24 Türchen bis zur Glückseligkeit

von MonaGirl
GeschichteHumor, Romanze / P12
29.11.2018
01.01.2019
31
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Natalie


Als meine beste Freundin und Kollegin an diesem Tag den kleinen Buchladen, der uns beiden gehörte, betrat wusste ich, dass etwas anders war als sonst. Lucys Augen strahlten förmlich, und es dauerte nicht lange, bis ich den Grund für ihr gute Laune herausgefunden hatte.

„Oh... mein... Gott!“, stieß ich hervor, als ich den funkelnden Diamantring an ihrer linken Hand entdeckte. „Ist das etwa ein Verlobungsring?!“

Lucy strahlte mich an. „Du weißt doch, dass ich das Wochenende mit Warren in Big Bear Lake war?“

Ich nickte. „Du hast erzählt, dass seine Eltern dort ein Ferienhaus haben.“

„Es hatte geschneit, und wir waren im Wald und haben einen Spaziergang gemacht“, fuhr Lucy fort. „Und dort hat er mir dann den Antrag gemacht.“ Sie presste die linke Hand gegen ihre Brust und seufzte theatralisch. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie romantisch das war. Nur er und ich und der Schnee, der leise vom Himmel fiel und sich wie Puderzucker auf die Bäume und die Hügel legte.“

Ich unterdrückte den Impuls, mit den Augen zu rollen. Lucy besaß nicht nur einen Buchladen, sie schrieb auch selber; meist kitschige Liebesromane, die immer mit einem Happy End endeten. Viel zu unrealistisch für meinen Geschmack. Doch ich unterstützte sie bei ihren Bemühungen, eines Tages selber ihr eigenes Buch herauszubringen und dann hier zu verkaufen. Es war ihr großer Traum; oder besser einer ihrer großen Träume, denn ein anderer war gewesen, ihre große Liebe zu heiraten. Lucy und Warren hatten sich auf der Highschool kennen und lieben gelernt. Und obwohl sich ihre Wege kurzzeitig getrennt hatten, weil jeder seiner Karriere nachgegangen war, war ihre Liebe nie ganz erloschen.  Warren hatte Veterinärmedizin studiert und besaß nun seine eigene Tierarztpraxis in Los Angeles; Lucy hatte eine Ausbildung zur Bibliothekarin absolviert und einige Jahre später mit mir zusammen einen Buchladen eröffnet. Lucy und ich waren Freundinnen, so lange ich denken konnte. Unsere Familien waren Nachbarn gewesen, und so war es nicht verwunderlich, dass wir zusammen aufgewachsen, in denselben Kindergarten und auch dieselbe Schule gegangen waren und auch die gleichen Interessen teilten.

„Habt ihr auch schon einen Termin?“, fragte ich neugierig und schaute mir den Diamantstein genauer an. Warren schien als Tierarzt gut zu verdienen, denn der Ring sah nicht gerade billig aus.

„In vier Wochen“, sagte Lucy und räusperte sich verlegen. „Genauer gesagt, am Weihnachtsfeiertag.“

„W-was?“, stotterte ich und schaute sie ungläubig an. „Das ist schon in vier Wochen!“

„Ja, ich weiß. Das sagte ich doch gerade.“

„Du willst in vier Wochen heiraten?“, fragte ich noch einmal nach, weil ich es immer noch nicht ganz glauben konnte.

Lucy nickte und strich sich dann eine Strähne ihres kastanienfarbenen Haares hinters Ohr. „Ich weiß, dass es sehr kurzfristig ist, aber du weißt doch, dass es immer mein Traum war, eine Weihnachts-Braut zu sein.“

„Ja, ich weiß“, murmelte ich und erinnerte mich daran, wie oft Lucy mir schon als Teenager in den Ohren gelegen hatte, wie toll es sein müsste, im Schnee zu heiraten. Jetzt war sie 27, und an ihrem Wunsch hatte sich seitdem nichts geändert. Ich bibberte direkt bei der Vorstellung daran, wie kalt es sein musste, in einem dünnen Hochzeitskleidchen durch den Schnee zur Kirche zu stapfen. Ich war zwar noch lange nicht so weit, überhaupt an Hochzeit zu denken, trotz meiner fortgeschrittenen 26 Lebensjahre, aber ich persönlich bevorzugte Sonne und Wärme. Eine Strandhochzeit im Sommer wäre genau das richtige für mich.

