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Die Wörter der Stille

von Newra90
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann
27.11.2018
08.09.2020
48
135.515
13
Alle Kapitel
140 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.08.2020 4.923
 
Mahalo ihr lieben,

so jetzt ist es soweit das Urteil kommt.
Danke nochmal an Zazzy und ihr viele Geduld. Bist echt die beste BETA die man sich wünschen kann.

aloha

Am Morgen herrscht eine komische Stimmung in der kleinen WG, alle behandeln Ringo wie ein rohes Ei und schleichen um ihn herum. Fast so als würde er jeden Moment explodieren, dabei ist er schon selbst so schrecklich nervös. Nachdem Easy aufgestanden ist, bleibt Ringo zurück und läuft von einer Seite des Zimmers zur anderen.  Die Hände hat er in seiner gewöhnlichen Manier hinter dem Rücken verschränkt. Er spürt das Zittern in seinem Körper und die Angst,  dass er heute in das Gefängnis gehen muss.  Mit einem verächtlichen ,,ach`` bleibt Ringo vor dem Spiegel stehen, sachte fährt er die blauen Flecke an seinen Armen nach. Danach legen sich seine Finger auf den Bruch am Schlüsselbein und wandern hoch zu den dunkel blauen Flecken an seinem Hals.  Er ist angewidert von der Schwäche,
die er in seinen Augen sieht, er will wieder der alte Ringo sein. So wie er war, bevor er mit Easy zusammengekommen ist. Einfach abgebrüht und ohne etwas zu fühlen, aber eigentlich spielt er sich nur etwas vor. Er hat schon immer, auch vor Easy etwas gefühlt. Er war immer allein und Ringo hat sich immer so gefühlt, als sei er nie genug. ,,Hey,`` haucht eine sanfte Stimme von der Tür. Easys Kopf schiebt sich durch den Türspalt und sieht ihn lächelnd an. ,,Hey.`` ,,Ähm,  willst du etwas Frühstücken?`` Kurz überlegt Ringo, schüttelt aber dann entschieden den Kopf: ,,Nein, ich glaub nicht. Mir ist jetzt schon unglaublich schlecht.``
Easy nickt ihm nur zu und verschwindet dann wieder zu den anderen drei in der Küche.
Als Ringo die Küche betritt, starren ihn einige Augen groß an.  Nicht wie erwartet steckt Ringo in einem seiner maßgeschneiderten Anzüge mit der dazu passenden Krawatte. Nein, er trug eine dunkle blaue Hose und ein langärmliges weißes Hemd,  welches nicht wie zu erwarten  bis oben hin zugeknöpft ist. Darüber - da es doch recht frisch ist - ein hell blauer Blouson mit schwarzen Abschlüssen an den Ärmelenden. Die Stille könnte einen regelrecht erdrücken. Die Wohnung erdrückt ihn, seine Freunde, die Wärme in der Wohnung, die Stimmung. Es ist als würde alles auf seine Schulter drücken.
,,Ich geh nochmal vor die Tür.`` lässt er die anderen nur wissen. ,,Hey, ich komm mit, wenn das für dich ok ist. Ich wollte noch kurz zum Büdchen und Emma wegen der kommenden Lieferung einweisen.`` Von Ringo kommt nur ein Nicken, dabei ist er schon auf halben Weg zur Tür. Easy spürt die Blicke der anderen, doch er ignoriert sie er kann gerade einfach nicht anders.
Als er hinter sich die Tür schließt, steht er nicht wie zu erwarten alleine im Flur. Nein, Ringo wartet auf ihn und hält Easy seine Hand hin. Der leichte Druck, den er von Easys Hand spürt, als sich seine Finger um Ringos  Hand schließen nimmt der Jüngere  zufrieden wahr. ,,Ist doch für dich wirklich ok, wenn ich mit runter komme?`` ,,Natürlich wieso solltest du dort oben bleiben, wo einen alle anstarren
als würden wir jeden Moment zusammen brechen?`´ meint Ringo nur. Zusammen treten die beiden
in den Innenhof, erleichtert atmet Ringo die frische Luft ein. ,,Besser?`` fragt Easy nur grinsend. Wieder nickt Ringo nur, dabei sieht er Easy von der Seite an. Abrupt bleibt Ringo stehen und nutzt den Schwung aus um Easy  einmal zudrehen und in seine Arme zu ziehen. Verliebt sieht er den kleineren an: ,,Irgendwie komisch das gerade wir uns verliebt haben, oder?`` ,,Ja schon.`` bemerkt Easy nur nachdenklich. Sein Blick wandert unsicher durch den Hof, bis er wieder Ringo ansieht. Sein Blick ist entschlossen: ,,Aber es ist das beste was mir passieren konnte.`´
Sehr langsam nähert sich Ringo, bis er endlich die Lippen seines Freundes auf seinen spürt.
