Hinter den Fassaden 2.0

von Izzybuddy
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16 Slash
Chloe Frazer Elena Fisher Nathan Drake Victor Sullivan
01.12.2018
01.03.2019
9
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01.12.2018 4.707
 
Lautes Klopfen riss Nadine aus ihrem Halbschlaf. Den Kopf in die senkrechte reißend öffnete sie die Augen. Das Zimmer war nur spärlich durch die Leuchtreklame der Straße erhellt, sodass sie das Zimmer nur sporadisch erkennen konnte. Verwirrt fiel ihr Blick auf das Ziffernblatt der Uhr auf der Nachttischkonstruktion vor ihr - 1.34 Uhr.
Erneut klopfte es und Nadine zog skeptisch die Augenbraun zusammen. Mit ernster Miene setzte sie sich auf, schwang die Beine über den Rand des Bettes und stand auf. Ein Griff auf den Stuhl, der ihr als Nachttisch diente, genügte, um ihre Waffe an sich zu nehmen. Sie entsicherte sie, bevor sie an die Tür herantrat. Zwar glaubte sie nicht, dass jemand, der ihr etwas Böses wollte zuvor anklopfen würde, doch man konnte ja nie wissen. Sicher war sicher. Sie hatte weiß Gott genug Feinde, die normalen Straßenschläger mal gar nicht erwähnt. Wortlos öffnete sie die Tür einen Spalt breit. „Ich bin´s.“ Verwirrt, doch wenig überrascht blickte sie auf die junge Frau vor ihr, die zur Abwechslung ein weites, schwarzes T-Shirt und eine kurze Stoffhose trug. Sie musste ebenfalls gerade aufgestanden sein. Ihre Haare lagen offen über ihren Schultern und ihren strahlenden Augen sahen sie, war es unsicher, an. „Chloe, es ist halb 2.“, murmelte sie verschlafen, doch auch ihre Augen glänzen bei dem Anblick der Person, die nun vor ihr stand.
„Das weiß ich auch...lässt du mich jetzt rein oder nicht?“ Nadine öffnete die Tür gänzlich und trat, noch immer die Waffe in der Hand, beiseite. Chloes Blick fiel sofort auf den schwarzen Gegenstand. „Wen hast du denn erwartet?“ „Niemanden.“, wehrte Nadine ab und legte die Waffe wieder zurück auf ihren Platz. „Habe ich dich geweckt?“ „Mehr oder weniger.“ Nadine lies sich auf das Bett sinken und stich sich über das Gesicht. Chloe stand noch immer an der Tür und sah unentschlossen aus, gerade so, als wäre sie sich nicht sicher, was genau sie eigentlich wollte. „Was ist los Chloe?“ Die Angesprochene sah zu ihr auf, überrascht von der weichen Aussprache dieser Worte. Leise seufzte sie: „Ich weiß es nicht. Ich kann nicht schlafen.“ Diese Aussage klang schon fast nach einem Geständnis und so, wie sie ihren Blick abwendete, musste es sich für sie auch wie eines anfühlen. Nach einem Moment der Stille ergriff Nadine das Wort: „Ich auch nicht.“ und lehnte sich an das Kopfteil ihres Bettes. Chloe gab sich einen Ruck, ging zielsicher auf die andere Betthälfte zu und setzte sich ebenfalls gegen das Kopfteil.
Augenblicklich fühlte sie sich wohler, als sie in die Kissen sank. Sie atmete tief ein und Nadines Geruch, gepaart mit einem Hauch Vanille lies sie kurzzeitig die Augen schließen.
„Also...“, begann Nadine das Gespräch und ihre Finger fanden Chloes. „...wohin als nächstes?“ Ohne wirklich zu überlegen antwortete Chloe. „Nach Hause.“, sagte sie schlicht und Sehnsucht schwang in ihrer Stimme mit. Verwundert sah Nadine sie an, unterbrach jedoch das Spiel ihrer Fingerspitzen nicht. „Nach Hause?“ Sie hätte Chloe nicht für den sesshaft werdenden Typ gehalten. „Ja. Es wird Zeit für einen kleinen Urlaub von alldem hier.“, dabei zeigte sie auf das düstere Zimmer und umfasste mit ihrer Geste imaginär auch ihren abgeschlossenen Auftrag. Nadine erwiderte nichts. „Meenu geht es gut. Sie wird von den anderen Standbesitzern versorgt. Mich hält hier nichts mehr.“ Diese Aussage traf Nadine härter als alle Schläge und Tritte der letzten Tage zusammen. Augenblicklich stoppte sie ihre Finger und zog ihre Hand zurück. Wie hatte sie sich einbilden können, Chloe würde etwas an ihr liegen. Nadine hätte sich Ohrfeigen können für das Ziehen in ihrer Brust, das sich bei diesem Satz vom Brustbein aus bis in den Bauchraum erstreckte. „Verstehe.“ Sie biss die Zähne fest zusammen und versuchte ihren Körper, dessen Muskeln sich unwillkürlich verspannten, zur Ruhe zu zwingen.
