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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
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29.410
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11.12.2019 1.361
 
Emilia hatte eigentlich nicht erwartet, dass auf den Schiff Weihnachten gefeiert wurde – nichtsdestotrotz hatte sie für die Mannschaft kleine Geschenke besorgt und ein paar neue Filme und Spiele für den Gemeinschaftsraum beigesteuert.
Jetzt allerdings klopfte es an ihrer Tür.
Als sie öffnete, standen Devin und Braden vor ihr, die ihr einen dicken und viel zu großen Pullover vor die Nase hielten.
„Selbst gestrickt“, sagte Braden stolz. „Komm mit, wir treffen uns im Gemeinschaftsraum zum Singen und Punsch trinken.“
„Wirklich?“, fragte Emilia und streifte den Pullover über. Er ging ihr fast bis zu den Knien und die Ärmel reichten weit über ihre Hände.
„Ups. Augenmaß ist wohl nicht so meins“, sagte Braden.
Emilia stand etwas ratlos in der Tür, doch dann begann sie zu lachen.
„Er ist großartig!“, sagte sie. „Vielen, vielen Dank!“
„Er ist aber nicht besser als mein Willkommenspullover, oder?“, fragte Devin.
„Nicht besser, aber genausogut“, erwiderte Emilia. „Na gut, lasst uns gehen. Geschenke gibt es aber erst morgen früh, die Crew ist schließlich international.“
„Du bist gemein“, beschwerte sich Braden. „Du hast deins jetzt schon bekommen ...“
„Stimmt“, sagte Emilia. „Na gut. Ich bin schließlich Deutsche, heute ist Heiligabend.“
Sie ging noch mal zurück in ihren Schlafbereich und holte die Geschenke für die Crew.
Ihre Reise dauerte nun bereits drei Monate und Emilia fühlte sich mittlerweile viel sicherer als noch zu Beginn der Fahrt.
Die Freundlichkeit der Crew hatte nicht abgenommen und Emilia hatte etwas wie ein Heimatgefühl entwickelt. Ihr Zimmer war ihr Zimmer und das Schiff ihr Haus. Die Crew war zu ihrer Gastfamilie geworden, die sie lieben gelernt hatte.
„Helft ihr mir tragen?“, fragte Emilia, als sie mit einem Stapel Päckchen wieder auftauchte. „Ich möchte nicht, dass etwas runterfällt.“
Braden und Devin nahmen Emilia die Geschenke aus den Armen und warteten, bis sie ihre Tür abgeschlossen hatte.
„Habt ihr irgendwas Besonderes geplant?“, fragte Emilia auf dem Weg. „Oder wird das einfach nur ein nettes Beisammensein?“
„Wie gesagt, es wird gesungen und ein wenig Punsch getrunken. Ansonsten ... nun, das Highlight dürften deine Geschenke sein.“
„Dann hoffe ich mal, dass sie keine Enttäuschung sein werden“, murmelte Emilia und zupfte an den Ärmeln ihres neuen Pullovers.
„Ach, Unsinn“, meinte Braden. „Geschenke sind immer was Tolles.“
Emilia nickte nur, plötzlich hatte sie wieder Herzklopfen und hoffte, dass den anderen die Geschenke wirklich gefielen.
Als sie im Gemeinschaftsraum ankamen, saßen die Männer schon um einen künstlichen Weihachtsbaum herum, tranken Punsch und diskutierten darüber, welche Weihnachtslieder gesungen werden sollten.
„Wir haben sie!“, rief Braden, als er die Tür hinter sich schloss.
„Habt ihr ... Wetten abgeschlossen?“, fragte Emilia unsicher.
Devin seufzte.
„So halb“, gestand er. „Wir waren alle nicht sicher, ob du wirklich zu unserer kleinen Weihnachtsfeier kommen würdest. Die Verlierer bekommen beim Schrottwichteln zwei Geschenke, mehr nicht.“
„Schrottwichteln? Das habt ihr mir nicht gesagt“, meinte Emilia. „Oder ist das eure Tradition?“
„Erst seit heute“, sagte Robert. „Als Wetteinsatz, wenn du so willst.“
Es wurde ein lustiger Abend und Emilia war froh, dass Braden und Devin sie dazugeholt hatten.
Die beiden hatten sich den nächsten Tag freigenommen und begleiteten Emilia nach der Feier zurück zu ihrer Kammer.
„Wieso habt ihr meine Geschenke nicht aufgemacht?“, fragte Emilia, als sie vor ihrer Tür standen. „War es doch zu ungewohnt, sie schon am 24. Dezember aufzumachen?“
„Eigentlich nicht“, antwortete Braden. „Wir wollten nicht, dass alle zusehen ... außerdem haben wir noch etwas für dich.“
„Noch was? Wieso denn das?“, fragte Emilia überrascht. „Wollt ihr ... vielleicht noch kurz reinkommen?“
Sie öffnete die Tür und achtete gar nicht darauf, ob Braden und Devin ihr folgten. Wieso wurde sie jetzt nervös? Sie kannte die beiden doch schon seit drei Monaten, Alkohol hatte sie heute Abend nicht getrunken und sie wusste mittlerweile, dass die beiden ein Paar waren. Es gab überhaupt keinen Grund für Herzflattern.
Außerdem waren die zwei oft genug bei ihr gewesen, sie hatten oft genug zusammen gesessen und Tee getrunken. Heute war nichts anders, außer, dass Weihnachten war.
Emilia setzte sich auf ihr Sofa, Braden und Devin sich wie üblich zu beiden Seiten neben sie.
