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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
30
29.410
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06.12.2018 554
 
„Hallo“, sagte Leander, als er an den Tresen des kleinen Blumenladens trat. „Ich bräuchte einen wunderschönen Blumenstrauß für eine ganz besondere Frau.“
Ann sah von ihrer Bestellungsliste auf, sie hatte weder die Türglocke noch ihren Kunden gehört und packte nun alles eilig beiseite.
„Verzeihen Sie“, sagte sie hastig. „Guten Tag. Wie groß soll der Strauß denn sein?“, fragte sie und betrachtete ihren Kunden, versuchte abzuschätzen, über welche „besondere Frau“ er redete und wie ihre Persönlichkeit sein mochte.
Er überlegte. „Nicht zu groß“, sagte er dann. „Ich glaube nicht, dass sie es so überladen mag. Dezent sollte er sein, aber geschmackvoll. Und etwas ausdrücken. Am liebsten natürlich so etwas wie „Du bist etwas ganz besonderes, wunderschön und das wertvollste Juwel der Welt“. Vielleicht etwas weniger kitschig, aber das sollte der Grundton sein.“
Klang nach einer Ehefrau oder etwas in der Richtung. Und dann schenkte er ihr einen Blumenstrauß zu Weihnachten? Ann fand das irgendwie seltsam. Oder wollte er einer Frau seine Liebe gestehen? Dann wäre diese Aussage aber etwas übertrieben, zumindest ihrer Meinung nach.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte Leander, als Ann einige Momente nur so dagestanden hatte.
„Verzeihung“, sagte sie und fing sich wieder. „Ich habe nur überlegt, welche Blumen ich dafür am besten nehmen sollte. Hat sie Lieblingsfarben? Oder, noch wichtiger, Farben, die sie gar nicht leiden kann? Die schönste Aussage nutzt ja nichts, wenn ihr der Strauß nicht gefällt.“
„Ich glaube nicht“, antwortete Leander. „Oh, aber eine Sache noch: Bitte verzichten Sie auf so etwas Alltägliches wie rote Rosen. So etwas mag sie gar nicht. Sie liebt die unscheinbareren Pflanzen mehr.“
Ann nickte und machte sich an die Arbeit, wobei sie Leander bei jeder Blume fragte, ob sie dieser besonderen Frau gefallen könnte oder nicht.
Als sie den Strauß schließlich fertig hatte, kam sie nicht umhin zu denken, dass sie so einen auch gerne mal geschenkt bekäme.
„Gefälllt er Ihnen?“, fragte sie und präsentierte ihn Leander.
„Perfekt“, lächelte er. „Vielen Dank!“
Er bezahlte den Strauß und verabschiedete sich von Ann. An der Tür drehte er sich allerdings noch einmal um.
„Wie lange müssen Sie eigentlich noch arbeiten?“, fragte er sie.
Ann sah auf die Uhr. „Noch eine Stunde“, antwortete sie. „Und dann habe ich zwei Wochen Urlaub.“
„Dann wünsche ich Ihnen frohe Feiertage, einen guten Rustch ins neue Jahr und einen schönen Urlaub“, sagte Leander, zog seinen imaginären Hut und ging hinaus. Ann sah ihm etwas ratlos nach.
Eine Stunde … die würde er schon irgendwie rumbekommen. Außerdem musste er ja auch noch eine Karte für sie schreiben, überlegte er, als er zu einem nahegelegenen Park ging. Und so kalt war es zum Glück nicht, dass es an der frischen Luft wirklich unangenehm gewesen wäre.
Kurz, bevor Ann ihren Laden schloss, stand er auf, versteckte das Kärtchen in dem Blumenstrauß und ging zurück zu dem Blumenladen.
Ann war gerade dabei, die Tür abzuschließen, als er sich leise, aber vernehmlich räusperte, um sie nicht mehr als nötig zu erschrecken.
„Ja?“ Sie drehte sich um. „Oh, Sie sind es. Ist mit dem Strauß etwas nicht in Ordnung?“, fragte sie besorgt.
Doch Leander lächelte nur, verbeugte sich leicht und reichte ihr den Blumenstrauß. „Fröhliche Weihnachten“, wünschte er. „Und entschuldigen Sie, dass es ein Strauß Blumen geworden ist, aber eine sehr kluge Frau sagte mir einmal, dass Blumen viel mehr sagen, als einfache Worte es vermögen.“
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