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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
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29.410
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07.12.2018 514
 
Als das Licht des Mondes auf die Ebene fiel, senkte sich ein Schatten vom Himmel herab und landete neben Hagebutte.
„Biron.“
„Hoheit.“
Der Blumengeist lächelte, als sie neben sich sah und den riesigen Greif erblickte.
„Du wirst das in diesem Leben nicht mehr ablegen, oder?“, fragte Hagebutte und lehnte sich an ihren Gefährten.
„Natürlich nicht“, antwortete der Greif und sie konnte das Lächeln in seiner Stimme hören. „Wo kämen wir denn da hin?“
Hagebutte erwiderte nichts, sondern lächelte ebenfalls. Es war schön, endlich Frieden zu haben und zu sehen, dass sich zwischen ihr und Biron nichts geändert hatte. Er kam sie immer noch besuchen, nannte sie immer noch Hoheit und war ihr immer noch näher als die anderen Bewohner Waages. Nur einen Unterschied gab es: Der Blumengeist traute sich endlich, den Greif zu berühren. Zwischen ihnen gab es keine Barrieren mehr, die eine Freundschaft gefährlich bis unmöglich machten.
„Was wirst du machen, jetzt, wo der Krieg vorbei ist?“, fragte Hagebutte nach einer Weile. „Wirst du nach Löwe zurückkehren und weiter in Erdbeeres Diensten stehen?“
Biron schwieg einen Moment, bis er schließlich antwortete: „Ja, das werde ich. Sie ist nach wie vor meine Königin und ich bin ihr unterstellt und zu Treue verpflichtet. Wenn sie mich freigeben möchte, wird sie das tun, doch ich glaube, sie braucht mich, vor allem jetzt, da Tundaran nach Steinbock gegangen ist. Aber ich werde trotzdem Zeit haben, dich regelmäßig zu besuchen, Hagebutte. Das verspreche ich dir.“
Der Blumengeist lächelte gezwungen. Sie wusste, dass es selbstsüchtig war, den Greif bei sich behalten zu wollen, dass sie kein Recht hatte, sich das zu wünschen. Er war kein Bewohner ihres Landes, unter gewöhnlichen Umständen hätten sie sich nicht einmal kennengelernt. Trotzdem tat es weh, ihn an Erdbeere zu verlieren, auch, wenn sie wusste, dass Biron niemals zu ihr gehört hatte. Dass sie niemals seine Königin gewesen war, sondern das alles nur ein Spiel zwischen ihnen war.
Irgendwie tat dieser Gedanke weh, obwohl es falsch war, zu glauben, dass Hagebutte sich seine Treue und Gefolgschaft auf irgendeine Art und Weise verdient hatte. Bestimmt hatte Erdbeere sich im Krieg genauso viele Sorgen um ihn gemacht wie sie. Und wenn sie gekonnt hätte, hätte sie den Greif bestimmt auch beschützt, so, wie Hagebutte es getan hatte.
„Hagebutte?“, fragte Biron sanft. „Irgendetwas bedrückt dich, das spüre ich doch.“
„Es ist nichts“, widersprach sie. „Wirklich. Ich muss mich nur erst wieder an den Frieden gewöhnen. Bei Krieg geht das irgendwie schneller … aber diese Ruhe jetzt ist ungewohnt. Sie gibt Zeit zum Nachdenken.“
„Und über was denkst du nach?“, fragte Biron. Er warf einen kurzen Blick auf Hagebutte und verwandelte sich in die Gestalt, in der er einen Arm um den Blumengeist legen konnte.
„Über nichts“, antwortete sie. „Mach dir keine Sorgen. Lass uns einfach … das tun, was wir immer tun.“
Biron akzeptierte ihren Wunsch, doch er spürte, dass sich etwas zwischen ihnen verändert hatte. Dass sie weiter von ihm entfernt war als zu den Zeiten, in denen sie sich nicht getraut hatte, ihn zu berühren. Und etwas sagte ihm, dass diese Zeiten nicht mehr wiederkehren würden.
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