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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
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24.12.2019 3.281
 
„Und, hast du schon eine Verabredung für den Weihnachtsball?“, fragte Serena, als sie und Bluebell zu Pflege magischer Geschöpfe gingen.
Die beiden waren ausnahmsweise allein unterwegs, normalerweise begleiteten Nick und Daniel sie, doch Hagrid hatte um ein wenig Hilfe bei der Vorbereitung der Stunde gebeten und die zwei hatten sich sofort gemeldet.
„Ich gehe nicht hin“, sagte Bluebell. „Ich habe nicht mal einen Festumhang.“
Serena blieb wie vom Donner gerührt stehen.
„Bitte was? Sag das noch mal!“
„Ich gehe nicht hin“, wiederholte Bluebell. „Ich habe nicht mal einen Festumhang.“
„Das ist nicht dein Ernst!“
„Doch“, erwiderte Bluebell und ging ungerührt weiter. „Ich habe es nicht eingesehen, Geld dafür auszugeben, wenn mich ohnehin niemand fragt.“
„Aber das weißt du doch gar nicht!“, sagte Serena und beeilte sich, ihre Freundin einzuholen. „Ich meine ... selbst wenn, Nick oder Daniel würden bestimmt mit dir mitgehen!“
„Ich weiß“, seufzte Bluebell. „Aber ... ganz ehrlich? Ich mag solche Veranstaltungen auch gar nicht. Ich bleibe einfach in meinem Gemeinschaftsraum und lerne oder lese oder sowas. Es ist Weihnachten, das heißt, die Prüfungen sind nicht mehr weit weg und ich habe ein bisschen Nachholbedarf.“
„Du weißt ganz genau, dass das nur Ausreden sind, Blue. Wirklich. Willst du dem Ganzen nicht mal eine Chance geben? Ich meine, Weihnachtsball! Das erleben wir nur ein einziges Mal! Das kann man sich doch nicht entgehen lassen! Hättest du denn jemanden, mit dem du wirklich, wirklich gerne hingehen würdest? Azrael vielleicht? Dann frage ich ihn für dich.“
„Nein.“
Bluebell wusste, dass ihre Freundin es nur gut meinte, aber ihr war auch klar, in welche Schwierigkeiten Azrael kommen würde, wenn man sie beide gemeinsam auf dem Ball sah und jemand es an seine Eltern verriet. Immerhin war Bluebell nur ein Halbblut.
Serena wusste es besser, als Bluebell weiter davon überzeugen zu wollen, zu dem Ball zu gehen. Vielleicht würde sie das Thema morgen noch mal ansprechen, aber wenn sie jetzt weiter darauf bestand, würde es zu nichts führen.
Die beiden waren die letzten, die bei Hagrid ankamen, doch er schien sich nicht wirklich daran zu stören, sondern erzählte nur ganz begeistert von den Tieren, die sie nun behandeln würden.
Es war kurz vor Weihnachten und das hieß, dass es ausnahmsweise keine gefährlichen, mit Zähnen und Klauen gespickten Tiere sein würden, sondern etwas, bei dem man nicht um sein Leben fürchten musste.
Wie sich herausstellte, hatte er für diese Stunde zwei Einhörner gefangen.
„Ist das ... Daniel?“, fragte Serena, als jemand ein Einhorn auf die Lichtung brachte. „Ich dachte, Einhörner können Jungen nicht ausstehen!“
„Normalerweise ist das auch so“, bestätigte Hagrid. „Aber unser Daniel hier ... nun, der ist offenbar eine Ausnahme. War auch ganz überrascht, aber nun ... sie spüren, wenn man es gut mit ihnen meint, nicht wahr?“
Nachdem er das Tier angebunden hatte, kam Daniel hinüber zu Bluebell und Serena, dicht gefolgt von Nick, der lieber Abstand gehalten hatte.
„Na, ihr?“, sagte er. „Tolle Tiere, oder?“
Die beiden Mädchen nickten nur, bevor sie alle Hagrids Ausführungen lauschten.
Bluebell hörte jedoch nur mit einem Ohr zu, Serena hatte vorhin einen wunden Punkt getroffen.
Eigentlich wollte sie gerne zu dem Weihnachtsball gehen. Sehr gerne sogar. Aber es hatte sie niemand gefragt und sie hatte Angst, dass sie nicht hübsch genug aussehen würde.
