Zorn

von Dhyani
GeschichteSci-Fi / P16
28.11.2018
09.12.2018
7
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Die Leute verarbeiten die Information, nur um sich in weiteren Mutmaßungen über Sinn und Zweck einer derartigen militärischen Operation zu ergehen. Eine Antwort auf das 'Warum' und 'Wieso' finde ich nicht relevant. Vielmehr gilt es, Optionen abzuwägen, die ein Entkommen aus dieser Teufelei ermöglichen. Just in diesem Moment erhellt ein Geistesblitz meine Gedankenwelt.

Mit neuer Energie bereite ich mich auf den Abmarsch vor. Hake die Feldflasche und den Klappspaten vom Koppel, stelle es auf meinen Körperumfang ein und schnalle es mir um. Leere meine Wasserflasche und schultere den Rucksack.

Ein Mann in meinem Alter tritt an mich herum und erkundigt sich nach meinem Vorhaben. Die Anderen umringen uns und lauschen der Antwort. Wollen Entscheidungen, ihre unmittelbare Zukunft betreffend. Doch kann ich nur für mich sprechen! Jeder einzelne muss für sich selbst entscheiden. Mit den Konsequenzen leben. Und nicht davon ausgehen, dass andere die Verantwortung übernehmen. Wer es für sinnvoll hält, so sage ich, möge sich mir anschließen. Meine Entscheidungen respektieren und Vorgaben folgen.

Ja, aber!

Das Sturmgewehr in meiner Hand lässt einige Damen und Herren zurückweichen. Genau! Mir steht der Sinn nicht nach Diskussionen! Nicht jetzt!

Ich breche auf. Folge dem sandsteingepflasterten Weg tiefer in den Amselgrund. Vorbei an dem Gebäude der Bergwacht und kleinen Teichen für die Forellenzucht. Passiere die fünf Meter hohe und 35 Meter breite Staumauer und den verwaisten Bootsverleih. Zu meiner Rechten erstreckt sich der Amselsee. Eingerahmt von dichtbewaldeten Berghängen und dem wuchtigen Honigstein-Massiv mit der Lokomotive, einem bekannten Kletterfelsen. Während der Weg bereits von den wärmenden Vormittagssonne beschienen wird, ruht der größte Teil des Stausees im dunklen Schatten der Bäume. Wundervoll und wildromantisch. Imstande, unsere Situation vergessen zu machen. Von den umliegenden Felsen in den Grund reflektierter auf- und abschwellender Lärm von Wellenturbinen und Strahltriebwerken verhindert jedoch das Abdriften der Gedanken in eine heile Welt.

An der Weggabelung am Ende des Amselsees halte ich. Sämtliche Leute sind mir gefolgt - mit mehr oder weniger großem Abstand. Nun schließen sie auf. Derweil wäge ich die Optionen ab. Nach rechts führt der Weg über eine Brücke in den Höllgrund. Wäre das Hohnstein unser Ziel, ginge es dort entlang. Doch ist mir das Städtchen zu weit entfernt. Wir wären lange unterwegs. Zu lange! Daher verwerfe ich diese Möglichkeit und setze den Weg durch den Amselgrund fort. Meine Begleiter folgen mir. Ohne Ausnahme. Tief in mir fühle ich mich in meiner Entscheidung bestätigt. Andererseits kann ich den Umstand, plötzlich Führer einer Gruppe von unbekannten Menschen zu sein, noch nicht wirklich greifen und verstehen. Ich lasse es einfach zu.

Allmählich wandelt sich der Amselgrund in eine Schlucht. Der Weg schlängelt sich um große moosbewachsene Felsbrocken, die sich einst von den steilen Hängen lösten. Hier unten schafft es nicht einmal mehr der Fluglärm an unsere Ohren. Meine Probleme scheinen sich zu entfernen. Ein geeigneter Zeitpunkt, um nachlässig zu werden. Ich kämpfe dagegen an.

Ein weiterer Halt an einem Abzweig. Gerade aus führt der Hauptweg weiter durch den Amselgrund zur Amselfallbaude und weiter nach Rathewalde. Ich wende mich nach links einer steilen Truppe zu, die hinauf in die Schwedenlöcher führt. Deren Ausstieg liegt auf dem Basteimassiv, einem der bekanntesten touristischen Zentren der Sächsischen Schweiz. Dort droben erhoffe ich ausreichend Mitfahrgelegenheiten für mich und meine Begleiter. Dies ist mein Plan. Entschlossen gehe ich ihn an.
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