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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
30
29.410
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17.12.2018 446
 
„Und du bist sicher, dass ich nicht störe?“, fragte Rosalie unsicher. „Ich meine … sind Geister nicht … na ja, schüchtern?“
Malphas schüttelte den Kopf.
„Nicht unbedingt“, sagte er. „Du darfst nicht vergessen, dass sie einmal lebendige Menschen waren, wie du und ich. Manche stellen sich gerne zur Schau, andere nicht.“
„Hm.“
Rosalie wusste nicht genau, was sie davon halten sollte. Ihr gefiel der Gedanke eines schüchternen Geistes um einiges besser als der an einen, der Besucher nur zu und zu gern erschreckte.
„Hey.“ Malphas sah sie besorgt an. „Wenn es dir zu unheimlich ist, kann ich dich nach Hause bringen. Mein Job ist nicht jedermanns Sache, das weiß ich.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Unsinn, ich wollte unbedingt mitkommen, vor allem, weil Weihnachten ist und du das nicht alleine mit irgendwelchen Gespenstern verbringen sollst. Und ich war ja neugierig auf deine Arbeit. Ich sollte mich nicht so anstellen, entschuldige.“
Doch Malphas lächelte sie nur an.
„Du hast keinen Grund, dich zu entschuldigen“, sagte er. „Wie gesagt, meine Arbeit ist nicht jedermanns Sache und allein, dass du bei mir sein wolltest, freut mich ungemein. Es sind immer die Gedanken, die zählen, Rosalie.“
Als sie etwas erwidern wollte, ertönte ein Knacken aus Malphas' Instrumenten.
„Wir haben Besuch“, sagte er. „Die letzte Chance, wenn du gehen möchtest.“
Sie schüttelte den Kopf, saß jedoch im nächsten Moment auf seinem Schoß, als irgendwo ein Kinderchor begann, Weihnachtslieder zu singen.
Malphas legte die Arme um sie und strich Rosalie beruhigend über den Rücken.
„Keine Angst“, sagte er. „Im Allgemeinen sind Kindergeister recht harmlos. Vor allem, wenn sie im Feuer zu Tode gekommene Sternsinger sind.“
Er sah zur gegenüberliegenden Wand und Rosalie folgte seinem Blick. Tatsächlich standen dort Kinder, die aussahen, als hätten sie sich verkleidet. Nur ganz leicht war ein Schimmern wahrzunehmen, das von ihnen ausging.
Malphas schwieg und hörte ihnen zu, ebenso wie Rosalie. Als die Kinder verstummten, lächelten sie und lösten sich in Luft auf. Die Instrumente gaben keinen Ton mehr von sich.
„Ich glaube, wir sind hier fertig“, sagte er. „Anscheinend wollten diese Geister nur, dass ihnen jemand zuhört …“ Er seufzte. „Die armen. Aber jetzt sind sie erlöst. Hast du Lust, für einen heißen Kakao noch mit zu mir zu kommen? Keine Geister mehr für heute, versprochen.“
Rosalie nickte. Sie war sich nicht sicher, was sie gerade miterlebt hatte, aber es war gruselig genug gewesen. Nur Malphas …
„Können wir noch kurz bei mir vorbei?“, fragte sie, als sie aufstand. „Ich dachte, es sei irgendwie pietätlos, in einem Spukhaus Geschenke zu verteilen, also liegen sie noch bei mir daheim. Wir könnten noch eine verspätete Weihnachtsfeier abhalten, was meinst du?“
Das strahlende Lächeln, das Malphas ihr schenkte, war Antwort genug.
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