„Willst du meine Brautjungfer werden?“

Lucys Frage riss mich jäh aus meinen Gedanken. „Ähm... ja... natürlich“, stotterte ich. „Sehr gerne.“ Ich forcierte ein Lächeln. War es nicht die Aufgabe einer Brautjungfer, sich um alles zu kümmern, was die Hochzeit anging? Mein Kopf schwirrte. Wieso hatte ich 'ja' gesagt? Ich hatte doch gar keine Ahnung, was ich tun musste. Und ich hatte nur noch 24 Tage Zeit, um das herauszufinden.

Danke, Natalie! Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann!“

Als Lucy mich überschwänglich umarmte wusste ich, dass es zu spät war, jetzt noch einen Rückzieher zu machen. „Wo soll die Hochzeit denn stattfinden?“, fragte ich vorsichtig nach.

„In Big Bear Lake“, sagte Lucy, während ihre Augen zu leuchten begannen. „Es gibt dort eine total süße kleine Kirche in den Bergen. Genau so habe ich mir meine Hochzeit immer vorgestellt."

Also war doch Bibbern angesagt, schoss es mir durch den Kopf. Ich wusste, dass es in dieser Zeit des Jahres besonders kalt dort oben war; ganz anders als hier, in Los Angeles, wo auch die Temperaturen im Dezember noch über Null waren. Ich verfluchte Warren im Stillen, dass er ihr nicht schon im letzten Sommer den Antrag gemacht hatte. Zumindest hätte ich dann noch etwas länger Zeit gehabt für die Hochzeitsvorbereitungen.

„Die anschließende Feier findet im Ferienhaus von Warrens Eltern statt. Das ist wirklich riesig, beinahe so groß wie eine Villa. Sie haben alleine sechs Gästeräume. Kein Problem also, dich dort in einem unterzubringen.“

Mein Kopf zuckte hoch. „Was hast du gesagt?“ Hatte ich richtig verstanden, dass sie wollte, dass ich mit nach Big Bear Lake kam?

„Ich sagte, dass es kein Problem wäre, dich dort in einem der Gästezimmer unterzubringen“, wiederholte sie noch einmal geduldig.

„Ich soll mitkommen?“, fragte ich ungläubig.

„Natürlich musst du mitkommen“, sagte Lucy und zog die Stirn kraus. „Du bist doch meine Brautjungfer.“

Sie sagte das mit so einer Selbstverständlichkeit, dass ich dem kaum etwas entgegensetzen konnte. Doch eine Sache gab es noch. „Was ist mit dem Laden?“ Ich schaute mich um. „Wir können es uns nicht erlauben, jetzt zu schließen. Gerade jetzt nicht, wo das Weihnachtsgeschäft boomt.“

„Es 'boomt' schon lange nicht mehr“, sagte Lucy traurig. „Die meisten ordern ihre Bücher übers Internet, seitdem die eBooks in Mode gekommen sind.“

Ich musste ihr im Stillen recht geben. Heutzutage gab es nur noch wenige Kunden, die sich in unseren kleinen Buchladen verirrten. Möglicherweise würde man gar nicht bemerken, wenn wir schließen würden. „Okay“, stimmte ich nach einem kurzen Moment des Zögerns zu. „Ich begleite dich.“

„Du bist die beste Freundin, die ich jemals hatte“, sagte Lucy glücklich und umarmte mich.

„Ich bin deine einzige beste Freundin“, korrigierte ich sie schmunzelnd. „Wann wollen wir losfahren?“

„Wenn du willst, sofort“, sagte Lucy, und ich konnte die Euphorie in ihrer Stimme hören. „Aber pack dicke Sachen ein. Es ist ziemlich kalt dort oben.“ Sie lachte. „Ich rufe jetzt Warren an. Er soll seinen Eltern sagen, dass wir kommen. Wir können dann auch gleich mit den Hochzeitsvorbereitungen beginnen.“

Das kleine Glöckchen über der Tür bimmelte, als Lucy den Buchladen verließ. Seufzend klappte ich meinen Laptop auf und tippte 'Aufgaben einer Brautjungfer“ ins Suchfenster von Google. Dutzende von Links wurden mir angezeigt, und ich klickte einen an und begann zu lesen.
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