Chloe, überrascht von der plötzlichen Stimmungsveränderung, die in Nadines Stimme lag, wandte den Kopf. Verwirrt sah sie zunächst auf ihre Hand, die noch vor wenigen Sekunden einen sanften Kampf mit Nadines ausgetragen hatte und nun einsam auf dem weißen Laken lag, dann blickte sie in das enttäuschte Gesicht vor ihr. Sie sah wie Nadines Kiefermuskulatur arbeitete und begriff: die Frau neben ihr hatte alles verloren, das noch vor kurzem ihr Leben definiert hatte. Shoreline war nun unter der Führung eines anderen, Familie hatte sie nach dem Tod ihres Vaters nicht mehr. Sie hatten noch vor zwei Tagen beschlossen Partner zu sein, gemeinsam Artefakte zu bergen und ihren beruflichen Weg gemeinsam zu gehen. Doch das hieß nicht automatisch, dass sie auch ihre private Zeit miteinander verbringen würden. Im Normalfall würden sie jeweils ihrer Wege gehen und bei entsprechenden Hinweisen auf einen neuen Job wieder zusammentreffen. Bei dem Gedanken Nadine in ein Auto steigen und wegfahren zu sehen, durchflutete sie jedoch ein ausgesprochen unangenehmes Gefühl. Sie hatte es ja nicht einmal geschafft alleine in ihrem Hotelzimmer zu bleiben, obwohl sie genau wusste, dass ihre Partnerin nur ein Zimmer weiter war. Oder hatte sie es genau deshalb dort nicht ausgehalten? Es hatte sie einiges an Überwindung gekostet schließlich doch auf den Flur hinauszutreten und an der benachbarten Tür zu klopfen. Doch das Verlangen in der Nähe der Frau zu sein, die ihr nach und nach den Kopf verdrehte, war einfach zu groß gewesen.
Egal wie, Chloe wollte den Normalfall nicht. Nicht mehr und auch auf die Gefahr hin, dass Nadine sie auslachen würde, formulierte sie ihre Einladung. „Komm´ mit mir.“ Nur mit Mühe unterdrückte sie es, ein „Bitte“ hinterher zu setzen.
Nadine hörte die Worte und sah überrascht zu der Größeren hinüber. Mit einer Einladung hatte sie nun am wenigsten gerechnet. Als sie Chloe nun in die Augen sah um sich zu vergewissern, dass diese es ernst meinte, sahen ihr zwei blaue Ozeane erwartungsvoll entgegen. „Gern.“, antwortete sie schließlich und nickte leicht. Mehr brachte sie gerade einfach nicht zustande. Doch sie spürte die Erleichterung durch ihren Körper fahren und ihre Muskeln entspannten sich langsam wieder. Wie ein Schalter, der ohne Vorwarnung umgelegt wird, nistete sich nun die Müdigkeit bleiern in ihre Glieder ein.