,,Also ich komm gleich nach ok?`` ,,Ich bin nicht mehr 5, und kann wirklich für 10-20 Minuten auch alleine irgendwo hingehen.`` kontert Ringo leicht genervt. Easy verdreht nur die Augen: ,,Das weiß ich und ich weiß auuuuch, das du erwachsen bist.`` meint Easy grinsend. ,, Ach wirklich?`` stichelt Ringo und lässt nach einem innigen Kuss Easys Hände los. Ohne ein weiteres Wort, macht sich Easy auf dem Weg zum Büdchen. Das erste Mal seit langem das er mit einem guten Gefühl in den Tag startet.
Ringo genießt die Stille am Beach, während er auf Easy wartet. Für einen Moment schließt er einfach nur die Augen. In diesem Augenblick gibt es nichts, außer  das Heben und Senken seiner Brust.
Das gleichmäßige Geräusch seines Atems und den kleinen weißen Wölkchen die sich durch die Luft bewegen.  Genau jetzt ist Ringos Kopf einfach leer. Am liebsten würde er die Schuhe ausziehen und seine Füße in dem weichen Sand vergraben. So wie in Mailand, doch leider ist hier in Köln Winter.
Und das einzige was er davon hätte, wäre eine dicke Erkältung. Ein leichtes Lächeln umspielt Ringos Lippen, seine Gedanken driften ab. Wieder zu der Person, die er eben verlassen musste.
,,Na Hübscher, so alleine hier?`` haucht eine warme Stimme Ringo ins Ohr. Es dauert keine Sekunde, da überkommt Ringos Körper ein Gefühl der Kälte. Gerade so, als hätte ihm jemand einen Eimer eiskaltes Wasser übergegossen.  ,,Du hast wohl auf uns gewartet.`` hört Ringo die Stimme des kleineren. Erschrocken fährt Ringo herum, direkt vor ihm stehen die zwei Männer aus der Turnhalle.  Mit weit aufgerissenen Augen sieht er sie an, sein Körper fängt an zu zittern. Und sein Fluchtinstinkt drängt ihn dazu rückwärts aus zu weichen. Soweit  das er mit dem Rücken gegen den Trailer stößt, genau in dem Moment wird ihm bewusst das er in einem toten Winkel hinter dem Trailer steht. Niemand kann ihn dort sehen, niemand wird ihm helfen oder sehen was passiert. Wie ein gehetztes Tier wandert sein Blick durch die Gegend. Ringo muss schwer schlucken, seine Hände ballen sich
zu Fäusten. ,,Uns wird hier keiner stören, denn hier sieht uns niemand.`` meinte der Größere, so als könnte er Ringos Gedanken lesen. Sein Körper spannt sich an, er zittert vor Wut, Angst  und vor Anspannung. Die zwei Männer grinsen sich fies an und als sie sich auf Ringo zu bewegen, löst Ringo sich endlich aus seiner Schockstarre: ,,Keinen Schritt weiter sonst......sonst.`` ,,Sonst was?`` provoziert ihn der kleinere.  Sein Herz pumpt so schnell Blut durch seine Adern das es fast weh tut. Ringos Kopf ist leer und er wünschte sich nichts sehnlicher,  als aus dieser Situation fliehen zu können. ,,Endlich gehörst du uns.`` sagte der Größere genüsslich und lässt seinen Blick über Ringos Körper wandern. Ihm ist das so unangenehm, er spürt wie sein Körper sich anspannt. Wie die kleinen Haare sich in seinem Nacken aufstellen. Nein, heute wird er nicht schwach sein. An diesem Tag wird nichts passieren, denn er ist Richard Beckmann der Mann mit dem Herz aus Stein. Auch die zwei Männer bemerken die Veränderung, schnell werfen sie sich einen Blick zu. Ringos Haltung ändert sich von einer auf die andere Sekunde, sein Körper ist angespannt und bereit für die Gegenwehr. Seine Augen sind nicht mehr angsterfüllt, sondern voller Wut. Der Kleinere leckt sich über die Lippen, beide Männer stehen nur noch einen halben Meter von Ringo entfernt. Was Ringo irgendwie nervös macht, er kann ihre Hände schon regelrecht spüren. Wie Ihre Finger über seinen Hals gleiten und in den Ausschnitt seines Hemdes wandern, schnell schüttelt Ringo den Gedanken ab. ,,Keine Sorge, wir haben dir was mitgebracht.`` ,,So kommst du auch auf deinen Spaß.`` ergänzt der  kleinere und leckt sich abermals über die Lippen.  Zwischen seinem Daumen und Zeigefinger hält er eine kleine orangene Kapsel,
genau auf der Höhe seiner Augen. Doch sein Blick gilt nicht der Droge, sie gilt seinem Opfer.