Selbst, als sie noch zu Hause zur Schule gegangen war und Familienfeiern angestanden hatte, zu denen sie von ihrer Mutter herausgeputzt worden war, waren es immer die anderen gewesen, die gesagt bekommen hatten, wie hübsch sie doch seien. Bluebell war immer unscheinbar geblieben.
Als es zum Ende der Stunde läutete, verstreuten sich die Schüler, es war bald Zeit für das Abendessen.
„Und, Rena?“, fragte Daniel, während sie zum Schloss zurückgingen. „Wie sieht dein Festumhang aus? Nur, damit Nick und ich wissen, welche Farben wir auf keinen Fall anziehen dürfen, wenn wir mit dir zum Ball gehen.“
„Wir?“, fragte Serena amüsiert. „Heißt das, ich habe dann zwei Partner?“
„Wenn es nach uns geht ... ja“, antwortete Nick. „Oder kämst du dir dann komisch vor?“
„Im Gegenteil, ich käme mir sehr privilegiert vor“, erwiderte Serena. „Okay, ich gehe mit euch zum Ball.“
„Und dein Umhang hat welche Farbe?“, fragte Daniel.
Serena zwinkerte ihm zu.
„Rate mal.“
„Silber“, sagte Nick. „Wegen deines Namens?“
Serena verzog das Gesicht.
„Du bist eindeutig zu schlau“, sagte sie. „Ich hätte ihn gerne noch zappeln lassen.“
„Und deiner, Bluebell?“, fragte Nick. „Blau, violett oder grün?“
Sie seufzte, etwas anderes war von ihm nicht zu erwarten gewesen.
„Gar keine“, antwortete sie dann. „Ich gehe nicht zum Weihnachtsball.“
„Was?“, fragte Daniel und blieb stehen. „Wieso das denn nicht? Bluebell, das ist der Weihnachtsball! Da kann man nicht nicht hingehen!“
„Lass gut sein, Daniel“, mischte Serena sich ein. „Das ist Blues Entscheidung. Wenn sie nicht will, dann ist das okay.“
Daniel sah nicht so aus, als ob er sich mit dieser Antwort zufriedengab, doch er wusste, wann es besser war, den Mund zu halten.
Als sie in der Eingangshalle ankamen, verabschiedete Bluebell sich von den anderen und ging hinunter zu ihrem Gemeinschaftsraum.
Sie hatte als einzige Hufflepuff Pflege magischer Geschöpfe behalten, alle anderen hatten ihre Freistunden genossen. So kurz vor den Ferien machte sich keiner mehr so viel Stress wegen der Hausaufgaben.
Sie brachte ihre Tasche in den Schlafsaal und ging dann gemeinsam mit den anderen hinauf zum Abendessen.
„Und, wie war Pflege magischer Geschöpfe?“, fragte Peony, während sie zur Großen Halle gingen.
„Hagrid hatte Einhörner da“, erzählte Bluebell. „Wirklich schade, dass du das Fach abgegeben hast. Bestimmt hätten sie dir auch gefallen.“
„Ich glaube nicht“, erwiderte Peony. „Du weißt doch, ich habs eher so mit Pflanzen. Sag mal ... vorhin haben alle über den Weihnachtsball geredet ... du gehst doch hin, oder? Claire meinte, du würdest nicht, aber das muss sie falsch verstanden haben, oder?“
„Nein“, seufzte Bluebell. „Hat sie nicht. Ich gehe wirklich nicht hin.“
„Aber ... wieso denn nicht?“, fragte Peony erschüttert. „Ich meine ... es ist der Weihnachtsball! Was machst du denn den ganzen Abend im Gemeinschaftsraum? Oder fährst du nach Hause?“
„Ich denke, ich werde lernen“, erwiderte Bluebell. „Ich habe einiges nachzuholen und ich dachte, ich könnte schon mal anfangen, den Stoff für die UTZ zu wiederholen. Den ganzen Druck ein wenig rausnehmen, weißt du?“
Peony sah nicht überzeugt aus, wechselte aber das Thema.