Chloe lächelte zufrieden als ihr Blick auf den kleinen Wecker auf dem Stuhl neben Nadine fiel -1.46 Uhr. „Für heute bekommen wir wohl keinen Flug mehr...“ „Dann morgen.“, sagte Nadine zuversichtlich, doch man hörte nun deutlich die Müdigkeit in ihrer Stimme, die längst schon ihre Glieder befallen hatte. Nach einem Moment der Stille setzte sie dennoch nach: „Wo ist `zu Hause´ eigentlich?“ Chloes Augen strahlten sie an. „Nepal.“ „Nepal?!“, jetzt war Nadine tatsächlich überrascht. „Ein Bergdorf auf gut 1900 Meter. Es liegt an der Grenze zu Tibet. Am Fuß des Makalu.“ „Wie kamst du dazu nach Nepal zu ziehen?“, ehrliches Interesse schob sich vor die Müdigkeit in Nadines Augen. „Vor einigen Jahren kam ich durch Nathan Drake nach Nepal und blieb dort.“ „Shambala...“ „Richtig. Nate und Elena sind zurückgekehrt, doch ich blieb. Nicht im selben Dorf, doch in Nepal fand ich die Ruhe, die ich gesucht hatte und schließlich auch ein Stück Land.“ Auch sie konnte ihre Müdigkeit nicht mehr verbergen und gähnte. „Das Dorf ist nicht groß und sehr simpel. Aber genau das machte es aus. Es gibt kaum Ablenkung, doch wenn du es möchtest, hast du immer etwas zu tun. Jeder hilft jedem und die Landschaft dort ist wunderschön. Es ist ein Stück vom Himmel...“ Ihr Blick schweifte verträumt in die Ferne. „...wenn ich auch nur ein paar Tag frei halten kann, dann bin ich dort.“ „Ich würde es gerne sehen...“ Nadine rutschte am Kopfteil nach unten und verschränkte ihre linke Hand hinter dem Kopf. „...klingt, als könnte man sich dort wohl fühlen.“, ihre Stimme war schläfrig. „Du wirst es sehen und es wird dir gefallen...“ Chloe blickte zu Nadine hinüber, fasziniert von der Person, die dort nun absolut entspannt mit einem leichten Lächeln neben ihr lag. „...es gibt allerdings kein fließendes Wasser. Nur den Fluss.“, fügte Chloe schmunzelnd hinzu, als sie sah, dass Nadine die Augen schloss. „Der Fluss genügt...“, Nadine öffnete ihre Augen nicht, während sie antwortete. „...ein wenig Ruhe und Frieden, ist genau das, was ich jetzt brauche.“, murmelte sie eher zu sich als zu Chloe.
Diese musterte sie eine Zeit lang, haderte mit sich, ob sie die Kleinere berühren sollte, ihr durch die Haare streichen und sich an sie schmiegen sollte. Doch da Nadine keine Reaktion auf die Stille zeigte, verblieb sie in ihrer Haltung, bis auch sie die Müdigkeit zu besiegen drohte. Tief zog sie die Luft ein: „Schlaf gut.“, flüsterte sie in die Stille des Zimmers, da sie sich nicht sicher war, ob die Frau in den Kissen neben ihr bereits in eine weit entfernte Traumwelt abgetaucht war. Doch Nadine war noch wach. Ein leichtes Brummen drang als Antwort an ihre Ohren und Chloe setzte sich grinsend auf. Bereit wieder in ihr Zimmer zurückzukehren drehte sie sich zur Bettkannte um. Ungläubig öffnete Nadine die Augen und streckte im selben Moment ihren rechten Arm zu einer Einladung aus. „Bleib.“, ihre Stimme war kratzig und Chloes Herz setzte bei diesem Geräusch einen Schlag aus. Sie wand sich zurück, rückte näher zu ihr, ließ ihren Kopf auf die Schulter der Liegenden sinken und legte einen Arm um ihren Brustkorb. Nadine schloss den Arm um Chloe und hielt sie mit leichtem Druck an der Hüfte fest. Zufrieden atmete sie aus, platzierte einen Kuss auf Chloes Stirn und schloss erneut die Augen, während sie hörte wie auch die Frau in ihren Armen entspannt ausatmete.
Die stetigen Atembewegungen Nadines, ihr mittlerweile vertrauter Geruch und die Wärme ihres Körpers ließen Chloe endlich in einen erholsamen, traumlosen Schlaf übergleiten.

Sam reiste zur Mittagsstunde ab. Die Sommersonne brannte vom wolkenlosen Himmel und während Nadine Sam die Hand reichte und Chloe ihn umarmte, strich eine angenehme Brise von Westen her über ihre Gesichter. Nach einem Blick auf die Szenerie des belebten Marktes schwang der großgewachsene Mann seine Reisetasche in den Wagen und setzte sich auf den Fahrersitz des roten Pickups. „Wir sehen uns.“ Er startete den Wagen und war bald aus ihrem Blickfeld verschwunden.
Nadine wand sich zu Chloe. „Was machen wir heute?“ „Faulenzen?!“, ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf Chloes Gesicht aus, bevor sie Nadines Hand ergriff und sie durch die Menschen zog, die in Richtung des Marktes drängten.