Wieder muss Ringo schwer schlucken, er kann sich genau vorstellen was dieser Typ in den Händen hält. Zu oft hat er in den schwulen Clubs davon gehört und auch welche Auswirkungen es auf einen Körper haben kann.
Nervös schaut er sich um, doch weder zu seiner linken noch zu seiner rechten steht etwas, was er zur Verteidigung benutzen könnte.  Er ballt seine Fäuste so fest zusammen, dass sich seine Nägel tief in seine Handinnenflächen bohren. ,,Darauf wirst du richtig abgehen.``  Während die Worte langsam  an Ringos Ohr dringen und sich ihren Weg in seinen Verstand suchen, spürt er es.  Die Übelkeit, die sich langsam in seinem Magen ausbreitet und dafür sorgt, dass er eine Sekunde unachtsam ist. In dieser Zeit haben die zwei Männer die Distanz zwischen sich und Ringo überwunden. ,,Nein, habe ich gesagt, verschwindet sofort. Sonst lernt ihr mich richtig kennen!`` droht Ringo ihnen wütend. Er weiß nicht, woher die Wandlung kommt und wieso seine Stimme den gleichen bedrohlichen Unterton hat wie früher. ,,Wie niedlich, dann lass uns mal spielen Hübscher.`` Mit all seinem Mut überwindet Ringo die Distanz zwischen sich und den Männern: ,,Ich habe gesagt verschwindet sofort.`` ,,Ach ja,`` sagt der große Mann grinsend. Die Hand des Mannes schnellt hervor, um sich gekonnt um Ringos Hals zu legen. Doch er hat nicht damit gerechnet, das Ringo  zurück kontert und die Hand des Mannes weg schlägt. ,,IHR HABT IHN GEHÖRT, HAUT GEFÄLLIGST AB.`` schreit Easys wütende Stimme über den Platz. Erleichtert wandert Ringos Blick zu Easy, seinem Freund.  Rasend vor Wut steht Easy auf der anderen Seite vom Beach, die Augen weit aufgerissen. Sein ganzer Körper bebt, und er muss sich wirklich zurück halten sich nicht irgendeine Stange zu schnappen und die zwei Typen zu verprügeln.  
Ringo erwidert Easys fragenden Blick ob alles ok ist. ,,Verpiss dich! Oder willst du etwa mit machen?`` ,,Ja genau, lass ihn mitmachen.`´ pflichtet ihm der andere bei. ,,Ich hab gesagt ihr sollt von ihm weg gehen.`` ,,Und wer soll uns aufhalten? Du etwa?`` der kleinere geht bedrohlich auf Easy zu. Mit jedem Schritt nähert er sich Easy über die Tanzfläche: ,,Die Polizei?`´  fragt er verächtlich.  Ringo sieht Easys Anspannung und spürt auch seine eigene in jedem Muskel seines Körpers. Das Blut rauscht durch seinen Körper, pulsiert in seinen Adern. Er spürt die Wut und kann gerade noch seine Hände heben,
um sie gegen die Brust des größeren zu drücken, der den Moment genutzt hat um  Ringo überrumpeln zu können. Während Easy aus dem Augenwinkel alles beobachtet, ist der kleinere Mann  bei ihm.
Die schlanken Finger ziehen Easy am Kragen seiner Jacke zu sich, um ihm so genau in die Augen sehen zu können.  In Easys Augen spiegelt sich Angst, Wut und Ekel, was den älteren Mann nur noch mehr anmacht. ,,Ich muss zugeben du hast etwas, ich kann schon verstehen das der Schönling die Beine für dich breit macht.`` flüstert er Easy zu. ,,DIE POLIZEI WOHL AUCH, ABER JETZT, NEHMT IHR EURE FINGER VON DEN BEIDEN. SOFORT!`´ ertönt eine wütende Stimme aus dem Hintergrund. ,,Und wer bist du, das du denkst wir hören auf dich?`` fragt der Mann bei Easy, ohne diesen los zu lassen.
