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Adventskalender

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12
30.11.2018
24.12.2019
30
29.410
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10.12.2018 532
 
„Wo soll ich den Flügel hinstellen?“
Lilian hielt die Musik an.
„Macht eine Pause“, sagte sie zu ihren Schülerinnen. „Fünf Minuten.“ Dann wandte sie sich an den Mann, der das Instrument gebracht hatte.
„Dort hinten in die Ecke, bitte“, sagte sie.
Der Mann schob den Flügel an ihr vorbei, stolperte jedoch über eine unebene Stelle auf dem Boden und fiel der Länge nach hin. Die Mädchen kicherten, manche verhalten, manche offen, und auch Lilian musste an sich halten.
Jemanden wegen seiner Tollpatschigkeit auszulachen war nicht nett.
„Ist Ihnen was passiert?“, fragte sie und reichte ihm eine Hand, um ihm aufzuhelfen.
„Geht schon“, versicherte er. „Das Parkett ist nur so verdammt glatt … hätte eigentlich damit rechnen können, ich besuche schließlich nicht das erste Mal ein Ballettstudio.“
Er rappelte sich auf, griff in seine Hosentasche und förderte einen Quittungsblock zutage.
„Wenn Sie mir den Erhalt bitte bestätigen würden …“
„Natürlich.“
Lilian setzte ihre Unterschrift auf einen der Zettel, ohne den Inhalt wirklich zu lesen.
„Bitte. Vielen Dank für Ihre Mühe, das Geld bekommen Sie fristgerecht. Einen schönen Tag noch.“
Sie lächelte ihn noch einmal an und wandte sich dann wieder ihren Schülerinnen zu.
„Es geht weiter!“, rief sie und beachtete den Lieferanten nicht weiter, der sich schmunzelnd aus dem Staub machte.
Lilian überwies in den nächsten Tagen das Geld für den Flügel und vergaß den Lieferanten wieder – bis er eine Woche später wieder in ihrem Studio stand, in der Hand einen Strauß Blumen.
„Habe ich was verpasst?“, fragte sie, nahm das Geschenk jedoch entgegen. „Haben Sie eine Beule in den Flügel gemacht oder sowas?“
„Ich bin wegen unserer Verabredung hier“, antwortete er. „Mein Name ist übrigens Tuomas, ich kam noch nicht dazu, mich vorzustellen.“
Er zwinkerte ihr zu und verbiss sich das Lachen, als er ihren verwirrten Gesichtsausdruck bemerkte.
„Haben Sie die Quittung für den Flügel noch?“, fragte er. „Schauen Sie noch mal drauf, Sie haben zugestimmt, sich heute mit mir zu verabreden.“
„Ich habe was?“ Lilian fiel förmlich die Kinnlade herunter, bevor sie sich auf die Suche nach dem Zettel machte.
Tatsächlich: Sie hatte für eine Verabredung unterschrieben. Wieso hatte sie sich die Quittung auch nicht durchgelesen?
Sie sah Tuomas an, der sie nur angrinste. Er schien sich prächtig zu amüsieren.
Lilian war kurz davor abzulehnen, andererseits … wieso sollte sie nicht mit ihm ausgehen? Sie hatte schon länger keine Verabredung mehr gehabt, Tuomas hatte offensichtlich einen Sinn für Humor und sie war kein Feigling. Außerdem hatte sie selbst schuld, den Eltern ihrer Schülerinnen predigte sie immer wieder, sich den Vertrag für die Anmeldung genau durchzulesen. Schon doof, wenn sie sich selbst nicht an ihren Rat hielt.
„Also gut. Ich wollte ohnehin nur noch aufräumen und duschen. Können Sie eine halbe Stunde warten? Dann können wir los. Aber damit eins klar ist, ich steige nicht zu Ihnen ins Auto und wir gehen in ein gut besuchtes Lokal. Verstanden?“
Tuomas salutierte. „Zu Befehl, Ma'am“, sagte er. „Ich warte hier.“
Lilian nickte. „Bis gleich.“
Sie drehte sich um, bevor er ihr Lächeln sehen konnte. Irgendwie mochte sie ihn.
Tuomas grinste ebenfalls. Er hatte nicht geglaubt, dass seine Unverschämtheit ihm wirklich eine Verabredung einbringen würde. Er war gespannt, was der Abend noch bereit hielt.
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