Kurze Zeit später ließ sich Nadine auf die Laken des Bettes fallen und beobachtete Chloe, die sich gerade noch die Schuhe auszog. Je mehr Zeit sie mit dieser Frau verbrachte, umso attraktiver wurde sie für sie. Sie beobachtete jede ihrer Bewegungen und sah, wie sich ihre Armmuskeln anspannten, als sie an ihrem linken Schuh zog, um ihn vom Fuß zu streifen. Um das Gleichgewicht zu halten schwankte sie dabei leicht und unter dem enganliegenden schwarzen Shirt zeichneten sich die definierten Bauchmuskeln ab. Nadine schluckte unweigerlich. Die seelische Verbindung, die sie zu ihr fühlte, wurde mittlerweile durch eine starke körperliche Anziehung ergänzt. Doch die emotionale Bindung war ihr sehr viel wichtiger als das körperliche Verlangen, das sie in sich spürte und so versuchte sie die aufsteigenden Empfindungen zurück zu drängen. Sie wollte nichts überstürzten...und doch fiel es ihr schwer ihren Blick abzuwenden und das recht eindeutige Kopfkino, das gerade begonnen hatte, abzuschalten.  
Chloe wandte sich um und lief auf Nadine zu, ließ sich auf das Bett sinken und blickte auf Nadine hinab. „Alles okay?“ Noch einmal schluckte Nadine. „Bestens.“ Sie griff nach der Fernbedienung des TV-Gerätes und schaltete es ein. Wenn sich schon ihr Kopfkino nicht wirklich abschalten ließ, so musste sie irgendeine Ablenkung finden. Da sie sowieso kaum etwas verstand, stellte sie einen Dokumentationssender ein, der sie mit Bildern über das Sozialverhalten von Fischen berieselte. Auf Nachfrage, ob dies für Chloe in Ordnung sei, antwortete sie nur sie würde sowieso gleich wieder schlafen und stahl sich wie selbstverständlich einen Kuss von Nadine, bevor sie sich an ihre Seite kuschelte, den Arm über ihre Hüfte gelegt. Einmal mehr fragte sich Nadine was genau das zwischen ihr und Chloe war.
Nur fünf Minuten später atmete Chloe tatsächlich tief und ruhig. Nadine, die ihren Blick auf sie gerichtet hielt, fuhr ihr sanft durchs Haar. „Ich glaube, ich verliebe mich gerade.“, murmelte sie nach Minuten der Stille leise in den Raum und musste verständnislos den Kopf schütteln, denn kaum hatte sie ihre Worte ausgesprochen tanzen Schmetterlinge durch ihren Bauch, flatterten hinauf in ihren Brustkorb und erzeugten dort einen Wirbelsturm aus Gefühlen. Wie lange hatte sie dieses Gefühlschaos nicht mehr gespürt? Es war ewig her. Umso glücklicher war sie nun über die Situation, über die Frau in ihren Armen, über ihren Geruch in ihrer Nase und das Wissen, dass sie fürs Erste bleiben würde.
Chloe, die davon nichts mitbekam lag weiterhin seelenruhig an ihrer Seite und so zog sie das dünne Laken über sie und schloss ebenfalls die Augen, während das TV-Gerät leise in einer ihr unverständlichen Sprache weiter über die Meeresbewohner berichtete.
Erst Stunden später schlug sie erneut die Augen auf und noch bevor sie ihren Gedanken in Worte fassen konnte, übernahm ihr Magen das in einem aussagekräftigen Geräusch für sie. Sie hatte Hunger. Großen Hunger. Kein Wunder, das Frühstück hatten sie heute morgen verpasst und nachdem sie Sam auf dem Markt verabschiedet hatten waren sie geradewegs zurück in ihr Hotel gelaufen. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt auch überhaupt kein Hungergefühl empfunden – dafür machte es sich nun umso stärker bemerkbar. Erst jetzt spürte Nadine das Gewicht, das auf ihrem Oberkörper lag. Erneut schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen und sie drückte ihre Lippen sanft auf Chloes Stirn. Die Brünette lag genau so da, wie noch ein paar Stunden zuvor. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, strich sie über ihre Seite, von der Schulter angefangen zu ihrer Hüfte. Sie war noch nicht ganz an ihrem Beckenknochen angekommen, zuckte Chloe unter der leichten Berührung zusammen. Reflexartig zog Nadine ihre Hand zurück und beobachtete sie aufmerksam. Da sich Chloe nicht rührte, fuhr Nadine an den Saum des Shirts, das Chloes Oberkörper bedeckte und schob es ein wenig zu Seite. Sie reckte ihren Kopf in die Höhe um besser auf die freigelegte Haut sehen zu können. Der Anblick des großen Hämatoms lies sie die Zähne aufeinander pressen. Schlagartig war sie wütend. Wütend auf Asav, dass er Chloe diese und so viele weitere Verletzungen zugefügt hatte und auch wütend auf sich selbst, war sie doch unfähig gewesen, die Frau, die ihr so viel bedeutete, zu schützen. Mit einem leisen Seufzen ließ sie den Gedanken los, sie konnte an der Situation nichts ändern. Was geschehen war, war geschehen. Langsam schob sie den Stoff zurück über ihre Haut.