„Zu Slughorns Party gehst du aber schon, oder?“
„Ja“, antwortete Bluebell. „Da sieht es immerhin nicht ganz so komisch aus, wenn man ohne Partner aufkreuzt. Und ich kann mich still und heimlich an das Buffet verziehen oder mich mit den Hauselfen unterhalten, wenn es mir zu anstrengend wird. Ich glaube nicht, dass ich zu Slughorns größten Lieblingen gehöre, die er unbedingt allen vorstellen will, also ... könnte ich wohl meine Ruhe haben. Oder möchtest du mit zu der Party?“
„Ich kann nicht ...“, murmelte Peony und grinste verlegen. „Ich habe ein Date an dem Abend ... sonst wirklich gerne, versteh mich nicht falsch!“
Jetzt fiel Bluebell erst wieder ein, dass Peony mit jemandem aus Ravenclaw zusammen war, einem Treiber aus dem Quidditch-Team, wenn sie sich richtig erinnerte.
„Dann viel Spaß“, lächelte sie.
Die beiden setzten sich an ihren Haustisch und Bluebell versuchte, unauffällig nach Azrael Ausschau zu halten. Sie hatten sich den ganzen Tag über nicht gesehen und sie vermisste ihn.
Serena war zwar ihre beste Freundin, aber Azrael war eben ... nun, Azrael.
„Gehst du am Wochenende eigentlich nach Hogsmeade?“, fragte Peony und zog damit wieder Bluebells Aufmerksamkeit auf sich.
„Ich denke schon“, antwortete sie. „Ich brauche noch ein paar Geschenke. Und du? Gehst du mit Frances?“
Peony nickte.
„Wir brauchen auch noch Geschenke und na ja ... du weißt schon, das verschneite Hogsmeade ... viel romantischer geht es eigentlich nicht, oder?“
„Nein, wirklich nicht“, stimmte Bluebell zu und stocherte etwas lustlos in ihrem Essen herum. Wieso hatte sie heute jeder nach dem Weihnachtsball fragen müssen? War es wirklich so verwunderlich, dass jemand nicht dorthin wollte und stattdessen lieber einen ruhigen Abend im Gemeinschaftsraum verbrachte?
Schweigend aß sie ihren Teller leer und verabschiedete sich dann von Peony.
Ihre Schritte führten sie in Richtung Bibliothek. Zwar wusste Bluebell nicht, was sie hier eigentlich wollte, aber wenigstens war es ruhig und Madam Pince unterband jedes Gespräch, das länger als ein paar Sekunden dauerte.
Wahllos nahm sie sich ein Buch über Verwandlungszauber aus dem Regal und setzte sich an einen der Tische. Die meisten waren leer, nur vereinzelt saßen Schüler, vermutlich Siebtklässler, über ihre Bücher gebeugt da. Bluebell schätzte, dass sie vergessen hatten, dass es Abendessen gab.
Schnell vertiefte sie sich in ihre Lektüre, bis ihr jemand sacht auf die Schulter tippte.
„Hast du kurz Zeit?“, flüsterte Azrael.
Bluebell hatte sich furchtbar erschreckt und schon ihren Zauberstab gezückt, doch sie beruhigte sich schnell wieder und nickte.
Sie stellte das Buch zurück ins Regal und folgte Azrael hinaus in den Korridor.
„Was gibts?“, fragte sie. „Wieso warst du nicht beim Abendessen?“
„Ich hatte keinen Hunger“, antwortete Azrael. „Hör mal ... also ... stimmt es? Du willst nicht zum Weihnachtsball?“
Bluebell vergrub ihr Gesicht in den Händen.
„Ist das wirklich so interessant? Selbst für euch in Slytherin? Ja, ich gehe nicht zum Weihnachtsball, na und? Ist das etwa verboten? Wieso macht ihr alle so ein riesiges Aufheben darum?“
„Na ja ... Aglaia meinte, ich solle dich fragen, ob du mit mir hingehst“, sagte er und schaute verlegen auf den Boden. „Aber wenn du nicht hingehst ... nun ...“
„Wieso meinte Aglaia, dass du mich fragen sollst?“, fragte Bluebell irritiert.
„Weil ... nun ... du weißt schon ... wir beide Freunde sind?“
Bluebell sah Azrael nur einen Moment lang an, bevor sie sich umdrehte und in Richtung ihres Gemeinschaftsraums ging.
Womit hatte sie eigentlich gerechnet? Dass Azrael ihr sagte, dass er sie mochte? Vermutlich brauchte er einfach nur irgendeine Partnerin und am Namen „Yaxley“ klebte immer noch zu viel Blut, als dass sich so einfach jemand finden ließe, der ihn zum Ball begleitete.
