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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
30
29.410
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Dieses Kapitel
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15.12.2018 794
 
„Du hättest mich vorwarnen können!“, fluchte Nika, nachdem sie sich vom ersten Schrecken erholt hatte. „Verdammt noch mal, willst du, dass ich einen Herzinfarkt bekomme?“
Adriel sah sie zerknirscht an.
„Entschuldige bitte“, bat er. „Ich habe vergessen, den Auslösemechanismus auszuschalten. Das passiert mir beim nächsten Mal nicht mehr, versprochen. Es gibt doch ein nächstes Mal, oder?“, fügte er hinzu und sah Nika bittend an.
„Das überlege ich mir noch“, knurrte sie und warf der Puppe einen finsteren Blick zu. Dass Adriels Haus eher einer Geisterbahn als einem Ort zum Wohnen glich, wusste sie ja. Aber dass er eine lebensgroße Horrorpuppe als Begrüßungskomitee verwendete, hatte er ihr verschwiegen. Sie glaubte ihm zwar, dass er einfach nur vergessen hatte, den Mechanismus abzuschalten, aber das machte die Sache nicht ungeschehen. Von dem Schrecken musste sie sich erst mal erholen.
„Hast du einen Espresso für mich?“, fragte sie. „Möglichst ohne weitere Überraschungen, wenn es irgndwie möglich ist.“
„Versprochen“, versicherte er und führte Nika in die Küche, um ihr den gewünschten Espresso zu machen. „Ein einfacher oder ein doppelter?“, fragte er. „Und magst du ein Glas Wasser dazu? Einen Keks?“
„Gerne“, seufzte Nika, die sich langsam wieder beruhigte. Normalerweise war sie nicht so schreckhaft, aber Puppen waren der reinste Alptraum. Sie konnte die Dinger einfach nicht leiden und Filme wie Chucky, Annabelle oder The Boy machten es nicht besser – die sie sich dank ihrer Freundinnen alle hatte ansehen dürfen.
Die Kaffeemaschine begann zu rumoren und einen Moment später wehte ihr der entspannende Duft von Kaffee in die Nase. Nika hatte sich wieder so weit im Griff, dass sie sich in der Küche umsehen konnte. Als sie hereingekommen war, hatte sie sich einfach auf einen Stuhl gesetzt, ohne wirklich auf ihre Umgebung zu achten.
Während der Rest des Hauses an das Set eines Horrorfilms erinnerte, war die Küche überaus modern eingerichtet – und sehr hell. Nika saß an einer Bar aus Apfelholz, auf der eine Vase mit rosafarbenen Blumen stand. Hatte Adriel sie vielleicht extra für sie dorthin gestellt?
Adriel stellte die Tasse und das Glas Wasser vor Nika auf die Bar, er selbst begnügte sich mit einem Glas Orangensaft.
„Möchtest du das Wohnzimmer sehen?“, fragte er, sobald Nika ihren Espresso geleert hatte. „Es erwarten dich auch keine Puppen, versprochen.“
„Nur anderer Gruselkram?“, schmunzelte Nika, mittlerweile wieder besänftigt. „Na gut, gehen wir ins Wohnzimmer. Ich hoffe, du hast Lebkuchen und Plätzchen da!“
Adriel führte seinen Gast durch den Flur und achtete penibel darauf, nicht an einen versteckten Mechanismus zu kommen, für den Fall, dass er auch hier vergessen hatte, einen auszuschalten.
„Vertraust du mir genug, die Augen zuzumachen?“, fragte er, die Hand schon an der Türklinke.
„Bei so einer Frage eigentlich schon aus Prinzip nicht, aber ich bin gespannt, was du vorhast, also ja“, seufzte Nika und schloss die Augen.
Adriel lächelte.
„Nicht mogeln“, warnte er noch vor, bevor er die Tür öffnete und Nika sacht in das Zimmer geleitete. „So … du darfst die Augen wieder aufmachen.“
Als Nika sich an das Licht gewöhnt hatte, klappte ihr vor Staunen der Mund auf. Sie hatte eigentlich schon mit einer Höhle des Horrors gerechnet, aber das hier war das genaue Gegenteil. Adriel schien sich Requisiten aus jedem Weihnachtsfilm besorgt zu haben, derer er habhaft werden konnte.
„Wahnsinn“, entfuhr es ihr. „Das ist ja …“
„Wie im Märchen?“, schlug Adriel vor und führte Nika zu einem Sessel, den er zu einem Thron umgestaltet hatte. „Ich hoffe doch, mindestens die Hälfte hier stammt aus Märchenfilmen.“
„Wie cool!“
Nika sah sich mit leuchtenden Augen um. „Nach dem ganzen Horrorkram … ich hätte ja nicht gedacht, dass du auch noch eine andere Seite hast …“
Adriel lachte. „Tja, ich stecke voller Überraschungen. Frag mal meine Schüler und das Kollegium, die könnten dir Geschichten erzählen …“
„Mache ich bei Gelegenheit“, versprach Nika und sah sich weiter um, spähte in jede Ecke und betrachtete auch noch das kleinste Objekt, das sich harmonisch in das große Ganze einfügte.
„Wieso bist du nicht Innenarchitekt oder Innenausstatter oder sowas geworden?“, fragte sie neugierig. „Ich meine … das ist genial! Und du könntest richtig viel Geld verdienen!“
Adriel verzog das Gesicht. „Ehrlich gesagt, ich habe es versucht, aber die Kunden, die ich hatte … nein, vielen Dank. Gut, manche Eltern sind auch nicht besser, aber ihnen überlasse ich wenigstens kein Stück meiner Seele. Zu viele Leute wollen einfach nur einen möglichst eindrucksvollen, prächtigen Raum, um damit andere neidisch zu machen oder zu zeigen, wie toll sind sie. Nicht, um ihnen eine Freude zu machen oder sich selbst daran zu erfreuen. Mit solchen Menschen möchte ich möglichst wenig zu tun haben, ehrlich gesagt.“
„Dann fühle ich mich geehrt, dass du das alles für mich gemacht hast“, lächelte Nika. „Es ist wirklich wunderschön.“
„Dann passt es wunderbar zu meinem Gast“, erwiderte Adriel und zwinkerte ihr zu. „Fröhliche Weihnachten, Nika.“
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