Nach einem weiteren Moment, da sie ihren Blick auf der Frau, die ihr so nah war, hatte verweilen lassen, blickte sie auf die Anzeige des Wecker. 16.57 Uhr. Es war wirklich höchste Zeit um etwas in den Magen zu bekommen. Vorsichtig, um Chloe nicht zu wecken, schälte sie sich aus ihrer Umarmung, deckte sie wieder ordentlich zu und stand auf.
Eilig streifte sie sich ihre Schuhe über und schnürte sie nur halbherzig zu, dann verließ sie mit einem leisen Klicken der Tür das Zimmer.
Wenig später stand sie vor einem der vielen Essensstände, orderte drei verschiedene Gerichte, ließ sie einpacken und schlendere zurück ins Hotel. Mit ein wenig Glück würde Chloe noch schlafen.
Tatsächlich lag sie noch in eben der Position, in der Nadine sie zurückgelassen hatte. Leise schloss sie die Zimmertür, entledigte sich ihrer Boots und zog die Gerichte aus der Plastiktüte. Netterweise hatte der Standbesitzer drei Gabeln eingepackt, sodass sie nicht wieder nach unten gehen und Besteck besorgen musste. Als sie sich umdrehte, leuchtete ihr ein blaues Augenpaar entgegen. „Hey, ich wollte dich nicht wecken.“ „Hast du nicht.“ Chloe setzte sich auf und strich sich über das Gesicht. „Ich habe Essen geholt.“, erklärte Nadine und zeigte überflüssiger Weise auf die Schachteln, die sie eben noch aus der Tüte gezogen hatte. Sie trug sie zu Chloe hinüber und setzte sich ebenfalls auf das Bett.
„Ich habe einen riesen Hunger.“ Chloe griff eilig nach einer der Schachteln. „Das hoffe ich.“, gab Nadine lächelnd zurück und reichte ihr eine der Plastikgabeln. „Danke.“ Chloe spießte einige Nudeln auf, drehte sie um die Gabel und führte sie zum Mund. Das Gericht war stark gewürzt, doch nicht übermäßig, es war einfach gut. Kaum hatten sie mit dem Essen begonnen, waren die ersten beiden Schachteln leer. Die dritte Schachtel teilten sie sich und kurz nachdem auch diese geleert war, ließ sich Chloe in die Kissen sinken. „Das war verdammt gut.“ „Ja, war es.“, bestätigte Chloe. „Was möchtest du heute noch machen? Gehen wir nochmal zu Meenu um uns zu verabschieden? Morgen geht unser Flug.“ Nadine drehte sich fragend zu ihr um, woraufhin sich Chloe wieder aufsetzte. „Ja, gerne. Ich wollte sowieso noch etwas raus gehen.“ Nadine erhob sich: „Okay, dann gehe ich duschen.“ und verschwand im Badezimmer.
Das Rauschen, das kurz darauf durch die Stille drang hielt einige Zeit an, bevor Nadine wieder das Zimmer betrat. Ihre Haare waren noch feucht und offenbar nur mit einem Handtuch getrocknet worden und die kurze Hose bedeckte nicht einmal die Hälfte ihrer Oberschenkel. Doch ihren Oberkörper verdeckte lediglich ein schwarzer BH. „Ich hab mein Shirt vergessen.“, murmelte sie und durchquerte den Raum um auf direktem Weg zu ihrer Tasche zu gelangen. Der Anblick ließ Chloe für einen Moment erstarren. Abgesehen von ihrer bemerkenswerten Figur arbeiteten die Bauchmuskeln bei jedem Schritt, sodass sie deutlich hervortraten und erst als Nadine an ihr vorbei an ihre Reisetasche gegangen war, hatte Chloe die Kontrolle über ihren Körper zumindest einigermaßen zurückerlangt. Sie räusperte sich, warf noch einen Blick zurück auf die Frau, die ihr die Sprache verschlug und betrat dann stumm das Badezimmer. Dass Nadine attraktiv und durchtrainiert war, hatte sie gewusst, doch dass sie es in diesem Ausmaß war, realisierte Chloe erst jetzt. Sie stieg unter die Dusche und kaum hatte sie sich unter den lauwarmen Wasserstrahl gestellt, drehte sie den Hahn auf kalt um die Hitze, die sich in ihr ausgebreitet hatte, zu vertreiben.