„Blue?“, rief Azrael, der etwas überfordert wirkte. „Hab ich was Falsches gesagt?“
Bluebell hörte, wie er ihr hinterherlief, doch sie beachtete es nicht.
„Was hab ich dir denn getan?“, fragte er, als er sie eingeholt hatte. „Oder ziehst du es jetzt vor, nicht mehr mit mir zu reden?“
„Lass mich doch bitte einfach in Ruhe“, sagte Bluebell. „Und frag jemand anderen, ob sie mit dir zum Ball geht. Ich glaube, Claire hat noch keinen Partner und ich weiß, dass sie dich toll findet. Außerdem ist sie reinblütig. Sie freut sich bestimmt. Übrigens ... ich gehe mit niemandem zu einem Ball, nur, weil ich mit ihm befreundet bin. Und ich frage auch niemanden aus diesem Grund. Bis morgen in Zaubertränke.“
Azrael blieb stehen und sah Bluebell ratlos hinterher.
Doch dann rief er noch: „Könntest du Claire für mich fragen?“
Bluebell antwortete nicht, sondern lief nur schneller, bis sie endlich im Keller angekommen war.
Azrael war ihr nicht gefolgt, sodass sie unbehelligt in ihren Gemeinschaftsraum gelangen konnte.
Sie erspähte Claire, die in einem Sessel am Feuer saß und sich mit ihren Mitschülerinnen unterhielt.
„Hey“, sagte Bluebell, als sie zu ihnen trat. „Claire? Ich habe gerade Azrael getroffen ...“ Sie überlegte einen Moment, ob sie lügen sollte, aber das passte nicht zu ihr. „Er bat mich, dich zu fragen, ob du mit ihm zum Weihnachtsball gehen möchtest. Er ist ein bisschen schüchtern, du weißt schon ... seine Eltern und diese ganze Sache.“
Claire sah kurzzeitig verwirrt aus, doch dann hellte sich ihre Miene auf.
„Ich schicke ihm gleich eine Eule!“, sagte sie und sprang auf, hielt dann aber inne. „Allerdings ... will er nicht nur mit mir hingehen, weil du nicht zum Ball gehst? Ich dachte, ihr beide seid Freunde ...“
Bluebell zwang sich zu einem Lächeln.
„Aber bei einem Ball geht es doch nicht darum, wer mit wem befreundet ist, sondern darum, wen man gut findet, oder? Glaub mir, ich wäre ziemlich sicher nur die Notlösung gewesen. Also schick ihm schon die Eule, er freut sich.“
Claire strahlte sie an.
„Danke, dass du mir bescheid gesagt hast, Blue!“
Dann war sie auch schon in Richtung Eulerei verschwunden.
„Seid ihr schon mit den Hausaufgaben fertig?“, fragte Bluebell die anderen. „Wenn nein ... wollen wir sie gerade zusammen machen?“
Peony nickte und stand auf, um ihre Sachen holen zu gehen.
Etwa eine halbe Stunde später kam Claire zurück, an ihre Brust einen Zettel gedrückt, auf dem Bluebell Azraels Handschrift erkennen konnte.
„Ich habe ein Date für den Weihnachtsball!“, frohlockte Claire und ließ sich in einen Sessel fallen. „Kaum zu fassen ... ich werde bestimmt nicht mehr schlafen können! Oder essen! Oder mich im Unterricht konzentrieren ... oh Gott, wir haben ja morgen Zaubertränke zusammen! Hoffentlich jage ich den Kerker nicht in die Luft ...“
Während Bluebell still ihre Hausaufgaben machte und Claire ausblendete, schien es bei ihren Mitschülerinnen nun kein anderes Thema als ihre Dates und Festumhänge zu geben. So überraschte es sie auch nicht, als niemand Notiz davon nahm, als sie allen eine gute Nacht wünschte und sich in den Schlafsaal zurückzog.
Ob sie Serena schreiben sollte? Aber eigentlich war es egal, immerhin hatte Bluebell doch von Anfang an gesagt, dass sie nicht zum Weihnachtsball gehen wollte. Wie konnte sie Azrael jetzt also einen Vorwurf machen, wenn er mit Claire ging?