,,ICH BIN DEIN SCHLIMMSTER APLTRAUM, ICH BIN SEIN ANWALT!`´ sagte Tobias  wütend und dreht eine Eisenstange langsam in seinen Händen hin und her.
Es dauert keine 30 Sekunden, da kommt auch die Polizei dazu. Erleichtert sieht Easy den zwei Typen hinter her, als diese abgeführt werden. Er muss erst mal durchatmen. Tobias warme große Hand legt sich auf seine Schulter und übt etwas Druck aus. Als die beiden Freunde rüber schauen, sehen sie wie ihr Freund und Bruder, sich langsam auf die Stufe vor der Bar setzt.
Ringo ist einfach nur froh, dass alles vorbei ist. So wirklich kann er das Gefühl nicht beschreiben, welches durch seinen Körper strömt.  Er sieht nicht auf, während er seine Aussage macht. Auch nicht als sich links und rechts Easy und Tobias neben ihn setzen und er Ihre Arme auf dem Rücken spürt. ,,Eine Frage haben wir noch Herr Beckmann, wir haben diese Droge in der Jackentasche von den Tätern gefunden. Wenn sie gezwungen wurden diese Droge zu nehmen, dann müssen sie uns das sagen.`´ ,,Was ist das?`` fragt Tobias forsch. Fragend sieht der junge Polizist ihn mit seinen blauen Augen an: ,,Ich bin sein Anwalt und sein Bruder.`` erklärt Tobias schnell die Umstände.
Überrascht sieht Ringo ihn an, noch nie hat er gehört wie Tobias ihn so genannt hat ohne die Silbe ‚Halb‘ vor dem Bruder. Tobias erwidert Ringos Blick mit einem leichten Grinsen, doch als er den blonden Polizisten ansieht wird seine Miene wieder ernst. ,,Genau können wir das nicht sagen, in der Szene wird sie nur Flamingo genannt. Sie wird den Opfern in das Getränk gemischt und macht sie in der ersten Phase total benommen und willenlos. In der zweiten Phase wird die Lust der Opfer auf das Äußerste gesteigert, so dass es zum völligen Kontrollverlust und zu Verletzungen kommen kann. Gerade in der schwulen Szene sehr beliebt.  Bisher kam es bei 88% der Opfer die einfach liegen gelassen wurden zu Herzrasen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod. Die genaue Zusammensetzung  ergab einen Cocktail aus verschiedenen Drogen, deswegen muss ich wissen Herr Beckmann ob ihnen diese Droge verabreicht wurde?`` hakt der Polizist  hartnäckig nach.  Ringo schluckt schwer und schüttelt energisch den Kopf als er den Polizisten ansieht. Er spürt den Druck von Tobias Hand auf seinem Rücken und wie Easys Arm in ganz nah an sich zieht. ,,NEIN, nein haben sie nicht. Aber sie wollten........bevor Easy gekommen ist.`` erklärt Richard schnell. Denn er spürt, dass diese Worte einfach ausgesprochen werden müssen. Damit seine Freunde dies hören können, seine Familie.
Er spürt die Erleichterung die Easy und Tobias durchströmt, genauso wie ihn selbst, auch wenn dieser fürchterliche Tag noch lange nicht zu Ende ist.
Mit Easy zusammen entfernt er sich von den Polizisten und den anderen Schaulustigen und auch Tobias gibt  dem Paar diesen Moment denn er spürt das sie ihn gerade jetzt vor der Verhandlung so  sehr brauchen.
Weit kommt Ringo mit Easy jedoch nicht, als  sie gerade am Büdchen ankommen löst sich Easys Hand aus seiner. Mit einem Ruck wird er in zwei starke Arme gezogen und wird fest an die Brust seines Freundes gedrückt. ,,Du bist so unglaublich stark, ich weiß du hättest das auch alleine geschafft.`` ,,Ich bin froh das du da warst.`` haucht Ringo. Gerade noch kann Easy die Handbewegung wahrnehmen mit der Ringo sich schnell die Tränen von den Wangen wischt. Es dauert keine Sekunde, da liegen die schlanken Finger auch auf seiner Wange und wischen ihm die Tränen weg. Ringos Herz rast und er ist sich bewusst, welches unglaubliche Glück er hat das Easy ihn beschützt hat. Ohne sich wirklich klar zu sein, dass er sich selbst damit in größte Gefahr gebracht hat.