Bevor sie sich ihre frische Kleidung überstreifte begutachtete sie das große Hämatom an ihrer Seite, das sich nun auch ein Stück den Rücken entlang zog. Es war noch immer sehr groß, doch es schimmerte nun nicht mehr nur blau-violette, sondern hatte an manchen Stellen eine gelblich-grüne Färbung angenommen. Das große Pflaster, das den Cut an ihrer Schulter verdeckt hatte, zog sie nach einigen Verrenkungen ab und besah sich die Wunde. Auch dieser schien gut zu verheilen und so beschloss sie den Schnitt ab sofort an der Luft verheilen zu lassen. Den Verband, den sie an ihrem Arm getragen hatte, erneuerte sie, sodass er sich strahlend weiß von ihrer leicht gebräunten Haut abhob, bevor sie das Badezimmer verließ.
Kaum war sie hinausgetreten, heftete sich Nadines Blick auch schon auf ihren Arm. „Wie geht es dir?“ „Mir geht´s gut.“ „Chloe, ich habe es gesehen.“, Nadines Stimme war eindringlich, doch sanft, während sie auf sie zuging und ihre Hand wenige Zentimeter über Chloes Hüfte schweben lies. Chloe sah ihr in die Augen, verlor sich beinahe darin, während sie nach der Hand griff, die Nadine nach ihr ausgestreckt hielt. „Es ist schon viel besser. Nur Berührungen schmerzen.“ „Das habe ich gemerkt. Selbst im Schlaf bist du vor Schmerz zusammengezuckt.“ Chloe beugte sich zu Nadine „Mach dir keine Sorgen.“ und küsste sie kurz. „Gar nicht so einfach.“, murmelte diese, nachdem ihre Lippen wieder  freigegeben worden waren und lehnte ihre Stirn an die der Größeren.
„Was ist das zwischen uns?“, sprach sie endlich die Frage aus, die ihr seit Tagen auf der Seele brannte und die nun so leise wie ein Flüstern über ihre Lippen getreten war. So brennend und flehend war die Frage, dass sie fürchtete Chloe könnte die Angst aus ihr heraus hören. Chloe spannte sich für die eines Herzschlages an, dann übte sie leichten Druck auf die Hand aus, die sie noch immer in der ihren hielt. „Mehr als ich noch vor einigen Tagen vermutet hätte...“, flüsterte Chloe vorsichtig, als habe sie die Angst von Nadine auf sie übertagen. Nach einem Moment der Stille, die Nadine unerträglich lang vorkam, sprach sie weiter. „...ich empfinde etwas für dich Nadine. Ich weiß nur noch nicht, was genau...“, sie legte ihre andere Hand an Nadines Wange und strich mit dem Daumen über ihren Wangenknochen. „...doch ich weiß, dass ich nicht ohne dich sein will.“ „Das ist doch schon mal was.“, lächelte Nadine, bevor sie ihre Lippen erneut mit Chloes verband.  