Devin zog eine kleine Box aus seiner Hosentasche.
„Das hier haben Braden und ich bei unserem letzten Landgang gesehen und wir waren beide der Meinung, dass es dir gefallen könnte“, sagte er. „Es ist vielleicht nicht so toll wie der Pullover, aber vielleicht freust du dich ja trotzdem.“
„Bestimmt“, versicherte Emilia und öffnete neugierig die Schachtel. „Vielen Dank!“
Sie schob das Schonpapier zur Seite und zum Vorschein kam eine Kette mit einem hübschen, filigranen Vogelanhänger.
„Der ist ja wunderschön!“ Staunend betrachtete sie ihr Geschenk von allen Seiten und wusste gar nicht, wie sie sich bedanken sollte. „Der war doch bestimmt teuer!“
Braden seufzte.
„Ich hatte für einen Moment vergessen, dass du Deutsche bist“, meinte er. „Selbst wenn ... wenn du dich freust, ist es jeden Preis wert.“
Emilia lachte verlegen.
„Tut mir leid ... ja, ich habe so meine Probleme damit, wenn jemand Geld für mich ausgibt ... ich werde versuchen, mich zu bessern. Wobei, ich glaube, das könnte schon fast nicht mehr nötig sein. Mein Geburtstag müsste eigentlich außerhalb meiner Zeit auf dem Schiff liegen, wenn alles gutgeht.“
„Möchtest du sie mal anziehen?“, fragte Devin. „Sie passt zwar nicht so gut zu dem Pullover, aber ...“
„Sie passt perfekt dazu“, widersprach Emilia sanft. „Und ja ... gerne.“ Sie wartete, bis Devin ihr die Kette umgelegt hatte, bevor sie fragte: „Wieso eigentlich ein Vogel?“
„Wieso nicht?“, fragte Braden. „Wir fanden einfach, er passt zu dir und haben gehofft, dass er dir gefällt.“
„Tut er“, versprach sie. „Macht ihr jetzt eure Geschenke auf?“
„Wenn du darauf bestehst“, schmunzelte Braden. „Ich hoffe, es ist nichts Gemeines.“
„Das würde Emilia nicht tun“, widersprach Devin, doch auch er war neugierig. Insgeheim hoffte er auf etwas Persönlicheres, die meisten Geschenke an die Mannschaft waren Allerweltsdinge gewesen, wenn man von Robert einmal absah. Aber Robert war eben auch Robert und damit eine absolute Ausnahme.
Emilia war sich mit einem Mal gar nicht mehr so sicher, ob ihr Geschenk eine gute Idee gewesen war, aber jetzt war es auch zu spät, um darüber nachzudenken.
Braden hatte das erste der zwei Kästchen geöffnet und las nun den Zettel, der darin gewesen war. Darauf stand Emilias Adresse.
„Falls ihr mich mal besuchen kommen wollt, wenn ihr Landurlaub habt“, murmelte sie.
Eigentlich rechnete sie schon fast damit, dass die beiden sie auslachen würden, aber dass sie von zwei Seiten auf die Wange geküsst wurde, hatte sie nicht erwartet.
„Das“, sagte Devin, „ist eins der schönsten Geschenke, das du uns hättest machen können.“
„Es ist doch nichts Besonderes“, sagte sie leicht verunsichert und versuchte zu verhindern, dass sie vor Verlegenheit rot wurde.
„Für uns schon“, sagte Braden und bewies ein gewisses Feingefühl, als er sich dem zweiten Päckchen zuwandte, damit Emilia nicht mehr im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stand.
Zum Vorschein kam eine Kette, an der ein Anhänger mit einem Bild von ihnen dreien befestigt war. In Devins Geschenk befand sich ein Briefbeschwerer mit dem selben Motiv.
„Sie sind beide mit Meerwasser gefüllt“, sagte Emilia, bevor einer der beiden den Mund aufmachen konnte. „Damit ihr es nicht so vermisst, wenn ihr an Land seid.“
„Und dich auch nicht?“, fragte Devin und strich Emilia sacht  Haarsträhne aus dem Gesicht.
Jetzt konnte sie nichts mehr gegen die Röte unternehmen, die von ihrem Gesicht Besitz ergriff.
„Vielleicht?“, antwortete sie sehr leise.
Braden und Devin lächelten sich an.
„Wir vermissen dich jetzt schon jeden Tag“, sagte Braden.
Emilia sah ihn überrascht an. Was meinte er damit?
„Was denkst du?“, fragte Devin seinen Partner.
„Ich glaube, ja“, erwiderte Braden, bevor er sich wieder Emilia zuwandte. „Schmuck ist ziemlich einfallslos, aber unheimlich praktisch, weil man damit sehr viel sagen kann.“
Er zog eine Schachtel aus seiner Hosentasche und öffnete sie. Darin lagen drei gleiche Ringe.
„Eigentlich dachteb Braden und ich, dass wir ganz langweilig homosexuell sind. Aber dann kamst du an Bord und vorbei war es mit der Langeweile. Und, nun ...“
„Ich wäre gern ein Teil eurer Beziehung“, sagte Emilia leise, als Devin nicht weitersprach. „Wenn es das ist, was ihr sagen wollt.“
Devin antwortete nur mit einem Lächeln, während Braden sanft ihre Hand nahm und einen der Ringe an ihren Ringfinger steckte.
„Du weißt, was das heißt, oder?“, fragte er Emilia. „Jahrestag vergessen gilt nicht.“
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