Easy spürt das Zittern in Ringos Körper und bemerkt das dunkle blau in seinen Augen. Es passiert immer dann, wenn Ringo verhindert das ihn die Erinnerung einholt. Wenn die Angst in ihm raufkriecht und droht in ins Dunkel zu ziehen. ,,Hey Jungs, ich will nicht stören......aber wenn ich euch irgendwie helfen kann..........ihr wisst schon.`` erklang die warme Stimme von Robert neben dem Paar. Im ersten Moment denkt Easy das Ringo  die Hilfe sofort ablehnen wird, umso überraschter ist er aber, als sich sein Freund höflich bei dem älteren bedankt. Mit einem warmen Mundwinkel hochziehen und einem Nicken, legt Robert jedem von ihnen eine Hand auf die Schulter.  Nachdenklich sieht das Paar dem älteren hinter her, Easy löst sich zuerst aus seiner Starre.  Dankbar nimmt er Ringos Jacke von Tobias entgegen und liegt diese seinem Freund um die zitternden Schultern.
,,Wir müssen los,`` dringen Tobias unheilverkündende Worte an Ringos Ohr.

Im Gerichtssaal steht die Luft, fast so als hat sich jedes Staubkorn von der alten Wandverkleidung gelöst, um durch die Luft zu fliegen und Ringos Lunge zu reizen. Immer wieder muss er sich räuspern und nervös zupft er an dem Stoff seiner Hose rum. Sein Blick geht nervös durch den Raum,
zur Staatsanwältin, dann zur Protokollführerin und zu Marc. Zwei eiskalte Augen fixieren Ringo,
er muss schlucken es fühlt sich an, als würde er den Kloß in seinem Hals nie mehr los werden.
Unruhig rutscht er auf seinem Stuhl hin und her und fährt sich durch seine Haare. Seine Augen fixieren die Uhr, qualvoll  und langsam bewegen sich die Zeiger hinter dem Glas. Seine zitternden Finger nehmen das Glas in die Hand und führen es zu seinem Mund. Das kalte Wasser läuft seine Kehle runter, es fühlt sich fast so an als hätte er schon ewig nichts mehr getrunken. Für einen Moment schließt Ringo die Augen, er hat das Gefühl alles dreht sich in seinem Kopf. Am liebsten würden seine Finger die Krawatte lockern, die ihm den Hals abschnürt, aber sein Verstand spielt ihm einen Streich denn heute trägt er nicht mal  eine.  Ringos Atem wird schnell und unregelmäßig,  gerade denkt er, dass er die Panikattacke nicht mehr abwenden kann, als sich eine Hand auf seine legt. Überrascht öffnet er die Augen und ihn strahlen zwei besorgte braune Augen an. Der leichte Druck auf seiner Hand beruhigt in langsam und auch sein Herzschlag verändert sich. Verwundert sieht er Tobias an, weil Easy neben ihm sitzt. Dieser zuckt nur mit den Schultern und grinst vor sich hin. ,,,Bitte erheben sie sich für die ehrenwerte Richterin Gisela Maur. ``,,Danke setzen sie sich.`` Wie in Trance sieht Ringo zu der Richterin und dann Tobias, doch dieser ist selber so geschockt, das er Ringo gar nicht wahrnimmt.
,,Ich bitte die Anwälte zu mir nach vorne.`` weißt die Richterin streng an.  ,,Tobias, TOBIAS!``
Ringos Versuche bleiben jedoch ungehört, nur Easys warme weiche Hand bleibt und die Verunsicherung in den Augen des schwarzhaarigen. Er hat Angst, Ringo kann seine eigene Angst riechen und schlagartig wird ihm schlecht. Sein Körper verkrampft sich und seine Finger bohren sich
in die Armlehnen seines Stuhls.