Eine halbe Stunde später betraten sie die äußeren Standreihen des Marktes auf dem auch nach sieben Uhr noch reges Treiben herrschte. Meenu stand wie so oft hinter dem Tresen des Standes und lächelte ihre potenzielle Kundin, die sich für eine der Figuren interessierte, freundlich an. „Sie ist sehr schön, oder? Bestimmt passt sie wunderbar in ihre Wohnung.“ Chloe schüttelte nur den Kopf, als sie die Worte aus dem Mund des Mädchens hörte. Die Kleine zog wirklich alle Register und es schien zu wirken. „Wie viel kostet sie denn?“, fragte die Frau vor ihr und kam nicht umhin sie anzulächeln. „Nur 1400 Rupien.“ Ohne zu zögern griff die Frau in ihre Tasche und zog einen Geldbeutel heraus. Sie legte 1800 Rupien auf den Tisch und verließ noch immer lächelnd den Stand. Während Meenu das Geld in einer Schublade verstaute, trat Chloe dicht gefolgt von Nadine näher. „Laufen die Geschäfte?“ Bei dem Klang ihrer Stimme sah das Mädchen strahlend auf. „Chloe! Nadine!“ Beide Frauen grinsten breit. „Ja. Mehr als gut.“
„Offensichtlich.“, Nadine lehnte sich an die Theke und begann einen der Stoffe durch ihre Finger gleiten zu lassen, die von Haken an der Decke hingen. „Was macht ihr hier?“ „Dich besuchen und uns verabschieden.“ Chloes Stimme wurde zum Ende hin immer leiser. „Wann fahrt ihr?“, hakte die Kleine nach und das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. „Morgen geht unser Flug.“ Einen Moment hielt Meenu inne und schien zu überlegen, dann nickte sie.  „Wir kommen dich sicher mal besuchen. Wenn du hier in der Gegend bleibst, werden wir dich finden.“ Meenu schien zufrieden mit dieser Antwort. „Ich gehe nicht weg. Ich mag es hier.“ Nadine richtete mit warmem Lächeln das Wort an sie: „Dann werden wir uns wiedersehen.“

Es wurde später Abend, bis sich der Schlüssel im Schloss drehte und den Weg in das dunkle Zimmer preisgab. Den Lichtschalter umlegend betrat Nadine das Zimmer und hörte nur wenige Sekunden später wie Chloe die Tür zurück ins Schloss drückte.
Wieder beobachtete Chloe jede von Nadines Bewegungen, wie sie geschmeidig das Zimmer durchquerte, sich ihrer Jacke und Schuhe entledigte und schließlich ins Bad verschwand. Auch sie streifte sich die Schuhe von den Füßen und zog gleich das schwarze Shirt und die kurze Stoffhose an, die sie zum Schlafen benutzte. Warum auch immer, sie war bereits wieder müde und so zog es sie unweigerlich zum Bett hinüber. Der Auftrag schien doch anstrengender gewesen zu sein, als sie es geglaubt hatte, auch wenn er erst zwei Tage zurück lag und sie sich einen Tag beinahe ausschließlich im Bett, nach all den Kämpfen und der Kletterei redlich verdient hatte. Zufrieden über diesen Gedanken ließ sie sich mit geschlossenen Augen wieder in die Kissen fallen, als im selben Moment die Tür zum Badezimmer geöffnet wurde. „Schon wieder müde?“, Chloe konnte das Lächeln auf Nadines Lippen nicht sehen, doch sie hörte es deutlich in ihrer Stimme und erwiderte es. „Es ist einer dieser Tage...“ „Vielleicht solltest du über deinen Renteneintritt nachdenken.“ Sprachlos öffnete Chloe die Augen und stemmte sich auf die Ellenbogen. „Bitte was?!“ „Schlafen, essen, schlafen, ab und zu etwas Sightseeing... klingt nach dem perfekten Rentnerleben.“ Nadines Stimme verlor nichts von ihrer Frechheit. Einen Moment starrte Chloe noch zu ihr hinauf, dann verdrehte sie die Augen und ließ sich nach hinten fallen. „Rentnerleben...“, entrüstet wiederholte sie das Wort. „Ich brauche nur etwas Urlaub, das ist alles.“
Stille. Nadine erwiderte zunächst nichts darauf bis ein leises  „Mhm...“ an Chloes Ohr drang. Einen Moment später senkte sich die Matratze unter ihr. Sie spürte die Nähe des Körpers der sich seitlich neben sie sinken lies, spürte die Wärme des Atems auf ihrer Haut kurz bevor sie die Berührung auf ihren Lippen spürte und beinahe augenblicklich die Müdigkeit ihren Körper verließ. Sanft bewegten sich ihre Lippen gegeneinander, forschend, fragend. Sie spürte eine warme Hand, die sich auf ihre Hüfte legte, genau an die Stelle, die ihr T-Shirt, das nach oben gerutscht war, preisgab. Verlangend nach mehr drehte sich Chloe zur Seite um Nadine noch näher zu kommen, eine Hand an ihre Wange gelegt.

