er damit, mir beizubringen, wie ich mich verteidigen konnte. Unser Leben war fabelhaft, während wir uns eine kleine Wohnung teilten, uns liebten und unsere Zeit genossen. Er stellte mich einem Arzt vor, der mir meine aktuellen Prothesen anbrachte, meinen linken Cyber-Arm und mein Glasauge und Spyder, einem seiner besten Freunde und gleichzeitig seinen Fixer
Unser Leben wurde noch perfekter, als Thomas mir einen Antrag machte und wir begannen zu versuchen, ein Baby zu bekommen. Es war zu perfekt und das hätte mir klar sein müssen.
Und mein Leben zerbrach an dem Tag, als Spyder mit ernstem Blick vor unserer Tür stand. Thomas war auf einem Run gewesen und er kam nicht zurück. Er würde auch nie zurückkommen, wurde mir klar, als Spyder mich stumm in seine Arme zog und mir dann erzählte, dass die Gruppe erwischt worden war. Thomas war von Polizisten festgenommen worden, was nur bedeuten konnte, dass er sterben würde.
Ich war fünfundreißig Jahre alt, hatte fünf Jahre lang mit ihm zusammengelebt und ihn dann verloren.
Ich brach in mich zusammen und es dauerte tagelang, bis ich fähig war, wieder etwas wahrzunehmen. Ich wollte meinen Verlobten zurück, meinen Mann, aber das würde nie passieren.
Schließlich verkaufte ich unsere Wohnung, behielt nur wenige Dinge und Erinnerungen für mich und zog in ein Zimmer in der alten Bibliothek, auch wenn es wohl eher ein absolutes Loch war, aber mehr wollte ich nicht. Mehr brauchte ich nicht, wenn ich schon nicht glücklich sein durfte, wie ich mir einredete.
Zumindest bis ich rein zufällig diesen Zwergen, dem Menschen und diesem dummen Elfen über den Weg lief.
Den PErsonen, die mit mir unser Team bilden.
Unser Runnertrüppchen und irgendwie muss ich sogar sagen, ich mag sie.



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Ja, ich weiß, nach zehn ist eine etwas doofe Zeit für einen Adventskalendereintrag, aber ich hatte einen langen Tag auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt und kam vorhin erst auf die Idee, das hier zu schreiben.
Bis Morgen. In einem anderen Fandom :)  
Luna

Nachtrag: Hier findet Ihr Tag 2
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