 Tobias  nickt immer mal wieder und kehrt schließlich zu den beiden zurück, gerade als er sich setzt, kann Ringo nicht mehr warten: ,,Tobias was ist los?`` ,,Warum wurde der Richter gewechselt?`´
,,Wir haben Glück, der andere Richter ist krank geworden. Vielleicht sind jetzt unsere Chancen
nicht ganz verloren.`` Nervös sieht Ringo zu der Richterin, ihr strenger Blick und ihre braunen kinnlangen Haare, die akkurat frisiert sind,  lassen ihm kein gutes Gefühl. ,,Ich  möchte ihnen sagen das ich mich intensiv mit Ihrem Fall beschäftigt habe,`` ihr Blick gleitet streng von Marc zu Ringo,, ich glaube das viel vorgetragen wurde was der Wahrheit und der Unwahrheit entspricht. Ich würde gern die Plädoyers der Anwälte hören, bevor ich mein Urteil verkünde.  Ach ja und Herr Lassner hat mich in Kenntnis setzen lassen, das es heute Morgen einen Angriff auf Herr Beckmann gegeben hat. … Bitte Herr Kleudgen!`´ Selbstbewusst steht Kleudgen auf und geht auf den Tisch der Richterin zu:
,,Man sollte glauben das das Opfer Herr Beckmann ist, doch das eigentliche Opfer hier ist mein Mandant Marc Reichelt.  Das ganze hier ist eine Farce, ein Theaterspiel und ich muss sagen, sie haben ihre Rolle wirklich gut gespielt Herr Beckmann. Der Arme unverstandene kleine Junge, der jeden seiner Freunde hinter das Licht führt, seinen eigenen Freund wegen einem  beruflichen Geschäft verkauft hat.  Der sogar so weit geht für die Auslebung seiner sexuellen Vorlieben diesen Zirkus hier ab zu halten, schämen sie sich nicht?´´ ,,Herr Kleudgen, bleiben sie sachlich.`´ ,,Entschuldigen Sie, ich will nur das wir alle klar sehen. Herr Beckmann ist nicht das Opfer, er ist für jede Intrige offen, sogar wenn es um die Scheinbeziehung mit Herrn Winter geht. Er hat das alles geplant, nur um beruflich besser da zu stehen als mein Mandant. Und dafür ist ihm kein Mittel zu schade, er hat ja nicht mal  davor gescheut seine Eltern ins Grab zu bringen.`` ,,ES REICHT.`` ruft Tobias der nun aufgesprungen ist.  ,,Ich bin sowieso fertig, danke Herr Beckmann für diese tolle Vorstellung.`` sagte Kleudgen überlegen und klatscht in die Hände, so als würde er Ringo Applaus geben.
Besorgt mustert Tobias seinen Bruder bevor er aufsteht, er ist total bleich und sein ganzer Körper zittert. Er hat in den letzten Wochen oft Angst um Ringo gehabt, doch genau in diesem Moment  spürt er einfach das Ringo kurz davor ist zusammen zu brechen. Aus dem Augenwinkel sieht Tobias während er nach vorne geht die kleinen Gesten von Easy, das Streicheln über Ringos Handrücken, seine Hand an der Schulter des Größeren. Die liebevollen Worte, die er nicht höre kann, doch er sieht sie in jedem verzweifelten Lächeln in jeder kleinen Geste mit der Easy probiert Ringo zu erreichen.
Alles läuft für ihn wie in Zeitlupe ab, für eine Millisekunde würde er gern die Zeit anhalten und sich seinen ganzen Frust einfach aus der Seele schreien. Denn auch wenn der Tatbestand eindeutig ist, heißt das nichts solang die Richterin ihnen nicht glaubt. Kräftig pumpt sein Herz das Blut durch seine Venen, schmerzhaft zieht es sich immer wieder zusammen.  Er ist so unglaublich nervös, ihm ist viel zu warm und auf der anderen Seite  ist ihm eiskalt.  Immer wieder hört er die Worte von Kleudgen in seinem Kopf. Er hat recht, im Grunde hat Ringo sich nie selbst verziehen was er seinen Eltern vor ihrem Tod gesagt hat. Etwas was niemand weiß, er bereut nichts so sehr wie diesen Tag. Er würde alles dafür geben ihn rückgängig zu machen, er würde dafür alles geben noch einmal mit ihnen reden zu können.
,,Das Opfer hier ist nicht Marc Reichelt so wie uns sein Verteidiger verkaufen will, sondern mein Mandant. Ich sag nicht, dass er in seinem jungen Leben nicht schon einiges Falsch gemacht hat.
