Wir sagen euch an den lieben Advent

von limette02
GeschichteAllgemein / P6
01.12.2018
12.12.2018
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Dieses Kapitel
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Der ein oder andere mag sich noch an meine WG-Adventsgeschichte erinnern. Ich hab die jetzt einfach nochmal aufgegriffen, vor allem die Figuren der Nachbarskinder. Man muss die Geschichte aber nicht kennen, um das hier zu verstehen. Viel Spaß :D

Mit Serkan Kaya, Máté Kamaras und Anton Zetterholm

„Und, wo ist jetzt der Teig?“ Anton hatte gerade die Tür geöffnet, als ein fünfjähriges Mädchen mit zwei abstehenden Zöpfen an ihm vorbei stapfte und ihre Schuhe in eine Ecke kickte. „Dir auch Hallo, Kathy!“, sagte Anton, während auch der Rest der Mannschaft eintrudelte. Linn, Kathys Zwillingsschwester, die ihr zwar glich wie ein Ei dem anderen, charakterlich aber ganz anders war, stellte ihre pinken Glitzerschuhe ordentlich nebeneinander, und Ben, der fast zweijährige Bruder der beiden, deutete auf seine Schuhe. „Aus!“, sagte er, dann streckte er Anton seinen heißgeliebten Stoffpinguin entgegen. „Ping!“, verkündete er freudestrahlend.
„Und Ben? Bist du bereit zum Plätzchenbacken?“, fragte Serkan, der im Türrahmen lehnte, und die Ankunft der drei beobachtete.
„Ping!“
„Richtig. Komm mit.“
In der Küche wartete Máté schon mit Schürzen und Kochmützen, die er großzügig an alle verteilte. „Und wo ist Louis?“, fragte er.
„Geburtstag“, erklärte Kathy knapp und überprüfte den Kühlschrank auf den allgemeinen Teigbestand der WG.
„Pinke Streusel“, rief Linn entzückt, als sie auf den Küchentisch blickte.
„Extra für dich!“
Es dauerte ein bisschen bis alle drei Kinder und alle drei Männer saßen, den Ben wurde wahnsinnig wütend, als er bemerkte, dass es für Ping keine Schürze und keine Kochmütze gab. Er konnte erst beruhigt werden, als ein großer Batzen Teig und mehrere Ausstecherformen vor ihm lagen und er in Ruhe seinen Teig bearbeiten konnte.
Kathy hatte inzwischen festgestellt, dass es einen akuten Teigmangel zu verzeichnen gab und hatte beschlossen, für Nachschub zu sorgen. Bei ihrer Oma hatte sie gesehen, dass diese ihren Teig gerne auf der Arbeitsplatte knetete und wollte es ihr nachmachen. Sie hatte unbemerkt von sämtlichen Erwachsenen im Raum bereits eine großzügige Menge Mehl und Zucker und Butter auf der Arbeitsfläche verteilt und war jetzt dabei eine Flasche Milch dazuzukippen, während sie aus vollem Halse sang: „Zwischen Mehl und Milch macht so mancher Knilch eine riesegroße Kleckerei, in der Weihnachtsbäckerei, IN DER WEIHNACHTSBÄCKEREI!“
„KATHY!“, brüllte Serkan, der gerade sah, dass Milch am Einbauschrank hinunter auf den Boden tropfte. „Was machst du da?“
„Teig“, meinte die und klatschte ein Ei hinterher, das mitten im Mehl zerplatzte.
„Es ist doch genug da.“ Serkan deutete auf die zwei großen Klumpen Teig, die auf dem Küchentisch lagen und an denen sich Máté, Anton, Ben und Linn zu schaffen machten. Kathy sah Serkan ernst an. „Das nennst du genug? Das muss die ganze Weihnachtszeit halten.“ Sie warf theatralisch die Hände in die Luft. „Wir haben Louis in der Familie. Und Papa. Weißt du wie viel die essen?“ Hinter ihr floss nun auch langsam das aufgeschlagene Ei in Richtung Thekenrand.
„Weißt du was“, meinte Serkan und hob Kathy von dem kleinen Hocker, auf dem sie gestanden hatte, „ich mach Teig, du stichst aus.“
Kathy schien kurz mit sich zu hadern, nickte dann aber. „Ich behalte dich im Auge“, betonte sie noch, dann setzte sie sich an den Tisch und begann, einen besonders großen Teigklumpen zu bearbeiten.
„Ben, was wird das?“, fragte Anton, als er einen Blick auf das Gebilde warf, das Ben aus seinem Teig geformt hatte.
„Ping!“
„Aber Ben, es ist doch Weihnachten. Du kannst doch ein paar Sterne ausstechen. Hier, das ist einfacher.“ Er legte ihm den Sternenausstecher hin.
„Ping!“
„Dein Pinguin mag Sterne auch mehr. Wirklich! Und die kannst du schön verzieren, da freut sich deine Mama.“
Während Anton und Ben noch miteinander diskutierten, hatte Linn schon eine ganze Horde von Herzen ausgestochen und verzierte sie jetzt üppig mit rosafarbenen Streuseln. Máté versuchte aus dem Teig ein Vampirgebiss zu formen und verzweifelte an den spitzen Eckzähnen.
„Was wünscht du dir denn zu Weihnachten, Ben?“, fragte Anton, nachdem Ben jetzt doch endlich dazu übergegangen war, die Ausstecherformen zu benutzen, und munter Sterne, Engel und Tannenbäume ausstach. „Und wenn du jetzt Ping sagst...“