Der Kuss war kein normaler `Gute-Nacht-Kuss´. Nadine verstärkte die Berührung ihrer Lippen und fuhr nun mit der linken Hand durch die weichen, dunklen Haare. Sie spürte, wie Chloe den Mund leicht öffnete und den Kuss intensivierte, ihre Hand an Nadines Hüfte legte und sie an sich zog. Von Chloes Haarspitzen aus fuhr Nadine über ihre Schulter, dabei umsichtig den Cut auslassend, der sich dort rot schimmernd vom Rest der Haut absetzte und strich in Wellen über ihren Rücken, bis sie am Saum des Shirts angekommen war. Mit zitternden Fingerspitzen fuhr sie unter den Stoff. Ein versichernder Blick in Chloes Augen bestätigte sie in ihrem Vorhaben, denn diese waren dunkel und von Verlangen verschleiert. Als Chloe sich nun auch noch leicht auf die Lippe biss, als Nadines Hand ihren Bauch berührte, war es um jede Selbstbeherrschung geschehen. Erneut senkte sie ihre Lippen auf Chloes und strich das Stück Stoff nach oben, während sie forschend die darunter liegende Haut berührte.
Nur einen kurzen Moment später löste sie die Verbindung ihrer Lippen und zog ihr das Shirt über den Kopf. Noch während sich Chloe erneut in die Kissen sinken lies, hielt Nadine unweigerlich den Atem an und prägte sich den Anblick, der sich ihr nun bot, ein: Chloe lag unter ihr, während sie selbst sich seitlich von ihr abstützte, nur mit einer Jeans und einem schwarzen BH bekleidet, während sie Nadine auf eine Weise ansah, für die es keine Worte zu geben schien. In ihrem Blick lag Verlangen, Verletzbarkeit und etwas, das Nadine nicht zu formulieren wagte. Etwas derart intensives, dass sie sich augenblicklich in den Augen vor ihr verlor.
Da sie nicht lange widerstehen konnte, senkte Nadine ihre Lippen und küsste die nun freiliegende Haut, fuhr mit den Fingern zärtlich über jede noch so kleine Narbe. Sie ehrte jede Verletzung, jede Erfahrung, die Chloe erlebt hatte und die sie zu der Person machten, der sie heute war. Für die Dauer eines Sekundenbruchteils war sie erschrocken über ihre Anzahl, doch als Chloe sie zu sich hinauf zog und ihre Lippen wieder mit den ihren verschloss, setzte ihr Denken schließlich gänzlich aus...

Auch am nächsten Tag, ihre Taschen waren bereits im Bauch des Flugzeuges und sie selbst tief in die Sitze der Maschine versunken, dachte Chloe noch an die Ereignisse der letzten Nacht. Das zunächst zärtliche Berühren hatte schnell zu einem durch Leidenschaft geprägten Spiel gewechselt. Viel Schlaf hatten sie dabei nicht bekommen, weshalb sie nicht erstaunt war bei einem Blick auf Nadine festzustellen, dass diese mehr als verschlafen aus dem Fenster sah. Als diese ihren Blick bemerkte wand sie sich um und ihre Augen hefteten sich sofort an ihre. „Alles in Ordnung?“, „Mehr als das.“, antwortete Chloe ihr lächelnd und beugte sich zu Nadine hinüber. Ihre Handfläche berührte ihre Wange und strich sanft über die weiche Haut, bevor sie ihre Lippen auf Nadines senkte. Einen Moment später löste sie die Verbindung und wollte gerade etwas Abstand zwischen sie und sich bringen, als sie eine Hand an ihrem Hinterkopf spürte, die sie mit sanftem doch stetigen Druck wieder zu Nadine heran zog. „Noch einen...“, murmelte diese beinahe unhörbar. Das Lächeln, dass sich daraufhin auf ihrem Gesicht ausbreitete war so groß, dass es beinahe schmerzte. Nur allzu gerne kam sie der Aufforderung nach.
„Daran könnte ich mich gewöhnen.“, seufzte Nadine, nachdem sie sich schließlich getrennt hatten und Chloe lies ihren Kopf nach einem kurzen, doch aussagekräftigen Blick in ihre Augen, auf die Schulter der jungen Frau sinken. Ihr Flug würde nicht allzu lange dauern und sie recht nahe an ihr Zuhause bringen. Vom dortigen Flughafen aus wäre es noch eine gut eineinhalbstündige Fahrt bis sie schließlich die Ausläufer des Makalu erreichen würden.
Als sie die Beschleunigung der Maschine spürte, hob sie ihren Kopf, drückte einen Kuss auf die Schulter, an der sie gerade noch gelehnt hatte und lehnte  sich entspannt in ihren Sitz zurück. Nur wenige Momente später spürte sie ein leicht flaues Gefühl im Magen, als die tonnenschwere Maschine der Erdanziehungskraft trotze und sich zu den Wolken aufmachte.

tbc
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