Auch mich, seinen Halbbruder hat er probiert zu betrügen. Doch vielleicht muss man Richard kennen, um zu verstehen, warum er so geworden ist. Nach dem Tod seiner Eltern, hat er für seine Schwester gesorgt. Die Miete bezahlt, ihr Studium finanziert, sich um sie gekümmert. Alle haben sich liebevoll um seine Schwester gesorgt, jeder weiß das Ringo nicht über seine Gefühle spricht, gerne auch abweisend ist. Also hat nie jemand gefragt wie es IHM wirklich geht. Es hieß nur ,, oh er geht zur Schule,
also berührt nicht mal der Tod seiner Eltern ihn, was für ein Arschloch.` Es ist eine bodenlose Frechheit  das Opfer als Täter hin zu stellen, Richard Beckmann wurde von Marc bedroht, halb tot geprügelt,
fast vergewaltigt, seine Beziehung sabotiert und heute Morgen haben Marc Reichelts Komplizen noch einmal probiert meinen Mandanten zu überfallen. Herr Beckmann ist unschuldig und hat schon so mit den Folgen des Vorfalls zu kämpfen und dann soll er für die kranken Intrigen dieses Irren ins Gefängnis gehen? Das ist nicht fair, das ist bei weitem nicht fair. Ich weiß nicht wie das Gericht entscheiden wird, aber eins kann ich Ihnen sagen, auch wenn wir uns bis vor kurzem gehasst  haben. Mein Bruder hat sich verändert, denn es ist etwas passiert was er nicht planen konnte. Die Liebe ist passiert und damit Ingo Winter, der einfach nicht geplant war. Er hat sich geändert und ich würde für meinen Bruder meine Hand ins Feuer legen.`` beendet Tobias seinen Vortrag. Überrascht sieht Ringo auf, gerade bei dem Wort fair hat Tobias sich in Rage geredet und betont dieses Wort bitter. Inzwischen steht er wieder neben Ringo und lässt seine Hand unauffällig Ringos Schulter drücken. Eine kleine Geste, genauso wie der Blick den Ringo seinem Bruder zuwirft, er dauert nicht lange vielleicht ein paar Sekunden.
Und doch sagt der Blickkontakt zwischen den Brüdern so viel aus, dass es Paco, Easy, Kira und Vivien die Tränen in die Augen treibt. Nicht alle Bewohner der Schillerallee sind an diesem Morgen mitgekommen, denn sie wissen genau das, dass heute für Ringo schon schwer genug wird auch ohne Zuschauer, auch ohne seine Eltern und auch ohne Elli. Ein kleines Nicken kommt von Tobias,
welches sofort von Ringo erwidert wird, als Zeichen das es ihm gut geht. ,,Ich danke Ihnen, ich werde mich kurz für das Urteil zurück ziehen.`` verkündet die Richterin. ,,Und jetzt?`` fragt Easy nervös, nachdem sich die großen Holztüren hinter der Richterin geschlossen haben. ,,Warten wir.`` sagt Tobias erschöpft und fährt sich über die Augen. Ringo dreht sich zu seiner Schwester um, die sofort seine Hand ergreift. Es ist dieser eine Augenblick indem die Geschwister sich so viel sagen können, ohne wirklich miteinander zu reden.
Alle hängen ihren Gedanken nach, während Ringo zusammen gesunken zwischen seinen Freunden sitzt, die mit ihm hier  sind und bangen. Die Übelkeit hat überhandgenommen, er muss sich wirklich zusammenreißen, nervös wischt er sich die einzelnen Haarsträhnen aus der Stirn. ,,Hey, HEY, hör mir zu. Es wird alles gut gehen, ich habe es dir versprochen. Du wirst sehen heute Abend liegen wir im Bett  und können das alles vergessen.`´ probiert Easy Ringo mit seinen Worten zu erreichen.
Vorsichtig hebt er Ringos Kinn an, so dass sein Freund ihn ansehen muss. In seinen Augen sieht Easy Angst, genau dieselbe Angst, die seinen Körper beherrscht, dieselbe Angst die Ringo lähmt. Die dunklen Ringe unter seinen Augen scheinen Ringo zu erdrücken.
Die Situation scheint ihn zu bezwingen, es gefällt Easy gar nicht wie sehr das alles seinem Freund zusetzt.   Wie gerne würde Ringo Easys Worte glauben, doch er sieht die Zweifel, in Easys Augen und auch in Tobias Augen und bei jedem anderen seiner Freunde.