„Nein....“ Ben lachte, als wäre das das Abwegigste der Welt. „Auto!“
„Ein Spielzeugauto. Die sind toll!“
„Ja. Ping...“ Ben deutete auf seinen Stoffpinguin.
„Ähm...“ Anton räusperte sich, „was wünscht sich...Ping?“
„Ketchup.“
„Ketchup?“
„Ja, Ping Ketchup.“
„Wofür?“
„Ketchup.“ Ben widmete sich wieder seinem Teig und schien nicht für weitere Gespräche bereit. Deshalb beugte sich Anton zu Kathy hinüber: „Wofür braucht Ping Ketchup?“
Kathy sah ihn an, als wäre er jetzt verrückt geworden und Anton wurde sich im selben Moment darüber bewusst, wie bescheuert diese Frage war. „Er ist ein Pinguin“, sagte Kathy sehr langsam, als hätte Anton Probleme ihr zu folgen, „aus Stoff. Nichts will der mit Ketchup. Das hat sich Ben ausgedacht. Er ist mickrige zwei Jahre alt, was erwartest du?“
„Was wünscht du dir denn?“
„Einen Dino.“
„Und das ist sinnvoller als Ketchup?“
„Er enthält weniger Zucker“, warf Máté mit einem Kichern ein und griff nach der roten Lebensmittelfarbe, um seinem Gebiss-Plätzchen den letzten Schliff zu verpassen.
„Mit einem Dino kann man die Weltherrschaft an sich reißen“, erklärte Kathy nüchtern. „Und sie sind cool.“
„Und du, Linn?“, fragte Anton, der nicht weiter auf die Dino-Frage eingehen wollte. Außerdem fand er auf Kathys Aussage kein einigermaßen plausibles Gegenargument.
„Eine Elsa-Barbie.“
„Endlich eine vernünftige Antwort“, murmelte Máté.
„Du findest Barbies cooler als Dinos?“, erkundigte sich Serkan, der endlich mit einem neuen Teig fertig war und ihn jetzt vor Kathy abstellte. „Hier, noch mehr Arbeitsmaterial.“
„Das ist aber jetzt ziemlich viel Teig.“
„Und du bleibst hier, bis der ganze Teig zu Plätzchen verarbeitet wurde, Fräulein.“
„Jaja. Ohne mich währt ihr ja aufgeschmissen.“
„Genau. Ohne dich würde diese Küche schon nicht mehr stehen.“
„Ganz genau!“, sagte Kathy zufrieden. „Bitte. Mach ich gerne.“
„Barbies sind näher an der Lebensrealität als Dinos“, sagte Máté zu Serkan, der sich jetzt an den Tisch setzte, sich mit Teig eindeckte und antwortete: „Ach ja? Wann hast du das letzte Mal eine Frau getroffen, die gleichzeitig Astronautin, Topmodel und Tierärztin ist?“
„Wann hast du das letzte Mal einen Dino getroffen?“
„Touché!“
Anton schob das erste mit Plätzchen gefüllte Blech in den Ofen.
„Warte“, rief Linn, sprang auf und warf eine ordentliche Ladung rosafarbener Streusel über das Blech, dessen Ladung ohnehin schon vor allem Pink war. „Perfekt“, flötete sie.
Kathy stöhnte auf. „Immer diese Mädchen“, sagte sie augenrollend zu Serkan.
„Richtig... warte, was?“
„Tadaa!“ Máté deutete stolz auf sein Gebiss-Plätzchen, das er gerade fertig gestellt hatte. Anton und Serkan bekamen prompt einen Lachanfall, in den auch Ben und Kathy einstimmten.
Linn tätschelte Máté die Schulter. „Ist noch nicht perfekt“, sagte sie. „Da fehlt pink!“ Und sie griff nach der Streuseldose. Máté hielt sie rechtzeitig fest. „Was lacht ihr?“, fragte er mit rotem Kopf. „Ich finde es sieht toll aus.“
„Wenn du einen Marmeladenklecks nachbilden wolltest, dann ja, super gelungen“, japste Serkan. „Was soll das sein?“
„Ein Vampirgebiss!“
Serkan warf sich – von einem neuerlichen Lachanfall gepackt – halb über den Tisch. Anton, der sich bemühte ernst zu bleiben, legte den Kopf schief. „Nein“, sagte er, lief um den Tisch herum, um sich das Plätzchen aus dieser Perspektive anzuschauen und legte den Kopf schief. „Nein, definitiv kein Gebiss.“
„Máté, was kannst du eigentlich?“, erkundigte sich Kathy vorwurfsvoll.
„Mit ein bisschen Pink würde das wirklich besser aussehen“, sagte Linn. „Dann ist es auch nicht mehr schlimm, dass man nichts erkennen kann.“
„Pah“, sagte Máté. „Ben, du findest es schön.“
Ben schüttelte den Kopf. „Ping nein!“
„Alle keine Ahnung!“ Máté sah trübselig sein Plätzchen an. „Ich finde es gut.“
„Hier riecht es verbrannt“, merkte Kathy an.
„Scheiß... äh...Mist!“, rief Anton und lief zum Ofen. Einige Plätzchen hatten bereits eine recht ungesunde dunkelbraune Färbung angenommen. Er zog das Blech heraus und schaufelte die unverbrannten Kekse auf ein Gitter zum Abkühlen. Ben kam zu ihm: „Ben Keks?“
„Nein, die sind noch zu heiß.“
„Menno!“
„Aber wir können euch gleich einen leckeren Kakao machen und dann probieren wir ein paar Plätzchen!“
„Gut.“ Ben marschierte zurück zu seinem Platz. „Ping gleich Keks“, sagte er zu seinem Stofftier. Dann umarmte er glücklich Mátés Bein und verkündete freudestrahlend: „Mehr Kekse machen!“

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