Percy maunzte und sprang zu Bluebell auf die Matratze und rieb seinen Kopf an ihrem Bein.
„Na du“, sagte sie und kraulte ihn hinter den Ohren. „Wir beide machen uns an Weihnachten einen schönen Abend, was meinst du? Vielleicht mal raus auf die Ländereien und in die Sterne schauen ... immerhin haben wir theoretisch bis Mitternacht Ausgang ...“
Percy miaute nur und rollte sich dann auf der Decke zusammen.
Bluebell zog sich um und legte sich ins Bett, fand jedoch keinen Schlaf, zu viele Gedanken kreisten in ihrem Kopf, wanderten zu dem Geschenk, das sie für Azrael gemacht hatte.
Professor Flitwick hatte ihr dabei geholfen, doch das meiste hatte sie alleine geschafft, worauf sie ziemlich stolz war. Natürlich hatte sie niemandem gesagt, was sie vorhatte, nur Azrael sollte eine Notiz bekommen. Aber gerade war sie sich nicht sicher, ob sie ihm dieses Geschenk wirklich geben wollte.
Als die Tür zum Schlafsaal aufging, stellte Bluebell sich schlafend und die anderen verhielten sich entsprechend leise.
Doch in Wahrheit tat Bluebell die ganze Nacht kein Auge zu, sondern wälzte sich in ihrem Bett hin und her, sodass Percy irgendwann zu Peony flüchtete, um seine Ruhe zu haben.
Wie sehr wünschte Bluebell sich gerade, dass Jack noch in Hogwarts wäre, er hätte ihr bestimmt helfen können.
Vielleicht sollte sie ihm am nächsten Morgen einfach mal eine Eule schicken. Oder Percy. Er würde sich bestimmt freuen, Jack mal wieder zu sehen.
Als es schließlich Zeit zum Aufstehen war, machte sie sich vor allen anderen fertig und war eine der ersten beim Frühstück.
Während sie ihren Kaffee trank, schrieb sie an dem Brief an Jack und war fertig, als ihre Mitschülerinnen sich zu ihr setzten.
Claire konnte immer noch von nichts anderem reden als davon, dass sie mit Azrael zum Weihnachtsball gehen würde und hielt die ganze Zeit Ausschau nach ihm.
Als er schließlich die Große Halle betrat, stand sie auf und ging zu ihm, um ihm noch einmal persönlich zu sagen, dass sie gerne mit ihm zum Ball gehen würde.
Bluebell verabschiedete sich von ihren Freundinnen und ging hinunter in den Gemeinschaftsraum, um Percy mit dem Brief zu Jack zu schicken und ihre Sachen zu holen, bevor sie zu Zaubertränke ging.
Wie nicht anders zu erwarten, war sie die erste in den Kerkern und setzte sich an einen der hintersten Tische, in der Hoffnung, von ihren Mitschülern unbeachtet zu bleiben.
Wie erwartet kam Claire zusammen mit Azrael in den Kerker, der sich kurz umsah, Bluebell entdeckte und zu überlegen schien, ob er sich zu ihr setzen sollte.
Claire bemerkte das, verabschiedete sich und setzte sich zu einer ihrer Bekannten aus Gryffindor.
„Guten Morgen“, sagte Azrael vorsichtig, als er sich zu Bluebell setzte.
„Hi“, erwiderte sie und vermied es, ihn anzusehen.
„Darf ich mich zu dir setzen?“
„Klar“, antwortete sie. „Claire hat sich wahnsinnig gefreut ... viel Spaß euch beiden.“
„Danke“, meinte er und packte seine Sachen aus. „Sie ist ... nett.“
Bluebell kam nicht dazu, etwas zu erwidern, da Slughorn den Kerker betrat.
„Wir machen heute etwas Fröhliches“, sagte er und rieb sich die Hände. „Einen kleinen Wettbewerb. Derjenige, der mir den weihnachtlichsten Trank braut, bekommt am Ende der Stunde eine der Weihnachtsspezialitäten aus dem Honigtopf! Los, los, überraschen Sie mich!“
Bluebell schlug ratlos ihr Buch auf. Etwas Weihnachtliches ... was sollte das denn sein?
Azrael hingegen schien schon einige Ideen zu haben, denn er bereitete bereits seine Zutaten vor.
Als er Bluebell Blick bemerkte, lächelte er.
„Kann ich dir helfen?“, fragte er.