Die Richterin betritt wieder den Raum: ,,Bitte erheben sie sich!`` Wie in Trance erhebt sich Ringo,
sein Blick probiert die Mimik der Richterin zu lesen. Es gelingt ihm einfach nicht, sein Blick wandert durch den Raum. Bis wieder eisblaue Augen auf blaugraue treffen, Marks Blick fixiert in so intensiv
als wolle er Ringo damit einschüchtern. Schnell wendet sich Ringo ab, seine Hand wird fest von Easys umklammert. Ein kurzer Blick zu dem schwarzhaarigen, zeigt ihm die gleiche Angst, die er gerade spürt. Sein Herz rast und überschlägt sich, da es vor Nervosität unrhythmisch in seiner Brust schlägt. Sein Körper gehorcht ihm nicht mehr, er rutscht von einer Stuhlseite auf die andere.
Die Kopfschmerzen kehren zurück und auch die Übelkeit, viel schlimmer als je zuvor. Mit jeder Minute befürchtet Ringo die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren. Die Bilder strömen auf ihn ein und er kann nicht sagen wie lange er dem noch standhält. Wie lange sein Körper, sein verstand das noch aushält, denn dieser Vorfall hat ihn verändert. Er spürt die warme weiche Haut, an seiner Hand und den leichten Druck von Easys Fingern. ,,Ich habe mich intensiv mit ihrem Fall beschäftigt und ich bin ehrlich, nach dem momentanen Stand sehe ich einen jungen Mann der völlig fehlgeleitet wurde.`` fängt die Richterin  das Urteil an. Ihr Blick wandert von Ringo zu Mark und verharrt bei jedem von ihnen eine Weile. ,,Ich will  ehrlich sein Herr Beckmann, für sie sieht es nicht gut aus.Mein Gefühl  und die Einschätzung meines Kollegen bezüglich des Falls lassen sie nicht gerade gut da stehen. Ich werde ihnen sagen was ich sehe, einen jungen aufstrebenden jungen Mann, der erheblich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung sucht. Einen jungen Mann der sich  hinter seinen Mauern versteckt und alle seine Mittel nutzt um an sein Ziel zu kommen.`` Ringos Kopf ist leer, er erträgt den Blick der Richterin nicht mehr und senkt seinen Blick, auf die verhakten Finger von Easy und sich.  Er spürt den stechenden Schmerz in seiner Brust, der sich mehr und mehr ausbreitet. Mit jedem Schlag scheint sein Herz aufgegeben zu haben richtig seiner Aufgabe nach zu gehen. Es ist zu viel, es ist einfach zu viel.
Das Zittern   wird mit jeder Minute stärker und langsam füllen sich seine Augen mit Tränen. Die Sicht auf Ihre Hände verschwimmt und Ringo spürt wie die salzige Flüssigkeit sich ihren Weg über seine Wangen sucht. ,,In Ihnen sehe ich auch einen jungen Mann der nicht davor zurück schreckt bis zum äußersten zu gehen, sogar sich strafbar zu machen und es so darzustellen, das sie unschuldig wirken. Sein berufliches Ziel mit allen Mitteln zu verfolgen und uns hier vor Gericht eine ausgesprochen gute schauspielerische Leistung zu liefern. Deswegen  und unter Berücksichtigung aller Beweise komme im Name des Volkes zu folgendem Urteil. Ich erkläre Sie Mark Reichelt für Schuldig und setze ihr Strafmaß auf 5 Jahre ohne Bewährung an. Sie sind in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Ich muss sagen sie  Herr Reichelt haben eine wirklich überzeugende Show geliefert und hätten mich auch fast aufs Glatteis geführt. Aber der erneute Überfall von ihren Kollegen und eine höhere Macht, die selbst sie nicht kontrollieren können, haben sie überführt. Denn die aufrichtige Liebe ist eine Macht,
die selbst in den schwächsten Momenten nicht gespielt werden kann.  Etwas Aufrichtiges und Wahres kann man nur in den Augen der Seele sehen und das konnte ich sowohl bei Herrn Beckmann, bei Herrn Winter und auch bei Herrn Lassner.  Sie können natürlich gerne innerhalb von 14 Tagen Wiederruf  einlegen, doch ich verspreche ihnen jetzt schon Herr Reichelt das  es nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Damit sind die Vorwürfe gegen sie Herr Beckmann fallen gelassen, sie dürfen gehen.
Die Verhandlung ist geschlossen.``
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