Bluebell war kurz versucht, zu nicken, aber dann schüttelte sie den Kopf.
Es war nicht so, dass Azrael ihr noch nie geholfen hätte, sie beide waren schließlich Freunde, aber im Moment ... nicht nach der Sache mit Claire. Dem Weihnachtsball.
„Ich glaube, ich habe schon eine Idee“, sagte sie, obwohl das nur halb der Wahrheit entsprach. Aber es musste einen Trank geben, der einem das Gefühl vermittelte, sich an Weihnachten inmitten einer glücklichen Familie zu befinden ... ein wohlig warmes Gefühl.
Am Ende der Stunde roch ihr Trank nach Lebkuchen, glitzerte fröhlich vor sich hin und hickste ab und zu. Offenbar war ihm der Schluck Feuerwhisky nicht so ganz bekommen.
Azrael hatte natürlich wieder alle Register gezogen und seinen Trank irgendwie dazu gebracht, so zu köcheln, dass es sich anhörte, als blubberte er Weihnachtslieder.
Bluebell neidete ihm seinen Erfolg nicht, dennoch kam sie sich neben ihm gerade besonders untalentiert vor. Claire hingegen ... ihr Trank sah aus, als würde er aus tausenden kleiner Diamanten bestehen. Sie war eindeutig besser für Azrael als Bluebell.
Auch Slughorn schien das so zu sehen, denn er kürte Azrael und Claire zu den Siegern.
Am Ende der Stunde, als sich alle verabschiedeten, hörte Bluebell, wie Slughorn Azrael vorschlug, Claire doch mit zu seiner Weihnachtsfeier zu bringen.
Bluebell blieb nicht mehr lange genug im Klassenzimmer, um zu hören, was er antwortete. Gerade war sie froh, dass sie Wahrsagen ohne ihn hatte und sich nur auf sich selbst konzentrieren konnte.
Wahrsagen war dafür immer eine gute Gelegenheit, obwohl sie eigentlich selbst nicht wusste, wieso sie das Fach behalten hatte. Es hatte keinerlei praktischen Nutzen, schon gar nicht für den Beruf, den sie anstrebte. Wobei sie sich nicht einmal ganz sicher war, welche Richtung sie einschlagen sollte.
Im Klassenraum setzte sich sich in eine Ecke und wartete auf den Beginn der Stunde. Vielleicht würden sie sich heute wieder mit Astrologie beschäftigen, dann hatte ihr Kopf wenigstens genug zu tun, um nicht an Azrael denken zu müssen.
Außer ihr waren nur noch vier andere Schüler in diesem Kurs, zwei aus Ravenclaw, einer aus Gryffindor und jemand aus Slytherin, doch mit allen hatte sie wenig zu tun.
Professor Delphi, die Professor Trelawney abgelöst hatte, erfüllte Bluebell immerhin ihren Wunsch. Ihre heutige Aufgabe bestand darin, ein möglichst exaktes Geburtsthoroskop zu erstellen und zu entscheiden, wie das Horoskop des perfekten Partners aussehen müsste.
„Immerhin ist Weihnachten das Fest der Liebe“, sagte Professor Delphi. „Und man sollte es mit jemandem verbringen, den man liebt und nicht mit jemandem, den man am liebsten umbringen möchte.“
Bluebell schlug ihre Tabellen auf und versuchte, die Aufgabe möglichst schnell hinter sich zu bringen. Konnte Weihnachten nicht einfach ausfallen? Das Fest der Liebe, Weihnachtsball ... was würde denn noch alles kommen? Sie war sich bewusst, dass sie überreagierte, dass sie sich die Sache mit Azrael mehr oder weniger selbst in die Schuhe zu schieben hatte ... aber da war diese leise Hoffnung gewesen, dass da mehr als nur Freundschaft zwischen ihnen war. Und ein letzter Ausweg wollte sie nicht sein, schon gar nicht, wenn Azrael sie nur fragte, weil er Angst vor Aglaia hatte.
Als es schießlich zum Mittagessen läutete, ging sie hinunter in die Große Halle und versuchte, nicht auf Claire und Azrael zu achten, die fröhlich plaudernd ihren Weg kreuzten.
Vielleicht sollte sie mal die Horoskope der beiden vergleichen, möglicherweise waren sie ja ein perfektes Paar.
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